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9. November

9. November 1938: Reichspogromnacht.

Das Nazi-Regime organisierte am 9. November 1938 landesweite Pogrome gegen den jüdischen Bevölkerungsteil. Dies markierte den Auftakt einer landesweiten Enteignungs-, Deportations- und Vernichtungspolitik , die mit Millionen von Toten endete.

Dieser Tag hat im Gedenken eine besondere Bedeutung. Es soll an eine Zukunft ohne Rassismus mahnen. Das Erinnern daran ist immer wieder ein besonderes Anliegen aller antifaschistische Kräften.

Im Jahr 2009 wurde allerdings am 9. November der zehnte Jahrestag des Mauerfalls besonders aufwendig gefeiert. Die Gräuel schienen teilweise in Vergessenheit zu geraten.
Am 9. November 2010 und auch 2009 marschierte die NPD in Borbeck.
Gegen das Vorhaben der Rechten hat sich ein breiter Widerstand gebildet.

Auch in Essen wurde darüberhinaus die Erinnerung durch besondere Veranstaltungen wach gehalten. So haben der VVN-Bund der Antifaschisten zusammen mit dem DGB und der VHS 2010 eine Lesung vorbereitet und 2009 eine Ausstellung mit begleitenden Diskussionsbeiträgen angeboten.

Inhaltsverzeichnis

09. November 2010

Lesung: aus Peter Gingolds "Paris – Boulevard St. Martin"

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Die VHS Essen und der VVN-BdA Essen laden ein:
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Buchlesung

Peter Gingold

Paris – Boulevard St. Martin no. 11
Ein jüdischer Antifaschist und Kommunist in der Résistance
und der Bundesrepublik

Es lesen Alice Czyborra, Tochter von Peter Gingold, und sein Enkel Juri Czyborra

Wann? Dienstag, 09. November 2010, 19.00 Uhr
Wo? VHS, Burgplatz, Raum 1.02
                       

Wer Peter Gingold persönlich kannte oder ihn erlebte, wird ihn in seinem Buch „Paris – Boulevard St. Martin Nr. 11“ lebendig finden, quirlig wie immer. Mit rhetorischem Talent konnte er besonders junge Menschen begeistern, wenn er aus seinem Leben und dem riesigen Fundus seiner Erfahrungen sprach.

Im Kriegsjahr 1916 wurde er in eine jüdische Familie geboren. Als Jugendlicher erlebte er den aufkommenden Faschismus, den Antisemitismus in Frankfurt/Main, schloss sich der Arbeiterjugendbewegung an und nahm teil am ersten Widerstand gegen das faschistische Hitlerregime. Bereits im Sommer 1933 emigrierte seine Familie nach Frankreich. Peter Gingold, wenige Monate später aus Deutschland ausgewiesen, folgte seiner Familie ins Exil nach Paris, erlebte Existenzkampf und die Angst vor Abschiebung der Emigranten. Nach der Besetzung Frankreichs durch die deutsche Wehrmacht schlossen er und seine Frau Ettie sich dem Widerstand in den Reihen der Résistance an. Peter Gingold wurde verhaftet und es gelang ihm in einer unglaublichen Flucht den Fängen der Gestapo zu entkommen. Er nahm am Aufstand zur Befreiung von Paris teil und erlebte den 8. Mai 1945 in Turin mit der italienischen Resistenza.

Zurückkehrt nach Deutschland gestaltete er dort den politischen Neuanfang aktiv mit. Doch dann erlebte er und seine Familie fast zwei Jahrzehnte erneute Verfolgung, Ausbürgerung und Berufsverbot.

Trotz allem, bezeichnete Peter Gingold sich später selbst als „Reisender im Mut machen“. Mit seinen Erinnerungen verstand er es nicht nur, die Leserinnen und Leser in Spannung zu versetzen, seine Erfahrungen sollen Mut machen, Mut zur Zivilcourage.

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Veranstalter: Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) Essen; Volkshochschule (VHS) Essen


Zeitgleich zur Lesung führte die NPD in Essen-Borbeck eine Demonstration durch. Essen-stellt-sich-quer nahm dies zum Anlass, um auf der Gegendemonstration eine Rede von Peter Gingold zu verlesen, die er früher schon einmal in Essen gehalten hatte.
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Hier gibt es eine Tonaufnahme (30 Mb) der durchgeführten Lesung



Rock gegen Rechts Festival Im Falkenzentrum Süd

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Pressemitteilung und Einladung

Rock gegen Rechts Festival Im Falkenzentrum Süd
am 5. und 6. November 2010

Am 16. juni 1979 fand das erste "Rock gegen Rechts" - Festival in Frankfurt am Main statt, bei dem sich 30.000 Musikfans zusammengefunden haben. Damals war das Festival die Antwort auf eine Ankündigung der NPD, Frankfurt zur "ersten nationaldemokratischen Stadt Deutschlands" machen. Das Konzert war eine erfolgreiche Gegenveranstaltung zum geplanten NPD-Treffen in der Stadt.

Von Musik lassen sich vor allem jugendliche stark beeinflussen, was durch "rechte Schulhof- CDs" bestätigt werden kann. "Es gibt kein besseres Mittel als Musik, um die Jugend für unsere Ideen zu begeistern", erklärte der Sänger der neonazistischen Band Skrewdriver.


Dieser Entwicklung wollen wir, Die Falken, entgegentreten und veranstalten jährlich ein "Rock gegen Rechts" Konzert. In diesem Jahr ist es bereits das sechste "Rock gegen Rechts" Konzert.

Da im Vorfeld ein großes Interesse bei den Bands bestand, sich an dem Event zu beteiligen, wurde aus einem eintägigen Konzert ein kleines Festival über zwei Tage.

Am Freitag, den 05.November 2010 um 19 Uhr beginnt die Veranstaltung mit den Essener Bands "Giesela Johnson", "Hans Reloaded" und "Harte Worte".

Am Samstag, den 06.November 2010 geht es ab 14 Uhr mit inhaltlichen Workshops zum Thema "Rechtsextremismus" weiter. Anschließend ab 18 Uhr spielen die Bands "Stadtlichter",

"Maulhaelden", "Through the park" und "Disruptive Minds". Eine Tageskarte kostet 3,50 Euro und ein Ticket für beide Tage 5 Euro. Die Teilnahme an den Workshops ist kostenlos.

PS: Wir würden uns sehr freuen, Sie auf unserer Veranstaltung begrüßen zu können!


Mit der Bitte um Veröffentlichung
Team des Falkenzentrum Süd


Ordner.png Dieser Text wird auch in Rundbrief 133 benutzt.


Widerstand gegen Aufmarsch der NPD

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Am Dienstag den 9. November 2010 war die NPD in Essen-Borbeck. Sie sind dort vor dem Bürgeramt in der Rudolf-Heinrich-Straße aufmarschiert und wollten eigentlich einen Kranz vor dem Kriegerdenkmal auf dem benachbarten Germaniaplatz niederlegen.

Man fragt man sich, wieso gerade an so einem Tag, der für die Deutsche Geschichte so viel Bedeutung hat, die Neonazis in Borbeck demonstrieren dürfen?

Gegen das Vorhaben der Rechten hat sich ein breiter Widerstand gebildet.

Essen-stellt-sich-quer veranstaltete zeitgleich in unmittelbare Nähe eine Kundgebung mit anschließender Mahnwache.


  • Ausführlichere Informationen über die Kundgebung und eine Übersicht der Pressemeldungen kann man bei Essen-stellt-sich-quer finden.



09. November 2009

Veranstaltungen im November 2009

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Ausstellung:

Neofaschismus in Deutschland

26. Oktober bis
19. November
in der VHS Essen, Burgplatz 1

In der Bundesrepublik werden Menschen beschimpft, bedroht, zu Tode getreten oder bei lebendigem Leibe verbrannt, weil sie als Fremde oder Andersdenkende gehasst werden – über 100 Todesopfer hat die neofaschistische Gewalt seit 1990 bereits gefordert. Die Ausstellung will über Ideologie und Praxis des Neofaschismus informieren. Sie will Ursachen für die Ausbreitung rassistischen, nationalistischen und militaristischen Denkens und Handelns benennen und damit ein klares Zeichen gegen Intoleranz setzen.

In Zusammenarbeit mit der VVN-Bund der Antifaschisten besteht für (Schüler-) Gruppen die Möglichkeit, im Anschluss an den Besuch der Ausstellung ein Gespräch mit Zeitzeugen zu führen. Termin- absprachen sind nötig. Für weitere Informationen: DGB Mülheim- Essen-Oberhausen, Telefon: 0201 632 470

Eine Veranstaltung der DGB Region Mülheim-Essen-Oberhausen in Zusammenarbeit mit der VVN sowie der VHS Essen DGBLogo.pngEq-VVNBDALogo.gif


Weitere Informationen zur Ausstellung


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Veranstaltungshinweise

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29. Oktober, 19.00 Uhr in der VHS
„Die Nazis und ihr Geld“ - Historische und aktuelle Aspekte,
Wolfgang Dominik, Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bund der Antifaschisten (VVN-BdA)

Die Geldgeber der faschistischen Bewegung in den Jahren der Weimarer Republik und dann im Faschismus ab 1933 waren kapitalistische Kreise, welche von Anfang an Interesse an dieser Bewegung und speziell an Hitler hatten. Schwieriger ist es festzustellen, wie viel Geld genau die faschistischen Parteien heute bekommen. Klar ist, dass ein Großteil immer aus unseren Steuergeldern über den Staat fließt. Aber es gibt auch private Unterstützer, z. T. mit erheblichen Spenden. Wolfgang Dominik, u. a. ca. 30 Jahre lang Lehrbeauftragter für Soziologie an der Universität Dortmund, zuletzt mit dem Schwerpunkt Neofaschismus, wird versuchen, historische und aktuelle Hintergründe zu erhellen.

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07. November, 14.00 bis 17.00 Uhr in der VHS
Lifestyle, Symbole und Codes von NeoNazis,
Robert Bosch,

Schon länger identifizieren sich Neonazis nicht nur über Springerstiefel und Glatze. Vielmehr gibt es eine Reihe von Symbolen und Dresscodes, welche erst auf den zweiten Blick erkennbar sind: Aber was ist „rechts“ und an welchen Zeichen kann man „Rechts“ erkennen? Ist der Träger eines Fred-Perry-Shirts ein Neonazi? Wie sieht es mit anderen Marken aus? Welche Bands werden vorwiegend gehört und welche sind verboten. Beispiele gestalten den Workshop praxisnah und helfen so, sich besser zurechtzufinden.

(eine Veranstaltung der VHS)

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8. November, 11.00 – 13.00 Uhr in der VHS
Es begann nicht am 9. November 1938
Gedanken zu zwei deutschen Schicksalsdaten,
Ralf Giordano, Schriftsteller

Am 70. Jahrestag des knapp gescheiterten Bombenattentats des Tischlers Georg Elser erinnert der Schriftsteller Ralph Giordano an diese schicksalhafte Tat, die auch Jahrzehnte nach dem Ende des Krieges nicht die verdiente Beachtung gefunden hat. Im Gegensatz zu den Verschwörern des 20. Juli um Graf Stauffenberg blieb dem einfachen Bürger und Einzeltäter Elser lange Zeit die Anerkennung versagt. Als in der Nazizeit verfolgter Jude versteht sich Ralph Giordano als verantwortungsbewusster und wachsamer Bürger, der mit aller Kraft und unerschütterlicher Überzeugung gegen den Rechtsradikalismus kämpft.
(eine Veranstaltung der VHS)

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19. November, 19.00 Uhr in der VHS
„Neonazismus und extrem rechte Wahlparteien in NRW“,
Jürgen Peters, Freier Journalist und Bildungsreferent des Antirassistischen Bildungsforums Rheinland

Das Bild des Neonazismus hat sich verändert, die Kleinstparteien der frühen 90er Jahre gibt es nicht mehr, von den extrem rechten Parteien ist allein die NPD gestärkt aus dieser Entwicklung hervorgegangen. Parallel dazu haben sich im neonazistischen Spektrum ab Mitte der neunziger Jahre anstelle von Parteien die sogenannten Freien Kameradschaften gebildet. Sie kooperieren zum Teil eng mit der NPD, grenzen sich aber auch scharf von der Partei ab. Innerhalb der "Freien Kameradschaften"-Szene gibt es die "Autonomen Nationalisten" die sich jener Symbole, Codes und Sprachformen bedient, die bisher eindeutig in der Linken verortet waren.



Die Veranstalter behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die extrem rechten und/oder rassistischen Parteien, Organisationen oder Szenen angehören bzw. bereits in der Vergangenheit durch rassistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.


Aufruf zur antifaschistischen Kundgebung der Antifa Essen Z

Gedenkkundgebung in Essen-Borbeck: Nie wieder Faschismus – Nie wieder Volksgemeinschaft!

Antifaschistische Kundgebung im Gedenken an die Pogromnacht am 9. November 1938

Montag, 9.11.2009 – 18.30 Uhr – Borbecker Platz – Essen Borbeck

Veranstalter Antifa Essen Z

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 ereigneten sich im gesamten deutschen Reichsgebiet massive Gewaltexzesse und Sachbeschädigungen gegenüber jüdischen Bürgern und ihrem privaten und öffentlichen Besitz wie Geschäften und Synagogen. Auch wenn dies in den längst gleichgeschalteten deutschen Medien so dargestellt wurde, handelte es sich nicht um eine spontane Erhebung eines wie auch immer gearteten ‚deutschen Volkszorns‘, sondern um eine abgestimmte Aktion unter Anführerschaft der nationalsozialistischen Schlägertruppen, der SA. Am Morgen des 10. November konnte man im ganzen Reich eine grausame Bilanz ziehen: Hunderte Geschäftsräume, Friedhöfe und Synagogen waren verwüstet, zerstört oder in Brand gesetzt, Menschen waren auf offener Straße verprügelt oder gar getötet worden.

Diese Ereignisse markierten eine massive Radikalisierung der antijüdischen Politik des NS-Regimes: Waren jüdische Mitbürger bis dato vor allem mit immer neuen diskriminierenden Gesetzgebungen konfrontiert wie den ‚Nürnberger Rassegesetzen‘ von 1935, die so genannte ‚Mischehen‘ zwischen JüdInnen und NichtjüdInnen verboten, oder den 1938 erlassenen Arisierungsgesetzen, die eine Enteignung jüdischer Geschäftsleute und ihres Kapitals zum Ziel hatte, so wurde der staatlich praktizierte Antisemitismus in der Folge der oben genannten Ereignisse immer gewalttätiger und kulminierte letztlich im Versuch, alle JüdInnen Europas gezielt und umfassend zu ermorden, in der Shoah.

In den Ereignissen vom 9./10. November zeigte sich aber noch Einiges mehr: Nicht nur, dass der Nationalsozialismus und seine Sachwalter auf allen Ebenen bereit und willig waren, ihre politischen Pläne notfalls mit Gewalt durchzusetzen, die Administration konnte sich vielerorts auch auf die tatkräftige Unterstützung der Bevölkerung verlassen: Gerade in den Gewaltexzessen der Reichspogromnacht griff eben nicht nur die SA, sondern auch der ‚ganz normale Deutsche‘ zum Stein, um die Geschäfte jüdischer NachbarInnen einzuwerfen.

Die von den Nazis aufgrund der Menge an zu Bruch gegangenen Fenstern zur ‚Reichskristallnacht‘ stilisierten Vorgänge hatten demnach einen Doppelcharakter: Einerseits wurde den jüdischen MitbürgerInnen klar gemacht, dass sie in der noch zu formenden deutschen Volksgemeinschaft keinen Platz mehr finden würden, andererseits hatte man anhand dieser Ereignisse einen Gradmesser bezüglich der Frage, inwiefern zügellose Gewalt von der breiten Masse der Bevölkerung toleriert oder gar befürwortet wurde. Und diese Strategie funktionierte, denn es gab kaum nennenswerten Widerstand gegen diese Gewaltexzesse in der Restbevölkerung.

In der gegenwärtigen Bundesrepublik wird die Erinnerung an die Ereignisse vom November 1938 durchaus gepflegt: In beinahe jeder größeren deutschen Stadt gibt es am 9. November Gedenkveranstaltungen, organisiert von kirchlichen und/oder städtischen Organisationen und auch hier in Essen hielt der scheidende Oberbürgermeister Reiniger (CDU) am 9.11.2005 eine Rede in der wiedererrichteten Synagoge, die sich mit genau diesem Thema befasste. Richtigerweise bemerkte er, dass sich eine „weitgehend desinteressierte Nachkriegsgesellschaft“, um seine eigenen Worte zu benutzen, lange Zeit nicht sonderlich für eine umfassende Beschäftigung mit der Stadtgeschichte motivieren ließ.

Heute scheint sich dies geändert zu haben: In Essen und vielen anderen deutschen Städten sind Erinnerungstafeln, ‚Stolpersteine‘ und Gedenkstätten errichtet worden, um gegen das Vergessen und Nicht-Erinnern anzukämpfen. Schulklassen werden durch das Stelenfeld in Berlin oder die NS-Dokumentationsstätten in ihren Heimatstädten geführt, im Schulunterricht wird in verschiedenen Fächern und zu verschiedenen Anlässen die Thematik Nationalsozialismus behandelt. Es lässt sich festhalten: Die Erinnerung an die Shoah und alle Ereignisse, die ihr vorausgingen, sind ein fester Bestandteil bundesdeutscher Erinnerungspolitik.

Was diese staatliche Erinnerungspolitik jedoch weder leisten kann, noch will, ist Ideologiekritik: Über die Inhalte der NS-Ideologie, die Beweggründe für den Antisemitismus und auch den Rassismus, der beinahe die gesamte deutsche Gesellschaft erfasste, wird geschwiegen. Derartige Diskussionen werden zwar im akademischen Rahmen an Universitäten und auf HistorikerInnentagungen geführt, aber ein Transport der dort gesammelten Erkenntnisse, etwa über den korporativen Charakter des Nationalsozialismus, über die mindestens schweigende, meistens jedoch begeistert zustimmende Massenbasis, derer sich die politischen Entscheidungsträger bei jeder noch so menschenverachtenden Gesetzesänderung sicher sein konnten, findet nicht statt. Stattdessen wird vielerorts noch immer ein Bild eines deutschen Staates vermittelt, in dem eine kleine, machtbesessene und psychopathische Elite – Hitler, Goebbels, Göring und einige ihrer Adjutanten sowie die SS, in der niemand gewesen sein will – eine große, berauschte, aber unschuldige Masse von Menschen quasi schlaftrunken in den Untergang führte.

Dass es zur Umsetzung der NS-Diskriminierungs- und später: Vernichtungspolitik aber nicht nur amoralischer Handlanger und Gehilfen bedurfte, sondern Menschen, die ihre Entscheidung aus bestem Wissen und Gewissen treffen, spielt in der Vermittlung keine Rolle. Viel zu sehr ist man damit beschäftigt, die Vorgänge zu entpersonalisieren und externalisiert allzu schreckliche Tatsachen zum Werk von Menschen, die keine Spuren in der Gesellschaft zu hinterlassen haben scheinen: Kaum ein Deutscher hatte laut eigenem Bekunden überzeugte Nazis in seiner eigenen Familie, immer waren es die anderen.

Dass zum Beispiel auch in Essen nicht nur die Synagoge am Porscheplatz in Flammen aufging, sondern auch jene im Stadtteil Steele und zahlreiche jüdische Geschäfte unter den wachen Augen ihrer einstigen Mitbürger zerstört wurden, sich also mindestens eine Kultur des Wegschauens, eher noch eine der teils stillen, teils tatkräftigen Zustimmung vorfinden ließ, spielt auch in der bereits erwähnten Rede des Oberbürgermeisters keine Rolle. Beklagt wird hier dementsprechend nicht die Geisteshaltung der Zeitgenossen, sondern nur der Effekt der Vorgänge, der in der Umdeutung nicht auf die Gräueltaten des NS verweist: „Um so mehr ist es heute unsere Verpflichtung, den Faden wieder aufzugreifen, und den prachtvollen Bau – mit seiner wechselvollen Geschichte, aber ebenso mit dem Blick für die Zukunft, als Zierde der Kulturstadt Essen zu bewahren und weiterzuentwickeln.“ (Reiniger 2005)

Wir wollen, 71 Jahre nach den Ereignissen dieser Novembernacht, den Fokus der Betrachtung zumindest ein wenig zu verschieben versuchen: Weg von einer bloßen Erwähnung der Ereignisse hin zu einer Kontextualisierung ins Zeitgeschehen. Wir wollen uns der Frage widmen, welche Ideologie(n) innerhalb einer Gesellschaft der breiten Zustimmung bedürfen, damit derartige Vorgänge ohne nennenswerte Proteste und Unmutsäußerungen geschehen können, und wir wollen uns auch der Frage widmen, inwiefern einzelne Versatzstücke der damals in der deutschen Bevölkerung verbreiteten Geisteshaltungen noch immer in den Köpfen vieler Mitbürger vorhanden sind.

Der Ort unserer Kundgebung ist vor diesem Hintergrund nicht nur als historischer Schauplatz der Pogromnacht von Bedeutung. Essen-Borbeck ist seit Jahren auch eine lokale Hochburg derer, die sich unverhohlen in die Tradition der historischen NationalsozialistInnen stellen, ihre Taten verherrlichen und ihren faschistischen Vorbildern im Rahmen ihrer Möglichkeiten nacheifern. Und der Stadtteil ist eine Hochburg derer, die das neonazistische Treiben gleichgültig oder gar wohlwollend tolerieren. Auch gegen diese Verhältnisse wollen wir intervenieren und verstehen die Kundgebung dazu als praktischen Beitrag und Auftakt.


Stadtspiegel von 11.11.09


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Stadtspiegel / Essen,Mittwoch, 11.11.2009

Gegen das Vergessen

Antifaschistische Demo in Borbeck.


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Der 9. November wurde in diesem Jahr ausgiebig gefeiert: 20 Jahre Mauerfall. Aber bereits vor 71 Jahren wurde an diesem Tag in Deutschland Geschichte geschrieben – leider ein sehr dunkles Kapitel: Die Reichspogromnacht.

Dieses Ereignis darf nicht vergessen oder verdrängt werden, zumal es in Deutschland immer noch eine wieder stärkere Szene gibt, die diese Ereignisse verharmlost. In Borbeck rief deshalb die Antifa Essen Z zu einer Kundgebung auf, erinnerte an das Geschehen und zeigte heutige Missstände auf. Die jugendlichen Veranstalter der linken Szene wurden dabei unterstützt: Insgesamt waren fast 100 Bürger dem Aufruf gefolgt und zeigten trotz Regen und Kälte Flagge.


Kommentar
Der falsche Weg

Melanie Hohmann

Unweit der antifaschistischen Demonstration fand auf dem Germaniaplatz zur gleichen Zeit eine genehmigte(!) Veranstaltung der NPD statt. Ausgestattet mit Fackeln demonstrierten 25 Mitglieder der rechten Szene ihre vermeintliche Macht. Glücklicherweise waren auf der Gegendemo viermal so viele Bürger. Aber hätte man diese symbolträchtige Veranstaltung der Rechten nicht verbieten müssen?
Bildunterschrift:
Auf dem Borbecker Platz versammelte sich die Essener Antifa zu einer Kundgebung gegen das Vergessen. Insgesamt kamen an die 100 Bürger und zeigten Flagge. Foto Winkler

Presseerklärung der Ratsfraktion der Linkspartei

Die Fraktion "Die Linke" im Essener Stadtrat hat am 13. November der Polizeipräsidentin geschrieben PDFicon.gif und bat um Aufklärung, warum die Nazis am 09.11.2009 in Essen demonstrieren konnten. Die Presseerklärung dazu hatte den Titel
Warum durften Nazis am 9.11. demonstrieren?.

Wörtlich heißt es in der Anfrage an die Essener Polizei:

Am 9. November 2009, dem 71. Jahrestag der Reichspogromnacht, fand in Essen-Borbeck eine antifaschistische Gedenkkundgebung statt. Gleichzeitig, und in unmittelbarer räumlicher Nähe, hielten rund zwanzig Neonazis unter den Augen der Essener Polizei eine Versammlung auf dem Germaniaplatz ab, bei der sie NPD-Fahnen und brennende Fackeln mit sich führten.
Die Symbolik brennender Fackeln am Jahrestag der Pogromnacht stellt eine unverhohlen positive Bezugnahme der Neonazis auf die Ereignisse vor 71 Jahren dar. Deshalb fragen wir Sie:
  • Warum wurde die Kundgebung der Neonazis unter diesen Umständen genehmigt?
  • Warum wurden, anders als noch am 9.November 2004, keine Versuche unternommen, die Versammlung der Neonazis zu verbieten?
  • Warum wurde die Öffentlichkeit nicht schon im Vorfeld über die geplante Versammlung in Kenntnis gesetzt?


Auf die Antwort sind wir gespannt.


Wir sind umgezogen: von der Friedrich-Ebert-Str. zur Steubenstr.49, 45138 Essen
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