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Seitenübersicht

Mulime reagieren beleidigt auf Veranstaltungsankündigung der Alten Synagoge

Die regelmäßig stattfindenden "Donnerstagsgespräche" in der Essener Alten Synagoge sind vom Ankündigungstext und der Thematik schon mehrfach kritisiert worden (hier ein Vorfall aus 2008).


Im Mai 2011 hat Muhammet Balaban, Vorsitzender des Integrationsrates und Sprecher der Kommission „Islam und Moscheen in Essen" gegen den Ankündigungstext einer Veranstaltung protestiert.

Wir dokumentieren hier die auffällig heftige öffentliche Diskussion darüber.

Inhaltsverzeichnis

12.05.2011, Leserbrief: Klima gegen OB irritiert

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an WAZ / Essen,Donnerstag, 12.05.2011

Leserbrief: Klima gegen OB irritiert


  • Dieser Leserbrief wurde bisher nicht veröffentlicht.
  • Der hier angesprochene Vorfall von 2008 ist hier dokumentiert.

... das Klima, das gegen den Oberbürgermeister aufgebaut wird, irritiert mich.

Vor ca. 3 Jahren gab es ein Schreiben des Flüchtlingsrates an Herrn Scheytt mit folgendem Inhalt:

"In der Reihe "Donnerstaggespräch in der Alten Synagoge Essen" findet sich im Einladungsflugblatt für den 06.11.2008 u.a. folgender Text:


'Wie ist es zu erklären, dass Demonstrationen gegen den Antiislamisierungs-kongreß in Köln vorwiegend als Zivilcourage wahrgenommen werden? Tatsache ist, dass die Gewalt linksradikaler Gruppen zum Abbruch der rechtsstaatlich genehmigten Veranstaltung führte. Warum fällt dies nicht in die politische Gewichtung?
Politische Kultur braucht aber ein Gleichgewicht der Vorstellungen und Ideen, damit auch (national-)konservative Positionen als wichtig für die gesellschaftliche Stabilität erkannt werden.'


Im ersten zitierten Absatz wird der erfolgreiche Widerstand der Kölner Bevölkerung gegen den Antiislamisierungskongress mutwillig mit "Gewalt linksradikaler Gruppen" in Verbindung gebracht. Das breite Bündnis der Stadt Köln hat solche einseitigen politischen Diffamierungsversuche nicht verdient.

Im zweiten Absatz wird der Antiislamisierungskongress als gesellschaftlich wichtig und als Notwendigkeit für die "Politische Kultur" bezeichnet. Wir glauben, dass eine europaweite Versammlung von Vertretern faschistischer Bewegungen diese Eigenschaften nicht erfüllt und selbstverständlich bekämpft werden muss.

Wir halten es für unerträglich, wenn hier im Namen der Stadt Essen demverhinderten Antiislamisierungskongress nachgeweint wird."


Die Kritiker derartiger Botschaften der Synagoge haben diese Dinge im Interesse an der Integrationsarbeit in der Stadt nie an die große Glocke gehängt. Was Herrn Balaban und Herrn Pass jetzt wiederfährt, das ist das Ergebnis polarisierender Wirkungen bestimmter Texte der Synagoge. Hier werden Ursache und Wirkung teilweise auf den Kopf gestellt. Das schadet nicht nur dem OB und dem Integrationsrat, sondern der ganzen Stadt, in der so viele unterschiedliche Menschen aller möglichen Ursprünge zusammenleben.

Bernhard Trautvetter, Essen

12.05.2011, WAZ: Leserbrief: Nie "Hass" erlebt

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WAZ / Essen, Rubrik Leserforum,Donnerstag, 11.05.2011

"Leserbrief: Nie "Hass" erlebt

>>Debatte Alte Synagoge


Der geschilderte Vorgang (Brief Balaban/ Reaktion Paß) ist einfach empörend und inzwischen zum Glück mehrfach kritisch kommentiert worden! Dennoch erlaube ich mir die Frage: Haben die Herren Balaban und Paß überhaupt an entsprechenden Veranstaltungen in der Synagoge teilgenommen?

Ich bekomme seit Jahren die Programme und habe diverse V01träge/ Diskussionen mitgemacht. Weder in den Ankündigungen noch in den Vorträgen und Diskussionen habe ich jemals etwas erlebt, was man als "Misstrauen, Hass, Anfeindung und Unfrieden" bezeichnen könnte!

Im Gegenteil - in ihren Äußerungen war Frau Dr. Brocke immer um Objektivität bemüht, hat in der Wahl der Referenten eine bemerkenswerte Vielfalt vorgenommen (die sich keineswegs nur mit Antisemitismus beschäftigten), und hat auch durchaus kritische Distanz zu jüdischen Problemen gezeigt. Das Problem der Hassprediger dürfte hierzulande von moslemischer Seite größer sein.   Cornelia Fitger, Essen

11.05.2011, NRZ: Die Linke will sachlich über Synagoge reden

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NRZ / Essen,Mittwoch, 11.05.2011

Die Linke will sachlicher über Synagoge reden


Im Streit um die Formulierung eines Ankündigungstextes für einen Vortrag in der Alten Synagoge, hat sich nun auch die Ratsfraktion der Partei Die Linke zu Wort gemeldet. Ihr Fraktionsvorsitzender, Hans Peter Leymann—Kurtz, forderte eine "Versachlichung der Debatte" um das Programm des Hauses, dem der Sprecher der "Kommission Islam und Moscheen in Essen", Muham- met Balaban, in einem offenen Brief vorwarf, es säe Hass und stifte zur Anfeindung gegen Muslime an. Das Haus jüdischer Kultur ist für Leymann-Kurtz ein Ort, "von dem kontroverse Debatten ausgehen und ausgehen sollen". Dies sei unbequem wie wichtig, verlange aber auch "Fingerspitzengefühl und Dialogbereitschaft". Auch Vortragsinhalte müssten sich öffentlicher Kritik stellen. "Provokation alleine reicht nicht", so Leymann—Kurtz.

Die Linke begrüße daher die Initiative des Kulturdezernenten Andreas Bomheuer, Balaban und die Leitung des Hauses jüdischer Kultur "an einen Tisch zu bringen und einen konstruktiven Disput zu ermöglichen". Dass die Bürgermeister Franz-Josef Britz (CDU) und Rolf Fliß (Grüne), den SPD-Oberbürgermeister Reinhard Paß kritisierten, weil dieser den Eindruck erweckte, Balabans Kritik treffe zu, sei nach Meinung der Linken "parteipo1itisch ,motiviert" und "kontraproduktiv" gewesen.   niko

1x.05.2011, WAZ: Alte Synagoge: Linke fordern Versachlichung

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WAZ / Essen,Mittwoch, 1x.05.2011

Alte Synagoge: Linke fordern Versachlichung


Im Streit um die Formulierung eines Ankündigungstextes für einen Vortrag in der Alten Synagoge, hat sich nun auch die Ratsfraktion der Linken zu Wort gemeldet. Ihr Fraktionsvorsitzender, Hans Peter Leymann—Kurtz, forderte eine "Versachlichung der Debatte" um das Programm des Hauses, dem der Sprecher der "Kommission Islam und Moscheen in Essen", Muhammet Balaban, in einem offenen Brief vorwarf, es säe Hass und stifte zur Anfeindung gegen Muslime an. Das Haus jüdischer Kultur ist für Leymann-Kurtz ein Ort, "von dem kontroverse Debatten ausgehen und ausgehen sollen". Dies sei so unbequem wie wichtig, verlange aber auch "Fingerspitzengefühl und Dialogbereitschaft". Auch Vortragsinhalte müssten sich öffentlicher Kritik stellen. "Provokation alleine reicht nicht", so Leymann-Kurtz.

Die Linke begrüße daher die Initiative des Kulturdezernenten Andreas Bomheuer, Balaban und die Leitung des Hauses jüdischer Kultur "an einen Tisch zu bringen und einen konstruktiven Disput zu ermöglichen".

1x.05.2011, NRZ: Leserbrief: Balaban macht sich unmöglich

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NRZ / Essen, Rubrik Leser-Klartext,xxxxxxxxxxxxxxxxx, 1x.05.2011

"Balaban macht sich unmöglich

>>Alte Synagoge


Muhammed Balaban ist in Essen ein angesehener Bürger. Kürzlich hat er sogar die Ehrenplakette der Stadt Essen erhalten.

Nun haben die Ehrenplakette diesmal auch manche anderen erhalten, bei denen ich diese Ehrung nicht so richtig verstanden habe. Mit seinem Versuch, das Programm der Alten Synagoge zu zensieren, macht sich Herr Balaban in meinen Augen jedoch völlig unmöglich, Ehrenplakette hin oder her, und ich erwarte von den Verantwortlichen der Stadt hierzu eine klare Distanzierung.

Vor zwei Jahren, als der skandalöse Manipulationsversuch der Wahlen zum Ausländerbeirat stattgefunden hat, hätte ich gern etwas von Herm Balaban gehört, möglicherweise auch das Angebot, aus Mitteln der von ihm repräsentierten Verbände etwas zur Milderung des erheblichen finanziellen Schadens beizutragen, der durch diese Manipulationen angerichtet wurde.

Merke: Wer als gleichberechtigter Mitbürger behandelt werden möchte, sollte sich auch entsprechend verhalten.


N. Mantel, Graf-Spee-Str 22

11.05.2011, WAZ: Leserbriefe: Starker Tobak / Unzumutbar / Fremde Toleranz

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WAZ / Essen, Rubrik Leserforum,Mittwoch, 11.05.2011

"Starker Tobak

>>Debatte Alte Synagoge


Dass hier in Essen ein Vorsitzender des Integrationsbeirates fordert, dass man über den Islam (und vielleicht auch generell über Religionen) nur in einer Kneipe und nicht in einer öffentlichen Einrichtung diskutieren darf, ist starker Tobak. Der Islam gehört zu Deutschland? Andersherum wird ein Schuh daraus: Nicht der Islam, sondern das Judentum gehört seit Jahrhunderten zu Deutschland, genau wie der christliche Glaube. Viele jüdische Menschen haben durch ihre Fähigkeiten dazu beigetragen, Deutschland bis zur Machtübernahme durch die Naziverbrecher zu einem Hort der Wissenschaften auf allen Gebieten zu machen.


Wie kann es Herr Balaban wagen, eine Diskussion über die Existenzberechtigung einer ganzen Bevölkerungsgruppe, nämlich die der Juden, und damit über den Antisemitismus, in eine Kneipe zu verlagern? Und unser OB redet ihm noch nach dem Mund.   Hans-Ulrich Philipsenburg, Essen


Absolut unzumutbar
Es ist einfach ungerechtfertigt und unzumutbar, in welcher Weise Herr Balaban Frau Brocke und Herrn Schwiderowski von der Alten Synagoge angreift und obendrein noch Rückendeckung von unserem Stadtoberhaupt Herrn Paß bekommt. Auf solch ein Stadtoberhaupt können wir gern verzichten. Das wird die SPD wohl noch mehr Stimmen kosten. Herr Stenglein hat mit seinem Kommentar absolut recht.   Karl Kraft, Essen


Fehlende Toleranz

Immer die alte Leier, die Muslime fordern unentwegt. Nun regt sich Herr Balaban über den Hass gegen den Islam auf, der angeblich von Rednern der Alten Synagoge ausgeht. Er sollte sich lieber um die Hassprediger gegen das Christen- und Judentum kümmern. Außerdem sind es doch islamische Staaten und Terror-Organisationen, die seit vielen Jahrzehnten nicht nur Israel auslöschen wollen. Abschließend ist einmal wieder festzustellen, dass sich der Islam wegen fehlender Toleranz und Streitkultur nicht für unsere Demokratie eignet. Unbegreiflich, daß unser OB solchen Verirrten Recht gibt.   Udo Deriath, Essen

10.05.2011, WAZ: Leserbrief "Freude an Provokation" (u.a.)

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WAZ / Essen, Rubrik Leserforum,Dienstag, 10.05.2011

Leserbriefe


>> Debatte um Alte Synagoge


Überfordert

Ich bin empört über die Haltung von Herrn Paß! Er scheint mir überfordert, sein Amt mit diplomatischer Sensibilität ausüben zu können. Für eine Großstadt wie Essen ist das unerträglich. Hoffentlich werden Konsequenzen gezogen     Christina Schulz, Essen


Freude an Provokation

Die städtische Kulturinstitution Alte Synagoge kann auch als neues "Haus der jüdischen Kultur" nicht ihre Hauptaufgabe darin sehen, mit Veranstaltungen bedeutende Teile der Bevölkerung Essens vor den Kopf zu stoßen. Ernsthafte aufklärerische Arbeit muss immer bedenken, dass auch „der Ton die Musik macht".

Das Programm der Alten Synagoge, ob mit oder jetzt ohne Frau Dr. Brocke, gefällt sich aber seit vielen Jahren darin, in der Freude an der Provokation zu verharren. Genauso lange scheint jedwede Kritik an der oft eigenwilligen Referentenauswahl an den Programmmachern abzuprallen. Stattdessen wird inhaltliche Kritik an der Veranstaltungsauswahl der Alten Synagoge als Versuch diffamiert, die freie Meinungsäußerung gefährden zu wollen.

Auch die Debatte extremer gesellschaftswissenschaftlicher oder theologischer Positionen soll in Essen möglich sein. Wenn eine städtische Einrichtung wie die Alte Synagoge diese Bühne bereitet, erhalten diese aber eine Art Amtsbonus. Das gilt es zu vermeiden. Ich halte den Weg, den die Alte Synagoge hier einschlägt, für falsch. Wir können weder zulassen das Judentum noch den Islam zu diskriminieren.     Walter Wandtke, Essen
wir haben die ungekürzte Originalversion des Leserbriefes von Walter Wandtke erhalten:

Zur Debatte um Chaim Noll und die Donnerstagsgespräche der Alte Synagoge :
Wenn die Lust an Provokation nachhaltige Aufklärung ersetzt.

Die städtische Kulturinstitution Alte Synagoge kann auch als neues „Haus der jüdischen Kultur“ nicht ihre Hauptaufgabe darin sehen, mit Veranstaltungen bedeutende Teile der Bevölkerung Essens vor den Kopf zu stoßen.
Ernsthafte aufklärerische Arbeit muss immer bedenken, dass auch „der Ton die Musik macht“. Das Programm der Alten Synagoge, ob mit oder jetzt ohne Frau Dr. Brocke, gefällt sich aber seit vielen Jahren darin, in der Freude an der Provokation zu verharren. Genauso lange scheint jedwede Kritik an der oft eigenwilligen Referentenauswahl an den ProgrammmacherInnen abzuprallen. Stattdessen wird inhaltliche Kritik an der Veranstaltungsauswahl der Alten Synagoge als Versuch diffamiert, damit die freie Meinungsäußerung gefährden zu wollen. Das Unfehlbarkeitsdogma besitzt zum Glück aber nur der Papst in Rom und selbst das ist mehr als zweifelhaft.
Wie der Spielplan des Stadttheaters sich der öffentlichen Auseinandersetzung stellen muss, so muss natürlich auch die Alte Synagoge begründen, warum sie ihre „Donnerstagsgespräche“ in der vorgestellten Tendenz führt.
Auch so zu tun, als ob die Alten Synagoge gegen einen Mainstream ankämpfen müsse, der in dieser Stadt antisemitische oder radikal-islamistische Geschehnisse kleinrede, halte ich für verfehlt. Herr Sarrazin macht mit seinen flachen, zusammengesuchten Thesen über gewaltbereite wie unbelehrbare Muslime ( wie auch über die sogenannte Unterschicht) riesige Buchgeschäfte. Wenn Herr Noll in der FAZ kundtut, er teile im Gegensatz zum „Zentralrat der Juden“ Herrn Sarrazins Thesen über jüdische und andere Gene, braucht er für diese Kampagne das Forum Alte Synagoge nicht.

In den beiden Lokalzeitungen unserer Stadt und der überörtlichen Presse hat die frühere Leiterin Frau Dr. Brocke für ihren kritischen Standpunkte gegenüber dem Islam, wie auch gegenüber traditionell antifaschistisch orientierten Politikgruppen, nach meiner Kenntnis immer ein offenes Ohr gefunden.
Wer eine ehrliche Debatte um anti-semitische Tendenzen oder leider auch Handlungen in bestimmten muslimischen Kreisen oder Jugendcliquen anstoßen will, kann nicht zugleich die ganze Religion, immerhin eine der Hauptweltreligionen, als grundsätzlich antisemitisch brandmarken.

Auch die Debatte extremer gesellschaftswissenschaftlicher oder theologischer Positionen soll in Essen möglich sein. Wenn eine städtische Einrichtung wie die Alte Synagoge diese Bühne bereitet, erhalten diese aber eine Art Amtsbonus. Das gilt es zu vermeiden, für solche Diskussionen existieren in Essen viele andere Orte.

Chaim Noll stellt in seinen Texten den Koran als vergröberte Kurzform der Bibel dar, die Mohammed damit leichter den ungebildeten Wüstenvölkern Arabiens nahebringen konnte. Er will nachweisen, dass schon seit der Entstehungszeit des Islam im 7. Jahrhundert antisemitische Tendenzen, sogar ausdrücklich „Judenhass“, eine fundamentale Rolle im Koran spielen. Daraus muss dann ja wohl folgen, eine gemeinsame Gesellschaft von Juden und Muslimen sei unmöglich, alle Anstrengungen müssen vergeblich sein.
Sollen wir deshalb also den Islam doch aus der Stadt herausdiskutieren? Müssen wir nicht vielmehr versuchen, existierende liberale Auslegungen des Islam zu stärken, indem wir der Religion insgesamt Respekt zollen?
Gnadenlose, angeblich theologisch begründete Unmenschlichkeit, die oft den Kern der Religion in sein Gegenteil verkehrt, finden wir historisch in allen Glaubensrichtungen. Christen, Hindus ( in Indien waren Muslime des öfteren Opfer gewaltbereiter Hindugruppen), Muslime, aber natürlich auch Juden und andere verübten oft Grausamkeiten unter dem Deckmantel ihrer Religion.

Nun gibt es aber eine durchgängige Blutspur durch viele Jahrhunderte, die christliche Pogrome und andere Diskriminierungen an jüdischen Menschen verursacht haben. Der Holocaust des 20. Jahrhunderts ist ursächlich von Deutschen, nicht von Palästinensern oder Arabern betrieben worden. Der historische Umgang der letzten 13 Jahrhunderte zwischen Muslimen und Juden dürfte auf ein weit geringeres Gewaltpotential kommen, als wir christliche Zentraleuropäer uns zugute halten können. Ich halte also den Weg den die Alte Synagoge hier programmatisch einschlägt für falsch. Wir können weder zulassen das Judentum noch den Islam zu diskriminieren.

Walter Wandtke, Ratsherr Bündnis 90 /Die Grünen


10.05.2011, NRZ: OB Paß weist Balabans Kritik nun doch zurück

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NRZ / Essen,Dienstag, 10.05.2011

OB Paß weist Balabans Kritik nun doch zurück


Wolfgang Kintscher

Am Ende war alles dann doch — nur ein großes Missverständnis? Oberbürgermeister Reinhard Paß jedenfalls hat nach der massiven Kritik an seiner Position im Streit um Veranstaltungen der Alten Synagoge gestem deutlich gemacht, dass er nach wie vor ohne Abstriche hinter der Arbeit dieser Kultureinrichtung steht: Dass sie Hass säe und zur Anfeindung gegen Muslime anstifte, wie Muhammet Balaban von der "Kommission Islam und Moscheen in Essen" behauptet hatte, wies der OB "mit Entschiedenheit zurück" Balabans Kritik. so Paß im Gespräch mit der NRZ, sei unfair gewesen „und durch nichts berechtigt".

Dass bei politischen Beobachtern der Eindruck aufgekommen war, Paß könnte die Anschuldigungen teilen, sei "absurd", so das Stadtoberhaupt. Allerdings räumte Paß auch ein, dass sein Antwortbrief "unvollständig war und dieser Aspekt im Schreiben nicht hinreichend klargestellt wurde".

Paß machte gestrn deutlich, dass das Mehr an Integration, das er von der Alten Synagoge einfordere, sich auf den scharf formulierten Einladungstext zu einem Vortrag von Chaim Noll über muslimischen Antisemitismus bezog: Wer so eine Einladung formuliere, mache den Dialog nicht möglich, wirke in diesem Sinne also nicht integrativ. In dieser Hinsicht bleibe er bei seiner Kritik und darüber auch

"uneins" mit der kommissarischen Leitung der Alten Synagoge. Die Sorge aber, dass er sich in die Arbeit, ins Programm, in die Ausrichtung einmische, sei unbegründet.

  kurzes NRZ-Interview mit Reinhard Paß auf Lokalseite 2
Bildunterschrift:
Kritik an der Einladung, nicht am Programm OB Paß.   Foto: Umbach

10.05.2011, NRZ: "Der eine hält mehr aus, als der andere" / SPD springt OB bei

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NRZ / Essen,Dienstag, 10.05.2011

"Der eine hält mehr aus, als der andere"

OB Reinhard Paß zum Streit in der Alten Synagoge


Herr Paß, wäre die Welt nicht fürchterlich langweilig. wenn alle nur eine Meinung verträten?

Einverstanden, sehe ich auch so. Das brachte uns nicht voran ...

Was also haben Sie dann gegen eine — zugegeben — heikle Debatte in der Alten Synagoge?

ich habe nichts dagegen, und ich mische mich auch nicht ein. Die Arbeit der Alten Synagoge ist so gut, weil sie so ist wie sie ist, kontrovers, provokant. Aber ich habe eben auch ein Gefühl für das Empfinden anderer Menschen, die aufgrund des Einladungstextes fürs nächste Donnerstagsgespräch den Eindruck gewinnen konnten, sie würden von der Debatte gezielt ausgeschlossen.

"Ein solcher Eindruck darf nicht entstehen", haben Sie deshalb formuliert. Wie will man das verhindern?

Vielleicht, indem man diese Ankündigung nicht so scharf formuliert.

Oder erweist sich Muhammet Balaban, der Sprecher der Kommission "Islam und Moscheen in Essen" nur als besonders empfindlich?

Empfindlichkeit ist vorhanden, ja, da ist doch jeder von seiner Kultur geprägt. Der eine kann mehr aushalten als der andere. Wer wirklich eine Diskussion führen will...

...Sie meinen: Wer nicht nur im eigenen Saft schmoren will...

... der muss auch ein "niederschwelliges"

Angebot machen, damit sich auch andere angesprochen fühlen, diese Diskussion zu begleiten.

Aber die Einladung nicht einladend genug formuliert zu haben, ist weit entfernt vom Vorwurf, Hass zu säen und zur Anfeindung muslimischer Bürger anzustiften - starker Tobak. War Balabans Kritik nach Ihrem Eindruck hart, aber fair?

Nein. Wenn man den Maßstab hat, einen Dialog zu pflegen, muss man auch die Gelegenheit dazu bieten. Das hat Balaban sicher nicht getan.

Sondern alle Welt bis hinauf zur NRW-Ministerpräsiden- tin gegen die Alte Synagoge in Stellung gebracht. Bei Ihnen, so der Eindruck vieler, verfing der Protest.

Ich bin erschüttert, dass dieser Vorwurf im Raum steht, denn er ist falsch. Noch mal: Ich stehe zur Arbeit der Alten Synagoge...

Aber brüsk zurückgewiesen haben sie Balabans Vorwürfe nicht.

Ich gebe durchaus zu, dass mein erster Brief ein Defizit aufgewiesen hat, weil er nicht genügend auf diese Anschuldigungen eingeht, die, das sage ich ganz deutlich, durch nichts berechtigt waren.

Also rudern Sie jetzt zurück

Nein, ich konkretisiere, was schon vorher meine Meinung war. aber vielleicht nicht deutlich genug wurde.

Aber wenn ich zitieren darf: Sie erwarten, "dass die neue Leitung der Alten Synagoge sich den Integrationsgedanken deutlich mehr zu eigen macht, als dies bisher der Fall war".

Aber das bezieht sich doch auf den Einladungstext. Die, um die es geht, dürfen sich nicht von vornherein ausgegrenzt fühlen. Es ist sicher eine Gratwanderung, das so zu formulieren, dass es prägnant bleibt. Drinnen, bei der Debatte, darf es dann gerne spitz und provokant und hoch her gehen

Und die Sorge, dass Sie den Chefwechsel zum Anlass nehmen, die Alte Synagoge "auf Linie" zu bringen?

Ist völlig unbegründet Das Programm, die Inhalte, das ist wirklich nicht mein Ding. Ich habe da bisher keinen Einfluss genommen, ich werde das künftig nicht tun, und das gilt auch für jeden meiner Mitarbeiter im OB—Büro.

Das Gespräch mit Reinhard Paß führte Wolfgang Kintscher


Die SPD springt dem OB bei

Die SPD—Fraktion und Bürgermeister Rudi Jelinek haben gestem auf die Kritik der Bürgermeister Franz-losef Britz (CDU) und Rolf Fliß (Grüne) am Verhalten Oberbürger- meisters Reinhard Paß im Syn- ugogogenstreit reagiert: "Von Repräsentanten unserer Stadt hätte ich mehr Feingespür und politische Zurückhaltung in diesem brisanten Thema erwartet", kritisiert Jelinek. Die Alte Synagoge werde "auf schamlose Weise missbraucht, um dem OB zu schaden", meint SPD-Fraktionsvize Rainer Marschan. Für die FDP- Ratsfraktion ist es „absurd", der Einrichtung vorzuwerfen, sie würde Hass säen.

10.05.2011, WAZ: Synagogen-Streit: SPD steht Paß bei

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WAZ / Essen,Dienstag, 10.05.2011

Synagogen-Streit: SPD steht Paß bei


Im Synagogen-Streit stärken die SPD-Fraktion und Bürgermeister Rudi Jelinek dem OB den Rücken und weisen ihrerseits die Kritik der Bürgermeister Franz—]osef Britz (CDU) und Rolf Fliß (Grüne) am Verhalten von Oberbürgermeister Reinhard Paß zurück. Jelinek: "Von Repräsentanten unserer Stadt hätte ich mehr Feingespür und politische Zurückhaltung bei diesem brisanten Thema erwartet". Die Alte Synagoge werde "auf schamlose Weise missbraucht, um dem OB zu schaden", so SPD—Fraktionsvize Rainer Marschan.

Für die FDP-Ratsfraktion ist es "absurd", der Einrichtung vorzuwerfen, sie säe Hass.

07.05.2011, WAZ: Leserbrief "Kritik annehmen"

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WAZ / Essen, Rubrik Leserforum,Samstag, 07.05.2011

Leserbriefe


>> Muslime: Synagoge sät Haß

Kritik annehmen

Integration wird dann gelebt, wenn wir - mit Jesus gesprochen - nicht nur die Holzspäne in den Augen der anderen sehen, sondern alle Seiten zuerst einmal die Balken im eigenen Auge.

Insofern täte die Synagogenverwaltung gut, sich nicht nur auf die Meinungsfreiheit zu beziehen, sondern auch kritische Anmerkungen konstruktiv aufzunehmen, Nicht nur mit den Integrationsrat , sondern auch der Dialog der verschiedenen Gruppen, die hier zusammenleben, könnte davon nur gewinnen.
Bernhard Trautvetter, Essen

07.05.2011, NRZ: OB-Paß erntet Kritik für seine Antwort an Balaban

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NRZ / Essen,Samstag, 07.05.2011

OB Paß erntet Kritik für seine Antwort an Balaban


Die Vorwürfe des Sprechers der "Kommission Islam und Moscheen in Essen" gegen die Alle Synagoge sorgen weiter für Streit, Muhammet Balaban hatte gestern einen offenen Brief an Oberbürgermeister Reinhard Paß geschickt (die NRZ berichtete), indem er sich über den Einladungstext zu einem Vortrag des deutsch-israelischen Publizisten Chaim Noll ereiferte. Dieser enthalte "Angriffe auf den Propheten Mohammed, den Koran sowie alle Muslime" Außerdem säe die Alte Synagoge "Hass und Unfrieden", Paß gab Balaban insofern Recht, indem er sich von der Arbeit des Hauses distanzierte:

"Daher erwarte ich," schreibt Paß an Balaban, "dass die neue Leitung der Alten Synagoge sich den Integrationsgedanken deutlich mehr zu eigen macht, als dies bisher der Fall war."

"Nicht in unserem Namen", kommentiert Thomas Kufen, der Fraktionsvorsitzende der CDU im Rat, nun die Einlassung des Oberbürgermeisters. Es sei "ein Fakt. dass es Antisemitismus auch unter Muslimen gibt" Darüber müsse "nicht weniger, sondern mehr gesprochen werden". Kufen ist überzeugt, dass Paß mit seiner Distanzierung auch "von der renommierten Arbeit der bisherigen Leiterin Edna Brocke" abrücke. Dies sei „beschämend". Dirk Kalweit, integrationspolitischer Sprecher der CDU, sagte: "Die verbale Entgleisung von Herrn Balaban ist inakzeptabel."

Karl Klein-Rusteberg, Geschäftsführer der "Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit", sieht in der Antwort des OBs gar eine "Erschütterung für die politische Kultur unserer Stadt". Die Gesellschaft organisiert mit der Alten Synagoge die Reihe "Donnerstagsgespräche", in deren Rahmen Chaim Noll in fünf Tagen über "Antisemitismus

heute" spricht. niko

07.05.2011, WAZ: Kommentar: Ein Brief und seine Folgen

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WAZ / Essen,Samstag, 07.05.2011

Ein Brief und seine Folgen

Wochenend-Kommentar


Frank Stenglein

Die Stimme des OB ging in ein salbungsvolles Tremolo über: "Die Stadt ist Ihnen zu großem Dank verpflichtet". sprach Reinhard Paß um 28. März 2011 zu Edna Brocke, die an diesem Tag als Leiterin der Alten Synagoge verabschiedet wurde. Nun, der Dank der Stadt währte ausgesprochen kurz. Wie sonst ist es zu erklären, dass der Oberbürgermeister nur wenige Wochen später gebieterisch eine Änderung der inhaltlichen Ausrichtung des "Hauses der jüdischen Kultur" fordert und den unverschämten Vorwurf des Integrationsbeiratsvorsitzenden Muhammet Balaban, die Alte Synagoge verbreite in Essen "Hass", nicht zurückweist?"

Aber Paß' warme Worte an jenem Tag waren natürlich weitgehend Heuchelei. Denn seit langem war die Gedenkstättenleitung maßgeblichen Leuten im Rathaus ein Dorn im Auge, weil sie sich beispielsweise in der Islam—Debatte partout nicht in die kritiklose Konsenssoße einbinden ließ, die in Essen beliebt ist und die mancher mit gelungener Integrationspolitik verwechselt. In der Alten Synagoge wurde und wird (noch) Klartext geredet - nicht beleidigend, aber offen und ehrlich. Eine Provokation für alle, denen bei diesem Thema das Herz in die Hose rutscht und das Sprechwerkzeug versagt.

Bunkermentalität

Der Brief des OB spiegelt insofern in der Grundtendenz tatsächlich die ehrliche Meinung des Stadtoberhaupts wieder. Andererseits ist das Schreiben wegen seiner ungeschickten, auch unpolitischen Grobheit, die offenbar keinem im OB-Büro auffiel, ein erschreckender Beleg für Bunkermentalität. Genau diese wird der Umgebung von Reinhard Paß nachgesagt - übrigens nicht nur vom politischen Gegner, sondern fast mehr noch von Unzufriedenen in der SPD.

Im Geschäftsbereich Kultur, zu dem auch die Alte Synagoge gehört, soll sich Paß geradezu blind auf seinen Referenten Michael Imberg stützen. Das könnte erklären, warum gerade hier in letzter Zeit die Wogen so hochgehen. Imberg, ein gewiefter Strippenzieher, macht nicht nur dem oft unsicher agierenden Kulturdezernenten Andreas Bomheuer das Leben mit Querschüssen schwer, er soll auch Edna Brocke in einer Weise zugesetzt haben, wie es einem kleinen Rathaus Mitarbeiter eigentlich nicht zukommt. Die resolute Brocke wusste sich zu wehren. Bomheuer hingegen wird sich noch das nötige Quantum Härte zulegen müssen, wenn er im Intriganten-Stadel Rathaus den Kopf auf Dauer oben behalten will.

Es ist etwas zu klären

Imberg war offenbar auch maßgeblich beteiligt bei der Auswahl des neuen Leiters der Alten Synagoge, Uri Kaufmann. der im Sommer seinen Dienst antritt. Dieser hat den klaren Auftrag, das Haus der jüdischen Kultur auf Harmlosigkeit zu trimmen, die Islam-Debatten zu beenden oder wenigstens in seichte Gewässer zu führen. Vor diesem Hintergrund durfte die Hoffnung der CDU trügen, in der Alten Synagoge möge auch künftig ein kritischer Geist herrschen. Fraktionschef Thomas Kufen weiß es in Wahrheit auch besser.

Eines wird Reinhard Paß der Öffentlichkeit noch zu erklären haben: Verbreitet die Alte Synagoge nun "Misstrauen, Hass, Anfeindung und Unfrieden", ja oder nein?

Der OB hat auf den Brief von Muhammet Balaban überaus verständnisvoll geantwortet und diesen bösen, völlig maßlosen Vorwurf unkommentiert stehen lassen. Er hat ihn sich damit - ob gewollt oder nicht - zu eigen gemacht. Mindestens aber besteht der Verdacht, dass Paß Balabans Meinung billigend hinnimmt. Das kann für einen Essener Oberbürgermeister unmöglich das letzte Wort sein. Nicht bei einer Institution. die seit Jahrzehnten gegen Antisemitismus kämpft - und dabei zu Recht keinen Unterschied macht, welcher Religion oder Ethnie der Judenhasser angehört.

07.05.2011, WAZ: Angriff auf die offene Gesellschaft

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WAZ / Essen,Samstag, 07.05.2011

Angriff auf die offene Gesellschaft

OB Paß erntet Empörung, weil er die Schmähkritik gegen die Alte Synagoge nicht zurückwies, sondern den Kritiker bestärkte


Oberbürgermeister Reinhard Paß hat mit seiner unverholenen Maßregelung der Arbeit der Alten Synagoge vor allem aber mit einer passiven bis verständnisvollen Haltung zur Schmähkritik des Integrationsbeiratsvorsitzenden Muhammet Balaban, auch Sprecher einer "Kommission Islam und Moscheen", hatte in einem offenen Brief an den OB mit Hinweis auf islamkritische Diskussionen behauptet, die Alte Synagoge säe "Misstrauen, Hass, Anfeindungen und

"Wenn sich Paß von
der Alten Synagoge
distanziert - nicht in
unserem Namen!"

Unfrieden" in der Stadtgesellschaft "Es wäre die Pflicht des OB gewesen, sich gegen diese absurde Attacke zu verwahren und sich schützend vor die Mitarbeiter und die Institution der Alten Synagoge zu stellen". sagt der Fraktionsvorsitzende des Essener Bürgerbündnisses, Udo Bayer, "stattdessen hat Reinhard Paß in dieser Sache total versagt".

Das Stadtoberhaupt hatte nicht Balabans Vorwürfe zurückgewiesen, sondern ganz im Gegenteil einen inhaltlichen Kurswechsel in der Gedenkstätte angekündigt. Dort müsse man sich den Integrationsgedanken deutlich mehr zu eigen machen als dies bisher der Fall war", so Paß. "Ich wende mich dagegen, dass die Alte Synagoge instrumentalisiert wird für eine spezifische Form von Integrationspolitik", entgegnet Bayer. Seit jeher sei es Aufgabe des Hauses der jüdischen Kultur gewesen, alle Formen des Antisemitismus "also auch des muslimischen" kritisch auf die Tagesordnung zu setzen. Dabei müsse es bleiben. "der ganze Vorgang ist ein Angriff auf die offene Gesellschaft, es ist erschütternd, dass so etwas in Essen möglich ist."

Auch die CDU reagierte entsetzt auf das Verhalten des OB. "Wenn sich der SPD-Oberbürgermeister von der Arbeit der Alten Synagoge distanziert, dann geschieht das nicht in unserem Namen!", sagte Ratsfraktionschef Thomas Kufen. "Es ist nun mal ein Fakt, dass es Antisemitismus unter auch unter Muslimen und auch in Deutschland gibt. Darüber muss nicht weniger, sondern mehr gesprochen werden", so Kufen. Es sei zudem "beschämend", dass Paß die Arbeit der bisherigen Synagogen-Leiterin Edna Brocke derart grundlegend kritisiere. Dieser Punkt missfällt auch der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, die daran erinnert, dass der OB Brocke noch vor wenigen Wochen bei ihrer feierlichen Verabschiedung in den höchsten Tönen lobte. Die Gesellschaft, die beim von Balaban kritisierten "Donnerstagsgespräch" als Mitveranstalter auftritt, nannte dessen Brief "anmaßend" und warf Paß "Opportunismus" vor.

Dirk Kalweit, integrationspolitischer Sprecher der CDU, hielt Balaban vor "Unfrieden" zu stiften. Die Alte Synagoge pflegt eine offene Diskussionskultur, an der sich alle gleichberechtigt beteiligen können." Dies sei ein hohes Gut für alle Demokraten und zeichne Essen aus. "Im Rahmen der Meinungsfreiheit muss man auch kritische Töne akzeptieren. Und: "Entgegen der Auffassung des OB, wünschen wir uns sehr, dass diese Form der Diskussion mit den neuen Leiter des Hauses der jüdischen Kultur, Uri Kaufmann fortgesetzt wird."

Einen Versuch, Scherben zu kitten, unternahm Kulturdezernent Andreas Bomheuer: "Ich lade Herrn Balaban und die Leitung der Alten Synagoge zum Gespräch ein und wünsche mir von allen am Diskurs Beteiligten, dass Worte nicht nur in Hinblick auf ihren Informationsgehalt gewählt, sondern auch auf ihre Wirkung hin bedacht werden."     Kommentar Seite 2


Vortrag und Debatte

Grundmuster des Antisemitismus

Anlass für den aktuellen Streit um die Ausrichtung der Alten Synagoge ist der für den 12. Mai geplante Vortrag des jüdischen Schriftstellers Chaim Noll, der sich mit historischen Grundmustern des Antisemitismus im Islam beschäftigen wird. Er findet im Rahmen der Reihe "Donnerstagsgespräche" statt und beginnt um 19:30

Uhr. Der Eintritt ist frei.
Bildunterschrift:
Blick in die Alte Synagoge. Im Erdgeschoss - die Stuhlreihen sind zu erkennen - finden Debatten, unter anderem zum Thema Islam statt. Der Vorwurf von Essener Muslimen, in diesem Haus werde Hass gesät, sorgt ebenso für Empörung, wie der Umgang des OB mit diesem Thema.

Unter Druck: Oberbürgermeister Reinhard Paß

06.05.2011, Gesellschaft f. christl.-jüdische Zusammarbeit antwortet

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www.christlich-juedisch-interessen.de,Freitag, 06.05.2011

DAS FREIE WORT MACHT ÄRGER!


 
Erklärung – 6. Mai 2011

Die ALTE SYNAGOGE muss Instanz öffentlichen Streits bleiben

Keinesfalls ist es so, dass es dem kommissarischen Leiter der Alten Synagoge allein vorbehalten ist, das Ansinnen der „Kommission Ìslam und Moscheen in Essen“ zurückzuweisen. Die „Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit e.V.“ ist Mitveranstalter beim Vortrag von Chaim Noll am Donnerstag, den 12. Mai, im Rahmen der Reihe Donnerstagsgespräche. Insofern sind wir, was diese Veranstaltung betrifft, Teil der anmaßenden Angriffe des Vertreters der o.g. Kommission, Muhammet Balaban.

Auf die in einem mehrseitigen Schreiben aufgelisteten einzelnen Vorwürfe gegen den öffentlichen Vortragsabend, wie die Arbeit der Alten Synagoge insgesamt einzugehen, ist nicht unsere Absicht.

Dennoch weisen wir beide Aspekte entschieden zurück. Denn der in dem Brief formulierte politische Anspruch die Integrationspolitik im Sinne der „Kommission“ zu definieren ist im Sinne einer freien Diskussion in einer offenen Gesellschaft nicht akzeptierbar.

Noch vor wenigen Tagen(!), bei der Verabschiedung der Leiterin der Alten Synagoge, Dr. Edna Bocke, war – auch von Herrn Oberbürgermeister Paß – zu hören, dass es (so sinngemäß) die Funktion des Hauses jüdischer Kultur sei, Stachel zu sein im öffentliche Diskurs unserer Stadt. Warum soll es sich eine soeben als europäische Kulturhauptstadt verabschiedete Kommune nicht leisten können, einer ihrer bedeutenden Einrichtungen schlicht die Freiheit zu geben, nicht dem mainstream der Mehrheitsgesellschaft zu entsprechen?

Es gibt dafür keinen Grund! Der einzig mögliche Grund, diese Freiheit von Seiten der politisch Stadtverantwortlichen einzuschränken (und genau das ist die Absicht der „Kommission für Islam und Moscheen in Essen“) ist die Absicht, sich nicht öffentlich kritisch mit diesen Anfragen auseinandersetzen zu wollen. Das ist nicht pragmatisch, sondern tendiert zu Opportunismus. Es ist nicht hinnehmbar, wofür „der Islam“ hier herhalten muss.

Die Alte Synagoge, nicht zuletzt in ihrer Reihe Donnerstagsgespräche, ist bzw. war einer der wenigen Orte in dieser Stadt, in der Themen und Fragen öffentlich formuliert wurden, die die gängigen Annahmen der Mehrheitsgesellschaft befragt haben. Das war häufig unbequem. Wer aber dem demokratischen Diskurs und das freie Wort als Bequemlichkeit eines vorgegebenen, nur noch machtvoll durchzusetzenden Integrationsbegriffs versteht, gibt auf, was getroffen werden soll: Die öffentliche, zivilisierte Kontroverse in Freiheit!

Die Reaktionen der politisch Verantwortlichen sind eine Erschütterung für die politische Kultur unserer Stadt. Warum stellen sie sich nicht vor die Mitarbeiter der Institution und die Arbeit, für die sie Verantwortung tragen – auch dann, wenn sie persönlich oder aus anderen Erwägungen nicht mit dem Inhalt dieser Arbeit gänzlich übereinstimmen?

Karl H. Klein-Rusteberg, Geschäftsführer

06.05.2011, NRZ: Sprecher der Muslime fühlt sich beleidigt

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NRZ / Essen,Freitag, 06.05.2011

Sprecher der Muslime fühlt sich beleidigt

Muhammet Balaban entrüstet sich in einem offenen Brief an den Oberbürgermeister über die Einladung zu einem Vortrag über "judenfeindliche Ressentiments" im Islam


Nikolaos Georgakis

Der Sprecher der "Kommission Islam und Moscheen in Essen", Muhammet Balaban, fühlt sich durch die Arbeit der Gedenkstätte Alte Synagoge "persönlich beleidigt". Jüngster Fall: Die Einladung des deutsch-israelischen Publizisten Chaim Noll, der am Donnerstag zum Thema "Antisemitismus heute" sprechen soll. Balaban bringt der Ankündigungstext des Vortrags in Rage, in dem es heißt: "Judenfeindliche Ressentiments spielen seit der Niederschrift des Korans im 7. Jahrhundert und dem Massaker gegen die Juden von Medina im Jahre 628 durch Mohammed im Islam eine fundamentale Rolle." Und: "Bis heute kann dieser traditionelle Judenhass reaktiviert und politisch instrumentalisiert werden."

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Sprecher der Muslime fühlt sich beleidigt
Muhammet Balaban entrüstet sich über
Vortrag in der Alten Synagoge. LOKALSEITE 3

Der Einladungstext ist sowohl mit dem Referenten als auch mit den Veranstaltern, der Alten Synagoge und der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit abgestimmt. Balaban, der auch Vorsitzender des Integrationsrats ist, liest darin "Angriffe" auf den Propheten, den Koran und "auf alle Muslime" und hat deswegen gestern einen offenen Brief an den Oberbürgermeister Reinhard Paß geschickt – und mehr als 13 weitere Empfänger angefügt, darunter die NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und die Leitung der Alten Synagoge. Die zeigte sich "überrascht" von der Vehemenz der Entrüstung. Balaban schreibt an den OB, er fühle sich nicht nur vom Thema des Noll-Vortrags als Türke und Moslem gleichermaßen beleidigt, sondern generell von der Arbeit der Synagoge. Diese sei "zweckentfremdet", verstecke sich hinter dem Recht auf Meinungsäußerung und säe "Misstrauen, Hass, Anfeindungen in unserer Gesellschaft". Paß hat Balaban bereits geantwortet. Er erwarte, "dass die neue Leitung der Alten Synagoge sich den Integrationsgedanken deutlich mehr zu eigen macht, als dies bisher der Fall war".

Balaban hatte in der Vergangenheit mit der jüngst pensionierten Leiterin der Synagoge Edna Brocke heftige Dispute, weil sie auch Islamismus-Kritiker als Referenten geladen hatte. Der kommissarische Leiter der Alten Synagoge, Peter Schwiderowski, reagiert auf die jüngsten Anfeindungen mit einem Gesprächsangebot: "Herr Balaban ist gerne eingeladen, am Donnerstag bei uns mitzudiskutieren."

Man lasse sich aber nicht einschüchtern. "Wenn wir offen über Antisemitismus und seine Ursprünge, ja auch wenn wir offen über Integration sprechen wollen, dann dürfen wir nicht die Probleme verschweigen", sagt Peter Schwiderowski der NRZ. Muslimische Judenfeindlichkeit sei nicht der einzige Antisemitismus, aber er sei eben einer und müsse also solcher auch thematisiert werden dürfen. "Wir müssen uns mit den heutigen Bedrohungen auseinandersetzten", sagt Schwiderowski, "alles andere hieße, sich in der Geschichte falsch einzurichten".
Bildunterschrift:
Die Alte Synagoge ist Veranstaltungsort der "Donnerstagsgespräche".     Foto:uvb

06.05.2011, WAZ: Muslime: Alte Synagoge sät Hass

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WAZ / Essen,Freitag, 06.05.2011

Muslime: Alte Synagoge sät Hass

Muhammet Balaban, Chef des Integrationsbeirates, will keine kritischen Islam-Debatten mehr. Und der OB gibt ihm Recht.


Waz20110506v.png Von einer Dauerspannung zu sprechen ist nicht übertrieben, und gestern ist das Verhältnis zwischen den organisierten Essener Muslimen und der Alten Synagoge eskaliert. Anlass ist die Reihe "Donnerstagsgespräche", bei der die Leitung des "Hauses der jüdischen Kultur" seit vielen Jahren auch Kritiker des politischen Islam und des Islamismus zu Wort kommen lässt. In einem Brief an OB Reinhard Paß hat sich Muhammet Balaban, Sprecher der "Kommission Islam und Moscheen in Essen" darüber jetzt in scharfem Ton beschwert: "Es ist inakzeptabel, dass diese Einrichtung (...) Misstrauen, Hass, Anfeindung und Unfrieden in unserer Gesellschaft sät."


Aktueller

"Wenn wir uns
einschüchtern ließen,
wäre das das Ende
der Meinungsfreiheit"

Anlass für diesen Frontalangriff ist eine Veranstaltung mit dem deutsch-israelischen Autor Chaim Noll am 12. Mai, der über "Antisemitismus heute" referiert. Balaban stört im Einladungsschreiben eine Formulierung, wonach "judenfeindliche Ressentiments" von alters her "im Islam eine fundamentale Rolle spielen". Und: "Bis heute kann dieser traditionelle Judenhass reaktiviert und politisch instrumentalisiert werden."

Recht harmlos formulierte Binsenweisheiten, möchte man meinen, für die sich vielfach konkrete Beispiele finden lassen. Balaban, auch Vorsitzender des Integrationsbeirates, will hier indes eine generelle Herabsetzung des Islam erkennen. Verwundert sei er darüber nicht, denn: "Die Alte Synagoge ist seit langem auf einem Irrweg." Er akzeptiere zwar, dass man in einer Demokratie über alles diskutieren dürfe, auch über den Islam. Aber: "Das kann meinetwegen in einer Kneipe geschehen, aber nicht in einer öffentlichen Einrichtung wie der Alten Synagoge, die ich mit meinen Steuergeldern mitfinanziere", so Balaban zur WAZ.

Der gebürtige Türke forderte den OB auf, dafür zu sorgen, dass es in der Gedenkstätte künftig "integrativer" zugehe, nicht mehr so konträr und streitbar. "Das treibt uns doch nur auseinander." Und der Erfolg kam prompt: Reinhard Paß findet das auch. "Vielen Dank für Ihr Schreiben (...), in dem Sie zu Recht auf die mindestens unglücklichen Formulierungen im Ankündigungstext der Alten Synagoge für das Donnerstagsgespräch hinweisen", so der OB in seiner Antwort. Und weiter: "Ich bedauere sehr, dass bei Ihnen der Eindruck entstanden ist, dass die Alte Synagoge 'islamfeindlichen Tendenzen Anschub leistet und Rückhalt bietet' und bin der Auffassung, dass ein solcher Eindruck nicht entstehen darf."

Muhammet Balaban darf sich also vom Stadtoberhaupt persönlich bestätigt sehen. Das gilt auch für seine Forderung, dass dem Wechsel an der Spitze der Synagoge - die langjährige Leiterin Edna Brocke ging jüngst in Pension - nun auch ein inhaltlicher Wandel folgen müsse. Auch Paß erwartet - fast wie bestellt -, "dass die neue Leitung der Alten Synagoge sich den Integrationsgedanken deutlich mehr zu eigen macht als dies bisher der Fall war", schreibt er.

Kulturdezernent

"Synagoge muss sich
Integrationsgedanken
mehr zu eigen
machen als bisher"

Andreas Bomheuer pustet ins gleiche Horn, wenn auch sanfter: "Nicht immer wohl werden Worte sorgfältig genug gewählt", orakelt Bomheuer. "Polemik und Provokation" seien in kontroversen Diskussionen gebräuchliche Stilmittel, doch "sie verschärfen auch unnötig den Ton". Keinesfalls jedoch sei "die Veranstaltungsankündigung der Alten Synagoge als Herabsetzung islamischen Glaubens zu deuten". So blieb es städtischerseits allein Brockes langjährigem Stellvertreter und kommissarischen Synagogen-Chef Peter Schwiderowski vorbehalten, Balabans Ansinnen zurückzuweisen. "Wenn wir uns auf diese Weise einschüchtern ließen, wäre das das Ende der Meinungsfreiheit." Unbestritten gebe es antisemitische Tendenzen im Islam, und über die wolle und müsse man reden. "Herr Balaban ist herzlich eingeladen zu hören, was Chaim Noll zu sagen hat und mitzudiskutieren." Balaban hat abgelehnt. Kommentar Seite 2
Bildunterschrift:
Seit vielen Jahren wird in der Alten Synagoge islam-kritischen Referenten ein Forum geboten. Die "Kommission Islam und Moscheen in Essen", ein Zusammenschluss von lokalen Moscheevereinen, fordert jetzt, diesen angeblichen Irrweg zu beenden.     Foto:Ulrich von Born

Ungehalten: Muhammet Balaban.

06.05.2011, WAZ: Kommentar: Grobschlächtig

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WAZ / Essen, Rubrik Kommentar,Freitag, 06.05.2011

Kommentar: Grobschlächtig


Es ist leider immer dasselbe Muster: Sobald es um die Schattenseiten ihrer Religion geht, wollen viele Muslime der Meinungsfreiheit Ketten anlegen. Der grobschlächtige Angriff auf die Alte Synagoge zeigt auf bestürzende Weise, wie wenig selbst ein gut integrierter Deutsch-Türke wie Muhammet Balaban vom Sinn und Zweck einer freien Debattenkultur in öffentlichen Institutionen verstanden hat. Umso wichtiger wäre es, dass genau diese Art von Veranstaltung, die jetzt angegriffen wurde, auch künftig stattfinden kann.

Edna Brocke, die langjährige Leiterin, hat aus der Alten Synagoge ein Haus des freien Geistes gemacht - nicht zu jedermanns Freude. Es ist wohl kein Zufall, dass nur Wochen nach ihrer Pensionierung der Versuch läuft, dieses Erbe sturmreif zu schießen. Balabans Brief und die Antwort des OB wirken wie ein abgekartetes Spiel.

Reinhard Paß weist nicht etwa Balabans unsägliche Behauptung zurück, die Alte Synagoge säe „Hass“. Nein, er fällt dem Haus der jüdischen Kultur beim Bemühen in den Rücken, kritisch und ohne verschleiernde Wortgirlanden über bestimmte Formen des Antisemitismus zu diskutieren. Schäbig ist das.

03.05.2011, Protestbrief der Kommission "Islam und Moscheen in Essen"

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KIM - Essen

Kommission „Islam und Moscheen in Essen"



Stadt Essen
z.Hd. Herrn Reinhard Paß
- Oberbürgermeister

Rathaus, Porscheplatz

45121 Essen

 

Kommission

"Islam und Moscheen in Essen"
c/o Essener Verbund der
Immigrantenvereine e.V
Westfalenstr. 202 - 204
45276 Essen
Telefon: 0201 - 55 79 341

Fax: 0201 - 55 79 342
Mail: info<a>islam-in-essen.dePost_icon.png
Internet: [www.islam-in-essen.de]

Essen, 03.05.2011

Nachrichtlich an:

Ministerpräsidentin des Landes NRW, Frau Hannelore Kraft

Jüdische Gemeinde in Deutschland
Islamrat in Deutschland

Zentralrat der Muslime in Deutschland
DITIB, Türkisch-Islamische Union in Deutschland
IGMG, Islamische Gemeinde—Milli Görüs in Deutschland
VIKZ, Verband der Islamischen Kulturzentren in Deutschland
ATIB, Union der Türkisch-Islamischen Kulturvereine
Jüdische Kultusgemeinde in Essen

Katholische Kirche in Essen
Evangelische Kirche in Essen

Integrationsrat der Stadt Essen

Leitung der Alten Synagoge in Essen

Lokale Presse

Alte Synagoge Essen "Donnerstagsgespräch" am 12.05.2011
Einladung zusammen mit der „Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Essen"

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

die Kommission für Islam und Moscheen in Essen (KIM-E) verurteilt die Einladung der Alten Synagoge gemeinsam mit der Gesellschaft für christIich—jüdische Zusammenarbeit in Essen zum Inhalt des Themas "Antisemitismus heute" auf das Schärfste.

Die Einladung enthält "Angriffe" auf den Propheten Hz. Mohammed und Koran sowie auf alle Muslime derart, die die "Gen-These" von Sarrazin nicht vermissen lassen.


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Sprecher
Muhammet Balaban
    1. stellv. Sprecher
Azzadine Karioh
    2. stellv. Sprecherin
Suna Gürleyen
    3. stellv. Sprecher
Ahmad Kellmann
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Kommission „Islam und Moscheen in Essen"




In der Einladung heißt es u.a. "Judenfeindliche Ressentiments spielen seit der Niederschrift des Korans im 7. Jahrhundert und dem Massaker gegen Juden von Medina im Jahre 628 durch Mohamed im Islam eine fundamentale Rolle. Bis heute kann dieser traditionelle Judenhass reaktiviert und politisch instrumentalisiert werden !"


Hierzu ist nur soviel zu sagen:
Ein Muslim kann und darf nicht nurJuden, sondern keinen einzigen Menschen hassen.
Er muss Judentum anerkennen und respektieren; sonst verliert er die Legitimation, dem Islam anzugehören.

Weiterhin ist zu sagen:
Es hat in der Geschichte, auch in der Zeit des Propheten Hz. Mohammed, wie vor ihm und nach ihm, leider immer Kriege gegeben.

In der Zeit, von der in der Einladung die Rede ist, lebten Juden und Muslime friedlich miteinander in Medina. Sie haben ein Abkommen getroffen, wonach sie gemeinsam die Stadt gegen die Angriffe von draußen schützen wollen. In einem dieser kriegerischen Auseinandersetzungen, haben die Juden von damals sich, entgegen dem noch geltenden Abkommen mit den Muslimen, mit den Angreifern verbündet.

Hier wird ein geschichtlicher Hergang dermaßen missbraucht, dass die Vermutung nahe liegt, es sollen bewusst Misstrauen, Diskriminierung und sogar Anstiftung zu Feindseligkeiten in unserer Gesellschaft gesät, in dem die Muslime wieder zur Zielscheibe gemacht werden.

Wir freuen uns natürlich über das hohe Gut, die "freie Meinungsäußerung" in unserer Zeit und in unserer Gesellschaft.

Deshalb ist der Inhalt des Buches nicht der eigentliche Gegenstand unseres Protestes (hierzu gibt es so viele Bücher, die es anders darstellen, als dieser Autor aus lsraell), sondern die Tatsache, dass solche diffamierenden und zu einseitig ausgelegte brisanten Themen nicht in eine öffentliche Einrichtung gehören.

Er richtet sich auch gegen die Form und vor allem gegen den Inhalt der Einladung.
Die "Alte Synagoge" ist eine öffentlich geförderte Einrichtung und sollte in erster Linie friedenstiftend und integrativ wirken.
Es fließen jährlich Fördermittel in Hundertausenden von EURO; in den Umbau sind ebenfalls Millionen von EURO geflossen.

Es ist seit Jahren allerdings zu beobachten, dass die „Alte Synagoge" sich immer mehr von ihrer eigentlichen Mission entfernt und Islamfeindlichen Tendenzen enormen Anschub leistet und Rückhalt bietet.

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Kommission „Islam und Moscheen in Essen"




Wir leben in einer ethnisch, sozial, kulturell und religiös gemischten demokratischen Gesellschaft. Alle diese Gruppierungen finden den Schutz ihrer Werte in der Verfassung.

Jeder Angriff und jede Anstiftung zur Anfeindung zwischen den Gruppen ist verfassungswidrig.

Aus diesem Grund bemühen wir uns mit zahlreichen integrierenden Maßnahmen, Projekten und Dialoggesprächen Brücken zu bauen, damit die Gemeinsamkeiten herausgearbeitet, vermittelt und gefördert werden.

Wir müssen diese vorleben und unseren nächsten Generationen weitergeben, damit sie auf dem Fundament der Deutschen Verfassung und der demokratischen Grundordnung die Gestaltung des friedlichen Zusammenlebens weiterleben und vorantreiben können.

Dies gelingt allerdings nur dann, wenn sich alle daran halten.

Es wurde ein "lslamprediger im Internet" von einer Gemeinde nach Essen eingeladen.
Als wir davon erfuhren, haben wir den Vorstand um ein Gespräch gebeten.
In dem Gespräch wurde deutlich, dass dieser Prediger mit seinen Inhalten alles andere ist als förderlich, um aus unseren Jugendlichen Erwachsenen mit Respekt zu den Werten anderer Menschen zu machen Einstimmig wurde die Veranstaltung abgesagt und der "Prediger" erhielt eine Ausladung.

Seit dem diskutieren wir, wie wir gegen solche Tendenzen weiterhin noch mehr vorgehen können.

Wir sind froh, dass dieser "Prediger” in Essen keine Plattform erhalten hat für seine Angriffe auf die Werte anderer Gesellschaftsgruppen.

Die Grundhaltung ist: Die Werte aller Menschen verdienen Anerkennung auf dem höchsten Niveau.

Die städtische Einrichtung der Stadt Essen "Alte Synagoge" ist im Irrweg.

Wir erwarten mehr Möglichkeiten zur gegenseitigen kulturellen Begegnungen in gegenseitigem Respekt und gegenseitiger Anerkennung der Werte.


Sehr geehrte Herr Oberbürgermeister,

Sie werden sich gut an einige Projekte erinnern können.

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Kommission „Islam und Moscheen in Essen"




Es sind u.a.

"Engel der Kulturen". Hier sind die "Abraham Religionen“, wie Juden, Christen, Moslems auf Friedenstour im Ruhrgebiet, in Deutschland, in Europa und darüber hinaus.

Fest der Abraham Religionen, das jährlich in einigen Kommunen im Ruhrgebiet begangen wird; auch dieses Fest weitet sich aus und wird von Bürgern sehr gut aufgenommen.

Interreligiöse Friedensfeste in unseren Stadteilen.

Gegenseitige Gesprächsrunden in Gotteshäusern.

Ein Bespiel ist sehr erwähnenswert, weil wir genau dieses in unserer Zeit brauchen und fördern müssen:

DITIB-Ruhrgebiet hat vor kurzem eine Türkische Mädchengruppe zwischen 12-17 Jahren als „Integrationslotsen“ geschult. Dieses Seminar haben ca. 50junge Mädchen absolviert. Sie werden weiterhin fortgesetzt.

Wir haben dieser Mädchengruppe in der Moschee in Duisburg-Marxloh selber einen Vortrag über Integration, Demokratie und Öffnung zum Dialog halten dürfen.

Ein paar Tage später (Januar 2011) rief uns der Vorstand derJüdischen Kultusgemeinde in Essen an und brachte seine euphorische Freude zum Ausdruck.

Er berichtete uns von dem Besuch dieser Mädchengruppe (lntegrationslotsen) in der Synagoge in der Ruhrallee in Essen (nicht die alte Synagoge!).

Sie hätten stundenlang überJudentum, Gebetsritualen und Räumlichkeiten der Synagoge gesprochen. Die Mädchen hätten viele Fragen gestellt und konnten beantwortet bekommen.

Er würde es begrüßen, wenn wir solche Dialoge, neben unseren anderen Projekt- und Dialogstreffen, intensivieren und ausweiten würden. Er hat unsere feste Zusage dazu erhalten.

Diese Offenheit zum Dialog, die Freude über den Austausch, der "ehrlicher" Wunsch zur Nachhaltigkeit sind die Fundamente, die uns helfen, uns gegenseitig besser kennen zulernen und das Positive, das Bindende und das Friedensfördernde an unsere Kinder weiterzugeben, damit sie vorurteilsfrei, respektvoll und friedlich miteinander umgehen und zusammenleben können.

Ich bin selber öfters zu Gast in der Synagoge (Jüdische Kultusgemeinde);
auch in der "Alten Synagoge" war ich mehrmals zu Besuch.

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Kommission „Islam und Moscheen in Essen"




Seit einiger Zeit bin ich zu dieser Einrichtung reserviert, weil sie meine Herkunft (Türkisch) und meine Religion (Moslem) dermaßen beleidigt, dass ich es sehr bedauere, dass so eine "wichtige" Einrichtung zweckentfremdet ihre Arbeit fortsetzt.

Es ist eine mit Steuergeldern geförderte städtische Einrichtung, die eigentlich mehr Rücksicht auf die Werte aller Gesellschaftsgruppen in unserer Stadt nehmen müsste.

Sie müsste ein Standort des kulturellen Austausches sein und gerade aus der geschichtlichen Verantwortung, zu mehr Besinnung und Versöhnung beitragen.

Es ist inakzeptabel, dass eine öffentliche Einrichtung, wie die „AIte Synagoge" unseren Integrations- und friedensstiftenden Bemühungen entgegen arbeitet.

Es ist inakzeptabel, dass diese Einrichtung, statt die eigene (eher die jüngste) Geschichte aufzuarbeiten und Jüdische Kultur zu vermitteln und die anderen Gruppen in unserer Gesellschaft nicht zur Zielscheibe macht, indem sie sich hinter "freie Meinungsäußerung" versteckt!

Es ist inakzeptabel, dass diese Einrichtung damit Misstrauen, Hass, Anfeindung und Unfrieden unter unterschiedlichsten Schichten und Gruppen in unserer Gesellschaft sät.

Wir erwarten von der ,,Alten Synagoge", dass sie eine Begegnungsstätte ist, in die auch die Muslime kommen können, wo die Werte und Normen der Kultur und Religion nicht verletzt werden.

Deshalb bitten wir Sie, dafür Sorge zu tragen, dass die Leitung der Alten Synagoge ihre Haltung zu der Gesamtverantwortung in unserer Stadt und Gesellschaft ändert und ihre Themen mit Sorgfalt angeht.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Zu weiterführenden Gesprächen, stehen wir Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

(gez.)
Muhammet Balaban
KIM—E

Kommission für "Islam und Moscheen in Essen"

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Einladungs-Flugblatt zum "Donnerstagsgespräch" am 12.05.2011

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Donnerstagsgespräch

Alte Synagoge Essen

zusammen mit der

Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Essen

Einladung

12.05.2011, 19.30 um

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Antisemitismus heute

Chaim Noll, Königs-Wusterhausen bei Berlin
Meitar bei Beer Sheva, Israel

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Der Begriff „Antisemitismus" wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts für judenfeindliche Ressentiments in Deutschland geprägt. Oft wird behauptet, arabische Muslime seien „Semiten" und könnten deshalb keine „Antisemiten“ sein. Gleichwohl ist heute der muslimische Judenhass von wachsender Bedeutung.

Judenfeindliche Ressentiments spielen seit der Niederschrift des Korans im 7. Jahrhundert und dem Massaker gegen die Juden von Medina im Jahre 628 durch Mohamed im Islam eine fundamentale Rolle. Bis heute kann dieser traditionelle Judenhass reaktiviert und politisch instrumentalisiert werden. Ein Beispiel dafür liefert die im Gaza-Streifen herrschende Organisation Hamas in ihrer Charta. Judenhass wird auf den Staat Israel übertragen, dessen Zerstörung das erklärte Ziel dieser Bewegung ist.

Der Vortrag beschäftigt sich mit neuen Formen von Judenhass und Feindschaft gegenüber Israel, mit den Zusammenhängen zwischen beiden und ihren Auswirkungen auf die Stimmung in Europa, besonders vor dem Hintergrund der neuesten Entwicklungen und der „arabischen Revolte" im Mittleren Osten 2011.

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Chaim Noll, geboren 1964 in Berlin. Abitur, Studium der Mathematik in Jena und Kunst und Kunstgeschichte in Berlin, Meisterschüler der Akademie der Kiinste der DDR, verweigerte 1980 den Wehrdienst in der DDR—Armee aus Gewissensgründen, Einweisung in psychiatrische Kliniken, 1983 Ausreise mit Frau und Kindern nach West-Berlin, wo er seine ersten Bücher veröffentlichte. freier Mitarbeiter zahlreicher deut- scher Zeitungen und Rundfunk-Sender.

1999—91 Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Freien Universität Berlin, Mitglied des Redaktionskollegiums der Exil—Zeitschrift Kontinent (Paris/Bonn), 1992-95 in Rom, seit 1995 in Israel, 1998 israelische Staatsbürgerschaft. Seit 1998 Writer in Residence am Center for German Studies der Ben Gurion University, Beer Sheva, Israel und Mitglied des Israelischen PEN.


Zu Vortrag und Diskussion laden wir herzlich ein.

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Donnerstagsgespräche
über Politik. Kultur, Gesellschaft

Die wechselvolle europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts, Kriege, Bürgerkriege, Aufstieg und Untergang totalitärer Systeme, ökonomische und politische Globalisierung, wirtschaftliche Zusammenbrüche und die Krise der Wohlstandsgesellschaft machen deutlich: Demokratie als Lebensform bleibt ein Experiment und ist bedroht. Das bereits proklamierte "Ende der Geschichte" erweist sich als Trugschluss. Aus der Geschichte lernen heißt deshalb auch, die gegenwärtigen Rahmenbedingungen und Entwicklungen in Politik, Kultur und Gesellschaft kritisch zu begleiten, ohne die historischen Wurzeln zu vernachlässigen.

Seit 1994 gibt es in der Auen SYNAGOGE die Donnerstagsgespräche. Sie finden, abgesehen von Ferienzeiten, jeweils am ersten Donnerstag im Monat statt. Hierzu werden Referenten und Referentinnen eingeladen, die in einem kurzen Vortrag ihre Thesen zur Diskussion stellen. Dabei werden aktuelle wie auch langfristige, historische wie gegenwartsbezogene Themen berücksichtigt.

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Weitere Informationen:

Alte Synagoge
Steeler Straße 29
45127 ESSEN

Telefon: 0201 / 88 45 218
0201 / 88 45 223
Telefax: 0201 / 88 45 225
e-mail:alte-synagoge<a>essen.dePost_icon.png
Internet:www.alte-synagoge.essen.de
Wir sind umgezogen: von der Friedrich-Ebert-Str. zur Steubenstr.49, 45138 Essen
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