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Beispiele unserer Arbeit

Hier stellen wir - in Kurzform - typische Beispiele unserer Arbeit vor.

Inhaltsverzeichnis

Vom "Negerkuss" zum "Schokokuss"

Doebbewa.gif
Nkzq.jpg RotPunkt.gif Auslöser: "Neger" auf der Brötchentüte

Die Firma Döbbe Bäckereien Gmbh bedruckt ihre Brötchentüten mit lachenden Menschen und Typisierungen, die an Bäckereiprodukte erinnern (z.B. "Apfeltaschendieb"). Leider wurde uns eine Tüte mit der Bezeichnung Negerkusszerquetscherin gemeldet.

RotPunkt.gif Aus unseren Brief an die Bäckerei:

  • Viele schwarze Mitbürger verstehen den Gebrauch von "Neger" als beleidigend
  • Darauf wird oft Rücksicht genommen (z.B. "Dickmänner" und "Schokoküsse")
  • Neonazis benutzen den Ausdruck zunehmend mehr um Nichtdeutsche zu beleidigen
RotPunkt.gif Die Döbbe-Bäckerei antwortete prompt:
  • Eine Beleidigung unserer schwarzen Mitbürger war nicht beabsichtigt
  • Diese Brötchentüte wird nicht mehr produziert
  • In Zukunft wird eine schwarze Mitbürgerin als "Schokokussliebhaberin" dargestellt
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Mißverständnisse lassen sich oft einfach und schnell ausräumen - uns gefällt das neue Motiv sehr gut.

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"Zehn kleine Negerlein" - eine Beleidigung?

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Zehnkleinbuch.jpg RotPunkt.gif Ein Kriminal-Theaterstück wird in Essen aufgeführt

1939 schrieb Agatha Christie den Krimi "Ten Little Niggers". Das entsprechende Theaterstück wurde im April 2002 im Essener Rathaustheater unter dem Titel "Zehn kleine Negerlein" aufgeführt. Mitbürger schwarzer Hautfarbe empfinden den Ausdruck "Neger" als Beleidigung. Der Buchverlag selbst hat aufgrund von Protesten schon im März beschlossen, den Titel des Stückes zu ändern, dies fand in Essen allerdings nicht statt.

RotPunkt.gif Widerstand formierte sich

Vertreter der Flüchtlingsorganisation Asyl-Dialog, Frauen des Pro Multi-Club und Mitarbeiter des Anti-Rassismus-Telefons bildeten eine Arbeitsgruppe. Man wollte in der Öffentlichkeit darauf hinweisen, dass der Ausdruck "Neger" zutiefst verletzen kann.

RotPunkt.gif Pressewirbel und Leserbriefschlacht

Die WAZ Essen brachte unser Anliegen als Top-Story auf die erste Lokalseite, die restliche Presse zog nach, teilweise in recht hämischen Ton. Man war offenbar nicht bereit, den Schwarzen zuzugestehen, beleidigt sein zu dürfen. Einige Leserbriefe und Reaktionen waren derart harsch, dass wir den Eindruck bekommen mussten, wir würden die gesamte Sprachkultur und das Abendland in Gefahr bringen. Wir haben in Leserbriefen vieles richtiggestellt.

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RotPunkt.gif Fragwürdiger Zustand der Gesellschaft

Die überzogenen und teilweise dummen Reaktionen werfen die Frage auf, dass vielleicht etwas ganz anderes dahintersteckt: Dürfen Schwarze nicht mit einer eigenen Meinung in die Öffentlichkeit treten? Dürfen Gruppen aus der Flüchtlingssolidarität nichts bewegen dürfen?

Trotz und auch wegen der umfangreichen Pressereaktionen hält die Arbeitsgruppe die Aktion für einen Erfolg: Allen Lesern wurde bewußt, daß der Ausdruck "Neger" heute als Beleidigung empfunden wird (siehe ausführliche Dokumentation hier).

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Gespenster der Nazi-Zeit nochmals vertrieben

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RotPunkt.gif Essen stellt sich quer

Am 1. Mai 2001 wollten die Nazis in der Stadtmitte Essen aufmarschieren. Viele Organisationen haben zusammen mit dem DGB-Essen die Gegendemonstration durchgeführt. Die NPD-Veranstaltung wurde in die Industriegebiete verdrängt, aber leider nicht verboten. Friedhelm Busse, ein bekannter Vertreter des rechtsextremen Spektrums, hat dort vor seinen Kumpanen und den anwesenden Polizisten eine Hetzrede gehalten.

RotPunkt.gif Abscheulicher Spruch gegen Juden vor Gericht

Zwei anwesende Polizisten zeigten ihn an und bezeugten vor dem Essener Landgericht diesen Satz: "Wenn Deuschland erst judenfrei ist, brauchen wir kein Ausschwitz mehr". Im Prozess will er das so nicht gesagt haben.

RotPunkt.gif Uneinsichtiger Brandstifter

Er will gesagt haben: "Wenn die Juden die Möglichkeit hätten, in das Land ihrer Väter auszuwandern, wäre so etwas wie Auschwitz nicht mehr möglich." (gemeint war, dass Juden freiwillig in ihre "angestammte" Heimat ziehen sollten).

Der Staatsanwalt wies im Plädoyer darauf hin, dass beide Aussagen eine gleichwertige Umschreibung der Hassparole "Juden raus" seien. Es sei doch nur so zu verstehen, dass der Angeklagte die Juden, "wie auch Menschen ausländischer Abstammung", nicht als vollwertige Bürger Deutschlands anerkannt haben will.

Mit solchen Sprüchen wird weiterhin der abscheuliche Gedanke breitgetreten, dass ethnische Unterschiede im Zusammenleben der Kulturen Probleme bereiten würden

RotPunkt.gif Haft für Nazi-Sprüche

Dem Nazihäuptling ist es ohnehin nicht gelungen, Zeugen für diese in seinen Augen "abgemilderte" Version zu bekommen. Seine Freunde aus der rechten Szene schienen der Rede nicht sehr aufmerksam gefolgt zu sein, denn Sie konnten sich kaum erinnern - oder wollten sie es nicht?

Das Gericht stellte den Tatbestand der Volksverhetzung fest und ließ keinen Zweifel offen, dass dieser Mensch ein gefährlicher und unverbesserlicher Brandstifter ist. Als solcher hat er sich sein Leben lang betätigt und wurde auch schon mehrmals verurteilt.

So bewahrte ihn auch sein hohes Alter nicht vor einer empfindlichen Gefängnisstrafe. Das Urteil ist wegen Revision allerdings nicht rechtskräftig geworden.

Das Anti-Rassismus-Telefon hat diesen lehrreichen Prozess verfolgt und protokolliert.

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Asyl ist Menschenrecht - warum hört niemand zu?

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120px-Ostern2002032905x.jpg RotPunkt.gif Kirchenbesetzung und Demonstration

In der Essener Gruppe "Asyl-Dialog" sind viele Flüchtlinge aus Schwarzafrika. Sie beschlossen, in einer öffentlichen Aktion auf ihre Probleme aufmerksam zu machen. Am Karfreitag sollte die Gemeinde der Trinitatis-Kirche in Altenessen informiert werden, am Karsamstag wurde vor dem Altenessener Einkaufszentrum informiert.

RotPunkt.gif Karfreitag in der Altenessener Trinitatis-Kirche

Im Gebet und der anschließenden Diskussion wurde die Hauptforderung "Asyl ist Menschenrecht" erläutert und mit individuellen Verfolgungserlebnissen veranschaulicht. Vor den Diktatoren in Ländern wie Togo, Kamerun, Ruanda und Sierra Leone haben sie hier in Deutschland Zuflucht gesucht. Viele leben inzwischen schon jahrelang hier; sie dürfen aber kaum arbeiten und sind oft in Flüchtlingsheimen kaserniert. Ihr Aufenthalt in Deutschland ist nicht gesichert und somit ist ihnen jegliche realistische Zukunftsperspektive verschlossen.

RotPunkt.gif Forderung nach Legalisierung in Altenessen

Am Karsamstag gab es vor dem Altenessener Einkaufszentrum eine Kundgebung der afrikanischen Asylbewerber. Sie verteilten Flugblätter und führten Gespräche mit den Passanten. Schautafeln über Folter und Tod in den Herkunftsländern führten zu großer Anteilnahme. Unterschriftenlisten mit ihren Forderungen füllten sich schnell.

RotPunkt.gif Forderungen der Asylbewerber
  • Wir wünschen, endlich sicher im Land bleiben zu können und ohne Angst unsere zukunft planen zu können.
  • Wir wollen gleichberechtigt mit den Deutschen zusammen arbeiten und leben dürfen.
  • Asyl ist Menschenrecht!
  • Für die Legalisierung aller Asylbewerber!
  • Wir wollen uns gemeinsam für eine friedliche Gesellschaft einsetzen, in der kulturelle Vielfalt allen nützt.
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Das Anti-Rassismus-Telefon war mit dabei (siehe ausführliche Dokumentation hier).

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Dunkle Haut als Merkmal für Diebstahl?

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RotPunkt.gif "Ah! Heute bezahlen Sie wohl! Ein Feiertag!"

In einem Geschäft im Ruhrgebiet* wird ein dunkelhäutiger Mann vom Kassierer mit diesen Worten begrüßt.

Diese Unterstellung, er sei ein Dieb, entsetzt den Mann. Er ist sich auch unsicher und weiß nicht recht, wie er reagieren soll. Andere Kunden haben den Vorfall gehört, schauen ihn an - aber leider mischt sich niemand ein. Der Mann versucht dann bei anderen Angestellten den Namen des Kassierers zu erfahren - leider erfolglos.

RotPunkt.gif Betroffene setzen sich zu Wehr

Er will aber es nicht auf sich beruhen lassen und wendet sich an das Anti-Rassismus-Telefon.
Zusammen mit einem Mitglied von Anti-Rassismus-Telefon findet noch am gleichen Tag ein Gespräch mit der Geschäftsleitung statt.
Wir schließen aus dem Gespräch, dass hier möglicherweise eine Personenverwechslung vorlag. Es ist für uns nicht das erste mal, dass solche "Verwechselungen" ausgerechnet bei Menschen dunkler Hautfarbe passieren.

Wenn es eine Unsicherheit beim Wiedererkennen gibt, verhält man sich normalerweise vorsichtiger - ganz besonders mit so harten Vorwürfen wie Diebstahl. Hat man aber Vorurteile und will dem anders aussehenden Menschen auch nicht genauso respektieren wie andere, dann fällt auch schnell so manche moralische Schranke. Ein sensiblerer Umgang miteinander wäre gerade hier wünschenswert.

RotPunkt.gif Die gesellschaftliche Gleichgültigkeit erschwert die Abwehr von Rassismus

Wie nicht anders zu erwarten, stellte sich die Geschäftsleitung hinter ihrem Mitarbeiter. Auch von den Zeugen des Vorfalls war niemand mehr erreichbar.

RotPunkt.gif Sensibel sein auch bei unterschwelligem Rassismus

Bei der Diskussion über unterschwelligem Rassismus muss die besondere Bereitschaft zum selbstkritischen Blick vorhanden sein. Sichtbare Ergebnisse sind schwer zu erlangen.

RotPunkt.gif Diskriminierung sollte Straftatbestand sein

Ein Gesetz, dass Diskriminierung aufgrund von äußerlichen Merkmalen unter Strafe stellt, gibt es in Deutschland noch nicht. Sicherlich ändern Gesetze alleine die Menschen nicht. Wir aber glauben, es würde deutlich signalisieren, dass rassistische Diskriminierungen mit einer freien und friedlichen Gesellschaft nicht vereinbar sind.

Wir können nur hoffen, ein Zeichen gesetzt zu haben: Das Bewusstsein, dass so ein beleidigendes Verhalten für den Betroffenen sehr schmerzhaft sein kann.

(*)unbedeutende Einzelheiten sind anonymisiert worden.

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Wir sind umgezogen: von der Friedrich-Ebert-Str. zur Steubenstr.49, 45138 Essen
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