Starke Frauen: Italienerinnen im Widerstand
gegen deutsche Besatzung und Faschismus. Studienseminar/Bildungsurlaub vom 25. bis 30. Mai 2008 in der Emilia Romagna und in Venedig
Von September 1943 bis Kriegsende war Italien durch deutsches Militär besetzt. Während dieser Zeit wurde das Land von nationalsozialistischem und faschistischem Terror beherrscht. Dagegen entwickelte sich ein immer stärker werdender Widerstand der italienischen Bevölkerung - die Resistenza.
Frauen hatten einen wesentlichen Anteil an der Resistenza, sie bildeten das Rückgrat der "Resistenza civile", des zivilen Widerstands im alltäglichen Leben. Sie riefen zu Protestkundgebungen und Streiks auf, sie verteilten Flugblätter und organisierten die Logistik des bewaffneten Widerstands. Als so genannte Stafetten transportierten sie schriftliche Nachrichten, Waffen und Munition und standen dabei dem Feind häufig Auge in Auge gegenüber. Sie kämpften auch mit der Waffe in Einheiten von Partisaninnen und Partisanen. Frauen sind für ihr antifaschistisches Engagement ins Gefängnis geworfen, gefoltert und ermordet worden. Überlebende Zeitzeuginnen berichten, dass ihre Erfahrung im Widerstand ein bedeutender Schritt auf dem Weg zu ihrer Emanzipation war.
Im Vordergrund dieses Seminars stehen das Zusammentreffen und die Gespräche mit Zeitzeuginnen, die in der Resistenza in unterschiedlichen Rollen aktiv waren sowie mit überlebenden des nationalsozialistischen und faschistischen Terrors. Es geht darüber hinaus um Informationen zum historischen Umfeld jener Epoche. Das Seminar sucht Orte des Geschehens und heutigen Gedenkens in der Emilia Romagna und in Venedig auf. Alle Gespräche werden ins Deutsche übersetzt.
Geplantes Programm
(bei täglich außer Mo. und Sa., 8 Unterrichtsstunden)
18 Uhr
Reggio-Emilia: Kennenlernen, Programmerläuterungen, Organisatorisches,
anschließend gemeinsames Abendessen.
Vormittags:
Vorstellung des Istituto per la storia della resistenza in provincia di Reggio-Emilia (ISTORECO).
Die Situation der Frauen während des Faschismus und ihre Beteiligung am Widerstand gegen Faschismus und deutsche Besatzung (Vortrag einer Mitarbeiterin des Instituts).
Zeitzeuginnengespräch mit einer Stafetta über ihre Verbindungs- und Informationstätigkeit innerhalb der katholisch orientierten Partisanenverbände.
Nachmittags:
Zeitzeuginnengespräch mit einer ehem. Partisanin über ihre Widerstandstätigkeit gegen die Faschisten vor 1943 und ihre Arbeit in der Roten Hilfe.
Vormittags:
Deutsche Kriegsverbrechen in Italien und deren aktuelle juristische Aufarbeitung (thematische Einführung und Austausch);
Zeugnisse des Faschismus und der Resistenza in Reggio-Emilia.
Nachmittags:
Die Organisation der Frauenverteidigungsgruppen.
Zeitzeuginnengespräch mit der stellvertretenden Vorsitzenden des Nationalen Partisanenverbandes Italiens (ANPI) auch über und ihre damalige Tätigkeit als Politkommissarin.
Vormittags:
Gewerkschaftliches und frauenpolitisches Engagement in der Nachkriegszeit.
Zeitzeuginnengespräch mit einer früheren Partisanin.
Diskussion über die individuelle und gesellschaftliche Bedeutung der Beteiligung der Frauen an der Resistenza.
Nachmittags:
Weiterfahrt nach Venedig.
Frauen in der Situation der Besatzung und der Resistenza im Veneto und in Venedig (Vortrag).
Vormittags:
öffentliches Erinnern und künstlerische Verarbeitung.
Die Denkmäler für die Frauen der Resistenza sowie das Museum für Moderne Kunst Ca' Pesaro mit der Skulptur "Die Partisanin" von Leonardo Leoncillo, anschl. Diskussion.
Nachmittags:
Ziviler Widerstand - Organisation und Tätigkeiten.
Gespräch mit einer Zeitzeugin, die im bürgerlich-aristokratischen Milieu Venedigs mit den Westalliierten kooperierte und den Druck illegaler Schriften mitorganisierte.
Vormittags:
Vergangenes jüdisches Leben und jüdische Kultur vergegenwärtigen.
Rundgang durch den ehemaligen venezianischen Ghettobezirk; Führung durch drei der fünf venezianischen Synagogen.
Die Verfolgung von Jüdinnen und Juden in Venedig
Gespräch mit einer Zeitzeugin, die nach der Besetzung Venedigs durch deutsche Truppen mit ihrer Familie in die Schweiz flüchten konnte.
Nachmittags:
Auswertung des Seminars, Ende der Veranstaltung ca. 15.30 Uhr.
Organisatorisches
Leitung: Nadja Bennewitz und Marianne Wienemann
Die Veranstaltung richtet sich an:
Frauen, die historisch und politisch interessiert sind und sich mit der deutschen wie italienischen Zeitgeschichte und ihrer Gegenwartsbedeutung auseinander setzen möchten.
Bildungsfreistellung
Diese Veranstaltung ist nach dem Bildungsurlaubsgesetz NRW nicht anerkannt; auf Wunsch stellen wir Anträge auf Anerkennung nach den Freistellungsgesetzen anderer Bundesländern.
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Kosten und Leistungen:
Kostenbeitrag bei Unterkunft in Mehrbettzimmer/Jugendherberge in Reggio-Emilia und Doppelzimmern in Venedig 500 Euro. Übernachtungen im Doppelzimmer auch in Reggio-Emilia sowie im Einzelzimmer in beiden Städten sind möglich, die Preise hierfür erfragen Sie bitte im Bildungswerk der Humanistischen Union.
In diesen Beträgen sind Halbpension, Eintritte, Führungen, Übersetzungen und die Transfers während des Seminars enthalten. Die Anreise nach Reggio-Emilia und die Abreise von Venedig sind individuell zu planen und nicht im Preis inbegriffen.
An- und Abreise
Die Anreise nach Reggio-Emilia mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist entweder mit der Bahn oder mit dem Flugzeug möglich: die nächstgelegenen Flughäfen mit Anschluss per Bus und Bahn nach Reggio-Emilia sind Bologna, Forli, Verona und die Mailänder Flughäfen.
Die Abreise von Venedig kann ebenfalls per Bahn oder Flugzeug erfolgen. Hier sind die nächstgelegenen Flughäfen Venedig, Treviso, Verona und Bologna. Bei der An- und Abreise mit dem PKW empfiehlt es sich, das Auto von Reggio-Emilia nach Venedig mitzunehmen, es in Venedig-Mestre zu parken und von dort aus abzureisen.
Anmeldung:
Zur Anmeldung schicken Sie uns bitte eine Postkarte, eine Mail oder ein Fax, spätestens bis zum 31.3.2008. Sie erhalten umgehend eine vorläufige Bestätigung mit weiteren Informationen.
Veranstalter:
Bildungswerk der Humanistischen Union NRW
Kronprinzenstr. 15,
45128 Essen,
Tel. 0201 227982, Fax 0201 235505,
Mail: buero@hu-bildungswerk.de
in Kooperation mit
ISTORECO, Istituto per la Storia della resistenza e la storia contemporanea,
Reggio-Emilia/Italien
www.istoreco.re.it
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