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Brandanschlag auf Flüchtlingsheim in Essen-Altendorf

Im März 2005 wurde auf ein Heim für Flüchtlinge in Essen-Altendorf ein Brandanschlag durchgeführt. Zum Glück wurde niemand verletzt. Umgehend wurde eine Solidaritäts-Demonstration durchgeführt.

Inhaltsverzeichnis

16.03.2005, NRZ: Anschlag auf Asyl-Heim

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NRZ / Essen,Mittwoch, 16.03.2005

Anschlag auf Asylantenheim


Anschlag auf Asylanten-Heim.

Anschlag auf Asylanten-Heim. Unbekannte warfen an der Altendorfer Straße brennende Molotow-Cocktails.
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NRZ / Essen,Mittwoch, 16.03.2005

Anschlag auf Asyl-Heim

KRIMINALITÄT / Unbekannte warfen an der Altendorfer Straße brennende Molotow-Cocktails. 29 Bewohner blieben unverletzt. Staatsschutz: "Fremdenfeindliche Straftat nicht auszuschließen."


JÖRG MAIBAUM

Während Ausländer in Hoyerswerda, Mölln oder Solingen zu Opfern teils tödlicher Anschläge wurden, blieb Essen von derartigen Auswüchsen eines rücksichtslosen Rassismus gänzlich verschont. Einzig eine brennende Zeitung im Flur des Asylbewerberheims an der Altendorfer Straße erregte 1991 die Gemüter. Seit gestern jedoch ist die Situation eine andere: In der Nacht zum Dienstag warfen Unbekannte brennende Molotow-Cocktails auf eben jene Flüchtlingsunterkunft an der Altendorfer Straße, in der es vor 14 Jahren schon einmal gebrannt hatte. Nur dass es sich diesmal zweifelsfrei um einen Anschlag handelt, bei dem glücklicherweise keiner der nach Auskunft der Stadt 29 Bewohner verletzt wurde: "Wir müssen zur Zeit von einer gezielten Aktion gegen das Heim oder dessen Bewohner ausgehen und ermitteln wegen versuchter schwerer Brandstiftung", sagte Kriminaloberrat Gerhard Bürgel.

Diese erste Einschätzung des Essener Staatsschutz-Chefs kam schnell, das Spurenbild war eindeutig: Vor der Außenwand eines der zwei bewohnten Gebäude auf dem Gelände fanden die Ermittler Scherben einer mit Brandbeschleuniger gefüllten Flasche, die nicht an der Wand des Heims, sondern auf dem Boden davor zerbarst, so dass das Feuer nur einen geringen Schaden anrichten konnte. Eine zweite unzerstörte Flasche lag in der Nähe. Die Lunte hatte zunächst gebrannt, war aber dann vermutlich erloschen.

Ein 44 Jahre alter Bewohner des betroffenen Gebäudes, in dem nur zwei der in dem Gesamtkomplex untergebrachten ausländischen Familien leben, entdeckte den Brand um kurz nach Mitternacht. Offenbar früh genug, um die Flammen mit einem Eimer Wasser löschen zu können.

Auch wenn eine neuerdings in der Öffentlichkeit zur Schau gestellte Gewaltbereitschaft von Essener Neonazis Zwischenfälle mit Rechten im Rat der Stadt und zu beobachtende stärkere Mobilisierungsversuche der so genannten "Freien Kameradschaften" vor Ort schnell Rückschlüsse provozieren könnten - für die Staatsschützer ist völlig offen, wer für den Anschlag an der Altendorfer Straße zur Verantwortung gezogen werden könnte. Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen, sagte Bürgel.


Mehr politisch
motivierte Delikte

Insgesamt hat die politisch motivierte Kriminalität in Essen im vergangenen Jahr leicht zugenommen: von 202 Delikten in 2003 auf 218 in 2004. Die allermeisten Straftaten (182) gingen auf das Konto von Rechten - überwiegend Hakenkreuzschmierereien, aber auch Volksverhetzung und Körperverletzungen.

  • LOKALSEITE 2
    Bildunterschrift:
    Ermittler untersuchten das Ziel des Anschlags. Auf dem Boden vor der Wand zerbarst einer der Molotow-Cocktails. (NRZ-Foto: Tietz)

16.03.2005, NRZ: Essen ist keine Hochburg

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NRZ / Essen,Mittwoch, 16.03.2005

Essen ist keine Hochburg


JÖRG MAIBAUM

Trotz eines Anstiegs der politisch motivierten Straftaten um 4,4 Prozent zieht Kriminaloberrat Gerhard Bürgel eine positive Staatsschutz-Bilanz für das vergangene Jahr: "Eine aktive extrempolitische Szene gibt es nicht. Hier in Essen ist es recht ruhig - zum Glück."

Auch wenn die vermehrt zu registrierenden Auftritten gerade von jungen Neonazis anderes vermuten ließe: Eine gut organisierte rechte Szene gebe es in Essen nach wie vor nicht. Was auch erkläre, dass ein einschlägig bekannter Rechter aus Köln die rechte Kundgebung für den 16. April angemeldet habe und nicht erneut die Essener Kameradschaften. Dass deren geplante Demonstration durch den Polizeipräsidenten verboten wurde, nachdem ausgerechnet die Anmelder die Organisatoren einer Gegenveranstaltung vor dem Grend in Steele bedroht hatten, sei in der Szene nicht ohne Reaktion geblieben. "Die haben es sich verscherzt", stünden auf der Hierarchieleiter jetzt ganz unten, so Bürgel. Das Zeichen sei deutlich: Nun kommt ein Neonazi von außen, um den Essenern zu zeigen wie man eine Demo durchzuziehen hat.

Verstöße gegen das Versammlungsrecht machen einen Großteil der Straftaten aus, die die Polizei dem linken Spektrum zuordnete: Im vergangenen Jahr wurden 25 Delikte bekannt. Unter dem Stichwort "Ausländerextremismus" landeten elf Verfahren auf den Schreibtischen der 22 Mitarbeiter des Staatsschutzes. Was für deren Chef heißt: "Bei den politisch motivierten Straftaten zählt Essen nicht zu den Hochburgen." (j.m.)

16.03.2005, WAZ: Brandanschlag auf Flüchtlingsheim

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WAZ / Essen,Mittwoch, 16.03.2005

Brandanschlag auf Flüchtlingsheim


Ein 44jähriger Asylbewerber entdeckte in der Nacht zum Dienstag gegen 0.10 Uhr ein kleines Feuer an der Außenfront eines Flüchtlingsheimes an der Altendorfer Straße/Ecke Wüstenhöferstraße. Mit einem Eimer Wasser löschte er sofort die Flammen. Bei ihren Ermittlungen stellte die Polizei Reste eines Molotow-Cocktails sicher und fand eine zweite Flasche in unmittelbarer Nähe, an der nur die Lunte gebrannt hatte. An der Außenwand entstand geringfügiger Sachschaden. In dem Gebäude ist eine Kindertagestätte und ein städtisches Büro untergebracht. Zwei Familien wohnen am anderen Ende. Insgesamt leben 24 Flüchtlinge verschiedener Nationalitäten in dem sogenannten Übergangsheim. Der polizeiliche Staatsschutz hat die Ermittlungen aufgenommen. "Wir müssen von einer gezielten Aktion gegen das Heim oder dessen Bewohner ausgehen und ermitteln wegen versuchter schwerer Brandstiftung", so Kriminaloberrat Gerhard Bürgel. Hinweise: Tel 82 90.

16.03.2005, TAZ: Brandanschlag in Essen

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taz,Mittwoch, 16.03.2005

Brandanschlag in Essen

Geringer Schaden


In Essen ist ein Brandanschlag auf ein Asylbewerberheim verübt worden. Der Schaden ist jedoch gering. Ein Bewohner hatte das Feuer am Gebäude entdeckt und schnell gelöscht. Die Polizei fand Reste eines Molotowcocktails sowie eine zweite Brandflasche. Ermittlungen wegen versuchter Brandstiftung wurden aufgenommen. (ap)

22.03.2005, WAZ: Integrationsbeirat verurteilt Anschlag

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WAZ / Essen,Dienstag, 22.03.2005

Integrationsbeirat verurteilt Anschlag


Der Integrationsbeirat verurteilt den Brandanschlag auf die Asylbewerberunterkunft an der Altendorfer Straße scharf. Die "hinterhältige und feige Vorgehensweise" offenbare, welcher Natur die Täter seien. Begrüßt wird vom Integrationsbeirat der Vorstoß der Grünen zur Abweisungsproblematik an den Essener Gesamtschulen.

Aufruf zur Solidaritätskundgebung am 18.03.

15.03.2005, Aufruf: Kein Platz fuer Rechte Gewalt

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Interkulturelles Solidaritätszentrum e.V.

Anti-Rassismus-Telefon

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Maxstraße 11(*), 45127 Essen, Tel/Fax: 0201-232060

Essen, den 15.03.2005
Kein Platz für rechte Gewalt

Brandstiftung am Asylbewerberheim!
- Kein Platz für rechte Gewalt!


In der Nacht zum Dienstag, den 15.3.2005, gab es einen Brandanschlag auf das Essener Flüchtlingsheim in der Altendorfer Straße. Nur durch Zufall konnte schlimmeres verhindert werden. Noch sind die Täter nicht gefasst - die Polizei geht derzeit von "einer gezielten Aktion gegen das Heim" aus.

  • Ist es wieder so weit, dass Menschen um ihr Leben fürchten müssen, nur weil sie aus einem anderen Land kommen?
  • Lassen wir zu, dass in Zukunft rechter Terror die Straßen beherrscht?
  • Können wir die Menschen, die Schutz bei uns gesucht haben, noch nicht einmal vor Angriffen bei uns schützen?

Niemand - egal welcher Herkunft - soll in unserer Stadt Angst haben müssen! Wer Häuser in Brand steckt, ist ein feiger Mörder, der hinter Gittern gehört!

Wir versammeln uns in Altendorf
am Freitag, den 18. März
um 17.00 Uhr
an der Gesamtschule Bockmühle, Ohmstr. 32

und werden dann gemeinsam über die Altendorfer Straße bis zur Bocholder Straße (Haltestelle Fliegenbusch) gehen.

Wir wollen in aller Öffentlichkeit darstellen, dass uns dieser Anschlag betroffen macht und möchten besonders den Anwohnern im Flüchtlingsheim unsere Solidarität ausdrücken.

Weitere Informationen beim Anti-Rassismus-Telefon und ProAsyl Essen, Maxstr. 11(*), 45127 Essen, T.0201- 23 20 60, www.antirassismus-telefon.de

18.03.2005, NRZ: Nach Brandanschlag Solidarität zeigen

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NRZ / Essen,Freitag, 18.03.2005

Nach Brandanschlag Solidarität zeigen

PROTEST / Der Flüchtlingsrat Essen lädt zu einer Versammlung nach Altendorf ein.


Nach dem noch nicht aufgeklärten Anschlag mit Molotow-Cocktails auf das Asylbewerberheim an der Altendorfer Straße (die NRZ berichtete) rufen die Mitglieder des Flüchtlingsrats Essen und des Anti-Rassismus-Telefons zu einer Solidaritäts-Versammlung in Altendorf auf. Der Treffpunkt der heutigen Veranstaltung ist um 17 Uhr an der-Gesamtschule Bockmühle. Gemeinsam wollen die Teilnehmer dann über die Altendorfer Straße bis zur Bocholder Straße ziehen. In aller Öffentlichkeit wollen die Veranstalter zeigen, "dass uns dieser Anschlag betroffen macht". Mit den Bewohnern der Unterkunft hat das Antirassismus-Telefon bereits Kontakt aufgenommen. Die Aktion in Altendorf wird auch von der PDS unterstützt, so ihr Sprecher Wolfgang Freye.

18.03.2005, WAZ: Protest gegen Anschlag

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WAZ / Essen,Freitag, 18.03.2005

Protest gegen Anschlag

Solidarität mit betroffenen Asylbewerbern


Zu einer Versammlung gegen rechte Gewalt rufen ProAsyl/Flüchtlingsrat und das Antirassismus-Telefon am Freitag, 18. März, um 17 Uhr auf. Anlass ist der Brandanschlag auf ein Asylbewerberheim in der Nacht zum Dienstag (WAZ berichtete). Die Teilnehmer wollen von der Gesamtschule Bockmühle über die Altendorfer Straße bis zur Bocholder Straße (Haltestelle Fliegenbusch) gehen und damit in aller Öffentlichkeit darstellen, dass dieser Anschlag betroffen mache: "Niemand - egal welcher Herkunft - soll in unserer Stadt Angst haben müssen."

  • Für den heutigen Donnerstag, 17. März, lädt das attac-Netzwerk um 19.30 Uhr zu einer Informations-Veranstaltung über die EU-Dienstleistungsrichtlinie ins Kulturzentrum Grend, Steele, Westfalenstr. 311, ein.

Reden auf der Kundgebung am 18.03.

 

Rede von Wolfgang Freye (Runder Tisch für Menschenrechte)

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Liebe Freundinnen und Freunde, Wir haben uns hier versammelt, weil vor wenigen Tagen in der Nacht von Montag auf Dienstag auf das ganz in der Nähe gelegene Flüchtlingsheim an der Wüstenhofer Straße ein Brandanschlag verübt worden ist.
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Und ich muss sagen: Ich freue mich, dass trotz der kurzen Mobilisierung, die im Wesentlichen über das Internet gelaufen ist, und ein bisschen über die Presse, in ganz kleinen Meldungen, dass trotzdem doch relativ viele Menschen so zusammengekommen sind, um deutlich zu machen, dass die Flüchtlinge, die in der Wüstenhöfer Straße wohnen, und auch alle anderen Flüchtlinge und Migranten in Essen nicht allein stehen, und wir es nicht dulden werden, dass irgendjemand hier in Essen Opfer von Terror und Gewalt wird. Egal woher sie kommt.

(Beifall)

Es steht unzweifelhaft fest, dass in der Nacht von Montag auf Dienstag ein Brandanschlag stattgefunden hat. Die Polizei hat zwei Molotowcocktails gefunden, von denen zum Glück nur einer entzündet wurde, der keinen großen Schaden anrichten konnte. Aber Molotow-Cocktails legt natürlich niemand aus Versehen dort hin. Nicht klar ist, wer den Brandanschlag gemacht hat. Deswegen wollen wir heute nicht nur deutlich machen, dass in diesem Land niemand Angst haben darf an Leib und Leben bedroht zu werden, wir wollen auch fordern, dass ganz schnell aufgeklärt wird wer hinter dieser abscheulichen Tat steckt. Denn es war letzten Endes nur dem Zufall und der schnellen Reaktion eines der Bewohner zu danken, dass nichts passiert ist, dass nichts schlimmeres passiert ist.

Für uns liegt es sehr nahe, dass der Brandanschlag, der dort verübt wurde, aus der Neonazi-Szene begangen wurde. Nach Sachen und Sachsen-Anhalt, Nach den Wahlerfolgen der NPD bzw der DVU, nach unzähligen Aufmärschen in den letzten Jahren, die die Nazis gemacht haben - nach dem Motto: "Die Straße gehört uns", "Wir kämpfen um die Straße, wir versuchen die Straße wiederzuerobern". Nach diesen Anschlägen , diesen Demonstrationen und Aktionen, nach diesen Wahlerfolgen ist ein Klima entstanden, in dem sich viele in der Rechten Szene ermutigt fühlen. Und indem das Klima für Gewalt gegen Ausländer, gegen MigrantInnen, Für Gewalt gegen Flüchtlinge wieder deutlich stärker geworden ist.


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Ich will die Situation jetzt nicht vergleichen, mit der Anfang der 90ger Jahre - nicht unbedingt in einer Reihe stellen mit Hoyerswerda, Rostock, Solingen und anderen Anschlägen. Trotzdem ist es so, dass Nazis sich viel zu sehr und viel zu ungestört hier wieder tummeln können.

Dazu hat auch ein politisches Klima beigetragen, was durch Maßnahmen, durch gesetzliche Regelungen, wie z. B. durch das neue Zuwanderungsgesetz mit unterstützt und hervorgehoben worden ist. Denn dieses Zuwanderungsgesetz hat gerade für Flüchtlinge die Aufenthaltsbedingungen in der Bundesrepublik deutlich verschlechtert. Es sollte Zuwanderung regeln. Es hat aber tatsächlich in ganz vielen Fällen Zuwanderung begrenzt und für Flüchtlinge vor allen Dingen die Möglichkeiten zur Duldung verschlechtert und insofern ihre Perspektiven in diesem Land schlechter gemacht. Das bedeutet Ausgrenzung, gegen die wir uns wenden. Und woran deutlich wird, dass Rassismus und Faschismus aus der Mitte der Gesellschaft kommt und nicht nur von irgendwelchen Randgruppen, von irgendwelchen Ewig-gestrigen, die keine Resonanz finden.

Rechtsextremismus, Faschismus ist nicht beschränkt auf, glatzköpfige Schlägertypen. Parolen, wie "Das Boot ist voll", Parolen vom Asylmissbrauch, der Widerstand der großen Mehrheit der Parteien gegen die doppelte Staatsbürgerschaft und Losungen, wie "Kinder statt Inder" im Landtagswahlkampf vor fünf Jahren haben zu diesem Klima beigetragen.

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Wir alle müssen dem rechten Ungeist die Stirn bieten. Wir dürfen nicht wegschauen, sondern müssen Gesicht und Zivilcourage zeigen. Wir müssen Solidarität üben mit den Menschen in Flüchtlingsheimen. Wir dürfen fremdenfeindliche Reden und auch Türkenwitze nicht unwidersprochen lassen.

Wir müssen aber auch politische Forderungen stellen. Eine solche politische Forderung ist mit Sicherheit, dass nach dem Skandal um den letzten NPD-Verbotsversuch, der kläglich daran scheiterte, dass sich herausstellte, dass in sämtlichen Leitungen der NPD Verfassungsschutzspitzel sitzen und der Bundesinnenminister und die Landesinnenminister nicht bereit waren diese Spitzel zurückzuziehen.

Nach diesem Skandal müssen wir deutlich machen, dass für uns die Forderungen nach einem Verbot faschistischer Organisationen nicht erledigt ist. Herr Schily soll doch seine Spitzel abziehen - dann gibt es auch neue Chancen für ein Verbot faschistischer Organisationen. Für ein Verbot der Kameradschaften, die oft nur nach dem Vereinsrecht organisiert sind, gilt das sowieso.

(Beifall)

Wir wollen jetzt gleich zu dem Flüchtlingsheim an der Wüstenhöfer Straße demonstrieren. Ich möchte aber darauf hinweisen, dass es in der nächsten Zeit auch weitergeht, Widerstand gegen Rechts zu zeigen und auf die Straße zu tragen. Am 16. April wollen Nazis aus dem Spektrum des Kampfbundes Deutscher Sozialisten und der Kameradschaften - also militanter Nazi-Organisationen - hier in Essen demonstrieren. Und zwar wahrscheinlich hier im Essener Westen. Die Polizei will sie hier in den Essener Westen dirigieren. Angemeldet hatten sie ein Kundgebung und Demonstration eigentlich in der Essener Innenstadt.

Sofern es nicht gelingt, diese Veranstaltung im Vorfeld zu verbieten und sofern diese Typen hier marschieren dürfen, mit Polizeischutz - mit rechtlicher Rückendeckung - werden wir mit Sicherheit mit ganz vielen, mit deutlich mehr Menschen auf die Straße gehen und deutlich machen: "Nazis gehören nicht in diese Stadt", "Nazis sind in Essen und auch anderswo unerwünscht". Wir wollen sie hier nicht und wir werden dass dann auch auf die Straße tragen. Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit.
(Beifall)


 

Rede der Essener Antifa Z.

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In der Nacht von Montag auf Dienstag wurde auf die Asylbewerberunterkunft an der Altendorfer Straße, Ecke Wüstenhöfer Straße in Essen ein Brandanschlag verübt. Unbekannte warfen zwei Molotow-Cocktails gegen eines der Holzgebäude. Glücklicherweise konnte der Brandsatz gelöscht werden bevor er überhaupt einen großen Schaden anrichten konnte.

Auch wenn die Täterschaft für den Brandanschlag noch nicht eindeutig geklärt ist, ist der Skandal gegen den wir heute demonstrieren der, dass es einen rassistischen Hintergrund geben könnte und höchstwahrscheinlich auch einen gibt.

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Altendorf und Borbeck, die Stadtteile zwischen denen das Anschlagsziel lag, und aus denen aller Wahrscheinlichkeit nach auch die Täter kommen, haben, was ihre Naziszene anbelangt eine traurige Berühmtheit innerhalb Essens erreicht. Wir nehmen diesen Anschlag, so wenig bisher auch über seine Hintergründe geklärt ist, zum Anlass wieder einmal darauf hinzuweisen, dass hier eine große, gewalttätige Naziszene samt Sympathisanten existiert, welcher massiv entgegengetreten werden muss. In der Vergangenheit gab es in dieser Gegend wiederholt Übergriffe gegen MigrantInnen, linke Jugendliche und andere nicht ins Weltbild der Nazis passende Menschen. Dass das so ist, nehmen wahrscheinlich nur die war, die selber davon betroffen sind, interessiert sich doch die Öffentlichkeit erst für rassistische Angriffe, wenn sie einen bestimmten Grad des tagtäglichen Überschritten haben. Auch der polizeiliche Staatsschutz in Essen, dem man zwar nicht allzu viel zutrauen sollte, von dem man aber doch immerhin vermuten kann, dass er sich der Nazisituation in Essen bewusst ist, leugnete noch am Tag des Brandanschlags auf die Asylbewerberunterkunft überhaupt die Existenz einer Rechtsextremistischen Szene. Etwas zu leugnen was augenscheinlich und offensichtlich vorhanden ist, können wir nur als Verharmlosung werten. Auch wenn dieser Brandanschlag vielleicht eher von umorganisierten "Assi-Nazis" aufgeführt wurde, darf man nicht vergessen, dass in Essen immerhin zwei Kameradschaften existieren, die für öffentlichkeitswirksame Aktionen oder gerade für Angriffe auf eben solche Mitglieder ihres Umfeldes zurückgreifen.

Die eine Kameradschaft "die Moite Essen/Duisburg" ist eine im extrem rechten Hooliganspektrum anzusiedelnde Gruppe, die durchaus offen Gewalt propagierend ist, deren Mitglieder übrigens tatsächlich zum Teil in Essen wohnen. Diese Kameradschaft ist in die Planungen zum Naziaufmarsch am 16. April in Essen involviert, ebenso wie in die im Vorfeld bereits stattgefundenen Aktionen. Die "Moite Essen/Duisburg" pflegt freundschaftliche Kontakte zu anderen Rot-Weiß- Essen Hooligans, die gehäuft in Borbeck wohnend, überwiegend in eine rechte Ecke zu stellen sind. Zum Zweiten existiert in Essen seit nunmehr einigen Jahren eine weitere Gruppierung, die seit neustem unter dem Namen "Kameradschaft Josef Terboven" auftritt.


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Natürlich ist die "Kameradschaft Terboven" um den Pimpfen Philipp Hasselbach objektiv eher eine Lachnummer als eine extremistische Gruppierung. Welcher 14 jährige Punker von 5 dieser Pimpfe aber mal eins aufs Maul bekommen hat, sieht das sicher, und zu recht, völlig anders. Wer sich außerdem die Öffentlichkeitswirksamkeit dieser Nazikinder anschaut, deren landesweite Kontakte zu anderen Nazigruppen, deren Mitwirken an Aktionen anlässlich des Nazi-Aufmarsches zum 16.April, deren Versuche mit wesentlich älteren und ernstzunehmenderen Nazis eine "Kameradschaft Essen" zu gründen, dürfte zustimmen, dass diese beiden Kameradschaften in Essen Grund genug sind von einer Rechtsextremistischen Szene in Essen zu sprechen.

Wer Nazis und Rechtsextremismus verharmlost, hat die Notwendigkeit dagegen vorzugehen nicht begriffen.

Nationalismus, Antisemitismus und Rassismus bekämpfen!

Deutschland war, ist und bleibt scheiße!
(Beifall)


Presseberichte über die Kundgebung

19.03.2005, NRZ: 250 Bürger zeigten Solidarität

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NRZ / Essen,Samstag, 19.03.2005

250 Bürger zeigten Solidarität


Nach dem gezielten Brandanschlag auf das Asylbewerberheim in Altendorf gingen gestern rund 250 Bürger auf die Straße, um den betroffenen Flüchtlingen zu zeigen, dass sie nicht alleine sind. Zu der Solidaritätsaktion hatten das Antirassismustelefon und und der Flüchtlingsrat Pro Asyl aufgerufen. Es beteiligten sich Mitglieder der PDS, der DKP, des Runden Tisches für Menschenrechte, Antifa-Gruppen und Bürger des Stadtteils. Nach wie vor hat die Polizei keine heiße Spur zur Aufklärung der versuchten schweren Brandstiftung an der Altendorfer Straße. Hinweise: Tel. 829-0

(NRZ-Foto: Umbach)

19.03.2005, WAZ: Bürger marschieren gegen Rechts

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WAZ / Essen,Samstag, 19.03.2005

Bürger marschieren gegen Rechts

ProAsyl/Flüchtlingsrat und Anti-Rassismus-Telefon organisieren Solidaritäts-Lauf


Von Markus Grenz

Mehr als 130 Essener wollten ein Zeichen setzen gegen Ausländerfeindlichkeit und zogen in einer Kundgebung zum Asylbewerberheim Wüstenhöferstraße. In der Nacht zum Dienstag war auf das Haus in Altendorf ein Brandanschlag verübt worden.

Eine Veranstaltung im Spannungsfeld zwischen besonnenem Friedensmarsch und hitziger Antifa-Demo - vorneweg die Veranstalter vom Anti-Rassismus-Telefon und ProAsyl/Flüchtlingsrat Essen sowie eine Abordnung der PDS, gefolgt von einer großen Gruppe Jugendlicher der Antifa-Szene, ausgerüstet mit Plakaten und noch mehr Parolen. Und am Schlangenschwanz: die weiße Taube der Friedensbewegung. Ruhig, zurückhaltend - aber bestimmt.

Unter ihnen Yomi S. Seit 30 Jahren lebt der gebürtige Nigerianer in Essen. "Deutschland ist kein fremdenfreundliches Land", sagt er. "Unterschwellig" erlebe er die alltägliche Diskriminierung.

Auch dagegen, nicht nur gegen den Anschlag mit einem Molotow-Cocktail auf das Heim, will Mitveranstalter Rainer Sonntag aufstehen. "Wir zeigen unsere Solidarität mit den Bewohnern und treten gegen jede Diskriminierung ein", erläutert der Vertreter des Anti-Rassismus Telefons.

Mobilisiert hat das Team dafür auch verschiedene Pfarrer evangelischer Gemeinden und Altendorfer Bewohner. Mitveranstalter Bernd Brack: "Die Bürger sind gefordert."

23.03.2005, WA: Demo nach Anschlag auf Asylbewerberheim

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Westanzeiger / Essen,Mittwoch, 23.03.2005

Demo nach Anschlag auf Asylbewerberheim


Ein 44-jähriger Asylbewerber entdeckte ein kleines Feuer an der Außenfront eines von zwei Gebäudekomplexen des Flüchtlingsheimes an der Altendorfer Straße / Ecke Wüstenhöferstraße. Mit einem Eimer Wasser löschte er sofort den Brand. (Der WEST-ANZEIGER berichtete.) Wie Ermittlungen der Polizei ergaben, handelte es dabei um einen gezielten Brandanschlag. Die Beamten stellten Reste eines Molotowcocktails sicher, fanden eine zweite Flasche in unmittelbarer Nähe, an der nur die Lunte gebrannt hatte. - Anti-Rassismus-Telefon Essen und ProAsyl / Flüchtlingsrat Essen führten nun an der Gesamtschule Bockmühle und Altendorfer Straße eine Demonstration gegen den Brandanschlag durch. Ihr Protest: "Ist es wieder so weit, dass Menschen um ihr Leben fürchten müssen, nur weil sie aus einem anderen Land kommen?" Foto:Gohi

24.03.2005, BN: Ein Zeichen gegen Rassismus

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Borbecker Nachrichten / Essen,Donnerstag, 24.03.2005

Ein Zeichen gegen Rassismus


Ein Zeichen gegen Rassismus setzten am Freitag knapp zweihundert Demonstrierende, die von der Bockmühle aus zum Flüchtlingsheim an der Wüstenhöferstraße/Ecke Altendorfer Straße zogen. Bislang Unbekannte hatten am vergangenen Dienstag versucht, die bewohnte Notunterkunft des Nachts in Brand zu setzen. Zur Demonstration gegen Ausländerfeindlichkeit hatten verschiedene Veranstalter aufgerufen, u.a. ProAsyl/Flüchtlingsrat Essen, die PDS und die Friedensbewegung. Die Kundgebung wurde begleitet durch starke Polizei-Präsenz. Aufn.: W. Filz
Steubenstr. 49, 45138 Essen
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