Aus Anti-Rassismus-Telefon

nach unten Hauptseite LogoArtKlein.gif Wir helfen! Wer sind wir?
E-Mail: artessen<a>gmx.dePost_icon.png
1ordnerZu.gif
Anti-Rassismus-Telefon »
1ordnerZu.gif
ZAB in Essen
1ordnerZu.gif
Flüchtlinge in Essen »
1ordnerZu.gif
Lokale Arbeit »
1ordnerZu.gif
Gedenken »
1ordnerZu.gif
"Das Boot ist voll" »
1ordnerZu.gif
Islamfeindlichkeit »
1ordnerZu.gif
Oury Jalloh »
1ordnerZu.gif
Nazi-Kriegsverbrechen »
1ordnerZu.gif
Seitenübersicht

Die "essener Tafel sortiert ihre Klientel "

Am Anfang des Jahres 2018 wurde bekannt, dass die Essener Tafel nur Menschen mit deutschen Pass als Neukunde aufnehmen will.


Die Tafel, die ihren Sitz im Wasserturm von Hutrop hat, ist Teil eines bundesweiten Netzes.(*) Der Grundgedanken: Sie sammeln überschüssige, qualitativ einwandfreie Lebensmittel und verteilen diese an sozial und wirtschaftlich Benachteiligte.
Die Begründung für diese unerhörte rassistische Entscheidung, die eindeutig gegen die zentrale Selbstverständnis der Tafel stoßt, war, dass der Anteil von Flüchtlingen und Zuwanderern zu groß wäre, und die "deutsche Oma" von diesen Angst hätte. Die älteren Tafel-Nutzerinnen sowie alleinerziehende Mütter seien "einem schleichenden Verdrängungsprozess " zum Opfer gefallen, so erklärt der Vorsitzende Jörg Sartor.

Mehrere Tatsache wurden so durcheinandergebracht. Die Tafel sind entstanden aus einem Bedarf, das nicht geben dürfte: dass in Deutschland Menschen gibt, denen es nicht gelingt ohne "Almosen" zu einer ausreichende gesunde Versorgung mit Lebensmittel zu gelangen. Die Wachsende Armut in der Bevölkerung macht es für die Tafel zunehmend schwer, ihre Funktion - letzten Ende ein Trostpflaster - zu erfüllen. Dass es der Anteil von Flüchtlingen und Zuwanderern groß war, ist in erster Linie ein Hinweis drauf, dass unter ihnen Bedürftigkeit mehr verbreitet ist. Unangenehme Vorkommnisse, Streitigkeit, sich Vordrängen, unberechtigte Ansprüche haben sicherlich stattgefunden. Es ist vielleicht nicht einfach, aber möglich und nötig, die Verursacher davon individuell zu Rechenschaft zu ziehen. Nicht entschuldigt den Versuch, diese zu einer besonderen Gruppe der Bevölkerung zuzuweisen: das ist Rassismus.

Der vorsitzender Sator hat irgendwann seine Maßnahme gelobt, das hätte den Armut ins Blick gebracht. Seine Lösung ist aber nicht die Aufklärung, sondern "der Verteilerkampf"

Die besondere Wertschätzung für die Tafel, die den sozialen Institutionen der der Gesellschaft gehört, machten es für das Anti-Rassimus-Telefon schwer, éine so klare Stellungsnahme zu geben, wie das rassistische Vorgehen erwarten ließ. Dem Anti-Rassimus-Telefon Hatte schon mehrmals von Klagen und Schwierigkeiten in diesem Hinsicht gehört, wir wollten aber der Tafel keine Schaden zufügen. Jetzt aber war das Thema lange Zeit in aller Munde, bis zu lokaler Politik, bis zu Kanzlerin.



(*) s. Tafel Deutschland


Inhaltsverzeichnis

WAZ/NRZ, 22.02.2018 Tafel nimmt nur noch Deutsche auf

WAZ20180222-TafelNurFuerDeutsche.png

WAZ/NRZ / Essen,Donnerstag, 22.02.2018

Tafel nimmt nur noch Deutsche auf

Der Anteil nicht-deutscher Nutzer sei bis auf 75 Prozent gestiegen – zulasten von Älteren und Alleinerziehenden. Man wolle wieder ein Gleichgewicht herstellen


Von Von Christina Wandt

Die Essener Tafel, die Lebensmittel an Bedürftige verteilt, nimmt derzeit nur noch Deutsche als Neukunden auf. Der Verein habe sich dazu gezwungen gesehen, weil Flüchtlinge und Zuwanderer zwischenzeitlich 75 Prozent der insgesamt 6000 Nutzer ausmachten, erklärt der Vorsitzende Jörg Sartor. „Wir wollen, dass auch die deutsche Oma weiter zu uns kommt.“

In den vergangenen zwei Jahren seien die älteren Tafel-Nutzerinnen sowie alleinerziehende Mütter offenbar einem schleichenden Verdrängungsprozess zum Opfer gefallen, schildert Sartor. So habe der Anteil nicht-deutscher Nutzer vor dem starken Flüchtlingszuzug im Jahr 2015 bei 35 Prozent gelegen. „Darunter viele, die schon seit Jahrzehnten hier leben und nur keinen deutschen Pass haben“, sagt Sartor.


„Die Oma soll wieder
zur Tafel kommen.“
Jörg Sartor,
Vorsitzender der Tafel

Die Herkunftsländer würden schon seit langem in der Mitgliedsdatei erfasst, aus rein statistischen Gründen. Und so lange die Flüchtlinge noch in städtischen Unterkünften untergebracht waren, seien sie gar nicht bei der Tafel aufgetaucht. „Die waren dort ja versorgt.“ Grundlegend geändert habe sich die Lage, als vor allem viele Syrer anerkannt wurden und Sozialleistungen erhielten. „Die haben wir aufgenommen wie alle anderen auch.“ Wer Hartz IV, Wohngeld oder Grundsicherung erhalte, werde als Tafel-Kunde aufgenommen – sofern ein Platz frei sei.

1800 Karten gibt die Essener Tafel aus; genutzt werden sie mal von Einzelpersonen, mal von der ganzen Familie. Bei 61 Prozent habe der Anteil nicht-deutscher Karteninhaber in der Spitze gelegen. „Das entsprach einem Anteil von 75 Prozent der 6000 Nutzer, weil hinter einer Karte bei den ausländischen Familien oft viele Kinder stehen.“

Gleichzeitig seien immer weniger Deutsche gekommen. Nachfragen hätten ergeben, dass sich gerade ältere Nutzerinnen von der Vielzahl junger, fremdsprachiger Männer an den Ausgabestellen abgeschreckt gefühlt hätten. Nach Sartors Ansicht liegt das auch am „mangelnden Respekt gegenüber Frauen“ einiger der Männer.

„Wenn wir morgens die Tür aufge schlossen haben, gab es Geschubse und Gedrängel ohne Rücksicht auf die Oma in der Schlange.“

Der Verein habe lange diskutiert, wie man wieder ein Gleichgewicht zwischen den Nutzergruppen herstellen könne. So sind über 60-Jährige seit Frühling 2017 von der einjährigen Zwangspause befreit: Sie könnten die Tafel nun dauerhaft nutzen. Doch viele Senioren hätten nach einem Jahr gar nicht verlängern wollen, sondern sich abgemeldet. „Dabei ist die Altersarmut ja nicht plötzlich verschwunden.“ Also beschloss der Vorstand im Dezember, „zurzeit nur Kunden mit deutschem Personalausweis aufzunehmen“. Umgesetzt wird das seit Mitte Januar – „so lange, bis die Waage wieder ausgeglichen ist“.

Noch gab es keinen Krach
Man habe Essens Sozialdezernenten über die neue Praxis informiert und diese auch gegenüber Beratungsstellen bestätigt, die irritiert nachfragten, wieso ihre Schützlinge abgewiesen wurden. Er wisse, dass das ein „heißes Thema“ sei und habe mit Unruhe gerechnet, sagt Sartor: „Seltsamerweise gab es noch keinen Krach, kein Theater.“


Erste Tafel wurde vor 25 Jahren gegründet

  • Die erste deutsche Tafel wurde heute vor 25 Jahren von der Initiative Berliner Frauen e.V. in Berlin gegründet, um die Lage Obdachloser zu verbessern. Ein weiterer Ansatz ist die Rettung von Lebensmitteln, die sonst auf dem Müll landen würden.
  • Heute gibt es hierzulande über 930 Tafeln, die Lebensmittel an Bedürftige verteilen. Der Dachverband „Tafel Deutschland“ vertritt die Interessen seiner Mitglieder gegenüber der Politik und unterstützt die Tafel-Arbeit vor Ort. Infos: www.tafel.de
 
Bildunterschrift:
Schlangenbildung: Vor dem Wasserturm an der Steeler Straße warten die Kunden der Essener Tafel. FOTO: KERSTIN KOKOSKA
Wir sind umgezogen: von der Friedrich-Ebert-Str. zur Steubenstr.49, 45138 Essen
. nach oben Hauptseite Wir helfen! E-Mail: artessen<a>gmx.dePost_icon.png