Aus Anti-Rassismus-Telefon

nach unten Hauptseite LogoArtKlein.gif Wir helfen! Wer sind wir?
E-Mail: artessen<a>gmx.dePost_icon.png
1ordnerZu.gif
Anti-Rassismus-Telefon »
1ordnerZu.gif
ZAB in Essen
1ordnerZu.gif
Flüchtlinge in Essen »
1ordnerAuf.gif
Lokale Arbeit »
11ordnerZu.gif
- Lokal/Global
11ordnerZu.gif
Essener Tafel »
11ordnerZu.gif
Rechtsextremismus »
11ordnerAuf.gif
Migranten »
111ordnerZu.gif
- Übersicht
111ordnerAuf.gif
"Zuwanderung droht"
1111ordnerZu.gif
2013: "Asyl-Konzept"
1111ordnerAuf.gif
2013: Unterfrintrop
1111strMitte.gif
Bürgerversammlung
1111strMitte.gif
Vor NPD-Demo
1111strMitte.gif
als Notunterkunft geplant
1111strEnd.gif
Gerüchte
1111ordnerZu.gif
Nov. 2012: Verteilung
1111ordnerZu.gif
Herbst 2012: Turnhalle
111ordnerZu.gif
Ethn. Profiling
111ordnerZu.gif
Kriminalisierung
111ordnerZu.gif
Disko Einlass
111ordnerZu.gif
polit. Vertretung
111ordnerZu.gif
Drohende Abschiebung
111ordnerZu.gif
Abschreckung
111ordnerZu.gif
Menschenrechtstag
111ordnerZu.gif
10 kleine Negerlein?
111ordnerZu.gif
Nachbarschaftsterror
111ordnerZu.gif
Brandanschlag E-Altendorf 05
111ordnerZu.gif
Bleiberecht Roma 2002-2003
111ordnerZu.gif
... 2. Teil
111ordnerZu.gif
Asyl ist Menschenrecht
111ordnerZu.gif
Illegalität
111ordnerZu.gif
Lohnbetrug
11ordnerZu.gif
Prozessbeobachtung »
11ordnerZu.gif
Unsere Veröffentlichungen »
1ordnerZu.gif
Gedenken »
1ordnerZu.gif
"Das Boot ist voll" »
1ordnerZu.gif
Islamfeindlichkeit »
1ordnerZu.gif
Oury Jalloh »
1ordnerZu.gif
Nazi-Kriegsverbrechen »
1ordnerZu.gif
Seitenübersicht

Notunterkunft Walter-Pleitgen-Schule in Unterfrintrop

WAZMOBIL201309.jpg

Diskussion in Frintrop am 5.9.

Die Angst vor zu vielen Flüchtlingen geht um - insbesondere wenn es um Roma und Sinti aus Serbien und Mazedonien geht. Bundesweite Kampagnen finden auch in Essen ihren Niederschlag.

Hier ist dokumentiert

  • Am Mittwoch, den 11.9. hat die Stadtverwaltung bei einer Bürgerversammlung über ihre Planungen informiert.
  • Im August 2013 wurde bekannt, dass die gerade freigewordene Walter-Pleitgen-Schule als Notaufnahmeunterkunft für Asylsuchende genutzt werden könnte. Die Anwohner organisierten den Widerstand. Zur selbstorganisierten Bürgerversammlung wurde mit rassistischen Untertönen geworben.


Auf den anderen Unterseiten finden Sie:

  • Juli 2013: Weil die Stadt Essen für den kommenden Winter einen Anstieg der Flüchtlinge erwartete, hat sie in der Form eines "Rahmenkonzeptes" eine gezielte Abschreckungsstrategie vorgeschlagen. Der Sozialausschuss vertagte das Thema. Die ausländerfeindliche Partei "Pro NRW" lobt das Konzept.
  • Frühjahr 2013: Es zeichnet sich ab, dass die städtischen Flüchtlingsunterkünfte voraussichtlich nicht ausreichen werden.
  • November 2012: Flüchtlinge müssen langfristig in Essen untergebracht werden.
  • Herbst 2012 Flüchtlinge müssen übergangsweise in Essener Turnhallen untergebracht werden. Anwohner reagieren verunsichert. Die NPD versucht, in der teils hitzigen Diskussion Stimmen zu fangen.

Weitere Infos:

  • Schon vor 10 Jahren (2002 und 2003) haben wir hier ausführlich darüber berichtet, wie Roma für ihr Bleiberecht (auch hier) gekämpft haben.


Inhaltsverzeichnis

Justiz entkräftet Vergewaltigungsvorwurf

NRZ, 08.12.2015 Kein Beweis für eine Vergewaltigung

NRZ20151208-KeinBeweis.png

NRZ / Nordrhein-Westfalen (Mantel),Dienstag, 08.12.2015

Kein Beweis für eine Vergewaltigung


Essen. Die angebliche Vergewaltigung einer 14-Jährigen durch einen Asylbewerber hatte im Sommer in Essen für Verunsicherung und Vorverurteilungen von Flüchtlingen im Stadtteil gesorgt. Nun hat der Staatsanwalt die Ermittlung gegen den 18-Jährigen eingestellt. Es sei zwar zu einem Kontakt zwischen dem jungen Mann und der Minderjährigen gekommen. Jedoch kannten die beiden sich wohl. Fazit: „Es hat sich kein hinreichender Tatverdacht gegen den Beschuldigten ergeben.“ NRZ

WAZ/NRZ, 08.12.2015 Ein unhaltbarer Vorwurf

WAZ20151208-unhaltbarerVorwurf.png

WAZ/NRZ / Essen,Dienstag, 08.12.2015

Ein unhaltbarer Vorwurf

Die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren gegen einen 18 Jahre alten Flüchtling eingestellt, der in Frintrop eine 14-Jährige vergewaltigt haben soll


Von Jörg Maibaum

Die angebliche Vergewaltigung einer 14-Jährigen durch einen Asylbewerber in Frintrop hat für Verunsicherung, Verschwörungstheorien und Vorverurteilungen von Flüchtlingen im Stadtteil gesorgt. Nach der Festnahme eines 18 Jahre alten Bewohners der Behelfsunterkunft in der ehemaligen Walter-Pleitgen-Schule sahen die Scharfmacher ihre Stunde gekommen, ohne den Ausgang der Ermittlungen abwarten zu wollen. Doch sie hätten gut daran getan. Denn die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren gegen den jungen Mann vier Monate nach dem angezeigten sexuellen Übergriff auf einem Spielplatz an der Seestraße jetzt eingestellt.

Dies berichtete Oberstaatsanwältin Anette Milk gestern auf Nachfrage: „Es hat sich kein hinreichender Tatverdacht gegen den Beschuldigten ergeben.“ Im Kern sei für diese Einschätzung ein psychologisches Gutachten entscheidend gewesen, das bereits kurz nach seinem Bekanntwerden erste Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Mädchens durchaus angebracht erscheinen ließ.

Daraufhin war der 18-Jährige aus der Untersuchungshaft entlassen und von der Stadt in ein anderes Flüchtlingsheim verlegt worden. Dass der junge Mann nach wenigen Tagen wieder auf freiem Fuß war, sprach schon damals für einen zunehmend vagen Tatverdacht – zumal für die Staatsanwaltschaft eine Fluchtgefahr der eigentliche Grund war, den Verdächtigen vorübergehend hinter Gitter schicken zu lassen.


„Es hat sich kein
hinreichender Tat-
verdacht ergeben.“
Anette Milk,
Oberstaatsanwältin

Wie Milk berichtete, habe man den Vorfall allerdings „nicht restlos aufklären können“. Nach dem Spurenbild sei es zwar zu einem Kontakt zwischen dem jungen Mann und der Minderjährigen gekommen. Jedoch kannten die beiden sich wohl, und es hätten sich keine unmittelbaren Zeugen des Aufeinandertreffens gefunden. Die Schilderungen des ehemals Beschuldigten und seines angeblichen Opfers brachten die Ermittler offenbar nicht weiter: „Es gibt keine übereinstimmenden Angaben.“ Deshalb habe die Einstellung des Verfahrens am Ende der juristischen Maxime gehorcht: „im Zweifel für den Beschuldigten“. Während im Sommer dieses Jahres offene Aufrufe zur Lynchjustiz an Asylbewerbern in sozialen Netzwerken die Runde machten, mahnten Stadt, Polizei, Staatsanwaltschaft und vor allem die Eltern der 14-Jährigen aus Sorge um den Frieden in Frintrop zur Mäßigung. Das schien seine Wirkung nicht verfehlt zu haben. Seitdem sei die „Situation im Stadtteil unauffällig“, sagte Polizeisprecher Peter Elke. Ermittlungen nach den Hetz-Kommentaren im Internet habe es aber keine gegeben.
Bildunterschrift:
Die Flüchtlingsunterkunft in der Frintroper Walter-Pleitgen-Schule steht seit Jahren in der Kritik. FOTO: STEFAN AREND

WAZ, 08.12.2015 Kommentar Der Rechtsstaat funktioniert

NRZ20151208-KOMrechtsstaatFunktioniert.png

WAZ / Essen, Rubrik Kommentar,Dienstag, 08.12.2015

Der Rechtsstaat funktioniert


Von Frank Stenglein

Der Vor­wurf der Ver­ge­wal­ti­gung oder der se­xu­el­len Nö­ti­gung ist schnell er­ho­ben und im Un­schulds­fall nur müh­sam wie­der aus der Welt zu schaf­fen. Da­für gibt es pro­mi­nen­te und we­ni­ger pro­mi­nen­te Bei­spie­le. Es gibt na­tür­lich auch den um­ge­kehr­ten Fall: Dass ein „ech­ter“ Tä­ter so raf­fi­niert vor­geht, dass ihm die Tat nicht zwei­fels­frei nach­zu­wei­sen ist.

Wie auch im­mer aber: Der Rechts­staat steht stets über dem Ver­lan­gen nach ei­ner rein sub­jek­tiv emp­fun­de­nen „Ge­rech­tig­keit“. Die Staats­an­walt­schaft darf nur An­kla­ge er­he­ben, wenn es da­für ei­ne Fak­ten-Grund­la­ge gibt und sie selbst von ei­ner Schuld hin­läng­lich über­zeugt ist. Bei dem Frin­t­ro­per Asyl­be­wer­ber war dies nicht der Fall, folg­lich ist die Sa­che er­le­digt. Das ist be­ru­hi­gend für al­le, de­nen ein gu­tes Mit­ein­an­der von Ein­hei­mi­schen und Flücht­lin­gen am Her­zen liegt. Auch mit ei­ner An­kla­ge hät­te man aber zwin­gend le­ben müs­sen, un­ge­ach­tet der prak­ti­schen oder po­li­ti­schen Fol­gen. Die Jus­tiz agiert zwar nicht im po­li­tik­frei­en Raum, aber ihr An­se­hen hängt ent­schei­dend da­von ab, dass sie per­so­nen­un­ab­hän­gig er­mit­telt. Da­von ist hier aus­zu­ge­hen. Ab­so­lut nichts spricht für ei­ne an­de­re An­nah­me.

Fest­zu­hal­ten ist: Das, was man­che be­fürch­te­ten – viel­leicht so­gar ins­ge­heim hoff­ten – hat be­leg­bar nicht statt­ge­fun­den. Wer das nicht ak­zep­tie­ren will, der mag sich fra­gen, ob er selbst oh­ne Be­weis der Öf­fent­lich­keit als Se­xu­al­straf­tä­ter prä­sen­tiert wer­den möch­te.

NRZ, 08.12.2015 Kommentar Ein Makel bleibt

NRZ20151208-KOMmakelBleibt.png

NRZ / Essen, Rubrik Zur Sache,Dienstag, 08.12.2015

Ein Makel bleibt


Von Jörg Maibaum

Die gefühlte Ungerechtigkeit mag tief sitzen in Frintrop, seitdem sich dort die sprichwörtliche Erkenntnis Raum brach: Nichts hält länger als ein Provisorium. Aus dem Notbehelf in der Walter-Pleitgen-Schule wurde ein bis heute anhaltender Zustand – ein schlechter besonders für die Flüchtlinge, während sich die Frintroper von der Stadt hintergangen fühlten. Die Stimmung war aufgeladen, als ein Gerücht im Sommer den vorläufigen Tiefpunkt bürgerlichen Daseins markierte: Ein Flüchtling sollte ein Mädchen vergewaltigt haben. Das Misstrauen, gegen die Stadt kultiviert, pflanzte sich fort in kruden Verschwörungstheorien. Da traf es auch die Medien, die angeblich verheimlichen wollten. Dass erst einmal Belegbares her musste für eine Berichterstattung bei gleichzeitigem Schutz der Persönlichkeitsrechte von Opfer und Täter, interessierte kaum. Selbst das Vertrauen in eine Aufklärung durch Justiz und Polizei schien denen abhanden gekommen zu sein, die in Internetforen zur Lynchjustiz an Flüchtlingen aufriefen. Das war schockierend, beschämend und eine Einladung an rechte Kräfte, die sich fortan nur zu gern in Frintrop tummelten. Jetzt, endlich, sind die Vorwürfe vom Tisch. Und dem, der jetzt meint feststellen zu müssen, der Fall ist ja nicht restlos aufgeklärt, sei gesagt: Im Strafrecht ist es unerheblich, ob wegen erwiesener Unschuld oder mangels Tatnachweis eingestellt wird. Der Makel, der bleibt, ist ein ganz anderer.

Nach der Bürgerversammlung am 11.09. 2013

WAZ, 14.11.2013 Turnhallen als Not-Asyl geplant

WAZ20131112-TurnhallenAsyl.png

WAZ / Essen,Donnerstag, 14.11.2013

Turnhallen als Not-Asyl geplant

Die steigenden Flüchtlingszahlen bringen die Stadt in Zugzwang. Schon jetzt sind 1000 Asylbewerber hier, bis Weihnachten werden 150 weitere Plätze gebraucht


Von Christina Wandt

Die Unterbringung von Asylbewerbern in Turnhallen wird sich angesichts der steigenden Flüchtlingszahlen wohl nicht mehr abwenden lassen. Die Verwaltung prüft bereits, welche Halle möglichst rasch hergerichtet werden könnte – so einfach wie im Katastrophenfall. Schon wirft die Linke-Ratsfraktion Sozialdezernent Peter Renzel vor, er drohe mit einer „menschenunwürdigen Unterbringung“.

Renzel widerspricht: „Ich zeige nur ein Risiko auf“. Im September sei man davon ausgegangen, dass bis Jahresende 1000 Asylbewerber nach Essen kommen. „Nun sind es 1038, und der Zustrom hält an. Bis Weihnachten brauchen wir weitere 150 Plätze.“ Selbst in der im Oktober eröffneten Unterkunft in Frintrop gebe es nur noch 50 Plätze.

Der Dezernent ist überzeugt, dass sich kurzfristig nur Abhilfe schaffen lasse, indem drei weitere Schulgebäude zu Behelfsheimen umgestaltet werden: Die Nikolausschule an der Schwanhildenstraße in Stoppenberg, die Markscheideschule in Altendorf und die Tiegelschule im Nordviertel. „So könnten wir auch die Standards einer wohnungsähnlichen Unterbringung erhalten.“ Doch habe der Rat die Entscheidung dazu auf den 28. November verschoben.


„Plätze in Turnhal-
len wird es nie
wieder geben“
Sozialdezernent
Peter Renzel am
11. September 2013

Renzel rechnet vor, dass man an der Schwanhildenstraße in acht Wochen 50 neue Plätze schaffen könnte; durch die Verschiebung habe man drei Wochen verloren. Daher müsse er nun über die ungeliebte Hallen-Lösung nachdenken, obwohl er vor zwei Monaten gesagt hatte: „Plätze in Turnhallen und Zelten wird es nie wieder geben.“

Langfristig brauche Essen drei neue, dauerhafte Asylheime, dafür müsse man mit einer Bauzeit von mindestens 12 Monaten rechnen. Erschwert werde die Lage durch den prompten Protest an jedem denkbaren Standort: Erst Dienstag hatte die Allbau AG eine Nutzung der Markscheideschule kritisiert, weil so die Aufwertung Altendorfs gefährdet werde (wir berichteten).

Den Vorwurf, bestehende Einrichtungen zu schnell aufgegeben zu haben, weist Renzel nicht rundweg zurück: 40 Unterkünfte seien bis 2007 weggefallen. „In den 90er Jahren mussten wir 4500 Asylbewerber unterbringen, solche Kapazitäten kann man einfach nicht ewig vorhalten! Aus heutiger Sicht muss man aber sagen, dass da zu viel niedergelegt worden ist.“

Als Lichtblick betrachtet Renzel die Rund-um-die-Uhr-Betreuung durch die European Home Care in den neuen Unterkünften in Frintrop und Kupferdreh: „Das nutzt nicht nur den Flüchtlingen, die einen Ansprechpartner haben, es befriedet auch das Umfeld.“ Derzeit spreche man mit Caritas und Diakonie, um auch die Dauereinrichtungen intensiver zu betreuen. Für das Sicherheitsgefühl sorgen dort schon die Streifen der städtischen Servicegesellschaft RGE.
Bildunterschrift:
Nur noch 50 Plätze sind in der Behelfseinrichtung in Frintrop frei.

WAZ, 14.11.2013 Leserbrief: Bitte alle ins Boot

WAZ20131112-LBasylSchule.png

WAZ / Essen, Rubrik Leserforum,Donnerstag, 14.11.2013

Bitte alle ins Boot


Asyl. Es ist schon erstaunlich, dass es angeblich nur in bestimmten Stadtteilen leerstehende Schulen gibt. Bitte veröffentlichen Sie doch alle Schulen in sämtlichen Stadtteilen, die eine Möglichkeit der Unterbringung bieten würden, damit alle Essener Bürger „ins Boot“ genommen werden können. Rosemarie Laux, Essen
Bildunterschrift:
S. Fischer-Weinsziehr

NRZ, 14.11.2013 Asylheim bremst Investoren

NRZ20131114-AsylheimBremst.png

NRZ / Essen,Donnerstag, 14.11.2013

Asylheim bremst Investoren

Altendorfer Hauseigentümer wollen in der Aufbruchstimmung Wohnungen modernisieren und das Umfeld verschönen. Aber jetzt zweifeln manche


Von Frank-Rainer Hesselmann

Altendorf. „Nachhaltig die Lebensqualität und das Wohnfeld verbessern. Darum haben wir 1997/98 die Ideen für Altendorf und Bochold auf den Weg gebracht. Jetzt sind der Niederfeldsee, eine Radwegverbindung und die ersten neuen Häuser fertig. Es lohnt sich, hier zu investieren“, ermutigt Oberbürgermeister Reinhard Paß mehr als 130 Hauseigentümer.

Sie treffen sich auf Einladung der Stadt in der Gesamtschule Bockmühle, um sich „über neue Chancen am Immobilienmarkt“ zu informieren. Aber der Zeitpunkt ist gerade ungünstig: Die von der Stadt angedachte Unterbringung von Flüchtlingen bremst die seit einem Jahr erkennbare Aufbruchstimmung nördlich der Altendorfer Straße – ein Dämpfer, den das Quartier nicht braucht.


„Wir haben bereits
genug Integrations-
arbeit geleistet.
Wir sind schon
damit fertig“
Hauseigentümer
aus Altendorf

„Ich habe gerade 500 000 Euro für die Modernisierung meiner Wohnungen ausgegeben. Jetzt sollen gegenüber Flüchtlinge in die Markscheideschule einziehen. Damit kann ich eine gute Vermietung doch vergessen“, schildert eine Eigentümerin ihre Sorgen, den Investitionskredit wegen ausbleibender Mieteinnahmen nicht zurückzahlen zu können.

Ein zweiter Redner zweifelt am Sinn der 700 000 Euro Umbaukosten, um das Schulgebäude für Flüchtlinge nutzbar zu machen. „Für 18 Monat Unterbringung ist der Aufwand zu hoch. Bringen Sie die Leute besser gleich in Wohnungen unter. Nachher werden aus eineinhalb Jahren auch mehr, damit sich alles für die Stadt rechnet.“ Die Kosten für eine Betreuung seien noch gar nicht genannt.

Der Oberbürgermeister erläutert sachlich die Not der Stadt, welche ihr der Bund aufzwingt: „Noch hat der Rat nicht über Stadtorte für Flüchtlingsunterkünfte entschieden. Wohnungen haben wir bisher keine, was die bessere Lösung wäre. Die Verwaltung prüft alle Möglichkeiten.“ Die Bedenken der Eigentümer kann Reinhard Paß damit nicht zerstreuen.

Ein anderer ist der Ansicht, Altendorf habe „mit einem überproportionalen Ausländeranteil in den vergangenen 20 Jahren bereits genug Integrationsarbeit geleistet. Wir sind schon damit fertig.“ „Jetzt muss auch mal Rüttenscheid Flüchtlinge aufnehmen“, ruft eine Frau aus dem Publikum.

Argumente bekannt

Ricarda Fischer vom Stadtteilbüro Altendorf sieht das ebenso: „Es täte dem Quartier nicht gut, wenn noch mehr Menschen mit Migrationshintergrund dort lebten.“ Aus ihrer Projektarbeit kennt sie die Argumente der Bewohner bestens.
Bildunterschrift:
Frisch getünchte Fassaden und beleuchtete Bäume, so zeigte sich der Ehrenzeller Platz zu seiner Eröffnung mit verschönertem Wohnumfeld.   FOTO: CHRISTINE HOLTHOFF

NRZ, 13.11.2013 Allbau wehrt sich gegen Asylheim

NRZ20131112-Allbau.png

NRZ / Essen,Mittwoch, 13.11.2013

Allbau wehrt sich gegen Asylheim

Unweit des Niederfeldsees


Von Marcus Schymiczek

Pläne der Sozialverwaltung, die Markscheideschule in Altendorf neben zwei weiteren ehemaligen Schulgebäuden im Essener Norden kurzfristig zu einer Asylunterkunft umzubauen, stoßen beim Allbau auf erhebliche Vorbehalte. „Wir sind alles andere als begeistert von dieser Idee“, sagte Dirk Miklikowski im Gespräch mit dieser Zeitung. Der Vorstand der städtisch beherrschten Wohnungsgesellschaft fürchtet, die geplante Unterbringung von Flüchtlingen nur einen Steinwurf vom Niederfeldsee mit den schmucken neuen Mietwohnungen entfernt, die der Allbau dort gebaut hat, könnte jene Aufbruchstimmung konterkarieren, um die sich die Stadt so sehr bemüht.

Ausgerechnet Altendorf! 17 Millionen Euro hat allein der Allbau dort investiert. Die Stadt baut darauf, dass private Hausbesitzer sich davon anstecken lassen. Wie groß die Vorbehalte nach Bekanntwerden der Pläne von Sozialdezernent Peter Renzel sind, musste Oberbürgermeister Reinhard Paß erfahren, als er am Montag in Altendorf „über neue Chancen am Immobilienmarkt“ informieren wollte. Hauseigentümer stellten Investitionen in Frage. Auch Interessenten für die neuen Allbau-Wohnungen am Niederfeldsee haben sich laut Miklikowski bereits mit der Frage gemeldet: Stimmt das? Sollte die Stadt in unmittelbarer Nachbarschaft eine Asylunterkunft eröffnen, würden sie ihre Reservierung zurückziehen.

„Bei aller Verständnis für die Nöte der Sozialverwaltung und der betroffenen Menschen, die um Asyl bitten - die Verwaltung sollte einen Standort finden, der geeigneter ist als dieser“, so der Allbau-Chef.

Ein solcher wird längst gesucht.

Zwar hieß es gestern auf Anfrage in Renzels Dezernat, die Verwaltung sehe derzeit keine Alternative zu den drei ausgeguckten ehemaligen Schulgebäuden. Notfalls, so Renzel in der Ratssitzung am vergangenen Freitag, müsste die Stadt Asylsuchende eben in Turnhallen unterbringen. Dass die Markscheideschule aber wieder aus der Liste der Asylstandorte gestrichen werden könnte, scheint jedoch mehr als nur ein Gedankenspiel. Im Sozialdezernent räumt man jedenfalls ein, dass es mit der zugesagten sozialen Balance, um die sich die Verwaltung bei der Verteilung der Standorte bemühen will, nicht weit her ist. Keiner der drei ausgeguckten liegt im Süden der Stadt.

WAZ, 13.11.2013 Allbau wehrt sich gegen Asylheim

WAZ20131112-AllbauGegAsyl.png

WAZ / Essen,Mittwoch, 13.11.2013

Allbau wehrt sich gegen Asylheim

Unweit des Niederfeldsees in Altendorf soll ein Übergangswohnheim entstehen. Die städtische Wohnungsgesellschaft sorgt sich um den erfolgreichen Stadtumbau


Von Marcus Schymiczek

Pläne der Sozialverwaltung, die Markscheideschule in Altendorf neben zwei weiteren ehemaligen Schulgebäuden im Essener Norden kurzfristig zu einer Asylunterkunft umzubauen, stoßen beim Allbau auf erhebliche Vorbehalte. „Wir sind alles andere als begeistert von dieser Idee“, sagte Dirk Miklikowski im Gespräch mit dieser Zeitung. Der Vorstand der städtisch beherrschten Wohnungsgesellschaft fürchtet, die geplante Unterbringung von Flüchtlingen nur einen Steinwurf vom Niederfeldsee mit den schmucken neuen Mietwohnungen entfernt, die der Allbau dort gebaut hat, könnte jene Aufbruchstimmung konterkarieren, um die sich die Stadt so sehr bemüht. „In Altendorf wächst gerade ein zartes Pflänzchen erfolgreicher Stadtentwicklung heran. Wir sorgen uns, dass diese Pflänzchen durch das öffentliche Empfinden plattgetreten werden könnte“, so Miklikowski.

Ausgerechnet Altendorf! 17 Millionen Euro hat allein der Allbau dort investiert. Die Stadt baut darauf, das private Hausbesitzer sich davon anstecken lassen. Wie groß die Vorbehalte nach Bekanntwerden der Pläne von Sozialdezernent Peter Renzel allerdings sind, musste Oberbürgermeister Reinhard Paß persönlich erfahren, als er am Montagabend in Altendorf „über neue Chancen am Immobilienmarkt“ informieren wollte. Hauseigentümer stellten Investitionen in Frage. Auch Interessenten für die neuen Allbau-Wohnungen am Niederfeldsee haben sich laut Miklikowski bereits mit der Frage gemeldet: Stimmt das? Sollte die Stadt in unmittelbarer Nachbarschaft tatsächlich eine Asylunterkunft eröffnen, würden sie ihre Reservierung wieder zurückziehen.


"Wir sind
alles ande-
re als
begeistert
von dieser Idee"
Dirk Miklikowski,
Allbau-Vorstand

„Bei aller Verständnis für die Nöte der Sozialverwaltung und der betroffenen Menschen, die um Asyl bitten - die Verwaltung sollte einen Standort finden, der geeigneter ist als dieser“, so der Allbau-Chef.

Ein solcher wird längst gesucht.

Zwar hieß es gestern auf Anfrage in Renzels Dezernat, die Verwaltung sehe derzeit keine Alternative zu den drei ausgeguckten ehemaligen Schulgebäuden. Notfalls, so Renzel in der Ratssitzung am vergangenen Freitag, müsste die Stadt Asylsuchende eben in Turnhallen unterbringen. Dass die Markscheideschule aber wieder aus der Liste der Asylstandorte gestrichen werden könnte, scheint jedoch mehr als nur ein Gedankenspiel. Im Sozialdezernent räumt man jedenfalls ein, dass es mit der zugesagten sozialen Balance, um die sich die Verwaltung bei der Verteilung der Standorte bemühen will, nicht weit her ist. Keiner der drei ausgeguckten liegt im Süden der Stadt.
Bildunterschrift:
Die Markscheideschule in Altendorf soll nach den Plänen der Verwaltung zur Asylunterkunft umgebaut werden.   FOTO: SEBASTIAN KONOPKA

WAZ, 13.11.2013 Kommentar: Auf einem schmalen Grat

WAZ20131112-KOMschmalerGrat.png

WAZ / Essen, Rubrik Kommentar,Mittwoch, 13.11.2013

Auf einem schmalen Grat


Von Marcus Schymiczek

Würde er danach fragen, wo die Stadt denn Unterkünfte für Asylsuchende eröffnen soll, dürfe er sich der Antwort sicher sein, sagt Sozialdezernent Peter Renzel: Nicht bei uns! So sieht es auch der Allbau. Vorstand Dirk Miklikowski sorgt sich um den Stadtumbau in Altendorf und wohl auch um seine Mieteinnahmen am Niederfeldsee. Der Chef der städtischen Wohnungsgesellschaft wandelt auf einem schmalen Grat. In dem er seine Bedenken damit begründet, dass die Öffentlichkeit gegen Asylbewerber Vorbehalte hege, befeuert er diese öffentliche Meinung noch. Dass Miklikowski mit seiner Einschätzung aber nicht falsch liegt, zeigen Reaktionen von Hausbesitzern und potenziellen Mietern. Die Stadt bringt der Allbau in eine Zwickmühle. Sollte sie die Markscheideschule von der Liste potenzieller Asylunterkünfte streichen, müsste sie Anwohnern in Stoppenberg und im Nordviertel erklären, was ihre Stadtteile von Altendorf unterscheidet. Denn auch dort sind Asylheime geplant. Es wäre das öffentliche Eingeständnis, dass Asylsuchende nicht willkommen sind.

WAZ, 13.11.2013 Asylheim bremst Investoren

WAZ20131112-AsylheimBremst.png

WAZ / Essen-Stadtteil,Mittwoch, 13.11.2013

Asylheim bremst Investoren

Altendorfer Hauseigentümer wollen in der Aufbruchstimmung Wohnungen modernisieren und das Umfeld verschönen. Aber jetzt zweifeln manche


Von Frank-Rainer Hesselmann

Altendorf. „Nachhaltig die Lebensqualität und das Wohnfeld verbessern. Darum haben wir 1997/98 die Ideen für Altendorf und Bochold auf den Weg gebracht. Jetzt sind der Niederfeldsee, eine Radwegverbindung und die ersten neuen Häuser fertig. Es lohnt sich, hier zu investieren“, ermutigt Oberbürgermeister Reinhard Paß mehr als 130 Hauseigentümer.

Sie treffen sich auf Einladung der Stadt in der Gesamtschule Bockmühle, um sich „über neue Chancen am Immobilienmarkt“ zu informieren. Aber der Zeitpunkt ist gerade ungünstig: Die von der Stadt angedachte Unterbringung von Flüchtlingen bremst die seit einem Jahr erkennbare Aufbruchstimmung nördlich der Altendorfer Straße – ein Dämpfer, den das Quartier nicht braucht.


„Wir haben bereits
genug Integrations-
arbeit geleistet.
Wir sind schon
damit fertig“
Hauseigentümer
aus Altendorf

„Ich habe gerade 500 000 Euro für die Modernisierung meiner Wohnungen ausgegeben. Jetzt sollen gegenüber Flüchtlinge in die Markscheideschule einziehen. Damit kann ich eine gute Vermietung doch vergessen“, schildert eine Eigentümerin ihre Sorgen, den Investitionskredit wegen ausbleibender Mieteinnahmen nicht zurückzahlen zu können.

Ein zweiter Redner zweifelt am Sinn der 700 000 Euro Umbaukosten, um das Schulgebäude für Flüchtlinge nutzbar zu machen. „Für 18 Monat Unterbringung ist der Aufwand zu hoch. Bringen Sie die Leute besser gleich in Wohnungen unter. Nachher werden aus eineinhalb Jahren auch mehr, damit sich alles für die Stadt rechnet.“ Die Kosten für eine Betreuung seien noch gar nicht genannt.

Der Oberbürgermeister erläutert sachlich die Not der Stadt, welche ihr der Bund aufzwingt: „Noch hat der Rat nicht über Stadtorte für Flüchtlingsunterkünfte entschieden. Wohnungen haben wir bisher keine, was die bessere Lösung wäre. Die Verwaltung prüft alle Möglichkeiten.“ Die Bedenken der Eigentümer kann Reinhard Paß damit nicht zerstreuen.

Ein anderer ist der Ansicht, Altendorf habe „mit einem überproportionalen Ausländeranteil in den vergangenen 20 Jahren bereits genug Integrationsarbeit geleistet. Wir sind schon damit fertig.“ „Jetzt muss auch mal Rüttenscheid Flüchtlinge aufnehmen“, ruft eine Frau aus dem Publikum.

Argumente bekannt

Ricarda Fischer vom Stadtteilbüro Altendorf sieht das ebenso: „Es täte dem Quartier nicht gut, wenn noch mehr Menschen mit Migrationshintergrund dort lebten.“ Aus ihrer Projektarbeit kennt sie die Argumente der Bewohner bestens.


Anlaufstellen und kostenlose Beratung

  • Mehrere Förderprogramme können Hauseigentümer für die Verbesserung der Lebens- und Wohnqualität in Altendorf-Nord und Bochold nutzen. Dazu sind die verschiedenen Beratungsangebote des Netzwerkes Idee-Altendorf kostenlos.
  • An jedem ersten Donnerstag im Monat trifft sich der Modernisierungsstammtisch, von 19 bis 21 Uhr, im Restaurant Lindos, Altendorfer Straße 232; Ansprechpartner ist Werner Westkamp von „Haus & Grund“, 8106-616.
  • Im Blickpunkt 101, im Stadtumbaubüro, Haus-Berge-Straße 101, sind an jedem zweiten Donnerstag im Monat, ab 17 Uhr, Termine bei Regina Moock zu vereinbaren: 4781051. Ein Faltblatt bietet weitere Informationen. Das Fassadenprogramm wird 2014 fortgesetzt.
    Bildunterschrift:
     
  • Frisch getünchte Fassaden und beleuchtete Bäume, so zeigte sich der Ehrenzeller Platz zu seiner Eröffnung mit verschönertem Wohnumfeld.   FOTO: CHRISTINE HOLTHOFF
  • Oberbürgermeister Reinhard Paß wirbt bei Altendorfer Hauseigentümer für Investititonen, um die Lebensqualität im Quartier zu steigern.   FOTO: DANIEL ELKE

NRZ, 11.11.2013 Stadt hält Asyl in Turnhallen für denkbar

NRZ20131111-TurnhallenAsyl.png

NRZ / Essen,Montag, 11.11.2013

Stadt hält Asyl in Turnhallen für denkbar

Grund: der Aufschub der Ratsentscheidung


Von Wolfgang Kintscher

Um den in Essen eintreffenden Flüchtlingen ein Dach über dem Kopf bieten zu können, wird die Stadt im Januar womöglich gezwungen sein, städtische Turnhallen als Behelfsheime zu nutzen. Dieses Szenario malte Sozialdezernent Peter Renzel in der jüngsten Ratssitzung an die Wand, nachdem auf Wunsch der SPD die Entscheidung über drei Notunterkünfte von der Tagesordnung genommen wurde. Wie berichtet, sollen drei leerstehende Schulen - die Markscheideschule in Altendorf, die Nikolausschule an der Schwanhildenstraße in Stoppenberg und die Tiegelschule im Nordviertel - zu Behelfsheimen für insgesamt 270 Flüchtlinge umgebaut werden. Der Aufschub der Standortentscheidung bis zur turnusmäßigen Ratssitzung am 27. November verzögere die Vorbereitungen um drei Wochen, während die Zuwanderung nicht abreiße. Den vorsichtigen Hinweis, man könne doch wenigstens schon mal die Planung weitertreiben, konterte die Verwaltung betont trocken: „Wir müssen nichts planen, wir müssen Aufträge erteilen. Und das geht jetzt nicht.“

NRZ, 09.11.2013 Anschlag auf Asylheim.

NRZ20131109-AnschlagAsylheim.png

NRZ/WAZ / Essen, Rubrik Kurz gemeldet,Samstag, 09.11.2013

Anschlag auf Asylheim.


Unbekannte haben am späten Donnerstagabend eine Asylunterkunft in Burgaltendorf mit Feuerwerkskörpern beworfen. Kurz nach 23 Uhr wurden die Feuerwehr und die Polizei zur Worringstraße gerufen. Zeugen sprachen von einem hellen Fahrzeug, dessen Insassen mehrere Feuerwerkskörper gegen das Haus warfen. Ein neunjähriger Junge erschreckte sich so sehr, dass er vorsorglich ins Krankenhaus kam.Die Kriminalpolizei und der Staatsschutz wurden eingeschaltet. Zeugen sollen sich unter Tel. 829-0 melden.

WAZ, 09.11.2013 Mit Feuerwerkskörpern Asylheim beworfen

WAZ20131109-AnschlagAsylheim.png

WAZ / Essen, Rubrik Kurz gemeldet,Samstag, 09.11.2013

Mit Feuerwerkskörpern Asylheim beworfen


Unbekannte haben am späten Donnerstagabend eine Asylunterkunft in Burgaltendorf mit Feuerwerkskörpern beworfen. Ein neunjähriger Junge erschreckte sich so sehr, dass er vorsorglich ins Krankenhaus kam.

Kurz nach 23 Uhr wurden Feuerwehr und Polizei zur Worringstraße gerufen. Zeugen sprachen von einem hellen Fahrzeug, dessen Insassen offenbar mehrere Feuerwerkskörper gegen das Haus warfen und flüchteten. Die Kriminalpolizei und der Staatsschutz wurden eingeschaltet. Zeugen sollen sich unter Tel. 829-0 melden.

NRZ, 08.11.2013 Leserbrief: Unmenschlich

NRZ20131108-LBUnmenschlich.png

NRZ / Essen, Rubrik Leser-Klartext,Freitag, 08.11.2013

Unmenschlich


Asylverfahren. Der Essener Sozialdezernent Peter Renzel und das Ausländeramt beklagen sich, dass sie hilfesuchende (Armuts-)Flüchtlinge aus Krisenzonen nicht schnell genug ins Elend zurück abschieben können. Die Bundesregierung erklärt wie selbstverständlich, dass selbst ein Herr Snowden bei uns kein politisches Asyl bekommen könne. 75 Jahre nach der Reichspogromnacht marschieren die Nazis wieder in Essen auf und mit einer oft unmenschlichen Paragrafenreiterei wird Flüchtlingen die Hilfe verweigert: Man möchte vor Scham in den Boden versinken.
Rainer Sonntag, Essen

NRZ, 07.11.2013 Nur aus Krisenzonen in die Kommune

NRZ20131107-Krisenzonen.jpg

NRZ / Essen,Donnerstag, 07.11.2013

Nur aus Krisenzonen in die Kommune

Sozialdezernent Renzel fordert, das Asylverfahren zu ändern: Flüchtlinge vom Balkan ohne Chance auf Anerkennung sollten in Landes-Aufnahmestellen bleiben


Von Jörg Maibaum

Auch wenn die derzeitigen Flüchtlingsströme letztlich immer in einer Kommune enden – aus Sicht der Städte sind sie bislang denkbar unübersichtlich. Wie viele Menschen in den nächsten Wochen und Monaten in Essen ankommen werden, weiß niemand genau. So sind die Prognosen ein Mix aus Kaffeesatzleserei und Erfahrung der vergangenen Jahre, sagt Sozialdezernent Peter Renzel. Mit einer „tendenziellen Zunahme“ aus den Krisenregionen Afrikas sei zu rechnen und es werden verstärkt Kontingentflüchtlinge mit besonderem Schutzbedarf wie die 1060 Syrer, die nach NRW kommen sollen, aufgenommen, schätzt der städtische Beigeordnete, der eines aber genau weiß: „Der Grundstock derer, die nicht ausreisen, wird immer größer.“


„Der Grundstock
derer, die nicht
ausreisen, wird
immer größer“
Peter Renzel,
Sozialdezernent

Die Winterwanderung aus den Ländern Serbien und Mazedonien sei auf „mindestens gleich hohem Niveau“ wie in den vergangenen Jahren. Jedoch reisten immer weniger Menschen vom Balkan wieder aus, selbst wenn ihr Asylantrag abgelehnt sei. Deshalb fordert Renzel, Asylbewerber, die faktisch keine Chance auf Anerkennung haben, in den zentralen Aufnahmestellen des Landes zu versorgen und nur die Flüchtlinge, die aus Kriegs- und Krisengebieten kommen und Aussicht auf ein Bleiberecht und damit Integration haben, an die Kommunen weiterzuleiten. Für diese Praxis, die Renzel für „eine gute Idee“ hält, sei es jedoch zwingend, das Asylverfahrensgesetz zu ändern. Dafür sei aber nicht die Kommune zuständig, die inzwischen oft das Nachsehen habe, wie Brigitte Keil vom Sozialamt sagt. Ausreisepflichtige Asylbewerber brächten regelmäßig Hemmnisse vor, die eine Abschiebung hinauszögern sollen. Bis etwa eine angegebene Krankheit sorgfältig begutachtet ist, „können Monate vergehen“. Zudem wüssten die Rechtsanwälte der Asylbewerber genau Bescheid über die Termine der so genannten „Sammler“. Das sind die Flüge, die die Landesregierung für eine Ausreise der Menschen in ihre Heimatländer bucht. Wenn die Passagiere am Abreisetag nicht anzutreffen sind, vergehen oft Monate, bis das Land die nächste Maschine chartert. Der letzte „Sammler“ machte sich im September auf zum Balkan, der nächste folgt in den nächsten Wochen. Viele der Plätze, die die Essener Ausländerbehörde gebucht hat, dürften dann wieder frei bleiben. „Die Familien tauschen ihre Kinder untereinander aus“, sagt Keil, „auch dann können wir nicht abschieben.“
Bildunterschrift:
Ein Blick in die ehemalige Walter-Pleitgen-Schule in Frintrop, die zur Behelfsunterkunft für Asylbewerber umfunktioniert wurde. FOTO: DANIEL ELKE

NRZ, 07.11.2013 Asyl: Linke vermisst die soziale Balance

NRZ20131107-AsylLinke.png

NRZ / Essen,Donnerstag, 07.11.2013

Asyl: Linke vermisst die soziale Balance


Die Linke im Rat der Stadt kritisiert die zunehmende Unterbringung von Asylbewerbern in Behelfsunterkünften. „Eine Massenunterbringung in Schulen mit Suppenküchencharakter ist schlicht menschenunwürdig“, meint Ratsfrau Gabriele Giesecke. Es scheine, dass der Sozialdezernent sein gescheitertes Asylkonzept durch die Hintertür durchsetze. Giesecke kündigte an, nachhaken zu wollen, ob tatsächlich alle Alternativen der dezentralen Unterbringung – etwa in Wohnungen – geprüft worden sei.

Von sozialer Balance könne bei der Wahl der neuen Standorte keine Rede mehr sein. „Der Sozialdezernent öffnet mit seiner Asylpolitik der rechten Hetze Tür und Tor“, sagt Giesecke. Und: „Wieder mussten Anwohner über die Unterbringung von Flüchtlingen in ihrer Nachbarschaft aus der Zeitung erfahren.“ Damit schüre Renzel Ängste und Verunsicherung umso mehr.

WAZ, 07.11.2013 Linke will Wohnungen für Flüchtlinge

WAZ20131107-Fluechtlingswohnungen.png

WAZ / Essen,Donnerstag, 07.11.2013

Linke will Wohnungen für Flüchtlinge

Schulen seien „menschenunwürdig“


Die Linken-Ratsfraktion prangert die Lebensbedingungen in den Essener Flüchtlingsheimen an. „Massenunterbringung in Schulen mit Suppenküchencharakter ist schlicht menschenunwürdig“, findet Gabriele Giesecke, Mitglied im Sozialausschuss und Integrationsrat.

Auch Flüchtlinge hätten das Recht auf „ein Minimum an Selbstbestimmung und Privatsphäre“. Die Linke dringt darauf, Flüchtlinge stattdessen in Wohnungen oder wohnungsähnlichen Einrichtungen unterzubringen. Dies sei auch für den städtischen Haushalt günstiger.

Von sozialer Balance bei der Verteilung von Flüchtlingen im Stadtgebiet, wie es Sozialdezernent Peter Renzel noch vor einigen Tagen versprochen habe, könne spätestens durch die gewählten neuen Standorte keine Rede mehr sein. Die massive Unterbringung von Flüchtlingen in Behelfsunterkünften – derzeit sind schon weit über 400 Plätze geplant – verschärfe die Situation weiter. Die Ratsfraktion tadelt auch die Informationspolitik der Verwaltung. „Wieder mussten die Anwohner über die Unterbringung von Flüchtlingen in ihrer Nachbarschaft aus der Zeitung erfahren“, so Giesecke. Das verstärke die Ängste der Anwohner. Um die Diskussion zu versachlichen, regt die Linke an, kurzfristig Runde Tische in den betroffenen Stadtteilen einzuberufen.

WAZ, 07.11.2013 Leserbrief Abwarten

WAZ20131107-LBabwarten.png

WAZ / Essen, Rubrik Leserforum,Donnerstag, 07.11.2013

Abwarten


Flüchtinge. Es ist richtig, dass die Befürchtungen der Frintroper bisher nicht eingetreten sind. Es bleibt jedoch abzuwarten, wie sich bei voller Auslastung bis zu 135 Personen die Ruhe weiterhin bewahren lässt. Von einem bezahlten Standortleiter der Firma European Homecare, der dort die Aufgaben, der städtischen Sozialarbeiter wahrnimmt, erwarte ich selbstverständlich nur positive Nachrichten. Das Bild der Behelfsunterkunft ist durch die errichteten offenen Stromleitungen nicht gerade schöner geworden. Hier wird schon äußerlich jedem vorbeigehenden Bürger ein negativer Eindruck vermittelt. Ich würde es sehr begrüßen, wenn noch ein paar Euro für Farbe gefunden werden könnten.
Reinhold Wilting, Essen

NRZ, 06.11.2013 Asyl macht weiter Schule

NRZ20131106-AsylSchule.jpg

NRZ / Essen,Mittwoch, 06.11.2013

Asyl macht weiter Schule

Flüchtlings-Zustrom zwingt zum Handeln: Drei weitere Notunterkünfte sollen an früheren Lehrstandorten in Stoppenberg, Altendorf und im Nordviertel entstehen


Von Jörg Maibaum

Der anhaltende Zustrom von Asylbewerbern wirft alle bisherigen Prognosen über den Haufen und bringt die Stadt unter Zugzwang. Es müssen weitere Unterbringungsmöglichkeiten geschaffen werden und das möglichst schnell. Deshalb wird die Sozialverwaltung dem Rat in seiner Sondersitzung am Freitag drei mögliche Standorte vorschlagen, die als so genannte Behelfsunterkünfte mit Platz für insgesamt 270 Neuankömmlinge in Betrieb genommen werden können. 50 Plätze sollen in der Filiale der Nikolausschule an der Schwanhildenstraße in Stoppenberg entstehen. 100 weitere Menschen, so der Plan, wären in der Markscheideschule an der Markscheide in Altendorf und weitere bis zu 120 Flüchtlinge in der Tiegelschule an der Tiegelstraße im Nordviertel unterzubringen, wenn es das Planungsrecht erlaubt. 1,5 Millionen Euro veranschlagt die städtische Immobilienwirtschaft für den Umbau der drei Gebäude, die seit dem 1. August leer stehen. Wie die ehemalige Walter-Pleitgen-Schule in Frintrop und die Dilldorfschule in Kupferdreh, in die bereits Asylbewerber eingezogen sind (die NRZ berichtete), will die Stadt auch die drei neuen Einrichtungen rund um die Uhr von einem externen Dienstleister betreuen lassen. Ob abermals die Essener „european homecare GmbH“ zu Zuge kommt, ist offen. „Wir sind in der Prüfung, ob die Aufträge ausschreiben lassen müssen“, sagte Sozialdezernent Peter Renzel bei der gestrigen Vorstellung der Pläne.

Infoabende in den Stadtteilen

Wir wollen die Bevölkerung möglichst schnell informieren“, machte Renzel deutlich: Für die kommende Woche sind Infoveranstaltungen in den Stadtteilen geplant. Wo und wann genau, konnte Renzel gestern noch nicht sagen. Die Termine sollen rechtzeitig bekannt gegeben werden.

Der Druck auf die Kommune wächst: Die für Ende des Jahres vorausgesagte Zahl von rund 1000 Asylbewerbern, die in Essen ein Dach über dem Kopf benötigen, wurde bereits Ende Oktober erreicht. Renzel geht inzwischen davon aus, bis zum Ende des Jahres 150 weitere Flüchtlinge unterbringen zu müssen, und der Trend werde sich fortsetzen, so dass 2014 rund 1800 Plätze in Unterkünften benötigt werden. 985 Menschen kann die Stadt zurzeit mit einem Dach über dem Kopf versorgen: 720 in regulären Übergangsheimen, 215 in den Behelfseinrichtungen an der Oslender Straße und Im Neerfeld sowie 50 im Haus an der Dahlhauser Straße.

Was heißt: Selbst wenn die drei neuen Standorte in zwei bis vier Monaten bezugsfertig sind, müssten mehr als 500 weitere Plätze her. Die Immobilienwirtschaft sucht bereits nach Grundstücken, die für einen Neubau von Heimen geeignet sind. Im neuen Jahr will Renzel erste Vorschläge machen. Großunterkünfte seien nicht geplant.


VON DER SCHULE ZUM ASYL

  • 18 Wochen Bauzeit und 700.000 Euro Kosten fallen für die Markscheideschule an.
  • In acht Wochen wäre die Nikolausschule bezugsfertig. Kosten: 200.000 Euro.
  • Der Umbau der Tiegelschule kostet rund 600.000 Euro und dauert drei Monate.


"Wir wollen die Bevölkerung möglichst schnell informieren"
Peter Renzel Sozialdezernent


STADT MUSS SCHNELL HANDELN

Die erste Behelfseinrichtung wird frühestens in zwei Monaten bezugsfertig sein. Deshalb möbelt die Immobilienwirtschaft zusätzlich Wohnungen aus dem städtischen Bestand auf. Um Asylbewerbern, die dafür in Frage kommen, möglichst schnell eine Wohnung zu verschaffen, will die Stadt entsprechende Abkommen mit Wohnungsunternehmen treffen.
Bildunterschrift:
Diese Frau aus Syrien hat einen Platz in der ehemaligen Dilldorfschule und dort mit ihrer Familie Ruhe nach einer kräftezehrenden Flucht gefunden.   FOTOS: ULRICH VON BORN/SEBASTIAN KONOPKA(3)

WAZ, 06.11.2013 Stadt will drei neue Asylunterkünfte eröffnen / Kommentar

WAZ20131106-dreiUnterkuenfte.jpg

WAZ / Essen,Mittwoch, 06.11.2013

Stadt will drei neue Asylunterkünfte eröffnen

Ehemalige Schulgebäude in Stoppenberg, Altendorf und im Nordviertel sollen umgebaut werden


Von Marcus Schymiczek

Weil die Zahl der Asylbewerber schneller steigt als von der Sozialverwaltung erwartet, muss die Stadt nach den Worten von Sozialdezernent Peter Renzel so schnell wie möglich weitere Übergangswohnheime eröffnen. Schon in der Sondersitzung des Stadtrates am Freitag wird Renzel der Politik deshalb drei potenzielle Standorte vorschlagen. Es handelt sich um die ehemalige Dependance der Nikolausschule an der Schwanhildenstraße in Stoppenberg, um die leerstehende Markscheideschule in Altendorf und die leergezogene Tiegelschule im Nordviertel; letztgenannte steht unter dem Vorbehalt, dass das Planungsrecht die angedachte Nutzung als Asylunterkunft zulässt.

Die drei Immobilien sollen für 1,5 Millionen Euro zu Sammelunterkünften umgebaut werden. Insgesamt 270 Asylsuchende könnte die Stadt dort unterbringen. Angedacht ist eine 24-Stunden-Betreung nach dem Beispiel der erst jüngst eröffneten Übergangsheime in Kupferdreh-Dilldorf und in Frintrop. Anwohner will die Stadt noch in der kommenden Woche detailliert über die Pläne informieren.

Der Druck auf die Stadt wächst. „Wir haben keine Zeit mehr“, sagte Renzel in Anspielung auf den wachsenden Zuzug von Asylsuchenden, der sämtliche Prognosen über den Haufen wirft.

Mit Stand 31. Oktober lebten in Essen 1009 Asylbewerber in Unterkünften und in von der Stadt angemieteten Wohnungen. Diese Zahl hatte die Sozialverwaltung erst zum Jahresende erwartet. Die Sozialverwaltung rechnet deshalb damit, dass schon bis Ende Dezember für weitere 150 Menschen Platz geschaffen werden muss. Renzel geht davon aus, dass es dabei nicht bleiben wird. Im kommenden Jahr müsse die Stadt voraussichtlich 1800 Asylsuchende unterbringen.

Auch wenn der Rat dem Vorschlag des Sozialdezernenten grünes Licht für den Umbau der drei ausgeguckten Schulgebäude gibt, ist abzusehen, dass weitere Unterkünfte her müssen. Die städtische Immobilienwirtschaft sucht bereits fieberhaft nach freien Grundstücken, auf denen neue Übergangswohnheime errichtet werden könnten. Anfang kommenden Jahres will Renzel der Politik auch dazu konkrete Vorschläge unterbreiten. Die soziale Ausgewogenheit werde bei der Auswahl ein wichtiges Kriterium sein, versichert Renzel und betont, dass heute bereits 36 Prozent der Asylbewerber in Unterkünften im Essener Süden untergebracht sind. Die Verwaltung rechnet damit, dass in zwölf bis achtzehn Monaten die ersten Unterkünfte stehen, je nachdem ob Container aufgestellt werden oder Gebäude in Massivbauweise errichtet werden.


KOMMENTAR: Das Abendland geht nicht unter

M. Schymiczek

Mitte der 1990er Jahre lebten 4500 Flüchtlinge in Essen, woran Sozialdezernent Peter Renzel gestern aus gegebenem Anlass erinnerte. Das Abendland ist deshalb nicht untergegangen. Wenn die Stadt nun zusätzliche Flüchtlinge aus Krisengebieten aufnimmt, dann geschieht dies aus humanitären Gründen im Sinne der Gesetzes. Dieses erlaubt es auch Armutsflüchtlingen, Asyl zu beantragen - selbst wenn ihr Antrag wenig Aussicht auf Erfolg hat. Renzel ist mit seinem Konzept im Rat gescheitert, den Zuzug einzuschränken, indem den Menschen weniger finanzielle Anreize geboten werden. Armutswanderung ist eine Realität, die nicht überraschen kann und der sich die Stadt Essen stellen muss. Dass die Zahl der Asylsuchenden steigen würde, zeichnete sich ab. Nun rächt sich, dass die Politik zu früh darauf drängte, Unterkünfte aufzugeben.
Bildunterschrift:
In der Tiegelschule im Nordviertel will die Stadt 120 Flüchtlinge unterbringen. Umbaukosten: 600 000 Euro FOTOS: KONOPKA

WAZ, 06.11.2013 Asylsuchende bleiben länger

WAZ20131106-FluechtlingeLaenger.jpg

WAZ / Essen,Mittwoch, 06.11.2013

Asylsuchende bleiben länger

Zwei von drei Flüchtlingen stellten Folgeantrag


Von den 1009 Asylbewerbern, die derzeit in Essen leben, sind nach Auskunft der Verwaltung 678 so genannte Folgeantragsteller. Das heißt: Die betroffenen Personen haben bereits mindestens einmal in Essen um Asyl nachgesucht. In der Regel handelt es sich um Menschen aus Serbien und Mazedonien, die zum wiederholten Male um Asyl bitten. Die Chance, dass ihr Antrag positiv beschieden wird, tendiert laut Sozialdezernent Renzel fast gen null. Seit die EU die Einreisebestimmungen für Bürger dieser Staaten gelockert hat, verzeichnet die Stadt eine steigende Zahl an Asylbewerbern. 2012 lag das Plus bei 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Renzel führt dies auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zurück, das Asylsuchenden höhere finanzielle Leistungen zugesprochen hat. Die bis dato gezahlten Leistungen lagen unterhalb des Existenzminimums. Inzwischen stellt die Stadt fest, dass Folgeantragsteller immer länger in Essen bleiben oder sich einer Abschiebung ganz entziehen.
Bildunterschrift:
 
  • Die Zweigstelle der Nikolausschule soll 50 Personenaufnehmen. Umbaukosten: 200 000 Euro.   FOTOS: KONOPKA
  • 100 Flüchtlinge will die Stadt in der Markscheideschule unterbringen. Umbaukosten: 700 000 Euro   FOTOS: SK

WAZ, 31.10.2013 Flüchtlinge haben in Ruhe die Behelfsunterkunft bezogen

WAZ20131031-EinzugInRuhe.jpg

WAZ / Essen-Stadtteil,Donnerstag, 31.10.2013

Flüchtlinge haben in Ruhe die Behelfsunterkunft bezogen

45 Menschen wohnen seit Anfang der Woche in der Walter-Pleitgen-Schule. Lage hat sich entspannt


VonThorsten Schabelon

Frintrop. Am gestrigen Mittwoch kam um die Mittagszeit doch Unruhe an der Walter-Pleitgen-Schule in Frintrop auf. Eine Bewohnerin in der Behelfsunterkunft klagte über Schmerzen. Notarzt und Krankenwagen rückten eilig an und leisteten erste Hilfe. Die Situation entspannte sich schnell.

Seit Anfang der Woche wohnen die ersten Flüchtlinge in der Unterkunft. „45 Menschen sind inzwischen hier bei uns. Mehr Kinder als Erwachsene“, sagt Ridda Martini, der für das Essener Unternehmen „European Homecare als Standortleiter der Behelfsunterkunft in der Walter-Pleitgen-Schule arbeitet. Die Menschen kommen aus Tschetschenien, Ägypten, Syrien, Ghana, Nigeria und Mazedonien.

Die Anwohner „Im Neerfeld“ haben den Einzug ihrer neuen Nachbarn mit Interesse und durch ihre Fenster verfolgt. Zettel an den Bäumen der Straße, auf denen die Umnutzung der Schule kritisiert wurde, sind entfernt worden. Die zwischenzeitlich etwas unruhige Lage hat sich entspannt.

Gestern Mittag gab eine Frau mittleren Alters einen blauen Sack mit Kleidungsstücken am Schultor ab. „Die Frintroper unterstützen uns auch mit Spielzeug und anderen Sachen und wollen uns mit ehrenamtlicher Arbeit ihre Zeit spenden. Der Runde Tisch wird sich noch mehr einbringen, wenn sich die Menschen eingelebt haben“, erklärt Ridda Martini. Und dann sagt er einen schönen Satz, der hoffentlich weiterhin Bestand hat: „Die lauten Stimmen hier sind leiser geworden. Und die leisen Stimmen lauter.“
Bildunterschrift:
 
  • Ridda Martini.   FOTO:DANIEL ELKE
  • Die Walter-Pleitgen-Schule in Frintrop.   FOTO: JÖRG SCHIMMEL

WAZ, 26.10.2013 Leserbrief Menschen in Not

WAZ20131026-LBinNot.png

WAZ / Essen, Rubrik Leserforum,Samstag, 26.10.2013

Menschen in Not


Asyl in Essen. In der Berichterstattung und den Einwürfen der Anwohner hat man den Eindruck, in der Nachbarschaft würde ein Hochsicherheitstrakt für Schwerstverbrecher entstehen. Es handelt sich aber doch um Menschen - Menschen in Not - Flüchtlinge.
Ulrich Klös, Essen

NRZ, 26.10.2013 Kommentar Vorsicht mit flammenden Appellen

WAZ20131026-KomVorsichtFlammen.png

NRZ / Essen, Rubrik In diesen Tagen,Samstag, 26.10.2013

Vorsicht mit flammenden Appellen


Wolfgang Kintscher
Gestern Abend haben sie noch einmal demonstriert: 30 Personen waren offiziell polizeilich angemeldet, sie wollten Kerzen aufstellen vor der ehemaligen Walter-Pleitgen-Schule in Frintrop, in der – nach dem notdürftigen Umbau zur Behelfsunterkunft – Anfang der kommenden Woche die ersten Asylsuchenden einziehen.

Nichts gegen derlei Kundgebungen, aber mit Verlaub: Was soll die Nummer mit den Kerzen? Braucht es Mahnwachen-Atmosphäre vor einem Haus, in dem bemitleidenswerte Flüchtlinge aus Kriegs- und Krisengebieten Zuflucht suchen? Wird die alte Schulmauer demnächst zum Ersatzaltar derer, die über Tagesschau-Dramen wie in Lampedusa anklagend den Kopf schütteln, danach aber flackernde „Hier bitte nicht“-Appelle loslassen?

Man kann nur inständigst hoffen, dass all jene, die da mit offener Flamme vor einer Notunterkunft hantieren, nicht ihr Gespür dafür verlieren, an welchen unterschwelligen Emotionen sie da rühren. Und dass sie wissen, wie schnell offenes Feuer außer Kontrolle geraten kann – zumal vor dem Hintergrund der Zwillen-Attacke auf eben diesen Asyl-Standort wenige Tage zuvor, der einem das ungute Gefühl vermittelte, manch einer aus dem rechten Spektrum würde liebend gerne Fackelzüge nach Frintrop organisieren.

Sich von solchen Scharfmachern zu distanzieren, kann jenen, denen es um eine gerechte Verteilung der Flüchtlingsproblematik übers Stadtgebiet geht, nur dringend empfohlen werden. Das tut man auch und rechtfertigt sich mit dem Hinweis, es gehe ja nicht darum, gegen die dort einziehenden Asylbewerber zu demonstrieren, sondern gegen eine Politik, die eine misstrauische Bürgerschaft an der Nase herumführe. Aber dann, bitte schön, hätten sich die Demonstranten eine Gremiensitzung der Entscheider oder das Rathaus als Ziel aussuchen können – und das künftige Miteinander mit den Asylsuchenden nicht schon dadurch belasten sollen, dass man mit „Gott sei bei uns“-Symbolik hantiert. Sie verhindert nur die sachliche Debatte.

Denn in einem haben die Kritiker der gegenwärtigen Unterbringungspraxis für Asylsuchende ja Recht, wie eine dieser Tage in der NRZ veröffentlichte Statistik offengelegt hat: Die Verteilung der Flüchtlinge übers Stadtgebiet erfolgt derzeit denkbar unfair. Zwei von neun Stadtbezirken, darunter der komplette Süden, bleiben größtenteils unbelastet. Gerade die CDU, die gestern mal wieder wohlmeinende Sorgen-Appelle zum Besten gab, kann hier unter Beweis stellen, dass sie nicht nur Willkommenskultur predigen, sondern auch eine gerechte Verteilung der Asyl-Heime im Stadtgebiet sicherstellen will. An ihren Standort-Entscheidungen wird man sie schon bald messen.

WAZ/NRZ, 26.10.2013 Bedenkenträger in der Behelfsunterkunft

WAZ20131026-Bedenkentraeger.jpg

WAZ/NRZ / Essen-Stadtteil,Samstag, 26.10.2013

Bedenkenträger in der Behelfsunterkunft

Die Stadt Essen hatte die Anwohner des neuen Flüchtlingsheims in Frintrop am Freitag zu einer Begehung eingeladen. Dabei konnten Ängste zerstreut werden


Von Thorsten Schabelon Frintrop. Das zitronige Putzmittel setzt sich noch in den Nasen fest. Eine Tür hat als Stopper ein dickes Stück gefaltete Pappe. Und die grauen Wände, das sagt auch Ridda Martini, „sind halt noch etwas karg.“ Der Mann arbeitet bei European Home Care und ist Standortleiter der Behelfsunterkunft in der Walter-Pleitgen-Schule. Am Freitag war dort die Übergabe für die neue Nutzung, 230 000 Euro wurden in den letzten Wochen in Farbe, Brandschutz und drei Sanitärcontainer investiert.

Gestern hatte die Stadt die Anwohner zu einer Führung durch die Räumlichkeiten eingeladen. Fast 50 Bürger waren gekommen und hatten Neugier mitgebracht. Hartmut Peltz, Büroleiter aus dem Sozialdezernat, und Ridda Martini versuch- ten alle Fragen zu beantworten und Bedenken und Ängste zu zerstreuen. Ridda Martini kennt die Unruhe vor dem Einzug, er ist auch Standortleiter der neuen Behelfsunterkunft in Dilldorf. „Das ist normal. Das macht mich nicht nervös. Das legt sich“, sagt er.

Platz für 130 Flüchtlinge hat die Frintroper Unterkunft, Anfang nächster Woche sollen die ersten 40 Asylbewerber einziehen: 50 Prozent Erwachsene, 50 Prozent Kinder. In den Klassenzimmern stehen je drei Etagenbetten, graue Spinde und Trennwände. Es gibt eine Küche. Es gibt die Container, in denen zehn Duschen untergebracht sind. Es gibt im ehemaligen Lehrerzimmer Gemeinschaftsräume und ein Spielzimmer für die Kleinsten. Wer die Pläne hört und die Augen schließt, spürt, dass hier bald wieder Leben einzieht.

Es gibt aber auch viele Fragen. „Wer greift ein, wenn was passiert? Das darf ich doch fragen“, so ein Frintroper. „Die Polizei“, antwortet Ridda Martini und verweist auf Dilldorf: „Dort ist in den ganzen Wochen noch nichts passiert.“

(WAZ:)Sicherheitsdienst vor Ort

Mit jeder Antwort wird die Mauer aus Bedenken Stein für Stein abgetragen. Zwei Sozialbetreuer, zwei Küchenkräfte und zwei Sicherheitsbeamte sind eingeteilt. „Es ist immer jemand da. 24 Stunden, 365 Tage“, sagt Martini. Wenn sich die Asylanten etwas eingelebt haben, wird es weitere Unterstützung geben: Sprachkurse und Hausaufgabenhilfe. „Wir wollen den Menschen eine Perspektive bieten und sie nicht nur lagern“, erklärt Martini. „Viele Frintroper sind hilfsbereit“, bietet Ralf Oyen vom Runden Tisch an.

Brigitte Telöken von der Bürgerinitiative, die die Nutzung der Schule kritisch sieht, ist am Ende des Rundgangs noch nicht überzeugt. Am Abend versammeln sie und ihre Mitstreiter sich zu einem Protest mit Kerzen vor der Schule.


Asylanten aus Ägypten, Syrien, Ex-Jugoslawien

  • Anfang der Woche sollen die ersten Asylbewerber nach Frintrop kommen. 50 Prozent von ihnen sind Erstantragsteller aus Ländern der Russischen Föderation sowie Ägypten oder Syrien. 50 Prozent sind sogenannte Folgeantragsteller, die schon in Deutschland waren. Sie kommen aus Südosteuropa und dort vor allem aus dem ehemaligen Jugoslawien.


Bildunterschrift:
 
  • (WAZ:)Ein interessierter Blick in die neuen Sanitärräume vor der Walter-Pleitgen-Schule in Frintrop. 230 000 Euro wurden dort in Farbe, Brandschutz und drei Sanitärcontainer investiert.   FOTOS: DANIEL ELKE
    (NRZ:) Ein interessierter Blick in die neuen Sanitärräume vor der Walter-Pleitgen-Schule in Frintrop.
  • (WAZ:)In zwei Gruppen wurden die Bürger geführt.
    (NRZ:)In zwei Gruppen wurden die Bürger am Freitag durch die Behelfsunterkunft geführt.

NRZ, 25.10.2013 Leserbrief Auftakt misslungen

WAZ20131025-LBAuftakt.png

NRZ / Essen, Rubrik Leser-Klartext,Freitag, 25.10.2013

Auftakt misslungen


Asyl-Standorte. Die Stadt sucht die „soziale Balance“? Im Stadtbezirk IV ist dies im ersten Anlauf misslungen. Ist es sozialverträglich, wenn in einem Wohngebiet, in dem bereits knapp 20 Prozent der unter 14-Jährigen eine Zuwanderungsgeschichte haben und fast 40 Prozent der Kinder von Sozialleistungen leben, nun wegen des zufälligen Lehrstandes in einer ehemaligen Grundschule eine Asylbewerberunterkunft eingerichtet wird – womöglich dauerhaft, wie es inzwischen heißt? Da hilft es gar nichts, den gesamten Stadtbezirk zur Aufhübschung der sogenannten Belastungszahl heranzuziehen. Ist es menschenwürdig gegenüber Zuwanderern, zwölf Bet- ten in einen Klassenraum zu stellen und die Bewohner für ein geliefertes, nicht selbst zubereitetes Essen anstehen zu lassen? Die Menschen, die als Asylsuchende kommen, fliehen vor Verfolgung, Gefahren für Leib und Leben aus Bürgerkriegen oder aus Lebensumständen, die Kindern keine Chancen für die Zukunft bieten. Sie müssen menschenwürdig und vom Umfeld in ihrem Schicksal akzeptiert wohnen können. Dafür brauchen Mitbürger im Stadtteil Offenheit und Kraft, um ein für alle Seiten annehmbares Miteinander zu gestalten. Weder der Standort in Unterfrintrop noch der Grundriss und die Sanitär- und Elektroinstallationen einer ehemaligen Schule sind geeignet. Zuwanderer und Anwohner dürfen nicht dauerhaft unter den Versäumnissen des Sozialdezernates leiden.

Erika Küpper, per E-Mail

WAZ/NRZ, 25.10.2013 Der Herbst und die Angst sind da

WAZ20131025-HerbstAngst.jpg

WAZ/NRZ / Essen-Stadtteil,Freitag, 25.10.2013

Der Herbst und die Angst sind da

Am Montag ziehen die ersten Flüchtlinge in die Walter-Pleitgen-Schule. Die Sicherheitskräfte sind schon da. Die Anwohner in Frintrop treibt die Sorge um


Von Thorsten Schabelon

Frintrop. Die vielen gelben und braunen Blätter vor ihrer Haustür, im Garten und auf dem Bürgersteig an der Frintroper Straße machen Ilse Ophey mächtig zu schaffen. „Ich müsste hier drei Mal am Tag fegen, um richtig Ordnung zu ha- ben“, sagt die 77-Jährige. Der Herbst ist da. Und die Angst.

Die Frintroperin wohnt nur wenige Meter vom Eingang der Walter-Pleitgen-Schule entfernt. Die war in all den Jahrzehnten, die Ilse Ophey und ihr Mann dort leben, immer eine Schule. „Achtung, Kinder“, warnt derzeit auch noch ein rot umrandetes Verkehrsschild. „Die kleinen Figuren müssen bald ausgetauscht werden“, sagt ein Anwohner und lächelt gehässig.


„Wir haben bei uns
Bewegungsmelder
installiert“
Liane Vogt, die
unweit der Walter-
Pleitgen-Schule wohnt

Am Montag wird die Schule zur Unterkunft für Flüchtlinge, 40 Menschen werden dann „Im Neerfeld 6“ einziehen. Derzeit wird noch laut umgebaut. Drei Sanitärcontainer stehen auf dem Schulhof. Dort tun zudem Sicherheitsmitarbeiter ihren Dienst. Nachdem innerhalb von einer Woche zwei Mal auf das Gebäude geschossen wurde, hat auch die Polizei ihre Präsenz erhöht. Streifenwagen fahren verstärkt durch die Straße an der Schule. Am Mittwoch parkten Zivilbeamte ihren dunklen BMW auf dem Bürgersteig und inspizierten das umgewidmete Gebäude.

Die Anwohner haben mit ihrem Ärger die Bäume in der Straße dekoriert. Ihre Zielscheibe: Die Stadtverwaltung und Oberbürger- meister Reinhard Paß. „Wir haben ja nur durch Zufall erfahren, was mit der Schule passiert. Dann wurden wir vor vollendete Tatsachen gestellt. Ich habe so einen Hals“, schimpft Liane Vogt. Die 77-Jährige wohnt ebenfalls an der Frintroper Straße – in Rufweite von Ilse Ophey und der Walter-Pleitgen-Schule. „Wir haben bei uns im Haus Bewegungsmelder installiert. Für die Türen haben wir noch was bestellt“, sagt die Rentnerin. Auch an einen Hund hat sie gedacht. Nachbarn in der Straße gehen zwei Schritte weiter: „Ein Haus steht hier schon zum Verkauf.“ Nur hält sich die Nachfrage ob der bekannten Entwicklung in Grenzen.

„Wir haben uns hier immer wohlgefühlt“, sagt Ilse Ophey und greift sich einen Haufen Blätter. „Früher, früher war das hier eine ruhige Ecke“. Und die vielen kleinen Schulkinder? „An die hatten wir uns doch gewöhnt. Die haben sogar mit mir Laub eingesammelt.“ Von den Flüchtlingen erwartet sie keine Unterstützung bei der herbstlichen Gartenarbeit. „Wir haben ja nichts gegen die Menschen. Für sie ist es auch nicht leicht: So viele in einem Klassenraum. Dazu die paar Duschen“, sagt Ilse Ophey und blickt dann sehr besorgt: „Man hört und liest halt so viel.“ Einmal in der Woche spaziert sie zum unterhaltsamen Treff mit Freunden weiter unten im Stadtteil. „Das ist abends. Ob ich da weiter hingehe?“ Eine Anwohnerin oberhalb der Schule sieht die Situation ganz pragmatisch. Sie kommt aus Polen, war anfangs selbst Gast in Deutschland und „mein Schlafzimmer geht ja nach hinten raus. Da bekomme ich keinen Lärm mit“, sagt sie und lächelt. „Lassen wir uns überraschen.“ Dann kommen ihr TV-Bilder in den Sinn. „Wenn bei meinem Auto aber mal die Räder geklaut sind, schaue ich nach einer neuen Wohnung.“
Bildunterschrift:
 
  • Die Walter-Pleitgen-Schule in Frintrop. Die Anwohner haben den Buhmann für die von ihnen unerwünschte Nutzung gefunden.   FOTO: JÖRG SCHIMMEL
    Aufschrift: "Totengräber von Frintrop -Reinhard Pass- SPD Oberbürgermeister"
  • Drei Sanitärcontainer sind vor der Schule für die künftigen Bewohner aufgebaut worden.   FOTO: JÖRG SCHIMMEL

WAZ, 25.10.2013 Leserbrief Deutlicher Appell

WAZ20131025-LBAppell.png

WAZ / Essen-Stadtdteil, Rubrik Leserbriefe,Freitag, 25.10.2013

Deutlicher Appell


Asylunterkunft in Frintrop: Aufgrund der jüngst vernommenen Anschläge auf das Asylunterkunftsheim an der Walter-Pleitgen-Schule in Frintrop möchte die CDU-Frintrop einen deutlichen Appell an die Bevölkerung richten dergestalt, dass solche fremdenfeindlichen Aktionen, die durch einige wenige ausgerichtet werden, keineswegs auf die Frintroper Bürgerschaft übertragen werden dürfen.

Die große Resonanz der Teilnahme am mittlerweile entstandenen „Runden Tisch“, wo sich viele Mitbürgerinnen und Mitbürger aus dem nachbarschaftlichen Bereich einbringen und ihre Bereitschaft zur Hilfe signalisieren, bekräftigt dies. Die Einrichtung eines „Runden Tisches“, an dem sowohl Stadtverwaltung, Polizei, ortsansässige Bürger, Kirchenvertreter als auch örtliche Politik teilnehmen, hatte sich in der Vergangenheit auch in weiteren Essener Stadtgebieten extrem positiv bewährt. Daher nochmals der Aufruf, den Flüchtlingen und Asylsuchenden unvoreingenommen entgegenzutreten und sie offen aufzunehmen – anstatt Ihnen den Garaus zu machen, bevor sie überhaupt erst angekommen sind. Frintrop ist kein fremdenfeindliches Fleckchen.

Regina Hallmann, CDU-Ratskandidatin für Frintrop

WAZ/NRZ, 24.10.2013 40 Flüchtlinge ziehen in Frintrop ein

WAZ20131024-40Fluechtlinge.png

WAZ/NRZ / Essen,Donnerstag, 24.10.2013

40 Flüchtlinge ziehen in Frintrop ein

Pleitgen-Schule rund um die Uhr bewacht


Anfang nächster Woche ziehen die ersten 40 Flüchtlinge in die ehemalige Walter-Pleitgen-Schule in Frintrop, die die Stadt seit Anfang September zu einer Notunterkunft umgebaut hat. Bei den Menschen handele es sich vorwiegend um Asylbewerber aus Tschetschenien und Ägypten, teilte die Stadt mit. In den Klassenräumen sollen jeweils acht bis zehn Personen untergebracht werden, mit Raumteilern soll zumindest etwas Privatsphäre geschaffen werden. Dusch-Container und Umkleiden werden auf dem ehemaligen Schulhof untergebracht. Laut Baugenehmigung könnte die Stadt maximal 134 Menschen in dem Gebäude unterbringen. Weitere Flüchtlinge werden demnächst erwartet. Seit Unbekannte die ehemalige Schule Anfang der Woche mit einer Schleuder beschossen hatten, wird das Gebäude bereits 24 Stunden am Tag von einem Sicherheitsdienst bewacht. Ebenso wie in der Behelfs-Unterkunft in der Dilldorf-Schule, deren Kapazitäten mit 80 aufgenommenen Flüchtlingen erschöpft ist, wird auch in Frintrop der externe Dienstleister „European Home Care“ vor Ort für die Menschen zuständig sein. Zu dem Team gehören auch Sozialarbeiter.   JeS

WAZ/NRZ, 22.10.2013 Asylunterkunft mit Schleuder beschossen

WAZ20131022-Schleuder.png

WAZ/NRZ / Essen, Rubrik (WAZ:)kurz gemeldet,Dienstag, 22.10.2013

Asylunterkunft mit Schleuder beschossen


Nachdem es an der ehemaligen Walter-Pleitgen-Schule in Frintrop, die derzeit zur Asylunterkunft umgebaut wird, zum wiederholten Mal zu einer Sachbeschädigung gekommen ist, ermittelt die Kriminalpolizei gegen Unbekannt. Gestern war gegen 13 Uhr vermutlich mit einer Schleuder auf das Gebäude an der Straße Im Neerfeld geschossen worden. Glücklicherweise durchschlugen die Metallgeschosse nicht die Scheiben, so dass niemand verletzt wurde. Schon am 18. Oktober war auf das Gebäude gefeuert worden. Der Staatsschutz wurde eingeschaltet.

WAZ, 19.10.2013 Leserbrief: Überholt

WAZ20131019-LBUeberholt.png

WAZ / Essen, Rubrik Leserforum,Samstag, 19.10.2013

Leserbrief: Überholt


Asyl. Wer sich von „ Rechtsextremen, Linksextremen, Liberalen, etc.“ distanziert und sich somit offensichtlich von jeglichen politischen Grundsätzen lossagt und nur noch das St.-Florians-Prinzip als Grundlage seiner Forderung nach „ einer „radikalen Abkehr von der Asylpolitik“ verfolgt, ist jetzt schon von der Realität überholt worden. Anstatt trotziger Verweigerung empfehle ich der Bürgerinitiative in Frintrop konstruktives , vorbereitendes und begleitendes Engagement, damit die befürchteten Effekte gar nicht erst eintreten oder minimiert werden können. Arno Lindner, Essen

NRZ, 17.10.2013 Essen braucht mehr Asyl-Heime als gedacht

NRZ20131017-mehrAsylheime.jpg

NRZ / Essen,Donnerstag, 17.10.2013

Essen braucht mehr Asyl-Heime als gedacht

Nach den jüngsten Flüchtlings-Zahlen rechnet die Stadt für den Winter 2014/15 mit bis zu 400 Asylsuchenden mehr als bisher. Drei oder vier Heim-Standorte zusätzlich nötig. Keiner soll mehr vorschnell aufgegeben werden


Von Wolfgang Kintscher

Eine Welt in Aufruhr schert sich nicht um Kalkulationen aus dem Rathaus: Erst vor drei Wochen hatte die Sozialverwaltung der Politik vorgerechnet, dass Essen im Winter 2014/15 stadtweit rund 1.200 Flüchtlinge in Notunterkünften unterbringen muss.

Jetzt ist der Oktober noch nicht einmal vorbei, und doch muss diese Zahl für Essen bereits deutlich nach oben korrigiert werden: Angesichts des aktuellen Zustroms sei, so sagte Sozialdezernent Peter Renzel am Dienstagabend bei der Diskussionsveranstaltung „Essen kontrovers“, zum Ende des kommenden Jahres mit rund 1.500 bis 1.600 Asylsuchenden zu rechnen.

Dies hat zur Folge, dass entsprechend mehr Asylheime bereitgestellt werden müssen, vermutlich drei bis vier zu den bereits ins Auge gefassten zweien, denn im Schnitt kalkuliert die Stadt mit 100 bis maximal 150 Flüchtlingen pro Standort.

Zuletzt wurde die alte Dilldorfschule in Kupferdreh übergangsweise zur Heimstatt für 80 Flüchtlinge aus Ägypten und Serbien, Syrien und Mazedonien. Der Standort ist damit voll belegt. Weitere 100 Flüchtlinge werden voraussichtlich in zwei Wochen in der aufgegebenen Walter-Pleitgen-Schule in Frintrop untergebracht. Die Baugenehmigung lässt zwar bis zu 135 Personen zu, doch will die Stadt mit Betreuungsräumen für Groß und Klein den Alltag gestalten.

Parallel dazu ist die Sozialverwaltung dabei, bebaute und unbebaute Immobilien in allen 50 Stadtteilen auf ihre Verwendung als Unterkunfts-Standort zu prüfen. Schon bei der von Volkshochschule und NRZ veranstalteten „Kontrovers“-Debatte zeigte sich am Dienstag, dass dabei ein besonderes Augenmerk auf die Frage gelegt wird, ob die Unterbringung der Flüchtlinge „sozial gerecht“ erfolgt.

Nach wie vor gibt es in Frintrop, aber auch andernorts Ängste und Befürchtungen, die Stadtteile könnten in ihrer Sozialstruktur „kippen“, wenn man eine Vielzahl von Flüchtlingen dauerhaft dort unterbringt. Sozialdezernent Renzel begegnete diesen Sorgen gestern mit den guten Erfahrungen der in Dilldorf bereits eingeführten und in Frintrop geplanten Rund-um-die-Uhr-Betreuung der Einrichtung.


„Ich werde der Poli-
tik nicht mehr vor-
schlagen, funktio-
nierende Einrichtun-
gen zu schließen...“
Peter Renzel,
Sozialdezernent

Und er wiederholte die Erkenntnis aus der Flüchtlingsarbeit, dass Asylheime nirgends übermäßig beliebt seien: „Aus keinem Stadtteil rufen die Leute an und sagen: Baut das lieber bei uns.“ Kein Wunder, dass man in der Sozialverwaltung mittlerweile offenbar bereut, in der Vergangenheit sämtliche alten Asyl-Standorte aufgegeben zu haben: „Ich werde der Politik nicht mehr vorschlagen, funktionierende Einrichtungen zu schließen und dem Erdboden gleich zu machen“, so Renzel vor rund 130 Zuhörern in der VHS. Jetzt aber muss er erst einmal neue Standorte finden. Welche ausgeguckt werden, soll der Rat, wenn möglich, noch Ende November beschließen.

Weiter Lokalseite 2


Standort-Entscheidungen bleiben Sache der Politik
Stadt setzt darauf, möglichst viele Flüchtlinge in Wohnungen zu vermitteln – und auf „runde Tische“ mit den Anwohnern

Fortsetzung von Seite 1

Auch und gerade in Sachen Asyl, so wurde bei „Essen kontrovers“ deutlich, hat die Stadt nicht durchgehend das Heft in der Hand: Die Zuweisungszahlen etwa kann sie nicht ändern, bei der Ausreisepflicht ist sie aufs Land angewiesen, und das Arbeitsverbot für Asylsuchende darf sie nicht eigenmächtig aufheben – auch wenn der Sozialdezernent durchblicken lässt, dass er eine Lo- ckerung für durchaus sinnvoll hält.

Auf der anderen Seite scheiterte Peter Renzel just in der jüngsten Ratssitzung an einer Mehrheit von SPD, Grünen und Linken, die seinem Vorstoß, Geldleistungen an die Flüchtlinge durch Sachleistungen zu ersetzen, nicht folgen mochten.

Eine der wichtigen Stellschrauben in der Asylpolitik bleibe darum die Frage, wo und wie die Flüchtlinge untergebracht werden. So legt sich die Stadt ins Zeug, Familien mög- lichst frühzeitig von den Notunterkünften in Wohnungen zu vermitteln, 100 Mal gelang das im vergangenen Jahr, „aber das ist ein mühseliges Geschäft“, weiß Renzel: Egal ob Allbau, Viva West oder private Vermieter: „Die schauen sich ihre Mieter sehr genau an.“

Vielleicht haben auch sie die Bilder im Kopf, die der Sozialverwaltung das Leben so schwer machen: aus Duisburg oder der Dortmunder Nordstadt, wo Zuwanderer oft mit massiven Problemen gleichgesetzt werden. Nicht dass der Umgang mit den Asylsuchenden konfliktfrei abgehe, aber auch hier zahle sich die Betreuung aus, sie „sorgt dafür, dass Spielregeln eingehalten werden“.

Von Anwohner-Initiativen auch am Dienstag vorgebrachte Forderungen, bei der Standortauswahl der Heime mitwirken zu dürfen, lehnte der Sozialdezernent rundheraus ab: Runde Tische vor Ort, im Umfeld der Einrichtungen, hätten sich als „vollkommen ausreichend“ erwiesen. Die Standort-Entscheidung selbst zu treffen, sei aber Sache der Politik. „Und das sollte so bleiben.“   woki
Bildunterschrift:
 
  • Kletterspaß ist international: Kinder aus vielen Teilen der Welt spielen auf dem Schulhof der einstigen Dilldorfschule, die zum Behelfsheim wurde.   FOTO: ULRICH VON BORN
  • Rund 130 Gäste verfolgten die Asyl-Debatte von „Essen kontrovers“, dem gemeinsamen Diskussionsforum von Volkshochschue und NRZ. Kontrovers war’s dort übrigens kaum auf dem Podium, eher zwischen Podium und Publikum.   FOTO: ALEXANDRA ROTH

WAZ, 17.10.2013 Stadt benötigt weitere Asylunterkünfte

WAZ20131017-mehrUnterkuenfte.png

WAZ / Essen,Donnerstag, 17.10.2013

Stadt benötigt weitere Asylunterkünfte


Weil der Zustrom von Flüchtlingen und Asylbewerbern weiter zunimmt, muss die Stadt Essen ihre Planungen für die Unterbringung der Hilfesuchenden korrigieren. Vermutlich würden neben den beiden Behelfseinrichtungen in Kupferdreh und Frintrop zusätzlich noch drei bis vier weitere Einrichtungen benötigt, sagte Sozialdezernent Peter Renzel am Dienstagabend bei der Diskussionsveranstaltung „NRZ kontrovers“ in der Volkshochschule. Wie die WAZ-Schwesterzeitung berichtet, rechnet der Dezernent damit, zum Jahresende etwa 1500 bis 1600 Asylsuchende in Essen unterbringen zu müssen. Bislang war die Stadt davon ausgegangen, dass sie Plätze für 1200 Menschen benötigt.

In der früheren Dilldorfschule in Kupferdreh sind bereits 80 Flüchtlinge untergebracht. Die Walter-Pleitgen-Schule in Frintrop wird derzeit umgebaut und soll ab November belegt werden.

WAZ, 17.10.2013 Leserbrief: Verweigerung

WAZ20131017-LBKlagemauer.png

WAZ / Essen, Rubrik Leserforum,Donnerstag, 17.10.2013

Leserbrief: Verweigerung


Klagemauer entfernt. Wer sich – wie Herr Röttges von der Bürgerinitiative Frintrop – von „Rechtsextremen, Linksextremen, Liberalen, etc.“ distanziert, sagt sich somit offensichtlich von jeglichen politischen Grundsätzen los. Stattdessen verfolgt er das St.-Florians-Prinzip als Grundlage seiner Forderung nach „einer „radikalen Abkehr von der Asylpolitik“. Statt trotziger Verweigerung empfehle ich der Bürgerinitiative konstruktives, vorbereitendes und begleitendes Engagement, damit die befürchteten Effekte gar nicht erst eintreten oder minimiert werden können. So könnte sich die Initiative als Ansprechpartner etablieren – sonst wird alles Weitere ohne sie stattfinden. Arno Lindner, Essen

WAZ, 15.10.2013 Stadt entfernt Klagemauer an der Asylunterkunft

Waz20131014-Klagemauer.jpg

WAZ / Essen,Dienstag, 15.10.2013

Stadt entfernt Klagemauer an der Asylunterkunft

Frintroper Bürger hatten dort ihrem Unmut gegen die Umwandlung der früheren Schule Luft gemacht


Von Christina Wandt

Das Transparent war weithin sichtbar, die Aussage heftig: „Stadt Essen hintergeht Frintroper Bürger.“ Es war quer über die Straße Im Neerfeld gespannt – von den Häusern empörter Anwohner bis zur Walter-Pleitgen-Schule, die ab November als Behelfseinrichtung für Asylbewerber genutzt werden soll. Nun hat die Stadt das Banner entfernen lassen und damit den Unmut einiger Anwohner noch einmal vergrößert.

„Am Samstag um 4.15 Uhr haben die das abgenommen“, sagt Wolfgang Röttges von der Bürgerinitiative gegen die die Behelfsunterkunft. Nicht nur wegen der Uhrzeit spricht er von einer Nacht-und-Nebel-Aktion: „Es gilt das Recht auf freie Meinungsäußerung, darum haben wir Anzeige erstattet.“ Zudem sei nicht nur das Transparent verschwunden, sondern auch die Zettel, die die Bürgerinitiative an der Mauer der Pleitgen-Schule angebracht hatte. Röttges spricht von einer Klagemauer, auf der man den Schriftverkehr mit Behörden dokumentiert hatte. Aber nicht nur das: Da wird der Sozialdezernent aufgefordert, bei sich zu Hause eine Roma-Familie mit sieben Kindern aufzunehmen, da heißt es, jeder, der am Umbau der Schule beteiligt sei, mache sich „moralisch in höchstem Maße mitschuldig am Niedergang Frintrops“. Etwas Polemik sei gestattet, findet Röttges; doch die Stadt, die die Zettel lange geduldet hatte, sah das nun anders. „Es standen dort teils rechtsgerichtete Parolen, über die sich auch Bürger bei uns beschwert haben, da haben wir reagiert“, sagt Stadtsprecherin Nicole Mause. Entfernt habe man auch mit bunten Bändern umwickelte Ziegelsteine, die auf der Mauer lagen: „Das war gefährlich: Man stelle sich vor ein Kind zieht am Band und der Stein fällt hinab. . .“ Wie das Entfernen des Banners begründet sei, konnte Mause am Montag nicht sagen, weil der verantwortliche Mitarbeiter nicht erreichbar war.

Ralf Oyen vom Runden Tisch Frintrop, der im Stadtteil vermittelnd tätig ist, bedauert die Eilaktion. „Wir hatten mit der Stadt vereinbart, dass wir erst gemeinsam mit Anwohnern die umgebaute Schule ansehen. Danach hätte die Bürgerinitiative vielleicht Einsicht gezeigt und die Zettel selbst abgehängt.“ Nun hoffe er, dass die Zusage zu der Ortsbegehung eingehalten werde. Sonst dürften sich noch jene bestätigt fühlen, die glauben, die Stadt hintergehe die Bürger.
Bildunterschrift:
Die Stadt hat die Zettel an der Walter-Pleitgen-Schule jetzt entfernt.   FOTO: VAHLENSIECK

WAZ/NRZ, 11.10.2013 Wie Bürger helfen können

WAZ20131011-WieHelfen.jpg

WAZ/NRZ / Essen,Freitag, 11.10.2013

Wie Bürger helfen können

Kicker oder Bauklötze, Winterjacken und Vorlese-Paten: In Asylbewerberheimen wird vieles gebraucht, was andere gerne geben möchten


Von Dominika Sagan

Viele Kleider sind im Asylbewerberheim in Kupferdreh abgegeben worden, die Hilfsbereitschaft ist groß, sagt Einrichtungsleiter Ridda Martini dankbar: „Sommersachen brauchen die Menschen jetzt nicht mehr“. Wer aber spenden möchte, kann das weiterhin. Benötigt werden etwa Schuhe für Erwachsene und Kinder, Jacken, Regen- und Schneekleidung, Schals, Mützen und Handschuhe. Gleichzeitig bittet Martini, die Spenden nicht vor die Tür zu legen und sie auch nicht direkt an die Bewohner abzugeben. Und auf Unterwäsche zu verzichten.

Feste Zeiten für die Abgabe

Um die Spenden zu koordinieren, hat das Heim mittwochs feste Abgabe-Zeiten eingerichtet (siehe Info-Kasten), dann nimmt ein Mitarbeiter Kleider und Spielsachen entgegen. Die Kinder wünschen sich sehr eine Tischtennisplatte, Billardtisch oder Kicker, nun da das Wetter schlechter wird und sie draußen keinen Federball mehr spielen können, sagt Martini. Dafür sind auch Geldspenden möglich. Viele Gesellschaftsspiele haben sie schon erhalten. „Über Bauklötze, Bastel- und Malsachen freuen sich die kleinen Kinder für ihr Spielzimmer“, sagt er und ergänzt: „Uns sind wenige Spenden lieber, die aber gut sind.“ Das heißt für Kleidung, dass sie gebrauchsfähig und in gutem Zustand sein sollte.


„Uns sind wenige
Spenden lieber,
die aber gut sind“
Ridda Martini, Leiter
des Asylbewerberheims
in Dilldorf

Natürlich erhalten die Asylbewerber auch Geld, um sich etwa

Kleider zu kaufen. „Dennoch sind die Kleiderspenden willkommen, vor allem, um die ersten Tage zu überbrücken“, weiß Hartmut Peltz, Büroleiter des Sozialdezernats. Die Schulverwaltung kümmert sich nun darum, dass die Kinder bald unterrichtet werden. Die aus Kupferdreh werden unter anderem die Hinsbeckschule besuchen. Für die Hausaufgabenhilfe werden noch Ehrenamtliche gesucht, sagt er.

Einige freiwillige Helfer sind in Dilldorf bereits im Einsatz, basteln oder malen mit den Kindern, helfen bei der Sprachförderung. Auch hier gilt: Weitere Kräfte sind gern gesehen. Martini: „Vielleicht findet sich jemand, der den Kindern auf Deutsch vorliest, denn sie lernen die Sprache ja rasend schnell.“

Wie viele Kinder Ende Oktober in die Asylbewerberunterkunft in Frintrop einziehen, ist noch ungewiss. Daher kann Ralf Oyen, der den Runden Tisch in Frintrop leitet, noch nicht genau sagen, welche Hilfen dort in der ehemaligen Walter-Pleitgen-Schule benötigt werden. Rund 100 Menschen sollen dort vorübergehend leben, das sind die derzeitigen Pläne der Stadt.

Auch darunter werden sicher viele Kinder sein, die sich über Spielzeug, Jacken und Hausaufgabenhilfe freuen, davon ist Oyen überzeugt und will bekannt machen, wie Bürger sich engagieren können, sobald sie die Lage nach dem Einzug einschätzen können.


Spenden-Koordination

  • In Kupferdreh leben derzeit 80 Asylbewerber, davon 40 Kinder. Die Hälfte der Menschen kommt aus Südosteuropa, 18 aus Syrien, weitere u.a. aus Tschetschenien und Ägypten.
  • Spendenabgabe in Kupferdreh: mittwochs, 15-16.30 Uhr, Oslenderstraße 36 b. Das Ehepaar Grimm koordiniert die Spenden: 48 07 59
    Bildunterschrift:
     
  • Im Behelfsheim in der Dilldorfschule in Kupferdreh spielen Kinder aus vielen unterschiedlichen Ländern miteinander. FOTO: ULRICH VON BORN
  • Über solche gefütterten Schuhe freuen sich die Kinder ebenso wie über warme Jacken, Mützen und Schals für den anstehenden Winter.

03.10.2013 Antifa Essen Z.: Hetzplakate in Essen-Frintrop entfernt


AntifaEZ20130928.jpg

Antifa Essen Z

antifaessen<a>riseup.netPost_icon.png www.Antifa-Essen.de


Pressemitteilung vom 03.10.2013

Unbekannte entfernen Hetzplakate in Essen-Frintrop

Unbekannte haben in den letzten Tagen mehrere rassistische Plakate und Transparente entfernt, die Anwohner an einem ehemaligen Schulgebäude in Essen-Frintrop angebracht hatten. Dort soll in den nächsten Wochen eine Behelfsunterkunft für Flüchtlinge entstehen.

Seit Wochen bringen Anwohner und Neonazis an der Außenmauer der ehemaligen Walter-Pleitgen- Schule in Essen-Frintrop immer wieder Plakate und Transparente mit rassistischen und rechtspopulistischen Parolen an. Zu lesen sind dort Aufschriften wie „Syrians: YES – Gipsies: NO“ oder „Hier in Deutschland können Sie abkassieren, stehlen, sich im Supermarkt sattessen und das bezahlte Geld in Ihre Heimat schicken!!!“. In dem ungenutzten Schulgebäude soll in den nächsten Wochen eine provisorische Behelfsunterkunft für Flüchtlinge entstehen.

Unbekannte haben nun einige Plakate und Banner beseitigt und entsorgt. Das berichtete das linke Nachrichtenportal „Indymedia“ am Mittwoch (1). In einer dort veröffentlichten Erklärung heißt es: „Mit unserer Aktion wollen wir deutlich machen, dass rassistische Hetze gegen Flüchtlinge und Migranten in Frintrop keinen Platz hat. Wir werden die Aktivitäten von rassistischen Anwohnern und Rechtsradikalen auch weiterhin beobachten und notfalls dagegen einschreiten“.

„Es ist beschämend, dass derartige Hetzplakate über Wochen hinweg an dem Gebäude angebracht waren“, meint Tessa Kuijer, Pressesprecherin der Antifa Essen Z. „Die Stadt Essen muss dafür sorgen, dass sämtliche Plakate mit fremdenfeindlichen und volksverhetzenden Inhalten so schnell wie möglich entfernt werden. Es kann nicht sein, dass Flüchtlinge, die in Essen Schutz vor Krieg und Verfolgung suchen, bei ihrer Ankunft mit rechten Hetzplakaten begrüßt werden.“

Seit Wochen protestieren rechte Parteien und Teile der Anwohnerschaft gegen die geplante Flüchtlingsunterkunft in Frintrop. Anwohner haben bereits über 1000 Unterschriften gegen die Eröffnung des Flüchtlingsheims gesammelt. Auch die Essener NPD demonstrierte am 07.09. gegen die Unterbringung von Flüchtlingen in dem Stadtteil. Für den kommenden Samstag hat die rechtspopulistische Kleinpartei „PRO NRW“ eine Kundgebung vor dem ehemaligen Schulgebäude angekündigt. Antifaschistische Initiativen rufen ab 12.30 Uhr zu einer Gegenkundgebung auf.

Für mögliche Rückfragen stehen wir unter der E-Mail-Adresse antifaessen<a>riseup.netPost_icon.png gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen und der Bitte um Berichterstattung


(1) https://linksunten.indymedia.org/de/node/96508


NRZ, 3./4. 10.2013: Pro NRW nicht willkommen

Nrz20131003-ProNRW.png

NRZ / Essen,Donnerstag, 03.10.2013

Pro NRW nicht willkommen

Runder Tisch verurteilt geplante Demo der Rechtspopulisten


Von Gerd Niewerth

Dilldorf. In aller Schärfe verurteilt der Runde Tisch Dilldorf die für kommenden Samstag geplante Demonstration der rechtspopulistischen Bewegung „Pro NRW“. Diese sei provokativ und störe den Gemeinschaftsfrieden. „Pro NRW ist in unserem Stadtteil, in unserem Kupferdreh/Dilldorf nicht willkommen!“, macht Jürgen Gentzmer, der Leiter des Runden Tisches in Dilldorf, deutlich.

Gleichzeitig verurteilt der Runde Tisch die „zum Teil beleidigenden und vorverurteilenden Aussagen bezüglich der Heimbewohner“. Pro NRW versuche hier wie auch andernorts, die Sorgen und Ängste der Betroffnenen zu schüren und sie für ihre menschenverachtende Politik zu vereinnahmen, heißt es weiter.

Unterdessen streckt der Runde Tisch die Hand aus zum Dialog. Die Sorgen und Probleme in der Nachbarschaft würden ebenso ernst genommen wie die der Heimbewohner. Der Runde Tisch heiße die Flüchtlinge „im Namen von Gastfreundschaft, christlichem Miteinander und der Hilfe für Not leidende Menschen willkommen und bittet die Anwohner, dieses Willkommen zu teilen“. Geplant seien Kleider- und Spielzeugspenden. Auch Sportvereine wollen sich den Neuankömmlingen öffnen.

Dem Gremium gehören gesellschaftliche Gruppen, Kirchen, Vereine und Verbände an. Die große Resonanz in der Bürgerschaft zeige auch, wie hilfsbereit die Menschen seien. CDU-Ratsherr Dirk Kalweit lobt ferner den parteiübergreifenden Konsens und sagt im Hinblick auf die Pro NRW“-Demo: „Unser Stadtteil zeigt Flagge.“

Verweis zu Gegenaktionen zum Pro NRW Aufmärschen am 5.10

Auf den Seiten von Essen-stellt-sich-quer finden Sie die Berichterstattung über die Aktionen gegen die Aufmärsche von Pro NRW


NRZ, 3./4. 10.2013: „Die hier ankommen, sind Menschen“

NRZ20131003-Menschen.jpg

NRZ / Essen,Donnerstag, 03.10.2013

„Die hier ankommen, sind Menschen“

Zwei Jahre lang stand die Dilldorfschule in Kupferdreh leer. Seit wenigen Tagen dient sie als Behelfsheim für Flüchtlinge. Der Runde Tisch wirbt im Ortsteil für Gastfreundlichkeit


Von Gerd Niewerth

Dilldorf. Hassan legt mit ängstlicher Miene seinen schwarzen Blouson ab, zieht zögernd den Kapuzenpullover über den Kopf und dann das weiße Unterhemd. Zum Vorschein kommen zwei breite Narben auf seiner Brust. Schreckliche Verletzungen, die das ganze Drama des syrischen Bürgerkriegs widerspiegeln. „Ich bin mehrfach gefoltert worden“, berichtet der 27 Jahre alte Schneider. Zusammen mit seiner Frau, den beiden kleinen Kindern (5 Jahre, 11 Monate) und seiner Mutter ist Hassan (Name von der Red. geändert) vor einem Monat nach Deutschland geflohen. Jetzt sind sie in Essen angelandet: im Behelfsheim Dilldorfschule.

Während Hassan mit Händen und Fingern gestikuliert und die Dutzenden Toten in seiner Verwandtschaft aufzählt, kullern seiner 60 Jahre alten Mutter dicke Tränen über die hageren Wangen. „Es sind Freudentränen“, sagt ein Dolmetscher. Freude über die Geborgenheit in Essen, darüber, nach wochenlanger Odyssee endlich ein sicheres Dach überm Kopf zu haben.

Zwei Jahre lang hat die ehemalige Grundschule in der Oslenderstraße leergestanden. Jetzt ist sie binnen weniger Tage zum Asyl für 70 Flüchtlinge geworden – die Hälfte sind Syrer, die anderen Tschetschenen und Inder, Guineer und Mazedonier. Menschen, denen die Verunsicherung in den Augen geschrieben steht. Als würden sie ahnen, dass sie bei so manchem Nachbarn tiefes Unbehagen auslösen könnten.


"Die Narben - das
sind Bajonettstiche.
Anderen haben sie
den Kopf abge-
schnittten"
Hassan ist aus
Syrien geflüchtet.

Geht es nach Menschen wie Jürgen Gentzmer, dem Leiter des Runden Tisches Dilldorf, dann sind die Sorgen der Neuankömmlinge in dieser fast dörflichen Ecke Kupferdrehs ziemlich unbegründet. „Wir wollen Spannung rausnehmen und dafür sorgen, dass das Miteinander mit den Neuankömmlingen in vernünftigen Bahnen läuft“, sagt er.

Im Gemeinschaftsraum hat Heimleiter Ridda Martini (43) soeben eingetroffene Familien aus Tschetschenien in Empfang genommen. Essen ist nach Oldenburg, Bielefeld und Neuss der vierte Einsatzort des engagierten Deutsch-Syrers. Sorgen der einheimischen Bevölkerung vor dem anschwellenden Flüchtlingsstrom und damit auch vor Radau und Vermüllung, möglicherweise sogar vor Diebstahl, kennt er zur Genüge. Doch billige Schwarz-Weiß-Malerei, etwa die heikle Unterscheidung zwischen „guten“ Bürgerkriegs- und „bösen“ Armutsflüchtlingen, weigert er sich mitzumachen. Er sagt: „Die, die hier ankommen, sind Menschen.“

Hassan berichtet von den Gräueln des Bürgerkriegs in seiner kurdischen Heimatstadt Qamishli nahe der türkisch-iranischen Grenze. Militärs und oppositionelle Milizen bombardierten sich gegenseitig, jetzt gebe es gar nichts mehr: kein Wasser, kein Essen, keine Ärzte. Sie, die Zivilisten, gerieten ständig zwischen die Fronten. „Mein Cousin ist von einer Panzergranate getroffen worden, sie haben ihn als Stück Kohle zurückgebracht.“ Ergriffen fügt er hinzu: „Die Narben auf meiner Brust, das sind Bajonettstiche.“ Anderen sei es noch schlimmer ergangen. „Denen haben sie den Kopf abgeschnitten.“

Auf dem Schulhof entwickelt sich derweil eine idyllische Szene. Flüchtlingskinder aus aller Herren Länder turnen ausgelassen auf dem Klettergerüst – und verstehen sich prima. Auch ohne Worte. „Ein Lächeln genügt“, freut sich Ridda Martini.


Firma betreut Behelfsheime rund um die Uhr

„European Homecare“ stellt auch Security

Dilldorf. In den Behelfsheimen Dilldorfschule und Walter-Pleitgen-Schule betritt die Stadt Neuland. In beiden kümmert sich das Unternehmen „European Homecare“ um die Bewohner - und zwar rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche.

In der Dilldorfschule steht Heimleiter Ridda Martini, der einen syrischen Vater und eine deutsche Mutter hat und in Syrien aufwuchs, eine Stellvertreterin zur Verfügung. Er spricht Deutsch, Englisch und Arabisch, sie beherrscht die Sprachen Ex-Jugoslawiens. Unterstützt werden sie von einem privaten Sicherheitsdienst und einem Hausmeister der Stadt. Weil es in der Dilldorfschule keine Küche gibt, muss das Essen angeliefert werden. Essen rechnet in diesem Winter mit 1000 Asylbewerbern.
Bildunterschrift:
 
  • Neuankömmlinge in der Dilldorfschule: Diese syrische Familie ist den Gräuel des Bürgerkriegs entkommen FOTO: UVB
  • Kinder auf dem Klettergerüst. Wo die Worte fehlen, hilft ein Lächeln
  • Narben am Oberarm: Die Stichverletzungen stammen von den Folterern

WAZ 18.09.2013: Privater Sicherheitsdienst für Dilldorfer-Asylunterkunft

WAZ20130918b.png

WAZ / Essen,Mittwoch, 18.09.2013

Privater Sicherheitsdienst für Dilldorfer-Asylunterkunft

Erste Flüchtlinge werden in Kürze erwartet


Voraussichtlich innerhalb der kommenden sieben bis zehn Tagen sollen die ersten Asylbewerber im Übergangswohnheim an der Oslenderstraße in Kupferdreh-Dilldorf einziehen. Dies gab Sozialdezernent Peter Renzel gestern im Sozialausschuss des Stadtrates bekannt. Renzel wartete zudem mit einem Novum auf: Für eine 24—Stunden-Betreuung der Asylbewerber hat die Stadt erstmals ein privates Unternehmen engagiert. Die European Homecare GmbH mit Sitz Am Uhlenkrug 45 sorgt fürs Mobiliar, versorgt die Flüchtlinge drei Mal täglich mit Mahlzeiten und stellt neben Sozialarbeitern auch Sicherheitspersonal. Die Stadt will damit nicht zuletzt Ängsten in der Nachbarschaft vorbeugen.

Kritik äußerte am Rande der Sitzung Kathrin Richter, Vorstandsmitglied von Pro Asyl. Dass die Stadt Sicherheit und Sozialberatung in eine Hand gebe, erachte Pro Asyl als problematisch.

Offen bleibt, ob das Konzept des Sozialdezernenten zur Unterbringung im Rat die nötige Mehrheit findet. Lediglich CDU und FDP signalisierten gestern bereits Zustimmung, während Grüne und Linke das Konzept ablehnen. Sie kritisieren, dass Flüchtlinge bis zu sechs Monate lang Sachmittel statt Geld erhalten sollen, Entscheidend sind damit die Stimmen der SPD-Fraktion. Die ist noch bei der Meinungsfindung.   schy

Link: zum Flüchtlingskonzept

Die Berichterstattung über das Asylkonzept der Stadt Essen wird auf Dieser Seite (weiter-)geführt.


NRZ 14.09.2013: Kommentar: jetzt ist umso mehr Solidarität gefragt

NRZ20130914.png

NRZ / Essen, Rubrik In diesen Tagen,Samstag, 14.09.2013

Kommentar: jetzt ist umso mehr Solidarität gefragt


Von Jörg Maibaum

Man stelle sich eine solche Szenerie vor: Wenige Tage nach der Ankunft der ersten Flüchtlinge in der Notunterkunft an der Oslenderstraße in Kupferdreh baut sich vor den verunsicherten Bewohnern lautstarker Widerstand auf. Rechte fordern unmissverständlich "Asylmissbrauch bekämpfen- Renzel-Konzept umsetzen". Eine solch bedrohlich erscheinende Situation könnte schon bald Realität werden: "Pro NRW" holt am 5. Oktober zum Rundumschlag im Revier aus und hat für Essen zwei Kundgebungen angemeldet. Eine von 13 bis 14 Uhr vor der Walter-Pleiten-Schule in Frintrop, in die bis zu diesem Zeitpunkt noch keine Flüchtlinge eingezogen sein dürften, und die zweite anschließend bis 17 Uhr in Kupferdreh, die noch in diesem Monat belegt werden soll. "Pro NRW" hat seine Auftritte bereits bei der Polizei angemeldet.

Die ersten, die reagierten, waren gestern die Grünen im Rat der Stadt, die die Polizeipräsidentin nun öffentlich auffordern werden, eine solche Kundgebung voller Gefahrenpotential zu untersagen. "Es muss mit allen Mitteln verhindert werden", ließ sich die sozialpolitische Sprecherin der Fraktion der Grünen, Christine Müller-Hechfellner, vernehmen, "dass rechtsradikale Extremisten die Möglichkeit erhalten, ausgerechnet vor einem belegten Flüchtlingsheim ihr braunes Gedankengut zu verbreiten." Die Grünen sehen die öffentliche Sicherheit in der schmalen Sackgasse gefährdet. Ob die Polizei diese Einschätzung teilt, bleibt abzuwarten.

Finden die Kundgebungen statt, wäre es ein Armutszeugnis für die Zivilcourage der Essener, wenn sie den Flüchtlingen durch ihre Anwesenheit nicht deutlich zeigen sollten: Ihr seid nicht allein. Je mehr Menschen die Stadt in Unterkünften unterbringen muss, desto mehr ist die Solidarität der Bürger gefragt, die sich jeder rassistischen Hetze in den Weg stellen müssen um des sozialen Friedens willen.

Der erste Info-Abend der Stadt in Frintrop lässt da hoffen. Er ist friedlich und sachlich über die Bühne gegangen und war von gegenseitigem Respekt und Verständnis geprägt, obwohl die Unruhe unter den Anwohnern eine große ist. Wieder einmal hat sich gezeigt: Nur Transparenz kann Sorgen nehmen.

NRZ 13.09.2013: Wie viele? Woher? Wie lange?

NRZ20130823.jpg

NRZ / Essen,Freitag, 13.09.2013

Wie viele? Woher? Wie lange?

Es gab etliche Fragen an Sozialdezernent Renzel in Frinrop und wenige (neue) Antworten zum Asylkonzept


Von Juli Rathcke

Dicke Luft herrscht am Mittwochabend an der Schlenterstraße in Frintrop, nicht nur weil sich weit mehr Menschen in den Gemeindesaal des Pfarrheims eingefunden haben, als dieser Sitzplätze bietet. Dicht gedrängt und erhitzten Gemüts erwarten über 300 Bürger die für 19 Uhr angekündigte Veranstaltung, zu der Sozialdezernent Peter Renzel eingeladen hat, um sie über das Behelfs-Asyl in der Walter-Pleitgen-Schule zu informieren.

Wer sind die Asylsuchenden? Woher kommen sie? Wie lange werden sie bleiben und unter welchen Bedingungen? Mit diesen Fragen kamen etliche Anwohner - und gingen mit wenig klaren Antworten. Denn viel Neues barg der 45-minütige Vortrag auf 20 Power-Point-Folien mit dem Titel "Unterbringung der Asylbewerber in Essen - Sachstand und Entwicklung" nicht wirklich. Dass die Stadt rund 130 Flüchtlinge bis Ende des Jahres erwartet, ist nunmer unbestritten, "wenn wir aber wüssten, wer diese Menschen sind, dann wären wir schon einige Schritte Weiter", beteuerte Peter Renzel auf mehrfache Nachfrage aus dem Publikum. Das könne man jetzt noch nicht genau sagen, ebenso für welche Dauer sie in der ehemaligen Schule untergebracht werden.


"Nicht perfekt, aber
menschenwürdiger
als jede Turnhalle"
Peter Renzel über die
Behelfseinrichtung in
der Walter-Pleitgen-Schule

Erwartungsgemäß erreiche man den Höchststand Ende Dezember, Anfang Januar. Danach reisen die Ersten wieder aus, werden in dauerhafte Einrichtungen oder Mietwohnungen vermittelt -je nach Einzelfall. Es seien immer Auszüge zu vermerken; aktuell außerdem rund 150 Menschen ausreisepflichtig.

Die Räumlichkeiten an der Walter-Pleitgen-Schule seinen jedenfalls, so betont Renzel mehrfach "aufgrund der Kurzfristigkeit lediglich eine Behelfseinrichtung, die nur als vorübergehende Unterbringung dient". Und auch wenn es bezüglich der Duschcontainer und der Essensversorgung Kritik aus dem Publikum hagelt, das sich vor allem über defekte "unzumutbare" Sanitäranlagen in anderen Schulen ärgert, betont der Sozialdezernent: "Die Schule ist zwar nicht perfekt, aber immer noch menschenwürdiger als jede Turnhalle und jedes Zelt."

"Nehmen Sie unsere Sorgen ernnst!"

Und weil auch die rund 700 Notunterkunfts-Plätze, die Essen aktuell zur Verfügung hat, künftig nicht ausreichen werden und weil die Umrüstung vieler städtischer Immobilien schlicht zu teuer wäre (die NRZ berichtete), startet Renzel einen Aufruf im Saal: Wer Grundstücke und/oder Immobilien in Essen besitze, solle sich doch bitte dringend bei der Stadt melden. Der Spott des Publikums ist ihm sicher. Hielt es schließlich schon die Liste "Stadt Essen hintergeht Frintroper Bürger" samt 1560 gesammelter Unterschriften bereit. "Nehmen Sie unsere Sorgen ernst!", ruft eine Bürgerin.

Andere fordern. "Bringt sie doch in Bredeney unter." Doch der Dezernent gibt zu bedenken: "Wir sind bemüht, die soziale Balance im Stadtgebiet zu halten." Vergleichbare Übergangseinrichtungen gebe es übrigens in elf Stadtteilen. Die 135.000 Asylbewerber, die Deutschland insgesamt erwartet, so Renzel, "werden

uns alle sehr herausfordern.
Bildunterschrift:
Dicke Luft, schon bevor Sozialdezernent Peter Renzel seinen Vortrag über die Pläne für die Walter-Pleitgen-Schule startete: Über 300 Bürger drängten sich ins Frintroper Pfarrheim.   FOTO: SEBASTIAN KONOPKA.

WAZ 13.09.2013 Stadt braucht drei neue Flüchtlingsheime

WAZE13-09-13Frintrop.jpg

WAZ / Essen,Freitag, 13.09.2013

Stadt braucht drei neue Flüchtlingsheime

Die neue Behelfseinrichtung in Frintrop ist erst der Anfang: Essen braucht Plätze für 1000 Asylbewerber. Die Stadt sucht nach bebaubaren Flächen und Privatwohnungen. Zelte wird es nicht mehr geben


Von Christina Wandt

Die Stadt rechnet mit steigenden Asylbewerberzahlen und plant die Einrichtung von drei neuen dauerhaften Übergangswohnheimen. „Wir suchen im ganzen Stadtgebiet nach Flächen, dabei wird es keine Tabus geben“, betonte Sozialdezernent Peter Renzel am Mittwochabend auf einer Bürgerversammlung in Frintrop. In den bestehenden Einrichtungen gebe es 720 Plätze, man brauche aber Platz für 1000 Menschen. Neben den Roma aus Serbien und Mazedonien kämen nun viele Flüchtlinge aus Syrien.

Die neu zu schaffende Behelfseinrichtung in der Walter-Pleitgen-Schule, die in Frintrop für große Unruhe gesorgt hatte, werde wohl schon Anfang Oktober belegt. Dass sie später zu einer der drei Dauereinrichtungen werden könne, wollte Renzel nicht ausschließen. „Dazu müssen wir die Prüfung abwarten.“

Der Dezernent verteidigte auch die bisherige Informationspolitik der Stadt: Man habe Ende Juli einen klaren Anstieg der Flüchtlingszahlen gegenüber dem Vorjahr bemerkt und die städtische Immobilienwirtschaft beauftragt, mögliche Standorte zu prüfen. „Hätten wir gleich alle benannt, wären wir aus den Bürgerversammlungen nicht rausgekommen.“ Am Ende sei nur die Pleitgen Schule in wenigen Wochen und zu vertretbaren Kosten umzurüsten gewesen. Die Entscheidung habe man am 6. September getroffen und sofort öffentlich gemacht.

Der Umbau der Schule werde rund 250 000 Euro kosten, das Gros der Kosten entfalle auf einen Duschcontainer sowie den Brandschutz. Den Frintropern, die sich nach wie vor über das Auslaufen ihrer Schule ärgern, machte Renzel klar, dass man keinen Luxus-Umbau betreibe: Zwölf Menschen teilten sich einen Klassenraum. Man wolle die Unterkunft so menschenwürdig wie möglich gestalten, darum erhalte man auch die Spielgeräte auf dem Hof.

Renzel nahm die Sorgen der Frintroper ernst, betonte aber, dass die Stadt die Asylbewerber aufnehmen müsse. Er warb vor allem für die syrischen Flüchtlinge: „Sie kommen aus blanker Not.“ Die Unterkunft werde rund um die Uhr betreut, damit die Bewohner zu Ruhe kommen könnten und garantiert sei, dass sie die Spielregeln einhalten. Weitergehende Kontrollwünsche wies Renzel zurück: „Wir bauen eine Behelfseinrichtung — keinen Knast.“


„Wir bauen
hier eine
Behelfseinrichtung
und keinen Knast“
Sozialdezernent Peter Renzel zu
Kontrollwünschen der Anwohner

Bei den dauerhaften Flüchtlingsheimen gibt es keine vergleichbare 24—Stunden-Betreuung. Um auf die gestiegene Zahl der Anwohner-Beschwerden zu reagieren, wird die Stadt hier in Zukunft ihre Servicegesellschaft RGE abends und am Wochenende auf Streife schicken: „Wir brauchen eine stärkere Durchsetzung der Hausordnung“, sagte Renzel. Gleichzeitig appellierte er an Vermieter und Wohnungsgesellschaften, Privatwohnungen für all jene Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen, die mindestens ein Jahr in Deutschland bleiben. Bei allen Schwierigkeiten sei eins klar: „Plätze in Turnhallen und Zelten wird es nicht mehr geben.“


Die Stadt hat ein Bürger-Telefon eingerichtet. 88 50 743


Kommentar: Renzels Überzeugungsarbeit

WAZE13-09-13FrintropKomm.jpg


Von Christina Wandt

Der Stadt steht ein Kraftakt bevor, wenn sie nun drei neue Dauereinrichtungen für Asylbewerber schaffen muss. An keinem der Standorte werden die Anwohner in Jubel aus brechen, überall wird es zunächst Angst und Ablehnung geben.

Wie man beides ausräumen oder doch abmildern kann, hat Sozialdezernent Peter Renzel am Mittwochabend in Frintrop vorgemacht. Mehr als zwei Stunden nahm er sich Zeit für einen zahlensatten Vortrag und die Beantwortung aller Fragen. Etwa der, warum die Stadt bis vor wenigen Jahren noch Flüchtlingsheime abgewickelt hat und nun dringend neue braucht.

„Weil wir nicht jahrzehntelang leerstehende Heime erhalten können, die sich zu Schandflecken entwickeln.“ Man erinnere sich, dass Essen in den 1990er Jahren 5000 Menschen aufnahm und die Zahl dann bis auf 250 sank. Klar, dass man da viele Heime abriss.

Der Blick zurück ermutigt aber auch: Wenn es der Stadt gelang, 5000 Flüchtlinge aufzunehmen, sollten wir heute auch auf die erwarteten 1000 zugehen können. In Frintrop sind jetzt auch die Stimmen derjenigen zu hören, die den Flüchtlingen helfen wollen, die einen Runden Tisch planen. Andernorts hat das schon zu einem friedlichem

Miteinander beigetragen.
Bildunterschrift:
Voll besetzt war der Gemeindesaal von St. Joseph in Frintrop, als der Sozialdezernent sich den „Bürgern stellte.   FOTO: KONOPKA.

NRZ 12.09.2013 Mehr Sicherheit für alle Asylheime

NRZE20130912.jpg

NRZ / Essen,Donnerstag, 12.09.2013

Mehr Sicherheit für alle Asylheime

Stadt führt flächendeckend Streifendienst ein und sucht Grundstücke für Neubauten oder Container


Von Jörg Maibaum

Sie sollen die Flüchtlinge und deren Unterkünfte vor Übergriffen schützen, die Hausordnung durchsetzen den Brandschutz im Auge und für die möglichen Probleme der Anwohner ein offenes Ohr haben: Mit regelmäßigen Patrouillen ihres hauseigenen Dienstes an allen regulären Essener Asylheimen will die Stadt künftig für mehr Sicherheit und Ruhe sorgen. Gleichzeitig sollen die immer wieder beklagten Verunreinigungen rund um die Standorte ebenfalls durch die Mitarbeiter der RGE Servicegesellschaft eingedämmt werden.

Privater Dienstleister

Der zu erwartenden Flüchtlinge in den beiden neuen Notunterkünften in Kupferdreh und Frintrop wird sich hingegen ein privates Unternehmen annehmen. Die European Homecare GmbH mit Sitz in Esen kümmert sich um die 80 Menschen in der Dilldorfschule in Kupferdreh und die bis zu 135 neuen Bewohner der Walter-Pleitgen-Schule in Frintrop. Der international aktive Dienstleister bietet sozusagen einen Vollservice an mit einer Betreuung durch Sozialarbeiter, einer Essensversorgung und einem Sicherheitsdienst, der rund um die Uhr im Einsatz sein soll. Kosten? Nicht bekannt.

Dies alles geht aus einem neuen Konzept zur künftigen Unterbringung von Asylbewerbern hervor, das Sozialdezernent Peter Renzel gestern den Ratsfraktionen zur Kenntnis reichte, bevor er sich am Abend auf einer Versammlung mit mindestens 300 Bürgern in Frintrop den Fragen zur Walter-Pleitgen-Schule stellte. Wer kommt wann wohin, und wer wird wie und für wie lange untergebracht, wollten die Anwohner wissen und übergaben Renzel eine Liste mit 1560 Unterschriften. Darüber stand: "Stadt Essen hintergeht Frintroper Bürger".

Bei der anschließenden Diskussion im Gemeindesaal aber auch in dem städtischen Papier wurde und wird deutlich, dass allein die Walter-Pleitgen-Schule zur kurzfristigen Unterbringung der steigenden Zahl von Asylbewerbern in Frage kommt. So zumindest die Darstellung der Stadt: Während sich dort die Kosten für Umbauten, Schöheitsreparaturen und einen Duschcontainer mit 250.000 Euro in einem vergleichsweise überschaubaren Rahmen halten, wurden weitere zehn Standorte geprüft, aber wieder verworfen, weil eine Sanierung nicht nur zu lange gedauert, sondern auch mehrere Million Euro verschlungen hätte - etwa an der Bärendelle, an der Grimberg-, der Flöz- oder der Seumannstraße.

Da die Zahl nutzbarer eigener Immobilien damit auf ein absolutes Minimum geschrumpft ist, schaut sich die Stadt derzeit zusätzlich nach geeigneten Grundstücken um. Denn sowohl Neubauten als auch Container, die dort errichtet werden könnten, gelten auf Sicht als Auswege aus der Asylklemme. Bis Ende des Jahres will man fündig geworden sein. Selbst an Zelte wurde kurz gedacht.

Dennoch: Nach NRZ-Informationen ist es inzwischen alles andere als ausgeschlossen, dass die zur Zeit nur als Notunterkünfte eingestuften Schulen in Kupferdreh und Frintrop durchaus für eine dauerhafte Unterbringung von Asylbewerbern vorgesehen sind.

Die jüngsten Entwicklungen zwingen die Stadt jedenfalls zum schnellen Handeln: Wie die NRZ berichtete, werden nach aktuellen Schätzungen im kommenden Winter rund 1000 Plätze und im Jahr darauf 1200 Unterbringungsmöglichkeiten für Flüchtlinge benötigt. Zur Zeit stehen rund 700 reguläre Kapazitäten zur Verfügung.

Nicht allzu erfolgreich endeten bislang die Bemühungen, die Menschen über eine intensivere Zusammenarbeit mit den Unternehmen Allbau und Vivawest in Wohnungen zu vermitteln: 23 Flüchtlinge konnten im vergangenen und laufenden Jahr auf diesem Weg ein Übergangswohnheim verlassen und Platz schaffen für Neuankömmlinge. Das soll bei den seit Ende Juli der Stadt Essen neu zugewiesenen 149 syrischen Asylbewerbern künftig besser laufen. Die Menschen, die im Rahmen der humanitären Hilfen aufgenommen werden, haben einen Anspruch auf reguläre Sozialleistungen und können daher direkt in eine Wohnung ziehen, so die Darstellung der Stadt: "Die Vermittlung in Wohnraum ist daher verstärkt in den Fokus zu nehmen", heißt es. Man will vorbereitet sein: Gestern erreichten am Flughafen Hannover die ersten 107 der 5000 syrischen Flüchtlinge, die von der Bundesrepublik per Charterflug aus der Krisenregion geholt werden, deutschen Boden.

Mehr zu gestrigen Asyldebatte in Frintrop in der morgigen Ausgabe
Bildunterschrift:
Ob das Übergangsheim an der Worringstraße zur zentralen Erstaufnahmeeinrichtung wird, entscheidet sich auf der Ratssitzung nach der Bundestagswahl   FOTO VAHLENSIECK

WAZ 12.09.2013 Rat entscheidet über neues Asylkonzept

WAZE20130912.png

WAZ / Essen,Donnerstag, 12.09.2013

Rat entscheidet über neues Asylkonzept

Stadt plant drei dauerhafte Unterkünfte


Über das umstrittene Asylkonzept, das der Sozialausschuss im Juli vertagt hatte, wird nun doch nicht von dem Ausschuss entschieden, sondern am 25. September im Rat. Nun hat auch das Rechtsamt diese Empfehlung ausgesprochen. Damit wird die Entscheidung nicht im Wahlkampf, sondern erst nach der Bundestagswahl gefällt. Das Konzept sieht vor, dass Asylbewerber in den ersten drei Monaten Sachleistungen statt Bargeld erhalten und zentral untergebracht werden.

Bei einer Bürgerversammlung gestern Abend in Frintrop wollte Sozialdezernent Renzel nicht ausschließen, dass die dort als Notunterkunft ausgewählte Walter-Pleitgen-Schule möglicherweise langfristig als Asylheim genutzt wird. Die Stadt suche drei Gebäude zur dauerhaften Unterbringung der Flüchtlinge.

In einer neuen Vorlage hat die Verwaltung auch Immobilien aufgeführt, die als Behelfseinrichtung geprüft werden: Markscheideschule, Lentorf-, Bernhard-, Einigkeits-, Seimann-, Flöz-, Grimberg-, Schwanhildenstraße, Tiegelschule und Bärendelle. Sie alle galten aus baulichen oder Kostengründen als nicht geeignet. Andere Standorte konnten nicht schnell genug eingerichtet werden. Sie sind nun wieder in der Verlosung: Die Kapazitäten der Pleitgen-Schule und der Dilldorfschule werden nicht ausreichen  wan

Vor der Bürgerversammlung am 11.09. 2013

Pro Asyl Essen: 11.09.2013 Flugblatt Menschenwürde auch für Flüchtlinge

Pro Asyl / Flüchtlingsrat Essen
 Proasyl.gif
Friedrich-Ebert-Str. 30
45127 Essen
Tel: 0201 - 205 39
Fax: 0201 - 23 20 60

Menschenwürde auch für Flüchtlinge


Angesichts steigender Flüchtlingszahlen ist die Diskussion über die Unterbringung von Flüchtlingen auch in Essen voll entbrannt. Durch den stetigen Abbau von Flüchtlingsunterkünften in Essen haben Verwaltung und Politik versäumt, Reserven vorzuhalten.

Dies zeugt von kurzsichtiger Planung. Da die vorhandenen Kapazitäten aktuell nicht mehr ausreichen, müssen nun Notunterkünfte, wie z.B. die ehemalige Walter-Pleitgen-Schule oder die Dilldorfschule, kurzfristig und behelfsmäßig hergerichtet werden.

Forderungen aus Verwaltung und Politik, man müsse über schlechtere Versorgung der Betroffenen für Abschreckung sorgen, schüren so manches Vorurteil. ProAsyl/Flüchtlingsrat Essen fordert die politischen Entscheidungsträger der Stadt Essen auf, die Debatte um angeblichen Asylmissbrauch nicht weiter anzufachen und Flüchtlinge in unserer Stadt menschenwürdig unterzubringen.

Angesichts der weltweit 45 Millionen Flüchtlinge ist dies ein kleiner, aber wichtiger Beitrag unserer Stadt.

Wir fordern:

  • Notunterkünfte - wie die Schule - dürfen keine Dauereinrichtung werden
  • humane Unterbringung von Flüchtlingen mit abgeschlossenen Wohneinheiten
  • Einhaltung von Hygienestandards und ein Recht auf Intimsphäre
  • Einhaltung der vom Essener Rat beschlossenen Belegungsdichte von 8 m2 / Person
  • Verzicht auf Sachleistungen und Auszahlung von Barleistungen
  • Verzicht auf Massenunterkünfte
  • Gleichmäßige Unterbringung von Flüchtlingen in allen Essener Stadtteilen
  • vorrangige Unterbringung in Privatwohnungen
  • Ausbau der sozialen Betreuung und Anbindung an den Stadtteil durch stadtteilorientierte soziale Arbeit und runde Tische

Wir fordern die Essener Bürgerinnen und Bürger auf, die Flüchtlinge in ihrer schwierigen Lebenssituation in Essen willkommen zu heißen und zu unterstützen.


WAZ 09.09.2013 Leserbrief: Keine Kriminellen

WAZE20130909lb.png

WAZ / Essen, Rubrik Leserforum,Montag, 09.09.2013

Leserbrief: Keine Kriminellen


Asylbewerber. Bürgern, die eine Erhöhung der Kriminalität befürchten‚ wenn Kriegsflüchtlinge Nachbarn werden, kann mit einem Blick auf die Tatsachen geholfen werden: Erfahrung und Polizeistatistik bestätigen ihre Sorge nicht. Zieht man die Verstöße gegen das Asyl- und Ausländerrecht ab, gegen das Deutsche ja nicht verstoßen können, gibt es bei Flüchtlingen nicht mehr Gesetzesverstöße als bei den Einheimischen. Verdächtigungen kommen dagegen häufiger vor, weil diese oft traumatisierten Menschen von vielen mit Vorurteilen beobachtet werden. Wenn dann etwas passiert, sind erst einmal sie schuld, Das kann - wie die Morde des NSU zeigen - sogar so weit gehen, dass zunächst die Opfer kriminalisiert werden.

Bernhard Trautvetter, Essen

NRZ 09.09.2013 "Keine Hetze in Frintrop"

NRZE20130909a.jpg

NRZ / Essen,Montag, 09.09.2013

"Keine Hetze in Frintrop"

250 Bürger protestierten am Samstag mit dem Bündnis "Essen stellt sich quer" gegen die NPD. Obwohl sie sich lautstark gegen die Rechten stellten, bleibt das Flüchtlingsheim ein Streitthema


von Pascal Hesse "Geht dahin, wo ihr hergekommen seid. Ihr habt in Frintrop nichts verloren", "Macht Euch vom Acker" und "Nazis raus" hallt es am Samstagnachmittag lautstark durch Frintrop. Dazu sind Glocken, Trommeln und Trillerpfeifen zu hören, Pfiffe und "Buh"-Rufe. Wer sich dem Frintroper Markt nähert, der merkt rasch: Hier wird demonstriert - auf der einen Seite wettern rund 25 Anhänger der NPD dagegen, in der früheren Walter-Pleitgen-Schule im Stadtteil rund 100 Flüchtlinge unterzubringen. Auf der anderen Seite, getrennt von Polizei und Absperrung, protestieren mehr als 250 Bürger gegen die Rechten - lautstark und friedlich.

Trotz zahlreicher Wahlkampfaktionen, die parallel in der Stadt stattfinden, ist es ein breites Bündnis gegen Rechts, das sich in Frintrop zusammenfindet: SPD und Jusos, Grüne, Linke, DKP, Flüchtlingsrat Pro-Asyl "Essen stellt sich quer", Antifa, DIDF-Jugend, Borbecker und Frintroper Kirchengemeinden udn Pfadfindnern. Unter ihnen sind die Bundestagskandidaten Elke Zeeb (Grüne) und Arno Klare (SPD), Bezirksbürgermeister Helmut Kehlbreier(SPD) und sein Vize Thorsten Drewes(Grüne), Rainer Marschan, Chef der SPD-Ratsfraktion, seine Ratskollegin Karla Brennecke Roos, Ratsherr Walter Wandtke(Grüne) sowie die Linken Ratsleute Gabriele Giesecke und Wolfgang Freye, um nur einige zu nennen. Einer, der sich zusammen mit seiner Tochter ebenfalls einen Eindruck vom Treiben in Frintrop verschafft, ist NRW-Justizminister Thomas Kutschaty(SPD).


"Die Informations-
politik der Stadt ist
mangelhaft"
Max Adelmann, Sprecher
beim Bündnis
"Essen stellt sich quer"

Kathrin Richter, Vorsitzende von "ProAsyl", wirbt bei der Gegendemo für die "Menschenwürde auch für Flüchtlinge" und geht auf Konfrontationskurs mit der Stadt: "Durch den ständigen Abbau von Flüchtlingsunterkünften in Essen haben Verwaltung und Politik versäumt, Reserven vorzuhalten." Dies zeuge von einer kurzsichtigen Planung. ProAsyl fordert unter anderem, dass Notunterkünfte in Schulen keine Dauerlösungen bleiben dürfen, Flüchtlinge vielmehr human untergebracht werden, vorrangig in Wohnungen, auch um ein Recht auf Intimsphäre und Hygienestandards zu gewährleisten. Auf Sachleistungen müsse verzichtet, vielmehr weiterhin Barleistungen ausgezahlt werden. Außerdem sollten Flüchtlinge gleichmäßig in allen Essener Stadtteilen untergebracht werden.

Obwohl viele Frintroper deutlich gegen die NPD Stellung beziehen, fällt eine Gruppe mit mehreren Dutzend Menschen am Rande der Gegendemo auf. Dort ist die geplante Notunterkunft im Stadtteil ein streitbares Thema, das ganz offensichtlich verborgene Ängste schürt.

"kommt das Heim, können wir unsere Kinder nicht mehr auf die Straße lassen", meint Monique Groß (38), seit 21 Jahren Frintroperin. "Die sollen woanders hin, meinetwegen nach Bredeney, aber nicht zu uns". Ebenfalls besorgt ist Kirstin Zimmer (43), die seit ihrer Geburt in Frintrop lebt: "Wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt und von der Stadt nicht richtig informiert." Mit ihrer Einstellung sind die beiden Frauen nicht alleine im Stadtteil. weiter Lokalseite 2

Alles eine Frage der Information
"Essen stellt sich quer" kritisiert die Stadt

NRZE20130909aa.png Fortsetzung von Seite 1
"Ich bin nicht rechts und ganz sicher kein Nazi", sagt Bettina Blowel (42), "und ich will mich nicht als solcher beschimpfen lassen, nur weil ich hier kein Heim haben will." Vor 19 Jahren zog sie nach Frintrop, ihre Kinder schickte sie in die Walter-Pleitgen-Schule. "Die sanitären Anlagen waren grottenschlecht, wir Eltern haben im Schulhaus vieles selbst gemacht und auch gestrichen. Für die Flüchtlinge wird nun alles auf Kosten des Steuerzahlers neu gemacht: das verstehe ich nicht", so Blowel. Sie ist gegen die Notunterkunft und fühlt sich von der Stadtverwaltung veralbert: "Die Informationspolitik ist grottenschlecht, das Allerletzte. Uns wurde jüngst erzählt, es sei noch nichts entschieden. Aber da wurden bereits Betten in die Schule hinein getragen, wie mir der Hausmeister erzählte." Wo die Flüchtlinge stattdessen hin sollen? Darauf hat sie keine Antwort. Wie viele, die gegen die Notunterkunft wettern.

Für Max Adelmann, Sprecher von "Essen stellt sich quer", ist diese verfahrene Situation "logisch begründbar durch die mangelhaften Informationspolitik der Stadt". Das Unwissen vieler Anwohner bringe ihre verborgenen Ängste hervor und sorge für Unmut. Den Rechten und ihrer "Propagandashow" helfe dies nur, "ihre armselige Politik unter die Leute zu bringen". Trotz dieser Umstände gebe es auch viele, die helfen wollen, wie Vertreter der Kirchen und die St. Georgs-Pfadfinder. Sie wollen für die Flüchtlinge sammeln. pHes
Bildunterschrift:

  • Daumen runter für die NPD: Damit die Rechten kein Gehör bekommen, pfiffen und riefen viele Bürger am Samstagnachmittag auf dem Frintroper Markt   FOTO KERSTIN KONOSKA
  • Erst abgesperrt, dann aufgebaut: Viel zu tun hatten die Polizisten auf dem Frintroper Markt nicht. Kundgebung und Gegendemonstration mit vielen Frintroper Bürgern verliefen friedlich.
  • Dass in Frintrop nicht alle mit einer Notunterkunft für Flüchtlinge einverstanden sind, zeigt dieses Transparent Text: "Kein Asylheim ..(unleserlich).. Kinder"
  • Mancher Gegendemonstrant bekräftigte mit eigenen Plakaten seine Meinung. Text: "Keine Hetze in Frintrop"

WAZ 09.09.2013 Bürger demonstrieren gegen Rechts

WAZE20130909.jpg

WAZ / Essen,Montag, 09.09.2013

Bürger demonstrierten gegen Rechts

Das geplante Asylbewerberheim sorgt für Unmut in Frintrop. Der Versuch der NPD, in dem Stadtteil auf Stimmenfang zu gehen, verfängt aber nicht


von Markus Grenz

Rund 250 Frintroper, Politiker und engagierte Bürger aus dem ganzen Stadtgebiet folgten am Samstag dem Aufruf zur Gegendemonstration von "Essen stellt sich quer" und pfiffen, trommelten und schrien 25 NPD-Vertreter auf dem Frintroper Markt nieder. Die hatten sich den Stadtteil für ihren Stimmenfang ausgesucht, weil es dort derzeit wegen der geplanten Unterbringung von Asylbewerbern in der früheren Walter-Pleitgen-Schule mächtig brodelt. Trotz der aufgeheizten Stimmung verlief der Nachmittag laut Polizei friedlich.

"Ich bin hier, weil ich nicht möchte, dass die NPD mit ihrer falschen Sicht zu Wort kommt" erklärt die Frintroperin Cornelia Raabe, während sich um sie herum die übliche Choreographie von Kundgebung und Gegenkundgebung abspielt: Beide Lager stehen sich gegenüber, die Rechten abgeriegelt von der Polizei. Ruhepausen wechseln sich ab mit den hartnäckigen Versuchen der kahlen Clique, mit Mini-Verstärker gegen den ohrenbetäubenen Lärm der Gegendemonstranten anzukommen. Dazwischen dröhnt Rechtsrock aus der Konserve - der klingt auf dem gesperrten Marktplatz, auf dem nur die Rechten und die Polizisten stehen, so richtig schaurig.

Die Stimmung im Stadtteil ist ohnehin angespannt,das wissen die braunen Stimmenhascher. Ob sie aber mehr als nur heisere Kehlen mit nach Hause nehmen, ist die Frage: "Die können wir in Frintrop überhaupt nicht gebrauchen", hört man immer wieder, wenn man durch die dicht an dicht stehenden Anwohner läuft.


"Mit Engagement
aus Frintrop kann
das gelöst werden"
Cornelia Raabe sieht keine
unüberwindbaren Probleme
im Stadtteil

Dennoch: Auch wenn die Kameraden von der NPD im Stadtteil nicht willkommen sind - die bis zu 130 Asylbewerber, die voraussichtlich ab Ende Oktober in den Stadtteil kommen sollen, sind es in den Augen vieler Demo-Besucher aus Frintrop auch nicht. Die Entscheidung der Stadt, die jüngst auslaufende Walter-Pleitgen-Grundschule als Unterbringungsort auszuwählen, stößt bei vielen auf Unverständnis. "Ich kenne keinen der sagen würde, er hätte nichts dagegen", sagt der Frintroper Carsten Preuß. "Die Kriminalität wird ansteigen", fürchtet Kevin Kaminski. Cornelia Raabe ist die Stimmung in der Nachbarschaft nicht entgangen. "Ja, das ist ein Problem. Aber mit Hilfe der Stadt und Engagement aus Frintrop - etwa der örtlichen Josef-Gemeinde - kann das hier gelöst werden", sagt sie.

Wie viele andere Demonstranten, ist sie derzeit nicht gut auf die Verwaltung zu sprechen. Der Frintroper Werner Bahrmann erklärt: "Die Leute hier sind einfach verunsichert und fühlen sich überrumpelt." Die Stadt will auf einer Bürgerversammlung am kommenden Mittwoch einiges erklären und auffangen müssen. Denn der Unmut vieler Frintroper über die Informationspolitik ist groß.


Die Stadt lädt am kommenden Mittwoch, 11. September, ab 19 Uhr, zur Info-Veranstaltung in den Gemeindesaal der St. Josef-Kirche, Schlenterstraße 18.
Bildunterschrift:

  • Abgeriegelt: Die Polizei trennte NPD-Vertreter und Gegendemonstranten, und sperrte darum den Frintroper Markt am Samstag ab.   FOTOS: KERSTIN KOKOSKA
  • wenn Asylbewerber in einem Wohngebiet untergebracht werden, sind die Hetzer nicht weit. Dagegen setzten sich engagierte Bürger mit Plakaten zur Wehr (Plakattext: "keine Hetze in Frintrop")

Essen-stellt-sich-quer 07.09.2013: Pressemitteilung. Erfolgreiche Kundgebung

Bündnis gegen Rassismus und Rechtsradikalismus



Erfolgreiche Kundgebung von
Essen stellt sich quer
gegen die NPD in Essen-Frintrop
EqLogoKastenTrans160.png
Im Büro des Anti-Rassismus-Telefons
Friedrich-Ebert-Str. 30,45147 Essen
Telefon/Fax: 0201-232060
www.essen-stellt-sich-quer.de
info<a>essen-stellt-sich-quer.dePost_icon.png
www.facebook.com/pages/
Essen-stellt-sich-quer

Essen, 7. September 2013

Mehr als 250 Bürger, davon erfreulich viele ( > 50% ) aus Frintrop, protestierten heute Nachmittag am Frintroper Markt gegen die Kundgebung der NPD. Der Protest war bunt, laut und friedlich.

Der Sprecher von Essen stellt sich quer, Max Adelmann, stellte dies auch in seiner Kundgebungseröffnung fest und freute sich besonders über die große Zahl der Frintroper Bürger/innen bei der Gegenkundgebung.

Weiter führte er aus:

  • Die NPD ist generell gegen Flüchtlinge und möchte sie auf keinen Fall in Deutschland haben. Egal wo.
Sie versucht Ihren berechtigten Unmut über eine mangelhafte Informationspolitik der Stadt Essen zu nutzen um ihre ganz eigenen Ziele zu verfolgen. Die NPD möchte einen Keil zwischen Anwohner und Flüchtlinge treiben, die in Kürze hier in der „Walter-Pleitgen-Schule“ befristet untergebracht werden sollen. Es soll ein Klima der Angst und Voreingenommenheit erzeugt werden. Dies können und wollen wir nicht unterstützen.
  • Deshalb machen wir heute hier unsere Kundgebung
Es gibt weltweit ca. 45 Millionen Flüchtlinge. Wenn davon nur 1000 bis Jahresende in Essen ankommen ist dies der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Wenn unser Innenminister Friedrich so generös wäre wie Schweden, dass 8000 syrische Flüchtlinge aufnimmt, müssten wir in Deutschland 75000 aufnehmen und keine kümmerlichen 5000 dieser Kriegsflüchtlinge.
  • Fehler der Stadtverwaltung
Jahrelang wurden Flüchtlingsunterkünfte in Essen abgebaut. Nun ist die Stadt durch eine steigende Zahl von Flüchtlingen in die Situation gekommen wieder Notunterkünfte einrichten zu müssen. War dies schon keine vorausschauende Politik, so ist zusätzlich die mangelhafte Informationspolitik der Stadt Essen gegenüber den Bürgern anzuprangern. Die Forderungen aus der Verwaltung Flüchtlinge durch Sachleistungen „abzuschrecken“ ist unmenschlich. Solche Konzepte fördern die falsche Debatte um angeblichen „Asylmissbrauch“ den es, so wie NPD oder Pro NRW beschreiben einfach nicht gibt.
  • Die aktuell notwendigen Notunterkünfte (Dilldorfschule in Kupferdreh und die Walter-Pleitgen-Schule hier in Frintrop) können und dürfen keine Dauereinrichtung werden!
    Deshalb schließen wir uns den Forderungen von ProAsyl an:
    • humane Unterbringung von Flüchtlingen mit abgeschlossenen Wohneinheiten
    • Einhaltung von Hygienestandards und ein Recht auf Intimsphäre
    • Einhaltung der vom Essener Rat beschlossenen Belegungsdichte von 8 m² / Person
    • Verzicht auf Sachleistungen und Auszahlung von Barleistungen
    • Verzicht auf Massenunterkünfte
    • Gleichmäßige Unterbringung von Flüchtlingen in allen Essener Stadtteilen
    • vorrangige Unterbringung in Privatwohnungen
    • Ausbau der sozialen Betreuung, Anbindung an den Stadtteil durch stadtteilorientierte soziale Arbeit und runde Tische
  • Wir bitten Sie, die Flüchtlinge in ihrer schwierigen Lebenssituation in Essen willkommen zu heißen, und der NPD hier und heute eine Abfuhr zu erteilen. Deren Vorstellungen von Flüchtlingspolitik haben mit Menschlichkeit nichts zu tun.

Es folgten Beiträge von Kathrin Richter für Pro Asyl, Ahmad Omeirat von Bündnis90 – Die Grünen, Gabriella Guidi vom Anti-Rassismus-Telefon Essen und Wolfgang Freye Stadtrat für Die LINKE.
So bunt wie die Rednerliste war auch das Publikum: SPD, Jusos, Falken, DIDF-Jugend, Grüne, St. Georgs-Pfadfinder, DKP, mitten drin als Zuschauer und Teilnehmer auch die lokale Prominenz, z. B. Bezirksbürgermeister Kehlbreier und Landesjustizminister Kutschaty und all die vielen Bürgerinnen und Bürger des Stadtteils.

Als die NPD ihre Hetztiraden gegen Migranten und Flüchtlinge begann, ging dies in ohrenbetäubendem Lärm unter. Und dies 2 Stunden lang…
Überhaupt hatte die NPD wohl nur mit Mühe die gemeldete Teilnehmerzahl von 30 erreichen können, denn es waren viele „Reisedemonstranten“ u. a. die bekannten Gestalten aus Krefeld, Kleve und Gelsenkirchen dabei.

Im Gegensatz zum Gelände der NPD war das der Gegenkundgebung von Essen stellt sich quer nicht von der Polizei eingezäunt, was einige NPD Sympathisanten und auch stadtbekannte Neonazis nutzen wollten, um vom Rande des Geländes aus zu stören.
Der Kundgebungsleiter von Essen stellt sich quer verwies daraufhin mehrere dieser Leute vom Kundgebungsgelände. Als diese der Anweisung nicht Folge leisteten, trat die Polizei auf den Plan und erledigte ihren Job unter Beifall der Umstehenden.

Im Vergleich zu diversen Einsätzen der Polizei in den letzten Monaten in Essen, hat Essen stellt sich quer festgestellt, dass dieses Mal der Einsatz der Polizei weitgehend korrekt und ohne Nickeligkeiten und Provokationen verlief. Das ist schon mal ein Anfang, um wieder zu einem entspannten Verhältnis zu kommen.

Nun bleibt zu hoffen, dass alle Beteiligten in Frintrop in der kommenden Woche eine sachliche Bürgerversammlung mit vielen ausführlichen Informationen durchführen damit die Rechtspopulisten und Rechtsextremen in Frintrop keinen nennenswerten Einfluss erlangen.
Wir werden weiterhin darauf aufpassen.


Pro Asyl 07.09.2013: Rede auf der Gegendemonstration

Kathrin Richter sprach für Pro Asyl Essen auf der Demonstration gegen den NPD-Aufmarsch in Frintrop. Hier veröffentlichen wir ihr Redemanuskript
Dass so viele Menschen heute hierher gekommen sind, und nicht dort drüben stehen, ist für mich ein Zeichen, dass es ihnen nicht gleichgültig ist, wie das Land aussieht, in dem wir leben wollen.

Es ist für mich ein Zeichen, dass sie nicht auf die unsäglichen Parolen „Asylmissbrauch“, „Asylflut“ hereinfallen.
Es ist für mich ein Zeichen , dass sie nüchtern sehen, dass Deutschland nur einen winzigen Anteil der weltweiten Flüchtlinge aufnimmt,
dass die von der Verwaltung genannten Flüchtlinge in den Heimen gerade einmal 0.13 % unserer Stadtbevölkerung ausmachen.
Welch eine Flut!!!!

KRichter20130907.jpgHeute stehen wir in Frintrop, weil in der Walter-Pleitgen-Schule 130 Flüchtlinge behelfsmäßig untergebracht werden sollen. Flüchtlinge aus Bürgerkriegesgebieten, Flüchtlinge, die wegen ihrer Religion verfolgt sind, Flüchtlinge, die wegen ihrer Volkszugehörigkeit in ihrer Heimat keinen Zugang zu der Grundversorgung wie Wohnung, Wasser, Arztbehandlung, Schule hatten. Diese Menschen suchen bei uns Schutz.

Schon vor zwei Jahren hat die Landesregierung die Kommunen aufgefordert, mehr Plätze für Flüchtlinge bereit zu halten.
Viel zu spät und zu langsam hat sich Essen auf die zu erwartenden Flüchtlinge eingestellt. Dauerhafte Unterkünfte für menschenwürdige Aufnahme fehlen nun noch in Essen. Deshalb müssen jetzt im Eiltempo behelfsmäßig Notunterkünfte geschaffen werden. Dabei werden die bisher selbstverständlichen Standards aufgegeben.

  • Wir fordern, dass die Flüchtlinge schnellstens aus den Behelfsunterkünften wie Schulen ausziehen, in ordentliche Flüchtlingsheime oder Mietwohnungen.
  • Wir fordern, dass mit Druck an der Einrichtung von Regelunterkünften gearbeitet wird – gleichmäßig auf das Stadtgebiet verteilt.
  • Wir fordern, dass dabei die bisherigen Maßstäbe nicht verschlechtert werden.
  • Wir fordern den Ausbau der Betreuung und die Anbindung an den Stadtteil durch runde Tische.

ProAsyl fordert die politischen Entscheidungsträger der Stadt Essen auf, nicht durch populistische Aussagen den Eindruck zu erwecken, Flüchtlinge seien eine Bedrohung.

Lasst uns weiter aktiv im Gespräch mit Nachbarn, Arbeitskollegen und auch den Politikern für ein respektvolles Miteinander aller Menschen in Essen eintreten.


Grüne Essen 07.09.2013: Rede auf der Gegendemonstration

Ahmad Omeirat sprach für Die Grünen / Bündnis 90 auf der Demonstration gegen den NPD-Aufmarsch in Frintrop. Hier veröffentlichen wir den Text vom youtube-Mitschnitt ( http://youtu.be/5exXi2kXS4c )
Einen schöne guten Tag an alle Anwesenden

Ein gutes Zeichen, auch ein klares Zeichen, dass so viele Bürgerinnen und Bürger heute hier erschienen sind um gegen die NPD und ihren Ansagen ein klares Zeichen zu setzen.

Liebe Bürgerinnen und Bürger

In Essen gibt es Flüchtlinge, seitdem es die Stadt gibt. Mit unterschiedlichen Hautfarben, Kulturen, Sprachen und Religionen bilden auch sie einen Teil dieser Gesellschaft.

Omeirat20130907.jpgIn Erinnerung nicht nur an die Ersten- und Zweiten-Weltkriegs-Flüchtlinge, wo über zehn Millionen Deutsche von Osten nach Westen flohen, ist es naheliegend, diesen Menschen mit Empathie und Respekt zu begegnen.

Es sind Opfer von Flucht und Vertreibung in ihren Herkunftsländern. Viele von ihnen haben Zuflucht und Sicherheit in der Stadt Essen gesucht und manche dann auch gefunden.

Es gibt viele Gründe für Flucht: Krieg, Verfolgung und Diskriminierung und wirtschaftliches Elend. Keine Arbeit. Keine Hoffnung. Jeder, der sich in diese Umstände hineinversetzt, wird die Motivation der Betroffenen verstehen, ihre Situation nachfühlen können.

Seit Anfang der 80er Jahre gibt es vor allem Flüchtlinge aus dem Libanon, aus dem Iran, aus Ex-Jugoslawien, Irak, Türkei, Mazdonien, Serbien, Afghanistan, Pakistan, Kosovo, Sri Lanka und aus afrikanischen Ländern in Essen.

Auf privater Ebene erleben diese Menschen, wie auch hier heute in Frintrop durchaus auch Solidarität und Mitgefühl. Im institutionellen Rahmen sind sie hier in der Regel nur Gegenstände von Verwaltungsakten.

Flüchtling sein - was bedeutet das hier und heute?

Diejenigen die flüchteten, flüchteten zunächst dahin, wo sie Ruhe und Frieden vorzufinden hofften - in der Hoffnung für sich selbst, aber auch für ihre Kinder, ein würdiges Leben führen zu können. In den letzten drei Jahrzehnten sind diesen Menschen in Deutschland oftmals entmutigenden politische Debatten, und Äußerungen und Anschläge von Rechtsextremisten oder Neonazis ausgesetzt gewesen. Dabei sind diese Menschen oftmals isoliert, haben keine Bezugsperson und bewegen sich in einem Land, dessen Sprache ihnen noch fremd ist.

Menschen in Not, die der Unterstützung und der Hilfe bedürfen.

Wir bitten Sie, die Flüchtlinge in ihren schwierigen Lebenssituationen in Essen willkommen zu heißen! Und der NPD hier und heute eine Abfuhr zu erteilen!

Deren Vorstellung von Flüchtlingspolitik hat mit Menschlichkeit nichts zu tun.

Vielen Dank, liebe Bürgerinnen und Bürger


Vor der NPD-Demo am 07.09.2013


Essen-stellt-sich-quer 07.09.2013: Flugblatt-Text für Frintrop

An die Bürgerinnen und Bürger von Essen-Frintrop!
  • Wir laden Sie ein mit uns heute gegen die NPD – Kundgebung zu protestieren!
Die NPD ist generell gegen Flüchtlinge und möchte sie auf keinen Fall in Deutschland haben. Egal wo.
Sie versucht Ihren berechtigten Unmut über eine mangelhafte Informationspolitik der Stadt Essen zu nutzen um ihre ganz eigenen Ziele zu verfolgen. Die NPD möchte einen Keil zwischen Anwohner und Flüchtlinge treiben, die in Kürze hier in der „Walter-Pleitgen-Schule“ befristet untergebracht werden sollen. Es soll ein Klima der Angst und Voreingenommenheit erzeugt werden. Dies können und wollen wir nicht unterstützen.
  • Deshalb machen wir heute hier unsere Kundgebung
Es gibt weltweit ca. 45 Millionen Flüchtlinge. Wenn davon nur 1000 bis Jahresende in Essen ankommen ist dies der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Wenn unser Innenminister Friedrich so generös wäre wie Schweden, dass 8000 syrische Flüchtlinge aufnimmt, müssten wir in Deutschland 75000 aufnehmen und keine kümmerlichen 5000 dieser Kriegsflüchtlinge.
  • Die aktuell notwendigen Notunterkünfte (Dilldorfschule in Kupferdreh und die Walter-Pleitgen-Schule hier in Frintrop) können und dürfen keine Dauereinrichtung werden!
    Deshalb schließen wir uns den Forderungen von ProAsyl an:
    • humane Unterbringung von Flüchtlingen mit abgeschlossenen Wohneinheiten
    • Einhaltung von Hygienestandards und ein Recht auf Intimsphäre
    • Einhaltung der vom Essener Rat beschlossenen Belegungsdichte von 8 m² / Person
    • Verzicht auf Sachleistungen und Auszahlung von Barleistungen
    • Verzicht auf Massenunterkünfte
    • Gleichmäßige Unterbringung von Flüchtlingen in allen Essener Stadtteilen
    • vorrangige Unterbringung in Privatwohnungen
    • Ausbau der sozialen Betreuung, Anbindung an den Stadtteil durch stadtteilorientierte soziale Arbeit und runde Tische
  • Wir bitten Sie, die Flüchtlinge in ihrer schwierigen Lebenssituation in Essen willkommen zu heißen, und der NPD hier und heute eine Abfuhr zu erteilen. Deren Vorstellungen von Flüchtlingspolitik haben mit Menschlichkeit nichts zu tun.


WAZ 07.09.2013 Leserbrief: Lächerlich klein

WAZE20130907.png

WAZ / Essen, Rubrik Leserforum,Samstag, 07.09.2013

Leserbrief: Lächerlich klein


Asylbewerber in Frintrop Ob in Haarzopf, Altenessen und auch in Frintrop. Immer, wenn die professionellen Ausländerhasser von NPD, Pro-Deutschland und Konsorten in Essen auftreten, machen sie doch vor allem eines deutlich: Wie lächerlich klein doch diese Truppe ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die Frintroper durch solche Reden verängstigen lassen.

Es gibt so viel Not und Elend in der Welt. Es sind so wenig Flüchtlinge, die es zu uns schaffen: Man kann als normal mitfühlender Mensch doch nur Mitleid mit ihnen haben. Einfach nur "Überall, nur nicht bei mir" zu rufen und den Niedergang eines ganzen Stadtteiles herbeizureden, hilft niemanden.
Rainer Sonntag, Essen


Es folgt der ungekürzte Leserbriefes, der als Antwort auf den Leserbrief von Herrn Wilting konzipiert war

Betrifft: Leserbrief von Reinhold Wilting (WAZ, 04.09.) (hier dokumentiert)

Aufgrund der "Asylantenflut" werden die Alten sich nicht mehr auf die Straßen trauen, die Flüchtlinge sollen kaserniert werden, auf jeden Fall nicht hierhin, ins "reine Wohngebiet". Denn Frintroper würden sonst ausziehen, Hausbesitzer und der ganze Stadtteil werde ruiniert. Und das alles noch garniert mit dem versteckten Verweis auf Berlin und Duisburg, wo Flüchtlinge gegen den Mob geschützt werden müssen.

Beim Leserbrief von Herrn Wilting habe ich den Eindruck, da hat wohl einer von der falschen Wahlkampfbroschüre abgeschrieben.

Ich glaube nicht, dass er für die Frintroper spricht. Ob in Haarzopf, Altenessen und auch in Frintrop: Immer, wenn die professionellen Ausländerhasser von NPD, Pro-Deutschland und Konsorten in Essen auftreten, machen sie doch vor allem eines deutlich: wie lächerlich klein doch diese Truppe ist.

Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass sich die Frintroper durch solche Reden so verängstigen lassen, dass sie sich deshalb den Hilfesuchenden gegenüber besonders ekelig verhalten werden. Es gibt so viel Not und Elend in der in der Welt. Es sind so wenig Flüchtlinge, die es bis zu uns schaffen: man kann als normal mitfühlender Mensch doch nur Mitleid mit ihnen haben.

Richtig ist: Die Stadtverwaltung Essen muss sich in der Standortauswahl von Flüchtlingsheimen so manche kritische Frage gefallen lassen. Aber man muss dann auch bitte die richtigen Fragen stellen: Warum stehen eigentlich zuwenig Einzelwohnungen zur Verfügung? Wie sollen in der Wilhelm-Pleitgen-Schule die Klassenräume als Wohnräume umgestaltet werden? Und warum bitteschön will man (die NRZ berichtete) die Spielplatzgeräte der Wilhelm-Pleitgen-Schule wegschaffen? Wie will die Stadt potielle Konflikte der Hausbewohner aus so vielen Nationen verhindern?

Einfach nur "Überall, nur nicht bei mir" zu rufen, "reine Wohngebiete" zu fordern, daher die Hilfesuchenden in irgendwelche Kasernen stecken zu wollen und den Niedergang eines ganzen Stadteiles herbeizureden schürt nur den Hass untereinander und hilft niemanden. Auch bei neuen Nachbarn gilt der Grundsatz: so wie man in den Wald hereinruft, so schallt es hinaus.

NRZ 07.09.2013 Frintrop: Demo gegen Rechts

NRZE20130907.png

NRZ / Essen,Samstag, 07.09.2013

Frintrop: Demo gegen Rechts

"Essen stellt sich quer" setzt auf Lärm


Protest gegen die geplante NPD-Kundgebung in Frintrop: Das Bündnis "Essen stellt sich quer" ruft am heutigen Samstag zur Gegen-Demonstration auf dem Frintroper Markt an der Seestraße auf. Nach Angaben der Polizei wollen bis zu 150 Teilnehmer gegen die Rechtsextremen demonstrieren, die offenbar nur mit maximal 30 Demonstranten rechnen. Die NPD wolle nur die gerade offiziell verkündete Entscheidung der Stadt, in der ehemaligen Walter-Pleitgen-Schule im Stadtteil rund 100 Flüchtlinge unterzubringen, für ihre Stimmungsmache ausnutzen, so Max Adelmann, Sprecher des Bündnisses. Dies sei nun die Folge der schlechten Informationspolitik der Stadt. Das Bündnis will sich mit allen Frintroper Bürgern um 14.30 Uhr am Markt treffen, um mit Megafon, Tröten, Trillerpfeifen, Vuvuzelas und Topfdeckel "friedlich und lautstark zeigen, dass die Nazis unerwünscht sind".

WAZ 07.09.2013 Mit Krach und Scheppern gegen Rechts

WAZE20130907c.png

WAZ / Essen,Samstag, 07.09.2013

Mit Krach und Scheppern gegen Rechts

In Frintrop: Heute Demonstrationen


In Frintrop gibt es am heutigen Samstag eine Kundgebung der rechtsextremen NPD. Deshalb lädt das Bündnis "Essen stellt sich quer" zur Gegenkundgebung auf dem Frintroper Markt (Seestraße) angemeldet. Laut Polizei wollen bis zu 150 Teilnehmer gegen die NPD demonstrieren, die offenbar nur mit maximal 30 Demonstranten antritt.

Einige Brisanz erwartet

Wegen des gerade offiziell verkündeten Beschlusses der Stadt, in der ehemaligen Walter-Pleitgen-Schule im Stadtteil Asylbewerber unterzubringen, wird die Polizei mit ausreichend Kräften vor Ort sein. Sie rechnet aber mit einem friedlichen Verlauf auf beiden Seiten, sagt Polizei-Sprecherin Tanja Hagelüken.

Die Anhänger des Bündnisses treffen sich ab 14.30 Uhr. Sie wollen Megaphone, Tröten, Trillerpfeifen, Vuvuzelas und Topfdeckel mitbringen, "um friedlich zu zeigen, dass die Nazis unerwünscht sind".

WAZ 07.09.2013 Es bleibt die Angst vor Kriminalität

WAZE20130907b.jpg

WAZ / Essen,Samstag, 07.09.2013

Es bleibt die Angst vor Kriminalität

Streitthema Asylheim: Rund 400 Bürger kamen, als die WAZ in Frintrop Gelegenheit zur Diskussion gab. Stadt und Polizei versuchten zu beruhigen


Erst war es ein Gerücht, dann wurde es zur Nachricht: Das Gebäude der früheren Walter-Pleitgen-Schule in Frintrop soll Flüchtlingsunterkunft werden. Empörung und Wut waren die Folge, entsprechend viele Anwohner fanden sich am Donnerstagabend ein, als die WAZ mit ihrer rollenden Redaktion auf den Frintroper Markt kam. Redakteurin Claudia Pospieszny brachte eine Gewissheit mit: "Heute hat die Stadt bestätigt, dass in der Schule bis zu 130 Menschen untergebracht werden. Das wird voraussichtlich ab Oktober der Fall sein."

Aus der aufgewühlten Menge tönten schon an dieser Stelle Buhrufe, und es entbrannte bald eine teils hitzige Diskussion zwischen den rund 400 Bürgern auf der einen, sowie Politikern und Vertretern der Stadt auf der anderen Seite. Nie hat es einen Termin mit der mobilen Redaktion gegeben, an der mehr Bürger teilnahmen - allein das zeigt schon die Brisanz des Themas. - Dass Sozialdezernent Peter Renzel sich durch den Geschäftsbereichsbeauftragten Thomas Römer und Sozialamtsleiterin Brigitte Keil vertreten ließ, kam ebenfalls nicht gut an. "Der Renzel hat wohl Angst" hieß es. Auch Römers Erklärung, die Stadt habe keine andere Wahl, sie müsse die vom Land zugewiesenen Asylbewerber aufnehmen, überzeugte viele nicht.

Viele der Anwohner fürchteten schlimme Zustände oder eine erhöhte Kriminalität im Stadtteil. Da beruhigte auch der Hinweis des Leiters der Polizeiinspektion Nord, Klaus-Peter Netz, nicht, dass es in den zehn Asyleinrichtungen in Essen bislang nie derartige Probleme gegeben habe. Lediglich Anwohner-Beschwerden nach Ruhestörungen habe es gegeben: "Asylbewerber dürfen keiner Beschäftigung nachgehen und halten sich schon wegen der Enge in den Unterbringungen viel im Freien auf. Das führt schon mal zu Lärm." Meist habe es sich als hilfreich erwiesen, auf die Menschen zuzugehen und sie auf die Ruhestörung hinzuweisen.

Wie denn für Sicherheit gesorgt werde, wollten viele Bürger wissen. Römer erklärte dazu, dass die Stadt die Einrichtung rund um die Uhr betreue: tagsüber von einem Sozialarbeiter, nachts vom Sicherheitsdienst. An dieser Stelle der Diskussion versuchten rechtsradikale Störer den Unmut der Bürger für ihre Propaganda zu nutzen: "Und wer schützt die Asylbewerber vor uns." Ein Vorgeschmack auf die für den heutigen Samstag geplante Demo der NPD in Frintrop.

Bei vielen Bürgern am WAZ-Mobil verfing diese Strategie nicht, sie waren durchaus dankbar, dass man ihr Anliegen ernst genommen hat. Trotzdem blieben nach der gut zweistündigen Debatte noch Fragen offen und manche Sorge hält an. Stoff genug für ein Bürgerversammlung am Mittwoch, 11. September, 19 Uhr im Pfarrheim an der Schlenterstr. 18. Dann will auch Sozialdezernent Peter Renzel Rede und Antwort stehen.

Zwölf Schlafplätze im Klassenzimmer
Pleitgen-Schule soll zunächst nur Übergangswohnheim sein, sagt die Stadt

Ob in der Walter-Pleitgen-Schule auf Dauer Flüchtlinge untergebracht werden, sei noch völlig offen. Aktuell werde sie für sechs Monate als Behelfseinrichtung benötigt, erklärte Sozialamtsleiterin Brigitte Keil am Donnerstagabend den Anwohnern in Frintrop.

Ein Teil der Flüchtlinge aus Serbien und Mazedonien, zumeist Roma, würden nach dem Winter in ihre Heimatländer zurückkehren. Flüchtlinge aus Krisengebieten wie Syrien und Afghanistan, die Aussicht haben, als Asylbewerber anerkannt zu werden, versuche man später in Wohnungen unterzubringen. Ratsfrau Gabriele Giesecke (Linke) hält die Unterbringung von bis zu zwölf Personen in einem Klassenraum für problematisch. Sie spricht von "menschenunwürdigen Zuständen für Menschen, die aus Kriegs- und Krisengebiete nach Deutschland fliehen."

Ob die Schule für eine dauerhafte Unterbringung geeignet sei, lasse sich erst sagen, nachdem sie wieder freigezogen ist, sagt Keil. "Dann kann man drüber nachdenken, sie eventuell umzubauen, um sei zur festen Unterkunft zu machen." Entschieden sie noch nichts, die Stadt prüfe derzeit noch andere Standorte. Doch bei vielen Anwohnern sorgt die bloße Überlegung für Unmut: "Lieber sollte man die Schulen unserer Kinder sanieren."
Bildunterschrift:
Viele Bürger kamen am Donnerstagabend zum WAZ-Mobil auf den Frintroper Markt, um über das geplante Flüchtlingsheim zu reden.   FOTO: KERSTIN KOKOSKA

NRZ 06.09.2013 Stadt bestätigt Behelfs-Asyl in Frintrop

NRZE20130906.jpg

NRZ / Essen,Freitag, 06.09.2013

Stadt bestätigt Behelfs-Asyl in Frintrop

Ab Oktober bis zu 130 Personen in der Schule


von Wolfgang Kintscher

Was die NRZ vor einer Woche meldete, ist seit gestern Abend offiziell: Die im Sommer leergezogene Walter-Pleitgen-Schule an der Straße Im Neerfeld in Frintrop wird demnächst als vorübergehende Behelfsunterkunft für Asylsuchende genutzt. Bis zu 130 Menschen sollen dort voraussichtlich ab Oktober unterkommen, wenn - wohl noch im September - die Dilldorfschule in Kupferdreh mit maximal 80 Plätzen voll belegt ist. Das derzeit in Heisingen umgehende Gerücht, auch in dem ehemaligen Schullandheim an der Straße Obere Aue könnte eine Unterkunft für Asylbewerber eingerichtet werden, entbehrt laut Stadt dagegen jeder Grundlage.

Als Behelfs-Asyle sollen die beiden leerstehenden Schulen nur dann genutzt werden, wenn die Regelunterkünfte ausgelastet sind. Das dürfte sehr bald der Fall sein, weil der Bau dreier neuer Standorte seine Zeit dauert und Sozialdezernent Peter Renzel schätzt, dass die Zahl der Asylbewerber bis zum Frühjahr von jetzt 700 auf 1200 ansteigt.

Die Stadt versuchte gestern, möglichen Bürgersorgen entgegenzutreten: Die Behelfseinrichtungen würden rund um die Uhr betreut, jederzeit stehe ein Ansprechpartner für Bewohner wie auch Anwohner zur Verfügung. Zunächst aber kommt der Sozialdezernent selbst, um die Pläne für Frintrop zu erläutern - auf einer Bürgerversammlung am Mittwoch, 11. September ab 19 Uhr im Pfarrheim an der Schlenterstraße.
Bildunterschrift:
Behelfs-Asyl ab Oktober: die Walter-Pleitgen-Schule in Frintrop   FOTO: W. K.

WAZ 06.09.2013 Frintroper Schule wird Asylbewerber-Unterkunft

WAZE20130906.jpg

WAZ / Essen,Freitag, 06.09.2013

Frintroper Schule wird Asylbewerber-Unterkunft

Stadt bestätigt 130 Plätze in der Walter-Pleitgen-Schule, dementiert gleichzeitig Pläne in Heisingen


In der Walter-Pleiten-Schule in Frintrop wird eine Behelfseinrichtung zur Unterbringung von Asylbewerbern mit rund 130 Plätzen hergerichtet, das bestätigt nun die Stadt. Zur Diskussion in Heisingen stellt sie klar: "Das derzeit diskutierte Gerücht, auch im ehemaligen Schullandheim Obere Aue könnte eine Unterkunft für Asylbewerber eingerichtet werden, entbehrt jeder Grundlage."

Fest steht schon länger, dass es in der Kupferdreher Dilldorfschule 80 Plätze geben wird. Belegen will die Stadt die Plätze, wenn in regulären Unterkünften keine Möglichkeiten mehr bestehen: in der Dilldorfschule voraussichtlich noch im September, in der Walter-Pleitgen-Schule voraussichtlich ab Ende Oktober

Hintergrund ist die wachsende Zahl der Antragssteller. Befanden sich Mitte Juli noch 494 Menschen in den städtischen Unterkünften, sind diese Ende August bereits mit 703 Asylbewerbern nahezu ausgelastet. Neben den Folgeantragstellern aus Serbien und Mazedonien sind der Stadt vermehrt Flüchtlinge aus Syrien, Irak, Ägypten und weiteren 16 Staaten zugewiesen worden. Darüber hinaus rechnet die Stadt bis zum Jahresende mit der Zuweisung weiterer rund 300 Flüchtlinge.

Die Behelfseinrichtungen sollen laut Stadt rund um die Uhr betreut werden. Heißt: Es steht jederzeit ein Ansprechpartner für die Bewohner und die Anwohner zur Verfügung. Im Gebäude der Walter-Pleitgen-Schule sind die notwendigen Unterbringungsmöglichkeiten, Speiseräume, aber auch Spielmöglichkeiten für Kinder vorhanden.

In Dilldorf will die Stadt den von der Bürgschaft eingerichteten runden Tisch kurzfristig über die aktuelle Entwicklung informieren, in Frintrop lädt sie zur Informationsveranstaltung für die Anwohner ein: im Gemeindesaal der St. Josef-Kirche, Schlenterstr., am Mittwoch, 11. September, 19 Uhr. Sozialdezernent Peter Renzel wird die aktuelle Situation und die weitere Entwicklung sowie die Maßnahmen der Stadt vorstellen und Fragen beantworten.
Bildunterschrift:
Die ehemalige Walter-Pleitgen-Schule in Frintrop   FOTO: SEBASTIAN KONOPKA

Essen-stellt-sich-quer 05.09.2013: Pressemitteilung Gegen die NPD

Bündnis gegen Rassismus und Rechtsradikalismus



Pressemitteilung
EqLogoKastenTrans160.png
Im Büro des Anti-Rassismus-Telefons
Friedrich-Ebert-Str. 30,45147 Essen
Telefon/Fax: 0201-232060
www.essen-stellt-sich-quer.de
info<a>essen-stellt-sich-quer.dePost_icon.png
www.facebook.com/pages/
Essen-stellt-sich-quer

Essen, 06.09.2013

Die NPD führt am Samstag, 07. September ab 15 Uhr auf dem Frintroper Markt in Essen eine Kundgebung durch.
Essen stellt sich quer macht eine Gegenkundgebung! Diese ist bereits bei der Polizei angemeldet. Wir sammeln uns am Samstag, 07.09.2013 ab 14:30 Uhr auf dem Frintroper Markt.
Kundgebungsbeginn ist um 14:45 Uhr!
Wir fordern die Essener_Innen auf:
Bringt Sachen mit die laut sind! Megafone, Tröten, Trillerpfeifen, Vuvuzelas, Topfdeckel! Wir wollen den Nazis friedlich und lautstark zeigen dass sie nicht erwünscht sind! Bringt Fahnen und Transparente mit!

Befürchtet hatten wir es schon länger angesichts des missratenen Unterbringungskonzepts für Flüchtlinge das die Verwaltung unter Herrn Renzel vorlegte und welches von Pro NRW populistisch ausgenutzt wurde.
Die schlechte Informationspolitik der Stadtverwaltung sorgt bei den Bürgern in Frintrop für Unsicherheit. Das Durchsickern von Informationen ohne offizielle Reaktion lässt Fantasien sprießen. Unbewiesene Behauptungen, Gerüchte, verborgene Ängste werden nun in Frintrop öffentlich geäußert. Sei es bei selbstorganisierten Bürgerversammlungen oder öffentlichen Diskussionen einer großen Tageszeitung.
Solche Stimmungslagen werden immer sehr gerne von braunen Bauernfängern ausgenutzt. Flugblätter mit Ausländerhetze werden verteilt, bei Diskussionen wird gehetzt, bei Versammlungen gezielt Mundpropaganda gestreut. Da konnte es ja nicht mehr lange dauern bis sich die NPD wieder einmal traut eine Kundgebung in Frintrop anzumelden. Wie 2010 in Frintrop werden wir jedoch etwas dagegen haben und dies auch 2013 zeigen.


WAZ 05.09.2013 Asyl-Debatte heute am WAZ-Mobil

WAZE20130905a.png

WAZ / Essen,Donnerstag, 05.09.2013

Asyl-Debatte heute am WAZ-Mobil

Ab 18 Uhr auf dem Frintroper Markt


Auf dem Frintroper Markt wird das WAZ-Mobil heute von 18 bis 19:30 Uhr Halt machen. Jüngst hatten die Pläne der städtischen Verwaltung, in der Frintroper Walter-Pleitgen-Schule ein Behelfsheim für Asylbewerber einzurichten, im Stadtteil für rege Diskussion gesorgt. Am WAZ-Mobil wollen wir mit Bürgern, Politikern und Vertretern von Polizei und Verwaltung ins Gespräche kommen. Als Teilnehmer der Diskussion haben sich angekündigt: Ratsfrau Jutta Eckenbach (CDU), die Grüne-Sozialexpertin Christine Müller-Hechfellner, die Linke Ratsfrau Gabi Giseke, der Leiter der Polizeiinspektion Nord Klaus-Peter Netz sowie Vertreter aus dem Sozialdezernat der Stadt Essen. Da in den kommenden Monaten mit einem Anstieg von Asylsuchenden gerechnet wird, überprüft die Stadt derzeit ihre Bestandsimmobilien. Während es sich bei den Behelfsheimen in Frintrop und Dilldorf um kurzfristige Auffangmöglichkeiten handelt, werden dauerhaft drei neue Einrichtungen gebraucht.   Cla.P.

WAZ 05.09.2013 Leserbrief: Helft Flüchtlingen

WAZE20130905b.png

WAZ / Essen, Rubrik Leserbriefe,Donnerstag, 05.09.2013

Leserbrief: Helft Flüchtlingen


Asylbewerber-Unterkunft. Angesichts der Not anderer Menschen reagieren manche Bürger reflexhaft: "Hauptsache nicht vor meiner Haustür". Hilfesuchende Menschen werden zu einer bedrohlichen Flut erklärt. Wir sollten froh und dankbar sein, in sicheren Verhältnissen zu leben. Die Mehrheit der Menschen genießt dieses Privileg nicht. Wir haben das Glück, dass wir hier geboren sind und nicht in einem der vielen Länder die von Armut, Gewalt und Krieg gebeutelt sind. Dieses unverdiente Glück wird uns auch Opfer abverlangen. Petra Fiedler, Essen

BN 05.09.2013 Christliches Verständnis für Flüchtlinge aufbringen

BNE20130905b.png

Borbecker Nachrichten / Essen,Donnerstag, 05.09.2013

Christliches Verständnis für Flüchtlinge aufbringen

Leser-Echo zum Thema Walter-Pleitgen-Schule


Zum Thema Walter-Pleitgen-Schule schreibt die frühere Ratsfrau Anneliese Dether aus Frintrop:
Die Berichterstattung über die "Entwicklung" der Walter-Pleitgen-Schule hat mich daran erinnert, dass viele Eltern ja nun mal ihre Grundschulkinder in Oberfrintrop angemeldet haben und dadurch natürlich diese Schule nicht mehr genug Anmeldungen hatte, um eine Eingangsklasse bilden zu können. Schon damals habe ich erwartet, dass das genau die Folgen haben könnte, die es jetzt auch gibt.

Allerdings denke ich auch, dass wir doch das gleiche christliche Verständnis aufbringen sollten, wenn es um die Unterbringung jetzt speziell syrischer Flüchtlinge geht, denn die sind es, die momentan untergebracht werden müssen, wenn es auch nirgendwo Garantien für eine ganz bestimmte Bevölkerungsgruppe geben kann und wird.

Niemand verlässt die angestammte Heimat ohne gravierende, sehr gravierende Gründe, über die wir im Falle ovn Syrien sicher alle genügend durch die tägliche Berichterstattung wissen müssten, oder?

Und niemand kann zu einem Zeitpunkt, wenn noch nicht ein einziger Flüchtling die Unterkunft betreten hat, sagen, welchen Charakter diese Menschen haben werden.

Nur eins ist sicher: sie sind in Not und brauchen Hilfe, manchmal eben auch Hilfe, die uns persönlich mehr oder minder tangiert.

Sollten wir nicht so christlich sein und sie ihnen nicht gewähren?


Zum selben Thema schreibt Bezirks-Kinderbeauftragte Erika Küpper in einem offenen Brief an Sozialdezernent Peter Renzel:

Ich möchte auf die besonderen Bedürfnisse der Kinder aufmerksam machen. Es wird von ca. 100 Personen gesprochen, d.h. möglicherweise von 50 Kindern.

Wenn die Verwaltung beabsichtigt, die Walter-Pleitgen-Schule zu nutzen, bitte ich um Berücksichtigung folgender Vorschläge:

  • Die Außenspielgeräte sind zu erhalten. Sie waren zum Abbau und Aufbau auf anderen Schulhöfen vorgesehen.
  • ich bitte um Freihaltung von zwei Räumen für Spiel- und Bildungsangebote. Das Schulgebäude verfügt über keinerlei zusätzlichen größeren Raum (Turnhalle oder größere Eingangshalle).

Küpper merkt weiter an:
Dass die Stadt Essen - die Großstadt für Kinder - damit dennoch begonnen hat, die Spielgeräte abzubauen, enttäuscht mich sehr und vermutlich alle, die vor Ort Hilfestellung geben wollen.

Ob Schulleiterinnen und Kinder Kinder derjenigen Schulen, die nun die Spielgeräte erhalten sollen, sich darüber freuen können?


Liebe Leser, wir freuen uns über jede Zuschrift an die Borbecker Nachrichten, Markstraße 64, 45355 Essen, E-Mail redaktion<a>borbecker-nachrichten.dePost_icon.png. Bitte vergessen Sie Ihren Namen und Ihre Anschrift nicht. Ihre BN-Redaktion

BN 05.09.2013 Sozialdezernent Renzel will am Mittwoch Auskunft geben

BNE20130905.jpg

Borbecker Nachrichten / Essen,Donnerstag, 05.09.2013

Sozialdezernent Renzel will am Mittwoch Auskunft geben


Am Freitag soll die Entscheidung fallen: Dann soll festgestellt werden, ob die Walter-Pleitgen-Schule in Unterfrintrop tatsächlich als Flüchtlingsheim genutzt wird. Man favorisiere den Standort und es sei "sehr wahrscheinlich", dass die ehemalige Schule genutzt werde, war gestern aus dem Rathaus zu hören. Der interne Abstimmungsprozess laufe aber noch. Unterdessen hat Sozialdezernent Peter Renzel in einem Schreiben an Ratsfrau Jutta Eckenbach mitgeteilt, dass er am Mittwoch, 11. September, zu einer Info-Veranstaltung einladen will. Sie soll um 19 Uhr im Gemeindesaal von St. Josef an der Schlenterstraße beginne.

Ein für Anfang der Woche vorgesehenes Treffen mit Eckenbach und Anwohnern hatte Renzel abgesagt.
Bildunterschrift:
Die Gerüchteküche um die Walter-Pleitgen-Schule brodelt munter weiter. Siehe auch Seite 2   Foto: Manfred Kubb

WAZ 04.09.2013 Leserbrief: Warum wir?

WAZE20130904.jpg

WAZ / Essen, Rubrik Leserforum,Mittwoch, 04.09.2013

Leserbrief: Warum wir?


Asyl in Frintrop. Wir haben Verständnis für die Sorgen von Sozialdezernent Peter Renzel, geeignete Standorte für die zu erwartende Asylanten- und Flüchtlingsflut zu finden. Es stellt sich die Frage, warum die Städte und damit die Bürger direkt mit diesen Problemen belastet werden. Haben wir nicht ausreichen leerstehende Kasernen für die Erstaufnahme bis zur Entscheidung über den Asylantrag? Wäre nicht das Modell wie in Leverkusen - Unterbringung und Integration in Wohnungen unter Mithilfe der städtischen Wohnungsbaugesellschaft - hilfreicher und preiswerter? Ein Asylheim in einem reinen Wohngebiet lässt Zustände wie in Berlin und Duisburg erwarten. Wo werden bei einem auf Dauer geplanten Heim die ab 2014 aus Bulgarien und Rumänien erwarteten Flüchtlinge untergebracht? Wo liegen die angeblich weiteren zur Auswahl und in Prüfung befindlichen Objekte? Können unsere Lokalpolitiker wirklich ein Asylantenheim in einem reinen Wohngebiet verantworten? Wollen sie unseren älteren Mitbürgern (in Frintrop gibt es drei Alten- und Pflegeheime) zumuten, dass sie sich nicht mehr auf die Straße trauen? Wollen sie Hausbesitzer ruinieren, die ihre Mieter verlieren werden? Wollen Sie einen intakten Stadtteil demolieren?

Reinhold Witting, Essen

Notunterkunft geplant

WAZ 04.09.2013 Stadt muss mehr Asylheime schaffen

WAZE20130904b.jpg

WAZ / Essen,Mittwoch, 04.09.2013

Stadt muss mehr Asylheime schaffen

Zahl der Zuwanderer steigt weiter an


Wegen des raschen Anstiegs der Asylbewerberzahlen muss die Stadt Essen nicht wie bislang bekannt zwei, sondern drei Flüchtlingsunterkünfte für die dauerhafte Unterbringung einrichten. Hergerichtet ist bereits die Behelfsunterkunft in der Kupferdreher Dilldorfschule. Ein weiterer Behelfs-Standort soll, so sickerte jüngst durch, die Frintroper Walter-Pleitgen-Schule sein. Derzeit halten sich rund 700 Asylbewerber in Essen auf, "zum Winter werden es vermutlich 1000 sein. Im kommenden Winter 2014/15 rechnen wir mit 1200 Menschen", sagt Sozialdezernent Peter Renzel. "Um Dauer-Unterkünfte für diese Menschen zu schaffen, brauchen wir für die Herrichtung allerdings mehr Zeit, als wir aktuell haben", so Renzel. Auf der Suche nach einer langfristigen Lösung überprüft die Stadt derzeit zwölf Bestandsimmobilien, ob Walter-Pleitgen- und Dilldorfschule auch als Dauer-Lösung in Frage kommen, war bei der Stadt nicht in Erfahrung zu bringen.

Rund 400 der aktuellen Asylbewerber gehören der Bevölkerungsgruppe der Roma an. Ein Großteil hat bereits zwei Asylverfahren hinter sich - und ist nun im dritten Anlauf hier. "Wie stellen allerdings fest, dass wir bislang immer erst zum Winter Zuwachs hatten. Neu ist, dass in diesem Jahr bereits viele zu Beginn der Sommerferien nach Essen gekommen sind", sagt Renzel. Außerdem steige die Zahl derer, die nach dem Winter nicht nach Serbien oder Mazedonien zurück kehrten.   Cla.P.

WAZ 04.09.2013 WAZ-Mobil in Frintrop zur Asyl-Debatte

WAZE20130904c.jpg

WAZ / Essen,Mittwoch, 04.09.2013

WAZ-Mobil in Frintrop zur Asyl-Debatte

Bürger und Politiker sind eingeladen


Mit Entrüstung reagieren viele Frintroper, als sie erfuhren, dass die Stadt plant, in der Walter-Pleitgen-Schule Im Neerfeld eine Behelfsunterkunft für Asylbewerber einzurichten. Kritisiert wird von Bürgern nicht nur die Informationspolitik der Stadt Essen. Vielmehr sorgen sich Anwohner um steigende Kriminalität und möglicherweise sinkenden Grundstückspreise im Umfeld des Behelfswohnheims. Diskutieren wollen wir hierüber am kommenden Donnerstag, 5. September, ab 18 Uhr, am WAZ-Mobil mit Bürgern und Vertretern aus der Politik. Zugesagt haben bereits CDU-Ratsfrau Jutta Eckenbach sowie die Grünen-Politikerin Christine Müller-Hechfellner. Darüber hinaus werden Vertreter aus dem Sozialdezernat der Stadt, das für die Unterbringung der Flüchtlinge zuständig ist, anwesend sein. Eingeladen haben wir auch Vertreter der Polizei. Den Standort des WAZ-Mobils geben wir in unserer morgigen Ausgabe bekannt.

NRZ 04.09.2013 "Niemand sagt: Baut doch bitte hier"

NRZE20130904.jpg

NRZ / Essen,Mittwoch, 04.09.2013

"Niemand sagt: Baut doch bitte hier"

Sozialdezernent Peter Renzel verteidigt die Haltung der Stadt, erst Standorte prüfen, bevor man die Bevölkerung einbindet. "Sonst gibt es noch mehr Verunsicherung auch in anderen Stadtteilen"


von Wolfgang Kintscher

Dass sie ihn mit Walter Ulbricht in Verbindung bringen - das wird Peter Renzel ganz und gar nicht gefallen. "Niemand hat die Absicht, ein Heim zu errichten", mit diesem an die Mauer-Lüge erinnernden Transparent verspotteten Anwohner der Walter-Pleitgen-Schule in Frintrop seit gestern die "haarsträubende Informationspolitik" des Sozialdezernenten, die sie in einem anderen Transparent zu der Behauptung verdichten: "Stadt Essen hintergeht Frintroper Bürger".

Als willkommener Beweis dient Rainer Wittman und seiner Initiative die kurzfristige Absage Renzels, an einem Ortstermin teilzunehmen, zu dem CDU-Ratsfrau Jutta Eckenbach für gestern eingeladen hatte. Damit sei klar, so heißt es, dass man erst mit den Bürgern sprechen wolle - am 11. September nämlich -, wenn die Entscheidung über die Schule als Standort für eine Behelfs-Asylunterkunft gefallen sei.


"Ich werde die
Pläne selber er-
läutern. Ich habe
keine Angst vor
Bürgern."
Peter Renzel,
Sozialdezernent

Sozialdezernent Renzel verteidigte gestern sein Vorgehen, um nicht noch "weitere Irritationen und Befremden" auszulösen.

Sicher sei manches "unglücklich gelaufen", schob er im Gespräch mit der NRZ hinterher, dass man die Menschen in Frintrop verunsichert habe, "das war nicht gewollt". Und dennoch: Renzel sieht einen unauflöslichen Widerspruch zwischen dem Informationsbedürfnis der Menschen vor Ort und einer seriösen Asyl-Planung in der Sozialverwaltung: "Es gibt keinen einzigen Stadtteil, in dem die Leute sagen: Baut doch bei uns."

Um deshalb nicht an allen Prüfstandorten für Verunsicherung zu sorgen, halte man die Standort-Information zunächst unter Verschluss und prüfe, wo sich welche Immobilien zur Unterbringung der Asylsuchenden eignen. Und weil "ein ganzer Rattenschwanz von Verwaltungsprozessen daran hängt", sei wohl kaum zu verhindern, dass zuvor Informationen durchsickern - mit bekannten Folgen.

Auch den Hinweis, man habe doch vor Jahresfrist noch über leer stehende Notunterkünfte verfügt, lässt Renzel nicht gelten: Diese Standorte hätten zum Teil über Jahre leer gestanden und hätten sich mancherorts zu regelrechten Schandflecken des Stadtteils entwickelt: "Ich kann verstehen, wenn die Politik im Bezirk sagt: Wir wollen die nicht mehr haben."

Auch sei die jetzt sich abzeichnende Entwicklung der Asyl-Fälle nicht absehbar gewesen: "Alle Städte haben das gleiche Problem, alle sind überrascht worden. Es gab keine Anzeichen dafür, dass sich die Zahlen so entwickeln. Es ist nicht so, dass wir gepennt hätten."

Wo einst Kapazitäten für mehrere tausend Zuwanderer vorgehalten wurden, zählt man in Essen jetzt gerade mal rund 700 Personen, die Asyl suchen, davon 404 Serben und Mazedonier - im Wesentlichen Roma -, die nach allen Erfahrungen keine Aussicht darauf haben, Asyl zugesprochen zu bekommen. Dennoch gibt es zunächst die Unterbringungs-Pflicht.

Neben der Dilldorfschule in Kupferdreh und einer Behelfsunterkunft - das dürfte die Walter-Pleitgen-Schule werden - sucht die Stadt deshalb nach drei weiteren Standorten für Regelunterkünfte.

Diese Situation werde er bei der Bürgerversammlung am 11. September den Frintroper Bürgern erläutern, und zwar persönlich, kündigte Renzel gestern an. Und trat damit Behauptungen entgegen, er habe den gestrigen Ortstermin "aus Feigheit" abgesagt, wie die Initiative ätzt. Renzel widerspricht energisch: "Ich habe keine Angst vor Bürgern."
Bildunterschrift:
Beißender Spott: Die Anwohner der Walter-Pleitgen-Schule in Frintrop fühlen sich von der Sozialverwaltung hinters Licht geführt.   FOTO: WK

NRZ 03.09.2013 Leserbrief: Enttäuschend

NRZE20130903lb.png

NRZ / Essen, Rubrik Leser-Klartext,Dienstag, 03.09.2013

Leserbrief: Enttäuschend


Asyl-Unterkunft. Es wird davon gesprochen, dass in der Walter-Pleitgen-Schule 100 Personen unterkommen sollen, darunter möglicherweise 50 Kinder. Dennoch hat die "Großstadt für Kinder" damit begonnen, die Spielgeräte abzubauen. Das enttäuscht mich sehr und vermutlich alle, die vor Ort Hilfestellung geben wollen. Ob die Schulleiterinnen und Kinder derjenigen Schulen, die nun die Spielgeräte erhalten sollen, sich darüber freuen können? Ich bitte darum um Berücksichtigung folgender Vorschläge: Die Außenspielgeräte, die zum Ab- und Aufbau auf anderen Schulhöfen vorgesehen waren, sind zu erhalten. Ich bitte um Freihaltung von zwei Räumen für die Durchführung von Spiel- und Bildungsangeboten. Das Schulgebäude verfügt über keinerlei zusätzlichen Raum (Turnhalle oder größere Eingangshalle).

Erika Küpper, Bezirkskinderbeauftragte

NRZ 31.08.2013 Frintroper Schule wird Asylunterkunft

NRZE20130831c.png

NRZ / Essen,Samstag, 31.08.2013

Frintroper Schule wird Asylunterkunft

Auch in Heisingen sind Bürger beunruhigt


Die Walter-Pleitgen-Schule in Frintrop wird Notunterkunft für Asylbewerber. Darauf haben sich die zuständigen Fachbereiche der Stadtverwaltung verständigt, erfuhr die NRZ. Die Entscheidung will die Stadt demnach bis zum 6. September bekannt geben. Am 11. September soll dazu in Frintrop eine Bürgerversammlung stattfinden. Der Bedarf an zusätzlichen Plätzen ist damit längst nicht gedeckt. Für die Jahre 2013/14 rechnet Sozialdezernent Peter Renzel mit 1200 Asylbewerbern. In den Unterkünften gibt es derzeit 720 Plätze. Derweil sorgen sich Bürger in Heisingen, auch das ehemalige Landschulheim an der Oberen Aue könne Asylunterkunft werden.   Bericht Stadtteil-Seiten

NRZ 31.08.2013 Alles nur (k)ein Gerücht

NRZE20130831a.jpg

NRZ / Essen,Samstag, 31.08.2013

Alles nur (k)ein Gerücht

Fachämter einig: Walter-Pleitgen-Schule wird Notunterkunft. Stadt muss fast 500 weitere Plätze schaffen


Von Jörg Maibaum

Die Stadt scheint sich derzeit alle Mühe zu geben, die Gerüchteküche rund um die Walter-Pleitgen-Schule als künftige Notunterkunft für Flüchtlinge in Unterfrintrop weiter anzuheizen. Fingerspitzengefühl geht jedenfalls anders: Bagger rissen gestern Findlinge aus dem Boden des Spielplatzes, dessen brauchbare Geräte schon bald der Reuenbergschule vererbt werden könnten, und die städtische Immobilienverwaltung schickte Sicherheitspersonal auf Patrouille, weil man besorgt ist um die Unversehrtheit des Gebäudes.

Am Montag soll die Küche abgebaut werden. Doch möglicherweise wird diese Aktion verschoben, um den Verdacht der Anwohner nicht noch weiter zu schüren, dass sie die Verlierer in einem abgekarteten Spiel sein könnten, während beteuert wird, es sei doch noch gar nichts passiert. Ist es auch nicht, außer fatalen Kommunikationsfehlern in der Stadtverwaltung.


"Die Dilldorf-
schule muss im
September in
Betrieb genommen
werden
Peter Renzel, Dezernent

Dennoch: Nach NRZ- Informationen sind sich alle Verantwortlichen der städtischen Fachbereiche einig. Die Walter-Pleitgen-Schule wird zur Notunterkunft für rund 100 Flüchtlinge. Eine offizielle Entscheidung darüber wird spätestens am 6. September verkündet, teilte Sozialdezernent Peter Renzel jetzt den Ratsfraktionen in einem Schreiben mit, das dieser Zeitung vorliegt. Und es gibt ein weiteres Indiz dafür, dass der Tag der Wahrheit näher rückt: am 11. September soll eine Bürgerversammlung in Frintrop stattfinden. So viel Aufwand betreibt niemand, der Bürgern einen Abschied von seinen Plänen verkünden möchte.

Es wird wohl nicht die letzte Informationsveranstaltung dieser Art vor meist aufgebrachten Anwohnern sein: Die Stadt ist inzwischen davon überzeugt, dass sie weitaus mehr Platz für Asylbewerber schaffen muss, als bisher angenommen. "Es muss aus heutiger Sicht davon ausgegangen werden, dass der Zuzug weiter anhält und im Winter 2013/14 ein Bedarf von rund 1000 Plätzen entsteht", heißt es unmissverständlich in dem Schreiben Renzels. Im kommenden Jahr rechnet der Sozialdezernent mit 1200 Menschen, die in Essen ein Dach überm Kopf bekommen müssen.

Zur Erinnerung: In den zehn regulären Unterkünften stehen etwa 720 Plätze zur Verfügung. "Das bedeutet, dass unsere bestehenden Kapazitäten im September erschöpft sind". schreibt Renzel: "Die Dilldorfschule muss daher schon im September in Betrieb genommen werden." Ende Oktober, so die Prognose, werden auch diese 80 Plätze in Kupferdreh belegt sein, was heißt: "Der weitere Bedarf kann nur mit der kurzfristigen Bereitstellung mindestens einer weiteren Behelfsunterkunft gedeckt werden."

Zugleich sollen zwar wann immer möglich Flüchtlinge in Wohnungen vermittelt werden. Doch wird die Stadt nach eigener Einschätzung trotz solcher Bemühungen, die zum Beispiel in Leverkusen ein großer Gewinn für den sozialen Frieden sind, nicht darum herumkommen, weitere "reguläre Asylunterkünfte" durch Umbau bestehender Standorte oder auch Neubauten zu schaffen. So jedenfalls schätzt der Sozialdezernent die Lage zurzeit ein.

Während die Politik inzwischen dazwischen grätscht und das "Kommunikationsdesaster der Ämter" rund um die Walter-Pleitgen-Schule zu beenden, wehen von Heisingen aus bereits neue Gerüchte herüber. Das ehemalige Landschulheim an der Oberen Aue sei als Asylunterkunft im Gespräch. Das, so heißt es bei der Stadt, sei aber nun wirklich ein Gerücht...


Asyl in Zahlen

Zwischen dem Beginn der Sommerferien und dem 28. August sind der Stadt insgesamt 234 Asylbewerber zugewiesen worden. 703 Menschen leben zurzeit in den regulären Unterkünften. Im August 2012 zählte die Sozialverwaltung stadtweit 455 Flüchtlinge


Bildunterschrift:
Dass ein Bagger gestern einige Findlinge im Vordergrund entfernte, entging den Anwohnern der Walter-Pleitgen-Schule nicht. Selbst in der Stadtverwaltung blieb gestern unklar, was die Aktion sollte und wer sie veranlasst hat. FOTO: SEBASTIAN KONOPKA

Gerüchte um Nutzung der ehemaligen Walter-Pleitgen-Schule

NRZ 31.08.2013 Misstrauen in Heisingen

NRZE20130831b.jpg

NRZ / Essen,Samstag, 31.08.2013

Misstrauen in Heisingen

Eine Begehung des Schullandheim Obere Aue lässt manche Bürger auch hier über ein geplantes Asylheim spekulieren. Die Stadt sagt auf Anfrage - nichts


Von Dominika Sagan

Heisingen. Von vorm versperren Gitter die Fenster, die Fassade vergammelt, hinter dem Bau wuchert das Gestrüpp: Pläne gab es einige für das ehemalige Schullandheim in Heisingen: Hostel für Radwanderer oder Kita etwa. Die Lage immerhin direkt am Baldeneysee ist traumhaft. Allein: Passiert ist jahrelang nichts. Bis vergangenen Donnerstagmorgen dann die Tür offen stand. Darin fand offenbar ein Begehung statt, die jetzt bei einigen Fragen aufwirft, anderen gar Sorgen bereitet.

Mögliche Standorte werden geprüft

Das Reizwort "Asylheim" machte schnell die Runde. Abgrundtiefes Misstrauen gegen die Stadt ist unter den Nachbarn herauszuhören, befeuert erst recht seit den Vorgängen in Frintrop.

Richtig ist: Die Stadt prüft derzeit alle möglichen Standorte für Asylbewerber, sagt aber nicht welche. Schon in Frintrop fühlten sich die Bürger übergangen. Und auch die Heisinger wollen informiert werden, sagen sie, für die es nun da unten am See Thema geworden ist. Auf Nachfrage dieser Zeitung teilt Stadtsprecherin Nicole Mause mit: "Keine Auskunft zum Standort Obere Aue." Immerhin kamen einige Spaziergänger kurz mit den zwei Frauen ins Gespräch, die das Heim vor zwei Tagen inspizierten. Die hätten von einer Art Schullandheim gesprochen, von Lehrern, Schülern und von 100 000 Euro Sanierungskosten sowie Migranten und nicht so hohen Ansprüchen, erinnert sich eine Heisingerin. Die Damen vor Ort habe ein Elektriker begleitet, wohl wegen eines "Kostenvoranschlags".

"Was passiert hier", wollen nun die wissen, die diesen Termin mitbekommen haben. Andere haben davon gehört. Und einige haben das Gefühl, die Stadt spiele nicht mit offenen Karten: "Warum bekommen wir keine Informationen?", fragen sie sich. Was sie skeptisch macht: die Summe der Investitionen. Denn bislang schätzten etwa der Sozialdienst Katholischer Frauen (SkF) und der CVJM, die 2010 dort ein Rad-Hostel planten, die Sanierungskosten auf rund eine Million Euro. So wurde aus der Idee nichts, denn die Ausgaben wären mit diesem Plan nicht zu erwirtschaften gewesen, sagt SkF-Geschäftsführer Björn Enno Hermans. Auch die Diakonie, die einst das Heim für die Stadtranderholung mietete, hat keinerlei Pläne für den Bau, sagt Sprecher Bernhard Munzel. Ob der nicht doch wieder als Kita-Standort geprüft werde, den im Frühjahr noch die Bezirksvertreter auf der Liste hatten, fragt Hermans. "Das kann die Stadt uns doch mitteilen", wundern sich manche Bürger. Sie wollen am Ball bleiben und vor allem im Vorfeld erfahren, was vor ihrer Haustür passiert.

Pläne für Rad-Hostel scheiterten


  • Der SkF wäre grundsätzlich an einem sozialen Projekt im ehemaligen Schullandheim interessiert, sagt Geschäftsführer Björn Enno Hermanns. Allein eine Lösung für die Wirtschaftlichkeit fehle.
  • Geplant war 2010 ein Rad-Hostel mit 42 Betten in Zwei- und Dreibetttzimmern. Eine kleine Reparatur-Station war zudem gedacht. Als der CVJM ausstieg, habe der SkF neue Partner gesucht

Bildunterschrift:
Das ehemalige Schullandheim in Heisingen: traumhaft gelegen und völlig vernachlässigt.   FOTO: NICOS KIMERUS

WAZ 30.08.2013 Nur Einsätze wegen Ruhestörung

WAZE20130830a.png

WAZ / Essen,Freitag, 30.08.2013

Nur Einsätze wegen Ruhestörung

Polizei: "Kein Flüchtlingsheim bereitet Kopfzerbrechen". Lob für die Stadt


Von Gerd Niewerth

Die Sorgen in der Bürgschaft vor überfüllten Flüchtlingsheimen wachsen. Und mit ihnen die Angst vor Kriminalität und Krawall, vor Prostitution und Vermüllung. Eine Horrorvorstellung, die in Essen offenbar ziemlich unberechtigt ist. Denn aus Sicht der Polizei geht's in den Essener Asylbewerberheimen weitgehend ruhig zu. Kriminalität? Fehlanzeige.

"Keine einzige Unterkunft bereitet uns Kopfzerbrechen, wir haben nirgendwo Brennpunkte zu beklagen", sagt der Polizeisprecher Peter Elke. Auf Anfrage dieser Zeitung verschaffte sich das Präsidium jetzt einen detaillierten Überblick über die Lage in allen vier Inspektionen (Nord, Süd, Stadtmitte und Mülheim) mit über einem Dutzend Hauptwachen. Beruhigendes Fazit dieser Umfrage: Obwohl die Flüchtlingsheime vor allem wegen des starken Zustroms aus Serbien und Mazedonien aus allen Nähten platzen, sind sie entgegen vielfacher Sorgen nicht Ausgangspunkte für Straftaten.

Die Vorkommnisse, die die Polizei auf den Plan riefen, fallen demnach eher unter die Kategorie "unspektakulär". "Es gibt immer wieder Einsätze wegen Ruhestörung", sagt Peter Elke, und fügt hinzu: Solche Klagen kommen allerdings überall im Stadtgebiet vor, nicht nur wegen Asylbewerberheimen." Mal riefen Hausbewohner die Polizei zur Hilfe, weil der Wohnungs- oder Zimmernachbar zu laut sei. Mal beschwerten sich genervte Anwohner, weil jemand spät abends seinen Teppich ausklopfe. Klagen gestresster Anwohner wurden zuletzt laut in der Umgebung des Asylheims Sartoriusstraße, das Pro Asyl zu den vorbildlich ausgestatteten Einrichtungen zählt. Der Grund: Immer wieder parken in der Nacht Lastwagen mit laufenden Motor vor dem Haus.

Während Ängste und Sorgen andernorts in Wut und Hass auf Asylbewerber umschlagen, gibt der Lagebericht des Essener Polizeipräsidiums eher Entwarnung. Überrascht hat dies die Verantwortlichen aber nicht. "Die Stadt Essen bemüht sich, die Asylbewerber übers ganze Stadtgebiet zu verteilen", lobt Elke, und ergänzt: "So wird Ghettobildung vermieden."

WAZ 29.08.2013 Leserbrief: In Wohnungen

WAZE20130826lb.png

NRZ / Essen, Rubrik Leserbriefe,Donnerstag, 29.08.2013

Leserbrief: In Wohnungen


Probleme mit Asylbewerbern.

Wenn Asylanten in Massenunterkünften mit einer Unzahl an Hochbetten und unterschiedlichen Herkunftsländern untergebracht werden sind Konflikte vorprogrammiert. Dass es anders geht, zeigt das Beispiel Leverkusen, wo Flüchtlinge in Wohnungen untergebracht werden. Das fördert die Integration und das Zusammenleben verschiedener Kulturen. Wenn wir schon nicht in der Lage sind, Kriegsherde einzudämmen oder zu verhindern, sollten wir wenigstens dafür sorgen, dass Flüchtlinge und Hilfesuchende menschenwürdig untergebracht werden. Ulrich Klös, Essen

WAZ 28.08.2013 Leserbriefe: Keinen Spaß / Besseres verdient

WAZE20130828.png

WAZ / Essen, Rubrik Leserbrief,Mittwoch, 28.08.2013

Leserbriefe: Keinen Spaß / Besseres verdient


Keinen Spaß

Asyl in Frintrop. Das Problem muss grundsätzlicher gelöst werden, indem die Entwicklungshilfe-Politik Armuts-Asylanten weitgehend verhindert und die Außen- und Waffenexport-Politik Kriegs-Asylanten auf ein Minimum reduziert. Denn es macht den Menschen, die zu uns fliehen müssen, ebensowenig Spaß, in einem fremden Land mit fremder Kultur zu leben, wie es vielen Anwohnern Spaß macht, mit Menschen aus fremden Kulturen die Nachbarschaft zu teilen. Dazu kommen noch die Erfahrungen aus den Folgen, dass Asylanten nicht arbeiten dürfen.

Udo Derlath, Essen


Besseres verdient

Asyl in Frintrop. Statt über fundierte Informationen und Transparenz beruhigend auf die Frintroper einzuwirken, stammeln Frau Eckenbach und Co. nur was von einer noch nicht vorhandenen Ratsvorlage. Die Frintroper haben bessere Vertreter verdient. Und was macht eigentlich der Integrationsbeauftragte der Stadt so den ganzen Tag?

Karl Kunkel, Essen

NRZ 27.08.2013 Leserbrief: Nichts gelernt?

NRZE20130827.png

NRZ / Essen, Rubrik Leserbrief,Dienstag, 27.08.2013

Leserbrief: Nichts gelernt?


Asyl. Hat Herr Renzel nichts gelernt aus der Sache an der Lohstraße? Die Bürger in Frintrop kann und darf man nicht verrückt machen, was man aber tut von der Verwaltung. Und dass Lokalpolitiker gar nicht wissen, darf man so nicht sehen, sie dürfen nur nichts sagen, bis was spruchreif ist, ansonsten entbindet man sich von der Schweigepflicht als Lokalpolitiker der BV. So ist die Situation in Frintrop zu sehen. Ferner ist doch mit Duschcontainern sehr unwürdig, wenn Menschen sich dann draußen waschen sollen. Da könnte man eher doch mal sehen, wo Wohnungen leerstehen, die man nutzen könnte. Da gibt es doch hier bei uns in Essen genug von, die keiner anmieten möchte. Wenn man die renoviert und etwas aufhübscht, sehen die wohl würdige aus als eine Schule oder Turnhalle. Und die Schule könnte man hier doch besser für Kinder- und Jugendarbeit für den Stadtteil nutzen. Das ist wesentlich besser.

Olaf Jasser, Essen

WAZ 27.08.2013 "Wir wussten von nichts" / Kommentar: Die Bürger mitnehmen

WAZE20130827.jpg

WAZ / Essen,Dienstag, 27.08.2013

"Wir wussten von nichts"

CDU-Sozialpolitikerin Jutta Eckenbach hadert mit der Kommunikationspolitik der Stadt beim Thema Asyl. Dort nimmt man sich davon nichts an


von Markus Schymiczek

Wird die ehemalige Walter-Pleitgen-Schule in Frintrop zur Notunterkunft für Asylbewerber wie es zahlreiche Anwohner befürchten? Im Stadtteil brodelt die Gerüchteküche. Sozialdezernent Peter Renzel zeigte sich gestern im Gespräch mit der Redaktion bemüht, die Temperatur wieder auf Sparflamme herunterzudrehen: Das Schulgebäude an der Straße Im Neerfeld sei einer von mehreren Standorten, die derzeit geprüft werden. Eine Entscheidung kündigte Renzel für die kommenden 14 Tage an. Sollte es am Ende tatsächlich auf die leergezogene Walter-Pleitgen-Schule hinauslaufen, wäre dies keine Überraschung. Die Zahl an leerstehenden Immobilien, die kurzfristig für den gewünschten Zweck zur Verfügung stehen, scheint überschaubar. Und: Laut Renzel muss sich die Stadt darauf einstellen, dass die Zahl an Asylbewerbern weiter steigt - Prognosen zufolge auf 900 Personen bis zum Winter. Das wären rund 200 Asylsuchende mehr als ein Jahr zuvor. Die Behelfsunterkunft in Kupferdreh-Dilldorf wird die Stadt deshalb voraussichtlich ab Oktober belegen. Auch damit wird es auf Sicht nicht getan sein. "Wir brauchen auf Dauer nutzbare Einrichtungen", betont Renzel.


"Es werden mehr
Asylsuchende zu
uns kommen"
Peter Renzel, Sozialdezernent

Kritik an der Informationspolitik der Verwaltung, wie sie Jutta Eckenbach, sozialpolitische Sprecherin der CDU-Ratsfraktion formuliert hat, weist der Dezernent gleichwohl zurück. Erst wenn alle Fakten geprüft seien, werde er die betroffenen Anwohner informieren. Für Mitte September stellte Renzel eine Bürgerversammlung in Aussicht. Dann dürfte der Sozialdezernent mehr zu sagen haben, als CDU-Ratsfrau Eckenbach und Bezirksbürgermeister Helmut Kehlbreier (SPD) auf einer Bürgerversammlung am vergangenen Donnerstag in Frintrop. "Wir wussten von nichts", so Eckenbach. Dass die Walter-Pleiten-Schule, wie vor Ort kolportiert, bereits umgebaut werde, stellte Renzel gestern allerdings in Abrede. Lediglich das Schulmobiliar werde abtransportiert. Umbauten sind nach Aussage der Stadtsprecherin auch nicht geplant.

Was nicht ist, kann noch werden. Wie Renzel erläutert ist die gesetzliche Aufnahmequote der Stadt für Asylbewerber inzwischen auf 85 Prozent gesunken, nachdem Essen diese noch im vergangenen Jahr aufgrund der hohen Zahl von Asylbewerbern, die zu wiederholten Mal einen Antrag gestellt hatten, übererfüllt hatte. Das heißt: Essen werden wieder mehr Flüchtlinge zugewiesen. Es gehe nicht um Roma aus Serbien und Mazedonien, so Renzel, sondern um Menschen aus Syrien, Ägypten und dem Irak.


Kommentar: Die Bürger mitnehmen

von Markus Schymiczek

Die Zahl der Asylbewerber steigt. Viele Bürger sehen dies mit Sorge. In Frintrop genügte offenbar der Besuch einer Mitarbeiterin der städtischen Immobilienwirtschaft in der Walter-Pleitgen-Schule, um die Gerüchteküche anzuheizen: das leergezogene Schulgebäude könnte als Notunterkunft genutzt werden. So falsch liegen Anwohner damit offenbar nicht. Sozialdezernent Renzel bemüht sich, die aufgebrachten Gemüter zu beruhigen: Noch sei nichts entschieden.

Der Mann hat recht: Welchen Standort auch immer die Stadt ins Auge fasst - Applaus werden die Verantwortlichen kaum erwarten können. Eben deshalb wäre es angesagt gewesen, die politischen Entscheidungsträger vor Ort frühzeitig in die Überlegungen einzuweihen statt sie -wie augenscheinlich in Frintrop geschehen - im Ahnungslosen zu belassen. Wer so leichtfertig handelt, läuft Gefahr, das Feld politischen Brandstiftern zu überlassen.

Stattdessen tut Aufklärung Not. Denn die Zahl an Asylbewerbern - sie wird steigen. Die Bilder aus Syrien und Ägypten lassen keinen anderen Schluss zu.
Bildunterschrift:
Die Stadt hat die Walter-Pleitgen-Schule in Frintrop als Behelfsunterkunft für Asylbewerber ins Auge gefasst. Denn deren Zahl steigt.   FOTO: MÜLLER

NRZ 26.08.2013 Sozialverwaltung gerät zunehmend unter Druck

NRZE20130826.png

NRZ / Essen,Montag, 26.08.2013

Sozialverwaltung gerät zunehmend unter Druck

Asyl: CDU übt massive Kritik an der Informationspolitik. Schule war Gestapo-Lager


Von Jörg Maibaum

"Die Info-Politik schreit zum Himmel." Mit harscher Kritik hat die sozialpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion auf das "schlechte Krisenmanagement" der Stadtverwaltung bei der Suche nach Asyl-Notunterkünften reagiert: "Da ist was schief gelaufen", sagte Jutta Eckenbach: Es müsse ämterübergreifend vernünftig gearbeitet werden. "Das muss geordneter laufen."

In dieser Woche will sich die Ratsfrau zusammen mit Sozialdezernent Peter Renzel und einigen Anwohnern der Walter-Pleitgen-Schule treffen, die nach NRZ-Informationen die bislang einzig greifbare Möglichkeit ist, um unter den Kriterien möglichst geringer Kosten und schneller Umsetzbarkeit einen größere Zahl von Flüchtlingen unterzubringen. Dann sollen alle vorhandenen Informationen auf den Tisch. Zudem will Eckenbach schnellst möglich die Liste der übrigen geprüften Standorte einsehen.

Wie berichtet, bietet das Gebäude nach Berechnungen der Stadt Platz für rund 100 Menschen. Da die sanitäre Ausstattung zu wünschen übrig lässt, sollen auf dem Gelände Duschcontainer aufgestellt werden, wobei dafür nach Informationen von Anwohnern drei Kastanien gefällt werden sollen. Die Gerüchteküche brodelt. Angeblich soll bereits länger feststehen, dass die Walter-Pleitgen-Schule von der Liste der Wahllokale für den bundesweiten Urnengang im September gestrichen worden sei.

Unterdessen haben Frintroper Geschäftsleute dem Protest von mittlerweile drei Initiativen ein öffentliches Forum gegeben: "Die Werbegemeinschaft Frintrop stellt diesen Schaukasten den Bürgerinitiativen unentgeltlich zur Verfügung" steht da schwarz auf weiß unter Glas gegenüber des Lebensmittel-Marktes Plassmann.

Mit einem Foto von einer Gedenktafel an der historisch belasteten Walter-Pleitgen-Schule wollen die Anwohner deutlich machen, wie fern ihnen rechtes Gedankengut und rassistische Ressentiments sind, aber auch daran erinnern, dass das Gebäude (wie rund 350 in der Stadt) während des Nazi-Terrors im Jahr 1944 ein Straflager der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) war. Die Häftlinge waren Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter und Geiseln. "Sie waren unmenschlich untergebracht, wurden grausam behandelt und völlig unzureichend ernährt", heißt es auf dem Schild. Essens verstorbener Stadthistoriker Ernst Schmidt hatte die schrecklichen Zustände in dem Lager in einem seiner vielen Beiträge einmal beschrieben unter dem Titel: "September 1944 in Frintrop. Eine Schule wird zur Hölle." Der Bevölkerung war es damals unter Androhung schwerer Strafen strikt verboten, den Insassen zu helfen. Doch auf dem Schild ganz unten noch etwas: "Dennoch gaben viele Bürger Frintrops den Gefangenen Zeichen ihrer Solidarität."

NRZ 24.08.2013 Keine wirkliche Asyl-Alternative

NRZE20130824k.jpg

NRZ / Essen,Samstag, 24.08.2013

Keine wirkliche Asyl-Alternative

Warum die Anwohner der Walter-Pleitgen-Schule mit ihren Vermutungen nicht so falsch liegen


Von Jörg Maibaum

Auch wenn in der Diskussion um zusätzliche Notunterkünfte für Asylbewerber nach Darstellung der Stadt noch keine offizielle Entscheidung gefallen ist: Die leergezogene Walter-Pleitgen-Schule in Unterfrintrop ist nach NRZ-Informationen der bislang einzige Standort, an dem eine kurzfristige Unterbringung der Menschen, die Essen in den kommenden Wochen zugewiesen werden, möglich erscheint. Es gibt zurzeit in der Tat keine erkennbare Alternative, heißt es dazu im Rathaus

Reges Treiben auf dem Schulhof

Die anderen der rund ein Dutzend Gebäude, die untersucht werden, sind in einem zum Teil viel schlechteren Zustand. Und eine Immobilie als dauerhaften Standort herzurichten nehme etwa ein halbes Jahr in Anspruch. So viel Zeit scheint man nicht zu haben im Rathaus, wo damit gerechnet wird, bereits im Oktober neue Flüchtlinge durch das Land zugewiesen zu bekommen.

Seit Tagen beobachten Anwohner ein reges Treiben auf dem Schulhof an der Straße im Neerfeld. Mittlerweile stehen dort Container, die aufmerksame Beobachter wie den Anwohner Rainer Wittmann, der am Donnerstag eine Bürgerversammlung "mit 200 Teilnehmern" organisierte, vermuten lassen, "dass die Bauarbeiten bereits im vollen Gange sind".

Was die Stadt allerdings in Abrede stellt. Die Schule, die erst seit Beginn der Sommerferien keine mehr ist, werde ausgeräumt. Jedoch sei in das Gebäude noch kein einziger Euro gesteckt worden.

Auch wenn sich der Standort in Unterfrintrop nach Auffassung der Experten für eine dauerhafte Unterbringung von Flüchtlingen nicht eigne, ist er als Behelfsunterkunft erste Wahl. Das Gebäude ist an Dach und Fach intakt, die Kosten möglicherweise anfallender Sanierungs- und Umbauarbeiten dürften sich in überschaubaren Grenzen halten. Zumal sich die sanitären Anlagen in einem guten Zustand befinden sollen. Einziges Manko: In der Schule gibt es keine adequaten Waschgelegenheiten. Doch auch für dieses Problem scheint die Stadt bereits eine Lösung parat zu haben: Duschcontainer auf dem Gelände aufzustellen, gilt als durchaus machbar.

Rund 100 Asylbewerber könnten nach Berechnungen der Stadt in der früheren Schule untergebracht werden. Das ist ziemlich genau die Zahl von Plätzen, die voraussichtlich benötigt werden, um um mit einem einzigen neuen Standort über den Winter zu kommen, wie es heißt. Die Kalkulation der Kommune ist eine einfache: in den aktuell zur Verfügung stehenden Asyl-Heimen können 720 Menschen leben. 80 Plätze stehen in der bereits durchsanierten Behelfsunterkunft ehemalige Dilldorfschule in Kupferdreh zur Verfügung, die als nächstes belegt wird. Macht summa summarum: 800 Plätze. Fehlen also noch 100, damit die Rechnung der Stadt aufgeht, die nach eigenen Angaben davon ausgeht, im kommenden Winter für 900 Flüchtlinge ein Dach über dem Kopf vorhalten zu müssen.
Bildunterschrift:
Obwohl Container auf dem Schulhof stehen, gebe es keine Umbauarbeiten, so die Stadt. Die Schule wurde leer geräumt   FOTO: MORITZ STOFFELSHAUS

NRZ 24.08.2013 Kommentar: Vor (fast) vollendete Tatsachen gestellt

NRZE20130824kom.png

NRZ / Essen, Rubrik Kommentar "In diesen Tagen",Samstag, 24.08.2013

Vor (fast) vollendete Tatsachen gestellt


Von Jörg Maibaum

Da mag die Stadt noch so oft beteuern, über eine mögliche Notunterkunft für Flüchtlinge in Unterfrintrop sei noch nicht abschließend entschieden - Die Anwohner fühlen sich schon jetzt vor (fast) vollendete Tatsachen gestellt.

Und so falsch liegen sie damit offenbar nicht. Alle Fakten sprechen für den Standort Im Neerfeld.

Folglich ist das Vertrauen in die Verantwortlichen ramponiert. Reißen Politiker und Verwaltung das Ruder nicht schnell herum, wird die öffentliche Meinung eine Richtung einschlagen, die niemandem recht sein kann.

Schon jetzt läuft die Sozialverwaltung Gefahr, durch einen Mangel an Information und Transparenz einen Raum zu schaffen für Ängste und diffuse Ressentiments.

Nichts gelernt aus den Erfahrungen an der Lohstraße, möchte man meinen, als Knall auf Fall Roma in einer Turnhalle untergebracht wurden und Sozialdezernent Peter Renzel Besserung bei der künftigen Informationspolitik gelobte.

Jetzt bleibt ihm nicht mehr viel Zeit, um ein ehrliches Gespräch mit den Anwohnern zu führen, bevor sich die Fraktion der Rechtsaußen des Themas annimmt, um Kapital aus den Befürchtungen der Menschen vor Ort für ihre rassistische Hetze zu schlagen.

Die Frintroper Bürger sollten solcherlei Parolen nicht auf den Leim gehen, sondern vielmehr den Schulterschluss mit der Stadt üben und dabei ihr Recht auf ehrliche Informationen einklagen. Durchaus wahrscheinlich ist, dass sie am Ende dennoch für eine gewisse Zeit mit Flüchtlingen vor der Haustür leben müssen. Das erfordert Toleranz und die vorhandene Bereitschaft der Stadt gleichermaßen, den Prozess einer vorübergehenden Nachbarschaft gemeinsam mit Anwohnern, Kirchenvertretern, Flüchtlingshelfern und - wenn nötig - auch der Polizei zu moderieren, damit eins allen erspart bleibt: Derart unsägliche Bilder, wie sie aus Berlin-Hellersdorf um die Welt gingen, oder von Nachtwachen aus Angst vor Übergriffen vor einem Roma-Haus in Duisburg - die wollen wir in Essen nicht sehen.

NRZ 24.08.2013 "Die veräppeln uns hier alle"

NRZE20130824.jpg

NRZ / Essen,Samstag, 24.08.2013

"Die veräppeln uns hier alle"

Bei einer Bürgerversammlung in Frintrop kam die Wut hoch über den Plan, in der Walter-Pleitgen-Schule Asylbewerber anzusiedeln. Politiker wurden beschimpft


Von Frank-Rainer Hesselmann

Frintrop. "Warum sind Sie eigentlich Politiker, wenn Sie von dem, was hier passiert, nichts wissen?" Diese emotionsgeladene Frage ruft ein Teilnehmer der Bürgerversammlung zu Thema "Neues Wohnheim für Asylbewerber in Unterfrintrop" den anwesenden Politikern entgegen. Zuvor haben Jutta Eckenbach, CDU-Ratsfrau, und Bezirksbürgermeister Helmut Kehlbreier (SPD) mehrmals versichert: "Es gibt keinen Ratsbeschluss, dass Asylbewerber in der früheren Walter-Pleitgen-Schule untergebracht werden sollen." Tatsächlich prüft die Verwaltung derzeit 17 Standorte im Stadtgebiet, eine Entscheidung ist noch nicht gefallen. Trotzdem glauben die Frintroper: "Die veräppeln uns hier alle."

Rainer Wittmann hat mit einigen Nachbarn das Treffen organisiert, um sich mit Nachbarn über die "Gerüchte im Stadtteil" auszutauschen. Dafür haben sie Handzettel in den Straßen verteilt. Schnell ist der kleine Saal der Gaststätte "Wienert" am Höhenweg überfüllt. Viele müssen auf dem Gehsteig warten, hören nur Bruchstücke der hitzigen Diskussion von Überbringern aus dem Innenraum.

Sorge um die gute Nachbarschaft

Drinnen wie draußen werden eben jene Gerüchte ausgetauscht und Ängste artikuliert: "Wie wollen uns die gute Nachbarschaft in Unterfrintrop nicht kaputt machen lassen", sagte eine Frau. "Erst haben sie die Herz-Jesu-Kirche abgerissen und Familien angelockt - und jetzt machen sie Kindergärten und Schulen dicht, um Asylanten hier unterzubringen", ärgert sich eine andere.


"Warum sind
Sie Politiker, wenn
Sie von dem, was
hier passiert, nichts
wissen?"
Ein Frintroper beim Bürgertreffen

"Das läuft mit uns nicht", sagte ein Mann, der mit einer Unterschriftenliste unterwegs ist.

In diesem Klima hat FDP-Ratsherr Peter Schöneweiß einen schweren Stand: Mit Sachargumenten und dem Verweis auf die ein Not geratenen Menschen verschiedener Kulturen ist gegen die vorherrschende Stimmung kaum anzukommen. "Südosteuropäere gehen ja noch, aber Taliban wollen wir in Frintrop nicht haben", heißt es da etwa. Oder: "Am Schemmannsfeld war früher die Mau-Mau. Da können sie die Leute unterbringen", schimpft eine Frau.

Ergebnisse bringt das Treffen der aufgebrachten Anwohner naturgemäß keine. Aber es soll - möglichst bald - eine neue Bürgerversammlung in einem größeren Raum geben, "bei der alle Fakten auf den Tisch müssen". Die Stadtverwaltung sagte dazu am Freitag, man werde zu einer solchen Versammlung einladen, wenn einer der 17 Standorte ausgewählt sein wird.

In Frintrop glaubt freilich niemand, dass die Entscheidung wirklich noch offen ist: "Der Umbau in der Schule hat doch schon begonnen", heißt es. Das bestreitet die Stadt - doch das Vertrauen der Unterfrintroper zur Verwaltung ist jetzt arg gestört. Und von den Ortspolitikern hatten sie sich mehr Antworten erhofft.


Rathaus-Info fehlte

Sozialdezernent Peter Renzel wurde vermisst

Frintrop. "Dass die Walter-Pleitgen-Schule als möglicher Standort für eine Asylbewerberunterkunft auf der städtischen Prüfliste steht - davon sind nicht nur die Anlieger, sondern auch wir überrascht worden", erklärten Jutta Eckenbach und Helmut Kehlbreier am Rande der Bürgerversammlung. "Aus dem Rathaus hatten wir keine Informationen", stimmten die Ortspolitiker überein. Dass jedoch der zuständige Sozialdezernent Peter Renzel "nicht da ist, wenn so eine Sache läuft", kam auch bei seinen Christdemokraten schlecht an. Erst am Montag ist er aus dem Urlaub zurück.

Sollte sich die Verwaltung, wie viele Frintroper bereits heute vermuten, für die Walter-Pleitgen-Schule entscheiden, wollen die Versammlungsteilnehmer ihren Widerstand verstärken. "Bald sind ja Bundestagswahlen. wir werden dann ja rechtzeitig wissen, wo wir unser Kreuzchen auf dem Zettel machen müssen", sagte ein Anlieger im Saal. So einfach kämen Politiker und Stadt "aus der Nummer nicht 'raus".

Vor den Türen der Häuser in der Straße Im Neerfeld diskutieren die Nachbarn der Schule weiterhin heftig. "Dass noch geprüft wird, glaube ich nicht. Das ist doch längst beschlossen", sagte einer, der aus seinem Fenster "auf den Pausenhof blicken" kann. "Was glaubt ihr wohl, wenn da bald 200 Leute wohnen. Da könnt auch ihr nicht mehr ruhig schlafen."   frh
Bildunterschrift:
Viele Frintroper unterschreiben die Listen, weil sie kein Asylbewohnerhaus in ihrer Nachbarschaft wollen.   FOTO SEBASTIAN KONOPKA


WAZ 23.08.2013 Anwohner wehren sich gegen Asyl-Unterkunft, Kommentar: Das Gespräch suchen

WAZ20130823.jpg

WAZ / Essen,Freitag, 23.08.2013

Anwohner wehren sich gegen Asyl-Unterkunft

Weil die Zahl der Asylbewerber wächst, will die Stadtverwaltung eventuell die ehemalige Walter-Pleitgen-Schule in Frintrop als Noteinrichtung nutzen. Vor Ort sorgt das für Verunsicherung


Von Christina Wandt

Mit Sorge beobachtet die Stadt die steigenden Asylbewerberzahlen. Zum einen werden händeringend neue Unterkünfte gesucht, zum anderen hat man es an praktisch jedem Standort mit Anwohnern zu tun, die mit Argwohn auf die neuen Nachbarn reagieren. Und schließlich machen sich ausländer- und islamfeindliche Gruppierungen die schwierige Gemengelage zunutze und heizen das Thema im Wahlkampf rücksichtslos auf.

Dass die zehn Unterkünfte im Stadtgebiet mit ihren maximal 720 Plätzen bald nicht mehr ausreichen werden, ist eine Tatsache. Schon jetzt leben hier 634 Asylbewerber - im August 2012 waren es 455. Viele Menschen aus Serbien (290) und Mazedonien (90) sind in diesem Jahr bereits im Sommer eingereist; etliche stellen zum zweiten oder wiederholten mal einen Antrag - und müssen mit einer erneuten Ablehnung rechnen. Hinzu kommen vermehrt Flüchtlinge aus Krisenstaaten wie Syrien, Ägypten, Irak, Iran, Afghanistan sowie Bosnien-Herzegowina und Tschetschenien.

Gerüchte und Angst verbreiten sich

Die Stadt muss also bald auf die 80 Reserve-Plätze in der Dilldorfschule in Kupferdreh zurückgreifen. Die bloße Ankündigung, hier eine Behelfseinrichtung zu schaffen, hatte 2012 für Unruhe gesorgt; ausgerechnet mit einer Lichterkette verliehen die Anwohner ihrem Unmut Ausdruck. Es folgten eine heftige Diskussion mit Vertretern der Verwaltung, Kampagnen der Rechten, Gegen-Demos der Linken.

All das könnte sich demnächst in Frintrop wiederholen. Denn die Stadt prüft derzeit, ob die Walter-Pleitgen-Schule, die vor den Sommerferien auslief, zeitnah als Unterkunft für Asylbewerber genutzt werden könnte. Am gestrigen Donnerstagnachmittag kamen fast 200 verunsicherte und empörte Anwohner zu einer Versammlung zusammen. "Wir fühlen uns von der Stadt hintergangen", sagte Rainer Wittmann, einer der Einlader. "Die Pläne hat uns kein Offizieller verraten, sondern der Schulhausmeister." Rasch habe sich das Gerücht verbreitet und mit ihm die Angst: "Ich wohne gegenüber der Schule, mein Haus ist meine Altersvorsorge", sagt auch Wittmann. "Aber mit den Rechten wollen wir nichts zu tun haben."

Doch in der Einladung zu der Versammlung gibt es Passagen, die von Rechten formuliert sein könnten. Da ist von Erfahrungen mit Sinti und Roma in anderen Städten die Rede, wo "die Notdurft teils in der Öffentlichkeit verrichtet wird, Straßenzüge vermüllen, der Lärm unerträglich ist, die Kriminalitätsrate emporschnellt". Doch Wittmann wiegelt ab. "Wir wollen keinen Aufstand, wir wollen nur Information."

Die Verwaltung weiß, dass Handlungsbedarf besteht, nicht nur, was die Information der Bürger angeht. Niemand will eine Situation wie in Berlin-Hellersdorf, wo rechte Hetzer jetzt eine Asylunterkunft belagert und Bewohner eingeschüchtert haben. Die Agitatoren wollen auch in NRW vermehrt vor Asylheimen und Moscheen aufmarschieren.

Wachsam beobachtet daher auch die Polizei die Lage: Pro Deutschland hat schon für nächsten Donnerstag eine Demonstration vor einer Moschee in Altenessen angemeldet, mit 6 bis 50 Teilnehmern. Erfahrungsgemäß würden es eher sechs, sagt Polizeisprecher Peter Elke. "Wir machen uns keine Sorgen - Gedanken machen wir uns schon."


Umbau hat offenbar begonnen

Nachbarn der Schule fühlen sich überrumpelt

Für große Empörung bei den Anwohnern in Frintrop sorgte die Informationspolitik der Stadt. Dass die frühere Walter-Pleitgen-Schule in eine Unterkunft für Asylbewerber umgewandelt werden könnte, habe man "nur aus Munkeleien" erfahren, ärgert sich Rainer Wittmann. Dabei sei in dem Schulgebäude längst der Umbau im Gange - man habe Handwerker gesehen.

Wohl auch deswegen erlebte die Bürgerversammlung am gestrigen Donnerstag einen so großen Zuspruch. Viele Bürger fanden keinen Platz in der Gaststätte, sondern diskutierten vor dem Lokal über ihre Befürchtungen: Frintrop werde als Einzelhandels-Standort leiden, die Immobilienpreise könnten sinken.

CDU-Ratsfrau Jutta Eckenbach und Bezirksbürgermeister Helmut Kehlbreier (SPD), die zu der Versammlung kamen, betonten, dass es noch keine Ratsvorlage über die Einrichtung eines Asylbewerberheims in der früheren Schule gebe. Die Gemüter beruhigte das nicht.


Kommentar: Das Gespräch suchen

Von Christina Wandt

Beim Thema Asyl droht der Stadt die Zeit davon zu laufen: Das neue Asylkonzept wird erst mitten in der heißen Wahlkampfphase im Sozialausschuss neu diskutiert, die meisten Unterkünfte sind belegt - und an jedem neuen Standort drohen unschöne Diskussionen.

In Frintrop kamen am Donnerstag so viele Anwohner zusammen, dass viele es gar nicht in den Versammlungsraum schafften. Die Gemüter waren erhitzt, und schon einige Formulierungen aus der Einladung verheißen nichts Gutes. In Berlin-Hellersdorf hat sich dieser Tage gezeigt, wie schnell die Lage eskalieren kann, wenn sich Rechtsextreme des Themas Asyl bemächtigen.

Schon darum sollten Politik und Verwaltung schleunigst das Gespräch mit den betroffenen Anwohnern suchen - bevor es die rechten Hetzer tun.
Bildunterschrift:
In der Walter-Pleitgen-Schule in Frintrop könnten schon bald Asylbewerber untergebracht werden. Die Grundschule ist gerade geschlossen worden.   FOTO OUWER MÜLLER


Steubenstr. 49, 45138 Essen
. nach oben Hauptseite Wir helfen! E-Mail: artessen<a>gmx.dePost_icon.png