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Bereits eine halbe Stunde vor Beginn des Bürgerinformationsabends zum geplanten Integrationszentrum an der Hagenbeck 14 ist es übervoll im Gasthaus "Zur eigenen Scholle".
Man kennt sich untereinander, schließlich wohnt man Tür an Tür, und so wird bereits vor Beginn heiß diskutiert. Die Stimmung ist gespannt, das merkt man sofort. Auch wenn viele sagen, sie hätten sich noch keine Meinung gebildet und wollten sich erst einmal informieren lassen.
Auf den Tischen stehen kleine Fladenbrote, "greifen Sie zu, Sie sind unsere Gäste" wird später der Architekt Oylar Saguner die Anwesenden ermuntern. Trotzdem werden die Brote bis zum Schluss nur ganz unauffällig weniger, keiner will sich anmerken lassen, dass er von der türkischen Gastfreundschaft Gebrauch macht.
An der Frontseite sitzen acht Männer, die an diesem Abend versuchen sollen, die Kohlen aus dem Feuer zu holen. Auch ihnen ist die Anspannung deutlich anzumerken. "Wir sind Amateure, bitte entschuldigen Sie, wenn man das merkt", bedauern sie kollektiv.
Der Pressesprecher übernimmt die Moderation des Abends, ungeübt wie es scheint, aber doch mit viel gutem Willen. Er stellt die Herren vor, reißt mit einem Satz an, dass auch die "Frauenabteilung, so nenn' ich sie jetzt einfach mal" anwesend sei und will zum ersten Pogrammpunkt übergehen. Tumultartig melden sich die Anwesenden zu Wort: "Bitte stellen sie auch die Frauen vor". Diese sitzen an der Seite, bis auf die Vorsitzende, die ihren Namen selbst ins Mikro sagen muss, da er dem Pressesprecher nicht geläufig ist, tragen alle ein Kopftuch. Mehr hört man aus dieser Ecke im weiteren Verlauf des Abends nicht.
Weiter geht es mit der Begrüßung durch Kemal Yapar von der Gemeinde Helenenstraße.
Religionszentrum
für Muslime
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Anschließend stellt der Sekretär, Kabacan, die Geschichte der türkischen Gemeinde Altendorf vor. Er beginnt mit der Gründung Anfang der 70er Jahre und erzählt, wie sie anwuchs und immer wieder umziehen musste, weil zu wenig Platz vorhanden war. So auch jetzt wieder. Auf seine Frage wer denn wisse, was die Gemeinde für ein Angebot hat, erntet er nur verdruckstes Lachen. Jeder scheint eine Meinung zu haben, doch niemand kann auf fundiertes Wissen zurückgreifen. Dann stellt er die zahlreichen Aktivitäten der Gemeinde vor, um zu
untermauern, wofür das Integrationszentrum benötigt würde.
"Wir haben Hausaufgabenhilfe, ein Kultur- und Integrationsangebot, bieten Hilfe bei Behördengängen und stehen im Dialog mit den Kirchen, besonders der an der Ohmstraße", betont Kabancan. Wieder raunt es im Saal. Für die zukünftig geplanten Angebote, wie Computerkurse, weitere Sportangebote und Ähnliches brauche man das Zentrum, schließt Kabacan.
Nun steht die Vorstellung des Dachverbands Ditib Köln auf dem Programm. Die zusammengeschlossenen Gemeinden bilden die größte islamische Vereinigung innerhalb Deutschlands. Ihr Angebot umfasse nie das einer reinen Moscheegemeinde, sondern gehe weit darüber hinaus. Das sei ähnlich wie bei den christlichen Kirchen hier. Von den insgesamt 25 Moscheen in Essen sind sechs der Ditib angeschlossen.
Endlich ergreift der Architekt das Wort. Er beginnt mit einer Entschuldigung: "Diese Versammlung kommt ein wenig zu spät." Tosender Applaus. Das sieht man hier genauso. Die Begründung liefert Saguner direkt hinterher: "Ich als Architekt habe vorher versucht, mit allen Parteien zu sprechen". Dabei bezieht er sich auf die Firma Noweda, die Stadt, Medienvertreter und den Vertreter der Anwohner, Herrn Breuer. Er habe mit allen, außer Letztgenanntem, ein nettes Gespräch geführt und so habe die Veranstaltung nun stattfinden können. Breuer ist unter den Anwesenden, er sagt :"Ich habe ein solches Gespräch abgelehnt, da ich verhindern wollte, dass es hier heißt 'Wie ich mit Herrn Breuer bereits besprochen habe'". Wieder applaudieren die Anwesenden.
Dann beginnt der Architekt mit der Vorstellung des Projekts. Dabei betont er, dass die Größe einer Moschee in keinem Zusammenhang mit der Anzahl der Gemeindemitglieder stehe. Das sei im Islam nie so. Die betreffende Gemeinde in diesem Fall umfasst 280, Mitglieder, davon sind 60 Frauen.
Saguner wendet sich nun dem Bauplan zu. Auf der Seite zur Nöggerathstraße soll ein Funktionseingang entstehen, der von allen, die nicht zum reinen Beten kommen, genutzt werden soll. Direkt daneben gelegen sind die Schule und die Sporthalle. Außerdem wird es einen Veranstaltungsraum für ca. 170 Personen geben, mit Anschluss an einen Lagerraum und eine Küche,die für die Festmahlzeiten während des Ramadans benötigt werden.
Der Hauptgebetstaum wird mehrere Eingänge haben, aus der heutigen Feuerleiter wird ein Minarett gestaltet, indem sie mit luftigen Alubuchstaben gestaltet wird. Das Minarett wird jedoch nur Deko sein und nicht funktionstüchtig.
Das Dach soll aus einer Aluminiumkuppel bestehen, die im Vergleich zum heutigen Dach wesentlich leichter ist. Neben Wasch- und Büroräumen entsteht außerdem ein Seniorencafe. "Die Menschen bleiben dann den ganzen Tag in unserem Zentrum", freut sich Saguner.
Der Imam der Gemeinde wird direkt im Integrationszentrum seine Wohnung haben, so.dass die Gläubigen ihn jederzeit aufsuchen können.
Bereits während der Ansprache des Architekten ist es unruhig geworden. Genug geredet, finden die Bürger, jetzt wollen wir Fragen stellen. Obwohl zuvor darum gebeten worden war, mit Fragen bis zum Schluss zu warten, konnten sich nicht mehr alle beherrschen. "Wir wollen Fakten!", ruft eine genervte Anwohnerin in den Raum und erntet Applaus. So beginnen die Verantwortlichen die Fragerunde. Brennend interessiert die Bürger die Parkplatzsituation. Angenommen es kämen weitere Mitglieder der umliegenden Gemeinden, könnte das neugeschaffene Parkplatzangebot von 90 Stellplätzen innerhalb der Anlage, den Anforderungen nicht mehr gerecht werden. Nun doch leicht ungehalten, betont Saguner, es sei bereits deutlich geworden, dass keine weiteren Gäste zu erwarten seien. Derzeit kämen rund 55 Autos an hohen Festtagen an die Helenenstraße, das würde sich auch am neuen Standort nicht ändern. Unzufriedenheit, die Mehrheit der Anwesenden zweifelt an diesen Worten. Ein Herr in der letzten Reihe will sogar "per Abstimmung erfragen, ob Sie in Altendorf überhaupt erwünscht sind." Dieser barsche Wunsch ruft dann doch Unverständnis hervor. So persönlich will sonst niemand werden, auch wenn teilweise der Unmut zu spüren ist. Auch die Frage, wieso das Gebäude "verschachert wurde, ohne das wir informiert wurden" müssen die türkischen Vertreter beantworten. Das sei gewesen, damit dieses Objekt nicht in andere Hände falle, schließlich suche die Gemeinde bereits sei 15 Jahren mit dem Wissen der Stadt, nach einer neuen Immobilie.
Letztlich will man noch wissen, wieso noch kein Bauantrag gestellt worden sei. Eine wichtige Frage, steht doch, solange der Antrag nicht genehmigt ist, das Vorhaben noch in den Sternen.
"Wir reichen den Antrag nächste Woche ein", heißt es. Es habe eben gedauert, bis man sich über alle Wünsche im Klaren gewesen sei.
Eine Frage bleibt: Was kommt jetzt?
| So schließt ein turbulenter Abend voller Informationen und Emotionen, bei dem sich beide Parteien" die Anwohner und auch die türkischen Mitbürger zumeist von ihrer besten Seite zeigten.
Der Polizist der draußen vor der Tür wartete, zeigt, dass damit nicht von Anfang an gerechnet wurde...
Meike Laskowski
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