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Achtung: Teilartikel!
Pro Asyl - Rundbrief / Essen, November 2008
„Allgemeines Unbehagen“
Kommentar zum WAZ - Artikel vom 18.10.2008
Der Artikel hat dem Verfasser offenbar so gut gefallen, dass er ihn mit etwas verändertem Aufbau und neuem Titel zum größten Teil wortgleich wiederholt hat. Nun hat auch ProAsyl gegen den Artikel protestiert und beim deutschen Presserat Beschwerde eingereicht. „Landnahme“ Der Artikel gibt vor, berechtigte Ängste der Menschen anzusprechen, die in der Nähe der zukünftigen Altendorfer Moschee wohnen. Im Ergebnis aber wird hier die Angst vor Mitbürgern ausländischer Herkunft suggeriert und bekräftigt. Es werden Szenarien rüpelhaften Verhaltens konstruiert, die wie selbstverständlich Menschen einer ganz bestimmten (suggeriert wird: türkischen) Herkunft unterstellt werden. Z.B: "...Mehmet: 'Wenn meine Frau in den Trockenraum will und er ist abgeschlossen, dann trete ich die Tür ein und hänge sie aus’.” Kommentar des Verfassers dazu: „Eigene Gesetze, 'Landnahme' im Wohnhaus." Dem militärischen Ausdruck der "Landnahme" (in welchem Krieg befindet sich der Verfasser eigentlich?) wird dann ein idyllisches Ruhrgebietsbild gegenüber gestellt: "Vieles von dem tun deutsche Rüpel übrigens auch. Wir wissen aber auf Grund von Erfahrungs- und gemeinsamen Sozialisationswerten recht gut mit deutschen Rüpeln umzugehen. In der Zechensiedlung, in der ich groß geworden bin, wäre die Sache mit dem Trockenraum ungefähr so ausgegangen: Vater geht zum renitenten Nachbarn rüber und fängt an: 'So, jetzt hömma zu, Willi...' Die Sache endet dann günstigenfalls bei zwei Flaschen Pils, schlechtenfalls beim Schiedsmann." Jede andere, ebenso ins Ruhrgebiet passende Szene wird bewusst übersprungen: ebenso realistisch ist denkbar, dass der alkoholisierte Willi in dieser Situation seinem Gegenüber kräftig einen "auf die Fresse" gibt - also eine "Landnahme" der anderen Art... Genau so beliebig sind die anderen Beispiele rüpelhaften Verhaltens, die im Artikel vorgebracht werden. Selbstverständlich lassen sie sich ohne große Anstrengungen finden - bei türkischen wie auch bei allen anderen Nachbarn. In der Großstadt lebt man eng neben Menschen mit schlechten Charaktereigenschaften (und neben netten Menschen übrigens auch!). So manches fehlerhafte Verhalten von Migranten lässt sich auch durch die lang andauernde und vielseitige Ausgrenzung erklären - auch wenn dies nicht als Entschuldigung gelten kann. Wenn solche sachfremden Einzelkonstruktionen als argumentative Grundlage gegen den Moscheebau genutzt werden, wird aus der vorgeblichen Information eine polemische Unterstellung und Hetze. Wer ist hier nicht integriert? In den Beispielen des Artikels wird das Fehlverhalten nicht einzelnen Rüpeln, sondern bestimmten ethnischen und religiösen Gruppen unterstellt. Insbesondere wird unterstellt, dass "wir" nicht damit umzugehen wissen, weil die anderen ja so fremd sind. "Wir wissen nicht mit Übergriffen von Migranten auf direktem Weg umzugehen. Was passiert denn, wenn ich sage: 'So, jetzt hömma zu, Mehmet...'? Versteht er mich überhaupt? Und wie reagiert er? Die (noch) nicht integrierten Migranten tragen einen permanenten Faktor des Unberechenbaren in die Gesellschaft." Richtig ist dagegen: Wer, wie der Verfasser dieses Artikels, nach bald 50 Jahren türkischer Migrationsgeschichte in Deutschland noch nicht gelernt hat, mit Türken so umzugehen wie mit normalen Menschen, der ist nicht integriert in dem Migrationsland Deutschland und trägt "einen Faktor des Unberechenbaren" in die Gesellschaft! Der Anspruch, sich zu integrieren,
wird wie zu oft nur in eine Richtung,
an die Migranten, gestellt: "Sie müssen sich als für die christlich-abendländisch geprägte Mehrheitsgesellschaft berechenbar fühlbar machen." Der Verfasser pocht dagegen auf die "Bringschuld unserer Gäste" (wie viele Generationen von Migranten müssen sich noch als Gäste titulieren lassen?) - es wird Zeit von ihm die Bringschuld von Offenheit und Vorurteilslosigkeit einzufordern. Verantwortung in der Pressefreiheit Solche Artikel sollte es nicht geben. Sie tragen nur dazu bei, den Zusammenhalt der Gesellschaft in Frage zu stellen. Wir haben eine Pressefreiheit, die in "unserer" humanistischen Tradition auch die Kritik an Religionen umfasst. Man sollte verantwortungsvoll mit ihr umgehen. Zum Glück bestimmen Artikel wie dieser nicht im Allgemeinen den Ton in der Essener Presse. In vielen Beiträgen anderer Verfasser zu diesem Thema - auch in der WAZ - zeigt sich ein objektiveres Bild. Wir wünschen, dass auf solch schädliche Entgleisungen in Zukunft verzichtet wird.
Gabriella Guidi |
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