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NRZ / Essen,Mittwoch, 01.08.2007
Wir brauchen Ihre Toleranz
RELIGION. Ditib räumt ein: Öffentlichkeit wurde zu spät informiert. Das hatte jedoch Gründe.
Der Einwurf eines "Basisdemokraten" gleich zu Beginn der Bürgerversammlung in Sachen Moschee, man solle doch über Mehrheitsentscheid abstimmen lassen, ob denn der Ditib-Verein von der Helenenstraße "überhaupt willkommen ist in Altendorf", ließ Schlimmstes befürchten. Doch von einzelnen Scharfmachern abgesehen, schien den allermeisten Bürgern im überfüllten Saal der Gaststätte "Eigene Scholle" an der Raumerstraße die nicht ganz freiwillige Informationsoffensive des Vereinsvorstands ein Schritt in die richtige Richtung gewesen zu sein. Denn es war ein Schritt auf sie zu.
"Wir brauchen ihre Toleranz", appelliert der mit der Planung des Multifunktionsbaus für Muslime beauftragte Architekt Oylar Saguner bei der Vorstellung seiner Pläne, um einzuräumen: "Diese Versammlung ist ein wenig zu spät!" In der Tat wollte der Ditib-Verein von der Helenenstraße diesmal auf Nummer Sicher gehen und sich nach Jahren der Suche nicht noch einen Standort für eine neue Moschee vor der Nase wegschnappen lassen. So ist es zuletzt passiert an der Helenenstraße, als Pläne öffentlich wurden und Thyssen-Krupp das von Ditib ausgeguckte Gebäude im Krupp-Gürtel zurückkaufte. Nachvollziehbar, dass der Verein danach die Grundstücksgeschäfte an der Straße "In der Hagenbeck" erst in trockenen Tüchern haben wollte, bevor sie Allgemeingut wurden. Denn an dem Böhmer-Grundstück hatte noch jemand Interesse: Die Wohnungsgenossenschaft Essen Nord, die bereits eine Bauvoranfrage für Wohnungen bei de Stadt gestellt hatte. Dort wurde das Projekt aber als zu "massiv" abgelehnt. Allenfalls eine "Randbebauung" sei genehmigungsfähig, hieß es, worauf hier die Genossenschaft ihr Vorhaben nicht weiter verfolgte, mit dem nun bekannten Ergebnis. Mit Recht beklagen die Anwohner nun einen Mangel an Information. Nicht nur auf Seiten des türkischen Vereins sondern auch auf Seiten de Stadtverwaltung, die seit Monaten von den Plänen weiß. Fehlende Fakten schafften Raum für Spekulationen: Während die Zahl von 2000 Gottesdienstbesuchern in der 1000-Quadratmeter-Gebetshalle durch den Raum schwebt und zu kruden Hochrechnungen des zu befürchtenden Verkehrsaufkommens führt, sag Ditib-Sprecher Gökselin Acar, dass "auch in 30 Jahren keine 2000 Menschen" zu erwarten seien, zumal man bislang selbst beim Freitagsgebet maximal 150 Muslime zählen konnte. Warum dann das alles? Die deutsche Ditib will ihre Vereine mehr auf ein Leben in Deutschland ausrichten, meinen Integrationsexperten. Um die nächste tonangebende Generation der hier lebenden Türken allerdings bei der Stange zu halten halten zu können in den Gemeinden, brauche es mehr als schäbige Hinterhof-Moscheen: Gebetshäuser, die was hermachen mit Sportangeboten, Jugendtreffs und Veranstaltungshalle. Eben so, wie es jetzt geplant ist im Schatten des Bahnhofs in Frohnhausen. (j.m.) |
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