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NRZ / Essen, Rubrik IN DIESEN TAGEN,Samstag, 04.08.07


Scheinheilige Diskussionen

Anmerkungen zum Stadtgeschehen


Was fremd ist, macht Angst, und wenn sich diese Furcht dann auch noch mit so alltäglichen Sorgen wie der Parkplatznot vor der eigenen Haustür vermengt, entsteht daraus eine brisante Mischung. In Altendorf lässt es sich derzeit beispielhaft beobachten. Die Diskussion um den geplanten Bau einer Moschee an der Straße In der Hagenbeck" hat zwar gerade erst begonnen, an Scheinheiligkeit fehlt es ihr schon jetzt nicht.


Da droht eine Firma offen mit Investitionsstopp und der Verlagerung ihres Standorts, der Chef eines genossenschaftlichen Wohnungsunternehmens wittert unerlaubte politische Einflussnahme, und im Büro des Oberbürgermeisters landen fast täglich Protestschreiben. Rund 500 tief besorgte Nachbarn sollen es inzwischen sein, die meisten haben ihre Unterschrift unter den offenbar von zentraler Stelle verfassten Text gesetzt, ohne dass überhaupt bekannt war, was auf dem Gelände einer - ehemaligen Lagerhalle passieren soll.

Die offenkundigen Informationsdefizite, die sich der Moschee-Verein Ditib ankreiden lassen muss haben mit dazu beigetragen, dass sich in Teilen der Altendorfer Bevölkerung eine Anti-Stimmung breit machte. Verwunderlich ist das zunächst nicht: Der Stadtteil hat seine sozialen Probleme, der hohe Ausländeranteil macht die Situation nicht besser. Da reichen ein paar Gerüchte, um ein Viertel in Aufruhr zu versetzen.
Parkprobleme, Verkehrsbehinderungen, Lärmbelästigung? Wenn das tatsächlich die vorrangigen Bedenken der Anwohner wären, ließe sich das Thema schnell abhaken. Solche Fragen kann man vergleichsweise schnell lösen. Doch hinter den Protesten steckt mehr. Die Furcht vor Überfremdung, womöglich gar die Angst, der eigene Stadtteil könnte zum Treffpunkt religiöser Fanatiker werden.

im Rathaus verfolgt man die Entwicklung bislang eher zurückhaltend. Es hat Gespräche gegeben, aber keine Lösung. Dabei ist seit vielen Jahren bekannt, dass die muslimische Gemeinde nach einem weiteren Moschee-Standort sucht. Die Stadtverwaltung wäre gut beraten, jetzt in die Offensive zu gehen. Mit Blick auf die Moschee in Katernberg, die längst zum. festen Bild des Stadtteils gehört, sollte ihr das nicht schwer fallen. Ausweichen kann sie dem Thema ohnehin nicht mehr.

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