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NRZ / Essen,Dienstag, 08.08.07


Jede Menge Platz für Ängste

RELIGION: Die Altendorfer Moschee-Pläne bleiben in der Diskussion - und sie verläuft selten sachlich.


Nein, die Straße "In der Hagenbeck" gehört nicht zu den besten Adressen im Essener Westen. Gute Wohnlagen sehen anders aus, und als Gewerbegebiet hat der Standort auch schon geschäftigere Zeiten erlebt. Vom "Porschezentrum" hängt nur noch die Reklame, der BMW-Händler nebenan hat sich abgemeldet, ganz unten, an der Ecke zur Nöggerathstraße, steht das ehemalige Schuhlager der Firma Böhmer seit Jahren leer. "Wird Zeit dass hier was passiert", sagt ein Passant und schielt durch den Gitterzaun. Dass dahinter was passieren wird, ist ziemlich sicher. Doch die Frage, was aus der alten Böhmer-Halle werden soll, spaltet seit Wochen die Altendorfer Bevölkerung. Gestern ging die Moschee-Diskussion in eine weitere Runde.

Sie machen es den Anwohnern wirklich nicht leicht, die Verantwortlichen des türkischen Vereins Ditib, der aus dem Zweckbau ein "Integrationszentrum" machen will (die NRZ berichtete). Zur ersten Informationsveranstaltung am Montag der vergangenen Woche luden sie in letzter Minute ein. Gestern nun der zweite Versuch, mit den Menschen aus dem Viertel ins Gespräch zu kommen. Schwierig, wenn Hinweisschilder fehlen und man die Lücke im neuen Zaun eher durch Zufall entdeckt. Oylar Saguner ist Architekt der Moschee und an diesem frühen Dienstagvormittag erschienen, um über Fakten zu sprechen, Pläne zu erläutern und so vielleicht die Gemüter zu beruhigen. Auch nicht einfach.

Es mag an der Uhrzeit liegen oder an Kommunikationsdefiziten: Groß ist der Andrang nicht. "Wir haben von der Veranstaltung nur über Umwege erfahren", beschwert sich eine junge Frau. Sie ist mit Tochter und Nachbarin gekommen. Der Raum, in dem die Moschee-Pläne hängen, ist klein, aber er hat Platz für jede Menge Ängste und Vorurteile. Schon geistern Gerüchte über fallende Immobilienpreise durch die Nachbarschaft. Dass es nicht um Verkehrsprobleme geht, bringt ein Besucher auf den Punkt: "Gucken Sie sich um, die Altendorfer Straße ist doch schon jetzt eine Türken-Allee."

Zweieinhalb Stunden lang steht Oylar Saguner neben und hinter seinen Plänen - und manchmal auch mit dem Rücken zur Wand. Was soll er auch sagen, wenn der Vorstands-Chef der Wohnungsgenossenschaft Essen-Nord, die auf dem Gelände selbst gern aktiv geworden wäre, ihn mit Unterstellungen("Wer führt hier eigentlich wen hinters Licht?") mundtot macht und das Moschee-Projekt als Produkt politischer Kungeleien attackiert?

Ganz zum Schluss taucht dann tatsächlich noch ein Nachbar auf. Dieter Bartsch wohnt in dem Haus direkt neben dem Gelände und macht auch ein Geständnis: "Moschee? Ich habe keine Angst."
Bildunterschrift:
Kein leichter Stand: Oylar Seguner ist Architekt des "Integrationszentrums". Gestern erläuterte er die Moschee-Pläne. Ähnliche Info-Veranstaltungen sollen folgen. (NRZ-Foto:Tietz)
Die alte Lagerhalle soll zur Moschee werden. Zur Zeit gleicht das Gelände noch einer wilden Müllkippe.
Wir sind umgezogen: von der Maxstr. 11 zur Friedrich-Ebert-Str. 30, 45127 Essen
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