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WAZ / Essen,Montag, 13.08.07


Haben Sie Angst?

Der geplante Moscheebau in Altendorf wird auch im Online-Forum der WAZ heftig diskutiert. Ein Weblog will die Befürchtungen der Bürger aufgreifen sowie nach Gründen und Lösungen suchen


Von Bernd Kassner

Haben Sie Angst? Macht Ihnen das Bild mit der fremden Schrift Unbehagen? Fänden Sie es besser, es wäre nicht da?

Im WAZ-Forum gibt es eine Diskussion, die den Bau einer Moschee in Altendorf zum Thema hat. Sie läuft derzeit über 109 Seiten mit 1620 Beiträgen. In vielen äußert sich Angst oder Unbehagen. Etwas Fremdes, Unüberschaubares, Unverständliches kommt auf uns zu. Wie diese Schrift. Was mag da geschrieben stehen? Lobpreisungen einer fremden Religion? Ein Appell, ein Aufruf vielleicht - und wozu wird da aufgerufen? Etwas Schlimmes? Verfassungsfeindliches? Islamistische Propaganda? Ob man nicht die Polizei...?

Die Ängste in Altendorf kommen zumeist aus dem Bauch, doch gibt es dafür einen entweder gefühlten oder echten Erfahrungshintergrund. Man könnte ja sagen, wunderbar, in die alte Baracke von Böhmer kommt wieder Leben, das wird auf Dauer kein Rattenloch, sondern ein lebendiges Gemeindezentrum unserer türkischen Nachbarn.

Das sagt bloß keiner. Ein Kollege hat dieses Gefühl im Bauch kürzlich mit "Landnahme"-Gefühl beschrieben. Besser kann man es nicht ausdrücken: Jetzt kommen "die" und machen sich hier breit.

Das erstaunt auf den ersten Blick für eine Gegend, die seit dem 19. Jahrhundert Einwanderungsgebiet ist. Polen, später spanische und italienische Gastarbeiter, Griechen, Portugiesen. Alle integriert. Zuletzt kamen Türken. Na und? Dann kommen jetzt eben Türken.

Es ist leider nicht so einfach. Die Italiener, Spanier oder die Chinesen aus dem China-Restaurant stellen kaum oder keine Ansprüche. Sie wohnen nicht in Fast-Ghettos und treten nicht in fremde Sprachen sprechenden Gruppen auf. Fast alle sprechen hervorragend deutsch. Viele Migranten aus der Türkei arbeiten auch gut und zahlen ihre Steuern. Manche auch nicht. Sie arbeiten nicht, sprechen kaum deutsch und stellen Ansprüche auf Leistungen (die ihnen vom Gesetz her zustehen). Und da ist es wieder, dieses dumme Gefühl: "Die" wollen etwas haben. "Unser" Geld. "Landnahme" im Sozialamt.


Ein permanenter
Faktor des
Unberechenbaren


In den Foren ist von Gewaltandrohungen die Rede. Auf dem Amt werden demzufolge Mitarbeiter eingeschüchtert, Händler bedroht. Wildwest und "Landnahme" im Alltag.

In einem Mehrfamilienhaus mit Trockenraum-Wochenregelung droht ein Türke: "Wenn meine Frau in den Trockenraum will und er ist abgeschlossen, dann trete ich die Tür ein und hänge sie aus." Eigene Gesetze, "Landnahme" im Wohnhaus.

In einen Gottesdienst kommen zwei Jugendliche, brüllen "Allahu akbar" in die Andacht. Niemand aus der Gemeinde traut sich, einzugreifen. "Landnahme" im Spirituellen.

In Altendorf fühlen sich Bürger von den "Altendorfer Kanacken", einer multinationalen Jugendgang, terrorisiert. Frauen sollen den Gehweg frei machen für vor Imponiergehabe platzende halbe Kinder. "Landnahme" auf der Straße.

Ein Arbeiter bekommt Anweisungen von einer Vorgesetzten und tut nichts. Er lasse sich von einer Frau keine Anweisungen geben. Der Angestellte bringt also seine eigenen Regeln für das Arbeitsleben mit und erwartet, dass man sich dem unterwirft - "Landnahme" am Arbeitsplatz.

In der Zechensiedlung, in der ich groß geworden bin, wäre die Sache mit dem Trockenraum ungefähr so ausgegangen: Vater geht zum renitenten Nachbarn rüber und fängt an: "So, jetzt hömma zu, Willi..." Im Gegensatz zu deutschen Rüpeln wissen wir aber nicht mit Übergriffen von Migranten direkt umzugehen. Versteht der mich überhaupt, wenn ich ihn anspreche, selbst nach 20 Jahren Leben in Deutschland? Und wie reagiert er? Die heutigen, (noch) nicht integrierten Migranten tragen einen permanenten Faktor des Unberechenbaren in die Gesellschaft.

Das zu beseitigen aber ist die Bringschuld unserer Gäste. Sie müssen sich als für die christlich-abendländisch geprägte Mehrheitsgesellschaft berechenbar fühlbar machen. Kein Mensch hätte dann etwas gegen ein Gotteshaus und Gemeindezentrum für diese Mitmenschen. Zur Berechenbarkeit gehört, dass sie sich unseren Regeln unterwerfen - nicht wir uns ihren. Berechenbares Zusammenleben statt "Landnahme"-Gefühl oder "Landnahme"-Mentalität. Dann würden Angst und Unbehagen verschwinden. Auch vor "be-fremdenden" Schriften.

Da steht übrigens "Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn einer meine Stimme hört und die Tür auftut, zu dem werde ich hineingehen". Bibel, Offenbarung 3,20.



Moschee in Altendorf

Der türkisch-islamische Ditib-Moscheeverein Altendorf will im ehemaligen Böhmer-Lagergebäude In der Hagenbeck eine Moschee einrichten. Das neue Gebets- und Kulturzentrum würde bis zu 2000 Gläubige fassen, die Gemeinde hat derzeit 350 bis 400 Mitglieder. In der Nachbarschaft regt sich Widerstand. Der Apotheken-Großhandel Noweda droht wegen befürchteten hohen Verkehrsaufkommens mit Wegzug, sollte die Moschee dort verwirklicht werden.

(Das Blog wurde vom Autor gekürzt und leicht bearbeitet.)
Bildunterschrift:
Das Fremde macht vielen Bürgern Angst, solange es als nicht berechenbar empfunden wird. Foto: www.arabicibile.com
Wir sind umgezogen: von der Maxstr. 11 zur Friedrich-Ebert-Str. 30, 45127 Essen
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