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WAZ / Essen,Montag, 23.07.07


Der Widerstand wächst

In Frohnhausen wehren sich die Anwohner gegen den geplanten Bau des türkischen Gebetszentrums. Nachbar Noweda droht mit dem Stopp eines millionenschweren Investitionsprogramms am Standort


Von Kai Süselbeck

Der Stadtspitze steht Sturm ins Haus. Seit dem WAZ-Bericht über den geplanten Bau eines türkischen Gebetszentrums auf dem Gelände am S-Bahnhof Frohnhausen protestieren Anwohner beim Oberbürgermeister. Ein namhafter Nachbar hat das schon letztes Jahr getan: jetzt droht die Apothekergenossenschaft Noweda mit Investitionsstopp am Standort In der Hagenbeck.

Das Gespräch am Donnerstag bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) sollte eigentlich die Wogen glätten.

Anwohner:
Unterstützung
aus der Politik

Die Altendorfer Ditib-Gemeinde hatte Fakten geschaffen und aus der Insolvenzmasse des traditionsreichen Essener Schuh-Handelshauses Böhmer die Lagerhalle an der Ecke Nöggerathstraße/In der Hagenbeck gekauft. Prompt protestierten Anwohner gegen die "Nacht- und Nebelaktion" und argwöhnten, die Gemeinde habe bei diesem Kauf heimliche Unterstützung aus der Politik bekommen.

Gar nicht heimlich hatten Thomas Kufen (CDU), der Integrationsbeauftragte der Landesregierung, und die SPD-Landtagsabgeordnete Britta Altenkamp bei einem Besuch im Gemeindezentrum an der Helenenstraße die Unterstützung des Oberbürgermeisters angefordert beim seit Jahren andauernden Versuch der Gemeinde, ein angemessenes Gebäude für ein größeres Zentrum für bis zu 2000 Versammlungsgäste zu finden (die WAZ berichtete). jetzt will die Gemeinde ihr Zentrum im ehemaligen Böhmer-Lager einrichten, eingeschlossen Sport- und Umkleideräume für den türkischen Sportverein und Ausbildungsräume. Auch von einem türkischen Einkaufszentrum ist die Rede. Auf WAZ-Anfragen haben weder das Ditib-Bundeszentrum in Köln noch die Altendorfer Gemeinde zu diesen Plänen Stellung genommen. Die Stadtverwaltung verschanzt sich bisher hinter der Formal-Floskel, noch liege kein Bauantrag der Gemeinde auf dem Tisch.

jetzt allerdings wird Tacheles geredet. Noweda-Chef Hollmann sieht im Religionszentrum wegen der Verkehrsbelastung insbesondere durch den erhöhten Parkdruck einen Standortnachteil für sein Logistikzentrum, von dem aus täglich Medikamente an Apotheken im Ruhrgebiet ausgeliefert werden. Ein schon beschlossenes 30-Millionen-Euro-Investitionspaket stellt er in Frage für den Fall, dass die Stadt die Ditib-Pläne nicht stoppen kann. Auch ein Abzug der Verwaltung sei in diesem Falle denkbar. Die Stadt wollte sich am Freitag zu diesem Vorgang der WAZ gegenüber nicht äußern.


Die Noweda

Die Apothekergenossenschaft wurde 1939 in Essen gegründet mit dem Auftrag, für die Mitgliedsapotheken den Einkauf abzuwickeln. Heute versorgt das Unternehmen mehr als 6000 Mitglieder-Apotheken mit über 120 000 Arzneimitteln und Pflegeprodukten. An neun deutschen Standorten beschäftigt das Unternehmen über 1900 Mitarbeiter.
Bildunterschrift:
Stein des Anstoßes: Die Altendorfer Ditib-Gemeinde will in dieser Lagerhalle ihr neues Gebetszentrum errichten. Anwohner befürchten große Verkehrsprobleme. (Foto: WAZ, Arnold Rennemeyer)
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