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WAZ / Essen,Mittwoch, 25.07.07


Stadt: Moscheebaue, KWI bietet Schlichtung an

Präsident Prof. Claus Leggewie: Bei solchen Projekten wird regelmäßig der Fehler gemacht, hinter den Kulissen zu agieren. Bauherren und Politik müssten aktiv Akzeptanz einwerben. Grüne sprechen von "Stimmungsmache"


von Kai Süsselbeck
In der Diskussion um den Moscheebau am S-Bahnhof Frohnhausen hat das Kulturwissenschaftliche Institut (KWI) den Beteiligten wissenschaftliche Hilfe bei der Konfliktlösung angeboten. Denn die Fronten verhärten sich. jetzt schießen die Grünen großes Kaliber: "Wer einen Moscheeneubau in Essen-West verteufelt, ohne etwas Genaues über die Pläne zu wissen, setzt sich dem Verdacht aus, von unlauteren Motiven geleitet zu sein", sagt Doris Eisenmenger, Grünen-Schatzmeisterin aus Altendorf. "Die Wegzugsdrohungen der Noweda sind ein dreister Versuch, die Stadtpolitik negativ zu beeinflussen." Die "Stimmungsmache" diene nicht der Integration und dem Dialog.

"Muslime haben das Recht, ihre Religion auszuüben." Mit diesem Satz sagt Doris Eisenmenger das, was Prof. Claus Leggewie von der Politik einfordert. Politik müsse den Menschen klarmachen, dass der Bau einer Moschee zur Religionsfreiheit gehöre, sagt der neue Präsident des KWI: "Die tun etwas, was im Grundgesetz steht."

Wissenschaft kann aus Sicht des Politikwissenschaftlers in diesem Konflikt zweierlei tun: "Wir können aus der Forschung Regelmäßigkeiten benennen, die bei solchen Prozessen schief gehen. Und wir können Moderation und Mediation anbieten."

Zu den regelmäßigen Knackpunkten bei Moscheeprojekten zählt Leggewie Unterlassungssünden bei Bauherren und in der Politik. "Der Bauherr muss werben für sein Projekt und sich von Anfang an den Befürchtungen aus dem Umfeld stellen." Aufgabe der Politik sei es, den Menschen klarzumachen, dass die Muslime ein Recht auf religiöse Symbole wie eine Moschee hätten. In Anspielung auf die in der Regel orientalisch geprägte Architektur von Moscheen sagt er: "Wie man in Essen sieht, kann hier jeder auch ein hässliches Haus bauen."

Die aktuelle Diskussion fordert nach Einschätzung des KWI "unser Wissen über die Hintergründe des damit einhergehenden Konfliktes heraus. Sie macht es aber auch erforderlich, über Möglichkeiten der Mediation und Moderation nachzudenken." Wie die aussehen könnten? "Wir können und wollen keine Bürgerversammlung ausrichten. Die muss vor Ort stattfinden." Wissenschaftler könnten aber, weil sie in den Konflikt nicht involviert wären, alle Beteiligten an einen Tisch holen und nach festen Regeln Konfliktmanagement betreiben. Leggewie: "Das setzt aber die Notwendigkeit voraus, mit offenen Karten zu spielen und an einem Erfolg des Prozesses ernsthaft interessiert zu sein."
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