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Moschee-Altendorf (allgemeine Stimmung) | |
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geplanter Neubau der Moschee in E-Altendorf
23.07.2007: unser Leserbrief zum Gebetszentrum
Essen, den 23.07.2007
Leserbrief
Bericht über das geplante Gebetszentrum in Frohnhausen/Altendorf
Mit freundlichen Grüßen i.A. Rainer Sonntag | ||||
West-Anzeiger: 25.07.2007: Moschee: Ihre Meinung?
Westanzeiger / Essen,Mittwoch, 25.07.07
Moschee: Ihre Meinung?
Offener Leserbrief zum Reiz-Thema Moschee-Bau in Altendorf
"Liebe Mitbewohner der Hirtsiefersiedlung, liebe Anrainer, sicher haben Sie aus den verschiedensten Quellen schon von dem Vorhaben gehört, auf dem Böhmergelände am Bahnhof Frohnhausen in der dortigen alten, maroden Lagerhalle eine Moschee für mehrere tausend Besucher einzurichten. Das Gelände mit der alten Schuhlagerhalle wurde mit Unterstützung durch Essener Politiker von der türkischen DITIB erworben. Die DITIB will dort ein überregionales Zentrum für türkische Kultur mit angeschlossenen Gebetsräumen für mehr als 2.000 Beter betreiben. Weiter geplant sind eine Koranschule, Sport-, Ausbildungs-, Büro- und Wohnräume sowie ein türkisches Einkaufszentrum. Ich bin aufgrund dieser Planung sehr in Sorge um die angrenzenden Wohngebiete, insbesondere um unsere unter Denkmalschutz stehende Siedlung an der Bockmühle, der Hirtsiefersiedlung, die immer noch ein Aushängeschild bürgerlicher Wohnbebauung und Zusammenlebens ist. Was hat dieser Stadtteil und speziell diese Siedlung in den letzten 25 Jahren nicht alles an erfolgreicher Integrationsarbeit gemeistert und dennoch ihre Besonderheit, ja Eigenständigkeit behalten können im Gegensatz zu angrenzenden Wohngebieten in Altendorf. Ich nenne die Gesamtschule mit mehreren tausend Schülern, die Asylbewerberheime an der Bockmühle und in der Hagenbeck, das Frauenbundhaus und das AWO Wohnheim. Nicht zuletzt die Übergabe des religiösen Mittelpunktes unsere Pfarrgemeinde St. Clemens-Maria-Hofbauer an die polnische Kirchengemeinde Essen. Sicher waren dies alles wichtige und wohl auch notwendige Maßnahmen. Dies gilt aber sicher nur dann, wenn man jede für sich betrachtet. Integration muss nicht nur gewollt, sondern auch leistbar sein und hier sind die Grenzen des Leistbaren erreicht! Ein solch großes polit-kulturelles Zentrum wird unweigerlich in kürzester Zeit spür- und sichtbare Veränderungen für die angrenzenden Bewohner und Wohngebiete mit sich bringen. Basarmäßiger Straßenhandel (wie bei St. Clemens-Maria-Hofbauer allwöchentlich zu beobachten) ist dabei noch die geringste Ausprägung. Die DITIB ("Türkisch-islamische Union der Anstalt für Religion") ist eine staatliche, von der türkischen Regierung gelenkte Organisation, deren lokale und überregionale Zellen in Deutschland unter der Rechtsform von Vereinen tätig sind. Sie vertritt neben türkisch-nationalistischen Zielsetzungen zunehmend islamisch fundamentalistisches Gedankengut und geht dabei sogar so weit, dass sie beispielsweise in der Frage eines islamischen Religionsunterrichts an Schulen in Deutschland den Standpunkt vertritt, dass dieser nur in der Muttersprache der Schüler (also Türkisch) erfolgen solle und dass bei der Erstellung eines Lehrplanes das zuständige Ministerium in Ankara zu beteiligen sei. Dies wollen unsere Politiker offenbar nicht zu sehen oder sie ignorieren es bewusst. Sie sitzen es aus, bis die Macht des Faktischen keine Veränderung mehr zulässt und sie setzten auf die Vergesslichkeit ihrer Wähler. Warum wird keine repräsentative Moschee mit allen zu ihr gehörenden Attributen gebaut? Warum findet man keinen repräsentativen Platz in dieser Stadt? Es geht beileibe nicht darum Gebetsräume und Religionsausübung zu verhindern, es geht darum, diese auch entsprechend würdig zu gestalten und nicht dubiose Treffpunkte in abgewrackten Lagerhallen zu schaffen, die mit zahllosen Nachteilen für ihre Umgebung verbunden sind und die Gläubigen zudem mit, dem Makel des unseriösen versehen. Ein hervorragend geeigneter Standort für eine Moschee, auch mit einer angemessenen überregionalen Ausstrahlung, wäre am Krupp-Boulevard oder auf der Fläche gegenüber dem Neubau von Karstadt, zwischen Universität und City. Dann aber ein Moscheebau mit allen Attributen und für alle Muslime, und nicht nur für die von der DITIB anvisierte Klientel. Durch eine unwürdige "Schuhlagerhallenmoschee" wird einem gewachsenen, noch intakten Wohngebiet systematisch die Existenzgrundlage und Chance zur eigenständigen Weiterentwicklung genommen; das muss verhindert werden!" Leserbriefe...
...geben nicht grundsätzlich die Meinung der Redaktion wieder. WEST-ANZEIGER
E-Mail: westanzeiger<a>essen.wvw-redaktion.de Moschee in Altendorf Umstritten ist der Bau einer Moschee nahe des S-Bahnhofs Essen-Frohnhausen (der WEST-ANZEIGER berichtete). Nun ergreift Anwohner Johannes Breuer in einem Leserbrief das Wort und der STADTSPIEGEL eröffnet das Leserforum. Seite 7 |
WAZ, 28.07.2007: Informationsabend / Lesermeinungen
WAZ / Essen,Samstag, 28.07.07
Ditib informiert über Moschee
» Moschee Altendorf
Ich finde es sehr gut, dass es bald in Altendorf eine weitere Moschee gibt, da diese Moschee als Treff zum Kennenlernen zwischen deutschen und türkischen Bürgern benutzt werden kann. anticapitalista --> online Diskussion über lokale Themen: waz.de/essen
LESERBRIEF:
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Nach der Bürgerversammlung
NRZ, 04.08.2007: Scheinheilige Diskussionen
NRZ / Essen, Rubrik IN DIESEN TAGEN,Samstag, 04.08.07
Scheinheilige Diskussionen
Anmerkungen zum Stadtgeschehen
Die offenkundigen Informationsdefizite, die sich der Moschee-Verein Ditib ankreiden
lassen muss haben mit dazu beigetragen, dass sich in Teilen der Altendorfer Bevölkerung eine Anti-Stimmung breit machte. Verwunderlich ist das zunächst nicht: Der Stadtteil hat seine sozialen Probleme, der hohe Ausländeranteil macht die Situation nicht besser. Da reichen ein paar Gerüchte, um ein Viertel in Aufruhr zu versetzen.
im Rathaus verfolgt man die Entwicklung bislang eher zurückhaltend. Es hat Gespräche gegeben, aber keine Lösung. Dabei ist seit vielen Jahren bekannt, dass die muslimische Gemeinde nach einem weiteren Moschee-Standort sucht. Die Stadtverwaltung wäre gut beraten, jetzt in die Offensive zu gehen. Mit Blick auf die Moschee in Katernberg, die längst zum. festen Bild des Stadtteils gehört, sollte ihr das nicht schwer fallen. Ausweichen kann sie dem Thema ohnehin nicht mehr. u.fuehrmann<a>nrz.de |
WAZ, 13.08.2007: Haben Sie Angst?
WAZ / Essen,Montag, 13.08.07
Haben Sie Angst?
Der geplante Moscheebau in Altendorf wird auch im Online-Forum der WAZ heftig diskutiert. Ein Weblog will die Befürchtungen der Bürger aufgreifen sowie nach Gründen und Lösungen suchen
Haben Sie Angst? Macht Ihnen das Bild mit der fremden Schrift Unbehagen? Fänden Sie es besser, es wäre nicht da? Im WAZ-Forum gibt es eine Diskussion, die den Bau einer Moschee in Altendorf zum Thema hat. Sie läuft derzeit über 109 Seiten mit 1620 Beiträgen. In vielen äußert sich Angst oder Unbehagen. Etwas Fremdes, Unüberschaubares, Unverständliches kommt auf uns zu. Wie diese Schrift. Was mag da geschrieben stehen? Lobpreisungen einer fremden Religion? Ein Appell, ein Aufruf vielleicht - und wozu wird da aufgerufen? Etwas Schlimmes? Verfassungsfeindliches? Islamistische Propaganda? Ob man nicht die Polizei...? Die Ängste in Altendorf kommen zumeist aus dem Bauch, doch gibt es dafür einen entweder gefühlten oder echten Erfahrungshintergrund. Man könnte ja sagen, wunderbar, in die alte Baracke von Böhmer kommt wieder Leben, das wird auf Dauer kein Rattenloch, sondern ein lebendiges Gemeindezentrum unserer türkischen Nachbarn. Das sagt bloß keiner. Ein Kollege hat dieses Gefühl im Bauch kürzlich mit "Landnahme"-Gefühl beschrieben. Besser kann man es nicht ausdrücken: Jetzt kommen "die" und machen sich hier breit. Das erstaunt auf den ersten Blick für eine Gegend, die seit dem 19. Jahrhundert Einwanderungsgebiet ist. Polen, später spanische und italienische Gastarbeiter, Griechen, Portugiesen. Alle integriert. Zuletzt kamen Türken. Na und? Dann kommen jetzt eben Türken. Es ist leider nicht so einfach. Die Italiener, Spanier oder die Chinesen aus dem China-Restaurant stellen kaum oder keine Ansprüche. Sie wohnen nicht in Fast-Ghettos und treten nicht in fremde Sprachen sprechenden Gruppen auf. Fast alle sprechen hervorragend deutsch. Viele Migranten aus der Türkei arbeiten auch gut und zahlen ihre Steuern. Manche auch nicht. Sie arbeiten nicht, sprechen kaum deutsch und stellen Ansprüche auf Leistungen (die ihnen vom Gesetz her zustehen). Und da ist es wieder, dieses dumme Gefühl: "Die" wollen etwas haben. "Unser" Geld. "Landnahme" im Sozialamt.
In einem Mehrfamilienhaus mit Trockenraum-Wochenregelung droht ein Türke: "Wenn meine Frau in den Trockenraum will und er ist abgeschlossen, dann trete ich die Tür ein und hänge sie aus." Eigene Gesetze, "Landnahme" im Wohnhaus. In einen Gottesdienst kommen zwei Jugendliche, brüllen "Allahu akbar" in die Andacht. Niemand aus der Gemeinde traut sich, einzugreifen. "Landnahme" im Spirituellen. In Altendorf fühlen sich Bürger von den "Altendorfer Kanacken", einer multinationalen Jugendgang, terrorisiert. Frauen sollen den Gehweg frei machen für vor Imponiergehabe platzende halbe Kinder. "Landnahme" auf der Straße. Ein Arbeiter bekommt Anweisungen von einer Vorgesetzten und tut nichts. Er lasse sich von einer Frau keine Anweisungen geben. Der Angestellte bringt also seine eigenen Regeln für das Arbeitsleben mit und erwartet, dass man sich dem unterwirft - "Landnahme" am Arbeitsplatz. In der Zechensiedlung, in der ich groß geworden bin, wäre die Sache mit dem Trockenraum ungefähr so ausgegangen: Vater geht zum renitenten Nachbarn rüber und fängt an: "So, jetzt hömma zu, Willi..." Im Gegensatz zu deutschen Rüpeln wissen wir aber nicht mit Übergriffen von Migranten direkt umzugehen. Versteht der mich überhaupt, wenn ich ihn anspreche, selbst nach 20 Jahren Leben in Deutschland? Und wie reagiert er? Die heutigen, (noch) nicht integrierten Migranten tragen einen permanenten Faktor des Unberechenbaren in die Gesellschaft. Das zu beseitigen aber ist die Bringschuld unserer Gäste. Sie müssen sich als für die christlich-abendländisch geprägte Mehrheitsgesellschaft berechenbar fühlbar machen. Kein Mensch hätte dann etwas gegen ein Gotteshaus und Gemeindezentrum für diese Mitmenschen. Zur Berechenbarkeit gehört, dass sie sich unseren Regeln unterwerfen - nicht wir uns ihren. Berechenbares Zusammenleben statt "Landnahme"-Gefühl oder "Landnahme"-Mentalität. Dann würden Angst und Unbehagen verschwinden. Auch vor "be-fremdenden" Schriften. Da steht übrigens "Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn einer meine Stimme hört und die Tür auftut, zu dem werde ich hineingehen". Bibel, Offenbarung 3,20.
Moschee in Altendorf Der türkisch-islamische Ditib-Moscheeverein Altendorf will im ehemaligen Böhmer-Lagergebäude In der Hagenbeck eine Moschee einrichten. Das neue Gebets- und Kulturzentrum würde bis zu 2000 Gläubige fassen, die Gemeinde hat derzeit 350 bis 400 Mitglieder. In der Nachbarschaft regt sich Widerstand. Der Apotheken-Großhandel Noweda droht wegen befürchteten hohen Verkehrsaufkommens mit Wegzug, sollte die Moschee dort verwirklicht werden. (Das Blog wurde vom Autor gekürzt und leicht bearbeitet.)Bildunterschrift: Das Fremde macht vielen Bürgern Angst, solange es als nicht berechenbar empfunden wird. Foto: www.arabicibile.com |
23.07.2007: unser Leserbrief zu "Haben Sie Angst?"
Essen, den 16.08.2007
Leserbrief
zu "Haben Sie Angst?" (WAZ, 13.08.2007)
die Ausführungen von Herr Kassner haben uns sprachlos gemacht. Beim besten Willen können wir nichts anderes drin entdecken, als eine Ansammlung von platten vorurteilsbelasteten Aussagen, verstärkt durch einen gedankenlosen kriegerischen Wortschatz. So etwas haben wir in einer seriösen Zeitung lange nicht mehr gelesen. Um welche "Landnahme" geht es? Mitbürger, die lange im "Land" leben und unseren gemeinsamen Wohlstand durch ihre Arbeit vermehrt haben, wollen vielleicht ein Stück "Land" um neben mehr oder weniger protzigen Kirchen ihr Gebetshaus zu errichten. Das ist ein gutes Recht! Wie überall in der Welt entstehen etliche Probleme durch Zusammenkommen von Menschen unterschiedlicher Herkunft und Charaktere, und von Interessen verschiedener Natur. Das ist nun mal das Wesen von Großstädten. Das Abklopfen von Vorurteilen trägt nicht dazu bei, diese Probleme und ihre Lösungen auch nur zu benennen. geschweige denn zu klären. Wir hoffen. dass in Zukunft in der WAZ Aussagen nicht mehr zu finden sind. die den sozialen Frieden in unserer Stadt gefährden. ohne zur Lösung konkreter Probleme beizutragen. Mit freundlichen Grüßen | ||||
Rechtslage geklärt
WAZ: 18.10.2008: Allgemeines Unbehagen
WAZ / Essen,Samstag, 18.10.08
Allgemeines Unbehagen
Nicht jeder begrüßt den Böhmer-Lagerumbau zum Gotteshaus - die neue Altendorfer Moschee ist in der Bevölkerung umstritten.
Im Online-Forum auf derwesten.de gibt es seit 16 Monaten einen Diskussionsstrang, der den Bau der Moschee in Altendorf zum Thema hat. Dieser Thread lief bis gestern über 372 Seiten mit insgesamt 5573 Wortbeiträgen und 232 505 Aufrufen; heute werden es schon wieder mehr sein. In vielen Beiträgen äußert sich Angst oder zumindest Unbehagen. Etwas Fremdes, Unüberschaubares, Unverständliches kommt auf uns zu. Äußeres Zeichen dafür: die Moschee. Ein Kollege hat dieses Gefühl im Bauch einmal mit „Landnahme"-Gefühl beschrieben. Jetzt kommen „die" und machen sich hier breit. Das erstaunt auf den ersten Blick für eine Gegend, die seit dem 19. Jahrhundert ein klares Einwanderungsgebiet ist. Die Ruhrpolen und Ruhrtschechen. Dann die spanischen und italienischen Gastarbeiter, Griechen und Portugiesen. Was wäre unsere Sportgruppe ohne Enzo, der mal irgendwann aus Neapel kam? Alle wurden integriert. Zuletzt kamen Türken. Na und? Dann kommen jetzt eben Türken. Es ist leider nicht so einfach. Enzo arbeitet und zahlt Steuern, stellt kaum Ansprüche, wohnt nicht in Fast-Gettos und tritt nicht in fremde Sprachen sprechenden Gruppen auf. Er spricht perfekt deutsch. Manche Türken, die in vierter Generation in Altendorf leben, radebrechen schlimmeres Deutsch als ein kanarischer Ansichtskartenverkäufer. Viele türkische Migranten arbeiten auch gut und zahlen Steuern. Manche nicht. Sie arbeiten nicht und stellen Ansprüche auf Leistungen (die ihnen vom Gesetz her auch zustehen). Und da ist es wieder, dieses Gefühl: „Die" wollen etwas haben. „Unser" Geld. „Landnahme" im Sozialamt.
Mehmet (Name geändert) wohnt mit seiner Familie im Mehrfamilienhaus und wurde mit einer Trockenraum-Wochenregelung konfrontiert. Mehmet: „Wenn meine Frau in den Trockenraum will und er ist abgeschlossen, dann trete ich die Tür ein und hänge sie aus." Eigene Gesetze, „Landnahme" im Wohnhaus. In einen Gottesdienst kommen zwei Jugendliche, brüllen von hinten „Allahu akbar" durch die Kirche und verschwinden wieder. Niemand traut sich, einzugreifen. „Landnahme" im Religiösen. In Altendorf sollen alteingesessene Frauen den Gehweg frei machen für vor Imponiergehabe platzende Halbstarke. Banden rotten sich zusammen.„Landnahme" auf der Straße. Ein Arbeiter mit Migrationshintergrund bekommt Anweisungen von einer Vorgesetzten - ein Beispiel aus dem Forum - und bleibt einfach stehen, ohne etwas zu tun. Auf Rückfrage heißt es, von einer Frau lasse er sich keine Anweisungen geben. Der Angestellte bringt also seine eigenen, für uns fremden und unakzeptablen Regeln für das Arbeitsleben mit und verlangt, dass man sich dem unterwirft - „Landnahme" am Arbeitsplatz. Vieles von dem tun deutsche Rüpel übrigens auch. Wir wissen aber auf Grund von Erfahrungs- und gemeinsamen Sozialisationswerten recht gut mit deutschen Rüpeln umzugehen. In der Zechensiedlung, in der ich groß geworden bin, wäre die Sache mit dem Trockenraum ungefähr so ausgegangen: Vater geht zum renitenten Nachbarn rüber und fängt an: „So, jetzt hömma zu, Willi..." Die Sache endet dann günstigenfalls bei zwei Flaschen Pils, schlechtenfalls beim Schiedsmann. Wir wissen nicht mit Übergriffen von Migranten auf direktem Weg umzugehen. Was passiert denn, wenn ich sage: „So, jetzt hömma zu, Mehmet..."? Versteht er mich überhaupt? Und wie reagiert er? Die (noch) nicht integrierten Migranten tragen einen permanenten Faktor des Unberechenbaren in die Gesellschaft. Das zu beseitigen aber ist die Bringschuld unserer Gäste, zumal dann, wenn sie uns gleichgestellte deutsche Staatsbürger werden wollen oder es dem Papier nach sogar schon sind; dann erst recht. Sie müssen sich als berechenbar zeigen oder besser gesagt, da sie das vielleicht schon zu tun versuchen: Sie müssen sich als für die christlich-abendländisch geprägte Mehrheitsgesellschaft berechenbar fühlbar machen. Zur Berechenbarkeit gehört auch, dass Neubürger sich unseren Regeln unterwerfen - nicht wir uns ihren. Das ist Integration. Meine polnische Urgroßmutter war übrigens froh, ihr Kopftuch loszuwerden. Es galt als „Polacken"-Stigma. Es ist mir rätselhaft, dass sich junge türkische Frauen überhaupt damit auseinandersetzen in der deutschen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts, die sie als ihre Lebens-Gesellschaft frei gewählt haben. Für mich ist auch dies desintegrativ.Bildunterschrift: Im ehemaligen Böhmer-Lagerhaus In der Hagenbeck in Altendorf entsteht die neue Moschee der türkischen islamischen Gemeinde, die bisher an der Helenenstraße beheimatet ist. Das Projekt ist in der Bevölkerung umstritten. Foto: WAZ, Rennemeyer |
WAZ: 18.10.2008: Mal groß, mal klein
WAZ / Essen,Samstag, 18.10.08
Mal groß, mal klein
Warum sich wenig so recht über den Bau freuen
Der Komplex würde bis zu 2000 Gläubige fassen, hieß es zuerst, mit Einkaufszentrum, Reisebüro und was noch alles. Die Altendorfer Gemeinde hat 350 eingeschriebene Mitglieder. Als der Widerstand in der Nachbarschaft wuchs und Noweda mit Wegzug drohte, ruderte die Gemeinde heftig zurück, wollte nie von 2000 gesprochen haben und plant jetzt eine Gebetsstätte für maximal 360 Personen. Dass die Leute in Altendorf nun an der Berechenbarkeit zweifeln, ist nachvollziehbar. Warum übrigens braucht die Altendorfer Moschee eine unterirdische Sporthalle? Erklärt hat das nie einer. Meine Kirche hat keine. Wozu auch? Berechenbares Zusammenleben statt „Landnahme"-Gefühl oder „Landnahme"-Mentalität. Dann würden Angst und Unbehagen verschwinden. Dann würde Altendorf die Umwandlung einer abgewrackten Baracke in eine neue Moschee feiern können - und sie nicht mit allgemeinem Unbehagen betrachten. ber
-> online Diskussion Lokales: DerWesten.de/forum-e
So sieht die geplante Nutzung ab Herbst 2009 samt Auflagen aus: Untergeschoss: 600-Quadratmeter-Sporthalle, 200 Quadratmeter-Jugendtreff. Kultur- und Bildungszentrum mit Bibliothek, Mehrzwecksaal für 180 Personen. Erdgeschoss: Gebetsstätte für Männer und Frauen für maximal 360 Personen. Zeitgleich dürfen sich im Gebäude höchstens 400 Personen aufhalten. Sondergenehmigung auf 700 Personen an vier festgelegten Tagen pro Jahr (Zuckerfest, Opferfest, Merkez-Fest, Tag der offenen Tür). Dach: Alu-Kuppel sieben Meter hoch, 35 Meter Durchmesser Außenanlagen: symbolisches Minarett zur Nöggerathstraße (als Verkleidung der Feuertreppe), Wohneinheiten (z.B. für Iman), 110 Kfz-Stellplätze |
23.07.2007: unser Leserbrief zu "Allgemeines Unbehagen"
Essen, den 21.10.2008
Leserbrief
Nochmals etliche Landnahmen:
Schon beim ersten Lesen des WAZ-Artikel hatten wir das Gefühl, wieder auf bekannte "Rüpeleien" zu treffen. Mit Erstaunen haben wir aber festgestellt, dass sich dieser Artikel in großen Teilen wörtlich mit dem Artikel "Haben Sie Angst?" in der WAZ vom 13.08.2007 deckt. Insofern können wir uns die Mühe sparen, nochmals auf alle Einzelheiten einzugehen und schicken Ihnen daher eine Kopie unseres Protestbriefes vom 16.08. noch einmal zu. Abgesehen von fragwürdigen Journalismus-Stil, Artikel einfach zu wiederholen, hat sich unsere Einschätzung nicht geändert: Kriegerische Ausdrücke ("Landnahme"), "Bringschuld der Gäste" (wie lange müssen sich hier geborene und aufgewachsene Mitbürger noch als "Gäste" titulieren lassen?), Migranten als "permanenter Faktor des Unberechenbaren"... Alles alte Kamellen, aber nach wie vor mit sehr schlechtem Geschmack! Mit freundlichen Grüßen | ||||
WAZ: 25.10.2008: Alte Kamellen
WAZ / Essen,Samstag, 25.10.08
Alte Kamellen
Leserbrief zu Allgemeines Unbehagen
  Anti-Rassismus-Telefon Maxstr. 11(*) |
ProAsyl-Rundbrief 11/2008: Kommentar zu "Allgemeines Unbehagen"
Pro Asyl - Rundbrief / Essen, November 2008
„Allgemeines Unbehagen“
Kommentar zum WAZ - Artikel vom 18.10.2008
Der Artikel hat dem Verfasser offenbar so gut gefallen, dass er ihn mit etwas verändertem Aufbau und neuem Titel zum größten Teil wortgleich wiederholt hat. Nun hat auch ProAsyl gegen den Artikel protestiert und beim deutschen Presserat Beschwerde eingereicht. „Landnahme“ Der Artikel gibt vor, berechtigte Ängste der Menschen anzusprechen, die in der Nähe der zukünftigen Altendorfer Moschee wohnen. Im Ergebnis aber wird hier die Angst vor Mitbürgern ausländischer Herkunft suggeriert und bekräftigt. Es werden Szenarien rüpelhaften Verhaltens konstruiert, die wie selbstverständlich Menschen einer ganz bestimmten (suggeriert wird: türkischen) Herkunft unterstellt werden. Z.B: "...Mehmet: 'Wenn meine Frau in den Trockenraum will und er ist abgeschlossen, dann trete ich die Tür ein und hänge sie aus’.” Kommentar des Verfassers dazu: „Eigene Gesetze, 'Landnahme' im Wohnhaus." Dem militärischen Ausdruck der "Landnahme" (in welchem Krieg befindet sich der Verfasser eigentlich?) wird dann ein idyllisches Ruhrgebietsbild gegenüber gestellt: "Vieles von dem tun deutsche Rüpel übrigens auch. Wir wissen aber auf Grund von Erfahrungs- und gemeinsamen Sozialisationswerten recht gut mit deutschen Rüpeln umzugehen. In der Zechensiedlung, in der ich groß geworden bin, wäre die Sache mit dem Trockenraum ungefähr so ausgegangen: Vater geht zum renitenten Nachbarn rüber und fängt an: 'So, jetzt hömma zu, Willi...' Die Sache endet dann günstigenfalls bei zwei Flaschen Pils, schlechtenfalls beim Schiedsmann." Jede andere, ebenso ins Ruhrgebiet passende Szene wird bewusst übersprungen: ebenso realistisch ist denkbar, dass der alkoholisierte Willi in dieser Situation seinem Gegenüber kräftig einen "auf die Fresse" gibt - also eine "Landnahme" der anderen Art... Genau so beliebig sind die anderen Beispiele rüpelhaften Verhaltens, die im Artikel vorgebracht werden. Selbstverständlich lassen sie sich ohne große Anstrengungen finden - bei türkischen wie auch bei allen anderen Nachbarn. In der Großstadt lebt man eng neben Menschen mit schlechten Charaktereigenschaften (und neben netten Menschen übrigens auch!). So manches fehlerhafte Verhalten von Migranten lässt sich auch durch die lang andauernde und vielseitige Ausgrenzung erklären - auch wenn dies nicht als Entschuldigung gelten kann. Wenn solche sachfremden Einzelkonstruktionen als argumentative Grundlage gegen den Moscheebau genutzt werden, wird aus der vorgeblichen Information eine polemische Unterstellung und Hetze. Wer ist hier nicht integriert? In den Beispielen des Artikels wird das Fehlverhalten nicht einzelnen Rüpeln, sondern bestimmten ethnischen und religiösen Gruppen unterstellt. Insbesondere wird unterstellt, dass "wir" nicht damit umzugehen wissen, weil die anderen ja so fremd sind. "Wir wissen nicht mit Übergriffen von Migranten auf direktem Weg umzugehen. Was passiert denn, wenn ich sage: 'So, jetzt hömma zu, Mehmet...'? Versteht er mich überhaupt? Und wie reagiert er? Die (noch) nicht integrierten Migranten tragen einen permanenten Faktor des Unberechenbaren in die Gesellschaft." Richtig ist dagegen: Wer, wie der Verfasser dieses Artikels, nach bald 50 Jahren türkischer Migrationsgeschichte in Deutschland noch nicht gelernt hat, mit Türken so umzugehen wie mit normalen Menschen, der ist nicht integriert in dem Migrationsland Deutschland und trägt "einen Faktor des Unberechenbaren" in die Gesellschaft! Der Anspruch, sich zu integrieren,
wird wie zu oft nur in eine Richtung,
an die Migranten, gestellt: "Sie müssen sich als für die christlich-abendländisch geprägte Mehrheitsgesellschaft berechenbar fühlbar machen." Der Verfasser pocht dagegen auf die "Bringschuld unserer Gäste" (wie viele Generationen von Migranten müssen sich noch als Gäste titulieren lassen?) - es wird Zeit von ihm die Bringschuld von Offenheit und Vorurteilslosigkeit einzufordern. Verantwortung in der Pressefreiheit Solche Artikel sollte es nicht geben. Sie tragen nur dazu bei, den Zusammenhalt der Gesellschaft in Frage zu stellen. Wir haben eine Pressefreiheit, die in "unserer" humanistischen Tradition auch die Kritik an Religionen umfasst. Man sollte verantwortungsvoll mit ihr umgehen. Zum Glück bestimmen Artikel wie dieser nicht im Allgemeinen den Ton in der Essener Presse. In vielen Beiträgen anderer Verfasser zu diesem Thema - auch in der WAZ - zeigt sich ein objektiveres Bild. Wir wünschen, dass auf solch schädliche Entgleisungen in Zukunft verzichtet wird.
Gabriella Guidi |
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