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NRZ / Essen,Freitag, 02.05.2003


www.NRZ.de Online-Kommentar

Rechte Hetze nimmt zu


Ein tragisches Beispiel von Fremdenfeindlichkeit und von der schleichenden Verbreitung von Rassismus und Neofaschismus war Anlass für eine Demonstration gegen rechte Gewalt Anfang Februar in Borbeck. Etwa 400 Linksgerichtete, vor allem Jugendliche, nahmen, begleitet von Dutzenden von Polizisten, an dem Marsch zwischen Borbeck und Bergeborbeck teil. Verschiedene Antifa-Gruppen hatten zu der Aktion aufgerufen. Was aber war der Hintergrund der Aktion? Am 11. August vergangenen Jahres kam es in der Zinkstraße zu heftigen Übergriffen auf eine aus dem Kongo stammende Familie. Einige Rechtsradikale attackierten die Wohnung der Familie, schlugen Fensterscheiben ein und wollten sich mit Gewalt Zutritt zur Wohnung verschaffen. Etwa einen Monat später versuchte die Familie auszuziehen - aufgrund dieser Vorfälle und der kaum auszuhaltenden Angst. Rechtsradikale attackierten und bedrohten sie erneut. Beide Male musste die Polizei anrücken. Leider sind Szenen wie diese mittlerweile an vielen Orten der traurige Alltag. Es ist nicht mehr nur die Bedrohung, die von fanatischen Glatzköpfen mit Bomberjacke und "Germany"-Tätowierung auf dem Hinterkopf ausgeht. Vielmehr ist es die Bedrohung durch die Verbreitung von rassistischen, faschistischen und nationalistischen Einstellungen, die sich kaum spürbar in allen sozialen Schichten und Altersgruppen festbeißen. Sei es beim arbeitslosen Jugendlichen, sei es beim vermögenden 55jährigen Biedermann. Ausländerfeindliche Sprache, bei der es anfängt, und Hetzparolen sind schon lange keine Seltenheit mehr. Denn auch in Essen ist eine Ausrichtung vieler Jugendlicher in Richtung rechte Szene unschwer zu erkennen. Einige Stadtteile, zum Beispiel Dellwig oder Frintrop, gelten mittlerweile als regelrechte Nazi-Hochburgen. Auch das Problem des Fußballvereins Rot-Weiß-Essen mit rechtsradikalen Hooligans ist bekannt. Einige Diskotheken bzw. Bars entwickelten sich - Mundpropaganda zufolge - zu Treffpunkten von rassistischen Gruppierungen. Das Wort "Zivilcourage" scheint wieder zum Fremdwort zu werden. Statt zu handeln, bringen viele Beobachter von Übergriffen auf Ausländer, Linke oder Behinderte mit Sprüchen, Beschimpfungen sogar selber das Fass zum Überlaufen. Ein Beispiel dafür lieferten uns die Nachbarn der kongolesischen Familie: anstatt Hilfe zu leisten, applaudierten sie. Um diesen Leuten zu zeigen, dass Fremdenhass nicht der richtige Weg sein kann und darf, gingen die Menschen in Borbeck auf die Straße. Denn rechte Gewalt ist keine Lösung! Auch sollte die Demonstration die Solidarität mit unseren Mitbürgern aus dem Ausland zum Ausdruck bringen.

Stefan Kroll, Jahrgang 10, Helmholtz-Gymnasium
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