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waz / Essen,Samstag, 07.09.2002


Jeden Abend kommt die Angst vor neuem Terror

Flüchtlingsfamilie aus dem Kongo wurde in Borbeck von den Nachbarn terrorisiert - jetzt darf sie umziehen


Seine Frau starb in der Heimat. In der Hoffnung, der Gewalt zu entkommen, kam Venge D. 1997 mit seinen beiden Töchtern aus der Republik Kongo nach Deutschland. Doch auch hier wurde die Flüchtlingsfamilie von der Gewalt eingeholt. Nachbarn pöbeln und warfen Steine durch das Fenster.

Wenn es Abend wird, schieben Yenge D. (42) und seine beiden Töchter Ndaye (11) und Rifine (18) den Kühlschrank aus der Küche vor ihre Wohnungstür in einem Mietshaus in der Zinkstraße. "Unsere Nachbarn haben die massive Holztür eingetreten, sie läßt sich nicht mehr richtig schließen. Deshalb leben wir ständig in Angst, dass die Randalierer versuchen könnten, nachts in unsere Wohnung eindringen", berichtet Ndaye, die mit langen geflochtenen Zöpfen und ihrem T-Shirt mit Glitterdruck wie ein ganz normaler Teenager aussieht.

Sie besucht die Hauptschule in Stoppenberg und spricht fließend Deutsch. Nur eines unterscheidet sie von ihren deutschen Mitschülern: ihre dunkle Hautfarbe. Diese Hautfarbe war es, die Nachbarn aus dem gleichen Haus und aus den penibel gepflegten Reihenhäusern gegenüber ein Dorn im Auge waren.

Denn seit die Familie D. im vergangenen Dezember in diese Wohnung, die ihr vom Sozialamt zugeteilt worden war, einzog, beäugten die Nachbarn sie mit misstrauischen Blicken. Mitte August wurde aus den Blicken handfeste Gewalt. "In der Nacht zum 10. August begannen Randalierer, unser Wohnzimmerfenster mit Bierflaschen zu bewerfen, eine Scheibe ging dabei zu Bruch. Kurz darauf wurde die Wohnungstür eingetreten. Wir wussten gar nicht mehr, wo wir uns verstecken sollten", erinnert sich Rifine.


Mitmenschen

Flüchtlinge wurden wegen

ihrer Hautfarbe diskriminiert

Nachbarn aus den gegenüberliegenden Häusern applaudierten. Die verständigte Polizei konnte nur einen der rund elf stark alkoholisiserten Randalierer festnehmen. Die Gewalt ging weiter. "Wir wurden fast täglich auf offener Straße mit ausländerfeindlichen Parolen beschimpft", erzählen die Mädchen.

Die Familie wandte sich an Ntu Teka vom Ausländerbeirat, und so wurde die Not der Familie in der Sitzung des Beirates thematisiert. Auch die eingeschalteten Bürgerrechtler und Kirchengemeinden wurden tätig: Pfarrer Günter Kern-Kremp von der ev. Kirchengemeinde Borbeck-Vogelheim und Heinrich Gehring fanden eine neue Unterkunft für die Familie, die den D. endlich die ersehnte Ruhe bringen soll. boom
Bildunterschrift:
Steine und Flaschen zerstörten das Fenster der Wohnung, in der Familie D. bislang Unterschlupf suchte. Nun will die Familie der Gewalt entfliehen. WAZ-Bild:Alexandra Umbach
(Nachname für diese Veröffentlichung auf "D." anonymisiert)
Wir sind umgezogen: von der Maxstr. 11 zur Friedrich-Ebert-Str. 30, 45127 Essen
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