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Das Massaker von Oradour

Am 10. Juni 1944 kamer die Nazis nach Oradour-sur-Glane, ein kleiner Ort in dem Limousin.

Man weiß heute immer noch nicht, warum gerade dieser Ort das weltbekannte Symbol der nazistischen Unmenschlichkeit werden sollte. Die 2. SS-Panzer-Division „Das Reich“ hatte schon mehrmals Tötungen und Massaker bei der Zivilbevölkerung in Frankreich ausgeübt. Das Massaker von Oradour war bezüblich der Anzahl der Opfer das größte in Frankreich, aber keinesfalls ein Einzelfall. Es wurden in Oradour 642 Menschen ermordet, darunter waren 207 Kinder und 254 Frauen.

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Die Ruinen des Dorfes Oradour sind als Mahnmal zurückgeblieben.
Die Frauen und Kinder wurden in die Kirche getrieben. Diese wurde angezündet, der Kirchturm gesprengt, den Rest wurde durch Handgranate und Schüsse getötet. Die etwa 200 Männer wurden in Garagen und Scheunen eingeschlossen und danach erschossen. Nur fünf Männer und eine Frau überlebten versteckt bei den Toten.

Es gab in Frankreich Prozesse, die durch vielerlei Polemiken begleitet wurden. Am Ende waren spätestens 1959 alle Verurteilten wieder frei. In der Bundesrepublik gab es weder Verfahren noch Überstellungen nach Frankreich. In der früheren DDR wurde einer der Täter erst 1983 zu lebenslanger Strafe verurteilt und 1997 nach der Wiedervereinigung entlassen.

Erst im Dezember 2011 berichtete die Presse über Tätigkeiten der Staatsanwaltschaft Dortmund, die DDR-Akten ausgewertet hat und Wohnungsdurchsuchungen bei Verdächtigte durchgeführt hatte.

Es ist unklar, ob die späte Gerechtigkeit auch stattfinden wird. Die Staatsanwaltschaft weiß noch nicht, ob es überhaupt zu Anklage und Verfahren kommt.

Inhaltsverzeichnis

06.12.2011, TAZ: Späte Ermittlungen nach SS-Massaker

TAZ06-12-2011Oradour.gif

TAZ / Inland,Dienstag, 06.12.2011

Späte Ermittlungen nach SS-Massaker

JUSTIZ Wohnungen von ehemaligen SS-Angehörigen durchsucht wegen Kriegsverbrechen im Jahr 1944


Fast sieben Jahrzehnte nach dem Massaker der SS im französischen Oradour-sur-Glane bemüht sich die Staatsanwaltschaft Dortmund, doch noch Beteiligte an dem Verbrechen in der Bundesrepublik juristisch zu belangen. Wegen des Verdachts des Mordes durchsuchten Ermittler jetzt die Wohnungen von sechs Tatverdächtigen in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hessen und Brandenburg. Sie sollen als Angehörige der Waffen-SS-Einheit "Der Führer" im Juni 1944 an der Tötung von mindestens 642 Zivilisten beteiligt gewesen sein.

Es sei darum gegangen, alte Aufzeichnungen oder Fotos zu finden, die die Beschuldigten aufbewahrt haben könnten, sagte Staatsanwalt Andreas Brendel. "Wesentliche Beweismittel" seien bei den Wohnungsdurchsuchungen in Köln sowie in der Nähe von Bielefeld, Hannover, Darmstadt und Berlin jedoch nicht gefunden worden, räumte der Leiter der NRW-Zentralstelle für die Bearbeitung von nationalsozialistischen Massenverbrechen ein. Die heute 85 und 86 Jahre alten Männer hätten ihre Beteiligung an dem Massaker bestritten oder seien nach den ersten Eindrücken der Ermittler nicht vernehmungsfähig.

Am 10. Juni 1944 waren etwa 150 Mitglieder des SS-Panzergrenadier-Regiments "Der Führer" in Oradour-sur-Glane eingefallen. Sie trieben die Einwohner des 22 Kilometer nordwestlich der Stadt Limoges gelegenen Ortes auf dem Marktplatz zusammen. Wer zu krank war, wurde gleich in seinem Haus erschossen. Die anderen wurden getrennt nach Geschlecht umgebracht: Die Männer wurden in Scheunen und Garagen getrieben und dort erschossen. Die Frauen und Kinder wurden in eine Kirche gesperrt, die dann gesprengt und angezündet wurde. Insgesamt wurden 642 Menschen, darunter 240 Frauen und 213 Kinder, niedergemetzelt und verbrannt. Das Dorf wurde dem Erdboden gleichgemacht. Oradour-sur-Glane gilt als Symbol für die Grausamkeiten der Besetzung Frankreichs durch die Nazis. Wegen der Gräueltat gab es Anfang der fünfziger Jahre in Frankreich und Anfang der Achtzigerjahre in der DDR Gerichtsprozesse, die auch mit Verurteilungen endeten.

Dass die Dortmunder Staatsanwaltschaft vor rund einem Jahr die Ermittlungen wieder aufgenommen hat, basiert auf dem Fund von Akten aus den Untersuchungen der DDR-Staatssicherheit gegen den SS-Obersturmführer Heinz Barth. Der 2007 verstorbene Zugführer des Panzergrenadier-Regiments "Der Führer" war 1983 in Ostberlin zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Einer der damals von der Stasi vernommenen Zeugen ist jetzt unter den Beschuldigten. Ob es gegen ihn oder einen der anderen Verdächtigen zu einer Anklage kommen wird, weiß Staatsanwalt Brendel nicht.

PASCAL BEUCKER

22.11.2011,WAZ: Die Suche nach den letzten Tätern

WAZRhR06-12-11Oradour-sw.gif

WAZ / Rhein-Ruhr,Dienstag, 06.12.2011

Die Suche nach den letzten Tätern

Am 10.Juni 1944 massakrierte die SS die Bewohner von Oradour: Jetzt wollen NRW-Fahnder das Verbrechen aufklären


Essen. Die 47-Jährige Bäuerin Marguerite Rouffanche hat berichtet, was in der Kirche von Oradour passiert ist. Die SS hatte sie und hunderte weitere Franzosen eingesperrt. Die Deutschen hatten eine 80 Zentimeter große Kiste vor dem Altar gestellt. "Von der Kiste ging eine kleine Explosion aus. Schwarzer Rauch durchzog die Kirche. Es war eine Gasbombe Die Menschen bekamen Erstickungsanfälle. Dann begannen die Deutschen (...) Feuerstöße abzugeben."

Oradour: In Frankreich steht der Name des Dorfes für die Vernichtungsherrschaft der Nazis. Jetzt sind Fahnder aus NRW auf den Spuren der letzten lebenden SS-Angehörigen, die damals dabei waren. Sie sind heute 85 oder 86 Jahren alt und werden des Mordes beschuldigt. Sie sollen in dem Ort bei Limoges am 10. Juni 1944 das Massaker an 642 Zivilisten, darunter 207 Kinder und 254 Frauen, verübt haben.

Die ältere Herren haben Besuch bekommen. Das Landeskriminalamt und die für die Verfolgung von NS-Massenverbrecher zuständige Schwerpunktstaatsanwaltschaft Dortmund durchsuchten sechs Wohnungen in Köln und Bielefeld, in Hannover, Hessen und Berlin. Die sechs noch lebenden hochbetagten früheren Angehörigen der 3. Kompanie des 1. Bataillons des SS-Regiments "Der Führer" wurden vernommen.

Statsanwalt Andreas Brendel hat keinen Zweifel: "Wir wissen, dass sich an diesem Tag die ganze Kompanie in Oradour aufgehalten hat". Wie weit die Einzelnen wirklich tatbeteiligt waren, bleibe zunächst offen.

67 Jahre nach dem Verbrechen sind Vernehmungen und die Suche nach belastenden Auszeichnungen oder Aufzeichnungen sehr schwierig.


"Erst gab Erstickungsanfälle. Dann folgten Feuerstöße"


"Wesentliche Beweismittel konnten nicht aufgefunden werden. Die Beschuldigten haben die Beteiligung an den Tötungshandlungen bestritten", räumt das Landeskriminalamt ein. Einige Verdächtigte waren nach den Eindrücken der Ermittler auch nicht vernehmungsfähig, sagt Staatsanwalt Brendel. Sie hätten Problemen gehabt, die Belehrung durch die Ermittler zu verstehen. Gutachter werden die Verdächtigen auf ihre Vernehmungsfähigkeit untersuchen.

Am 10. Juni 1944 ist die alliierte Invasion in der Normandie gerade vier Tage alt. Die SS-Panzerdivision "Da Reich" erhält den Befehl, an die Küste zu marschieren. Auf dem Weg liegt das Dorf Oradour, wo die SS Widerstandskämpfer vermutet. Doch nicht Resistance-Mitglieder werden gestellt. Obersturmbannführer Adolf Dieckmann befiehlt, alle Einwohner zu töten und die Häuser niederzubrennen.

Vom Marktplatz werden die Frauen und Kinder in die Kirche getrieben. Die Deutschen zünden das Gebäude an, sprengen sogar den Kirchturm. Sie werfen Handgranaten und schießen in die verängstigte Menge. Sechs Menschen überleben das Massaker. Der Ort wird anderswo wieder aufgebaut. Die Kirchenruine und die Häuser mit den verbrannten Dächern sind als Mahnung geblieben.

Obersturmbannführer Dieckmann wurde nie belangt. Er fiel wenige Tage später an der Normandie. In Frankreich wurden 1953 21 SS-Männer angeklagt, darunter ein Dutzend Elsässer. Wegen des Verdachts gegen die eigenen Staatsbürger kam es zu Debatten. So wurden verhältnismäßig milde Haftstrafen verhängt, zwei Todesurteile in Haft umgewandelt.

Ein weiteres Urteil gab es in der DDR in den 70ern, als man dort den Obersturmführer Heinz Barth ausfindig machte. Nach Haft und Freilassung im wiedervereinten Land 1997 starb er zehn Jahre später. Auf dem Gebiet der alten Bundesrepublik wird das Massaker erst jetzt aufgearbeitet.

Die Dortmunder Fahnder stützen sich nach Hinweisen durch Historiker auf DDR-Unterlagen. Andreas Brendel bestätigt, die damals ermittelnden Stasi-Offiziere seien von der aus LKA und Staatsanwaltschaft bestehenden Ermittlungsgruppe vernommen worden. Diese wird wohl nach Oradour fahren und sich auch den Tatort ansehen. Ob es zur Anklage kommt? Das sei offen, sagt Brendel.


Dietmar Seher


NS-FAHNDER IN NRW

43 Ermittlungen seit 2005

Die gemeinsame Ermittlungsgruppe von Landeskriminalamt NRW und bei der Dortmunder Staatsanwaltschaft angesiedelten Landeszentralstelle für die Bearbeitung von nationalsozialistischen Massenverbrechen ist 2005 gegründet worden, Die Ermittler haben seither in 43 Verfahren recherchiert. 23 von ihnen wurden abgeschlossen, 20 weitere laufen derzeit noch.

In sechs Fällen konnte Anklage wegen mehrfachen Mordes erhoben worden. Die SS-Angehörigen Joseph Scheungraber und Heinrich Boere wurden verurteilt - Scheungraber wegen Kriegsverbrechen in der Nähe von Monte Cassino in Italien, Boere wegen der sogenannten Silbertannen-Morde in den Niederlanden. Vor zwei Jahren wurde Boere zu lebenslanger Haft verurteilt.


Bildunterschrift:
Die Ruinen von Oradour-sur-Glane erinnern an den 10. Juni 1944
Für die Franzosen Symbol der Nazi-Brutalität; Auf dem Friedhof von Oradour wird an das Massaker erinnert


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