Vorgeschichte
Bis 1943 hatte Italien unter Mussolini gemeinsam mit Deutschland im 2. Weltkrieg gekämpft. Dann aber hat Italien den Faschismus abgeschafft, Mussolini abgesetzt und mit den Alliierten einen Waffenstillstand vereinbart. Daraufhin besetzte Hitlerdeutschland fast ganz Italien und setzte Mussolini wieder ein. Die deutschen Truppen gingen sehr brutal vor und begingen viele Kriegsverbrechen, denn Italien sollte möglichst viel Material und Menschen für die bröckelnde Kriesfront liefern. Viele Menschen flüchteten, und es bildeten sich bewaffnete Partisanengruppen, die sich gegen Faschismus und Besatzung wehrten.
Nach dem Krieg entstand wieder ein freundschaftliches Verhältnis zu Deutschland. Viele italienische Gastarbeiter kamen zu uns und im zusammenwachsenden Europa hatten beide Seiten offenbar wenig Interesse, die Kriegsverbrechen der Besatzungszeit aufzuarbeiten.
Schrank der Schande
Ende der 90iger Jahre wurde dann in den Räumen der Italienischen Justizbehörden ein Schrank voll unbearbeiteter Akten zu den Verbrechen der Besatzungszeit "gefunden". Er wird inzwischen als Schrank der Schande (L'armadio della vergogna) bezeichnet.
Seitdem arbeiten die italienischen Staatsanwaltschaften gegen die Zeit. Die meisten Beteiligten, Angeklagte wie Zeugen, sind inzwischen gestorben. In mühsamer Kleinarbeit der Anklagebehörden in Italien und in Deutschland ist es gelungen, Überlebende ausfindig zu machen, die offenbar für Massaker verantwortlich waren. Viele Angeklagten sind alt und gebrechlich. Wenn sie sterben, kann die Aufarbeitung nicht mehr stattfinden.
Den Überlebenden - auch sie sind sehr alt - und ihren Angehörigen wurde zu lange schon Gerechtigkeit und Anerkennung vorenthalten.
Die deutsche Justiz stellt sich dar, als wenn sie die Bearbeitung bewußt verzögert. Selbst in Fällen, wo in Italien schon Verurteilungen stattgefunden haben, geschieht hier bisher nichts, um die Vollstreckung des Urteils auch sicher zu stellen.
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