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Essen, den 25. Mai 2003
Berliner Appell
Bleiberecht für Roma-Flüchtlinge
fast ein Jahr lang haben Roma-Flüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien in der ganzen Bundesrepublik - mit Schwerpunkten in Essen und Düsseldorf - die deutsche Gesellschaft angefleht, sich bei Bundesregierung und Bundesländern für eine Altfallregelung und ihr Bleiberecht einzusetzen. Flüchtlings- und Menschenrechtsorganisationen, Politikerinnen aller Parteien und Hunderte engagierter Bürgerinnen haben ihr Anliegen bundesweit unterstützt. Außer einer Gnadenfrist über den Winter hat den Roma ihre entbehrungsreiche und von vielen Medien mit Empathie begleitete Bleiberechtskampagne nichts gebracht. Seit 31.März 03 lauft die Abschiebungsmaschinerie gnadenlos. Frauen, Kinder, Alleinstehende werden nach Belgrad transportiert und dort wie heiße Kartoffeln fallengelassen. Niemand kümmert sich um ihren Verbleib. Das Rücknahmeabkommen zwischen BRD und BR Jugoslawien, das unter der notwendigen humanitären Voraussetzung der Versorgung und Betreuung der Heimkehrer abgeschlossen wurde, entbehrt jeder Grundlage. Der Landtagsabgeordnete von B 90/Die Grünen, Rüdiger Sagel, der zuletzt im März nach Serbien und Kosovo reiste, um sich erneut über die Lebensbedingungen vor Ort zu informieren, fasst als Ergebnis seiner Eindrücke und Gespräche vor Ort zusammen:
In Folge der Verbrechen des Nationalsozialismus hat die Bundesrepublik Deutschland für bedrängte Roma - so wie für bedrängte jüdische Menschen - eine besondere Verantwortung. Die extreme Ausgrenzungspolitik gegenüber den pauschal als asozial und kriminell eingestuften "Zigeunern" zur Bismarckzeit und in der Weimarer Republik gipfelte im nationalsozialistischen Völkermord an den europäischen Roma und Sinti. Nach 1945 entschieden über die Re-Integration der Überlebenden dieselben Leute und dieselben Einstellungen, die den Weg zum Völkermord geebnet hatten. Aus dieser Verantwortung darf sich deutsche Politik heute nicht umstandslos verabschieden. Auch und gerade in Hinblick auf die Verwirklichung der Menschenrechte im Vereinten Europa darf die Bundesrepublik die ungesicherte Zukunft der Roma-Minderheiten nicht durch Abschiebung der Menschen und des Problems lösen wollen. Sie steht in der historischen Pflicht, die soziale und rechtliche Integration der Roma als Kernfrage der demokratischen Substanz des neuen Europa zugewichten. Wenn die Geschichte dieses seit Jahrhunderten in Europa ausgegrenzten Volkes im 21. Jahrhundert nicht fortgesetzt werden soll, sind wir genötigt, schon heute mit gutem Beispiel voranzugehen. Dieser Einsicht können sich auch die deutschen Innenminister nicht verschließen.
ProAsyl/Flüchtlingsrat Essen möchte dem "Berliner Appell" in Essen breite Resonanz verschaffen und einen vergleichbar bedeutenden Unterstützerkreis wie in Berlin gewinnen. Deshalb bitten wir Sie, bzw. Ihre Institution um Ihre Unterschrift unter den Appell, der unserem Schreiben beiliegt. Die Essener Erstunterzeichnerkampagne für den "Berliner Appell" soll bis zum 25. Juni laufen. Mitarbeiterinnen von ProAsyl/Flüchtlingsrat Essen sind jederzeit zu Gesprächen bereit und werden sich gegebenenfalls noch einmal telefonisch mit Ihnen in Verbindung setzen. Ende Juni 03 sollen die Unterschriften an Innenminister Behrens, Bundesinnenminister Schily, die Landtags- und Bundestagsfraktionen der Parteien weitergeleitet werden - in der Hoffnung auf neue Gespräche und humanere Lösungen. Mit freundlichem Gruß und Dank ProAsyl / Flüchtlingsrat Essen Juliane Pilz Inka Jatta Bernd Brack
Wir, die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner dieses Appells, mahnen an: In Erwägung der besonderen historischen Verantwortung, die Deutschland gegenüber den 500.000 Opfern des Holocaust an den europäischen Sinti und Roma und ihren Nachkommen hat und angesichts der aktuellen prekären Situation der Roma in den Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawien appellieren wir an den Innenminister der Bundesregierung und die Innenminister der Länder, langjährig in der Bundesrepublik lebenden Romaflüchtlingen ein Bleiberecht zu gewähren und ihnen die Integration in unsere Gesellschaft zu ermöglichen. Zehntausende Roma flohen seit Ende der achtziger Jahre aus dem Kosovo und mit Beginn des Bürgerkrieges Anfang der neunziger Jahre aus allen Teilen Jugoslawiens. Sie suchten Schutz vor Diskriminierung, Verelendung, Vertreibung und erzwungenem Militärdienst. Wie so oft in ihrer Geschichte haben sie keinen Krieg angezettelt, wurden aber Opfer militärischer Auseinandersetzungen, von Zwangsmaßnahme und Bedrohungen. Viele von ihnen leben schon seit Jahren in der Bundesrepublik Deutschland. Sie haben mehrheitlich versucht, sich trotz unsicheren Aufenthalts in unsere Gesellschaft zu integrieren. Ihre Kinder besuchen die Schule oder haben sie bereits erfolgreich absolviert. Eine zwangsweise Rückführung nimmt ihnen jede Perspektive auf ein Leben in Würde. ErstunterzeichnerInnen Berlin:
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