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29.07.2008, WAZ: Der Nazi Jäger

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WAZ / Menschen,Dienstag, 29.07.08

Der Nazi-Jäger

Seit mehreren Jahrzehnten befasst sich Ulrich Maaß mit der Aufklärung von Kriegsgräueln. Als Leiter der Zentralstelle für die Bearbeitung von NS-Verbrechen reiste der Dortmunder jetzt in ein französisches Dorf.


Von Barbara Merten Kemper
Dortmund. Der Rummel nimmt kein Ende. Deutsche und französische Medien bitten um Interviews, drehen Beiträge oder bitten Oberstaatsanwalt Ulrich Maaß, das ruhige Arbeitszimmer mit dem Studio zu tauschen. Ausgelöst hat den Wirbel seine Dienstreise ins französische Maillé, in dem 1944 deutsche Soldaten 124 Bewohner töteten, darunter 48 Kinder. Das Verbrechen noch deutlich vor Augen

Der Dortmunder Leiter der „Zentralstelle im Land NRW für die Bearbeitung von nationalsozialistischen Massenverbrechen” ermittelte vor Ort, sprach mit drei Überlebenden. „Sie haben dieses Verbrechen noch ganz deutlich vor Augen und ihre Schilderungen zeugen von einer unglaublichen Grausamkeit den Opfern gegenüber”, sagt der 62-Jährige. Doch noch ist nicht geklärt, wer die Täter sind, die vielleicht aus einem in der Nähe stationierten „Feldersatz-Bataillon” der 17. SS-Panzergrenadier-Division stammen.

Mit der ihm eigenen Hartnäckigkeit wird der NRW Chefankläger für Nazi-Gewaltverbrechen weiter ermitteln. Wie schon so oft in den letzten 30 Jahren. Denn er ist ein Überzeugungstäter im positiven Sinn. „Ich halte die Verfolgung der NS-Verbrechen für absolut notwendig und finde bei

"Diese Arbeit ist
gut für den Ruf
der deutschen Justiz"

den Landeskriminalämtern die Unterstützung, die wir brauchen, um so viele Fälle wie möglich aufzuklären.”

Akribisches Forschen in neuem Archivmaterial

Die Chancen stehen so gut wie nie. Anders als in den 80er-Jahren, als es kaum möglich war, an Archivmaterial und damit Informationen zu kommen, haben die weltpolitischen Veränderungen auch da Türen geöffnet. 1987 gab die UNO aus ihren Archiven 30 000 Namen frei, nach dem Fall der Mauer waren die Stasi-Akten offen, und der Zusammenbruch der Sowjetunion eröffnete den Zugang zu Archiven in der Ukraine, anderen GUS- und ehemaligen Ostblock-Staaten.

Die besuchte der Staatsanwalt zusammen mit Kollegen aus dem Dezernat, das heute mit drei Staatsanwälten besetzt ist, sowie mit Kriminalbeamten. Aufgeschlossen für andere Kulturen lernte er Land und Leute kennen und fand immer auch Menschen, die ihm halfen, weitere Erkenntnisse zu gewinnen – für oder gegen eine Anklage. Das bedeutet noch mehr Akribie und Geduld, als man Juristen ohnehin schon nachsagt.

Ulrich Maaß, der sich vor rund 20 Jahren sehr bewußt entschied, aus der Abteilung für Kapitaldelikte (Mord, Totschlag) zur Zentralstelle zu wechseln, ist aber auch ein politisch und historisch interessierter Mensch. „Wir profitieren heute von einer neuen Historiker-Generation, die ernorm viel erforscht hat”, weist der Vater von zwei Söhnen auf die wichtige Unterstützung hin, die er nutzt und ausbaut, wo immer es möglich ist. So existieren mittlerweile freundschaftliche Verbindungen zu Staatsanwälten und Richtern in Italien, Frankreich, Griechenland und den Niederlanden.

Mit den niederländischen Kollegen zusammen ist es gelungen, einen 86-Jährigen wegen Mordes in drei Fällen anzuklagen. Der Mann war in den Niederlanden schon zum Tode verurteilt, floh dann aber und versteckte sich jahrelang unerkannt in der Nähe von Aachen. Durch einen Zufall wurde er entdeckt. Anfang nächsten Jahres soll das Verfahren vor dem Schwurgericht in Aachen beginnen.

Was ihm der Staatsanwalt zur Last legt, klingt filmreif. Zusammen mit einem Komplizen, der noch lebt und aussagen will, soll er sogenannte Fememorde begangen haben. So sei er beispielsweise im Auftrag der SS zu einem Apotheker gefahren. Die beiden in Zivil gekleideten Männer hätten den Apotheker gebeten, sich auszuweisen. Als der mutmaßliche Täter die Identität abgeklärt hatte, erschoss er kaltblütig den Apotheker.

„Mord verjährt nicht. Aber einmal davon abgesehen, hat sich die Rechtssprechung gewandelt. So wird heute das Handeln auf Befehl sicher anders hinterfragt”, beschreibt der auch privat reisefreudige Jurist den Unterschied zur eher konservativen Nachkriegszeit.

Auf den aktuellen Trubel könnte er gut verzichten. Doch die Anerkennung für seine Arbeit, die er besonders im Ausland immer wieder erlebt, freut ihn. „Das ist auch gut für den Ruf der deutschen Justiz, die sich ja immer mit dem Vorwurf herumschlagen musste, auf dem rechten Auge blind zu sein.”



Vergeltung für ein Attentat des Widerstands

Insgesamt 124 der rund 500 Dorfbewohner waren von den Deutschen am 25. August 1944 ermordet worden. Es war eine Vergeltung für ein Atttentat des Widerstandes auf zwei Militärfahrzeuge in der Nacht zuvor, bei dem ein Soldat getötet worden war. Wer genau für die Gräueltaten von Maillé verantwortlich ist, konnte bis heute nur teilweise geklärt werden. Zwei Monate zuvor hatten deutsche Truppen im französischen Dorf Oradur 642 Menschen getötet.
Bildunterschrift:
Aufklärung über alle Grenzen hinweg: Ulrich Maaß knüpft wichtige Kontakte
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