Aus Anti-Rassismus-Telefon

nach unten Hauptseite LogoArtKlein.gif Wir helfen! Wer sind wir?
E-Mail: artessen<a>gmx.dePost_icon.png
1ordnerZu.gif
Anti-Rassismus-Telefon »
1ordnerZu.gif
Flüchtlinge in Essen »
1ordnerZu.gif
Lokale Arbeit »
1ordnerAuf.gif
Gedenken »
11ordnerZu.gif
Aus Geschichte lernen
11ordnerZu.gif
Essener Stolpersteine »
11ordnerZu.gif
Ernst Achenbach
11ordnerZu.gif
9. November
11ordnerZu.gif
Zug der Erinnerung 2008
11ordnerAuf.gif
Essener Stahlbuch
1ordnerZu.gif
"Das Boot ist voll" »
1ordnerZu.gif
Islamfeindlichkeit »
1ordnerZu.gif
Oury Jalloh
1ordnerZu.gif
Nazi-Kriegsverbrechen »
1ordnerZu.gif
Seitenübersicht

Stahlbuch der Stadt Essen

Das Besucherbuch der Stadt Essen, das sogenannte "Stahlbuch", zeigt auf, wie schwierig die Auseinandersetzung mit der faschistischen Vergangenheit ist. Im ersten Artikel wird dessen Vergangenheit weitgehend verschwiegen. Zwei Tage später wird nur der möglicherweise aufgekommene Eindruck von Zensur ausgeräumt.

Dabei ist die Diskussion nicht neu, wie der unterste Artikel aus dem Jahr 2001 zeigt.


Inhaltsverzeichnis

14.02.2007, WAZ: Der Gestalter des "Stahlbuches"

Wz070214a.gif

WAZ / Essen, Rubrik Mitmenschen,Mittwoch, 14.02.2007

Stadtgeschichte in Stahl

Seit über 30 Jahren gestaltet Helmut Groth die Seiten des "Stahlbuches", des Gästebuchs der Stadt. Trotz seiner Pensionierung bleibt er dem Amt treu. Zu jeder Unterschrift kennt er ein Histörchen.


Von Julia Valtwies


"Am schönsten war die Begegnung mit Otto Rehagel nach der EM 2004", schwelgt Helmut Groth in Erinnerungen.

Wie mit Rehagel verbinden ihn mit jedem großen Namen, der seit 1976 in Essen aufgetaucht ist, etwa zwei Tage Arbeit und eine ganz individuelle Kreation. Denn Helmut Groth ist der Herrscher über das "Stahlbuch" - dem Gästebuch der Stadt.

Nach einer Ausbildung in Plakatmalerei, kam er im Laufe der Zeit zum Presseamt der Stadt Essen, wo ihm die Obhut über die Gestaltung des Stahlbuches angeboten wurde. Er trat damit die Nachfolge eines Professors der Folkwangschule an. Das war nun vor knapp 31 Jahren und noch ist kein Ende in Sicht.

Bei den meisten Eintragungen war er nicht zugegen, nur bei denen, die ihn richtig interessierten. So etwa bei Otto Rehagel, Muhammad Ali oder Papst Johannes Paul II. Und zu allen hat er eine Geschichte zu erzählen. Für Muhammad Ali beispielsweise gestaltete er eigens ein Wappen mit Boxhandschuh und Lorbeerblatt.

Johannes Paul II wollte der Hobbyfilmer Groth eigentlich auf VHS bannen, doch die Akkreditierung kam genau einen Tag zu spät. Heute erinnert ihn ein Foto an den denkwürdigen Tag 1987.

Erst mit der kreativen Arbeit Groths kamen Wappen und Bilder auf die Seiten. Manche Ideen, gibt er zu, stammen nicht von ihm. So z.B_ ein aus mehreren Friedenstauben bestehender Judenstern zum Besuch des israelischen Botschafters anlässlich des 30. Geburtstages Israels im Jahr 1978. Ein junges Mädchen inspirierte ihn zu diesem Bild. "Leider haben sie bis heute nichts bewirkt" resümiert er über die Tauben.

Ein ganzes Stück Geschichte bildet sich so in diesem Buch ab. Ursprünglich entstand die erste Seite 1933. Doch heute beginnt die Geschichte hinter den Stahlplatten erst 1953 wieder. Die Seiten wurden herausgetrennt und ins Archiv verlegt. Ein Wunsch von Helmut Groth ist es, diese Seiten einmal zu sehen. Immerhin seien sie Teil der Geschichte und sonst müssten auch Figuren wie Erich Honecker aus dem Buch getilgt werden.

Egal, wer sich in das Gästebuch einträgt, stets geht der Rentner mit der gleichen Sorgfalt an die Arbeit. Ausgefeilte Stadtporträts oder aufwendige Landeswappen zeichnet er dabei zuerst auf einfachem Papier vor, bevor sie sich auf den wertvollen Seiten des großen Buches Wiederfinden.

Verschreiben darf man sich da nicht. Und wenn es doch einmal passiert, muss er penibelst darauf achten, es vorsichtig zu retten. So hatte er schon Bedenken als der ehemalige Bundespräsident Johannes Rau mit Frau kommen sollte, dann aber alleine auftrat. Auf der Seite standen bereits beide Namen und es blieb keine Zeit dies vorher zu beheben. Dank des Rau'schen Humors war aber keine Umgestaltung nötig. Er unterschrieb und setzte dahinter "(ohne Frau Christina)"

Wie viele Seiten Groth bis heute gestaltet hat, weiß er nicht. etwa 145. Und bis wann er vorhat diesen Dienst weiter zu leisten? "Bis das Buch voll ist". Und Platz ist noch genug.




Das "Stahlbuch" liegt die meiste Zeit des Jahres im Tresor des Rathauses. Wer es herausholen will, sollte sich vorher allerdings ordentlich dehnen und Kraftübungen betreiben. Denn es wiegt etwa 20 kg, ist 42 cm hoch, 33 cm breit und 8 cm dick. Der Umschlag, die Stahlplatten also, stammen aus der Schmiede Krupps und wurden von der Folkwangschule gestaltet. Die Seiten bestehen aus handgeschöpftem Büttenpapier.   jv
Bildunterschrift:
(rechts) In seinem heimischen Arbeitszimmer hält Helmut Groth nur selten das Buch in der Hand. An den Wänden hängen Kopien der schönsten Seiten Foto: WAZ, Arnold Rennemeyer
(links unten) Keine Ähre durfte fehlen beim Wappen der DDR Foto:WAZ,AR

16.02.2007, WAZ: Stahlbuchseiten im Stadtarchiv

Wz070216a.gif

WAZ / Essen,Freitag, 16.02.2007

Stahlbuchseiten im Stadtarchiv


Die Seiten des Stahlbuches aus den Jahren vor 1945 können im Stadtarchiv, Steeler Straße 29, eingesehen werden. Das erklärt Stadtarchivar Klaus Wisotzky. Voranmeldung ist nicht erforderlich. Zeiten: montags und dienstags 9 bis 15.30, mittwochs, 9 bis 12, donnerstags 9 bis 18 und freitags 9 bis 14:30 Uhr.

Novem. 2001, GZ: GRÜNE wollen nationalsozialistische Tradition beenden

Standardix.gif

Grüne Zeiten / Essen, November 2001

Stahlbuch

GRÜNE wollen nationalsozialistische Tradition beenden

Auf Anregung der Essener GRÜNEN hat der Rat der Stadt sich dafür ausgesprochen, die Tradition der Stahlbucheintragungen für Ehrengäste der Stadt Essen anlässlich der 1150-Jahrfeiern im kommenden Jahr zu beenden und eine neue, zeitgemäße Form des Gästebuchs zu entwickeln. Der Ältestenrat wird sich mit Umsetzungsmöglichkeiten des GRÜNEN Antrags befassen, in dem die Hintergründe der Stahlbuch-Tradition kritisch beleuchtet werden, deren sich viele Essener BürgerInnen heute nicht mehr bewusst sind.


Die Art und Weise der Stadtrepräsentation und ihre geschichtlichen Ursprünge müssen gerade bei städtischen Jubiläen darauf überprüft werden, ob sie heutigen moralischen Ansprüchen standhalten können. Beim Stahlbuch der Stadt Essen ist dies eindeutig nicht der Fall: Es wurde 1934 ausdrücklich angelegt, um auch hier symbolisch mit dem Dritten Reich eine neue Epoche der Stadt einzuläuten. Bis heute ist die faschistische Losung bekannt geblieben, die Deutschen müßten flink wie Windhunde, zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl werden. Der bisherige Stolz der Stadtwerbung über das bundesrepublikanische Alleinstellungsmerkmal eines Stahlbuchs dürfte sich schwerwiegend ins Gegenteil verwandeln, wenn Ehrengästen bewusst wird, dass sie mit ihren Stahlbucheintragungen eine faschistische Tradition weiterführen. Im Juni 1934 war das Stahlbuch auf Anregung des ersten nationalsozialistischen Essener Oberbürgermeisters Dr. Theodor Reismann-Grone anlässlich der Stadtbesuche der damaligen Essener Ehrenbürger Adolf Hitler und Hermann Göring eingeführt worden und wurde nach Kriegsunterbrechung dann ab 1953 ohne Nationalsozialistische Insignien fortgesetzt. Bei der Rückbesinnung auf 1150 Jahre Stadtgeschichte müsste es im Jahr 2002 möglich sein, hier auch im kulturell-symbolischen Bereich die Epoche der braunen Diktatur in den historischen Giftschrank zu legen, ohne sie verschweigen zu wollen.

Denkbar wäre nach Auffassung der GRÜNEN statt dessen ein öffentlicher Wettbewerb - vielleicht mit Hilfe des Design-Zentrums NRW oder der Gestaltungsfachbereiche der Gesamthochschule Essen - wie im neuen Jahrtausend ein Gästebuch der Stadt Essen aussehen könnte, die ihre Vergangenheit als Rüstungsschmiede des Deutschen Reichs überwunden hat, in der schon seit Jahrzehnten kein Stahl mehr gekocht wird und die eine international offene Metropole sein will. Es darf sich niemand damit zufrieden geben, dass die faschistische Geburtshilfe des Stahlbuchs den meistens Ehrengästen der Stadt unbekannt sein dürfte.
w.w./ul

Quelle: http://www.gruene-essen.de/gz/2001/dezember/aus_dem_rathaus.html (kopiert im Sommer 2007)

Wir sind umgezogen: von der Friedrich-Ebert-Str. zur Steubenstr.49, 45138 Essen
. nach oben Hauptseite Wir helfen! E-Mail: artessen<a>gmx.dePost_icon.png