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WAZ / Essen,Dienstag, 07.04.2009
WAZ, 07.04.2009:Rabiat, lautstark, aber friedlich
200 Demonstranten protestierten unter starker Polizeibegleitung gegen einen Laden mit Mode aus der rechten Szene
Zur besten Einkaufszeit zeigte die Polizei gestern ab 17 Uhr massiv Flagge in der Innenstadt bei der Begleitung eines Demonstrationszuges gegen den neu eröffneten Laden an der Viehofer Straße, dessen Kundschaft der rechten Szene zugerechnet wird. Die Antifa Essen hatte die Kundgebung am Samstag angemeldet - nach dem WAZ-Bericht über den Laden, die Marke „Thor Steinar" und deren Symbolik in der rechten Szene. Die besteht nach Ansicht der Antifaschisten in einer Abkehr vom „unbeliebten und martialischen Skinhead-Look" und dem Versuch einer „modischen Integration, vor allem um ihren potenziellen Sympathisantenkreis zu erweitern". In einem Kooperationsgespräch am Sonntag hatte die Polizeiführung auf zwei Bedingungen bestanden: kein Zug durch die Kettwiger Straße wegen des Ostermarktes und kein Auftritt vor dem Laden selbst wegen der Gefahr von Ausschreitungen. Diese Vorgaben setzte die Polizei mit massivem Kräfteeinsatz entlang des Zugweges vom Willy-Brand-Platz bis zur Kreuzeskirchstraße um. Die Reaktionen der Passanten in der Innenstadt reichte von Erschrecken bis Erheiterung. An der Limbecker Straße flüchteten sich Familien mit Kindern und Hunden in den Juwelierladen am Straßenrand, reihenweise gingen in der nördlichen Innenstadt die Rollgitter herunter. An der I. Weberstraße dagegen zeigten sich die arabischen Anwohner so begeistert darüber, dass der Polizeieinsatz mal nicht ihnen galt, dass sie Leitern auf die Straße stellten, um das Schauspiel noch besser verfolgen zu können. Auf der Viehofer Straße fragte ein Passant einen Polizeiführer besorgt: „Die sind doch gegen die Nazis, oder?" Ein großer Teil der 200 Demonstranten hatte sich nämlich modisch stark am Schwarzen Block orientiert. Kurz vor Schluss kam der Zug auf Steinwurfweite an den Gegenstand des Protestes heran. Weil die Polizei an diesem Punkt ihre Diensthunde bellen ließ, blieb es bei Drohungen: „Wir kriegen euch alle." Polizeibilanz: keine Festnahmen.
Ein Problem für Jahre Einen zähen Kampf haben Bürger und Politiker in Dortmund hinter sich: Dort dauerte es Jahre, bis das Nazi-Geschäft „Donnerschlag" am Rand der City endlich aufgab. Verkauft wurden CDs und Pullis für Rechtsradikale. Das Geschäft galt als Anlaufpunkt der Szene. Der Hausverwalter duldete das Ganze – kein Wunder: Er selbst wurde den Rechten zugeordnet. Das wiederum hatte der Besitzer der Immobilie, ein niederländischer Investor, nicht gewusst. Unter dem Motto „Ladenschluss für Donnerschlag" stellte sich ein breites Bündnis gegen das Geschäft auf. Ordnungsamt und Polizei kontrollierten im Problemviertel. Und ahndeten auch Kleinigkeiten – z. B., wenn Rechte abends auf dem Bürgersteig herumgrölten. Die zuständige Bezirksvertretung eröffnete in der Nachbarschaft ein Bürgerbüro, bot Deutschkurse für Türkinnen an, Polizisten hielten Sprechstunden ab. Am Ende war dem „Donnerschlag" nicht straf-, sondern nur zivilrechtlich beizukommen. Räumungsklage. Die Pächter hatten kaum Miete gezahlt. -MarS |
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