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Vermieter: Ich wurde getäuscht
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WAZ / Essen,Mittwoch, 08.04.2009


WAZ, 07.04.2009:Vermieter: Ich wurde getäuscht

Filiale der bei Rechtsextremen beliebten Marke "Thor Steinar" kam offenbar auf dubiosen Wegen an die Viehofer Straße


Er war so froh, sein Ladenlokal gut vermietet zu haben. 130 Quadratmeter an der Viehofer Straße, nicht eben 1a-Lage in der Essener Innenstadt, sind ja nicht im Handumdrehen unter Vertrag zu bringen. Nach manchem Ärger mit säumigen Mietern in der Vergangenheit schien sich nun eine langfristige Lösung abzuzeichnen. Eine Protex GmbH aus dem brandenburgischen Zeesen wollte mit einem Geschäft für Outdoor- und Sportbekleidung einziehen. „Wie Jack Wolfskin, haben die gesagt, nur billiger", erzählt der Vermieter, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will. Er seufzt schwer.

Am Samstag las der Essener Geschäftsmann dann in der WAZ, wen er sich da ins Haus geholt hatte: Eine Boutique, die die bei Rechtsextremen beliebte Modemarke „Thor Steinar" führt. Der brandenburgische Verfassungsschutz spricht gar von einer Art Erkennungszeichen der Neonazi-Szene. Seither protestieren Politiker, Nachbarn sind entsetzt, und ein stattliches Aufgebot der Essener Polizei musste am Montag einen Demonstrationszug von dem Ladenlokal fernhalten.

Der Vermieter, ein eher klein gewachsener Mann mit ehrlicher Verzweiflung im Blick, beteuert: „Ich bin reingelegt worden. Wenn ich gewusst hätte, wer sich hinter der Protex GmbH verbirgt, hätte ich nie vermietet. Lieber lasse ich den Laden leer stehen." Er zieht einige Din-A4-Bögen hervor. Es ist der Mietvertrag für das Geschäft an der Viehofer Straße 20. Geschlossen mit „ganz normal" aussehenden und auftretenden Geschäftsleuten. Er ist maschinell ausgefüllt. Nur im Feld des einen Vertragspartners steht handschriftlich gezwängt: Thor Steinar. „Das wurde kurz vor der Unterschrift hineingemogelt", sagt der Vermieter empört. Thor Steinar – der Name sagte ihm auf die Schnelle nichts. Auch machte es ihn nicht stutzig, dass sein Mieter keine Fotos und keine Internet-Adresse zu seinen anderen Läden präsentieren konnte. „Man sagte mir, ich solle nach Berlin kommen und mir einen der Läden ansehen", sagt er.

Seit klar ist, dass sich die gepflegt wirkende Boutique an der Viehofer Straße längst zu einem Politikum ausgewachsen hat, will der Vermieter möglichst schnell aus dem Mietvertrag aussteigen. Noch am Dienstag leitete er erste rechtliche Schritte zu einer fristlosen Kündigung ein. „Das muss wasserdicht sein", sagt er mit Blick auf diverse Klagen gegen „Thor Steinar"-Läden in anderen Städten. Der Vermieter erhofft sich womöglich Hilfe von der Stadt. Vor allem will er, dass jeder in Essen weiß: „Ich mache mit solchen Leuten keine Geschäfte." Foto: WAZ, Arnold Rennemeyer

Häufiger Mietstreit

Der Mietstreit um ein „Thor Steinar"-Geschäft in Magdeburg liegt mittlerweile beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe. Auch andernorts gab es juristische Streitigkeiten, wenn der Vermieter nicht ahnte, was in seinem Lokal verkauft wird. Der Nachweis, dass es so etwas „rechte Mode" gibt, ist eben schwierig zu führen.
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