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Interkulturelles Solidaritätszentrum e.V./
Anti-Rassismus-Telefon Essen
45127 Essen
Maxstr. 11(*)
Tel. + Fax: 0201 - 23 20 60

Was es heißt, Ausländer zu sein
Essen eine 'ausländerfreundliche' Stadt?

Befragung über alltägliche Diskriminierungserfahrungen

Was_wastit.jpg

Die Broschüre als download PDFicon.gif (3 MB)

Herausgeber
Interkulturelles Solidaritätszentrum e.V. / Anti-Rassismus-Telefon Essen
Redaktion
Gabriella Guidi, Thorsten Rasch
Titelfoto
(c) Bircan Özdem
Verlag
ISBN 3935249-15-2 / Nima Verlag, Lindenallee 75, 45127 Essen, T.:0201 - 20868, Fax: 0201 - 20869, www.nimabook.de, nimabook<a>gmx.dePost_icon.png
Redaktionsstand
unkorrigierte Internet-Version html-1.0 (20.01.2001)

Die vorliegende Studie ist in Teilen der Öffentlichkeit vorgestellt worden:

  • 10. Tagung Friedenspsychologie, »Krieg, Nationalismus, Rassismus und die Medien«, Universität Konstanz, 13.-15. Juni 1997
  • Fachtagung »Gemeinsam gegen Rassismus«, MAGS NRW, Saalbau Essen, 12. Juni 1997
  • Steele International, Grend-Kulturzentrum, Essen, 24. August 1997


Inhaltsverzeichnis


I. Die Fragebogenaktion "Essen - eine 'ausländerfreundliche' Stadt?"


Im Frühling 1995 beschloß das Interkulturelle Solidaritätszentrum eine Befragung durchzuführen, der wir den Name gaben: "Essen - eine 'ausländerfreundliche' Stadt?".

'Ausländer' ist ein verpönter Ausdruck innerhalb der Kreise, die sich gegen Fremdenfeindlichkeit wenden. Wir verwenden ihn mit seinem negativen Beigeschmack einerseits notgedrungen: in einem Klima von zunehmender Diskriminierung nehmen viele Wörter nach und nach negative Konnotationen an; es bleiben keine mehr übrig... Anderseits aber war von uns gerade dieser negative Beigeschmack gewollt, um die Atmosphäre einer besonderen Art von Diskriminierung wiederzugeben. So haben wir die Menschen, die unsere Fragen beantwortet haben, als 'Ausländer' charakterisiert. Das Wort benutzten wir in seinem breitesten Sinn und in Anklang an die 'normale' rassistische Sichtweise, unabhängig von Unterscheidungen von Status, Geburtsort usw. innerhalb der gemeinten Gruppe. Es enthält den Wortteil 'aus', was auf Ausgrenzung hinweisen kann. Das heißt selbstverständlich nicht, daß Mitglieder der Mehrheitsbevölkerung keiner Diskriminierung unterworfen wären (z.B. als Behinderte, Frauen, oder sogar als 'Nicht-Treppenputzer' usw.) Durch die Kategorisierung als 'Ausländer' wird aber eine besondere Art der Ausgrenzung aufgezwungen, welche Gegenstand unserer Untersuchung ist. Durch diesen Begriff wird auf eine Spaltung in der deutschen Gesellschaft hingewiesen, in der die Mehrheitsbevölkerung und eine mehr oder weniger abgegrenzte und benachteiligte Minderheit nebeneinander leben, ohne sich nennenswert zu berühren. In diesen Zusammenhang sprechen wir von 'Mehrheits'-Bevölkerung der 'Deutschen' als Gegenstück zur 'Minderheit' der 'Ausländer', die in der BRD ihren dauerhaften Wohnsitz haben -im Bewußtsein, daß diese Minderheit letztendlich zu der überwiegenden Mehrheit der nicht-deutschen Weltbevölkerung gehört.


1.1. Ausgangspunkt und Ziel der Befragung

Die erste Idee unserer Befragung ist entstanden aus dem Bedürfnis, sich der Dualität der deutschen Gesellschaft zu stellen, und sie ins öffentliche Bewußtsein zu heben.


Über Entwicklung und Ursachen dieser Dualität ist sehr viel geschrieben worden, so daß wir hier nur deren Hauptlinien zu erwähnen brauchen, ohne die theoretischen Auseinandersetzungen über diese Thematik wiederzugeben, und besonders ohne auf die durchaus bedeutsamen Differenzierungen innerhalb dieser Minderheiten einzugehen:

  • Juristischer Status: es gibt die politische Tendenz, eine Schicht von Menschen -insbesondere von Arbeitnehmern- zu schaffen. die wegen ihres Passes, ihres 'nicht-deutsch'-Seins einer gesonderten Gesetzgebung (Ausländergesetze, Asylbewerberleistungsgesetz) unterworfen sind. Diese Menschen erleiden schon dadurch Beeinträchtigungen in der Rechtssicherheit, Lebensgestaltung (z.B. in der Möglichkeit der Familienzusammenführung, in der Zuverlässigkeit in der Lebensplanung) und in der Möglichkeit, auf politische und gesellschaftliche Prozesse Einfluß zu nehmen.
  • Soziale Benachteiligung, die durch zahlreiche empirische Befunde bestätigt wird: schlechterer Gesundheitszustand, höhere Arbeitslosigkeit, schwierigerer Zugang zum Arbeitsmarkt, niedrigerer Arbeitsverdienst und Ausbildung, schlechtere Wohnungslage usw. Für die Gruppe der Flüchtlinge und Asylbewerber wird diese Benachteiligung zunehmend politisch bewußt verschärft.
  • Kulturelle Benachteiligung durch Einschränkungen in der Anwendung und Erlernen der Muttersprache, in der Ausübung der Religion usw.
  • Alltägliche Diskriminierung durch die Mehrheitsbevölkerung, die im Kern den Gegenstand unserer Untersuchung ausmacht: die Politik die Menschen nach Bedarf des Arbeitsmarktes heranzieht und verschiebt, hat auch das Bewußtsein geprägt. In der Sicht vieler Teile der Mehrheitsbevölkerung haben Menschen, die nur zur Deckung dieses Bedarfs herangezogen wurden, bei Arbeitslosigkeit und Wohnungsnot kein 'Recht' mehr, im Land zu bleiben. Die Tendenz, Menschen allein durch ihre Nützlichkeit für 'nationale' Interessen zu definieren, hat sich noch verschärft durch die gesellschaftliche Diskussion der Flüchtlingsfrage: sie mündet in der Vorstellung, daß Deutschland durch eine 'Flut von Migranten' bedroht sei. Damit gewann in der Bevölkerung die Meinung überhand, daß die Deutschen sich vor Flüchtlingen schützen müssen, statt Flüchtlingen Schutz zu gewähren.Dieser dualen Gesellschaft setzen wir ein Idealbild einer multikulturellen

Gesellschaft entgegen, in der verschiedene Gruppen gleichberechtigt und in kultureller Autonomie miteinander in Kontakt treten. Es ist uns klar, daß, um diesen Ziel zu erreichen, Appelle an den 'guten Willen' der Mehrheitsbevölkerung nicht ausreichen. Vielmehr ist es notwendig, die Begegnung der verschiedenen Kulturen in unserem Land zu organisieren und zu fördern. Dagegen allerdings stehen mächtige institutionelle, soziale, kulturelle, psychische Hindernisse, die nur nach und nach zielgerichtet abgebaut werden können. Eine Grundvoraussetzung für den Abbau dieser Hemnisse ist es, daß die Mitglieder der diskriminierten Minderheiten ihre Bedürfnisse artikulieren und vertreten können in einer Form, die auch der Mehrheitsbevölkerung verständlich gemacht werden kann. Da beide Bevölkerungsteile oft wenige und nur stereotype Berührungspunkte haben, entstand bei uns der Bedarf einer systematischen Untersuchung. Sie war gedacht als kleiner Schritt in die gewünschte Richtung der Verbesserung der Kommunikation zwischen den Bevölkerungsgruppen.

Da sich reelle Probleme nicht durch Nicht-Ansprechen lösen, wollten wir die Sicht des 'Opfers' offensiv vertreten. Das Suchen von Lösungswegen setzt voraus, daß man auch die Empfindungen der Betroffenen öffentlich zum Thema macht, ohne daß damit eine Zementierung der Opferrolle verbunden wäre.

Aus der Überzeugung, daß Diskriminierung im lokalen Bereich ihre Wirkung entfaltet und deshalb auch dort angegangen werden sollte, ist der Titel und das Programm unserer Aktion entstanden: "Essen - eine 'ausländerfreundliche' Stadt?". Wir wollten damit ausdrücken, daß auch in unserer Stadt noch viel zu tun ist, auch wenn wir die Situation in Essen im Vergleich mit anderen Städten eher positiv einschätzen.


1.2. Gegenstand der Befragung

Subjektive Wahrnehmungen sozialer Kommunikation

Gemäß der Erkenntnis, daß die Mitwirkung der Betroffenen ausschlaggebend ist, um die Diskriminierung zurückzudrängen? haben wir deren Wahrnehmung und Erfahrung von rassistischer Diskriminierung unmittelbar erheben wollen. Subjektive Wahrnehmungen sind Tatsachen, deren Erfragung von Interesse ist, nicht nur weil viele Bereiche (z.B. Freundschaften) naturgemäß nur subjektiv existent sind und subjektive 'Mißverständnisse' auch auf einen Mangel an Dialog hinweisen. Darüber hinaus wird dadurch ein breiteres Spektrum an Lebensbereichen für die Erforschung eröffnet, während für die Erhebung von objektiven Daten über die Lage der Ausländer in Essen trotz großen technischen Aufwandes nur sehr schmalspurige Modelle möglich gewesen wären. Wichtigster Grund war aber, daß für uns der Kontakt und die Meinung der Betroffenen im Vordergrund stehen sollten. Wir mußten einen Mangel an Kenntnissen in diesem Bereich feststellen und wollten unseren Beitrag zu dessen Beseitigung beisteuern.


Der Bereich der sozialen Kommunikation, in dem unsere Untersuchung angesiedelt ist, hat die Eigenschaft, nicht nur in eine Richtung wirken zu können: jeder Kommunikationsvorgang zwischen zwei oder mehreren Menschen(gruppen) wirkt in zwei Richtungen, indem durch die Reaktion des Empfängers in einer bestimmten Weise zurückgesendet wird. Wenn wir also in der Untersuchung die an für sich ungewohnte Perspektive der 'Opfer' in den Vordergrund stellen, wissen wir, daß diese Perspektive eine Widerspiegelung des Verhaltens der Mehrheitsbevölkerung beinhaltet, aber auch wieder eine Antwort auf dieses Verhalten enthält, also wirkt sie auf die Mehrheitsbevölkerung zurück. Also können durch diese sich immer widerspiegelnden Reaktionen und Gegenreaktionen die Auswirkungen auf die Gesellschaft sehr weitgehende sein.


Aufgrund dieses subjektiven Gesichtspunktes und der notwendigen Anonymität der Fragebögen mußten wir darauf verzichten, einzelne Antworten auf tatsächliche Begebenheiten zurückführen. Welches Verhalten als diskriminierend bewertet und erfahren wird, hängt von persönlichen und auch kulturellen Unterschieden ab. Das beinhaltet keinen Verlust an politischer Handlungsrelevanz, weil das objektive Vorhandensein der Fremdenfeindlichkeit in unserer Gesellschaft nicht ernsthaft in Frage gestellt werden kann und aus anderen Untersuchungen bzw. aus den täglichen Erfahrungen -wir bewegen uns schließlich nicht im luftleeren Raum- sattsam bekannt ist. Politisch relevante handlungsleitende Folgerungen können wir herleiten, wenn wir uns über die Natur der Daten im Klaren sind. Die Studie zielt nicht so sehr auf die ausdrückliche Benennung einzelner Täter oder Tätergruppen ab, sondern darauf, aus subjektiver Sicht ein Bild zu gewinnen, in welcher Atmosphäre in Essen die Begegnung zwischen 'Ausländern' und 'Deutschen' stattfindet, um darauf gezielt einwirken zu können.


Was wir unter Diskriminierung verstehen

Für unsere Arbeit haben wir die Diskriminierung von der Seite der Betroffenen her definiert, wobei wir uns für die breiteste Definition entschieden haben: faktisch werten wir als Diskriminierung alles das, was als solche empfunden wird.

Aus dieser Perspektive nehmen wir in Kauf, daß die alltägliche Diskriminierung in den Vordergrund gerät gegenüber der institutionellen Diskriminierung aus Politik und Gesetzgebung, ohne dadurch eine Bewertung treffen zu wollen. Legitimiert wird dieser Ansatz dadurch, daß diese Erlebnisse mit dem Verhalten der Mehrheitsbevölkerung in Beziehung stehen. Und Ursache und Entwicklung dieses diskriminierenden Verhaltens verkörpern letztendlich die Geschichte des Rassismus in Deutschland, eine Thematik, die wir nur aus unserer besonderen Perspektive erläutern wollen.



Ebenen der Diskriminierung Wir haben eine Kategorisierung der Diskriminierung getroffen, indem wir drei Ebenen unterschieden haben -trotz etlicher Uberschneidungen.

  • Aggressive Diskriminierung: in dieser Ebene erfassen wir alles, was die Integrität der Person verletzt: Gewalt und physische Angriffe bis zur verbalen Diffamierung (Beleidigungen, Beschimpfungen).
  • Benachteiligung in lebensnotwendigen Bereichen, wie Wohnung, Arbeit, Behörden usw.
  • Atmosphärische Ausgrenzung verwirklicht sich in Erfahrungen von Ablehnung und Vorurteilen, Angst usw., wozu auch das Wahrnehmen von nichtsprachlichen Ablehnungssignalen zu rechnen ist.

Wir verwenden diese Aufteilung, um eine bessere Übersichtlichkeit zu erreichen, ohne eine Wertskala von mehr oder weniger 'schlimm' damit verbinden zu wollen. Eine solche Wertung kann innerhalb unseres Ansatzes nur subjektiv von den jeweiligen Betroffenen festgelegt werden.

Von unserem Ansatz her sind Unterscheidungen in der Art der Diskriminierung schwer erfaßbar. Es hängt von der subjektiven Einschätzung des Betroffenen ab, ob er ein Erlebnis zur institutionellen oder zur persönlichen Diskriminierung rechnet. Z.B kann aus den Antworten schwer geschlossen werden, ob ein negatives Erlebnis in einem Amt aus den objektiven (z.B. gesetzlichen, personellen usw.) Zwängen dieses Amtes erfolgt, aus rassistischer Arroganz des Amtsinhabers, oder sogar aus einer Fehlinterpretation des Befragten.


Zielgruppe der Befragung

Wir können unsere Zielgruppe nur durch eine negative Abgrenzung definieren, und zwar als alle die, die sich von der Mehrheitsbevölkerung unterscheiden durch Eigenschaften, die im Bereich des juristischen Status, der ethnischen Zugehörigkeit, der Muttersprache, des Namens, des Aussehens usw. liegen können.

Eine positive Definition durch gemeinsame Eigenschaften ist deswegen nicht möglich, weil die Gruppe der 'Ausländer' in Deutschland letztendlich nur ein Konstrukt ist. Die europäische Tradition gaukelt uns nationale Staaten mit einheitlichen ethnischen Gruppen vor. Die deutsche Politik hat in ihrer Gesetzgebung dieses Konstrukt verankert und aus Millionen von Menschen, die ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland haben, 'Gäste' gemacht, die in alle Ewigkeit mit beschränkten Rechten leben müssen, es sei denn, sie entscheiden sich in besonderen Fällen für die vollständige Aufgabe der ursprünglichen Nationalität. Die juristische Trennung wird über eine Wirklichkeit


übergestülpt, die es tatsächlich zu keiner Zeit gegeben hat. Deutschland ist seit jeher Immigrationsland -mögen es politische Kräfte auch abstreiten- und wird es in einer Welt, wo die ethnisch/kulturelle Vermischung durch immer neue Katastrophen fortschreitet, auch bleiben. Diese Gruppe hat objektiv sehr wenig gemeinsam, außer in der Sichtweise der Mehrheitsbevölkerung. In den objektiven Parametern des Lebensverlaufes ähnelt sich sicherlich ein türkischer Industriearbeiter einem deutschen Industriearbeiter viel mehr als z.B. beide einem intellektuellen Exiliraner. Ein von Migranteneltern hier geborenes Mädchen kann sich unter Umständen psychisch und kulturell kaum noch von einer Deutschen unterscheiden und hat sicher mit einer Afrikanerin viel weniger gemeinsam, die seit ein paar Monaten hier ist und nur dürftig deutsch spricht. Der Grad der Integration kann auch innerhalb der einzelnen Bevölkerungsgruppen individuell unterschiedlich sein, je nach Aussehen, Geschlecht, sozialer Zugehörigkeit usw.



II. Planung und Verlauf der Befragung


2.1. Fragestellungen

Mit der Untersuchung versuchten wir, uns folgenden Aspekten zu nähern:

  • In welchem Ausmaß werden Diskriminierungserfahrungen insgesamt berichtet?
  • Gibt es Schwerpunkte der Diskriminierungserfahrungen in verschiedenen Lebensbereichen?
  • Von welcher Art sind die erlebten Diskriminierungen? (Strukturierung der Erfahrungen nach Ebenen) Gibt es Zusammenhänge zwischen den Personenmerkmalen der Befragten und ihren Erfahrungen?


2.2. Rahmen der Untersuchung

Wir haben uns darauf festgelegt, die Untersuchung auf lokaler Ebene in Essen durchzuführen. Neben dem Forschungsaspekt suchten wir Ansatzpunkte für unsere praktische Arbeit im Interkulturellen Solidaritätszentrum. Dazu bevorzugten wir, die Befragung hauptsächlich auf der Straße und an öffentlichen Orten durchzuführen. Darüber hinaus haben wir auch auf die Hilfe der Migrantenvereine als Vermittler gesetzt.

Unter Rücksicht darauf, daß die Befragung von Mitarbeiterlnnen des Interkulturellen Solidaritätszentrums in ihrer Freizeit durchgeführt werden sollte und unser Verein nur durch Spenden finanziert wird, mußten wir den Aufwand der Untersuchung so gering wie möglich halten. Durch diese Umstände wurden die Konzeption und der Verlauf der Befragung mitbestimmt.


2.3. Konzeption des Fragebogens

Als Instrument für die Erhebung 'subjektiver Erlebnisse von Diskriminierung aus der Sicht der Betroffenen' haben wir einen Fragebogen unter folgenden Gesichtspunkten entwickelt:

  • Erhebung von qualitativen und qualitativen Daten: Zum einen sollten subjektive Inhalte zum Zwecke einer systematischen Auswertung quantifiziert werden, zum anderen aber auch Gelegenheit gegeben sein, Beispiele für Diskriminierungserfahrungen wörtlich zu erfassen.
  • Flexible Einsatzmöglichkeit: Neben der Befragung in Form eines einfachen Interviews sollte der Bogens auch durch die Befragten selbst ausgefüllt werden können. Alle Ankreuzfragen waren jedoch vor allem so zu stellen, daß sie vorgelesen und die Antworten ohne Interpretation durch den Interviewer präzise notiert werden konnten.
  • Kurze Durchführungszeit: Die Befragung auf offener Straße erforderte ein strukturiertes Interview, das in wenigen Minuten geführt werden konnte. War der/die Befragte bereit, ausführliche Erlebnisse zu schildern, konnte sich das Interview entsprechend verlängern. In jedem Fall war noch einzurechnen, daß beim Ansprechen auf offener Straße unsere Initiative und die Studie kurz vorgestellt sowie Anonymität zugesichert werden mußten.
  • Verständlichkeit: Unsere Zielgruppe umfaßt Personen, deren Muttersprache Deutsch ist, bis hin zu solchen mit sehr begrenzten Sprachkenntnissen. Hinsichtlich der Fragenformulierung konnten wir deshalb nicht allen gerecht werden. Um trotzdem möglichst viele zu erreichen, haben wir eine Kompromißlösung zwischen adäquatem Inhalt und einfacher Sprache gewählt. Zusätzlich sollte die Verständlichkeit durch einigermaßen einheitliche Formulierungen unterstützt werden. Leider war es nicht möglich, einen Weg zu finden, um die unterschiedliche Sprachbeherrschung auf eine meßbare Skala zu bringen, obwohl dies durchaus einen interessanten Untersuchungsaspekt ergeben hätte.

Unter Berücksichtigung dieser Punkte haben wir Ankreuzfragen und Freitexte in den Aufbau des Fragebogens aufgenommen.


2.4. Aufbau des Fragebogens

Auswahl der Lebensbereiche

Wir haben ein breites Spektrum an Erfahrungs- bzw. Lebensbereichen aufgenommen, da wir im vorhinein keine Schwerpunkte setzen, sondern vielmehr ein vielfältiges Bild des Alltags gewinnen wollten.

  1. Wohnungssuche
  2. Nachbarschaft
  3. Schule und Universität
  4. Arbeit und Lehre
  5. Freundschaften mit Deutschen
  6. Ämter
  7. Andere öffentliche Stellen
  8. Öffentlichkeit
  9. Angst vor Gewalt in allen Lebensbereichen

Eine solche Zusammenstellung hat zwangsläufig einen Aspekt von Willkür, jedoch sind wir der Ansicht, eine gewisse Vollständigkeit erreicht zu haben. Sicher lassen sich etliche Bereiche benennen, die nicht ausdrücklich einbezogen wurden? z.B. die kulturelle und religiöse Diskriminierung. die Arbeitssuche usw. Bei der Gestaltung des Fragebogens haben wir deshalb einen breiten Raum für freie Antworten vorgesehen. so daß Ergänzungsmöglichkeiten für die Bereiche gegeben sind, die der eine oder die andere Befragte vermißt haben kann.


Fragenblöcke und Filterfragen

In seiner endgültigen Form besteht der Fragebogen aus acht Fragenblöcken, die im wesentlichen den erfaßten Lebensbereichen entsprechen. Einige Fragenblöcke werden mit einer Filterfrage eingeleitet, um festzustellen, ob die folgenden Fragen überhaupt für eine Person relevant sind (wer keine deutschen Nachbarn hat, kann nicht beantworten. ob er sich von ihnen abgelehnt fühlt...).


Diskriminierungsbezogene Fragen

Unter Rücksicht auf die Durchführbarkeit konnten wir mit den quantitativen Fragen nicht in die Tiefe gehen und haben uns darauf beschränkt, zu jedem Lebensbereich zwei oder drei diskriminierungsbezogene Fragen zu stellen, die jeweils eine Diskriminierungsebene repräsentieren (vgl. 1.2.)

  • Aggressive Diskriminierung wird in den Lebensbereichen Nachbarschaft, Schule, Arbeitsplatz, Öffentlichkeit sowie beim Gesichtspunkt der Angst vor rassistischer Gewalt erfaßt. Fragen wie "Wurden Sie von ihren deutschen Nachbarn schon einmal beleidigt oder angegriffen, weil Sie Ausländer sind?" decken diese Art von Diskriminierung ab.
  • Benachteiligung bei lebensnotwendigen Tätigkeiten betrifft entsprechend die Bereiche Wohnungssuche, Schule, Arbeit, Ämter und öffentliche Stellen. Fragen vom Typ "Wurden Sie ... anders/schlecht behandelt, weil Sie Ausländer sind?" beziehen sich darauf.
  • Atmosphärische Ausgrenzung in Form von Ablehnung und Vorurteilen - bzw. deren subjektive Wahrnehmung - wird in den Lebensbereichen Nachbarschaft, Schule. Arbeit, Freundschaften und Öffentlichkeit erhoben. Für diese Ebene werden Fragen zusammengefaßt, wie "Fühlen Sie sich abgelehnt...?" und "Haben Ihre deutschen Freunde Vorurteile...?". Außerdem zählen wir nochmals die Frage nach Angst vor rassistischer Gewalt dazu.Fragenformulierung und Antwortalternativen

Solche Fragen, die sich direkt auf subjektive Empfindungen beziehen, werden entsprechend eingeleitet: "Fühlen Sie sich abgelehnt...?". Bei den eher ereignisbezogenen Fragen ("Wurden Sie schon einmal beleidigt...") wird nichtsdestoweniger ein völlig subjektiver Aspekt erfaßt, da es vom Befragten abhängt, was als Beleidigung erlebt wird. Der Einfachheit halber haben wir bevorzugt die Antwortalternativen Was_waskreuz.gif   Ja...  Was_waskreuz.gif  Nein angeboten. In einigen Fällen würde dies die Befragten allerdings zu pauschalen Urteilen nötigen, weshalb wir Antwortstufen gebildet haben, z.B.

"Fühlen Sie sich von ihren Kollegen abgelehnt...?"
Was_waskreuz.gif   nein ... Was_waskreuz.gif   von einigen ... Was_waskreuz.gif   von vielen... Was_waskreuz.gif   ja
Zum Teil standen Mehrfachwahlen zur Verfügung, die frei ergänzt werden konnten (z.B. Ämter, bei denen man benachteiligt wurde), ferner haben wir um freie Antworten in Stichpunkten gebeten (z.B. Situationen, in denen Angst aufkommt).


Zusatzfragen

Zu einigen Lebensbereichen wurden Zusatzfragen gestellt, die weitere Gesichtspunkte betrafen:

  • Freundschaften: Gründe dafür, nicht mit Deutschen befreundet zu sein
  • Angriffe in der Öffentlichkeit: Solidarität von Deutschen, die Zeugen von Übergriffen sind
  • Ablehnung in der Öffentlichkeit: Auslöser dafür, sich abgelehnt zu fühlen.
  • Angst vor fremdenfeindlicher GewaltBeispiele

Jeder Fragenblock wird mit dem Hinweis abgeschlossen, ein Beispiel für eine eventuelle Diskriminierungserfahrung möge bitte auf der Rückseite des Bogens niedergeschrieben werden. Entsprechend haben die Interviewer jeweils nach einem Beispiel gefragt und ggf. auf der Rückseite protokolliert.

Da wir vom Konzept her den 'festen Bestandteil' des Bogens sehr kurz gefaßt haben, war uns die Option um so wichtiger, ausführliche Beispiele für Diskriminierungserfahrungen zu sammeln. Im Rahmen einer subjektiv orientierten und explorativen Studie erachten wir den Stellenwert dieser Protokolle als so hoch, daß wir von vorneherein einige Schwierigkeiten in Kauf nehmen wollten. Wir waren zunächst auf die Bereitschaft der Befragten angewiesen, sich bei der Befragung entsprechend Zeit zu nehmen. Bedingt durch die Interviewsituation konnten die Befrager dann oft lediglich Stichpunkte mitschreiben. Und grundsätzlich gestaltet sich die Auswertung von so erhobenem qualitativen Material als aufwendig und problematisch. Letztlich kommt es uns auch nicht auf die statistische Verarbeitung der Beispiele an - Kapitel IV wird sich auf konkreter Ebene mit den Beispiele befassen.


Angaben zur Person

Einige - ausdrücklich freiwillig zu beantwortende - Fragen zur Person schließen den Fragebogen ab. Es konnten nur wenige elementare Angaben erbeten werden, zum einen aus Gründen der Diskretion, vor allem aber, weil gerade in einer derart heterogenen Zielgruppe überhaupt kein Personenprofil gewonnen werden kann, ohne zahllose Aspekte der Lebensgeschichte und -umstände zu erfassen. Hinsichtlich der angestrebten Zahl der Befragten haben wir folgende Merkmale festgelegt, um die Personen innerhalb unserer Stichprobe ausreichend zu differenzieren: Alter, Geschlecht, Beruf, Herkunft, Aufenthaltsdauer in Deutschland und Flucht.

Transparenz und Anonymität

Eine kurze Vorstellung des Interkulturellen Solidaritätszentrums / Anti-Rassismus-Telefons und der Fragebogenaktion sowie die Zusicherung von Anonymität vervollständigen den Bogen.


Der Original-Fragebogen ist im Anhang C abgedruckt.

2.5. Stichprobe und Repräsentativität

Wie eingangs erwähnt, definiert sich die Zielgruppe unserer Befragung allein durch eine (vielschichtige) Abgrenzung gegen die Mehrheitsbevölkerung. Es gibt keine formalen Kriterien für Zugehörigkeit, und jedes solche Kriterium würde die Gruppe künstlich begrenzen. Angesichts dieser fehlenden Definition zogen wir auch nicht Erwägung, eine statistische Repräsentativität zu erreichen, sondern bemühten uns vielmehr um eine 'sachgerechte' Repräsentativität. d.h. wir versuchten solche Personen zu befragen, die potentiell eine fremdenfeindliche Diskriminierung erfahren.

Für die Praxis haben wir zwei Wege gewählt, um diese Gruppe zu erreichen: zum einen haben wir die Befragung in der Öffentlichkeit und im direkten Kontakt mit den Befragten durchgeführt, zum anderen haben wir die Migrantenvereine um ihre Mitarbeit gebeten. Dadurch haben wir zwei Eigenschaften unserer Zielgruppe besonders in Blick gehabt:

- die äußeren Merkmale (Hautfarbe, Sprache...) - entsprechend der Tradition des europäischen Rassismus. Dieser Aspekt war ausschlaggebend bei der Straßenbefragung, wo wir uns durchaus vom 'rassistischen' Blick bzw. Ohr haben leiten lassen: wir haben Leute angesprochen, die uns durch ihr Aussehen oder ihre Sprache auffielen

- das Identitätsbewußtsein der Menschen, wenn wir davon ausgehen, daß die Mitgliedschaft im Verein die Identifikation mit einem Kulturkreis zum Ausdruck bringt.

Im einzelnen wußten wir dabei natürlich nicht, welchen staatsbürgerlichen Status (Paß) der Befragte tatsächlich hat (da wir nicht ausdrücklich danach fragten) und dieser Aspekt erscheint auch nebensächlich: nach unserer Ansicht erfolgt in der alltäglichen sozialen Kommunikation die Etikettierung als 'Ausländer' doch relativ unabhängig von der Staatsangehörigkeit.


2.6. Verlauf der Erhebung

Nach einem Probelauf am Rande einer Kulturveranstaltung wurde der Bogen geringfügig überarbeitet, um einige offenkundig mißverständliche Fragen zu korrigieren. Mit der so erstellten Version begann im November 1995 die eigentliche Erhebung, die sich bis November 1996 erstreckte.

Als Befragungsorte haben wir die Stadtmitte, Stadtteilmärkte, zentrale Flohmärkte, die Universität sowie Lokale und Veranstaltungen, in denen viele Ausländer anzutreffen sind, aufgesucht. Einige Bögen wurden direkt in Migrantenvereinen gewonnen. Gemäß dem Titel unserer Aktion haben wir Bewohner von Essen gefragt und Nicht-Essener nur aufgenommen, wenn sie eine besondere Beziehung zur Stadt hatten.

Durch freundliche Untertstützung standen uns iranische und polnische


Übersetzungen zur Verfügung, und bei Gelegenheit wurden auch einzelne Befragungen auf Englisch bzw. Französisch durchgeführt. Etwa 20 Bögen gingen per Post bei uns ein, sie stammten von solchen Angesprochenen (zum Teil in den Vereinen), die Interesse, aber keine Zeit hatten, den Bogen sofort auszufüllen. Bei Abschluß der Erhebung lagen 310 Fragebögen vor.



III. Ergebnisse


3.1. Beschreibung der Stichprobe

Von den ausgefüllten 310 Fragebögen waren 8 nicht auswertbar, so daß 302 Bögen in die Auswertung eingingen. In 237 Bögen waren die Angaben zur Person vollständig eingetragen, also Geschlecht, Alter, Beruf, Herkunft, Aufenthaltsdauer und ggf. Flucht. Bei lediglich 18 Bögen fehlen mehr als zwei dieser Angaben.

Die Angaben zur Person mußten für die Auswertung gruppiert werden. Die Zusammensetzung der Stichprobe ist den Abb. 1 bis 7 zu entnehmen.


Abb.1: Geschlechterverteilung

% der Stichprobe
Was_was01.gif


Abb.2: Altersverteilung

% der Stichprobe
Was_was02.gif

Die Altersangabe wurde in Stufen von je 10 Jahren übertragen. Die Balken geben die Anteile der Altersgruppen an der Gesamtstichprobe an.


Der angegebene Beruf wurde einer der folgenden Kategorien zugeordnet. Das gewählte Schema wurde anhand der gegebenen Antworten zusammengestellt und folgt daher keiner vorgegebenen Systematik.


Schüler/in
Student/in
Arbeiter/in

Angestellte/r
Akademiker/in

Selbstständig/r
Arbeitslose/r oder Rentner/in
Hausfrau


Abb.3: Berufsgruppe

% der Stichprobe
Was_was03.gif

Die Herkunftsangabe wurde ebenfalls kategorisiert und einer der folgenden Gruppen zugeordnet.


Abb.4: Herkunftsgruppen

% der Stichprobe
Was_was04.gif
Europa
Albanien, Belgien, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Italien, Länder des Ex-Jugoslawien, Polen, Portugal, Russland, Spanien, 1 x Deutschland (schwarze Hautfaroe)
Nahost/Nordafrika
Afghanistan, Ägypten, Algerien, Irak, Iran, Libanon, Marokko, Pakistan, Palästina, Syrien, Tunesien, Türkei, 2 x unspezifisch ohne nähere Länderangabe
Fernost
China, Indien, Indonesien, Korea, Philippinen, Sri Lanka, Thailand, Vietnam, 1 x unspezifisch ohne nähere Länderangabe
Afrika
(außer Nord-Afrika): Äthiopien, Benin, Elfenbeinküste, Gambia, Ghana, Kamerun, Kongo, Liberia, Nigeria, Ruanda, Togo, Tschad, Zaire, 1 x unspezifisch ohne nähere Länderangabe
Süd/Mittelamerika
Chile, Ecuador, Peru


Die Dauer des Aufenthalts in Deutschland wurde in drei Stufen eingeteilt.


0-5 Jahre
6-10 Jahre
mehr als 10 Jahre


Abb.5: Aufenthaltsdauern

% der Stichprobe
Was_was05.gif
Zur Darstellung: Der Linienzug spiegelt die Aufenthaltsdauer kontinuierlich in 3 Jahresschritten wieder. Daran wird ersichtlich, daß der Schwerpunkt der Kategorie ">10 Jahre" etwa bei 20 Jahren liegt, die längsten Aufenthaltsdauem liegen bei 40 Jahren. 4% machten keine Angabe, dieser Wert ist graphisch nicht dargestellt.

Zusätzlich wurden die Personen einer von 3 Aufenthaltskategorien zugeteilt. Dazu wurde aus der Differenz zwischen Altersangabe und Aufenthaltsdauer das Migrationsalter bestimmt.


Abb.6: Migrationsaltersgruppen'

% der Stichprobe
Was_was06.gif
hier aufgewachsen
die Person ist in der BRD geboren oder vor dem 6. Lebensjahr nach Deutschland migriert
als Jugendliche/r eingewandert
die Person ist nach dem 6. und vor dem 18. Lebensjahr nach Deutschland migriert
als Erwachsene/r eingewandert
die Person ist nach dem 18. Lebensjahr nach Deutschland migriert


Abb.7: Flucht

% der Stichprobe
Was_was07.gif

3.2. Auswertung der diskrimierungsbezogenen Fragen

Mit den Fragenkomplexen haben wir versucht, die Wahrnehmungen und Erfahrungen von fremdenfeindlicher Diskriminierung zu erheben. Die vollständige Auszählung der Einzelfragen findet sich im Anhang A. Die Fragenkomplexe entsprechen in etwa den Lebensbereichen (vgl. Tab. 1), nach denen wir die Auswertung strukturieren. Dazu wurden die Fragen bereichsweise zusammengefaßt. Grundsätzlich wurde bei der Auswertung berücksichtigt, ob die Person in einem Lebensbereich überhaupt betroffen sein kann. Anhand der Filterfragen (z.B. "Haben Sie deutsche Nachbarn?", vgl. Tab. 1) werden die Personen ermittelt, die potentiell betroffen sein können. Wenn von "gefilterter Stichprobe" die Rede ist (in diesem Kapitel und in Anhang A) werden bei Prozentangaben also jeweils nur die Teilstichproben der potentiell Betroffenen zugrunde gelegt.
Für die Auszählung von berichteten Diskriminierungen in den Ankreuzfragen haben wir das einfache Kriterium gesetzt, daß eine positive Antwort ausreicht, um den Lebensbereich bzw. die Diskrimierungsebene zu werten.

Tab. 1: Lebensbereiche und Filterfragen
Lebensbereich Bestimmung, ob der Lebensbereich für eine Person überhaupt zutrifft
trifft zu falls:
I Wohnungssuche (Fragenkomplex 1) "Haben Sie eine Wohnung gesucht?" = ja
II Nachbarschaft (Fragenkomplex 2) "Haben Sie deutsche Nachbarn?" = ja
III Schule/Universität (Fragenkomplex 3) "Gehen Sie zur Schule/Uni?" = ja
IV Arbeitsplatz (Fragenkomplex 4) "Haben/hatten Sie Arbeit?" = ja
V Freindschaften mit Deutschen (Fragenkomplex 5) "Haben Sie deutsche Freunde?" = ja
VI Ämter (Fragenkomplex 6a) trifft immer zu
VII Andere öffentliche Stellen (Fragenkomplex 6b) trifft immer zu
VIII Öffentlichkeit (Fragenkomplex 7 und 8a) trifft immer zu
IX Angst vor rassistischer Gewalt (Fragenkomplex 8b) trifft immer zu



Quantifizierung der Erfahrungen

Eine Quantifizierung der Erfahrungen gestaltet sich schwierig und ist methodisch nicht lösbar, wenn man nicht einige Voraussetzungen trifft:

  • Der Rahmen des Fragebogens steckt das meßbare Spektrum ab. Zwischen den beiden Polen 'keine positive Antwort' und 'alle Antworten positiv' bewegt sich das mögliche Ausmaß. Die Ausprägung 'keine positive Antwort' ist eindeutig, das andere Extrem ist inhaltlich strittig.
  • Jeder Lebensbereich ist gleichwertig.
  • In jedem Lebensbereich haben die Fragen gleiches Gewicht.

Ausgehend von diesen Voraussetzungen haben wir einen Index gebildet, der einen Vergleich der Erfahrungen zwischen Personen ermöglichen soll. Dabei gingen wir wie folgt vor:

  1. Für jede diskriminierungsbezogene Frage (Ablehnung, Angriff, Beleidigung, Vorurteil) wurden Punkte vergeben. Ja/Nein-Antworten wurden als 1 bzw. 0 codiert. Gestufte Antworten wurden skaliert (z.B.: nein = 0, von einigen = 0.33, von vielen = 0.66, ja = 1.0)
  2. Die Punktesumme jedes Bereichs wurde durch die maximale Punktesumme des Bereichs geteilt. Damit wurde per Definition jede Frage gleich gewichtet. Es ergab sich ein Index (0..1) pro Lebensbereich.
  3. Die Indizes aller Lebensbereiche wurden addiert und durch die Anzahl der zutreffenden Bereiche geteilt. Daraus ergab sich ein Gesamtindex, der alle zutreffenden Bereiche gleich gewichtet und wiederum zwischen 0 (keine Betroffenheit) und 1 (für die Person größtmögliche Betroffenheit) liegt. Natürlich ist ein solcher Wert nicht numerisch interpretierbar wie eine Temperaturskala. Immerhin erlaubt er jedoch den Vergleich zwischen zwei Personen, da die individuellen Antworten relativ zum Antwortspektrum des Fragebogens interpretiert werden.
  4. Ein entsprechender Index wurde für jede Diskriminierungsebene gebildet - nach dem selben Verfahren, wobei jeweils nur die ebenenspezifischen Fragen in die Punktwertung eingingen.

3.3. Quantitative Aspekte und Diskriminierung in verschiedenen Lebensbereichen


In einer ersten Zählung haben wir für jeden Lebensbereich die Anzahl der Personen ermittelt, die darin mindestens eine diskriminierungsbezogene Frage (z.B. "Fühlen Sie sich von Ihren deutschen Nachbarn abgelehnt, weil Sie Ausländer sind?") positiv beantwortet haben.


Abb.8: Diskriminierungserfahrungen in verschiedenen Lebensbereichen


% der gefilterten Stichprobe
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In Abb.8 geben die Balken die Anteile der Personen wieder, die - sofern potentiell betroffen - in dem jeweiligen Lebensbereich mindestens eine Diskriminierungserfahrung berichten. In der Öffentlichkeit sind dies z.B. 66% der Befragten.

Zählt man über alle Lebensbereiche hinweg die Personen, die irgendeine Erfahrung mit rassistischer Diskriminierung berichten, so gilt dies für 89% der Befragten. Bei 75% der Befragten liegen Erfahrungen in mehr als einem Lebensbereich vor. Diese Anteile sind in der folgenden Abb. 9 veranschaulicht.


Abb.9: Quantität der Diskriminierungserfahrungen

% der Stichprobe
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3.4. Qualitative Aspekte: Diskriminierung auf verschiedenen Ebenen


Diskriminierungsbezogene Fragen

Innerhalb der Lebensbereiche beziehen sich die einzelnen Fragen auf die Wahrnehmung verschiedener Ebenen von Diskriminierung (vgl. 2.4.). Für jeden Lebensbereich wurden die Ebenen der Diskriminierung aufgeschlüsselt, dabei gilt wieder, daß nur potentiell betroffene Personen in den Prozentwert eingehen.

Darüber hinaus wurden für jede Ebene alle Lebensbereiche zusammengefaßt und somit bestimmt, ob eine Person überhaupt eine Erfahrung mit dem jeweiligen Typus von Diskriminierung berichtet.
Die Anteile der Befragten, die in den Lebensbereichen bzw. Diskriminierungsebenen betroffen sind, können den Abb. 10 bis 12 entnommen werden. Wir stellen diese Werte für jede Ebene in einer eigenen Graphik dar. Wichtig ist es, sich zu vergegenwärtigen, daß wegen der unterschiedlichen Strukturierung der Fragen die Werte der drei Ebenen nicht miteinander verglichen werden können.


Abb. 10: Aggressive Diskriminierung


% der gefilterten Stichprobe
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Der obere Balken "insgesamt" gibt den Anteil der Personen wieder, die mindestens eine Erfahrung auf der Ebene berichten Darunter sind die Werte für die Lebensbereiche dargestellt (z.B. haben 43% einen Angriff in der Öffentlichkeit erlebt). Die Lücken entstehen, da nicht jeder Bereich zu dieser Ebene eine spezifische Frage enthält. Für die Abb. 11 und 12 gilt Entsprechendes.


Abb. 11: Benachteiligung

% der gefilterten Stichprobe
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Abb. 12: Atmosphärische Ausgrenzung

% der gefilterten Stichprobe
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Beispiele

Um einen Überblick über Anzahl und Art der berichteten Beispiele zu gewinnen, haben wir sie folgendermaßen analysiert: fünf Beurteiler haben unabhängig voneinander die Beispiele den Diskriminierungsebenen zugeordnet. Enthielt ein Beispiel mehrere Aspekte, konnte es auch mehreren Ebenen zugeordnet werden. Erschien ein Beispiel einem Beurteiler unklar, so wurde es nicht zugeordnet. Sofern auf diese Weise ein Beispiel von mindestens drei Beurteilern


übereinstimmend einer Ebene zugewiesen wurde, ging es in Zählung ein. Anhang B gibt die Anzahl der Beispiele für Ebenen und Lebensbereiche wieder.


3.5. Weitere Aspekte: Angst und Ablehnung


Angst vor rassistischer Gewalt

Mit zwei Fragen im Block 8 (Öffentlichkeit) haben wir die "Angst vor rassistischer Gewalt" untersucht. Diesem Aspekt messen wir einen besonderen Stellenwert bei: Zum einen greift er in verschiedene Lebensbereiche ein und betrifft potentiell jeden Befragten (unabhängig von seinen Lebensumständen), zum anderen verbindet er die aggressive mit der atmosphärischen Ebene der Diskriminierung. Daher haben wir ihn als eigenen Bereich IX ausgewertet.

45% aller Befragten haben Angst, Opfer von rassistischer Gewalt zu werden. Mit der Zusatzfrage nach den Situationen haben wir versucht, zu ermitteln, wo und wodurch diese Angst induziert wird. 98 Personen haben ihre Angstsituationen spezifiziert. Um diese wörtlichen Antworten zahlenmäßig erfaßbar zu machen, haben wir folgendes Vorgehen gewählt:

Fünf Beurteiler haben unabhängig voneinander die Antworten kategorisiert, wobei die Kategorien von jedem Beurteiler nach eigenem Ermessen gebildet wurden. Anschließend wurden die individuellen Kategorien auf Deckungsgleichheit überprüft. Alle Kategorien, die von den Beurteilern übereinstimmend gefunden wurden, wurden beibehalten. Wenn eine Antwort bei mindestens drei Beurteilern in equivalenten Kategorien auftaucht, geht sie in die folgende Zählung ein, 12 nicht kategorisierbare Antworten wurden ausgeschlossen.


Tab. 2: Kategorisierte Antworten auf Frage 8
"Haben Sie Angst, Opfer von Gewalt zu werden?"
Kategorie Anzahl der
Nennungen
Anzahl der
Nennungen
Angst in der Dunkelheit/abends/nachts 29 33.3%
Angst im Bahnhof/in öffentlichen Verkehrsmitteln 15 17.2%
Angst vor Skinheads/Neonazis/Rechtsradikalen 14 16.1%
Angst auf offener Straße 8 9.2%
Angst vor Brandanschlag/Überfall zu Hause 7 8.0%
Unspezifische Angst (überall) 6 6.9%
Angst in der Diskothek/Kneipe 4 4.6%
Angst wenn man allein ist 4 4.6%
Insgesamt 87 100.0%



Ablehnung in der Öffentlichkeit

Im Fragenblock 8 (Ablehnung in der Öffentlichkeit) wurde eine Antwortmöglichkeit angeboten, um in Stichworten zu beschreiben, "wodurch sich jemand abgelehnt fühlt". Wie sich im nachhinein zeigte, ist diese Frage sehr unterschiedlich aufgefaßt worden. Ein Teil der Befragten nannte hier Verhaltensweisen der Deutschen, ein anderer Teil die offenbaren Auslöser für Ablehnung, wieder andere nannten die Umstände, unter denen Ablehnung erfahren wird.

Um die freien Antworten zu strukturieren, haben wir (analog zu den Angstsituationen) ein Kategorisierungsverfahren mit unabhängigen Beurteilern durchgeführt. Vier Personen bildeten jeweils Kategorien, denen sie die Antworten zugeordnet haben. Aus den Kategorien der einzelnen Beurteiler wurden augenscheinlich identische Kategorien zusammengestellt. Hatten mindestens 3 Beurteiler eine Antwort in die jeweils äquivalenten Kategorien einsortiert, haben wir sie in die Auswertung einbezogen. Von gegebenen 74 Antworten bleiben 66 übrig, die sich folgendermaßen auf die Kategorien verteilen:


Tab. 3: Kategorisierte Antworten auf Frage 8
" Wodurch.. fühlen Sie sich in der Öffentlichkeit abgelehnt? "
Kategorie Anzahl der
Nennungen
Anzahl der
Nennungen
Ablehnung auf nonverbaler Ebene (Blicke, Gesten, Mimik) 23 34.8%
Ablehnung auf verbaler Ebene (Beleidigungen, Witze, Duzen) 15 22.7%
Ausgrenzung (Isolation, Ignoranz, schlechte Behandlung) 6 9.1%
Ablehnung aufgrund "ausländischen Aussehens"


12 18.2%
Ablehnung aufgrund schlechter Sprachkenntnisse 3 4.5%
Benennung der Umgebung, wo man sich abgelehnt fühlt 7 10.6%
Insgesamt 66 100.0%


3.6. Zusammenhang zwischen demographischen Merkmalen und Diskriminierungserfahrungen

Zusätzlich untersuchten wir, ob sich bestimmte Personengruppen hinsicht1ich ihrer Diskriminierungserfahrungen voneinander unterscheiden. Als Maße für die Diskriminierungserfahrung verwendeten wir den Gesamtindex (Anteil positiv beantworteter Fragen) sowie die Indizes der drei Ebenen. Auf diese Weise konnten Personen hinsichtlich der Stärke ihrer Erfahrungen verglichen werden.

Wir haben diese quantitativen Maße mit allen demographischen Merkmalen in Beziehung gesetzt. Die Analyse sollte im einzelnen Aufschluß darüber geben, ob ein solches Merkmal das Ausmaß an erfahrener Diskriminierung beeinflußt.

Abgesehen von punktuellen Effekten zeigen sich kaum Zusammenhänge. Wie starke Erfahrungen jemand macht, hängt praktisch nicht von Alter, Geschlecht oder Beruf etc. ab. Das Alter hängt zwar statistisch signifikant mit dem Gesamtindex zusammen, allerdings findet sich der Effekt in keiner einzelnen Ebene. Offenbar ist hier eine 'Ausreißergruppe' (die 50-59jährigen, 17 Personen) verantwortlich, mit dem Verlauf des Alters bildet sich ansonsten keine Zunahme an Erfahrungen ab. Ähnlich ist der Effekt zu bewerten, der sich für die Gruppe der Hausfrauen (9 Personen) und Arbeitslosen (11 Personen) einstreut. Durch ihre extrem hohen Werte beim Index für atmosphärische Ausgrenzung kommt ein signifikantes Ergebnis zustande. Angesichts der geringen Gruppengrößen sollten diese Ergebnisse jedoch vernachlässigt werden.

Unter allen demographischen Größen setzt sich allein die Herkunft der Person als ausschlaggebendes Merkmal durch, das sich in allen Diskriminierungsebenen auswirkt. Personen aus Schwarzafrika machen die stärksten Diskriminierungserfahrungen - auf der Ebene der aggressiven Diskriminierung zeigt sich dieser Effekt übrigens am deutlichsten. Verhältnismäßig sind ebenfalls Menschen aus dem Nahen Osten besonders betroffen. Ganz im Gegensatz hierzu geben die Europäer in der Stichprobe die wenigsten Erfahrungen an Die folgende Abb. 13 stellt den Vergleich der Herkunftsgruppen dar.


Abb. 13: Ausmaß der Diskriminierungserfahrungen in Abhängigkeit von der Herkunftsgruppe


Ausmaß der Diskriminierungserfahrungen
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Zur Darstellung: Der Vergleich der Gruppen erfolgt mit einem Verfahren (Rangvarianzenalyse), das kein 'absolutes Maß' der Diskriminierung erfordert, daher kann keine zahlenmäßige Ausprägung angegeben werden. Statt dessen werden die Personen in eine Reihenfolge gebracht anhand der relativen Unterschiede (mehr oder weniger Erfahrungen, unter Verzicht auf das 'Wieviel' des Unterschiedes, das wir aufgrund des Erhebungsverfahrens nicht bestimmen können). Nichtsdestoweniger kann auf diese Weise ermittelt werden, ob die Unterschiede zwischen den Gruppen statistisch bedeutsam sind. Konkret heißt das, es ist kein Zufall, daß sich die dunkelhäutigen Personen überwiegend weit oben in der Reihenfolge finden. Als Anhaltspunkt für den Vergleich der Gruppen gibt die Graphik gibt den Gesamtindex eines durchschnittlichen Gruppenzugehörigen wieder.


3.7. Zusammenfassung und Interpretation

Stichprobe

So wie unsere Zielgruppe definiert ist (vgl. 1.2.), kann es kein demographisches Vergleichsmaterial geben, um eine statistische Prüfung der Repräsentativität vorzunehmen. Trotzdem können wir annehmen, daß die Stichprobe weitgehend repräsentativ für die nichtdeutsche Essener Bevölkerung ist. Sie ist extrem heterogen in allen Dimensionen - und bildet damit die gesellschaftliche Wirklichkeit ab. Anhand einiger vorliegender Statistiken können wir zumindest wesentliche Tendenzen in der Bevölkerungsstruktur bestimmen, die sich auch in der befragten Stichprobe finden.

Der Herkunft nach stellen Türken mit einem Anteil von 25% die stärkste Gruppe. Das Übergewicht von jungen Leuten und Männern übersteigt vermutlich leicht die Verhältnisse in der allgemeinen Alters- bzw. Geschlechterstruktur. Möglicherweise bedingt durch die Wahl der Befragungsorte sind StudentInnen


überrepräsentiert. Sehr breit gestreut sind die Aufenthaltsdauern, die sich zwischen wenigen Monaten und 40 Jahren belaufen, mit Schwerpunkt um 20 Jahre. Etwa ein Drittel der Befragten sind in Deutschland geboren. Der auffällige Einbruch bei ca. 13 Jahren Aufenthalt (= 1983), der sich auch in anderen Statistiken findet, geht vermutlich auf die damalige 'Zuzugsbegrenzungs-' und 'Rückkehrprämienpolitik' zurück.


Diskriminierungserfahrungen in verschiedenen Lebensbereichen

Wie bereits angedeutet, sollte man auf einen Vergleich der Bereiche verzichten. Die Prozentangaben bedeuten lediglich, welcher Anteil der Befragten irgendeine Diskriminierungserfahrung berichtet und sagen nichts über deren Qualität oder subjektiven Stellenwert. Dennoch lassen sich aufgrund dessen Schwerpunkte benennen, an denen die Erfahrung, diskriminiert zu werden, sehr präsent oder sogar beherrschend ist: die meisten Erfahrungen werden aus dem Bereich Öffentlichkeit berichtet, sowohl in den strukturierten Fragen als auch in den Beispielen (ca. 70%). Quantitativ ebenfalls stark belastet ist die Wohnungssuche, was nicht überrascht, ebenso wenig wie die Tatsache, daß innerhalb von Freundschaften mit Deutschen die wenigsten Erfahrungen gemacht werden.
Angst vor rassistischer Gewalt betrifft fast die Hälfte der Befragten. Neben diesem hohen Prozentsatz fällt ein weiteres Ergebnis auf: es gibt 15 Personen in der Gesamtstichprobe, die keine Diskriminierungserfahrungen berichten und dennoch Angst haben. Das Gefühl, von rassistischer Gewalt bedroht zu sein, betrifft also auch Menschen, die im alltäglichen Leben keine Ablehnung oder Anfeindung wahrnehmen. Ob das Angstgefühl somit mehr ein sensibler Indikator einer atmosphärischen Ausgrenzung ist oder Reaktion auf faktische und konkrete Bedrohung, ist leider kaum zu entscheiden.

Faßt man alle Bereiche zusammen, muß man sich der Tatsache stellen, daß 89% der Befragten mindestens eine Erfahrung mit Diskriminierung wiedergeben. Daß dies nicht auf Einzelereignisse (und insofern 'Ausnahmeerscheinungen') zurückgeht, wird daran deutlich, daß 75% der Befragten in mehreren Bereichen positiv antworten.


Ebenen der Diskriminierung

Auch bezüglich der von uns unterschiedenen Qualitäten gilt, daß ein Vergleich an sich nicht zulässig ist. Hat die aggressive Diskriminierung mehr Ereignischarakter, so macht sich die atmosphärische Ausgrenzung eher an subtilen und wiederholten Indizien fest, die außerdem einer sehr subjektiven Interpretation unterzogen werden. Aber auch aggressive Übergriffe, die sich in der Erfahrung ansammeln, bleiben sicher nicht ohne Auswirkung auf Gefühle des allgemeinen Abgelehntwerdens.
Den Hintergrund des Gefühls, abgelehnt zu werden, versuchten wir auch durch die Zusatzfrage "Wodurch... fühlen Sie sich in der Öffentlichkeit abgelehnt?" zu erhellen. Die sehr uneinheitlichen Antworten betonen nochmals den Aspekt der Subjektivität. Man kann nur zu dem Schluß kommen, daß ein derart komplexes Phänomen nicht adäquat mit dieser Frage erfaßt werden kann.

Im Überblick gibt die Unterscheidung der Ebenen auch kein besonders differenziertes Bild. Abgesehen von den genannten Schwerpunkten Wohnungssuche und Öffentlichkeit, zeichnen sich kaum auffällige Häufigkeiten von z.B. Gewalt- oder Benachteiligungserfahrungen ab. Allerdings kann man feststellen, daß die meisten negativen Antworten bei den aggressionsspezifischen Fragen gegeben werden. In der Öffentlichkeit, für die Beleidigungen und körperliche Angriffe getrennt gefragt wurden, spielt sich Aggression eher verbal ab. Solche Ergebnisse sollten vielleicht nochmals daran erinnern, daß Fremdenfeindlichkeit wirklich nur in zweiter Linie gewaltsam geäußert wird, sondern viel grundlegender in der Gesellschaft verankert ist.


Merkmale der Person im Zusammenhang mit Diskriminierungserfahrungen

Weder das gesamte Ausmaß von Diskriminierungserfahrungen noch das Ausmaß auf einzelnen Ebenen hängt nennenswert von den erfaßten Merkmalen der Person ab - mit einer gravierenden Ausnahme: die Herkunft der Befragten wirkt sich eindeutig auf die berichteten Erfahrungen aus. Europäer geben (insgesamt und auf allen Ebenen) weniger Diskriminierungen wieder als alle anderen Personen, Afrikaner bilden dagegen die am stärksten betroffene Gruppe. Diese Tatsache ist so auffällig, daß wir sie in 3.8. gesondert diskutieren.


Die pauschalisierende Wahrnehmung

Wir haben subjektive Daten erhoben, deren objektive Veranlassung im einzelnen nicht erfaßbar ist. In der Gesamtheit der Ergebnisse meinen wir jedoch, vielmehr eine Widerspiegelung von objektiven Tatsachen zu finden, als sie von unserem Ansatz her zu erwarten war. Die folgenden Überlegungen lassen uns zu dieser Feststellung kommen.

Das Antwortmuster stellt in jedem Fall einen Reflex des individuellen Wahrnehmungsmusters dar, das nicht zuletzt von der persönlichen Sensibilisierung abhängt. Wir gehen davon aus, daß eine unterschiedliche Sensibilisierung bedingt wird durch Merkmale wie Alter und Geschlecht, sowie durch die kulturelle Herkunft und insbesondere durch die Dauer des Aufenthalts (also potentiell zunehmende Integration), also müßten die Antwortmuster in Abhängigkeit von den erhobenen demographischen Eigenschaften variieren. Die diskriminierungsbezogenen Antworten zeigen jedoch kaum Zusammenhänge zu den Personenmerkmalen abgesehen von der Herkunft. Es liegt eine auffällige Gleichartigkeit von berichteten Diskriminierungserfahrungen vor. Diese Homogenität kann aber keine Homogenität der befragten Gruppe sein, sondern sie ist offenbar eine Stereotypie der gemachten Erfahrungen. Sie wird verständlich, wenn man annimmt, daß sich in den Antworten letztlich eine objektive Tatsache abbildet, nämlich das Verhalten der Diskriminierenden. Und nur in der Sicht der Mehrheitsbevölkerung existiert die scheinbare Homogenität der befragten Gruppe. Diskriminierung wird 'ohne Ansehen der Person' ausgeübt, der Diskriminierte wird als 'Aus'-länder angesehen, als Vertreter einer fremden Minderheit. Nicht seine Individualität wird anerkannt, sondern allein seine 'Fremdartigkeit' bestimmt die Art des Kontaktes.

Betrachtet man den genannten Herkunftseffekt, so liegt eigentlich ein 'Hautfarbeneffekt' vor. Je fremder das Äußere der Person in den Augen der Mehrheitbevölkerung erscheint, desto mehr Diskriminierung erfährt sie. Als plumpes Kriterium für Fremdheit wird gerade noch ein äußerliches Merkmal, das Aussehen, herangezogen. Dies belegt nochmals unsere Interpretation, daß eine unmittelbare und undifferenzierte Wahrnehmung von Fremdheit dem Phänomen zugrunde liegt.

Es ist unseres Erachtens ein zentrales Ergebnis der Untersuchung daß diese pauschalisierende Wahrnehmung zutage kommt.



IV. Was es heißt, ,Ausländer' zu sein im täglichen Leben

Die Ergebnisse unserer Untersuchung bestätigen und erweitern unter einem besonderen Gesichtspunkt die Kenntnisse über die Lebenslage des Bevölkerungsteiles, den wir nach der oben gegebenen Definition 'Ausländer' nennen, und zu deren Alltag beträchtliche Benachteiligungs- Erniedrigungs- und Ablehnungserfahrungen gehören. Über die objektiv meßbare rechtliche und soziale Benachteiligung hinaus bewegen sich Menschen, welche als Ausländer klassifiziert werden, tagtäglich in einem Gewebe aus besonderen


Ängsten, Beleidigungen, Zurücksetzungen und Demütigungen. Diese subjektive Ebene der Diskriminierung ist für die Betroffenen genauso wirklich wie die objektiv gegebenen Benachteiligungen. Sie äußert sich in konkretem Leidensdruck, wie er sich z.B. in stetiger Angst auf der Straße zeigen kann.

Zu einer Gesellschaft, die für sich in Anspruch nimmt, ausländerfreundlich, nicht diskriminierend zu sein, steht die Anzahl von 89% der Befragten, die von derartigen Erfahrungen berichten, in krassem Widerspruch.

Die nicht differenzierende Ablehnung läßt auf eine pauschalisierende Sicht der Vielfalt der Kulturen schließen, welche die Minderheit in Deutschland repräsentiert: die hier lebende 'Stichprobe der Welt-Bevölkerung' wird nur in ihrer Eigenschaft wahrgenommen, anders als die 'Deutschland-Bevölkerung' zu sein. Somit findet sich die in anderen Zusammenhängen festgestellte Dualität der Gesellschaft bereits in der Wahrnehmung.

Im folgenden werden wir auch mit Hilfe von ausführlichen Beispielen 1), die einige der Befragten dargelegt haben, versuchen, die Erlebniswelt zu veranschaulichen, die Gegenstand der Befragung war. Dabei ist zu berücksichtigen, daß gemäß der Konzeption der Befragung, die Antworten durch die subjektive Sicht gefiltert sind. Der tatsächliche Hintergrund jeder einzelnen Aussage spielt in diesem Zusammenhang keine Rolle. Entscheidend ist vielmehr das Lebensgefühl, das durch die sich wiederholenden Erlebnisse für einen Teil der hier lebenden Bevölkerung entsteht.


1Anmerkung: Zitate aus Beispielen geben wir nicht unbedingt wörtlich wieder, da sie in der Hast der Straßenbefragung nicht immer wörtlich aufgenommen wurden. Einige konnten auch nur sinngemäß erfaßt werden und sind deshalb in der dritten Person wiedergegeben.


4.1. Diskriminierungsebenen

Wie auch in der quantitativen Auswertung im III. Kapitel werden wir im Einzelnen auf die im 1. Kapitel eingeführten Ebenen eingehen.


Aggressive Diskriminierung

Kennzeichnend für diese Ebene ist die Entwertung der Person, die sich zunächst auf der niedrigsten Stufe der verbalen Entgleisungen ausdrückt. Von dieser Entwertung bis zum physischen Angriff ist die Skala zwar lang, aber kontinuierlich.

Nur im 7. Fragenblock haben wir getrennt: "Wurden Sie ... in der Öffentlichkeit ... beschimpft oder beleidigt" bzw. "...körperlich angegriffen7". Wie es zu erwarten war, wurden wesentlich häufiger Beleidigungen als physische Angriffe bejaht (s. Anhang A, Frage 7). Ebenfalls sind bei den konkreten Beispielen Fälle von physischer Gewaltanwendung eher selten, wenn auch vorhanden. So wird von einer Schlußverletzung berichtet und von einem Angriff, bei dem ein großer Stein durch das Fenster in die Wohnung geworfen wurde, ferner von Angriffen mit Gasspray, mit einer Bierflasche, sogar durch Lehrer mit einer Sandale, von Treten und Anspucken. Als Angreifer werden unter anderen Skinheads, Nazis, aber auch Betrunkene genannt. Eine schwangere Frau mußte in Folge eines Angriffes ins Krankenhaus, auf eine gerichtliche Reaktion wartet die Familie seit 4 Jahren.

Folgende Erfahrungen kann ein Mensch machen: »Ich war einmal in einer Kneipe, und, als ich reinkam, haben die Leute angefangen über den Bürgerkrieg in Ruanda zu reden. Und einer hat wegen meiner Anwesenheit angefangen, die Schwarzen zu beleidigen. Ich habe ihm geantwortet, daß, obwohl ein Krieg angefangen hat in Ruanda, nicht alle Schwarzen so sind, wie er es sich vorstellt. Er ist sofort zu mir gekommen und hat mich mit seiner Faust auf den Kopf getroffen. Sofort sind die anderen Gäste gekommen, um ihn zu halten und ihm zu erklären, daß das was ich ihm gesagt habe stimmt und keine Beleidigung ist. Manchmal gibt es dumme Leute, die, wenn sie einen Schwarzen sehen, anfangen NEGA zu schreien.«

»Die Familie lebt in Gladbeck. Vor 2 Jahren standen immer Skinheads vor dem Haus. Die Polizei ist nicht genügend Streife gefahren. Die Bewohner und ihre Familien haben 2 Monate lang nicht geschlafen. "Ich habe mich gefühlt wie in der Nazizeit"«


Am anderen Ende der Skala ist vor allem die Verletzung zu beachten, die sich aus den verbalen Angriffen ergeben kann. Diese Erlebnisse sind unter dem Gesichtspunkt von psychischer Gewaltanwendung anzusehen.

»Scheißausländer« bzw. »-Türke« oder »Kanake« wird am häufigsten gehört, aber auch »Neger«, »Ausländersau«, »Dreckspack«, »Kamel-« bzw. »Elefantentreiber«, »Messerstecher« und »Knoblauchfresser«. Ein italienisches Kind wird vom Lehrer »Pizzabäcker« betitelt. Außer verschiedenartigen Aufforderungen, auszureisen, bzw. Drohungen mit Abschiebung, wird auch der Hitlergruß gezeigt, es wird von »verbrennen« oder »man müßte Streichhölzer haben« gesprochen. Auch von Ausländerwitzen wird berichtet.

Das Angreiferspektrum geht von Nachbarn, Mitschülern, Kollegen bis zu Betrunkenen, »alter Dame«, Polizisten.


Daß 45% der Befragten die Frage "Haben Sie Angst, Opfer von Gewalt zu werden?" positiv beantwortet haben (s. Anhang A, Frage 8) wird angesichts dieser Erfahrungsberichte verständlich. Wir ordnen auch folgende Beispiele der Angst zu, bei denen der Betroffene sie für seine Person zwar ausschließt, aber aus Gründen, die nicht deren grundsätzliche Berechtigung in Frage stellen: »[Keine Angriffe seitens der Nachbarn] ich bin ja relativ groß.«, »[keine Angst] weil ich stark bin. «


Strategien zur Gegenwehr bzw. zur Selbstwerterhaltung werden nur ganz selten erwähnt: »Am Anfang, später haben wir uns gewehrt.« Es kommt aber auch vor, daß ein von Skinheads angegriffener Mann aus Angst nicht zum Gericht geht.


Benachteiligung

In diesem Erlebnisbereich spiegeln sich viele der objektiven Benachteiligungen wider, die als solche aus anderen Quellen schon bekannt sind. Die Wohnungssuche, das Lernen in der Schule, die Arbeit, alles gestaltet sich schwieriger, bei Ämtern, Polizei, Ärzten, Versicherungen hat man mehr Probleme, und oft das Gefühl, ganz gezielt zurückgesetzt zu werden. Detailliert werden wir dies in der Behandlung der einzelnen Lebensbereiche darlegen. Hier führen wir nur ein Beispiel vor, das zeigt, wie umfassend dies das Leben prägen kann:

»In der 7. Klasse begann ich, das Gymnasium zu besuchen, und war die einzige Ausländerin in der Klasse. In dem Alter wird man noch durch das Elternhaus stark beeinflußt. Ständig wurden Ausländerwitze erzählt, und ich wurde aus der Klassengemeinschaft ausgeschlossen. Zu Hause glaubte mir keiner. Da ich auch nicht wollte, daß mein Vater sich beschwert, verharmloste ich alles, bis es eines Tages nicht mehr zu vermeiden war. Die Lehrer meinten, daß solche ,Sachen in dem Alter passieren würden und drohten den Schülern, den Eltern Bescheid zu sagen. Den Tag darauf erhielt ich von den Schülern eine Schachtel Pralinen, sozusagen als Wiedergutmachung für die letzten beiden Jahre. Da der Direktor die Situation für einen Klassenwechsel nicht angemessen hielt, verließ ich die Schule. «


Atmosphärische Ausgrenzung

Auch wenn die unmittelbaren Folgen für die Person weniger gravierend erscheinen, ist die Bedeutung dieses Bereiches als Quelle von Mißverständnissen und tiefgehenden Zerwürfnissen, und somit für die Festigung der Spaltung der Gesellschaft, nicht zu unterschätzen. Die hier zitierten einzelnen Aussagen sind Indikatoren einer gesellschaftlichen Wirklichkeit, die sich in der Ebene der Gefühle abspielt.

Es kommen Ausdrücke von allgemeiner Ablehnung vor: »Ich wurde eben wie eine Ausländerin behandelt.«, oder: »Die Deutschen beobachten mich wie eine Null, und die Augen der Deutschen stören mich, weil sie mit Haß gucken .« und noch »Das ist eine allgemeine Meinung von den meisten Deutschen (gegen Ausländer zu sein) in Vergangenheit, Jetzt und Zukunft. «

Die meisten Aussagen beschränken sich auf spezifische Bereiche. Eine erste Dimension besteht aus den Vorurteilen, denen sich die Menschen ausgesetzt sehen. Im Wohnungsbereich sind es die Kinder, die besonders zahlreich und besonders unruhig sein sollen: »Der Name reicht schon! Ausländer haben zu große Familien, es gibt Unruhe.«, »Der Vermieter meinte, mit türkischen Kindern gäbe es Probleme.« auch dann, wenn diese Kinder noch nicht geboren sind: »Bei der Wohnungsvergabe haben sie mir vorgeworfen, daß ich später viele Kinder haben werde. «

Darüber hinaus » ... "Ausländer halten sich nicht an die Hausordnungen, sie machen alles kaputt. "«

Besonders folkloristisch sind die Vorurteile über türkische Frauen und Familien:

»Sie denken, ich bin ein 'armes' Mädchen, weil ich Türkin bin und unterdrückt werde, obwohl das nicht stimmt. Aber wenn man es ihnen klarmachen will, wird immer wieder gesagt: " Du hast ja Glück gehabt" oder


"Es gibt ja viele türkische Familien, in denen Töchter unterdrückt werden, du bist anscheinend eine Aufnahme" «

»Zimmersuche in einer Wohngemeinschaft: Nachdem ich mich im Vorstellungsgespräch vorgestellt habe und gesagt habe, daß ich Türkin bin, fragte mich ein Bewohner der WG: "Bei Türken weiß man ja nicht, wenn Dein Vater öfter vorbeikommt und Randale macht?" Vorurteile! Es gibt einige Fälle, die vielleicht so sind, aber man soll nicht von einigen ausgehen!«

»...Schließlich war eine Familie bereit, uns (ein Ehepaar) eine Wohnung zu vermieten, weil ihre Schwiegertochter eine Arbeitskollegin meiner Schwester war und sie davon überzeugte. Trotzdem befragten sie uns sehr lange, z.B. wie wir unsere Wohnung einrichten werden!! ob wir auch Stühle und Tische benutzen...«

Mehrmals spüren sie, daß man ihnen kriminelle Handlungen unterstellt, Dealen oder Diebstahl. Es wird einer im Amt gefragt »"Haben Sie hier schon mal geklaut?"« oder: »Das Ausländeramt stellte dem deutschen Mann die Frage, als er für seine philippinische Frau Papiere beantragte, ob er Zuhälter sei. «Die Adressenangabe wird einem Mann nicht geglaubt, einer Frau wird vorgeworfen, daß sie sich beim Arzt vorgedrängelt habe, oder einer Familie wird unterstellt, daß sie zu Unrecht zu einer Wohnung kommen konnte. Ein Arzt wirft einer Frau mangelndes Kostenbewußtsein vor »" Wissen Sie wie teuer Krankenhaus ist?" « oder das Arbeitsamt: »" Wollt ihr nicht arbeiten?"«

Noch häufiger sind Erfahrungen von Distanz, Ablehnung, Unfreundlichkeit, Arroganz, die so häufig berichtet werden, daß man nur einige besonders aussagekräftige Beispiele aussuchen kann:

»Mit 16 Jahren, als ich die Aufenthaltserlaubnis beantragt hatte, wurde ich zum Ausländeramt gebeten. Erst nach einem persönlichen Gespräch, bei dem der Beamte feststellen sollte, ob ich die deutsche Sprache beherrsche und ob ich genügend in die deutsche Kultur 'integriert' bin, sollte ich die Aufenthaltserlaubnis genehmigt bekommen. Das Witzige war nur, daß der Beamte alle meine Unterlagen vorliegen hatte, aus denen hervorging, daß ich in der Oberstufe in der 11 war und Deutsch als Leistungskurs belegt hatte und meine Noten relativ gut waren. «

»Ich habe leider einmal vor 5 Jahren, als ich neu in Deutschland war und nicht so gut Deutsch gesprochen habe, schlechte Erfahrungen machen müssen, und zwar im Bus. Ich sitze auf meinem Platz, da steigt ein deutsches Mädchen ein mit einer Blumenvase und zwei Tüten in der Hand. Ich bin aufgestanden und wollte ihr einfach helfen und ihr die Taschen aus der Hand nehmen. Daraufhin ist sie sehr böse geworden und hat mir fast eine geklebt. Ich verstehe immer noch nicht warum? «

»Einmal hat sich eine Person nicht mehr weiter mit mir unterhalten, nachdem ich ihr gesagt habe, woher ich aus Asien bin. Sie meinte, die Mentalität ist zu verschieden um z.B. weiter zu reden. «

»Ich und meine Freundinnen (sie tragen Kopftuch, ich nicht) wollten an einer Aktion gegen Tierversuche mitmachen und unterschreiben. Jedoch 'durften' wir nicht, weil wir Ausländer waren. «

Eine von Afrikanern mehrmals berichtete Erfahrung scheint zu sein: » Wenn man als Schwarzer in der Bahn sitzt, setzt sich niemand neben einen, auch wenn es voll ist.«, aber sogar: » Wenn ich in der Bahn sitze, sagen einige: " Steh mal auf; der Sitzplatz ist für Deutsche "«

Es ist auch nicht möglich, auf all die vielen Beispiele von unterschwelliger Ablehnung durch Bemerkungen, Blicke, Körperhaltung usw. einzugehen die manchmal auch nur gespürt oder geahnt wird, ohne sie belegen zu können: »vor einiger Zeit haben Arbeitskollegen mir nahegelegt, Deutschland zu verlassen. Beim Thema Ausländer werden unterschwellig negative Bemerkungen gemacht. «

»Ja, die Blicke der 'Anderen', weil man dunkel ist, egal, wo man geht oder steht. «

»Obwohl sie im Hintergrund so Gefühle haben, zeigen sie das nicht offen. Die meisten versuchen sich freundlich zu zeigen, aber sie haben immer noch Vorurteile. «Einen besonderen Gesichtspunkt in dieser Ebene stellt die 'positive' Diskriminierung dar. Dazu gehören Erlebnisse wie die folgenden:


»Ich wurde schon mal beleidigt, und zwar mit Aussagen wie: " Wieso? Ich mag Ausländer, z.B. schmeckt der Döner vom Türken sehr gut" Ich möchte nicht 'gut' sein, weil ein Döner gut schmeckt. «

»Die üblichen positiven Rassismen: Tanzen, Musik- es wird behauptet ich könne das sowieso, es läge mir im Blut. «

»Die denken, ich bin sehr sensibel oder habe Temperament, weil ich Ausländer bin .«

»"Weiß du das, die Türken sind schlecht, aber du bist anders, nicht mißverstehen bitte!". «

4.2. Lebensbereiche

Von den Lebensbereichen ist die Wohnungssuche einer der Brennpunkte. In dem Bereich haben wir auch die zweitgrößte Anzahl an Beispielen. Meistens geht es auch um handfeste Benachteiligungseindrücke. Es sind sehr viele, die berichten, daß Ausländer offen, und manchmal sehr schroff abgelehnt werden (»"Schon wieder Ausländer..."«, »"Ausländer brauche ich nicht!"«, »Per Telefon sagen mir viele Deutsche "Scheiß Schwarze". Andere sagen mir, daß sie die Schwarze nicht mögen «). Man kann auch nicht annähernd alle die Beispiele erwähnen.

Die Nationalität wird abgefragt, Ausländer haben zu viele Kinder, sind nicht reich, nicht ordentlich genug: »Die zur Verfügung stehenden freien Wohnungen wurden nicht an uns vermietet, da wir Ausländer sind. Auf die Frage, warum es so ist, bekamen wir folgende Antworten: "Ausländer halten sich nicht an die Hausordnungen, sie machen alles kaputt, deshalb möchten wir keine neuen Wohnungen an sie vermieten "«.

Häufig sind Ausflüchte bzw. ist die Wohnung sofort schon weg, wenn die Ausländer-Eigenschaft festgestellt wird: »Die Vermieter sind einfach zu fein, um Bewerber kennen zu lernen. Die haben direkte Vorurteile, Bewerber TÜRKE " ah nee ", " leider die Wohnung ist vergeben", halbe Stunde später habe ich dieselbe Wohnung durch unsere Bekannte fragen lassen, sie hat Besichtigungstermin bekommen. «

»Sobald sie den Namen hören, ist die Wohnung schon vergeben. Z.B. am Telefon sagte sie, es ist noch zu haben, wo ich bei ihr in der Wohnung war, meinte sie, es wäre schon weg Ca. 15 min, da frage ich mich, wie schnell das ging. «

Der Weg, um eine Wohnung zu finden, ist durch besondere Hindernisse gepflastert:

»Meine Eltern brauchten dringend eine größere Wohnung. Eine ältere Dame, deren Enkelin ich kannte, hatte ein Haus, in dem sie Aussiedlern Wohnraum zur Verfügung stellte. Als sie von uns hörte, daß wir Türken sind und islamischem Glauben angehören, lehnte sie es ab, an uns zu vermieten. Auf Wunsch der Enkelin setzten wir uns dennoch zusammen und sie bot uns an, falls sie keinen anderen fände, würde sie auf uns zurückgreifen. Heute leben meine Eltern in der Wohnung und sind ihr auch noch dankbar. Jedes mal, wenn man umzieht muß man sich profilieren. Man muß als Ausländer beweisen, daß man genauso Mensch ist wie alle anderen auch. Auch wenn Türen vor meiner Nase zugeschlagen werden, versuche ich es mit Geduld. Nur irgendwann ist der Punkt erreicht, wo ich meine, daß die Hemmung gegenüber dem 'Fremden' aufgehoben sein muß und Menschen mir genauso offen gegenübertreten wie ich ihnen«Auch in Studentenwohnheimen treten Probleme auf, »weil sie als Ausländische Studenten aus dem Wohnheim ausziehen müssen, wenn sie auch nur eine Prüfung nicht bestehen. «

Zusätzlich zu der Belastung, die die Wohnungssuche für die gesamte Bevölkerung darstellt, erzeugen solche Erlebnisse einen ganz erheblichen Druck.


Wenn beim Nachbarschaftsbereich 11% der Befragten angeben, daß sie keine deutschen Nachbarn haben, und von denen, die sie haben, noch 16% ankreuzen, daß sie "nie" mit ihren Nachbarn zu tun haben, so ist das wahrscheinlich ein Indikator für Gettoisierung. Schwieriger zu interpretieren ist die Aussage, daß man nur "wenn nötig" mit ihnen zu tun hat (49%), da dies vermutlich auch dem normalen Verhalten der Gesamtbevölkerung in der Großstadt entspricht (s. Anhang A, Frage 2).

Aus den nicht sehr zahlreichen Beispielen kann man für diesen Bereich physische Angriffe und Beschimpfungen (wir haben sie schon oben bei der aggressiven Ebene erwähnt) aber auch regelrechtes Mobbing herauslesen:


»Seit 5 Jahren geht es bergab. Nachbarn haben andere Ausländer zum Ausziehen gezwungen. Theater mit seinen Kindern im Hof. «

»Wenn irgendwas kaputt geht, glaubt man immer zuerst, daß es die Ausländer sein müssen. Rufen zu schnell die Polizei, wenn man zu viel Besuch hat und es etwa zu laut wird. Die Deutschen gehen sich immer beim Vermieter beschweren, daß die Ausländer zu viele Probleme verursachen. «

Es fehlen aber nicht einige positive Erwähnungen, sogar ein Besuch in der Türkei.

In der Schule werden sprachbedingte Lernprobleme eher durch abweisendes Verhalten von Lehrern (10 Erwähnungen) als von Mitschülern (2 Erwähnungen) verstärkt:


»Schwierigkeiten durch mangelnde Sprachkenntnisse. Sie [Lehrer] nehmen sich nicht so viel Zeit wie für Deutsche. «

»Die Fragen von uns [Ausländern] wurden nicht beantwortet. Einige Lehrer machten sich sogar darüber lustig. Doch jede blöde Frage, die von den deutschen Schülern kam, wurde beantwortet. Ihnen wurde von jeder Sicht Hilfe geleistet. Sie bekamen sogar die besseren Noten, obwohl einige dies absolut nicht verdient hatten. «

»Angegriffen wurde ich von einigen meiner Mitschüler, weil ich als Ausländerin bessere Noten bekam als sie. Sie haben mir die guten Noten einfach nicht gegönnt. Aus Eifersucht haben sie dann versucht, die Antworten, die ich im Unterricht gab, vor dem Lehrer ins lächerliche zu ziehen, obwohl die Antworten, die ich gab, themenbezogen waren. «

Die Befragten strichen aber auch positives, hilfreiches Verhalten eher bei Lehrern und Dozenten als bei Mitschülern heraus.Im Arbeitsbereich beklagen Ausländer am häufigsten verschlechterte Arbeitsbedingungen oder Verweigern von Rechten:

»...Mein Vorgesetzter erschwerte meine Arbeit gezielt dadurch, daß ich eine Arbeit verrichten soll, bei der ich keine Unterstützung bekomme. «

»Wir [Ausländer] wurden öfters für Arbeiten eingeteilt, die kein deutscher Kollege machen wollte. Wir wurden per se für die schwierigen Arbeiten eingeteilt. «

»Der Vorarbeiter sagte, er müßte mehr arbeiten als andere Kollegen. Andere Kollegen dürfen häufiger eine Pause machen. Bei seinen Kollegen wird häufiger ein Auge zugedrückt, wenn etwas nicht in Ordnung ist und bei ihm nicht. «

»Nur schwere Arbeit. Ich muß tun, was Deutsche nicht machen. «

»Trotz Allergiepaß wurden ihm Arbeiten angewiesen, die er nicht ausführen kann.«

»Ich hatte als Student einen Teilzeitjob gehabt und ich wurde von dem Chef/Firmavorarbeiter hart ausgenutzt. Z.B. mußte ich die schwersten Arbeiten tun/erledigen.« »Es gibt die Einstellung, daß die Ausländer nicht die gleichen Rechte wie die deutschen Arbeitnehmer haben. Ich arbeite in den Semesterferien. Das sind begrenzte Zeiten. Da habe ich immer Schwierigkeiten, wenn ich einen Arbeitsvertrag verlange. Die meinen, daß ich kein Recht habe, weil ich als Aushilfe arbeite. Aber in der gleichen Situation bekommen die deutschen Studenten ihren Arbeitsvertrag.«

»Ich werde von meinem Meister bzw. den Gesellen oft für 'Bring und Hol-'Tätigkeit eingesetzt Ich werde unzureichend angelernt bzw. ausgebildet. Habe das Gefühl, daß ich im Gegensatz zu anderen deutschen Lehrlingen mißbräuchlich behandelt werde. «

»Wenn es um gleiche Arbeit oder Entlohnung (Bezahlung) ging, war es für deutsche Kollegen einfacher, sie zu bekommen.«

Hierzu gesellt sich unfreundlicher Umgang oder Abgrenzung seitens der Kollegen:

»Bei der Arbeit werden deutsche Arbeitnehmer freundlicher, zuvorkommender und nachsichtiger behandelt als Ausländer. In den Pausen loben sich deutsche Arbeitnehmer gegenseitig: "Herr ... ist ein guter Deutscher. Im Gegensatz zu anderen Völkern der Erde ist er sauberer, gründlicher, ehrlicher als andere. "«

»Vor einiger Zeit haben Arbeitskollegen mir nahegelegt, Deutschland zu verlassen. Beim Thema Ausländer werden unterschwellig negative Bemerkungen gemacht. Deutsche Arbeitnehmer sitzen in den Pausen bewußt so zusammen, daß ausländische Arbeitnehmer keinen Platz dort haben. Deutsche Arbeitnehmer machen abfällige Bemerkungen über Ausländer. « 

Auch die Arbeitsuche gestaltet sich mehrmals sehr schwierig, wozu auch die besonderen Hindernisse durch das Arbeitsamt hinzukommen können: »Ablehnung [der Arbeitserlaubnis] immer bei drei Monaten Aufenthalt schon seit 6 Jahren.«

Gegenteilige Erklährungen sind eher selten: »Kollegen sind super. «Der Bereich der persöhnlichen Freundschaften birgt die meisten Chancen von Integrationen. Logischerweise sind hier die wenigsten negativen Erfahrungen und negativen Beispiele erwähnt. Von Freunden erwartet man im allgemeinen, daß sie keine Vorurteile haben »sonst wären sie nicht meine Freunde. «

Immerhin konnten die 17%, die behaupten, keine deutschen Freunde zu haben, so wie auch einige Antworten auf die Frage 'warum nicht', bei denen negative Aspekte überwiegen (s. Anhang A, Frage 5) auf Gettoisierung und Selbstgettoisierung hinweisen.

Man arbeitet daran, diese Voruteile abzubauen: »Bis sie uns richtig durchschaut haben, hatten sie Vorurteile gehabt. Wir haben das nicht direkt zu spüren bekommen, aber man verstand das. Im Nachhinein hat sich das alles verändert, manche Freunde haben sogar zugegeben, daß sie Vorurteile hatten.«


Der Ämterbereich ist der Ort, wo die Befragten die Berührung mit der institutionellen Diskriminierung und mit der Durchbürokratisierung ihres Lebens erfahren. Mangelhafte Kenntnisse der bürokratischen Verfahren, Sprachschwierigkeiten und unter Umständen auch diskriminierendes Verhalten seitens einzelner Amtsinhaber können noch dazu kommen.


»Bei dem Ausländeramt kommt es sehr oft vor. Da wird erstmals die Abschreckungspolitik versucht. Wenn man da zeigt, daß man von seinen Rechten Ahnung hat, dann geben sie nach.«

Studenten aus Afrika berichten »Die Aufenthaltserlaubnis wird immer nur eine Woche erneuert, aus Angst, daß Geld von der Heimat nicht mehr kommt. Jeden Monat müssen sie Kontoauszüge zeigen, uns manchmal Probleme macht, weil die Eltern nicht so reich sind und das Geld zu schicken schwer ist. Die Beamten verstehen nicht, daß Banken aus dem Ausland nicht so funktionieren. Zu viele persönliche Fragen. Man fühlt sich wie... Es wird immer wieder die Finanzierung bezweifelt«

Wie in den Ankreuzfragen (s. Anhang A, Frage 6) wird auch in den konkreten Beispielen das Ausländeramt am häufigsten erwähnt, gefolgt vom Arbeitsamt.


Auch für andere öffentliche Stellen bestätigt sich die Tendenz der Ankreuzfragen (s. Anhang A. Frage 6): Polizei, Versicherung. Bank und Arzt werden am häufigsten erwähnt. Die Polizei wird als grundlos streng oder ungerecht empfunden. Wie bereits aus der Presseberichterstattung bekannt, berichten die von uns Befragten von Schwierigkeiten bei der Versicherung von Ausländern. Bei Ärzten gibt es als übertrieben lange empfundene Wartezeit und Behandlungsweigerung:»Eine ältere Frauenärztin z.B. weigerte sich einmal, mich zu behandeln« oder:

»Ich habe die Erfahrung gemacht, daß gewisse Ärzte ausländischen Frauen die Hand nicht geben, sich extra in ihrer Fachsprache ausdrücken, so daß der/die Ausländer den Arzt nicht verstehen können. Arzte geben sich bei ausländischen Patienten nicht viel Mühe, sie zu heilen.«Öffentlichkeit: Die numerischen Daten (s. Anhang A, Frage 7 und 8) so wie auch schon die hohe Zahl an Beispielen zeigen uns, daß dies ein besonders belasteter Bereich für Ausländer ist.

Straße, Bus und Bahn, Bahnhöfe und Haltestellen, Geschäfte. Kneipen. Schwimmbad, Diskothek, Tankstelle sind Orte, von denen Vorkommnisse gemeldet werden. Physische Angriffe und Beleidigungen finden am häufigsten in der Bahn, in Bussen und auf der Straße statt, seltener in Kneipen. Eine Frau wurde sogar während unserer Befragung beschimpft.

Den zahlreichen Beispielen, die wir schon oben angeführt haben, möchten wir hier einige hinzufügen, wegen der Eskalation, die sie dokumentieren:


»Wir wurden schon oft mit "Scheißtürken", " Wir werden euch verbrennen", " Wir haben die Juden vergast und jetzt seid ihr dran" beschimpft. Wir reagieren auf solche Äußerungen auch ziemlich aggressiv und es kommt dabei zu Handgreiflichkeiten. Die Polizei, wenn sie auftaucht, nimmt meistens uns mit und hört gar nicht, was wir zu unserer Verteidigung sagen. «

»In der U-Bahn: einige Leute hatten ihre Füße auf den Sitz gelegt und gesagt, Ausländer dürften hier nicht sitzen. Es kam zum Angriff, er hatte blutiges Gesicht, der ,Straßenbahnfahrer reagierte nicht. Im Krankenhaus wurde Röntgenaufnahme gemacht. Die Polizei konnte die Täter ermitteln. (Solidarität von) Arbeitskollege, aber niemand am Ort. «


Eine wichtige Frage war, inwiefern Erfahrungen von Solidarisierung bzw. positiver Hilfestellung diesen negativen Erfahrungen gegenüber stehen. Das haben wir im Öffentlichkeitsbereich als Ankreuzfrage erfaßt. Von denen, die auf die Frage über Gewalt in der Öffentlichkeit positiv geantwortet haben, kreuzten 35% die Frage nach Solidarisierung seitens der Deutschen positiv an.

In den Beispielen wird diese Solidarisierung vergleichsweise selten erwähnt:


»Sie saß im Bus und jemand sagte, warum die Ausländer nicht alle laufen. Da hat jemand eingegriffen und gesagt, er solle selbst laufen.«

»Meine Schwester wurde 'angegriffen' von einer alten Dame. Ich muß zugeben, daß zwar meistens ältere Menschen besonders jugendliche Ausländer beschimpfen, aber auch ältere Menschen diese verteidigen.« </i>

»Einmal im Zug nach Aachen [?] von Neonazis angegriffen. Ein junger Deutscher ist sofort verschwunden und hat den Schaffner benachrichtigt und dieser die Bahnpolizei.«

Leider überwiegen eher Erwähnungen von mangelnder Solidarität:

»Ich wurde von einem Deutschen in der Straßenbahn regelrecht niedergemacht. Er sagte zu mir Ausdrücke und meinte, daß ich mir nichts einbilden solle. Meine eigenen deutschen Freunde haben mir nicht geholfen. «

»Die Deutschen halten sich alle raus. « 

(Nachdem der Befragte im Bus von Jugendlichen angepöbelt und bedroht wurde) »Haben nur zugeguckt .« 



V. Schlußfolgerungen

Aus den Darstellungen der vorherigen Kapitel drängt sich nachdrücklicher Handlungsbedarf auf. Die humanitäre Empörung über eine Situation, die Leid über die Betroffenen bringt, ist unzureichend; Mitleid verstärkt sogar die pauschalisierende Sicht durch das Zuweisen der Opferrolle.

Man muß vielmehr berücksichtigen, daß die Gruppe, um die es geht, objektiv der deutschen Gesellschaft angehört, obwohl ihr gemäß unserer Ergebnisse die Eigenschafl 'fremd' zu sein zugewiesen wird. Es ist eine Tatsache, daß inzwischen ein beträchtlicher Teil der Menschen, die hier das Leben verbringen, nicht deutschstämmig sind, daß die deutsche Gesellschaft aus Menschen verschiedener Abstammung besteht, die unter gleichen sozialen Bedingungen bei- und miteinander leben. Es ist darüber hinaus eine von vielen statistischen Daten beleuchtete Tatsache, daß die Gruppe der Ausländer größtenteils in dem Bereich angesiedelt ist, in dem die sozialen Probleme am Stärksten auftreten (auch wenn man vor dem 'pauschalisierenden' Vorurteil auf dem Hut sein muß, alle Ausländer seien sowieso


arm). Jede Abspaltung dieses Teiles der Bevölkerung muß daher mit einer großen Destabilisierungsbedrohung für das Ganze einhergehen, weil dadurch die Gemeinsamkeit einer absteigenden sozialen Lage, die zur Zeit einen immer größeren Teil der Gesamtbevölkerung erfaßt, verwischt wird. Die Spaltung bewirkt am Ende eine Schwächung bei der Durchsetzung gemeinsamer Interessen: Die Schuldigen für Krise Arbeitslosigkeit, Unsicherheit werden in einer Gruppe gesucht, die sich in Wirklichkeit innerhalb der von diesen Problemen betroffenen Bevölkerung befindet, statt bei denen, die die Politik bestimmen.


5.1. Allgemeine Gesichtspunkte für Lösungsansätze

Wie wir schon im I. Kapitel angedeutet haben, erfordert die Suche nach Lösungsansätzen gegen diese gefährliche Spaltung auch den Blick auf die historischen und ökonomischen Bedingungen, unter denen sich die Gesellschaft in der Welt -und somit auch bei uns- entwickelt. Man kann nicht ignorieren, daß Migrationsbewegungen zunehmend in direkter Folge weltweiter Verelendung stattfinden, während gleichzeitig der Eurozentrismus erfolgreich ein abwertendes Bild von fremden Kulturen verankert hat. Diese Überlegungen wollen wir hier in Erinnerung rufen, um zu verhindern, daß deren grundlegende Tragweite aus dem Blick verschwindet. Gerade weil sie so grundlegend sind, können wir sie hier aber nicht angemessen behandeln sondern verweisen hierfür auf die weiterführende Literatur. Auch das politische Management dieser Probleme in der Entwicklung der Bundesrepublik zu einem Integrationsland können wir nicht in der für dieses Thema benötigten Ausführlichkeit abhandeln. Wir begnügen uns mit dem Festhalten eines momentanen Zustandes, der durch das Leugnen der Normalität, ja der positiven Auswirkungen der Einwanderung -einschließlich des ökonomischen Gewinnes- charakterisiert ist. Die Kluft zwischen der Wirklichkeit unserer Gesellschaft und der Weise, wie sie dargestellt, wahrgenommen und organisiert wird, muß man feststellen, aber nicht hinnehmen. Damit eine Voraussetzung geschaffen wird, um sich die Gemeinsamkeit der Lebenslagen zu vergegenwärtigen, muß diese Leugnung der Wirklichkeit bekämpft werden.


5.2 Zurückdrängen der Pauschalisierung durch gemeinsames Handeln

In unserem Ansatz sind wir nicht eigens auf historische und politische Bedingungen eingegangen; trotzdem zeigen die Ergebnisse, wie der allgemeine Zustand unserer Gesellschaft in die persönliche Lebenswelt des Einzelnen eingreift. Einen speziellen Ausdruck findet das in der alltäglichen fremdenfeindlichen Diskriminierung. Eine Momentaufnahme dieser Erscheinung haben wir mit der Untersuchung für die Stadt Essen gewonnen, und hier wollen wir anknüpfen, wenn wir konkrete Maßnahmen benennen.


Gemäß unseres Ansatzes werden wir noch eine Einschränkung machen müssen, indem wir hier auf die Erforschung der genaueren Ebenen der Verantwortlichkeit verzichten. Ob diese Verantwortlichkeit eher bei den Menschen auf der Straße, den Behörden, der kommunalen Politik oder bei den Gesetzgebern in Land oder Bund zu suchen ist, diese an für sich sehr wichtige Frage stellt sich zwar unsere Initiative in ihrer Tätigkeit immer wieder aufs Neue. Aber durch das Aufdecken der subjektiven Sicht der Betroffenen legen uns die Ergebnisse unserer Untersuchung einen besonderen Gesichtspunkt in aller Dringlichkeit nahe, nämlich die Notwendigkeit der Mitwirkung der Betroffenen auf allen Ebenen und in jedem Bereich, in dem diesbezügliche Probleme behandelt werden.

Von den politischen Kreisen der BRD vom Bund bis zu Gemeinden muß man mehr Rechte der Ausländer in der Gestaltung ihrer Lebensbeziehungen verlangen. Das wird aber nur dann wirksam sein, wenn diese Rechte in Anspruch genommen werden. Die Ausgrenzung des Teiles der Gesellschaft, die durch das Herausstreichen ihres Andersseins erfolgt war, löst sich am ehesten auf, wenn die gemeinsamen Interessen erkennbar werden und gemeinsam angegangen werden. Die Unsinnigkeit der Pauschalisierung wird am besten ans Licht gebracht, indem die Betroffenen ihre umfassenden menschlichen Dimensionen durch eigene gesellschahftliche und politische Tätigkeiten in Anspruch nehmen. Es sollte selbstverständlich sein, daß diese Menschen, die sich entgegen dem Gewäsch einiger Politiker keinesfalls als Gäste in der Gesellschaft aufhalten, sondern ein Teil davon sind, sich nicht als Gast verhalten, sondern Verantwortung für die 'Hausordnung' übernehmen.


5.3. Bedeutung der interkulturellen Begegnung

Durch die Sicht der Mehrheitsbevölkerung, die wir 'pauschalisierend' genannt haben, bildet sich eine nur aus dieser Sicht homogene Gruppe. Es ist ein Blickwinkel, aus dem in den Anderen pauschal nur das Anderssein wahrgenommen wird. Der breit gefächerte Ausschnitt der 'Weltbevölkerung' verliert dadurch seine Vielfalt an Abstammung, Lebensumständen, Alter, Status usw.. Daraus kann sich eine besonders gefährliche Konsequenz ergeben: die so Ausgegrenzten können insgesamt aufgrund ihrer Erfahrung ihrerseits doch eine besondere Empfindlichkeit entwickeln, sich verletzt zurückziehen, in einigen Fällen sogar da eine Diskriminierung wahrnehmen, wo keine gemeint war. Aus einigen Aussagen aus den oben zitierten Beispielen, oder z.B. auch aus dem Anteil der Befragten von immerhin 16 Prozent, die verneinen, deutsche Freunde zu haben, könnte man eine Tendenz erkennen, den pauschalisierenden Blick zurückzuspiegeln. Das ist zwar menschlich verständlich angesichts der von uns schon dargestellten Alltagslage dieser Menschengruppe, beinhaltet aber eine gefährliche Entwicklungsmöglichkeit der Selbstabgrenzung, ja der Selbstgettoisierung. Je mehr sich durch diesen wechse1seitigen Prozeß Berührungspunkte verringern, um so mehr verstärken sich Vorunteile, Überempfindlichkeiten und Ablehnung auf beiden Seiten. Wenn in diese Dynamik nicht eingegriffen wird, droht sich die Spaltung in unserer Gesellschaft immer mehr zu vertiefen.

Daraus ergibt sich die Wichtigkeit der Forderung der kulturellen Begegnung - im breitesten Sinn verstanden. Wenn auch der juristische Status, der einen Teil der hier lebenden Menschen zu rechtlosen Ausländern abstempelt, die einschneidendste Trennungslinie bleibt, und die normative und institutionelle Ebene grundlegend sind, darf die kulturelle Arbeit dennoch nicht vernachlässigt werden. Es gibt nicht nur eine Strategie zur Bekämpfung des Rassismus in unserer Gesellschaft, weil dieser nicht nur ein Gesicht hat: Sicher wäre auch durch greifende Antidiskriminierungsgesetze. die z.B. verhindern sollen, daß fremd aussehenden Menschen der Zugang zu einem Lokal, bzw. Ausländern ein vergleichbarer Versicherungsschutz verweigert wird, die Atmosphäre zu verbessern. Rassismus könnte man dadurch nicht mehr so einfach als Kavaliersdelikt abtun. Aber man kann z.B. nicht per Gesetz Verkehrsteilnehmer verpflichten, sich im Bus neben einem Fremden hinzusetzen. Nur eine 'kulturelle' Einwirkung kann in solchen Fällen eine Verbesserung verursachen.


Aus diesen Gedanken haben wir unter dem Titel "Weil wir Ausländer sind..." eine Veranstaltungsreihe angefangen, in der Vertreter der Gruppe der Betroffenen Gelegenheit haben, im Gespräch mit Vertretern der Mehrheitsbevölkerung ihre Erfahrungen auch auf der subjektiven Ebene zu Sprache zu bringen.

Aus alledem ergibt sich die zentrale Frage: Durch welche Schritte, durch welche Maßnahmen kann man die Mechanismen der Gettoisierung und der Selbstgettoisierung durchbrechen? Diese Frage stellen wir uns als Institution, wir richten sie aber auch an alle gesellschaftlichen Kräfte, welche diese Spaltung als verhängnisvoll erkennen, wobei wir ein besonderes Augenmerk auf die kommunale Ebene legen wollen.

In der Konsequenz unserer Ansichten werden wir hier nicht detaillierte Vorschläge machen, sondern versuchen, die Ergebnisse in Zusammenarbeit mit den betroffenen 'Ausländern' zu bewerten und Handlungsstrategien zu entwickeln.


5.4. Erfahrungen und Fortschritte für die Initiative

Als in unserer Initiative der Gedanke zu dieser Befragung aufkam, war uns zuerst nicht bewußt, welch hoher Aufwand damit verbunden sein würde. Dennoch können wir rückwirkend feststellen, daß wir damit einen Zugewinn erreicht haben, auch über die direkten Erkenntnisse hinaus, die aus der Untersuchung zu ziehen waren. Der größte Teil der Befragung hat ohne 'Filter' stattgefunden, in direktem Kontakt mit den Befragten. Für die Arbeit unserer Initiative war besonders die Befragung auf der Straße zwar ein Kraftakt, aber letzten Endes von Vorteil. Wir haben dadurch vielseitige Erfahrungen von Dialog gemacht, besonders auch mit dem Teil der Bevölkerung, der sonst durch Institutionen nicht erreichbar ist.

Jeder von uns, der an der Befragung teilgenommen hat, hat feststellen müssen, daß - bei aller Belastung wegen der geballten Begegnung mit harten menschlichen Problemen- sehr viele positive Erfahrungen gemacht wurden, daß unsere Fähigkeit, Verhaltens- und Sichtweise von Fremden zu erfahren, sich verbessert hat. Auch die Verunsicherung, die manchmal durch Abweisen seitens von einzelnen Personen oder Migrantenvereinen entstanden ist, hat einen Lerneffekt mit sich gebracht in dem Sinn, daß wir die Dualität der Gesellschaft am eigenen Leib erfahren haben. Obwohl diese Art der Befragung sehr arbeitsintensiv war, würden wir sie für an ähnlichen Aktionen Interessierte unbedingt empfehlen.


5.5. Ist Essen eine 'ausländerfreundliche' Stadt?

Der Titel unserer Untersuchung war zu keiner Zeit als Polemik gegen eine besondere Stadt zu verstehen. Angesichts der Fülle an negativen Beispielen, die wir vorgetragen haben, sollten wir uns aber nochmals bewußt machen, daß Diskriminierung von den Menschen da erlebt wird, wo sie täglich leben, also auf der Ebene der Kommune. Vergleiche mit anderen Orten waren nicht beabsichtigt, wir haben daher kein diesbezügliches Material erhoben.

Aus unseren Kenntnissen der Stadt können wir vielleicht sogar die Einschätzung einer unserer Befragten verallgemeinern: »Sie ist seit 11 Jahren hier und fühlt sich wohl in Essen, sagt, es sei besser als woanders in Deutschland, nach dem, was sie so gehört hat.«. Die gute Beurteilung verstärkt aber eher unsere Verantwortlichkeit als Essener Bürger, uns für Veränderungen und für die Verhinderung von negativen Entwicklungstendenzen einzusetzen. Die Arbeit innerhalb dieser Stadt soll für uns als Institution, die hier angesiedelt ist, im Vordergrund bleiben. Gleichzeitig aber möchten wir betonen, daß sich unsere Erkenntnisse verallgemeinern lassen, so daß es wünschenswert wäre, daß auch in anderen Orten diese Diskussion aufgenommen würde. Über entsprechende Rückmeldungen würden wir uns freuen.



Anhang A: Ergebnisse der Einzelfragen



1) Haben Sie schon einmal eine Wohnung gesucht? (Filterfrage)

Anzahl   Anteil der
  Gesamtstichprobe
ja 235 77.8%
nein 63 20.9%
keine Angabe 5 1.3%


Wenn ja:


  Hatten Sie Probleme bei der Wohnungssuche..?

  Anzahl   Anteil der gefilterten
Gesamtstichprobe
ja 138 58.7%
nein 85 36.2%
keine Angabe 12 5.1%



2) Haben sie deutsche Nachbarn? (Filterfrage)

Anzahl   Anteil der
  Gesamtstichprobe
ja 269 89,1%
nein 32 10,6%
keine Angabe 1 0,3%


Wenn ja:


  Wie oft haben Sie mit Ihren deutschen Nachbarn zu tun?

  Anzahl   Anteil der gefilterten
Gesamtstichprobe
nie 42 15.6%
wenn nötig 131 48.7%
oft 88 32.7%
keine Angabe 8 3.0%



  Fühlen Sie sich von Ihren deutschen Nachbarn abgelehnt...?

  Anzahl   Anteil der gefilterten
Gesamtstichprobe
ja 17 6.3%
von vielen 14 5.2%
von einigen 73 27.1%
nein 157 58.4%
Keine Angabe 8 3.0%



  Wurden Sie von Ihren deutschen Nachbarn schon einmal beleidigt oder angegriffen...?

  Anzahl   Anteil der gefilterten
Gesamtstichprobe
ja 53 19.7%
nein 206 76.6%
Keine Angabe 10 3.7%



3) Gehen Sie zur Schule/Universität? (Filterfrage)

Anzahl   Anteil der
  Gesamtstichprobe
ja 136 45.0%
nein 142 47.0%
keine Angabe 24 7.9%


Wenn ja:


  Schultyp

  Anzahl   Anteil der gefilterten
Gesamtstichprobe
Haupt/Realschule 17 12.5%
Gymnasium 25 18.4%
Berufsschule 11 8.1%
Universität 77 56.6%
keine Angabe 6 4.4%



  Fühlen Sie sich von Ihren deutschen Mitschülern abgelehnt...?

  Anzahl   Anteil der gefilterten
Gesamtstichprobe
ja 2 1.5%
von vielen 1 0.7%
von einigen 39 28.7%
nein 90 66.2%
Keine Angabe 4 2.9%



  'Wurden Sie von Ihren deutschen Mitschülern schon einmal beleidigt oder angegriffen...?

  Anzahl   Anteil der gefilterten
Gesamtstichprobe
ja 24 17.6%
nein 108 19.4%
Keine Angabe 4 2.9%



  Werden Sie von Ihren deutschen Lehrern anders behandelt...?

  Anzahl   Anteil der gefilterten
Gesamtstichprobe
ja 30 22.1%
nein 99 72.8%
Keine Angabe 7 5.1%



4) Haben oder hatten Sie Arbeit/Lehre in Deutschland? (Filterfrage)

Anzahl   Anteil der
  Gesamtstichprobe
ja 136 45.0%
nein 142 47.0%
keine Angabe 24 7.9%


Wenn ja:


  Fühlen Sie sich von Ihren deutschen Kollegen abgelehnt...?

  Anzahl   Anteil der gefilterten
Gesamtstichprobe
ja 9 4.5%
von vielen 11 5.4%
von einigen 68 33.7%
nein 109 54.0%
Keine Angabe 5 2.5%



  Wurden Sie von Ihren deutschen Kollegen schon einmal beleidigt oder angegriffen...?

  Anzahl   Anteil der gefilterten
Gesamtstichprobe
ja 48 23.8%
nein 151 74.8%
Keine Angabe 3 1.5%



  Werden Sie von Ihren deutschen Chef anders behandelt...?

  Anzahl   Anteil der gefilterten
Gesamtstichprobe
ja 56 27.7%
nein 139 68.8%
Keine Angabe 7 3.5%



5) Sind sie mit Deutschen befreundet? (Filterfrage)

Anzahl   Anteil der
  Gesamtstichprobe
ja 252 83.4%
nein 49 16.2%
keine Angabe 1 0.3%


Wenn nein:

  Warum nicht? (Mehrfachnennungen möglich)

  Anzahl   Anteil der gefilterten
Gesamtstichprobe
kenne keine Deutschen 11 22.0%
Deutsche wollen nicht 14 28.0%
Ich will nicht 8 16.0%
schlechte Erfahrungen 5 10.0%
Keine Angabe 13 26.0%



  Wenn ja:


  Wo sind diese Freundschaften entstanden? (Mehrfachnennungen möglich)

  Anzahl   Anteil der gefilterten
Gesamtstichprobe
Arbeit 120 47.6%
Nachbarschaft 92 36.5%
Kneipe 34 13.5%
Verein 63 25.0%
Gemeinde 21 8.3%
Schule 108 42.9%
Uni 70 27.8%
Sonstiges 68 27.0%



  Haben Ihre Freunde Vorurteile...?

  Anzahl   Anteil der gefilterten
Gesamtstichprobe
ja 37 14.7%
nein 170 67.5%
Keine Angabe 45 17.9%



6) Wurden Sie zuletzt in einem Amt schlecht behandelt...?

Anzahl   Anteil der
  Gesamtstichprobe
ja 110 36.4%
nein 183 60.6%
keine Angabe 9 3.0%


Wenn ja:


  Wo? (Mehrfachnennungen möglich)

  Anzahl   Anteil der betreffenden
Gesamtstichprobe
Ausländeramt 57 51.8%
Sozialamt 31 28.2%
Arbeitsamt 35 31.8%
Wohnungsamt 24 21.8%
Sonstiges 12 10.9%



  Wurden Sie von anderen offiziellen Stellen schlecht behandelt...?

Anzahl   Anteil der
  Gesamtstichprobe
ja 92 30.5%
nein 187 61.9%
keine Angabe 23 7.6%


Wenn ja:


  Wo? (Mehrfachnennungen möglich)

  Anzahl   Anteil der betreffenden
Teilstichprobe
Polizei 43 46.7%
Bank 27 29.3%
Versicherung 24 26.1%
Arzt 23 25.0%
Sonstiges 8 8.7%



7) Wurden Sie schon einmal ... in der Öffentlichkeit...von Deutschen...?(beide Nennungen möglich)

Anzahl   Anteil der
  Gesamtstichprobe
beschimpft oder beleidigt 127 42.1%
körperlich angegriffen 26 8.6%


Wenn beschimpft  
oder angegriffen:  


&nbps;

  Hat sich in einer solchen Situation ein Deutscher mit Ihnen solidarisiert?

  Anzahl   Anteil der betreffenden
Teilstichprobe
ja 46 35.4%



8) Fühlen Sie sich ... in der Öffentlichkeit von Deutschen abgelehnt?

Anzahl   Anteil der
  Gesamtstichprobe
oft 27 8.9%
manchmal 129 42.7%
nein 128 42.4%
keine Angabe 18 6.0%



Haben Sie Angst, Opfer von Gewalt zu werden?

Anzahl   Anteil der
  Gesamtstichprobe
ja 135 44.7%
nein 150 49.7%
keine Angabe 17 5.6%


 

Anhang B: Zählung der Beispiele


Fragenblock Anzahl
Beispiele
Aggressive
Diskriminierung
Benachteiligung Athmosphärische
Ausgrenzung
Positive
Erfahrungen
Wohnungssuche 76 0 52 3 3
Nachbarschaft 34 12 1 15 2
Schule/Universität 30 4 9 6 4
Arbeitsplatz 38 3 11 13 3
Deutsche Freunde 29 0 0 11 1
Ämter 61 5 26 14 2
Öffentli.: Angriffe Beleid. 55 30 2 8 1
Öffentlichkeit: Ablehnung 22 5 2 10 1
Ablehnung "wodurch" 68 7 0 46 0

Zum Vorgehen bei der Kategorisierung siehe Abschnitt 3.4. Anzahl der Beispiel: Gesamtzahl der Beispiele für den Bereich, unabhängig von der Kategorisierbarkeit
Aggr. Diskriminierung ..Atmosph. Diskr.: Anzahlen der kategorisierbaren Beispiele

Positive Erfahrungen: Anzahl der Beispiele für positive Erfahrungen


 

Anhang C: Fragebogen

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Literaturempfehlungen

Für die, die einige der Themen vertiefen wollen, empfehlen wir u.a. folgende Titel:

  • Forschungsinstitut der Friedrich-Ebert-Stiftung, Abt. Arbeits- und Sozialforschung (Hrsg.), Die Wiedergeburt des nationalistischen Denkens, Bonn 1995
  • Goldberg A., Mourinho D., Kulke U., Arbeitsmarkt-Diskriminierung gegenüber ausländischen Arbeitnehmern in Deutschland, Genf 1995
  • Krummacher M./Walz V., Einwanderer in der Kommune, Essen 1996
  • Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW (Hrsg.), Ausländerinnen und Ausländer in Nordrhein-Westfalen, Zahlenspigel 1995, Düsseldorf
  • Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW (Hrsg.), Landessozialbericht Bd. 6: Ausländerinnen und Ausländer in Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf 1994
  • Randfleisch U. (Hrsg.), Fremd im Paradies - Migration und Rassismus, Basel 1994
  • Stadt Essen, Amt für Entwicklungsplanung, Statistik, Stadtforschung und Wahlen (Hrsg.), Informationen und Berichte zur Stadtentwicklung Nr.93: Informationen zur Lebenssituation nichtdeutscher Einwohnerinnen und Einwohner in Essen, Essen 1997


Steubenstr. 49, 45138 Essen
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