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Erste Gerüchte um Flüchtlingsunterkunft in Frintrop

Es wird erst gerüchtweise bekannt, dass die gerade freigewordene Walter-Pleitgen-Schule als Notaufnahmeunterkunft für Asylsuchende genutzt werden soll. Die Anwohner sind stark verunsichert wegen der mangelnden Information und weil in dem Stadtviertel viele benötigte soziale Einrichtungen abgebaut werden.

Die Angst vor zu vielen Flüchtlingen geht um - insbesondere wenn es um Roma und Sinti aus Serbien und Mazedonien geht. Bundesweite Kampagnen finden auch in Essen ihren Niederschlag.

In der selbst-organisierten Bürgerversammlung am 22. August werden auch stark rassistische Töne laut. Der schon vorher erfolgte Abbau von Schulen und Kindergarten wird uminterpretiert: "und jetzt machen sie Kindergärten und Schulen dicht, um Asylanten hier unterzubringen". Rassistische Töne auch während der Diskussion mit Bürgern und Vertretern aus der Politik bei dem WAZ-Mobil auf dem Frintroper Markt am 5. September. Ausländer- und islamfeindliche Gruppierungen versuchen, das Thema im Wahlkampf aufzuheizen.


Inhaltsverzeichnis

WAZ 05.09.2013 Asyl-Debatte heute am WAZ-Mobil

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WAZ / Essen,Donnerstag, 05.09.2013

Asyl-Debatte heute am WAZ-Mobil

Ab 18 Uhr auf dem Frintroper Markt


Auf dem Frintroper Markt wird das WAZ-Mobil heute von 18 bis 19:30 Uhr Halt machen. Jüngst hatten die Pläne der städtischen Verwaltung, in der Frintroper Walter-Pleitgen-Schule ein Behelfsheim für Asylbewerber einzurichten, im Stadtteil für rege Diskussion gesorgt. Am WAZ-Mobil wollen wir mit Bürgern, Politikern und Vertretern von Polizei und Verwaltung ins Gespräche kommen. Als Teilnehmer der Diskussion haben sich angekündigt: Ratsfrau Jutta Eckenbach (CDU), die Grüne-Sozialexpertin Christine Müller-Hechfellner, die Linke Ratsfrau Gabi Giseke, der Leiter der Polizeiinspektion Nord Klaus-Peter Netz sowie Vertreter aus dem Sozialdezernat der Stadt Essen. Da in den kommenden Monaten mit einem Anstieg von Asylsuchenden gerechnet wird, überprüft die Stadt derzeit ihre Bestandsimmobilien. Während es sich bei den Behelfsheimen in Frintrop und Dilldorf um kurzfristige Auffangmöglichkeiten handelt, werden dauerhaft drei neue Einrichtungen gebraucht.   Cla.P.

WAZ 05.09.2013 Leserbrief: Helft Flüchtlingen

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WAZ / Essen, Rubrik Leserbriefe,Donnerstag, 05.09.2013

Leserbrief: Helft Flüchtlingen


Asylbewerber-Unterkunft. Angesichts der Not anderer Menschen reagieren manche Bürger reflexhaft: "Hauptsache nicht vor meiner Haustür". Hilfesuchende Menschen werden zu einer bedrohlichen Flut erklärt. Wir sollten froh und dankbar sein, in sicheren Verhältnissen zu leben. Die Mehrheit der Menschen genießt dieses Privileg nicht. Wir haben das Glück, dass wir hier geboren sind und nicht in einem der vielen Länder die von Armut, Gewalt und Krieg gebeutelt sind. Dieses unverdiente Glück wird uns auch Opfer abverlangen. Petra Fiedler, Essen

BN 05.09.2013 Christliches Verständnis für Flüchtlinge aufbringen

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Borbecker Nachrichten / Essen,Donnerstag, 05.09.2013

Christliches Verständnis für Flüchtlinge aufbringen

Leser-Echo zum Thema Walter-Pleitgen-Schule


Zum Thema Walter-Pleitgen-Schule schreibt die frühere Ratsfrau Anneliese Dether aus Frintrop:
Die Berichterstattung über die "Entwicklung" der Walter-Pleitgen-Schule hat mich daran erinnert, dass viele Eltern ja nun mal ihre Grundschulkinder in Oberfrintrop angemeldet haben und dadurch natürlich diese Schule nicht mehr genug Anmeldungen hatte, um eine Eingangsklasse bilden zu können. Schon damals habe ich erwartet, dass das genau die Folgen haben könnte, die es jetzt auch gibt.

Allerdings denke ich auch, dass wir doch das gleiche christliche Verständnis aufbringen sollten, wenn es um die Unterbringung jetzt speziell syrischer Flüchtlinge geht, denn die sind es, die momentan untergebracht werden müssen, wenn es auch nirgendwo Garantien für eine ganz bestimmte Bevölkerungsgruppe geben kann und wird.

Niemand verlässt die angestammte Heimat ohne gravierende, sehr gravierende Gründe, über die wir im Falle ovn Syrien sicher alle genügend durch die tägliche Berichterstattung wissen müssten, oder?

Und niemand kann zu einem Zeitpunkt, wenn noch nicht ein einziger Flüchtling die Unterkunft betreten hat, sagen, welchen Charakter diese Menschen haben werden.

Nur eins ist sicher: sie sind in Not und brauchen Hilfe, manchmal eben auch Hilfe, die uns persönlich mehr oder minder tangiert.

Sollten wir nicht so christlich sein und sie ihnen nicht gewähren?


Zum selben Thema schreibt Bezirks-Kinderbeauftragte Erika Küpper in einem offenen Brief an Sozialdezernent Peter Renzel:

Ich möchte auf die besonderen Bedürfnisse der Kinder aufmerksam machen. Es wird von ca. 100 Personen gesprochen, d.h. möglicherweise von 50 Kindern.

Wenn die Verwaltung beabsichtigt, die Walter-Pleitgen-Schule zu nutzen, bitte ich um Berücksichtigung folgender Vorschläge:

  • Die Außenspielgeräte sind zu erhalten. Sie waren zum Abbau und Aufbau auf anderen Schulhöfen vorgesehen.
  • ich bitte um Freihaltung von zwei Räumen für Spiel- und Bildungsangebote. Das Schulgebäude verfügt über keinerlei zusätzlichen größeren Raum (Turnhalle oder größere Eingangshalle).

Küpper merkt weiter an:
Dass die Stadt Essen - die Großstadt für Kinder - damit dennoch begonnen hat, die Spielgeräte abzubauen, enttäuscht mich sehr und vermutlich alle, die vor Ort Hilfestellung geben wollen.

Ob Schulleiterinnen und Kinder Kinder derjenigen Schulen, die nun die Spielgeräte erhalten sollen, sich darüber freuen können?


Liebe Leser, wir freuen uns über jede Zuschrift an die Borbecker Nachrichten, Markstraße 64, 45355 Essen, E-Mail redaktion<a>borbecker-nachrichten.dePost_icon.png. Bitte vergessen Sie Ihren Namen und Ihre Anschrift nicht. Ihre BN-Redaktion

BN 05.09.2013 Sozialdezernent Renzel will am Mittwoch Auskunft geben

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Borbecker Nachrichten / Essen,Donnerstag, 05.09.2013

Sozialdezernent Renzel will am Mittwoch Auskunft geben


Am Freitag soll die Entscheidung fallen: Dann soll festgestellt werden, ob die Walter-Pleitgen-Schule in Unterfrintrop tatsächlich als Flüchtlingsheim genutzt wird. Man favorisiere den Standort und es sei "sehr wahrscheinlich", dass die ehemalige Schule genutzt werde, war gestern aus dem Rathaus zu hören. Der interne Abstimmungsprozess laufe aber noch. Unterdessen hat Sozialdezernent Peter Renzel in einem Schreiben an Ratsfrau Jutta Eckenbach mitgeteilt, dass er am Mittwoch, 11. September, zu einer Info-Veranstaltung einladen will. Sie soll um 19 Uhr im Gemeindesaal von St. Josef an der Schlenterstraße beginne.

Ein für Anfang der Woche vorgesehenes Treffen mit Eckenbach und Anwohnern hatte Renzel abgesagt.
Bildunterschrift:
Die Gerüchteküche um die Walter-Pleitgen-Schule brodelt munter weiter. Siehe auch Seite 2   Foto: Manfred Kubb

WAZ 04.09.2013 Leserbrief: Warum wir?

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WAZ / Essen, Rubrik Leserforum,Mittwoch, 04.09.2013

Leserbrief: Warum wir?


Asyl in Frintrop. Wir haben Verständnis für die Sorgen von Sozialdezernent Peter Renzel, geeignete Standorte für die zu erwartende Asylanten- und Flüchtlingsflut zu finden. Es stellt sich die Frage, warum die Städte und damit die Bürger direkt mit diesen Problemen belastet werden. Haben wir nicht ausreichen leerstehende Kasernen für die Erstaufnahme bis zur Entscheidung über den Asylantrag? Wäre nicht das Modell wie in Leverkusen - Unterbringung und Integration in Wohnungen unter Mithilfe der städtischen Wohnungsbaugesellschaft - hilfreicher und preiswerter? Ein Asylheim in einem reinen Wohngebiet lässt Zustände wie in Berlin und Duisburg erwarten. Wo werden bei einem auf Dauer geplanten Heim die ab 2014 aus Bulgarien und Rumänien erwarteten Flüchtlinge untergebracht? Wo liegen die angeblich weiteren zur Auswahl und in Prüfung befindlichen Objekte? Können unsere Lokalpolitiker wirklich ein Asylantenheim in einem reinen Wohngebiet verantworten? Wollen sie unseren älteren Mitbürgern (in Frintrop gibt es drei Alten- und Pflegeheime) zumuten, dass sie sich nicht mehr auf die Straße trauen? Wollen sie Hausbesitzer ruinieren, die ihre Mieter verlieren werden? Wollen Sie einen intakten Stadtteil demolieren?

Reinhold Witting, Essen

WAZ 04.09.2013 Stadt muss mehr Asylheime schaffen

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WAZ / Essen,Mittwoch, 04.09.2013

Stadt muss mehr Asylheime schaffen

Zahl der Zuwanderer steigt weiter an


Wegen des raschen Anstiegs der Asylbewerberzahlen muss die Stadt Essen nicht wie bislang bekannt zwei, sondern drei Flüchtlingsunterkünfte für die dauerhafte Unterbringung einrichten. Hergerichtet ist bereits die Behelfsunterkunft in der Kupferdreher Dilldorfschule. Ein weiterer Behelfs-Standort soll, so sickerte jüngst durch, die Frintroper Walter-Pleitgen-Schule sein. Derzeit halten sich rund 700 Asylbewerber in Essen auf, "zum Winter werden es vermutlich 1000 sein. Im kommenden Winter 2014/15 rechnen wir mit 1200 Menschen", sagt Sozialdezernent Peter Renzel. "Um Dauer-Unterkünfte für diese Menschen zu schaffen, brauchen wir für die Herrichtung allerdings mehr Zeit, als wir aktuell haben", so Renzel. Auf der Suche nach einer langfristigen Lösung überprüft die Stadt derzeit zwölf Bestandsimmobilien, ob Walter-Pleitgen- und Dilldorfschule auch als Dauer-Lösung in Frage kommen, war bei der Stadt nicht in Erfahrung zu bringen.

Rund 400 der aktuellen Asylbewerber gehören der Bevölkerungsgruppe der Roma an. Ein Großteil hat bereits zwei Asylverfahren hinter sich - und ist nun im dritten Anlauf hier. "Wie stellen allerdings fest, dass wir bislang immer erst zum Winter Zuwachs hatten. Neu ist, dass in diesem Jahr bereits viele zu Beginn der Sommerferien nach Essen gekommen sind", sagt Renzel. Außerdem steige die Zahl derer, die nach dem Winter nicht nach Serbien oder Mazedonien zurück kehrten.   Cla.P.

WAZ 04.09.2013 WAZ-Mobil in Frintrop zur Asyl-Debatte

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WAZ / Essen,Mittwoch, 04.09.2013

WAZ-Mobil in Frintrop zur Asyl-Debatte

Bürger und Politiker sind eingeladen


Mit Entrüstung reagieren viele Frintroper, als sie erfuhren, dass die Stadt plant, in der Walter-Pleitgen-Schule Im Neerfeld eine Behelfsunterkunft für Asylbewerber einzurichten. Kritisiert wird von Bürgern nicht nur die Informationspolitik der Stadt Essen. Vielmehr sorgen sich Anwohner um steigende Kriminalität und möglicherweise sinkenden Grundstückspreise im Umfeld des Behelfswohnheims. Diskutieren wollen wir hierüber am kommenden Donnerstag, 5. September, ab 18 Uhr, am WAZ-Mobil mit Bürgern und Vertretern aus der Politik. Zugesagt haben bereits CDU-Ratsfrau Jutta Eckenbach sowie die Grünen-Politikerin Christine Müller-Hechfellner. Darüber hinaus werden Vertreter aus dem Sozialdezernat der Stadt, das für die Unterbringung der Flüchtlinge zuständig ist, anwesend sein. Eingeladen haben wir auch Vertreter der Polizei. Den Standort des WAZ-Mobils geben wir in unserer morgigen Ausgabe bekannt.

NRZ 04.09.2013 "Niemand sagt: Baut doch bitte hier"

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NRZ / Essen,Mittwoch, 04.09.2013

"Niemand sagt: Baut doch bitte hier"

Sozialdezernent Peter Renzel verteidigt die Haltung der Stadt, erst Standorte prüfen, bevor man die Bevölkerung einbindet. "Sonst gibt es noch mehr Verunsicherung auch in anderen Stadtteilen"


von Wolfgang Kintscher

Dass sie ihn mit Walter Ulbricht in Verbindung bringen - das wird Peter Renzel ganz und gar nicht gefallen. "Niemand hat die Absicht, ein Heim zu errichten", mit diesem an die Mauer-Lüge erinnernden Transparent verspotteten Anwohner der Walter-Pleitgen-Schule in Frintrop seit gestern die "haarsträubende Informationspolitik" des Sozialdezernenten, die sie in einem anderen Transparent zu der Behauptung verdichten: "Stadt Essen hintergeht Frintroper Bürger".

Als willkommener Beweis dient Rainer Wittman und seiner Initiative die kurzfristige Absage Renzels, an einem Ortstermin teilzunehmen, zu dem CDU-Ratsfrau Jutta Eckenbach für gestern eingeladen hatte. Damit sei klar, so heißt es, dass man erst mit den Bürgern sprechen wolle - am 11. September nämlich -, wenn die Entscheidung über die Schule als Standort für eine Behelfs-Asylunterkunft gefallen sei.


"Ich werde die
Pläne selber er-
läutern. Ich habe
keine Angst vor
Bürgern."
Peter Renzel,
Sozialdezernent

Sozialdezernent Renzel verteidigte gestern sein Vorgehen, um nicht noch "weitere Irritationen und Befremden" auszulösen.

Sicher sei manches "unglücklich gelaufen", schob er im Gespräch mit der NRZ hinterher, dass man die Menschen in Frintrop verunsichert habe, "das war nicht gewollt". Und dennoch: Renzel sieht einen unauflöslichen Widerspruch zwischen dem Informationsbedürfnis der Menschen vor Ort und einer seriösen Asyl-Planung in der Sozialverwaltung: "Es gibt keinen einzigen Stadtteil, in dem die Leute sagen: Baut doch bei uns."

Um deshalb nicht an allen Prüfstandorten für Verunsicherung zu sorgen, halte man die Standort-Information zunächst unter Verschluss und prüfe, wo sich welche Immobilien zur Unterbringung der Asylsuchenden eignen. Und weil "ein ganzer Rattenschwanz von Verwaltungsprozessen daran hängt", sei wohl kaum zu verhindern, dass zuvor Informationen durchsickern - mit bekannten Folgen.

Auch den Hinweis, man habe doch vor Jahresfrist noch über leer stehende Notunterkünfte verfügt, lässt Renzel nicht gelten: Diese Standorte hätten zum Teil über Jahre leer gestanden und hätten sich mancherorts zu regelrechten Schandflecken des Stadtteils entwickelt: "Ich kann verstehen, wenn die Politik im Bezirk sagt: Wir wollen die nicht mehr haben."

Auch sei die jetzt sich abzeichnende Entwicklung der Asyl-Fälle nicht absehbar gewesen: "Alle Städte haben das gleiche Problem, alle sind überrascht worden. Es gab keine Anzeichen dafür, dass sich die Zahlen so entwickeln. Es ist nicht so, dass wir gepennt hätten."

Wo einst Kapazitäten für mehrere tausend Zuwanderer vorgehalten wurden, zählt man in Essen jetzt gerade mal rund 700 Personen, die Asyl suchen, davon 404 Serben und Mazedonier - im Wesentlichen Roma -, die nach allen Erfahrungen keine Aussicht darauf haben, Asyl zugesprochen zu bekommen. Dennoch gibt es zunächst die Unterbringungs-Pflicht.

Neben der Dilldorfschule in Kupferdreh und einer Behelfsunterkunft - das dürfte die Walter-Pleitgen-Schule werden - sucht die Stadt deshalb nach drei weiteren Standorten für Regelunterkünfte.

Diese Situation werde er bei der Bürgerversammlung am 11. September den Frintroper Bürgern erläutern, und zwar persönlich, kündigte Renzel gestern an. Und trat damit Behauptungen entgegen, er habe den gestrigen Ortstermin "aus Feigheit" abgesagt, wie die Initiative ätzt. Renzel widerspricht energisch: "Ich habe keine Angst vor Bürgern."
Bildunterschrift:
Beißender Spott: Die Anwohner der Walter-Pleitgen-Schule in Frintrop fühlen sich von der Sozialverwaltung hinters Licht geführt.   FOTO: WK

NRZ 03.09.2013 Leserbrief: Enttäuschend

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NRZ / Essen, Rubrik Leser-Klartext,Dienstag, 03.09.2013

Leserbrief: Enttäuschend


Asyl-Unterkunft. Es wird davon gesprochen, dass in der Walter-Pleitgen-Schule 100 Personen unterkommen sollen, darunter möglicherweise 50 Kinder. Dennoch hat die "Großstadt für Kinder" damit begonnen, die Spielgeräte abzubauen. Das enttäuscht mich sehr und vermutlich alle, die vor Ort Hilfestellung geben wollen. Ob die Schulleiterinnen und Kinder derjenigen Schulen, die nun die Spielgeräte erhalten sollen, sich darüber freuen können? Ich bitte darum um Berücksichtigung folgender Vorschläge: Die Außenspielgeräte, die zum Ab- und Aufbau auf anderen Schulhöfen vorgesehen waren, sind zu erhalten. Ich bitte um Freihaltung von zwei Räumen für die Durchführung von Spiel- und Bildungsangeboten. Das Schulgebäude verfügt über keinerlei zusätzlichen Raum (Turnhalle oder größere Eingangshalle).

Erika Küpper, Bezirkskinderbeauftragte

NRZ 31.08.2013 Frintroper Schule wird Asylunterkunft

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NRZ / Essen,Samstag, 31.08.2013

Frintroper Schule wird Asylunterkunft

Auch in Heisingen sind Bürger beunruhigt


Die Walter-Pleitgen-Schule in Frintrop wird Notunterkunft für Asylbewerber. Darauf haben sich die zuständigen Fachbereiche der Stadtverwaltung verständigt, erfuhr die NRZ. Die Entscheidung will die Stadt demnach bis zum 6. September bekannt geben. Am 11. September soll dazu in Frintrop eine Bürgerversammlung stattfinden. Der Bedarf an zusätzlichen Plätzen ist damit längst nicht gedeckt. Für die Jahre 2013/14 rechnet Sozialdezernent Peter Renzel mit 1200 Asylbewerbern. In den Unterkünften gibt es derzeit 720 Plätze. Derweil sorgen sich Bürger in Heisingen, auch das ehemalige Landschulheim an der Oberen Aue könne Asylunterkunft werden.   Bericht Stadtteil-Seiten

NRZ 31.08.2013 Alles nur (k)ein Gerücht

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NRZ / Essen,Samstag, 31.08.2013

Alles nur (k)ein Gerücht

Fachämter einig: Walter-Pleitgen-Schule wird Notunterkunft. Stadt muss fast 500 weitere Plätze schaffen


Von Jörg Maibaum

Die Stadt scheint sich derzeit alle Mühe zu geben, die Gerüchteküche rund um die Walter-Pleitgen-Schule als künftige Notunterkunft für Flüchtlinge in Unterfrintrop weiter anzuheizen. Fingerspitzengefühl geht jedenfalls anders: Bagger rissen gestern Findlinge aus dem Boden des Spielplatzes, dessen brauchbare Geräte schon bald der Reuenbergschule vererbt werden könnten, und die städtische Immobilienverwaltung schickte Sicherheitspersonal auf Patrouille, weil man besorgt ist um die Unversehrtheit des Gebäudes.

Am Montag soll die Küche abgebaut werden. Doch möglicherweise wird diese Aktion verschoben, um den Verdacht der Anwohner nicht noch weiter zu schüren, dass sie die Verlierer in einem abgekarteten Spiel sein könnten, während beteuert wird, es sei doch noch gar nichts passiert. Ist es auch nicht, außer fatalen Kommunikationsfehlern in der Stadtverwaltung.


"Die Dilldorf-
schule muss im
September in
Betrieb genommen
werden
Peter Renzel, Dezernent

Dennoch: Nach NRZ- Informationen sind sich alle Verantwortlichen der städtischen Fachbereiche einig. Die Walter-Pleitgen-Schule wird zur Notunterkunft für rund 100 Flüchtlinge. Eine offizielle Entscheidung darüber wird spätestens am 6. September verkündet, teilte Sozialdezernent Peter Renzel jetzt den Ratsfraktionen in einem Schreiben mit, das dieser Zeitung vorliegt. Und es gibt ein weiteres Indiz dafür, dass der Tag der Wahrheit näher rückt: am 11. September soll eine Bürgerversammlung in Frintrop stattfinden. So viel Aufwand betreibt niemand, der Bürgern einen Abschied von seinen Plänen verkünden möchte.

Es wird wohl nicht die letzte Informationsveranstaltung dieser Art vor meist aufgebrachten Anwohnern sein: Die Stadt ist inzwischen davon überzeugt, dass sie weitaus mehr Platz für Asylbewerber schaffen muss, als bisher angenommen. "Es muss aus heutiger Sicht davon ausgegangen werden, dass der Zuzug weiter anhält und im Winter 2013/14 ein Bedarf von rund 1000 Plätzen entsteht", heißt es unmissverständlich in dem Schreiben Renzels. Im kommenden Jahr rechnet der Sozialdezernent mit 1200 Menschen, die in Essen ein Dach überm Kopf bekommen müssen.

Zur Erinnerung: In den zehn regulären Unterkünften stehen etwa 720 Plätze zur Verfügung. "Das bedeutet, dass unsere bestehenden Kapazitäten im September erschöpft sind". schreibt Renzel: "Die Dilldorfschule muss daher schon im September in Betrieb genommen werden." Ende Oktober, so die Prognose, werden auch diese 80 Plätze in Kupferdreh belegt sein, was heißt: "Der weitere Bedarf kann nur mit der kurzfristigen Bereitstellung mindestens einer weiteren Behelfsunterkunft gedeckt werden."

Zugleich sollen zwar wann immer möglich Flüchtlinge in Wohnungen vermittelt werden. Doch wird die Stadt nach eigener Einschätzung trotz solcher Bemühungen, die zum Beispiel in Leverkusen ein großer Gewinn für den sozialen Frieden sind, nicht darum herumkommen, weitere "reguläre Asylunterkünfte" durch Umbau bestehender Standorte oder auch Neubauten zu schaffen. So jedenfalls schätzt der Sozialdezernent die Lage zurzeit ein.

Während die Politik inzwischen dazwischen grätscht und das "Kommunikationsdesaster der Ämter" rund um die Walter-Pleitgen-Schule zu beenden, wehen von Heisingen aus bereits neue Gerüchte herüber. Das ehemalige Landschulheim an der Oberen Aue sei als Asylunterkunft im Gespräch. Das, so heißt es bei der Stadt, sei aber nun wirklich ein Gerücht...


Asyl in Zahlen

Zwischen dem Beginn der Sommerferien und dem 28. August sind der Stadt insgesamt 234 Asylbewerber zugewiesen worden. 703 Menschen leben zurzeit in den regulären Unterkünften. Im August 2012 zählte die Sozialverwaltung stadtweit 455 Flüchtlinge


Bildunterschrift:
Dass ein Bagger gestern einige Findlinge im Vordergrund entfernte, entging den Anwohnern der Walter-Pleitgen-Schule nicht. Selbst in der Stadtverwaltung blieb gestern unklar, was die Aktion sollte und wer sie veranlasst hat. FOTO: SEBASTIAN KONOPKA

NRZ 31.08.2013 Misstrauen in Heisingen

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NRZ / Essen,Samstag, 31.08.2013

Misstrauen in Heisingen

Eine Begehung des Schullandheim Obere Aue lässt manche Bürger auch hier über ein geplantes Asylheim spekulieren. Die Stadt sagt auf Anfrage - nichts


Von Dominika Sagan

Heisingen. Von vorm versperren Gitter die Fenster, die Fassade vergammelt, hinter dem Bau wuchert das Gestrüpp: Pläne gab es einige für das ehemalige Schullandheim in Heisingen: Hostel für Radwanderer oder Kita etwa. Die Lage immerhin direkt am Baldeneysee ist traumhaft. Allein: Passiert ist jahrelang nichts. Bis vergangenen Donnerstagmorgen dann die Tür offen stand. Darin fand offenbar ein Begehung statt, die jetzt bei einigen Fragen aufwirft, anderen gar Sorgen bereitet.

Mögliche Standorte werden geprüft

Das Reizwort "Asylheim" machte schnell die Runde. Abgrundtiefes Misstrauen gegen die Stadt ist unter den Nachbarn herauszuhören, befeuert erst recht seit den Vorgängen in Frintrop.

Richtig ist: Die Stadt prüft derzeit alle möglichen Standorte für Asylbewerber, sagt aber nicht welche. Schon in Frintrop fühlten sich die Bürger übergangen. Und auch die Heisinger wollen informiert werden, sagen sie, für die es nun da unten am See Thema geworden ist. Auf Nachfrage dieser Zeitung teilt Stadtsprecherin Nicole Mause mit: "Keine Auskunft zum Standort Obere Aue." Immerhin kamen einige Spaziergänger kurz mit den zwei Frauen ins Gespräch, die das Heim vor zwei Tagen inspizierten. Die hätten von einer Art Schullandheim gesprochen, von Lehrern, Schülern und von 100 000 Euro Sanierungskosten sowie Migranten und nicht so hohen Ansprüchen, erinnert sich eine Heisingerin. Die Damen vor Ort habe ein Elektriker begleitet, wohl wegen eines "Kostenvoranschlags".

"Was passiert hier", wollen nun die wissen, die diesen Termin mitbekommen haben. Andere haben davon gehört. Und einige haben das Gefühl, die Stadt spiele nicht mit offenen Karten: "Warum bekommen wir keine Informationen?", fragen sie sich. Was sie skeptisch macht: die Summe der Investitionen. Denn bislang schätzten etwa der Sozialdienst Katholischer Frauen (SkF) und der CVJM, die 2010 dort ein Rad-Hostel planten, die Sanierungskosten auf rund eine Million Euro. So wurde aus der Idee nichts, denn die Ausgaben wären mit diesem Plan nicht zu erwirtschaften gewesen, sagt SkF-Geschäftsführer Björn Enno Hermans. Auch die Diakonie, die einst das Heim für die Stadtranderholung mietete, hat keinerlei Pläne für den Bau, sagt Sprecher Bernhard Munzel. Ob der nicht doch wieder als Kita-Standort geprüft werde, den im Frühjahr noch die Bezirksvertreter auf der Liste hatten, fragt Hermans. "Das kann die Stadt uns doch mitteilen", wundern sich manche Bürger. Sie wollen am Ball bleiben und vor allem im Vorfeld erfahren, was vor ihrer Haustür passiert.

Pläne für Rad-Hostel scheiterten


  • Der SkF wäre grundsätzlich an einem sozialen Projekt im ehemaligen Schullandheim interessiert, sagt Geschäftsführer Björn Enno Hermanns. Allein eine Lösung für die Wirtschaftlichkeit fehle.
  • Geplant war 2010 ein Rad-Hostel mit 42 Betten in Zwei- und Dreibetttzimmern. Eine kleine Reparatur-Station war zudem gedacht. Als der CVJM ausstieg, habe der SkF neue Partner gesucht

Bildunterschrift:
Das ehemalige Schullandheim in Heisingen: traumhaft gelegen und völlig vernachlässigt.   FOTO: NICOS KIMERUS

WAZ 30.08.2013 Nur Einsätze wegen Ruhestörung

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WAZ / Essen,Freitag, 30.08.2013

Nur Einsätze wegen Ruhestörung

Polizei: "Kein Flüchtlingsheim bereitet Kopfzerbrechen". Lob für die Stadt


Von Gerd Niewerth

Die Sorgen in der Bürgschaft vor überfüllten Flüchtlingsheimen wachsen. Und mit ihnen die Angst vor Kriminalität und Krawall, vor Prostitution und Vermüllung. Eine Horrorvorstellung, die in Essen offenbar ziemlich unberechtigt ist. Denn aus Sicht der Polizei geht's in den Essener Asylbewerberheimen weitgehend ruhig zu. Kriminalität? Fehlanzeige.

"Keine einzige Unterkunft bereitet uns Kopfzerbrechen, wir haben nirgendwo Brennpunkte zu beklagen", sagt der Polizeisprecher Peter Elke. Auf Anfrage dieser Zeitung verschaffte sich das Präsidium jetzt einen detaillierten Überblick über die Lage in allen vier Inspektionen (Nord, Süd, Stadtmitte und Mülheim) mit über einem Dutzend Hauptwachen. Beruhigendes Fazit dieser Umfrage: Obwohl die Flüchtlingsheime vor allem wegen des starken Zustroms aus Serbien und Mazedonien aus allen Nähten platzen, sind sie entgegen vielfacher Sorgen nicht Ausgangspunkte für Straftaten.

Die Vorkommnisse, die die Polizei auf den Plan riefen, fallen demnach eher unter die Kategorie "unspektakulär". "Es gibt immer wieder Einsätze wegen Ruhestörung", sagt Peter Elke, und fügt hinzu: Solche Klagen kommen allerdings überall im Stadtgebiet vor, nicht nur wegen Asylbewerberheimen." Mal riefen Hausbewohner die Polizei zur Hilfe, weil der Wohnungs- oder Zimmernachbar zu laut sei. Mal beschwerten sich genervte Anwohner, weil jemand spät abends seinen Teppich ausklopfe. Klagen gestresster Anwohner wurden zuletzt laut in der Umgebung des Asylheims Sartoriusstraße, das Pro Asyl zu den vorbildlich ausgestatteten Einrichtungen zählt. Der Grund: Immer wieder parken in der Nacht Lastwagen mit laufenden Motor vor dem Haus.

Während Ängste und Sorgen andernorts in Wut und Hass auf Asylbewerber umschlagen, gibt der Lagebericht des Essener Polizeipräsidiums eher Entwarnung. Überrascht hat dies die Verantwortlichen aber nicht. "Die Stadt Essen bemüht sich, die Asylbewerber übers ganze Stadtgebiet zu verteilen", lobt Elke, und ergänzt: "So wird Ghettobildung vermieden."

WAZ 29.08.2013 Leserbrief: In Wohnungen

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NRZ / Essen, Rubrik Leserbriefe,Donnerstag, 29.08.2013

Leserbrief: In Wohnungen


Probleme mit Asylbewerbern.

Wenn Asylanten in Massenunterkünften mit einer Unzahl an Hochbetten und unterschiedlichen Herkunftsländern untergebracht werden sind Konflikte vorprogrammiert. Dass es anders geht, zeigt das Beispiel Leverkusen, wo Flüchtlinge in Wohnungen untergebracht werden. Das fördert die Integration und das Zusammenleben verschiedener Kulturen. Wenn wir schon nicht in der Lage sind, Kriegsherde einzudämmen oder zu verhindern, sollten wir wenigstens dafür sorgen, dass Flüchtlinge und Hilfesuchende menschenwürdig untergebracht werden. Ulrich Klös, Essen

WAZ 28.08.2013 Leserbriefe: Keinen Spaß / Besseres verdient

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WAZ / Essen, Rubrik Leserbrief,Mittwoch, 28.08.2013

Leserbriefe: Keinen Spaß / Besseres verdient


Keinen Spaß

Asyl in Frintrop. Das Problem muss grundsätzlicher gelöst werden, indem die Entwicklungshilfe-Politik Armuts-Asylanten weitgehend verhindert und die Außen- und Waffenexport-Politik Kriegs-Asylanten auf ein Minimum reduziert. Denn es macht den Menschen, die zu uns fliehen müssen, ebensowenig Spaß, in einem fremden Land mit fremder Kultur zu leben, wie es vielen Anwohnern Spaß macht, mit Menschen aus fremden Kulturen die Nachbarschaft zu teilen. Dazu kommen noch die Erfahrungen aus den Folgen, dass Asylanten nicht arbeiten dürfen.

Udo Derlath, Essen


Besseres verdient

Asyl in Frintrop. Statt über fundierte Informationen und Transparenz beruhigend auf die Frintroper einzuwirken, stammeln Frau Eckenbach und Co. nur was von einer noch nicht vorhandenen Ratsvorlage. Die Frintroper haben bessere Vertreter verdient. Und was macht eigentlich der Integrationsbeauftragte der Stadt so den ganzen Tag?

Karl Kunkel, Essen

NRZ 27.08.2013 Leserbrief: Nichts gelernt?

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NRZ / Essen, Rubrik Leserbrief,Dienstag, 27.08.2013

Leserbrief: Nichts gelernt?


Asyl. Hat Herr Renzel nichts gelernt aus der Sache an der Lohstraße? Die Bürger in Frintrop kann und darf man nicht verrückt machen, was man aber tut von der Verwaltung. Und dass Lokalpolitiker gar nicht wissen, darf man so nicht sehen, sie dürfen nur nichts sagen, bis was spruchreif ist, ansonsten entbindet man sich von der Schweigepflicht als Lokalpolitiker der BV. So ist die Situation in Frintrop zu sehen. Ferner ist doch mit Duschcontainern sehr unwürdig, wenn Menschen sich dann draußen waschen sollen. Da könnte man eher doch mal sehen, wo Wohnungen leerstehen, die man nutzen könnte. Da gibt es doch hier bei uns in Essen genug von, die keiner anmieten möchte. Wenn man die renoviert und etwas aufhübscht, sehen die wohl würdige aus als eine Schule oder Turnhalle. Und die Schule könnte man hier doch besser für Kinder- und Jugendarbeit für den Stadtteil nutzen. Das ist wesentlich besser.

Olaf Jasser, Essen

WAZ 27.08.2013 "Wir wussten von nichts" / Kommentar: Die Bürger mitnehmen

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WAZ / Essen,Dienstag, 27.08.2013

"Wir wussten von nichts"

CDU-Sozialpolitikerin Jutta Eckenbach hadert mit der Kommunikationspolitik der Stadt beim Thema Asyl. Dort nimmt man sich davon nichts an


von Markus Schymiczek

Wird die ehemalige Walter-Pleitgen-Schule in Frintrop zur Notunterkunft für Asylbewerber wie es zahlreiche Anwohner befürchten? Im Stadtteil brodelt die Gerüchteküche. Sozialdezernent Peter Renzel zeigte sich gestern im Gespräch mit der Redaktion bemüht, die Temperatur wieder auf Sparflamme herunterzudrehen: Das Schulgebäude an der Straße Im Neerfeld sei einer von mehreren Standorten, die derzeit geprüft werden. Eine Entscheidung kündigte Renzel für die kommenden 14 Tage an. Sollte es am Ende tatsächlich auf die leergezogene Walter-Pleitgen-Schule hinauslaufen, wäre dies keine Überraschung. Die Zahl an leerstehenden Immobilien, die kurzfristig für den gewünschten Zweck zur Verfügung stehen, scheint überschaubar. Und: Laut Renzel muss sich die Stadt darauf einstellen, dass die Zahl an Asylbewerbern weiter steigt - Prognosen zufolge auf 900 Personen bis zum Winter. Das wären rund 200 Asylsuchende mehr als ein Jahr zuvor. Die Behelfsunterkunft in Kupferdreh-Dilldorf wird die Stadt deshalb voraussichtlich ab Oktober belegen. Auch damit wird es auf Sicht nicht getan sein. "Wir brauchen auf Dauer nutzbare Einrichtungen", betont Renzel.


"Es werden mehr
Asylsuchende zu
uns kommen"
Peter Renzel, Sozialdezernent

Kritik an der Informationspolitik der Verwaltung, wie sie Jutta Eckenbach, sozialpolitische Sprecherin der CDU-Ratsfraktion formuliert hat, weist der Dezernent gleichwohl zurück. Erst wenn alle Fakten geprüft seien, werde er die betroffenen Anwohner informieren. Für Mitte September stellte Renzel eine Bürgerversammlung in Aussicht. Dann dürfte der Sozialdezernent mehr zu sagen haben, als CDU-Ratsfrau Eckenbach und Bezirksbürgermeister Helmut Kehlbreier (SPD) auf einer Bürgerversammlung am vergangenen Donnerstag in Frintrop. "Wir wussten von nichts", so Eckenbach. Dass die Walter-Pleiten-Schule, wie vor Ort kolportiert, bereits umgebaut werde, stellte Renzel gestern allerdings in Abrede. Lediglich das Schulmobiliar werde abtransportiert. Umbauten sind nach Aussage der Stadtsprecherin auch nicht geplant.

Was nicht ist, kann noch werden. Wie Renzel erläutert ist die gesetzliche Aufnahmequote der Stadt für Asylbewerber inzwischen auf 85 Prozent gesunken, nachdem Essen diese noch im vergangenen Jahr aufgrund der hohen Zahl von Asylbewerbern, die zu wiederholten Mal einen Antrag gestellt hatten, übererfüllt hatte. Das heißt: Essen werden wieder mehr Flüchtlinge zugewiesen. Es gehe nicht um Roma aus Serbien und Mazedonien, so Renzel, sondern um Menschen aus Syrien, Ägypten und dem Irak.


Kommentar: Die Bürger mitnehmen

von Markus Schymiczek

Die Zahl der Asylbewerber steigt. Viele Bürger sehen dies mit Sorge. In Frintrop genügte offenbar der Besuch einer Mitarbeiterin der städtischen Immobilienwirtschaft in der Walter-Pleitgen-Schule, um die Gerüchteküche anzuheizen: das leergezogene Schulgebäude könnte als Notunterkunft genutzt werden. So falsch liegen Anwohner damit offenbar nicht. Sozialdezernent Renzel bemüht sich, die aufgebrachten Gemüter zu beruhigen: Noch sei nichts entschieden.

Der Mann hat recht: Welchen Standort auch immer die Stadt ins Auge fasst - Applaus werden die Verantwortlichen kaum erwarten können. Eben deshalb wäre es angesagt gewesen, die politischen Entscheidungsträger vor Ort frühzeitig in die Überlegungen einzuweihen statt sie -wie augenscheinlich in Frintrop geschehen - im Ahnungslosen zu belassen. Wer so leichtfertig handelt, läuft Gefahr, das Feld politischen Brandstiftern zu überlassen.

Stattdessen tut Aufklärung Not. Denn die Zahl an Asylbewerbern - sie wird steigen. Die Bilder aus Syrien und Ägypten lassen keinen anderen Schluss zu.
Bildunterschrift:
Die Stadt hat die Walter-Pleitgen-Schule in Frintrop als Behelfsunterkunft für Asylbewerber ins Auge gefasst. Denn deren Zahl steigt.   FOTO: MÜLLER

NRZ 26.08.2013 Sozialverwaltung gerät zunehmend unter Druck

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NRZ / Essen,Montag, 26.08.2013

Sozialverwaltung gerät zunehmend unter Druck

Asyl: CDU übt massive Kritik an der Informationspolitik. Schule war Gestapo-Lager


Von Jörg Maibaum

"Die Info-Politik schreit zum Himmel." Mit harscher Kritik hat die sozialpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion auf das "schlechte Krisenmanagement" der Stadtverwaltung bei der Suche nach Asyl-Notunterkünften reagiert: "Da ist was schief gelaufen", sagte Jutta Eckenbach: Es müsse ämterübergreifend vernünftig gearbeitet werden. "Das muss geordneter laufen."

In dieser Woche will sich die Ratsfrau zusammen mit Sozialdezernent Peter Renzel und einigen Anwohnern der Walter-Pleitgen-Schule treffen, die nach NRZ-Informationen die bislang einzig greifbare Möglichkeit ist, um unter den Kriterien möglichst geringer Kosten und schneller Umsetzbarkeit einen größere Zahl von Flüchtlingen unterzubringen. Dann sollen alle vorhandenen Informationen auf den Tisch. Zudem will Eckenbach schnellst möglich die Liste der übrigen geprüften Standorte einsehen.

Wie berichtet, bietet das Gebäude nach Berechnungen der Stadt Platz für rund 100 Menschen. Da die sanitäre Ausstattung zu wünschen übrig lässt, sollen auf dem Gelände Duschcontainer aufgestellt werden, wobei dafür nach Informationen von Anwohnern drei Kastanien gefällt werden sollen. Die Gerüchteküche brodelt. Angeblich soll bereits länger feststehen, dass die Walter-Pleitgen-Schule von der Liste der Wahllokale für den bundesweiten Urnengang im September gestrichen worden sei.

Unterdessen haben Frintroper Geschäftsleute dem Protest von mittlerweile drei Initiativen ein öffentliches Forum gegeben: "Die Werbegemeinschaft Frintrop stellt diesen Schaukasten den Bürgerinitiativen unentgeltlich zur Verfügung" steht da schwarz auf weiß unter Glas gegenüber des Lebensmittel-Marktes Plassmann.

Mit einem Foto von einer Gedenktafel an der historisch belasteten Walter-Pleitgen-Schule wollen die Anwohner deutlich machen, wie fern ihnen rechtes Gedankengut und rassistische Ressentiments sind, aber auch daran erinnern, dass das Gebäude (wie rund 350 in der Stadt) während des Nazi-Terrors im Jahr 1944 ein Straflager der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) war. Die Häftlinge waren Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter und Geiseln. "Sie waren unmenschlich untergebracht, wurden grausam behandelt und völlig unzureichend ernährt", heißt es auf dem Schild. Essens verstorbener Stadthistoriker Ernst Schmidt hatte die schrecklichen Zustände in dem Lager in einem seiner vielen Beiträge einmal beschrieben unter dem Titel: "September 1944 in Frintrop. Eine Schule wird zur Hölle." Der Bevölkerung war es damals unter Androhung schwerer Strafen strikt verboten, den Insassen zu helfen. Doch auf dem Schild ganz unten noch etwas: "Dennoch gaben viele Bürger Frintrops den Gefangenen Zeichen ihrer Solidarität."

NRZ 24.08.2013 Keine wirkliche Asyl-Alternative

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NRZ / Essen,Samstag, 24.08.2013

Keine wirkliche Asyl-Alternative

Warum die Anwohner der Walter-Pleitgen-Schule mit ihren Vermutungen nicht so falsch liegen


Von Jörg Maibaum

Auch wenn in der Diskussion um zusätzliche Notunterkünfte für Asylbewerber nach Darstellung der Stadt noch keine offizielle Entscheidung gefallen ist: Die leergezogene Walter-Pleitgen-Schule in Unterfrintrop ist nach NRZ-Informationen der bislang einzige Standort, an dem eine kurzfristige Unterbringung der Menschen, die Essen in den kommenden Wochen zugewiesen werden, möglich erscheint. Es gibt zurzeit in der Tat keine erkennbare Alternative, heißt es dazu im Rathaus

Reges Treiben auf dem Schulhof

Die anderen der rund ein Dutzend Gebäude, die untersucht werden, sind in einem zum Teil viel schlechteren Zustand. Und eine Immobilie als dauerhaften Standort herzurichten nehme etwa ein halbes Jahr in Anspruch. So viel Zeit scheint man nicht zu haben im Rathaus, wo damit gerechnet wird, bereits im Oktober neue Flüchtlinge durch das Land zugewiesen zu bekommen.

Seit Tagen beobachten Anwohner ein reges Treiben auf dem Schulhof an der Straße im Neerfeld. Mittlerweile stehen dort Container, die aufmerksame Beobachter wie den Anwohner Rainer Wittmann, der am Donnerstag eine Bürgerversammlung "mit 200 Teilnehmern" organisierte, vermuten lassen, "dass die Bauarbeiten bereits im vollen Gange sind".

Was die Stadt allerdings in Abrede stellt. Die Schule, die erst seit Beginn der Sommerferien keine mehr ist, werde ausgeräumt. Jedoch sei in das Gebäude noch kein einziger Euro gesteckt worden.

Auch wenn sich der Standort in Unterfrintrop nach Auffassung der Experten für eine dauerhafte Unterbringung von Flüchtlingen nicht eigne, ist er als Behelfsunterkunft erste Wahl. Das Gebäude ist an Dach und Fach intakt, die Kosten möglicherweise anfallender Sanierungs- und Umbauarbeiten dürften sich in überschaubaren Grenzen halten. Zumal sich die sanitären Anlagen in einem guten Zustand befinden sollen. Einziges Manko: In der Schule gibt es keine adequaten Waschgelegenheiten. Doch auch für dieses Problem scheint die Stadt bereits eine Lösung parat zu haben: Duschcontainer auf dem Gelände aufzustellen, gilt als durchaus machbar.

Rund 100 Asylbewerber könnten nach Berechnungen der Stadt in der früheren Schule untergebracht werden. Das ist ziemlich genau die Zahl von Plätzen, die voraussichtlich benötigt werden, um um mit einem einzigen neuen Standort über den Winter zu kommen, wie es heißt. Die Kalkulation der Kommune ist eine einfache: in den aktuell zur Verfügung stehenden Asyl-Heimen können 720 Menschen leben. 80 Plätze stehen in der bereits durchsanierten Behelfsunterkunft ehemalige Dilldorfschule in Kupferdreh zur Verfügung, die als nächstes belegt wird. Macht summa summarum: 800 Plätze. Fehlen also noch 100, damit die Rechnung der Stadt aufgeht, die nach eigenen Angaben davon ausgeht, im kommenden Winter für 900 Flüchtlinge ein Dach über dem Kopf vorhalten zu müssen.
Bildunterschrift:
Obwohl Container auf dem Schulhof stehen, gebe es keine Umbauarbeiten, so die Stadt. Die Schule wurde leer geräumt   FOTO: MORITZ STOFFELSHAUS

NRZ 24.08.2013 Kommentar: Vor (fast) vollendete Tatsachen gestellt

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NRZ / Essen, Rubrik Kommentar "In diesen Tagen",Samstag, 24.08.2013

Vor (fast) vollendete Tatsachen gestellt


Von Jörg Maibaum

Da mag die Stadt noch so oft beteuern, über eine mögliche Notunterkunft für Flüchtlinge in Unterfrintrop sei noch nicht abschließend entschieden - Die Anwohner fühlen sich schon jetzt vor (fast) vollendete Tatsachen gestellt.

Und so falsch liegen sie damit offenbar nicht. Alle Fakten sprechen für den Standort Im Neerfeld.

Folglich ist das Vertrauen in die Verantwortlichen ramponiert. Reißen Politiker und Verwaltung das Ruder nicht schnell herum, wird die öffentliche Meinung eine Richtung einschlagen, die niemandem recht sein kann.

Schon jetzt läuft die Sozialverwaltung Gefahr, durch einen Mangel an Information und Transparenz einen Raum zu schaffen für Ängste und diffuse Ressentiments.

Nichts gelernt aus den Erfahrungen an der Lohstraße, möchte man meinen, als Knall auf Fall Roma in einer Turnhalle untergebracht wurden und Sozialdezernent Peter Renzel Besserung bei der künftigen Informationspolitik gelobte.

Jetzt bleibt ihm nicht mehr viel Zeit, um ein ehrliches Gespräch mit den Anwohnern zu führen, bevor sich die Fraktion der Rechtsaußen des Themas annimmt, um Kapital aus den Befürchtungen der Menschen vor Ort für ihre rassistische Hetze zu schlagen.

Die Frintroper Bürger sollten solcherlei Parolen nicht auf den Leim gehen, sondern vielmehr den Schulterschluss mit der Stadt üben und dabei ihr Recht auf ehrliche Informationen einklagen. Durchaus wahrscheinlich ist, dass sie am Ende dennoch für eine gewisse Zeit mit Flüchtlingen vor der Haustür leben müssen. Das erfordert Toleranz und die vorhandene Bereitschaft der Stadt gleichermaßen, den Prozess einer vorübergehenden Nachbarschaft gemeinsam mit Anwohnern, Kirchenvertretern, Flüchtlingshelfern und - wenn nötig - auch der Polizei zu moderieren, damit eins allen erspart bleibt: Derart unsägliche Bilder, wie sie aus Berlin-Hellersdorf um die Welt gingen, oder von Nachtwachen aus Angst vor Übergriffen vor einem Roma-Haus in Duisburg - die wollen wir in Essen nicht sehen.

NRZ 24.08.2013 "Die veräppeln uns hier alle"

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NRZ / Essen,Samstag, 24.08.2013

"Die veräppeln uns hier alle"

Bei einer Bürgerversammlung in Frintrop kam die Wut hoch über den Plan, in der Walter-Pleitgen-Schule Asylbewerber anzusiedeln. Politiker wurden beschimpft


Von Frank-Rainer Hesselmann

Frintrop. "Warum sind Sie eigentlich Politiker, wenn Sie von dem, was hier passiert, nichts wissen?" Diese emotionsgeladene Frage ruft ein Teilnehmer der Bürgerversammlung zu Thema "Neues Wohnheim für Asylbewerber in Unterfrintrop" den anwesenden Politikern entgegen. Zuvor haben Jutta Eckenbach, CDU-Ratsfrau, und Bezirksbürgermeister Helmut Kehlbreier (SPD) mehrmals versichert: "Es gibt keinen Ratsbeschluss, dass Asylbewerber in der früheren Walter-Pleitgen-Schule untergebracht werden sollen." Tatsächlich prüft die Verwaltung derzeit 17 Standorte im Stadtgebiet, eine Entscheidung ist noch nicht gefallen. Trotzdem glauben die Frintroper: "Die veräppeln uns hier alle."

Rainer Wittmann hat mit einigen Nachbarn das Treffen organisiert, um sich mit Nachbarn über die "Gerüchte im Stadtteil" auszutauschen. Dafür haben sie Handzettel in den Straßen verteilt. Schnell ist der kleine Saal der Gaststätte "Wienert" am Höhenweg überfüllt. Viele müssen auf dem Gehsteig warten, hören nur Bruchstücke der hitzigen Diskussion von Überbringern aus dem Innenraum.

Sorge um die gute Nachbarschaft

Drinnen wie draußen werden eben jene Gerüchte ausgetauscht und Ängste artikuliert: "Wie wollen uns die gute Nachbarschaft in Unterfrintrop nicht kaputt machen lassen", sagte eine Frau. "Erst haben sie die Herz-Jesu-Kirche abgerissen und Familien angelockt - und jetzt machen sie Kindergärten und Schulen dicht, um Asylanten hier unterzubringen", ärgert sich eine andere.


"Warum sind
Sie Politiker, wenn
Sie von dem, was
hier passiert, nichts
wissen?"
Ein Frintroper beim Bürgertreffen

"Das läuft mit uns nicht", sagte ein Mann, der mit einer Unterschriftenliste unterwegs ist.

In diesem Klima hat FDP-Ratsherr Peter Schöneweiß einen schweren Stand: Mit Sachargumenten und dem Verweis auf die ein Not geratenen Menschen verschiedener Kulturen ist gegen die vorherrschende Stimmung kaum anzukommen. "Südosteuropäere gehen ja noch, aber Taliban wollen wir in Frintrop nicht haben", heißt es da etwa. Oder: "Am Schemmannsfeld war früher die Mau-Mau. Da können sie die Leute unterbringen", schimpft eine Frau.

Ergebnisse bringt das Treffen der aufgebrachten Anwohner naturgemäß keine. Aber es soll - möglichst bald - eine neue Bürgerversammlung in einem größeren Raum geben, "bei der alle Fakten auf den Tisch müssen". Die Stadtverwaltung sagte dazu am Freitag, man werde zu einer solchen Versammlung einladen, wenn einer der 17 Standorte ausgewählt sein wird.

In Frintrop glaubt freilich niemand, dass die Entscheidung wirklich noch offen ist: "Der Umbau in der Schule hat doch schon begonnen", heißt es. Das bestreitet die Stadt - doch das Vertrauen der Unterfrintroper zur Verwaltung ist jetzt arg gestört. Und von den Ortspolitikern hatten sie sich mehr Antworten erhofft.


Rathaus-Info fehlte

Sozialdezernent Peter Renzel wurde vermisst

Frintrop. "Dass die Walter-Pleitgen-Schule als möglicher Standort für eine Asylbewerberunterkunft auf der städtischen Prüfliste steht - davon sind nicht nur die Anlieger, sondern auch wir überrascht worden", erklärten Jutta Eckenbach und Helmut Kehlbreier am Rande der Bürgerversammlung. "Aus dem Rathaus hatten wir keine Informationen", stimmten die Ortspolitiker überein. Dass jedoch der zuständige Sozialdezernent Peter Renzel "nicht da ist, wenn so eine Sache läuft", kam auch bei seinen Christdemokraten schlecht an. Erst am Montag ist er aus dem Urlaub zurück.

Sollte sich die Verwaltung, wie viele Frintroper bereits heute vermuten, für die Walter-Pleitgen-Schule entscheiden, wollen die Versammlungsteilnehmer ihren Widerstand verstärken. "Bald sind ja Bundestagswahlen. wir werden dann ja rechtzeitig wissen, wo wir unser Kreuzchen auf dem Zettel machen müssen", sagte ein Anlieger im Saal. So einfach kämen Politiker und Stadt "aus der Nummer nicht 'raus".

Vor den Türen der Häuser in der Straße Im Neerfeld diskutieren die Nachbarn der Schule weiterhin heftig. "Dass noch geprüft wird, glaube ich nicht. Das ist doch längst beschlossen", sagte einer, der aus seinem Fenster "auf den Pausenhof blicken" kann. "Was glaubt ihr wohl, wenn da bald 200 Leute wohnen. Da könnt auch ihr nicht mehr ruhig schlafen."   frh
Bildunterschrift:
Viele Frintroper unterschreiben die Listen, weil sie kein Asylbewohnerhaus in ihrer Nachbarschaft wollen.   FOTO SEBASTIAN KONOPKA


WAZ 23.08.2013 Anwohner wehren sich gegen Asyl-Unterkunft, Kommentar: Das Gespräch suchen

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WAZ / Essen,Freitag, 23.08.2013

Anwohner wehren sich gegen Asyl-Unterkunft

Weil die Zahl der Asylbewerber wächst, will die Stadtverwaltung eventuell die ehemalige Walter-Pleitgen-Schule in Frintrop als Noteinrichtung nutzen. Vor Ort sorgt das für Verunsicherung


Von Christina Wandt

Mit Sorge beobachtet die Stadt die steigenden Asylbewerberzahlen. Zum einen werden händeringend neue Unterkünfte gesucht, zum anderen hat man es an praktisch jedem Standort mit Anwohnern zu tun, die mit Argwohn auf die neuen Nachbarn reagieren. Und schließlich machen sich ausländer- und islamfeindliche Gruppierungen die schwierige Gemengelage zunutze und heizen das Thema im Wahlkampf rücksichtslos auf.

Dass die zehn Unterkünfte im Stadtgebiet mit ihren maximal 720 Plätzen bald nicht mehr ausreichen werden, ist eine Tatsache. Schon jetzt leben hier 634 Asylbewerber - im August 2012 waren es 455. Viele Menschen aus Serbien (290) und Mazedonien (90) sind in diesem Jahr bereits im Sommer eingereist; etliche stellen zum zweiten oder wiederholten mal einen Antrag - und müssen mit einer erneuten Ablehnung rechnen. Hinzu kommen vermehrt Flüchtlinge aus Krisenstaaten wie Syrien, Ägypten, Irak, Iran, Afghanistan sowie Bosnien-Herzegowina und Tschetschenien.

Gerüchte und Angst verbreiten sich

Die Stadt muss also bald auf die 80 Reserve-Plätze in der Dilldorfschule in Kupferdreh zurückgreifen. Die bloße Ankündigung, hier eine Behelfseinrichtung zu schaffen, hatte 2012 für Unruhe gesorgt; ausgerechnet mit einer Lichterkette verliehen die Anwohner ihrem Unmut Ausdruck. Es folgten eine heftige Diskussion mit Vertretern der Verwaltung, Kampagnen der Rechten, Gegen-Demos der Linken.

All das könnte sich demnächst in Frintrop wiederholen. Denn die Stadt prüft derzeit, ob die Walter-Pleitgen-Schule, die vor den Sommerferien auslief, zeitnah als Unterkunft für Asylbewerber genutzt werden könnte. Am gestrigen Donnerstagnachmittag kamen fast 200 verunsicherte und empörte Anwohner zu einer Versammlung zusammen. "Wir fühlen uns von der Stadt hintergangen", sagte Rainer Wittmann, einer der Einlader. "Die Pläne hat uns kein Offizieller verraten, sondern der Schulhausmeister." Rasch habe sich das Gerücht verbreitet und mit ihm die Angst: "Ich wohne gegenüber der Schule, mein Haus ist meine Altersvorsorge", sagt auch Wittmann. "Aber mit den Rechten wollen wir nichts zu tun haben."

Doch in der Einladung zu der Versammlung gibt es Passagen, die von Rechten formuliert sein könnten. Da ist von Erfahrungen mit Sinti und Roma in anderen Städten die Rede, wo "die Notdurft teils in der Öffentlichkeit verrichtet wird, Straßenzüge vermüllen, der Lärm unerträglich ist, die Kriminalitätsrate emporschnellt". Doch Wittmann wiegelt ab. "Wir wollen keinen Aufstand, wir wollen nur Information."

Die Verwaltung weiß, dass Handlungsbedarf besteht, nicht nur, was die Information der Bürger angeht. Niemand will eine Situation wie in Berlin-Hellersdorf, wo rechte Hetzer jetzt eine Asylunterkunft belagert und Bewohner eingeschüchtert haben. Die Agitatoren wollen auch in NRW vermehrt vor Asylheimen und Moscheen aufmarschieren.

Wachsam beobachtet daher auch die Polizei die Lage: Pro Deutschland hat schon für nächsten Donnerstag eine Demonstration vor einer Moschee in Altenessen angemeldet, mit 6 bis 50 Teilnehmern. Erfahrungsgemäß würden es eher sechs, sagt Polizeisprecher Peter Elke. "Wir machen uns keine Sorgen - Gedanken machen wir uns schon."


Umbau hat offenbar begonnen

Nachbarn der Schule fühlen sich überrumpelt

Für große Empörung bei den Anwohnern in Frintrop sorgte die Informationspolitik der Stadt. Dass die frühere Walter-Pleitgen-Schule in eine Unterkunft für Asylbewerber umgewandelt werden könnte, habe man "nur aus Munkeleien" erfahren, ärgert sich Rainer Wittmann. Dabei sei in dem Schulgebäude längst der Umbau im Gange - man habe Handwerker gesehen.

Wohl auch deswegen erlebte die Bürgerversammlung am gestrigen Donnerstag einen so großen Zuspruch. Viele Bürger fanden keinen Platz in der Gaststätte, sondern diskutierten vor dem Lokal über ihre Befürchtungen: Frintrop werde als Einzelhandels-Standort leiden, die Immobilienpreise könnten sinken.

CDU-Ratsfrau Jutta Eckenbach und Bezirksbürgermeister Helmut Kehlbreier (SPD), die zu der Versammlung kamen, betonten, dass es noch keine Ratsvorlage über die Einrichtung eines Asylbewerberheims in der früheren Schule gebe. Die Gemüter beruhigte das nicht.


Kommentar: Das Gespräch suchen

Von Christina Wandt

Beim Thema Asyl droht der Stadt die Zeit davon zu laufen: Das neue Asylkonzept wird erst mitten in der heißen Wahlkampfphase im Sozialausschuss neu diskutiert, die meisten Unterkünfte sind belegt - und an jedem neuen Standort drohen unschöne Diskussionen.

In Frintrop kamen am Donnerstag so viele Anwohner zusammen, dass viele es gar nicht in den Versammlungsraum schafften. Die Gemüter waren erhitzt, und schon einige Formulierungen aus der Einladung verheißen nichts Gutes. In Berlin-Hellersdorf hat sich dieser Tage gezeigt, wie schnell die Lage eskalieren kann, wenn sich Rechtsextreme des Themas Asyl bemächtigen.

Schon darum sollten Politik und Verwaltung schleunigst das Gespräch mit den betroffenen Anwohnern suchen - bevor es die rechten Hetzer tun.
Bildunterschrift:
In der Walter-Pleitgen-Schule in Frintrop könnten schon bald Asylbewerber untergebracht werden. Die Grundschule ist gerade geschlossen worden.   FOTO OUWER MÜLLER


Steubenstr. 49, 45138 Essen
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