Aus Anti-Rassismus-Telefon

nach unten Hauptseite LogoArtKlein.gif Wir helfen! Wer sind wir?
E-Mail: artessen<a>gmx.dePost_icon.png
1ordnerZu.gif
Anti-Rassismus-Telefon »
1ordnerZu.gif
ZAB in Essen
1ordnerAuf.gif
Flüchtlinge in Essen »
11ordnerZu.gif
Seit 2012
11ordnerAuf.gif
Unterbringungspolitk »
111ordnerZu.gif
Übersicht Zeitabschnitte
111ordnerZu.gif
Im Rat 2.Juli 2014
111ordnerZu.gif
Neue Vorlage Juni 2014
111ordnerZu.gif
Rat vertagt Feb. 2014
111ordnerZu.gif
Weiter Febr. 2014
111ordnerZu.gif
Abklang Dez. 2013
111ordnerAuf.gif
Ende Nov. 2013
111ordnerZu.gif
Anfang Nov. 2013
111ordnerZu.gif
Bis Ende Okt.2013
111ordnerZu.gif
25.09.2013 im Rat
111ordnerZu.gif
Frintrop Sept. 13
111ordnerZu.gif
Erste Gerüchte Frintrop 2013
111ordnerZu.gif
Polemiken Sommer 2013
111ordnerZu.gif
Rahmenkonzept Juli 2013
111ordnerZu.gif
bis Frühjahr 2013
111ordnerZu.gif
Standorte bis Jan. 2013
111ordnerZu.gif
Turnhalle Herbst 2012
11ordnerZu.gif
rassistische Mobilisierung
1ordnerZu.gif
Lokale Arbeit »
1ordnerZu.gif
Gedenken »
1ordnerZu.gif
"Das Boot ist voll" »
1ordnerZu.gif
Islamfeindlichkeit »
1ordnerZu.gif
Oury Jalloh »
1ordnerZu.gif
Nazi-Kriegsverbrechen »
1ordnerZu.gif
Seitenübersicht

Endlich mal Lösung mit Privatwohnungen.

Die rassistisch gefärbte Polemiken werden immer heftiger. Sogar von der Seite einer Kirchengemeinde hört man bedenkliche Tönen der Ablehnung.

Aber mit der Entscheidung der Stadt, Privatwohnungen zu mieten und sie den Flüchtlingen zu Verfügung zu stellen, zeigt sich, dass Lösungen möglich sind, die von Vernunft diktiert werden und dem Wohl der Flüchtlinge dienen.
Am 27. November 2014 bestätigt der Rat der Stadt Essen, dass Flüchtlinge vorrangig in privaten Wohnungen untergebracht werden sollen.


Inhaltsverzeichnis

WAZ, 28.11.2013 Mehr Wohnungen für Asylsuchende

WAZ20131128-AsylMehrWohnungen.png

WAZ / Essen,Donnerstag, 28.11.2013

Mehr Wohnungen für Asylsuchende

Sozialdezernent Renzel hofft ohne Notunterkünfte ins neue Jahr zu kommen


Von Marcus Schymiczek

15 000 Wohnungen stehen in dieser Stadt leer. Angesichts dieser Zahl möchte man meinen, dass es der Sozialverwaltung nicht schwer fallen sollte, einige davon für Asylbewerber anzumieten, wie es die Politik wünscht. Diesem Wunsch verlieh der Stadt-Rat gestern per Beschluss noch mal Nachdruck.


„Die ersten 20
Mietverträge sind
unterschrieben“
Peter Renzel, Sozialdezernent

Der Vorschlag von Sozialdezernent Peter Renzel, drei ehemalige Schulgebäude zu Behelfsunterkünften umzubauen, ist damit erst einmal vom Tisch. Übrig geblieben ist allein die einstige Dependance der Nikolausschule an der Schwanhildenstraße in Stoppenberg. Für die Politik eine Option. Mehr noch nicht. Eine Dringlichkeitsentscheidung für den notwendigen Umbau behält der Rat sich vor - und setzt darauf, dass sich genügend Wohnungen finden lassen.

60 Wohnungen hat der Allbau der Stadt angeboten, die ersten 19 davon sollen laut Renzel ab dem 1. Dezember bezogen werden. Mit drei weiteren Wohnungsgesellschaften sei die Verwaltung im Gespräch. Auch ein Hotel in der Innenstadt will die Stadt anmieten, um dort 60 bis 80 Flüchtlinge unterzubringen. „Wenn überhaupt erst ab Februar“, so Renzel. Ab April kommenden Jahres stünde womöglich auch ein Studentenwohnheim im Kray als Unterkunft zur Verfügung. Das Studentenwerk hat die Immobilie der Stadt angeboten - zum Tausch gegen ein Grundstück am Thurmfeld nahe der Universität.

Bis zum 5. Dezember soll die Stadt mögliche Standorte für weitere Asylheime prüfen und wird sich erst einmal mit dem behelfen müssen, was sie hat. 35 freie Plätze gibt es noch in der ehemaligen Walter-Pleitgen Schule in Frintrop. In dieser Woche sind der Stadt keine weiteren Flüchtlinge zugewiesen worden. Ob es so weiter geht? „Ich hoffe, dass wir ohne Notunterkünfte über Weihnachten ins neue Jahr kommen“, so Renzel im Rat. Im Februar will die Verwaltung der Politik dann Grundstücke vorschlagen, auf denen neue Heime gebaut werden könnten. Weiter hinterher hecheln, wenn es darum gehe Menschen unterzubringen das, so mahnte gestern das Essener Bürgerbündnis an, gehe nicht.
Bildunterschrift:
Die ehemalige Schule an der Schwanhildenstraße könnte zur Asylunterkunft umgebaut werden.   FOTO: CHRISTINE HOLTHOFF

WAZ, 28.11.2013 PRO/CONTRA Kritik an Asyl-Heimen in Altendorf - Dürfen die Kirchen dabei mittun?

WAZ20131128-KOMKirchenkritik.png

WAZ / Essen, Rubrik PRO-CONTRA,Donnerstag, 28.11.2013

Kritik an Asyl-Heimen in Altendorf - Dürfen die Kirchen dabei mittun?


PRO: Kritik ist auch Kirchen erlaubt

Von Frank Stenglein
Kirche ist für Moral da, Politik für die Realität – eine seltsame Arbeitsteilung, die aber wohl hinter den Irritationen steckt, die die Altendorfer Kirchengemeinden durch die Mit-Unterzeichnung eines offenen Briefes ausgelöst haben. Pfarrer und engagierte Gemeindemitglieder kennen sich oft gut aus in ihren Stadtteilen und können deshalb sehr wohl mitreden, wenn es um die Frage geht, ob etwa Altendorf ein weiteres Asyl-Heim verträgt. Das Gebot der Nächstenliebe ist nicht verbunden mit der Pflicht, alles abzunicken, was die Stadt beim Asyl plant. Und keineswegs kann aus begründeter Skepsis auf eine generelle Anti-Haltung gegen Asylbewerber geschlossen werden. Das gilt übrigens auch für alle anderen, die den Altendorfer Brief unterzeichneten.


CONTRA: Vernagelte Kirchentüren

Von Christina Wandt
Während der Sozialdezernent durch die Stadt tourt, um für die Akzeptanz von Asylheimen zu werben, fallen ihm nach und nach alljene in den Rücken, die an anderer Stelle Verantwortung tragen. Erst hat der Allbau Bedenken, dann Ortspolitiker, nun Kirchengemeinden.

Da verweist Peter Renzel auf die Mitmenschlichkeit, die viele Anwohner zeigen – und die Altendorfer Allianz antwortet: „Das bewundernswerte Engagement der Frintroper und Dilldorfer Bürger können wir nicht mehr aufbringen, weil wir uns schlichtweg überfordert fühlen.“ Dieses Gefühl mögen viele Altendorfer teilen, doch einige Gläubige würden den Satz so eben nicht unterschreiben. Andernorts fliehen Asylsuchende in Gotteshäuser, hier werden die Kirchentüren vernagelt.

WAZ, 28.11.2013 Leserbriefe „Da platzt einem wirklich der Kragen“

WAZ20131128-LBKragen.png

WAZ / Essen, Rubrik Leserbriefe,Donnerstag, 28.11.2013

„Da platzt einem wirklich der Kragen“

Altendorf und Asyl: Kirchengemeinden wehren sich gegen Vorwurf mangelnder Nächstenliebe


Der Artikel verzerrt die Meinungsäußerung der beiden Gemeinden. Diese haben sich mit der Unterzeichnung des offenen Briefes nicht wie behauptet „gegen eine weitere Einrichtung für Flüchtlinge“ ausgesprochen, sondern gegen die Standortwahl Altendorf! Die Gemeinden haben aufgrund der enormen Integrations- und Sozialarbeit, die sie bereits leisten und für deren Ausweitung kein Potential mehr vorhanden ist, diesen Hilfeschrei getätigt. Man sollte einmal darüber nachdenken, wie die Situation vor Ort sein muss, wenn christliche Gemeinden sagen „Das ist zu viel. Das können wir nicht auch noch schultern“. Man kann ihnen nicht unter dem Mantel der Nächstenliebe immer mehr Aufgaben aufbürden und andere Gemeinden bei der Verteilung der Lasten außen vor lassen. Christlich ist, wenn die Flüchtlinge dort unterbracht werden, wo man sich am besten um sie kümmern kann. Und das ist nicht Altendorf.
Arend Poppner, Essen

Da platzt einem doch wirklich der Kragen! Ich bin mir sicher, Sie wissen nicht, welche Integrationsarbeit in den beiden Kirchengemeinden geleistet wird und das bereits seit mehr als zwanzig Jahren! Sei es die Arbeit, die in den Gemeindekindergärten geleistet wird, wo Kinder unterschiedlichster Nationalität und Religion Aufnahme finden oder bei der Unterbringung in Wohnungen, die sich in Gemeindebesitz befinden oder bei gemeinsamen Gottesdiensten. Die Räumlichkeiten des Marienheimes ebenso wie die Kirche werden von vielen Gruppen genutzt, die aus den unterschiedlichsten Regionen der Erde kommen. Ich bin mir sicher, dies wird in der Ev. Luthergemeinde ähnlich sein. Keinem wurde bisher die Tür gewiesen. Die Tatsache, dass die in Altendorf ansässigen Kirchengemeinden und Vereine den Mut aufgebracht haben, auf die nicht wegzudiskutierenden und schönzuredenden Probleme hinzuweisen, ist ihnen im Sinne einer wirklich ernst gemeinten Integration hoch anzurechnen. Organisationen, die sich seit Jahren um Integration und ein funktionierendes Miteinander bemühen, mit dem Vorwurf fehlender Nächstenliebe zu beleidigen, ist ein starkes Stück

Nicola Schlieper-Kramb, Essen

WAZ, 28.11.2013 Online-Leservotum zum offenen Brief der Kirchengemeinden

WAZ20131128-LeservotumKirchenKritik.png

WAZ / Essen, Rubrik Online-Leservotum,Donnerstag, 28.11.2013

Leservotum


In Altendorf haben der Gemeinderat der Kirchengemeinde St. Mariä Himmelfahrt und die Lutherkirchengemeinde einen Offenen Brief gegen eine weitere Flüchtlingseinrichtung unterzeichnet. Finden Sie die Äußerung in Ordnung?

  • 51% So etwas gehört sich als Gemeinde, die Nächstenliebe lebt, einfach nicht.
  •  8% Ich teile nicht die Auffassung. Aber jeder sollte seine Meinung frei äußern dürfen.
  • 41% Ich finde es richtig, dass die Gemeinden den Offenen Brief unterzeichnet haben.
1275 abgegebene Stimmen, nicht repräsentativ

WAZ, 28.11.2013 Online-Stimmen Flüchtlingsheim

WAZ20131128-StimmenkirchenKritik.png

WAZ / Essen, Rubrik Online-Stimmen,Donnerstag, 28.11.2013

Flüchtlingsheim


Dass in Wohnungen der Kirchengemeinde St. Mariä Himmelfahrt Flüchtlinge aus dem Libanon leben und ein Arzt aus Nigeria dort eine Praxis unterhält, davon spricht keiner. daphnina

Gerade Altendorf hat genug Probleme, das hat auch die Kirchengemeinde klar erkannt. mar.go


WAZ, 27.11.2013 Asyl-Heim: Das Nein zweier Gemeinden irritiert

WAZ20131127-AsylZweiNein.png

WAZ / Essen,Mittwoch, 27.11.2013

Asyl-Heim: Das Nein zweier Gemeinden irritiert

In Altendorf haben sich die Lutherkirchengemeinde und die Gemeinde Mariä Himmelfahrt gegen eine weitere Einrichtung für Flüchtlinge ausgesprochen. Unter Kirchenvertretern sorgt das für Diskussionen


Von Thorsten Schabelon

„Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, heißt es in der Bibel. Wie weit diese Nächstenliebe geht, darüber gibt es in der christlichen Kirche durchaus unterschiedliche Auslegungen. Einig sind sich Katholiken und Protestanten indes darin, dass man Bedürftigen Asyl gewährt.

In Altendorf scheint dieses Dogma in den Wochen vor Weihnachten nicht mehr zu gelten. Die evangelische Lutherkirchengemeinde und der Gemeinderat der katholischen Kirchengemeinde St. Mariä Himmelfahrt haben, in ökumenischer Eintracht, einen offenen Brief des „Runden Tisches Altendorf“ mitunterzeichnet. In dem spricht sich dieser gegen ein Übergangswohnheim in der ehemaligen Markscheide-Schule aus.


„Es gibt in dem
offenen Brief,
gefährliche
Formulierungen“
Kathrin Richter,
Vorsitzende von
„Pro Asyl“ Essen
und Christin

Dass sich neben Bürgerschützen und Chor auch zwei Kirchengemeinden so deutlich positionieren, verwundert. „Die Synoden haben deutlich gemacht, dass es christliche Aufgabe ist, Flüchtlinge aufzunehmen“, sagt beispielsweise Kathrin Richter, Vorsitzende von ProAsyl und engagierte Christin. „Mich hat zudem die Wortwahl sehr erschrocken. In dem offenen Brief gibt es gefährliche Formulierungen, wie ,zu uns strömende, hilfsbedürftige Flüchtlinge’“, findet sie.

Auch Kirchenvertreter überrascht das Bekenntnis aus Altendorf. „Ich weiß, dass unsere Kollegen dort viel tun und auch in einer besonderen Situation sind. Aber ich bin schon zusammengezuckt“, sagt Pfarrerin Dagmar Kunellis, Vorsitzende des Beirats für Flüchtlingsfragen und Migranten im Kirchenkreis Essen. Sie ist Pfarrerin in der evangelischen Gemeinde BedingradeSchönebeck, sitzt beim Übergangswohnheim in Frintrop am Runden Tisch und erlebt dort, wie viele Anfangsbedenken nach und nach verschwinden. „Die Meinung aus Altendorf ist keine Mehrheitsmeinung in der evangelischen Kirche und vielleicht auch nicht grundsätzliche Stimmung in der Gemeinde des Stadtteils“, glaubt Dagmar Kunellis.

Dort, im Stadtteil, arbeiten Vertreter der Kirchengemeinden am „Runden Tisch Altendorf“ mit. „Sie haben das so entschieden. Auch nicht falsch, wie ich finde“, sagt Pfarrer Hermann Walter aus dem Presbyterium der Lutherkirchengemeinde. „Es gibt sicher unterschiedliche Meinungen in der Gemeinde“, sagt Walter zudem. In der katholischen Kirche wird die Meinungsäußerung des Gemeinderats von St. Mariä Himmelfahrt zur Kenntnis genommen. Das Bistum wollte sich auf Anfrage nicht äußern und verweist auf die Unabhängigkeit der gewählten Laienvertretung. „Ich finde, der Brief und die Meinung sind einfach unchristlich“, ärgert sich dagegen ein Gläubiger aus St. Mariä Himmelfahrt.


„Gemeinde mit enormem Einsatz für Migranten“

  • Pfarrer Hans Strohschein aus der evangelischen Lutherkirchengemeinde Essen-Altendorf weist darauf hin, „dass unsere Gemeinde nicht nur den Brief unterzeichnet, sondern der Stadt Alternativ-Immobilien zur Markscheide-Schule aus ihrem eigenen Besitz angeboten hat. Inwieweit diese Immobilien geeignet sind, wird von der Stadt geprüft.“
  • Stohschein weiter: „Unsere Gemeinde hat in den letzten 30 Jahren einen Mitgliederschwund von über 60 Prozent hinnehmen müssen. Trotzdem unterhalten wir weiterhin drei Kindergärten. Die wenigsten Kinder sind evangelisch. Hier leistet unsere Gemeinde einen enormen Einsatz für Migrantenfamilien.“
    Bildunterschrift:
    Als Asyl-Heim geeignet oder nicht? Schulgebäude an der Markscheide in Altendorf.

NRZ, 27.11.2013 Asyl-Unterkunft mit brennendem Bengalo beworfen

NRZ20131127-AnschlagBengalo.png

NRZ / Essen,Mittwoch, 27.11.2013

Asyl-Unterkunft mit brennendem Bengalo beworfen

Ermittlungskommission des Staatsschutzes fahndet nach den Tätern von Burgaltendorf


Von Jörg Maibaum

Nach dem nächtlichen Anschlag auf das Asylbewerberheim an der Worringstraße in Burgaltendorf fahndet eine eigens eingerichtete Ermittlungskomission unter Leitung des polizeilichen Staatsschutzes mit Hochdruck nach den Tätern. Inzwischen gehen die Ermittler davon aus, dass ein fremdenfeindlicher Hintergrund nicht mehr auszuschließen ist.


"Ein fremdenfeindlicher
Hintergrund ist nicht
auszuschließen"
Tanja Hagelüken,
Polizeisprecherin

Wie Polizeisprecherin Tanja Hagelüken gestern auf Nachfrage erklärte, entzündeten die Unbekannten neben einem Knallkörper auch ein sogenanntes Bengalo, den sie gegen die holzverkleidete Außenfassade des Gebäudes warfen. Ein Gutachter ist eingeschaltet worden. Von dem Experten erhoffen sich die Ermittler eine schriftliche Antwort auf die entscheidende Frage, ob das Feuerwerk "geeignet war, das Gebäude in Brand zu setzen", sagte Hagelücken. Zu klären sei schließlich, ob es sich bei der Attacke um eine versuchte schwere Brandstiftung gehandelt habe. In der städtischen Unterkunft leben rund 150 Menschen. Als Unbekannte am Abend des 7. November das Haus um kurz nach 23 Uhr mit Feuerwerk bewarfen, erschreckte sich ein dort lebender neunjähriger Junge so sehr, dass er von Rettungskräften vorsichtshalber in ein Krankenhaus transportiert werden musste. Augenzeugen haben die Unbekannten in einem hellen Wagen flüchten sehen. Nach Angaben der Polizei gibt es eine Reihe von Aussagen und Hinweisen. Die Täter werden allerdings unterschiedlich beschrieben. Eine heiße Spur haben die Ermittler bislang nicht.
Bildunterschrift:
Am 7. November wurde auf das Übergangsheim an der Worringstraße ein Anschlag verübt.   FOTO: VAHLENSIECK

Ein ähnlicherBericht befindet sich auch in der WAZ

WAZ, 26.11.2013 Zwei Asyl-Standorte sind vorerst vom Tisch

WAZ20131126-ZweiStandorte.png

WAZ / Essen,Dienstag, 26.11.2013

Zwei Asyl-Standorte sind vorerst vom Tisch

Nur Schule an Schwanhildenstraße bleibt übrig


Von Marcus Schymiczek

Drei ehemalige Schulgebäude in Altendorf, Stoppenberg und im Nordviertel sollten nach dem Willen von Sozialdezernent Peter Renzel möglichst schnell zu Asylunterkünften umgebaut werden. Davon übrig geblieben ist bis auf weiteres nur noch eine: die einstige Dependance der Nikolausschule an der Schwanhildenstraße in Stoppenberg.

Für die Ratssitzung am morgigen Mittwoch hat Sozialdezernent Peter Renzel seinen Vorschlag nach Informationen dieser Zeitung derart abgeändert, dass er die gewünschte breite Mehrheit finden dürfte. Wie politisch gewollt, soll die Stadt Flüchtlinge möglichst in Wohnungen unterbringen. Die Sozialverwaltung soll dafür weitere Unterkünfte anmieten, so dass in den vorhandenen Übergangswohnheimen Plätze für die zu erwartenden Asylbewerber frei werden.

Der Allbau hat der Stadt für diesen Zweck bereits 60 zusätzliche Mietwohnungen angeboten. Derzeit leben rund 1700 der insgesamt 2700 Asylsuchenden in Wohnungen. Sollte die Stadt nicht über genügend Wohnraum verfügen, will die Politik über den Umbau der leerstehenden Zweigstelle der Nikolausschule an der Schwanhildenstraße zum Übergangswohnheim entscheiden.

Allbau bietet 60 Mietwohnungen an

Die Tiegelschule im Nordviertel und die Markscheideschule in Altendorf tauchen in Renzels Vorschlag an den Rat nicht mehr auf. Auch von der ehemalige Aussiedlerunterkunft an der Einigkeitstraße in Bredeney und dem ehemaligen Landschulheim an der Oberen Aue in Heisingen ist keine Rede. Beide Immobilien waren von SPD, Grünen und Linken als mögliche Alternativen zu den genannten Schulstandorten ins Spiel gebracht worden.

Dazu nur soviel: Bis zum 5. Dezember soll die Verwaltung potenzielle Standorte prüfen und die Ergebnisse einer Arbeitsgruppe der Ratsfraktionen vorstellen. Die soziale Balance sei bei der Auswahl zu berücksichtigen, heißt es. Man darf also gespannt sein.

WAZ/NRZ, 26.11.2013 Auch Nächstenliebe hat Grenzen

WAZ20131126-Naechstenliebe.png

WAZ/NRZ / Essen-Stadtteil,Dienstag, 26.11.2013

Auch Nächstenliebe hat Grenzen

Den Offenen Brief, der sich gegen ein Übergangswohnheim in Altendorf ausspricht, haben auch Kirchen unterschrieben. Nicht nur das sorgt für Ärger


Von Thorsten Schabelon

Altendorf/Stoppenberg. Ein Artikel aus unserer Zeitung sowie ein Offener Brief an den Rat der Stadt Essen sorgen für heftige Diskussionen in Altendorf. Streit-Thema: das ins Auge gefasste Übergangswohnheim für Asylanten in der ehemaligen Markscheide-Schule. Am morgigen Mittwoch wird der Essener Rat über einen entsprechenden Antrag abstimmen.

Aber schon vorher kochen die Emotionen hoch. Vergangene Woche hatte die Bezirksvertretung III einen „Flüchtlinge-sind-hier-nichtwillkommen“-Beschluss verabschiedet (wir berichteten). Nur wenige Lokalpolitiker verweigerten dafür die Zustimmung.


„Ich heiße die zu
uns kommenden
Menschen in Not
ausdrücklich
willkommen“
Heinz W. Hammer,
der seit über 60 Jah-
ren in Altendorf lebt,

Am Wochenende verschickte der „Runde Tisch Altendorf“, in dem sich Vereine des Stadtteils engagieren, einen Offenen Brief. In diesem werden Wandel und Aufbruchstimmung in Altendorf in Gefahr gesehen. Sollte das Übergangswohnheim für Asylanten kommen, könne außerdem „das existierende Sozialgefälle innerhalb der Stadt weiter verstärkt werden“. Die zahlreichen Unterzeichner fordern deshalb, dass die „hilfsbedürftigen Flüchtlinge an anderen Standorten menschenwürdig“ unterbracht werden, „an denen die Anwohner noch Potenzial aufbringen können, diese Menschen sozial zu integrieren“.

Der Brief ist nicht nur von Bürgern und Immobilieneigentümern aus Altendorf unterzeichnet, sondern wurde auch im Namen von verschiedenen Vereinen und Institutionen veröffentlicht. Darunter sind unter anderem die Evangelische Lutherkirchengemeinde Essen-Altendorf und der Gemeinderat der katholischen Kirchengemeinde St. Mariä Himmelfahrt. Offenbar hat also auch Nächstenliebe ihre Grenzen.

Einige Altendorfer kritisieren jetzt diesen Offenen Brief, in dem auch erwähnt wird, dass etliche nicht aufgeführte Bürger des Stadtteils hinter diesem deutlichen Appell stehen. „Ich lege Wert auf die Feststellung, dass hier nicht in meinem Namen gesprochen wurde“, sagt beispielsweise Heinz W. Hammer. Der wohnt seit fast 60 Jahren in Altendorf und dort in der unmittelbaren Nähe der ehemaligen Markscheide-Schule. „Ich heiße die zu uns kommenden Menschen in Not ausdrücklich willkommen“, sagt Hammer weiter.

Doch kein Heim in Altendorf?
Wenn es nach Werner Dieker geht, müssen sich die Altendorfer gar nicht so sehr aufregen. Der gewöhnlich gut informierte Sozialdemokrat aus dem Essener Norden unkte vergangene Woche bei der Sitzung der Bezirksvertretung für den Stadtbezirk VI, dass nach Altendorf doch überhaupt kein Übergangswohnheim kommen werde. „Das weiß ich aus ziemlich sicherer Quelle“, sagte Dieker, wollte aber dann auch nicht mehr sagen.

Die Stoppenberger aus dem Stadtbezirk VI, die selbst mit der geplanten Unterkunft an der Schwanhildenstraße so ihre Probleme haben, vermuten jetzt, dass die Allbau AG möglicherweise ihre Finger im Spiel hat und Wohnungen zur Verfügung stellen will.
Bildunterschrift:
Die ehemalige Markscheide-Schule in Altendorf könnte zu einem Übergangswohnheim ausgebaut werden.   FOTO: SEBASTIAN KONOPKA

NRZ, 26.11.2013 Zwei Asylstandorte sind vom Tisch

NRZ20131126-ZweiStandorte.png

NRZ / Essen,Dienstag, 26.11.2013

Zwei Asylstandorte sind vom Tisch

Politik kann sich mit Behelfsunterkünften an der Tiegelstraße und an der Markscheide nicht anfreunden. ExSchule an der Schwanhildenstraße könnte belegt werden. Stadt will ein Hotel und ein Wohnheim anmieten


Von Jörg Maibaum

Es ist eine Rechnung mit noch vielen Unbekannten. Doch sollte sie am Ende aufgehen, könnte die Stadt nach eigenen Angaben womöglich „auf die eine oder andere Behelfseinrichtung“ zur Unterbringung von Asylbewerbern verzichten. Die Sozialverwaltung verhandelt zurzeit mit unterschiedlichen Eigentümern über die Anmietung von bis zu 60 Wohnungen, die ab dem 1. Dezember für Flüchtlinge zur Verfügung stehen könnten.

Zudem kam es nach NRZ-Informationen gestern zu einem ersten Treffen mit einem Makler, um ein Hotel im Stadtgebiet anzumieten. Sollte ein Vertrag zustande kommen, stünde voraussichtlich ab Februar in der Herberge Wohnraum für bis zu 80 weitere Menschen zur Verfügung. Noch mehr Asylbewerber könnten allerdings in einem Wohnheim unterkommen, das der Stadt ebenfalls angeboten worden ist. Dies geht aus einer Drucksache hervor, die die Stadtverwaltung dem Rat in seiner morgigen Sitzung zur Entscheidung vorlegen wird – und die gestern bereits zumindest in Teilen schon wieder Makulatur war.

Keine Pferde scheu machen
Um welche Immobilien an welchen Standorten es sich dabei genau handelt, wollte die Stadt gestern noch nicht sagen. Man wolle keine Pferde scheu machen, bevor die Verhandlungen nicht erfolgreich abgeschlossen sind. Nach jetzigem Stand sei es auch durchaus noch denkbar, dass man sich am Ende nicht handelseinig werde, hieß es.

Und dann wird es räumlich und zeitlich mehr als eng für die Stadt: Denn die Politik wird in der morgigen Ratssitzung den drei als Behelfseinrichtungen geplanten ehemaligen Schulen (die NRZ berichtete) erst einmal eine Absage erteilen. Die Fraktionsspitzen von SPD, CDU, Grünen, FDP und EBB einigten sich gestern darauf, die Standorte an der Tiegelstraße und an der Markscheide zunächst ganz außen vor zu lassen. Nur für das Gebäude an der Schwanhildenstraße soll ein Umbaubeschluss fallen. Allerdings nur dann, wenn bis zum 6. Dezember keine weiteren Unterbringungsmöglichkeiten geschaffen werden können, die für die nächsten zwei Monate ausreichend sind. Auch die Linke signalisierte Zustimmung.

Schon jetzt heißt es aber in der Sozialverwaltung: „Wir werden die Schwanhildenstraße brauchen.“ Acht Wochen Bauzeit sind vorgesehen, um die die Schule als Flüchtlingsunterkunft nutzen zu können, während es in den bestehenden Heimen eng und enger wird. Dort ist Platz für kaum mehr als 35 Personen. Und deshalb warnt die Stadt ausdrücklich vor einem Szenario, das niemand will: „Trotz aller Bemühungen zur Anmietung kann die Verwaltung aufgrund der derzeitigen unsicheren Entwicklungen der Zahlen der Erstantragsteller sowie der Unsicherheit über den weiteren Zuzug aus Serbien, Mazedonien, Bosnien-Herzegowina und Kosovo in den kommenden Wintermonaten eine Unterbringung in Notunterkünften wie Turnhallen nicht ausschließen“, heißt es. Ein Satz übrigens, den die Linke gerne aus der Drucksache gestrichen sähen.Zudem sollten die Walter-Pleitgen- und Dilldorfschule nicht dauerhaft als Behelfsunterkunft genutzt werden, so die Fraktion.

Dass die Zeit den Verantwortlichen davon läuft, weiß auch die Politik: Bereits in der kommenden Woche soll die Immobilienverwaltung deshalb ihre Suche nach Standorten für künftige Asylheime abschließen und die Ergebnisse einer interfraktionellen Arbeitsgruppe vorlegen. Ziel sei es, ein gesamtstädtisches Konzept zu erarbeiten, das auch die soziale Balance beachtet.
Bildunterschrift:
 
  • Die ehemalige Dependance der Nikolausschule an der Schwanhildenstraße 34 in Stoppenberg wird wohl am ehesten zur Behelfsunterkunft.   FOTO: CHRISTINE HOLTHOFF
  • Außen vor sind erst einmal die Tiegelschule...
  • ...und die Markscheideschule in Altendorf   FOTOS: SEBASTIAN KONOPKA

WAZ, 25.11.2013 Leserbrief Forderung absurd

WAZ20131125-LBAbsurd.png

WAZ / Essen, Rubrik Leser-Forum,Montag, 25.11.2013

Forderung absurd


Asyl-Debatte. Der Leserbrief „Wir müssen helfen“ von Herrn Trautvetter appelliert an uns zu helfen, weil es „uns besser geht als vielen Menschen auf dieser Erde“. Diese Forderung ist aber ebenso schlicht wie absurd: Konsequent zu Ende gedacht, müssten wir so lange helfen, bis es allen Menschen auf der Erde gut geht. Diese Haltung erheischt äußerlich Lob, innerlich zeugt sie vom Wunsch auf Selbstbestrafung und Selbstabschaffung.
Michael Hinz, Essen

WAZ/NRZ, 25.11.2013 Offener Brief gegen Flüchtlingsheim in Altendorf

WAZ20131125-offBrief.png

WAZ/NRZ / Essen-Stadtteil,Montag, 25.11.2013

Offener Brief gegen Flüchtlingsheim in Altendorf

Unterzeichner fordern „Bekenntnis zum Wandel“ und die Unterbringung an einem anderen Standort


Altendorf. In einem offenen Brief an den Rat der Stadt Essen und den Oberbürgermeister hat die „Altendorfer Runde“, ein Zusammenschluss von neun Vereinen aus dem Stadtteil, ihre Bedenken gegen die Unterbringung von Flüchtlingen in der ehemaligen Markscheide-Schule öffentlich gemacht. Unterzeichnet wurde der Brief auch von 66 Bürgern und Immobilieneigentümern.

In vielen einzelnen Aktionen sei die Integration sozial schwach gestellter Menschen mit Migrationshintergrund wesentlicher Bestandteil des ehrenamtlichen Engagements vor Ort. „Die Bürger und die Vereine sind mit ihren Anstrengungen bereits am Limit dessen, was an Sozialarbeit geleistet werden kann. Wir befürchten, dass die Unterbringung von weiteren hilfebedürftigen Menschen weit über die Grenzen dessen hinausgeht, was wir an Integrationsarbeit zu leisten imstande sind“, heißt es in dem Brief. Altendorf habe eine positive Veränderung durch Investitionen wie den Niederfeldsee und den Umbau der Rheinischen Bahntrasse zum Radweg erfahren. Die Unterzeichner und Vereine fordern daher „ein klares Bekenntnis zum Wandel in Altendorf“. Dazu gehöre auch, dass man die „hilfebedürftigen Flüchtlinge an anderen Standorten menschenwürdig unterbringt“. „Das bewundernswerte Engagement der Frintroper und Dilldorfer Bürger und ihre Spendenbereitschaft können wir Altendorfer Bürger nicht mehr aufbringen“, heißt es am Ende des Briefes, der mit der Aufforderung schließt: „Bitte suchen Sie einen anderen Standort!“

WAZ, 23.11.2013 Flüchtlingsheim spaltet Parteien

WAZ20131123-FluechtlingsheimSpaltet.png

WAZ / Essen-Stadtteil,Samstag, 23.11.2013

Flüchtlingsheim spaltet Parteien

Bei Diskussion um die Marktscheide geht ein Riss durch SPD und Grüne


Von Markus Grenz

Altendorf. Die Unterbringung von Flüchtlingen wird im Essener Westen für die Politiker zur Gewissensfrage. Bei SPD und Grünen der Bezirksvertretung III spaltet sie die Fraktionen. Während nahezu alle Politiker bei der Diskussion um die Markscheideschule als Übergangsheim einen „Flüchtlinge-sind-hiernicht-willkommen“-Beschluss verabschiedeten, verweigerten SPDFraktionssprecher Rainer Pflugrad, Parteikollegin Jutta Krämer und der Grüne Tobias Lauszat die Zustimmung.


„Wir haben die emotionale und moralische Pflicht, mit den
Flüchtlingen umzugehen und sie mindestens
über einen bestimmten Zeitraum aufzunehmen“
Rainer Pflugrad, SPD-Sprecher in der BV III

„Wir haben die emotionale und moralische Pflicht, mit den Flüchtlingen umzugehen und sie mindestens über einen bestimmten Zeitraum aufzunehmen. Wenn hier ebenso qualifiziert betreut wird wie an anderen Standorten, gibt es keine Probleme.“ Viel mehr hat SPDSprecher Rainer Pflugrad in der vergangenen Sitzung der Bezirksvertretung (BV) III zum Thema Markscheideschule nicht gesagt. Er griff weder die Kollegen direkt an, noch saß er mit seinem Statement schnell auf dem heißen Stuhl.

Kein Fraktionszwang, kein Angriff auf den Gegner: Die Politiker ließen sich augenscheinlich gegenseitig den Spielraum, bei der Unterbringung der bis zu 100 Flüchtlinge das eigene Gewissen entscheiden zu lassen. Das war auch besser so, sonst hätte es schnell in eine Schlammschlacht ausarten können. Während man bei Pflugrad zwischen den Zeilen die Abneigung gegen die „Nicht-vor-unsererHaustür-Diskussion“ heraushören konnte, fuhr der Rest – von CDU bis Linke – stark emotionalisierte Geschütze auf. Hintergrund: Die Politiker wissen, dass der Rat am kommenden Mittwoch entscheiden wird und die Markscheide in der Meinungsfindung wackelt. Da zeigt man im Vorfeld klare Kante.

Um nicht weniger als die Zukunft Altendorfs schlechthin scheint es zu gehen. „Hier ist so viel investiert worden, es entwickelt sich gerade ein Pflänzchen. Ist der Stadt überhaupt klar, dass das auch eingehen kann?“, fragte die Grüne Doris Eisenmenger. „Wir arbeiten hier doch gerade erst die sozialen Schieflagen auf“, bemerkte RolfDieter Liebeskind (CDU). „Mit diesen neuen sozialen Problemen darf man den Stadtteil nicht auch noch belasten“, sagte Pflugrad-Parteigenossin Karin Sidiropoulos. Selbst Bezirksbürgermeister Klaus Persch (SPD) sah den Untergang zum Greifen nahe: „Noch ist Ruhe in Altendorf. Jeder andere Standort in Essen wäre besser gewesen.“

Klar, dass die Abneigung der Bezirksvertreter in eine glasklare Stellungnahme mündete: Die Verwaltung solle an anderer Stelle Unterkünfte suchen.
Bildunterschrift:
„Hier sind keine Flüchtlinge willkommen“, sagen die meisten Politiker im Westen über die Markscheideschule.   FOTO: KONOPKA

WAZ, 23.11.2013 Leserbrief Wir müssen helfen

WAZ20131123-LBmuessenHelfen.png

WAZ / Essen, Rubrik Leserforum,Samstag, 23.11.2013

Wir müssen helfen


Asyl. Ich danke Frau Wandt für ihren Kommentar zur Hilfe für Flüchtlinge. Menschen, die alles verloren haben, brauchen unsere Mitmenschlichkeit. Flüchtlinge kommen nicht hierher, um Kriminalität zu verbreiten. Es geht ums nackte Überleben. Pro Mensch zu sein heißt, dass wir alles dafür tun, dass wer Hilfe braucht, Hilfe erhält. In der Tat darf niemand in einer Unterkunft „eingepfercht“ sein. Die WAZ berichtete vor ein paar Tagen über eine dreistellige Zahl von verfügbaren Wohnungen für Flüchtlinge. Menschenwürdige Unterbringung ist dort leichter zu gewährleisten, als in Unterkünften, wo teils mehrere Familien in einem Raum sind und sanitäre Anlagen nicht für diese Situation installiert wurden, als das Gebäude gebaut wurde.Uns geht es besser als vielen Menschen auf dieser Erde. Daher rührt auch eine Verantwortung. Das muss aus Gründen der Mitmenschlichkeit selbstverständlich sein.

Bernhard Trautvetter, Essen

NRZ, 22.11.2013 Dicke Luft in Stoppenberg

NRZ20131122-DickeLuft.png

NRZ / Essen-Stadtteil,Freitag, 22.11.2013

Dicke Luft in Stoppenberg

In den Stadtteil soll bald eine Behelfsunterkunft für Asylbewerber kommen. Besorgte Bürger diskutieren deshalb engagiert in der Bürgervertretung


Von Thorsten Schabelon

Stoppenberg. Der Ratssaal im Stoppenberger Rathaus atmet den schwermütigen Duft der Historie. Die Wände sind mit dunkelbraunem Holz behängt. Eine Farbe, mit denen auch die dicken Heizkörper in den Raum drücken. Die Vorhänge an den Fenstern tragen ein seltsam mattes Grün. Und von oben schauen die Portraits von ehemaligen Bürgermeistern auf die Gäste herab.


„Es wird keine
nächtliche
Ruhestörung,
keinen Müll und
keinen Schrott-
handel geben“
Hartmut Peltz,
Sozialdezernat

Ein beengter Raum, der noch beengter wird, wenn viele Besucher in ihm sind. So wie bei der Sitzung der Bürgervertretung für den Stadtbezirk VI, die viele Stoppenberger angezogen hatte. Es ging um Tagesordnungspunkt 7: „Unterbringung von Asylbewerbern“. Das Thema und die Enge sorgten für dicke Luft.

Die Stoppenberger sorgen sich um ihr Stoppenberg. „Heimliche Hauptstadt des Essener Nordens“, ist ein Zeitungsartikel im Ratssaal überschrieben. „Heimliche Asylhauptstadt des Essener Nordens“ befürchten besorgte Bürger für die Zukunft ihres Stadtteils. Drei Behelfsunterkünfte plant die Stadt Essen. Eine davon soll im Stadtbezirk VI beheimatet sein, genauer in der ehemaligen Dependance der Nikolausschule an der Stoppenberger Schwanhildenstraße. Wie zuvor in Frintrop und in Haarzopf regt sich Bürger-Protest. Es sind die bekannten Beschwerden, angeführt vom ewigen Nord- Süd-Vorwurf der ungerechten Verteilung der Unterkünfte im Stadtgebiet. Dazu die Angst vor Lärm, Müll, ja Ungeziefer. Und wachsender Kriminalität, die aus den Erfahrungen im nicht weit entfernten Asylheim an der Wengestraße in Schonnebeck herrührt. „Wie werden wir geschützt“, flog als Frage in den Raum.

Als Vertreter der Stadt (und auch der Vernunft) kam Hartmut Peltz, Büroleiter aus dem Sozialdezernat, zu Wort. Essen benötigt Raum für die wachsende Zahl von Asylbewerbern. Da dieser kurzfristig bereitstehen müsse, werden die Behelfseinrichtungen zeitnah benötigt. Eine ist das Gebäude an der Schwanhildenstraße, in dem diese Kapazitäten vorhanden sind.

Bürger grummeln unzufrieden
„Es wird keine nächtliche Ruhestörung, keinen Müll und keinen Schrotthandel geben“, kündigte Hartmut Peltz an. Zustände – wie im Dortmunder Norden und in Duisburg – „werde es in der Behelfseinrichtung nicht geben“.

Von den Stoppenberger Bürgern war als Reaktion kaum mehr als ein unzufriedenes Grummeln zu hören. Zustimmendes Tischklopfen kam von den Mitgliedern der Bezirksvertretung VI. „Das Thema ist gelaufen. Aber es gibt die Erfahrungswerte aus der Wengestraße. Wir dürfen uns das nicht so einfach machen und bequem sein“, appellierte Werner Dieker (SPD), Mitglied des Seniorenbeirats, an die Lokalpolitiker. Erfolglos. Die Bezirksvertreter wissen, dass sie den Lauf der Dinge im Rat nicht aufhalten können und sie nahmen den Beschlussvorschlag zur Kenntnis.

Jetzt wird der Rat am Mittwoch den Antrag beschließen. In Stoppenberg ist danach eine Bürgerversammlung geplant. Im Ratssaal dürfte es dann noch enger werden.
Bildunterschrift:
Die ehemalige Nikolausschule an der Schwanhildenstraße.   FOTO: CHRISTINE HOLTHOFF

WAZ, 21.11.2013 Nord-Süd-Streit um Asyl-Heime

WAZ20131121Nord-Sued.png

WAZ / Essen,Donnerstag, 21.11.2013

Nord-Süd-Streit um Asyl-Heime

Debatte über die gerechte Verteilung der Standorte im Stadtgebiet wird schärfer. 1800 Flüchtlinge sind unterzubringen - drei weitere Häuser reichen dann nicht


Von Christina Wandt

Die Stadt wird mit drei zusätzlichen dauerhaften Asylbewerberheimen nicht auskommen. „Wenn sich die Entwicklung so fortsetzt, brauchen wir 1800 Plätze“, sagt Sozialdezernent Peter Renzel. Noch im September war man von einem Bedarf von 1000 Plätzen ausgegangen – doch schon jetzt sind 1035 Flüchtlinge in städtischen Unterkünften untergebracht.

Damit wird sich vermutlich auch die Debatte über die einzelnen Standorte und über ihre Verteilung im Stadtgebiet verschärfen. Zuletzt war vielfach kritisiert worden, dass es im Essener Süden relativ wenige Unterkunftsstandorte gebe (Grafik oben). Für Unruhe hatten bereits die Vorschläge der Verwaltung für drei Behelfseinrichtungen gesorgt, die kurzfristig eingerichtet werden sollen, damit man nicht noch auf Turnhallen zurückgreifen muss.

Genannt worden waren frühere Schulgebäude an der Markscheide in Altendorf, der Tiegelstraße im Nordviertel und der Schwanhildenstraße in Stoppenberg. Gegen die Markscheide hatte der Allbau protestiert, der mit seinem Wohnprojekt am Niederfeldsee die Aufwertung Altendorfs vorantreibt. Weil auch viele Ratsleute den Standort für problematisch halten, wird er wohl nicht genutzt. Protest regt sich aber auch in Stoppenberg: Die Schwanhildenstraße sei durch den Publikumsverkehr des Jobcenters belastet und oft zugeparkt, „und abends wird in der Straße gedealt, was das Zeug hält“, sagt Anwohnerin Helgard Steinfurt. Sie arbeite im sozialen Bereich und glaube, „dass wir hier schon genug massive Probleme haben“.

Ähnlich argumentiert der SPD-Ortsverein Mitte beim Nordviertel: „In einem solchen Umfeld kann nicht davon ausgegangen werden, dass den eingepfercht untergebrachten Menschen auch nur der Hauch einer Akzeptanz entgegengebracht werden wird“, formuliert Ortsvereins-Chef Gerd Mahler, der selbst an der Tiegelstraße wohnt.

In der Verwaltung sieht man das Problem, dass alle drei Standorte im nördlichen Teil der Stadt liegen. „Wir haben aber zusammen mit dem Planungsdezernenten in ganz Essen Immobilien geprüft, um die soziale Balance zu wahren.“ Doch für die Einigkeitstraße in Bredeney und die Bernhardstraße in Fischlaken ermittelte man eine Umbau-Zeit von je sechs bis acht Monaten sowie Kosten von jeweils 1 Million Euro. Bei der Schwanhildenstraße wäre man mit 200 000 Euro und einigen Wochen dabei. Sprich: Wegen des Zeitdrucks bei den Behelfsheimen könne man schlecht auf Süd-Standorte ausweichen. Wenn es aber um die neuen Dauer-Unterkünfte gehen wird, seien die wieder in der Verlosung. Kommentar Seite 2


Heime und Wohnungen

  • In Essen lebten am 31. Oktober 2692 Menschen, die Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz erhalten. Zu ihnen zählen etwa auch jahrelang Geduldete, die längst in Wohnungen leben – meist im günstigeren Norden der Stadt.
  • In städtischen Heimen lebten zu diesem Stichtag 1009 Menschen, in Wohnungen 1683.
    Bildunterschrift:
     Asyl-Heime in Essen Grafik: Helge Hoffmann

WAZ, 21.11.2013 Asyl: Nur nicht vor meiner Tür

WAZ20131121Komm.png

WAZ / Essen, Rubrik Kommentar,Donnerstag, 21.11.2013

Asyl: Nur nicht vor meiner Tür


Von Christina Wandt

Dass die bestehenden Asylheime nicht ausgewogen über das Stadtgebiet verteilt sind, zeigt ein Blick auf unsere Grafik. Und so entzündet sich an jedem Standort eine Debatte über die Nord-Süd-Teilung dieser Stadt – über Gerechtigkeit.

Tatsächlich ist die Verwaltung bei ihren Planungen für dauerhafte Unterkünfte gehalten, auch Gebäude im Süden der Stadt stärker in den Blick zu nehmen. Andererseits ist die gefühlte Unwucht schon jetzt größer als die tatsächliche; auch weil die Anwohner in ohnehin belasteten Stadtteilen sensibel auf mögliche Zumutungen reagieren.

Umso mehr wäre es an der Politik zu erklären, warum eine Asylunterkunft eben nicht zwangsläufig eine Zumutung ist: Hier werden nicht Schwerverbrecher und Kinderschänder untergebracht, wie mancher Debattenbeitrag vermuten lässt, sondern Menschen in Not. Umso ärgerlicher ist es, wenn nun ausgerechnet Ortspolitiker die Debatte verschärfen, indem sie drohen, dass es bei ihnen im Viertel keinerlei Akzeptanz für Flüchtlinge geben werde.

Zu Beginn des Jahrtausends riss man viele Heime übereilt ab, auch weil Vorortpolitiker die vermeintlichen Schandflecke rasch loswerden wollten. Statt des Nicht-vor-meiner-Haustür-Mantras sollten die Politiker jetzt bei der Standortsuche helfen. Die Flüchtlinge kommen ohnehin.

WAZ, 20.11.2013 Stadt soll mehr Wohnungen für Asylbewerber anmieten

WAZ20131119-mehrWohnungenFAsyl.png

WAZ / Essen,Mittwoch, 20.11.2013

Stadt soll mehr Wohnungen für Asylbewerber anmieten

Politik sucht Kompromiss für Unterbringung von Flüchtlingen. Ehemaliges Landschulheim in Heisingen als Dauerlösung?


Bei der Suche nach einem politischen Kompromiss für die Unterbringung weiterer Asylbewerber bleibt die Entscheidung dem Rat der Stadt in der kommenden Woche vorbehalten. Der Sozialausschuss stellte sein Votum gestern zurück, noch am Abend rangen die Fraktionen von CDU, FDP, SPD, Grünen und Linken um eine gemeinsame Linie. Oberste Priorität soll die Unterbringung in Wohnungen haben. In Rede stehen bis zu 100 Wohnungen, die in Zusammenarbeit mit den Wohlfahrtsverbänden angemietet werden könnten. Dies nicht zuletzt, um sicherzustellen, dass die Menschen in den Wohnungen betreut werden sollen.

Mindestens eine der dringend benötigten Behelfsunterkünfte könnte dafür Ende kommenden Jahres wieder aufgegeben werden, heißt es von Seiten der SPD, Grünen und Linken, die sich dahingehend bereits abgestimmt haben.

Darüber hinaus zeichnet sich ab, dass die Markscheideschule in Altendorf entgegen dem Vorschlag der Verwaltung nicht zur Unterkunft umgebaut wird. Als Alternative brachten SPD, Grüne und Linke in einem Beschluss-Entwurf neben der ehemaligen Unterkunft für Aussiedler an der Einigkeitstraße in Bredeney auch das einstige Schullandheim an der Straße Obere Aue in Heisingen ins Spiel – beide nicht als vorübergehende Lösung, sondern für eine dauerhafte Unterbringung von Asylsuchenden in den kommenden Jahren.

Wie von der Verwaltung vorgeschlagen, dürften hingegen die ehemalige Tiegelschule im Nordviertel und das leerstehende Schulgebäude an der Schwanhildenstraße in Stoppenberg kurzfristig für die Unterbringung von Asylsuchenden hergerichtet werden.   schy

WAZ, 20.11.2013 Leserbrief Flüchtlingsleid

WAZ20131119-LBFluechtlingsleid.png

WAZ / Essen, Rubrik Leser-Forum,Mittwoch, 20.11.2013

Flüchtlingsleid


Asyl. Allbau-Chef Dirk Miklikowski wird zitiert: „In Altendorf wächst gerade ein zartes Pflänzchen erfolgreicher Stadtentwicklung heran. Wir sorgen uns, dass diese Pflänzchen durch das öffentliche Empfinden plattgetreten werden könnte.“ Ich übersetze den Ausdruck so, dass wohlhabendere Menschen als Bewohner angezogen werden sollen, was gut ist im Sinne einer besseren Durchmischung des Stadtteils. Da aber diese Menschen vermutlich die Nähe von Flüchtlingsleid scheuen, soll es nach Meinung von Herrn Miklikowski in der Nähe des „Niederfeldsees mit den schmucken neuen Mietwohnungen“ kein Flüchtlingsheim geben. Statt Schulen zu Sammelunterkünften umzubauen, wäre es außerden auch besser, geeignete Wohnungen zu suchen, die eine Integration erleichtern würden. Vielleicht kommen als geeignete Wohnungen die „schmucken neuen Mietwohnungen“ in Frage.   Olaf Swillus, Essen

WAZ, 19.11.2013 Neue Asylheime nicht nur im Norden

WAZ20131119-NeueAsylheime.png

WAZ / Essen-Stadtteil,Dienstag, 19.11.2013

Neue Asylheime nicht nur im Norden

Politik drängt bei der Auswahl von weiteren Standorten auf gerechte Verteilung


Von Marcus Schymiczek

Menschen aus Südosteuropa, aus Tschetschenien, Syrien und anderen Ländern, die in diesen Tagen vermehrt um Asyl bitten, sollen nach dem Willen der Politik nicht nur im Norden der Stadt untergebracht werden. Bei der Auswahl von Standorten für neue Unterkünfte soll die Sozialverwaltung deshalb darauf achten, dass die soziale Ausgewogenheit zwischen den Stadtteilen eingehalten wird.

Grüne, Linke und die SPD ergriffen gestern die Initiative für einen entsprechenden Antrag für die heutige Sitzung des Sozialausschusses, dem sich auch die CDU anschließen sollte. Die Abstimmungsgespräche dauerten bis zum Abend an. Unabhängig von ihrem Ausgang darf als sicher gelten, dass der Sozialdezernent Peter Renzel für seine Standort-Vorschläge keine Mehrheit finden wird.


„Die Standorte
werden grund-
sätzlich kritisch
gesehen“
Nina Herff (Linke)
über weitere
Asylunterkünfte
im Essener Norden

Wie berichtet, will Renzel drei ehemalige Schulgebäude im Nordviertel, in Stoppenberg und in Altendorf als vorübergehende Asylunterkünfte nutzen; die Gebäude könnten für insgesamt 1,5 Millionen Euro binnen weniger Wochen für diesen Zweck umgebaut werden.

Insbesondere die Altendorfer Markscheideschule wird von der Politik allerdings kritisch gesehen. Die Sorge gelte der sozialen Balance im Stadtteil, heißt es. Jüngst war der Allbau gegen Renzels Vorschlag Sturm gelaufen. Die städtische Wohnungsgesellschaft fürchtet um die Früchte eines erfolgreichen Stadtumbaus.

Als Alternative brachten die Grünen gestern einen Standort in Bredeney ins Spiel: das ehemalige Schulgebäude an der Einigkeitstraße. Die Immobilie wurde bis zum Jahr 2005 als Unterkunft für Aussiedler genutzt und müsste nach Angaben der Sozialverwaltung für eine Million Euro von Grund auf saniert werden. Die Verwaltung stuft diesen finanziellen Aufwand als unwirtschaftlich ein. Zum Vergleich: Der Umbau der Markscheideschule schlüge mit 700 000 Euro zu Buche.

„Die Verwaltung sagt, es wird teurer und es dauert länger“, so Ratsfrau Christine Müller-Hechfellner (Grüne). Ihre Fraktion denkt über den bevorstehenden Winter bereits hinaus. Ab dem kommenden Jahr könnte die alte Schule an der Einigkeitstraße die Stadt in ihrer Pflicht, Asylsuchenden eine Unterkunft zu bieten, sehr wohl entlasten.

Dass dennoch kurzfristig für 150 Menschen Platz geschaffen werden muss, ist auch in der Politik unstrittig. Die Stadt soll deshalb für Asylsuchende Wohnungen anmieten. Die Linksfraktion könnte sich auch damit anfreunden, sollte die Stadt Container aufstellen, um die Menschen unterzubringen. Diese böten mehr Privatsphäre als in ehemaligen Schulgebäuden. Alles sei besser als die von Renzel angedachte Notlösung: eine Unterbringung in Turnhallen.
Bildunterschrift:
Die ehemalige Aussiedler-Unterkunft an der Einigkeitstraße in Bredeney rückt bei der Suche nach Standorten für Asylheime in den Fokus der Politik.   FOTO: ROTH

WAZ/NRZ, 18.11.2013 SPD gegen Asyl-Heim in der Tiegelschule

WAZ20131118-SPDgegAsylheim.png

WAZ/NRZ / Essen, Rubrik Kurz gemeldet,Montag, 18.11.2013

SPD gegen Asyl-Heim in der Tiegelschule


Der SPD-Ortsverein Essen-Mitte lehnt die Belegung der ehemaligen Tiegelschule im Nordviertel mit Asylbewerbern ab. Ein Asylheim würde alle Anstrengungen der letzten Jahre zunichtemachen, das schwierige Pflaster aufzuwerten. „Insbesondere kann in einem solchen Umfeld nicht davon ausgegangen werden, dass den eingepfercht untergebrachten Menschen auch nur der Hauch einer Akzeptanz entgegengebracht werden wird“, schreibt der Ortsvereinsvorsitzende Gerd Mahler. Der Plan für die Tiegelschule sei „unüberlegt“.

WAZ, 18.11.2013 Die Angst überwunden

NRZ20131118-AngstUeberwunden.png

WAZ / Essen,Montag, 18.11.2013

Die Angst überwunde

Seit drei Wochen ist die frühere Walter Pleitgen-Schule ihr neues zu Hause: 89 Flüchtlinge, überwiegend Familien, leben in der Behelfsunterkunft. Viele Frintroper bringen Spenden vorbei und bieten ihre Hilfe an


Von Pascal Hesse (Text)
und Klaus Micke (Fotos)

Die Sorge war groß: Asylbewerber würden die Immobilienpreise in den Keller treiben, Kriminalität ins beschauliche Frintroper Idyll bringen, für Lärm und Ärger sorgen. Wer vor gerade einmal anderthalb Monaten manchen Anwohner am Rande von Demonstrationen oder am Gartenzaun reden hörte, fühlte sich an einem unwirklichen Ort. Und war mitunter beschämt vor lauter Ignoranz und Fremdenfeindlichkeit, die mancher den Hilfesuchenden entgegen brachte: Als „Klagemauer“ verschrien war die Mauer rund um die künftige Notunterkunft in der Walter Pleitgen-Schule, fremdenfeindliche Banner und Flugblätter säumten die Straßen. Und heute? Wie sieht es in Frintrop aus, drei Wochen nach dem Einzug der ersten Flüchtlinge?


„Die Zusammen-
arbeit mit der Stadt
ist hervorragend“
Ridda Martini,
Leiter der Behelfs
einrichtungen in
Frintrop und Dilldorf

„Die Angst ist verschwunden, die Hilfsbereitschaft immens. Essen darf stolz auf die Frintroper sein“, betont Ridda Martini, Leiter der Behelfseinrichtungen in Frintrop und Dilldorf. Er arbeitet für die Firma „European Homecare“ (siehe Infobox), die beide Häuser im städtischen Auftrag betreibt. Und er hat gut zu tun. „An die 60 E-Mails und Telefonate gehen täglich ein. Die Leute fragen, wie sie den Flüchtlingen helfen können, was sie an Kleidung, Spielen oder Alltagsgegenständen benötigen.“ Nur ungern führt Martini die NRZ in den frisch eingerichteten Fernseh- und Aufenthaltsraum. „Wollen sie dieses Chaos wirklich fotografieren? Wir haben doch noch nicht sortiert“, fragt der Deutsch-Syrer, vor einem Spendenberg stehend. „Das alles ist von heute“, betont Martini. Und lässt dann doch einige wenige Fotos zu.

89 Menschen ist die frühere Walter Pleitgen-Schule nun ein Zuhause auf Zeit. „Es ist nur eine Notunterkunft. Trotzdem wollen wir den Bewohnern das Leben im Haus so angenehm wie möglich gestalten“, erklärt Martini. Die Zusammenarbeit mit der Stadt sei hervorragend, „das freut mich, ist aber nicht immer so“, weiß er aus mehrjähriger Erfahrung in anderen Städten. Er kam selbst als Flüchtling nach Deutschland, wurde wenig später Ehrenamtlicher bei European Homecare, dann Sozialbetreuer und später Leiter mehrerer Häuser. „Ich will verhindern, dass anderen Flüchtlingen passiert, was mir damals passiert ist. Ich möchte vor allem als Kulturdolmetscher tätig sein, denn es gibt Unterschiede in den Kulturen, die wichtig sind.“


„Ich freue mich,
wenn ich Gutes
damit tun kann“
Christel Dübbert,
Anwohnerin, die
Kleidungsstücke
am Tor abgibt

So erinnert sich Martini gut an ein Gespräch mit einer Psychologin, die ihm ihr Leid klagte: Sie wollte, dass ein traumatisiertes irakisches Kind seine Eltern als Tiere malt – in Fachkreisen eine übliche Methode um zu erkennen, wie das Kind zu Mutter und Vater steht. „Aber es wehrte sich. Die Psychologin nahm an, dass der Kleine unglaubliche Angst vor seinen Eltern hat“, erinnert sich Martini. Der Grund war jedoch ein anderer: „Im Islam darf man einen Menschen nicht als Tier darstellen, das ist gegen die Kultur der Menschen.“ Ähnliche Missverständnisse kämen immer wieder vor. Martini: „Hier ist es wichtig, richtig zu reagieren. Hier bin ich der Kulturdolmetscher.“ Mit Erfolg. „Wir haben mit Herrn Martini einen Spitzen-Einrichtungsleiter, der weitsichtig handelt und für alle das beste heraus holt“, betont Jürgen Gentzmer, der als Dilldorfer Koordinator oft mit Martini zu tun hat. Das, was er in Dilldorf gelernt habe, will Ridda Martini auch in Frintrop umsetzen.

Den Eltern, so Martini, ist es wichtig, dass ihre Kinder eine Zukunft haben. „Sie gehen hier zur Schule, lernen deutsch und lesen alles, was sie zwischen die Finger bekommen.“ Ihnen ein Zuhause zu bieten, ein Dach über den Kopf – dafür haben viele Flüchtlinge den Weg beschritten.

'EUROPEAN HOMECARE

  • European Homecare ist ein europaweit agierendes Familienunternehmen aus Essen und wurde 1989 für den Betrieb von Wohnheimen für Asylbewerber und Flüchtlinge gegründet.
  • Im Laufe der Zeit erweiterte sich das Angebot, so dass die Firma seit vielen Jahren Asylbewerber, Flüchtlinge und soziale Randgruppen unterbringt und ihre soziale Betreuung samt Nebenleistungen übernimmt.
  • Infos: www.eu-homecare.co

Frintrop: Alle Bedenkenträger sind verstummt

Zum Asylbewerberheim in der Walter Pleitgen-Schule hat sich ein runder Tisch unter der Leitung von Ralf Oyen gebildet. Er ist Vorsitzender des Pfarrgemeinderat von St. Josef Frintrop. Die Runde will Hilfsangebote und Sachspenden koordinieren und sich um Probleme sorgen, die sich im Zusammenleben mit den Anwohnern ergeben. „Doch davon kann ich moment an nicht berichten, im Gegenteil“, sagt Oyen. Die Hilfsbereitschaft im Stadtteil sei immens. „Alle Bedenkenträger, die sich im Vorfeld gemeldet, Vermüllung und Lärmbelästigung bis hin zu steigender Kriminalität erwartet haben, sind verstummt. Diejenigen, die unmittelbar in der Straße Im Neerfeld leben, sagen: "Es ist ruhig", betont Oyen. Denn die Bedenken, die vorher in den Köpfen schwirrten, seien nicht eingetroffen. Oyen: „Klar, Angst ist normal. Doch man muss irgendwann die Kirche im Dorf lassen, besonnen mit der Situation umgehen und die Leute in Frintrop ankommen lassen.“ Nun würde Normalität einkehren. Flugblätter und Plakate, die gegen Asylbewerber hetzten, seien verschwunden.   pHes


Dilldorf: Eingebunden in den Stadtteil

Jürgen Gentzmer leitet den Arbeitskreis Ortsteilgestaltung und Infrastruktur der Bürgerschaft Kupferdreh – und spricht für den „Runden Tisch“, der sich mit der Behelfseinrichtungen in Dilldorf auseinander setzt. Knapp drei Monate leben die Flüchtlinge nun in seiner Nachbarschaft; sie kommen überwiegend aus Kriegsgebieten, aus Mazedonien und dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien. „Nachdem die Bürger anfänglich sehr skeptisch und misstrauisch waren, helfen sie nun, wo sie können“, sagt Gentzmer. Es seien so viele Spenden eingetroffen, „dass wir jetzt schon nach Frintrop abgeben“. Das betrifft nicht nur Kleidung und Schuhe sondern ebenfalls Tischtennisplatten, Spiele und Fahrräder. „Die Entwicklung ist positiv, ich kann nichts Negatives berichten“, sagt Gentzmer. Zehn Bürger hätten sich gefunden, die sowohl Kindern als auch Erwachsenen Sprachunterricht geben. Andere lesen vor oder helfen den Kindern bei Hausaufgaben. „Dadurch sind die Leute beschäftigt und fühlen sich in den Stadtteil eingebunden.“   pHes
Bildunterschrift:
 
  • Christel Dübbert aus Frintrop hat ein großes Herz. Sie spendet – wie so viele dieser Tage – Kleidungsstücke an die Flüchtlinge in der früheren Walter Pleitgen-Schule.
  • Von Comic-Büchern bis hin zum lebensgroßen geflechteten Rentier fürs Frohe Fest – Ridda Martini hat reichlich Spenden zu sortieren. Was fehlt, sind Kinderfahrräder.
  • Wenn es ums Frühstück, Mittag- und Abendessen geht, sind die beiden Küchenchefs Ute Lamm und Mohammad Ahmadyar die richtigen Ansprechpartner in Frintrop.
  • Eine tschetschenische Familie nutzt den ganz neu eingerichteten Fernsehraum.
  • Ralf Oyen FOTO: PRIVAT
  • Jürgen Gentzmer FOTO: KOKOSKA

WAZ, 18.11.2013 In Essen leben 2542 Asylbewerber

NRZ20131118-2542Asylbewerber.png

WAZ / Essen,Montag, 18.11.2013

In Essen leben 2542 Asylbewerber

Fünf Fragen an Hartmut Peltz


Als Büroleiter des Essener Sozial-, Jugend- und Schuldezernenten Peter Renzel, ist Hartmut Peltz ein ausgewiesener Experte zum Thema Asyl in der Stadt.

Wie viele Asylbewerber leben momentan in Essen?
Zum Stichtag 20. September erhielten 2542 Menschen in Essen Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Wir haben im vergangenen Jahr rund 100 Personen in Wohnungen untergebracht, im laufenden Jahr sind es bis jetzt 134 Menschen. Momentan sind 1045 Menschen in Übergangswohnheimen untergebracht.

Bleiben wir bei den 1045 Asylbewerber in Unterkünften. Wo kommen sie her?
Die größte Gruppe – Stand 15. November – sind Serben (451). Die übrigen Asylbewerber kommen aus Mazedonien (167), Syrien (63), Bosnien-Herzegowina (61), dem Kosovo (42), Ägypten (40), der Russischen Föderation (33, haupt- sächlich aus Tschetschenien), Afghanistan (18), dem Irak (16), Albanien (14), Nigeria (12), Guinea (11) und aus Pakistan (11). Dazu kommen 106 Asylbewerber aus 27 weiteren Nationen.

Wie sieht es mit den Kapazitäten in den Übergangswohnheimen aus?
Wir haben zehn reguläre Wohnheime, dazu nutzen wir vorübergehend ein als Aussiedlerunterkunft gewidmetes Haus. Alle Häuser sind derzeit komplett belegt. Dazu kommen die beiden Behelfseinrichtungen in Dilldorf und in Frintrop. Das Haus in Dilldorf ist mit 78 von 80 Plätzen voll belegt, das in Frintrop hat mit 89 von 135 Plätzen noch Kapazitäten frei. Dort sind derzeit überwiegend Familien untergebracht.

Was muss die Stadt Essen monatlich für einen Asylbewerber aufbringen?
Alleinstehende erhalten monatliche Transferaufwendungen in Höhe von 354 Euro ausgezahlt. Bei zwei Erwachsenen sind es 318 Euro für jeden, jeder weitere erwachsene Haushaltsangehörige erhält 283 Euro. Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren bekommen 274 Euro, Kinder von sechs bis 13 Jahren 242 Euro und jüngere 210 Euro. Diese Sätze sind nur leicht geringer als die Sätze für Hartz-IV-Empfänger. Dazu kommen natürlich weitere Leistungen, die nicht direkt ausgezahlt werden.

Welche Leistungen sind das?
Asylbewerber bekommen Unterkunft, Heizung und Strom gestellt – egal ob sie im Übergangswohnheim oder in einer Wohnung leben. In den Behelfseinrichtungen gibt es aufgrund der baulichen Gegebenheiten einen Unterschied: Die Asylbewerber bekommen weiterhin alle Leistungen, etwa für Bekleidung oder Hygieneartikel, in bar ausgezahlt. Da aber kein Kochen in den Behelfseinrichtungen möglich ist, ziehen wir die Essensversorgung ab. Das ist ein Betrag zwischen 90,60 und 168,27 Euro. Er richtet sich nach der bereits beschriebenen Staffelung.

Das Gespräch mit Hartmut Peltz führte Pascal Hesse, Mitarbeiter der NRZ-Stadtredaktion Essen.
Bildunterschrift:
Hartmut Peltz   FOTO: K.-P.PRENGEL


Steubenstr. 49, 45138 Essen
. nach oben Hauptseite Wir helfen! E-Mail: artessen<a>gmx.dePost_icon.png