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Seitenübersicht

Diskussion wird weiter geführt

Sogar nach der Bundestagswahl lässt die rassistische Partei Pro NRW die Flüchtlinge nicht in Ruhe. Sie hat für den 5. Oktober 2013 erneut Aufmärsche vor zwei Essener Flüchtlingsheimen in Frintrop (wo vorerst noch keine Flüchtlinge eingezogen sind) und in Dilldorf, angekündigt.

Essen-stellt-sich-quer führte daher zwei Gegenkundgebungen durch.

Auch nach dem Abfuhr gegen die rechte Provokation von "Pro-NRW" bleibt das Thema der Aufnahme von Flüchtlingen in Essen, und besonders in Frintrop zentral in der Diskussion.
Es ist vielleicht Folge der geheizten Diskussion, dass auch in Schonnebeck die Nachbar des Unterkunft in der Wengenstraße sich beklagen. Da hatte die Polizei anscheinend schon in Sommer Razzien durchgeführt mit - so die Verlautbarungen in der Presse - kaum nennenswerten Resultate. Die Angst und die Demütigung der Einwohner der Unterkunft wird allerdings - auch wenn in der Presse nicht berücksichtigt - nicht "kaum nennenwert" gewesen sein.

Von verschieden Kräften werden Veranstaltungen angeboten, die dazu dienen sollten, mit mehr Verständnis die Lage einzuschätzen. Solche Veranstaltungen finden ein ungewöhnlich starkes Echo in der Essener Presse.
Rechtzeitig vor der Ankunft der ersten Flüchtlinge in Frintrop wird von der Polizei die "Klagemauer" entfernt: An die Mauer der Walter-Pleitgen-Schule waren Plakate angehängt, die den Unmut der Anwohner, viel zu oft gespickt mit Anfeindungen und rassistischen Untertönen, ausdrückten.

Die Vermutung, dass die bis jetzt angebotenen Plätze nicht ausreichen werden, und dass Essen noch weitere Lösungen suchen muss, heizt die Diskussion weiter an. Obwohl auch Hilfe für die Flüchtlinge angeboten wird, hört man oft einen Unterton, der Besorgnis erweckt: Flüchtlinge werden zu oft vorrangig als Belastung für die Bevölkerung dargestellt.

Ein Höhepunkt von rassistischem Gewalt in Frintrop: am 21. Oktober wird die Asylunterkunft mit einer Schleuder beschossen.
Eine weitere Aufheizung ist sicher die kleine Kundgebung von Anwohner mit brennenden Kerzen vor den Unterkunft in Frintrop. Deeskalierend wirkt stattdessen die Begehung des Heimes, zu der die Stadt Essen Anwohner eingeladen hat.
Am 31. Oktober 2013 meldet die WAZ/Essen: "Flüchtlinge haben in Ruhe die Behelfsunterkunft bezogen". Wir hoffen, dass die Ruhe anhält.

Verschiedene Aspekte des Umgangs mit Flüchtlingen werden im Oktober 2013 in Veranstaltungen behandelt:

  • Am 16. Oktober berichtet der wissenschaftliche Mitarbeiter der Fachhochschule Düsseldorf, A. Häusler, über rassistisch motivierte Feindschaft von Rechtsextremen, aber auch von der „der Mitte“ der Gesellschaft, gegen Flüchtlinge.
  • Am 15.10 bei der Runde von Essen kontrovers sprechen Vertreter der Frintroper Bürgerinitiative und der Politik und von ProAsyl über um Asyl-Bewerber: "Daheim verfolgt – hier unerwünscht?"
  • Am 13.10 spricht Klaus-Michael Bogdal unter dem Titel „Europa erfindet die Zigeuner – eine Geschichte von Faszination und Verachtung“ in der Volkshochschule über die alte und neue Vorurteile Roma gegenüber.


Inhaltsverzeichnis

WAZ, 31.10.2013 Flüchtlinge haben in Ruhe die Behelfsunterkunft bezogen

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WAZ / Essen-Stadtteil,Donnerstag, 31.10.2013

Flüchtlinge haben in Ruhe die Behelfsunterkunft bezogen

45 Menschen wohnen seit Anfang der Woche in der Walter-Pleitgen-Schule. Lage hat sich entspannt


VonThorsten Schabelon

Frintrop. Am gestrigen Mittwoch kam um die Mittagszeit doch Unruhe an der Walter-Pleitgen-Schule in Frintrop auf. Eine Bewohnerin in der Behelfsunterkunft klagte über Schmerzen. Notarzt und Krankenwagen rückten eilig an und leisteten erste Hilfe. Die Situation entspannte sich schnell.

Seit Anfang der Woche wohnen die ersten Flüchtlinge in der Unterkunft. „45 Menschen sind inzwischen hier bei uns. Mehr Kinder als Erwachsene“, sagt Ridda Martini, der für das Essener Unternehmen „European Homecare als Standortleiter der Behelfsunterkunft in der Walter-Pleitgen-Schule arbeitet. Die Menschen kommen aus Tschetschenien, Ägypten, Syrien, Ghana, Nigeria und Mazedonien.

Die Anwohner „Im Neerfeld“ haben den Einzug ihrer neuen Nachbarn mit Interesse und durch ihre Fenster verfolgt. Zettel an den Bäumen der Straße, auf denen die Umnutzung der Schule kritisiert wurde, sind entfernt worden. Die zwischenzeitlich etwas unruhige Lage hat sich entspannt.

Gestern Mittag gab eine Frau mittleren Alters einen blauen Sack mit Kleidungsstücken am Schultor ab. „Die Frintroper unterstützen uns auch mit Spielzeug und anderen Sachen und wollen uns mit ehrenamtlicher Arbeit ihre Zeit spenden. Der Runde Tisch wird sich noch mehr einbringen, wenn sich die Menschen eingelebt haben“, erklärt Ridda Martini. Und dann sagt er einen schönen Satz, der hoffentlich weiterhin Bestand hat: „Die lauten Stimmen hier sind leiser geworden. Und die leisen Stimmen lauter.“
Bildunterschrift:
 
  • Ridda Martini.   FOTO:DANIEL ELKE
  • Die Walter-Pleitgen-Schule in Frintrop.   FOTO: JÖRG SCHIMMEL

WAZ, 26.10.2013 Leserbrief Menschen in Not

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WAZ / Essen, Rubrik Leserforum,Samstag, 26.10.2013

Menschen in Not


Asyl in Essen. In der Berichterstattung und den Einwürfen der Anwohner hat man den Eindruck, in der Nachbarschaft würde ein Hochsicherheitstrakt für Schwerstverbrecher entstehen. Es handelt sich aber doch um Menschen - Menschen in Not - Flüchtlinge.
Ulrich Klös, Essen

NRZ, 26.10.2013 Kommentar Vorsicht mit flammenden Appellen

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NRZ / Essen, Rubrik In diesen Tagen,Samstag, 26.10.2013

Vorsicht mit flammenden Appellen


Wolfgang Kintscher
Gestern Abend haben sie noch einmal demonstriert: 30 Personen waren offiziell polizeilich angemeldet, sie wollten Kerzen aufstellen vor der ehemaligen Walter-Pleitgen-Schule in Frintrop, in der – nach dem notdürftigen Umbau zur Behelfsunterkunft – Anfang der kommenden Woche die ersten Asylsuchenden einziehen.

Nichts gegen derlei Kundgebungen, aber mit Verlaub: Was soll die Nummer mit den Kerzen? Braucht es Mahnwachen-Atmosphäre vor einem Haus, in dem bemitleidenswerte Flüchtlinge aus Kriegs- und Krisengebieten Zuflucht suchen? Wird die alte Schulmauer demnächst zum Ersatzaltar derer, die über Tagesschau-Dramen wie in Lampedusa anklagend den Kopf schütteln, danach aber flackernde „Hier bitte nicht“-Appelle loslassen?

Man kann nur inständigst hoffen, dass all jene, die da mit offener Flamme vor einer Notunterkunft hantieren, nicht ihr Gespür dafür verlieren, an welchen unterschwelligen Emotionen sie da rühren. Und dass sie wissen, wie schnell offenes Feuer außer Kontrolle geraten kann – zumal vor dem Hintergrund der Zwillen-Attacke auf eben diesen Asyl-Standort wenige Tage zuvor, der einem das ungute Gefühl vermittelte, manch einer aus dem rechten Spektrum würde liebend gerne Fackelzüge nach Frintrop organisieren.

Sich von solchen Scharfmachern zu distanzieren, kann jenen, denen es um eine gerechte Verteilung der Flüchtlingsproblematik übers Stadtgebiet geht, nur dringend empfohlen werden. Das tut man auch und rechtfertigt sich mit dem Hinweis, es gehe ja nicht darum, gegen die dort einziehenden Asylbewerber zu demonstrieren, sondern gegen eine Politik, die eine misstrauische Bürgerschaft an der Nase herumführe. Aber dann, bitte schön, hätten sich die Demonstranten eine Gremiensitzung der Entscheider oder das Rathaus als Ziel aussuchen können – und das künftige Miteinander mit den Asylsuchenden nicht schon dadurch belasten sollen, dass man mit „Gott sei bei uns“-Symbolik hantiert. Sie verhindert nur die sachliche Debatte.

Denn in einem haben die Kritiker der gegenwärtigen Unterbringungspraxis für Asylsuchende ja Recht, wie eine dieser Tage in der NRZ veröffentlichte Statistik offengelegt hat: Die Verteilung der Flüchtlinge übers Stadtgebiet erfolgt derzeit denkbar unfair. Zwei von neun Stadtbezirken, darunter der komplette Süden, bleiben größtenteils unbelastet. Gerade die CDU, die gestern mal wieder wohlmeinende Sorgen-Appelle zum Besten gab, kann hier unter Beweis stellen, dass sie nicht nur Willkommenskultur predigen, sondern auch eine gerechte Verteilung der Asyl-Heime im Stadtgebiet sicherstellen will. An ihren Standort-Entscheidungen wird man sie schon bald messen.

WAZ/NRZ, 26.10.2013 Bedenkenträger in der Behelfsunterkunft

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WAZ/NRZ / Essen-Stadtteil,Samstag, 26.10.2013

Bedenkenträger in der Behelfsunterkunft

Die Stadt Essen hatte die Anwohner des neuen Flüchtlingsheims in Frintrop am Freitag zu einer Begehung eingeladen. Dabei konnten Ängste zerstreut werden


Von Thorsten Schabelon Frintrop. Das zitronige Putzmittel setzt sich noch in den Nasen fest. Eine Tür hat als Stopper ein dickes Stück gefaltete Pappe. Und die grauen Wände, das sagt auch Ridda Martini, „sind halt noch etwas karg.“ Der Mann arbeitet bei European Home Care und ist Standortleiter der Behelfsunterkunft in der Walter-Pleitgen-Schule. Am Freitag war dort die Übergabe für die neue Nutzung, 230 000 Euro wurden in den letzten Wochen in Farbe, Brandschutz und drei Sanitärcontainer investiert.

Gestern hatte die Stadt die Anwohner zu einer Führung durch die Räumlichkeiten eingeladen. Fast 50 Bürger waren gekommen und hatten Neugier mitgebracht. Hartmut Peltz, Büroleiter aus dem Sozialdezernat, und Ridda Martini versuch- ten alle Fragen zu beantworten und Bedenken und Ängste zu zerstreuen. Ridda Martini kennt die Unruhe vor dem Einzug, er ist auch Standortleiter der neuen Behelfsunterkunft in Dilldorf. „Das ist normal. Das macht mich nicht nervös. Das legt sich“, sagt er.

Platz für 130 Flüchtlinge hat die Frintroper Unterkunft, Anfang nächster Woche sollen die ersten 40 Asylbewerber einziehen: 50 Prozent Erwachsene, 50 Prozent Kinder. In den Klassenzimmern stehen je drei Etagenbetten, graue Spinde und Trennwände. Es gibt eine Küche. Es gibt die Container, in denen zehn Duschen untergebracht sind. Es gibt im ehemaligen Lehrerzimmer Gemeinschaftsräume und ein Spielzimmer für die Kleinsten. Wer die Pläne hört und die Augen schließt, spürt, dass hier bald wieder Leben einzieht.

Es gibt aber auch viele Fragen. „Wer greift ein, wenn was passiert? Das darf ich doch fragen“, so ein Frintroper. „Die Polizei“, antwortet Ridda Martini und verweist auf Dilldorf: „Dort ist in den ganzen Wochen noch nichts passiert.“

(WAZ:)Sicherheitsdienst vor Ort

Mit jeder Antwort wird die Mauer aus Bedenken Stein für Stein abgetragen. Zwei Sozialbetreuer, zwei Küchenkräfte und zwei Sicherheitsbeamte sind eingeteilt. „Es ist immer jemand da. 24 Stunden, 365 Tage“, sagt Martini. Wenn sich die Asylanten etwas eingelebt haben, wird es weitere Unterstützung geben: Sprachkurse und Hausaufgabenhilfe. „Wir wollen den Menschen eine Perspektive bieten und sie nicht nur lagern“, erklärt Martini. „Viele Frintroper sind hilfsbereit“, bietet Ralf Oyen vom Runden Tisch an.

Brigitte Telöken von der Bürgerinitiative, die die Nutzung der Schule kritisch sieht, ist am Ende des Rundgangs noch nicht überzeugt. Am Abend versammeln sie und ihre Mitstreiter sich zu einem Protest mit Kerzen vor der Schule.


Asylanten aus Ägypten, Syrien, Ex-Jugoslawien

  • Anfang der Woche sollen die ersten Asylbewerber nach Frintrop kommen. 50 Prozent von ihnen sind Erstantragsteller aus Ländern der Russischen Föderation sowie Ägypten oder Syrien. 50 Prozent sind sogenannte Folgeantragsteller, die schon in Deutschland waren. Sie kommen aus Südosteuropa und dort vor allem aus dem ehemaligen Jugoslawien.


Bildunterschrift:
 
  • (WAZ:)Ein interessierter Blick in die neuen Sanitärräume vor der Walter-Pleitgen-Schule in Frintrop. 230 000 Euro wurden dort in Farbe, Brandschutz und drei Sanitärcontainer investiert.   FOTOS: DANIEL ELKE
    (NRZ:) Ein interessierter Blick in die neuen Sanitärräume vor der Walter-Pleitgen-Schule in Frintrop.
  • (WAZ:)In zwei Gruppen wurden die Bürger geführt.
    (NRZ:)In zwei Gruppen wurden die Bürger am Freitag durch die Behelfsunterkunft geführt.

WAZ/NRZ, 25.10.2013 Der Herbst und die Angst sind da

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WAZ/NRZ / Essen-Stadtteil,Freitag, 25.10.2013

Der Herbst und die Angst sind da

Am Montag ziehen die ersten Flüchtlinge in die Walter-Pleitgen-Schule. Die Sicherheitskräfte sind schon da. Die Anwohner in Frintrop treibt die Sorge um


Von Thorsten Schabelon

Frintrop. Die vielen gelben und braunen Blätter vor ihrer Haustür, im Garten und auf dem Bürgersteig an der Frintroper Straße machen Ilse Ophey mächtig zu schaffen. „Ich müsste hier drei Mal am Tag fegen, um richtig Ordnung zu ha- ben“, sagt die 77-Jährige. Der Herbst ist da. Und die Angst.

Die Frintroperin wohnt nur wenige Meter vom Eingang der Walter-Pleitgen-Schule entfernt. Die war in all den Jahrzehnten, die Ilse Ophey und ihr Mann dort leben, immer eine Schule. „Achtung, Kinder“, warnt derzeit auch noch ein rot umrandetes Verkehrsschild. „Die kleinen Figuren müssen bald ausgetauscht werden“, sagt ein Anwohner und lächelt gehässig.


„Wir haben bei uns
Bewegungsmelder
installiert“
Liane Vogt, die
unweit der Walter-
Pleitgen-Schule wohnt

Am Montag wird die Schule zur Unterkunft für Flüchtlinge, 40 Menschen werden dann „Im Neerfeld 6“ einziehen. Derzeit wird noch laut umgebaut. Drei Sanitärcontainer stehen auf dem Schulhof. Dort tun zudem Sicherheitsmitarbeiter ihren Dienst. Nachdem innerhalb von einer Woche zwei Mal auf das Gebäude geschossen wurde, hat auch die Polizei ihre Präsenz erhöht. Streifenwagen fahren verstärkt durch die Straße an der Schule. Am Mittwoch parkten Zivilbeamte ihren dunklen BMW auf dem Bürgersteig und inspizierten das umgewidmete Gebäude.

Die Anwohner haben mit ihrem Ärger die Bäume in der Straße dekoriert. Ihre Zielscheibe: Die Stadtverwaltung und Oberbürger- meister Reinhard Paß. „Wir haben ja nur durch Zufall erfahren, was mit der Schule passiert. Dann wurden wir vor vollendete Tatsachen gestellt. Ich habe so einen Hals“, schimpft Liane Vogt. Die 77-Jährige wohnt ebenfalls an der Frintroper Straße – in Rufweite von Ilse Ophey und der Walter-Pleitgen-Schule. „Wir haben bei uns im Haus Bewegungsmelder installiert. Für die Türen haben wir noch was bestellt“, sagt die Rentnerin. Auch an einen Hund hat sie gedacht. Nachbarn in der Straße gehen zwei Schritte weiter: „Ein Haus steht hier schon zum Verkauf.“ Nur hält sich die Nachfrage ob der bekannten Entwicklung in Grenzen.

„Wir haben uns hier immer wohlgefühlt“, sagt Ilse Ophey und greift sich einen Haufen Blätter. „Früher, früher war das hier eine ruhige Ecke“. Und die vielen kleinen Schulkinder? „An die hatten wir uns doch gewöhnt. Die haben sogar mit mir Laub eingesammelt.“ Von den Flüchtlingen erwartet sie keine Unterstützung bei der herbstlichen Gartenarbeit. „Wir haben ja nichts gegen die Menschen. Für sie ist es auch nicht leicht: So viele in einem Klassenraum. Dazu die paar Duschen“, sagt Ilse Ophey und blickt dann sehr besorgt: „Man hört und liest halt so viel.“ Einmal in der Woche spaziert sie zum unterhaltsamen Treff mit Freunden weiter unten im Stadtteil. „Das ist abends. Ob ich da weiter hingehe?“ Eine Anwohnerin oberhalb der Schule sieht die Situation ganz pragmatisch. Sie kommt aus Polen, war anfangs selbst Gast in Deutschland und „mein Schlafzimmer geht ja nach hinten raus. Da bekomme ich keinen Lärm mit“, sagt sie und lächelt. „Lassen wir uns überraschen.“ Dann kommen ihr TV-Bilder in den Sinn. „Wenn bei meinem Auto aber mal die Räder geklaut sind, schaue ich nach einer neuen Wohnung.“
Bildunterschrift:
 
  • Die Walter-Pleitgen-Schule in Frintrop. Die Anwohner haben den Buhmann für die von ihnen unerwünschte Nutzung gefunden.   FOTO: JÖRG SCHIMMEL
    Aufschrift: "Totengräber von Frintrop -Reinhard Pass- SPD Oberbürgermeister"
  • Drei Sanitärcontainer sind vor der Schule für die künftigen Bewohner aufgebaut worden.   FOTO: JÖRG SCHIMMEL

WAZ, 25.10.2013 Leserbrief Deutlicher Appell

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WAZ / Essen-Stadtdteil, Rubrik Leserbriefe,Freitag, 25.10.2013

Deutlicher Appell


Asylunterkunft in Frintrop: Aufgrund der jüngst vernommenen Anschläge auf das Asylunterkunftsheim an der Walter-Pleitgen-Schule in Frintrop möchte die CDU-Frintrop einen deutlichen Appell an die Bevölkerung richten dergestalt, dass solche fremdenfeindlichen Aktionen, die durch einige wenige ausgerichtet werden, keineswegs auf die Frintroper Bürgerschaft übertragen werden dürfen.

Die große Resonanz der Teilnahme am mittlerweile entstandenen „Runden Tisch“, wo sich viele Mitbürgerinnen und Mitbürger aus dem nachbarschaftlichen Bereich einbringen und ihre Bereitschaft zur Hilfe signalisieren, bekräftigt dies. Die Einrichtung eines „Runden Tisches“, an dem sowohl Stadtverwaltung, Polizei, ortsansässige Bürger, Kirchenvertreter als auch örtliche Politik teilnehmen, hatte sich in der Vergangenheit auch in weiteren Essener Stadtgebieten extrem positiv bewährt. Daher nochmals der Aufruf, den Flüchtlingen und Asylsuchenden unvoreingenommen entgegenzutreten und sie offen aufzunehmen – anstatt Ihnen den Garaus zu machen, bevor sie überhaupt erst angekommen sind. Frintrop ist kein fremdenfeindliches Fleckchen.

Regina Hallmann, CDU-Ratskandidatin für Frintrop



NRZ, 25.10.2013 Leserbrief Auftakt misslungen

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NRZ / Essen, Rubrik Leser-Klartext,Freitag, 25.10.2013

Auftakt misslungen


Asyl-Standorte. Die Stadt sucht die „soziale Balance“? Im Stadtbezirk IV ist dies im ersten Anlauf misslungen. Ist es sozialverträglich, wenn in einem Wohngebiet, in dem bereits knapp 20 Prozent der unter 14-Jährigen eine Zuwanderungsgeschichte haben und fast 40 Prozent der Kinder von Sozialleistungen leben, nun wegen des zufälligen Lehrstandes in einer ehemaligen Grundschule eine Asylbewerberunterkunft eingerichtet wird – womöglich dauerhaft, wie es inzwischen heißt? Da hilft es gar nichts, den gesamten Stadtbezirk zur Aufhübschung der sogenannten Belastungszahl heranzuziehen. Ist es menschenwürdig gegenüber Zuwanderern, zwölf Bet- ten in einen Klassenraum zu stellen und die Bewohner für ein geliefertes, nicht selbst zubereitetes Essen anstehen zu lassen? Die Menschen, die als Asylsuchende kommen, fliehen vor Verfolgung, Gefahren für Leib und Leben aus Bürgerkriegen oder aus Lebensumständen, die Kindern keine Chancen für die Zukunft bieten. Sie müssen menschenwürdig und vom Umfeld in ihrem Schicksal akzeptiert wohnen können. Dafür brauchen Mitbürger im Stadtteil Offenheit und Kraft, um ein für alle Seiten annehmbares Miteinander zu gestalten. Weder der Standort in Unterfrintrop noch der Grundriss und die Sanitär- und Elektroinstallationen einer ehemaligen Schule sind geeignet. Zuwanderer und Anwohner dürfen nicht dauerhaft unter den Versäumnissen des Sozialdezernates leiden.

Erika Küpper, per E-Mail

WAZ/NRZ, 24.10.2013 40 Flüchtlinge ziehen in Frintrop ein

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WAZ/NRZ / Essen,Donnerstag, 24.10.2013

40 Flüchtlinge ziehen in Frintrop ein

Pleitgen-Schule rund um die Uhr bewacht


Anfang nächster Woche ziehen die ersten 40 Flüchtlinge in die ehemalige Walter-Pleitgen-Schule in Frintrop, die die Stadt seit Anfang September zu einer Notunterkunft umgebaut hat. Bei den Menschen handele es sich vorwiegend um Asylbewerber aus Tschetschenien und Ägypten, teilte die Stadt mit. In den Klassenräumen sollen jeweils acht bis zehn Personen untergebracht werden, mit Raumteilern soll zumindest etwas Privatsphäre geschaffen werden. Dusch-Container und Umkleiden werden auf dem ehemaligen Schulhof untergebracht. Laut Baugenehmigung könnte die Stadt maximal 134 Menschen in dem Gebäude unterbringen. Weitere Flüchtlinge werden demnächst erwartet. Seit Unbekannte die ehemalige Schule Anfang der Woche mit einer Schleuder beschossen hatten, wird das Gebäude bereits 24 Stunden am Tag von einem Sicherheitsdienst bewacht. Ebenso wie in der Behelfs-Unterkunft in der Dilldorf-Schule, deren Kapazitäten mit 80 aufgenommenen Flüchtlingen erschöpft ist, wird auch in Frintrop der externe Dienstleister „European Home Care“ vor Ort für die Menschen zuständig sein. Zu dem Team gehören auch Sozialarbeiter.   JeS

WAZ, 22.10.2013 Nimmt Essen zu viele Asylbewerber auf?

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WAZ / Essen, Rubrik Kompakt / Frage des Tages,Dienstag, 22.10.2013

Nimmt Essen zu viele Asylbewerber auf?


"Ich denke, eine Großstadt wie Essen, kann ruhig viele Asylbewerber aufnehmen. Ich persönlich habe da jedenfalls absolut nichts gegen. Wo sollen die Menschen denn sonst auch hin? Irgendwo müssen sie ja unterkommen. Wichtig ist allerdings, dass sie integriert werden und auch, dass die Asylbewerber sich ein wenig anpassen.“ Lisa Budde, Essen

WAZ/NRZ, 22.10.2013 Asylunterkunft mit Schleuder beschossen

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WAZ/NRZ / Essen, Rubrik (WAZ:)kurz gemeldet,Dienstag, 22.10.2013

Asylunterkunft mit Schleuder beschossen


Nachdem es an der ehemaligen Walter-Pleitgen-Schule in Frintrop, die derzeit zur Asylunterkunft umgebaut wird, zum wiederholten Mal zu einer Sachbeschädigung gekommen ist, ermittelt die Kriminalpolizei gegen Unbekannt. Gestern war gegen 13 Uhr vermutlich mit einer Schleuder auf das Gebäude an der Straße Im Neerfeld geschossen worden. Glücklicherweise durchschlugen die Metallgeschosse nicht die Scheiben, so dass niemand verletzt wurde. Schon am 18. Oktober war auf das Gebäude gefeuert worden. Der Staatsschutz wurde eingeschaltet.

NRZ, 21.10.2013 Asyl: „Wir suchen die soziale Balance“

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NRZ / Essen,Montag, 21.10.2013

Asyl: „Wir suchen die soziale Balance“

Doch die Statistik zeigt: Der Osten wird belastet, der Süden bislang eher geschont


Von Wolfgang Kintscher

Der Druck in Sachen Asyl steigt – und mit ihm die Erkenntnis, dass die Stadt erst am Beginn einer neuen großen Unterbringungsdebatte steht. Kaum ist die ehemalige Dilldorfschule in Kupferdreh mit 80 Flüchtlingen belegt, kaum hat man begonnen, die einstige Walter-Pleitgen-Schule zur kurzfristigen Behelfsunterkunft aufzumöbeln, steht jetzt fest: Nicht erst auf mittlere Sicht, nein, noch in diesem Winter, voraussichtlich bis Januar wird es den Bedarf für einen weitere Asyl-Behelfsunterkunft geben.

Und angesichts der spürbar nach oben korrigierten Flüchtlingszahlen für den Winter 2014/15 sickert durch, dass die beiden Behelfsunterkünfte in Kupferdreh und Frintrop durchaus zum dauerhaften Asyl-Standort werden könnten.

Die Sozialverwaltung nimmt eben, was sie an Immobilien kriegen kann – und muss dennoch zusehen, dass sie keine Schieflage produziert: „Wir suchen weiter nach der sozialen Balance“, formulierte es Sozialdezernent Peter Renzel dieser Tage, wobei er auf Skepsis bei nicht wenigen Bürgern stieß.

Und diese Skepsis kommt offenbar nicht von ungefähr, wie ein Blick auf eine von der Sozialverwaltung selbst vorgelegte Übersicht zeigt. Danach ballen sich die Unterkunfts-Standorte vor allem im Osten der Stadt, wo inzwischen sieben der 13 Heime stehen (siehe Karte), darunter die beiden mit den meisten Bewohnern.

Allerdings verengt der Blick allein auf die Standorte der Asyl-Heime die Debatte, denn viele Flüchtlinge wohnen bereits außerhalb der Notunterkünfte in Wohnungen. Einmal im Jahr wird die Statistik aufgemacht, die letzte stammt deshalb von Ende Dezember 2012. Damals lebten 2.399 Personen in Essen „ohne einen gesicherten Aufenthaltsstatus“, was etwa auch die formell nur „geduldeten“ libanesischen Staatsbürger einschließt.

Asyl-Heime in Essen
Nr. StandortStadtteil Pers.
1 Alte Bottroper Str. Bergeborbeck 36
2 Auf’m Bögel Haarzopf 88
3 Buschstraße Steele 21
4 Dahlhauser Str.*Freisenbruch 48
5 Gerhardstraße Schonnebeck 35
6 Grimbergstraße Kray 141
7 Im Löwental Werden 58
8 Langenberger Str. Überruhr 122
9 Sartoriusstraße Rellinghausen 65
10 Wengestraße Schonnebeck 47
11 Worringstraße Burgaltendorf 159
12 Oslenderstraße Kupferdreh 80
13 Im Neerfeld Frintrop #100
Gesamt 1000
* offiziell eine Aussiedler-Unterkunft
# wird erst ab Anfang November belegt

Quelle: Stadt Essen, Sozialverwaltung

Welcher Anteil von ihnen in welchem Stadtbezirk lebt, notiert unsere Karte unter den Bezirksziffern I bis IX.

Und siehe da: Auch ohne ein einziges Asylheim kommen die Stadtbezirke I (Stadtmitte, Frillendorf und Huttrop) und V (Altenessen, Karnap und Vogelheim) auf stattliche Quoten.

Ebenso auffällig: Die Stadtbezirke II (Rüttenscheid, Bergerhausen, Rellinghausen und Stadtwald) sowie IX (Werden, Kettwig und Bredeney) bleiben mit 3 und 3,9 Prozent und großem Abstand am unteren Ende der Skala. Manche Bürger – auch jüngst bei „Essen kontrovers“ – bringt das zu der Annahme, diese Verteilung der Lasten sei nicht dem Zufall geschuldet, sondern politische Absicht.

Es macht die Sache  nicht einfacher, dass die Belegung der Unterkünfte im Jahresverlauf schwankt. So stammten von den zum Stichtag 31. August in den Asylbewerberunterkünften lebenden 703 Bewohnern 308 aus Serbien und 96 aus Mazedonien – größtenteils Roma, die nach dem Winter wieder in ihre Heimat zurückgehen, wobei allerdings die Verweildauer von Jahr zu Jahr offenbar länger ausfällt.

Erst mit deutlichem Abstand folgen dann Flüchtlinge aus Syrien (41), Bosnien-Herzegowina (33), Ägypten (28), dem Kosovo (17), Irak (16) und 27 weiteren Staaten.

Den Menschen zu helfen, aber keine „Problem-Stadtteile“ entstehen zu lassen, ist der Spagat der Standortfindung. Renzel kann die Ängste der Bürger verstehen und warnt vor vorschneller Kritik: „Nicht jeder, der seine Sorgen äußert, ist sofort rechtsextrem.“
Bildunterschrift:
Zwei Karten in einer: Die roten Kreise markieren die Asylheim-Standorte in

Essen (siehe Tabelle); die Prozentzahlen zeigen, welcher Anteil der rund

2399 Asylbewerber Ende vergangenen Jahres in welchem Stadtbezirk lebte.

WAZ/NRZ, 19.10.2013 Nachbarn klagen über Flüchtlinge

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WAZ/NRZ / Essen,Samstag, 19.10.2013

Nachbarn klagen über Flüchtlinge

Das Übergangsheim an der Wengestraße steht in der Kritik. Stadt und Polizei waren bereits aktiv und bewerten die Situation weniger dramatisch


Von Markus Grenz

Schonnebeck. Rund um das Übergangswohnheim für Asylanten an der Wengestraße brodelt die Volksseele. Um die 20 Nachbarn beschweren sich massiv über die Zustände vor Ort. Dabei waren Polizei und Stadtverwaltung bislang nicht untätig.

„Unhaltbare Zustände“, nannte dies ein Anwohner in der vergangenen Sitzung der Bezirksvertretung (BV) VI. Nachbarin Anja Viehoefer führt aus: „Es wird geklaut, es ist immer wieder sehr laut und auch sonst passieren dort so einige Dinge“, führt sie aus. Diese „Dinge“ sind vielfältig. Der Schonnebecker Ratsherr Siegfried Brandenburg (CDU) präzisiert: „Transporter kommen nachts, bringen alte Kühlschränke, Metalle und Kabel.“ Er geht von illegalen Aktivitäten aus.

Stadt und Polizei sind die Vorwürfe bekannt. Im Juni und im Juli haben sie im Heim, das von 47 Menschen aus Serbien, Mazedonien und aus dem Irak bewohnt wird, Razzien durchgeführt. Die Ergebnisse? Kaum nennenswert, so die Stadt: „Es gab Feststellungen von Personen – kein Vergleich zu dem, was wir bei anderen Razzien erlebt haben“, sagt Hartmut Peltz, Büroleiter im Sozialdezernat.

Seit Monaten haben er und seine Mitarbeiter den Vorgang auf dem Tisch. „Die Probleme der Anwohner sind uns bekannt und wir den- ken, dass wir darauf auch reagiert haben“, so Peltz. Am runden Tisch hätten sich Polizei und Ausländerbehörde auf ein Konzept für Heim und Umfeld verständigt. Seit rund einem Monat patrouilliert regelmäßig – nach Dienstschluss des Hausverwalters – in der Nacht sowie an Wochenenden und Feiertagen ein privater Sicherheitsdienst, der auf die Einhaltung der Hausordnung achtet, das Gelände kontrolliert und auch auf die Nachbarn zugehen soll. Eine Hotline für die Anwohner soll in Kürze beim Sozialamt eingerichtet werden. „Wir sind etwas erstaunt von dem aktuellen Anwohnerprotest. Wir haben seit zwei Monaten überhaupt keine neue Beschwerde mehr bekommen“, erläutert Peltz: „Wir nehmen die Leute doch ernst, aber für uns gehört das Heim zu den weniger problematischen.“

Auch die Polizei hat keine dicke Beschwerdeakte zum Thema Wengestraße, zumindest nicht aus den vergangenen Monaten. „Seit August hatten wir drei Ruhestörungen, alle an einem warmen Augustwochenende. Das Heim ist nicht auffälliger, als andere auch“, so Polizeisprecher Lars Lindemann.

„Die Bürger haben resigniert“, erklärt sich Brandenburg die Be- schwerdelage. Er fordert mehr Kontrollen vor Ort und mehr Einsatzzeiten für die zuständige Sozialarbeiterin: „Das wäre der erste Schritt.“ Hartmut Peltz vom Sozialdezernat befürchtet, das werde nicht viel nützen: „Mein Eindruck ist, dass ein Teil der Beschwerden daher kommt, dass die Einrichtung vor Ort von Grund auf abgelehnt wird.“


Proteste schon beim Bau der Einrichtung

  • Nur unter massivem Protest einer Bürgerinitiative wurde das Heim Anfang der 1990er Jahre überhaupt erst errichtet.
  • Die auf zehn Jahre befristete Genehmigung wurde stillschweigend verlängert.
    Bildunterschrift:
    Im Übergangsheim an der Wengestraße sind 47 Menschen untergebracht. Einen schlechten Eindruck machen Gelände und Haus nicht.   FOTOS: JÖRG SCHIMMEL

NRZ, 17.10.2013 Essen braucht mehr Asyl-Heime als gedacht

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NRZ / Essen,Donnerstag, 17.10.2013

Essen braucht mehr Asyl-Heime als gedacht

Nach den jüngsten Flüchtlings-Zahlen rechnet die Stadt für den Winter 2014/15 mit bis zu 400 Asylsuchenden mehr als bisher. Drei oder vier Heim-Standorte zusätzlich nötig. Keiner soll mehr vorschnell aufgegeben werden


Von Wolfgang Kintscher

Eine Welt in Aufruhr schert sich nicht um Kalkulationen aus dem Rathaus: Erst vor drei Wochen hatte die Sozialverwaltung der Politik vorgerechnet, dass Essen im Winter 2014/15 stadtweit rund 1.200 Flüchtlinge in Notunterkünften unterbringen muss.

Jetzt ist der Oktober noch nicht einmal vorbei, und doch muss diese Zahl für Essen bereits deutlich nach oben korrigiert werden: Angesichts des aktuellen Zustroms sei, so sagte Sozialdezernent Peter Renzel am Dienstagabend bei der Diskussionsveranstaltung „Essen kontrovers“, zum Ende des kommenden Jahres mit rund 1.500 bis 1.600 Asylsuchenden zu rechnen.

Dies hat zur Folge, dass entsprechend mehr Asylheime bereitgestellt werden müssen, vermutlich drei bis vier zu den bereits ins Auge gefassten zweien, denn im Schnitt kalkuliert die Stadt mit 100 bis maximal 150 Flüchtlingen pro Standort.

Zuletzt wurde die alte Dilldorfschule in Kupferdreh übergangsweise zur Heimstatt für 80 Flüchtlinge aus Ägypten und Serbien, Syrien und Mazedonien. Der Standort ist damit voll belegt. Weitere 100 Flüchtlinge werden voraussichtlich in zwei Wochen in der aufgegebenen Walter-Pleitgen-Schule in Frintrop untergebracht. Die Baugenehmigung lässt zwar bis zu 135 Personen zu, doch will die Stadt mit Betreuungsräumen für Groß und Klein den Alltag gestalten.

Parallel dazu ist die Sozialverwaltung dabei, bebaute und unbebaute Immobilien in allen 50 Stadtteilen auf ihre Verwendung als Unterkunfts-Standort zu prüfen. Schon bei der von Volkshochschule und NRZ veranstalteten „Kontrovers“-Debatte zeigte sich am Dienstag, dass dabei ein besonderes Augenmerk auf die Frage gelegt wird, ob die Unterbringung der Flüchtlinge „sozial gerecht“ erfolgt.

Nach wie vor gibt es in Frintrop, aber auch andernorts Ängste und Befürchtungen, die Stadtteile könnten in ihrer Sozialstruktur „kippen“, wenn man eine Vielzahl von Flüchtlingen dauerhaft dort unterbringt. Sozialdezernent Renzel begegnete diesen Sorgen gestern mit den guten Erfahrungen der in Dilldorf bereits eingeführten und in Frintrop geplanten Rund-um-die-Uhr-Betreuung der Einrichtung.


„Ich werde der Poli-
tik nicht mehr vor-
schlagen, funktio-
nierende Einrichtun-
gen zu schließen...“
Peter Renzel,
Sozialdezernent

Und er wiederholte die Erkenntnis aus der Flüchtlingsarbeit, dass Asylheime nirgends übermäßig beliebt seien: „Aus keinem Stadtteil rufen die Leute an und sagen: Baut das lieber bei uns.“ Kein Wunder, dass man in der Sozialverwaltung mittlerweile offenbar bereut, in der Vergangenheit sämtliche alten Asyl-Standorte aufgegeben zu haben: „Ich werde der Politik nicht mehr vorschlagen, funktionierende Einrichtungen zu schließen und dem Erdboden gleich zu machen“, so Renzel vor rund 130 Zuhörern in der VHS. Jetzt aber muss er erst einmal neue Standorte finden. Welche ausgeguckt werden, soll der Rat, wenn möglich, noch Ende November beschließen.

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Standort-Entscheidungen bleiben Sache der Politik
Stadt setzt darauf, möglichst viele Flüchtlinge in Wohnungen zu vermitteln – und auf „runde Tische“ mit den Anwohnern

Fortsetzung von Seite 1

Auch und gerade in Sachen Asyl, so wurde bei „Essen kontrovers“ deutlich, hat die Stadt nicht durchgehend das Heft in der Hand: Die Zuweisungszahlen etwa kann sie nicht ändern, bei der Ausreisepflicht ist sie aufs Land angewiesen, und das Arbeitsverbot für Asylsuchende darf sie nicht eigenmächtig aufheben – auch wenn der Sozialdezernent durchblicken lässt, dass er eine Lo- ckerung für durchaus sinnvoll hält.

Auf der anderen Seite scheiterte Peter Renzel just in der jüngsten Ratssitzung an einer Mehrheit von SPD, Grünen und Linken, die seinem Vorstoß, Geldleistungen an die Flüchtlinge durch Sachleistungen zu ersetzen, nicht folgen mochten.

Eine der wichtigen Stellschrauben in der Asylpolitik bleibe darum die Frage, wo und wie die Flüchtlinge untergebracht werden. So legt sich die Stadt ins Zeug, Familien mög- lichst frühzeitig von den Notunterkünften in Wohnungen zu vermitteln, 100 Mal gelang das im vergangenen Jahr, „aber das ist ein mühseliges Geschäft“, weiß Renzel: Egal ob Allbau, Viva West oder private Vermieter: „Die schauen sich ihre Mieter sehr genau an.“

Vielleicht haben auch sie die Bilder im Kopf, die der Sozialverwaltung das Leben so schwer machen: aus Duisburg oder der Dortmunder Nordstadt, wo Zuwanderer oft mit massiven Problemen gleichgesetzt werden. Nicht dass der Umgang mit den Asylsuchenden konfliktfrei abgehe, aber auch hier zahle sich die Betreuung aus, sie „sorgt dafür, dass Spielregeln eingehalten werden“.

Von Anwohner-Initiativen auch am Dienstag vorgebrachte Forderungen, bei der Standortauswahl der Heime mitwirken zu dürfen, lehnte der Sozialdezernent rundheraus ab: Runde Tische vor Ort, im Umfeld der Einrichtungen, hätten sich als „vollkommen ausreichend“ erwiesen. Die Standort-Entscheidung selbst zu treffen, sei aber Sache der Politik. „Und das sollte so bleiben.“   woki
Bildunterschrift:
 
  • Kletterspaß ist international: Kinder aus vielen Teilen der Welt spielen auf dem Schulhof der einstigen Dilldorfschule, die zum Behelfsheim wurde.   FOTO: ULRICH VON BORN
  • Rund 130 Gäste verfolgten die Asyl-Debatte von „Essen kontrovers“, dem gemeinsamen Diskussionsforum von Volkshochschue und NRZ. Kontrovers war’s dort übrigens kaum auf dem Podium, eher zwischen Podium und Publikum.   FOTO: ALEXANDRA ROTH

WAZ, 17.10.2013 Stadt benötigt weitere Asylunterkünfte

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WAZ / Essen,Donnerstag, 17.10.2013

Stadt benötigt weitere Asylunterkünfte


Weil der Zustrom von Flüchtlingen und Asylbewerbern weiter zunimmt, muss die Stadt Essen ihre Planungen für die Unterbringung der Hilfesuchenden korrigieren. Vermutlich würden neben den beiden Behelfseinrichtungen in Kupferdreh und Frintrop zusätzlich noch drei bis vier weitere Einrichtungen benötigt, sagte Sozialdezernent Peter Renzel am Dienstagabend bei der Diskussionsveranstaltung „NRZ kontrovers“ in der Volkshochschule. Wie die WAZ-Schwesterzeitung berichtet, rechnet der Dezernent damit, zum Jahresende etwa 1500 bis 1600 Asylsuchende in Essen unterbringen zu müssen. Bislang war die Stadt davon ausgegangen, dass sie Plätze für 1200 Menschen benötigt.

In der früheren Dilldorfschule in Kupferdreh sind bereits 80 Flüchtlinge untergebracht. Die Walter-Pleitgen-Schule in Frintrop wird derzeit umgebaut und soll ab November belegt werden.

WAZ/NRZ, 17.10.2013 Deutsch-Kurs für Migranten

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WAZ/NRZ / Essen,Donnerstag, 17.10.2013

Deutsch-Kurs für Migranten


Im VKJ-Familienzentrum Sim Sala Grim an der Grimbergstraße 30 findet immer mittwochs von 9 Uhr bis 10.30 Uhr ein Deutsch-Anfängerkurs für Erwachsene statt. In diesem werden die Grundlagen der deutschen Sprache vermittelt, so dass sich die Teilnehmer problemlos im Alltag, bei Ämter-Gängen oder beim Einkaufen verständigen können. Durch Übungen und Beispiele erlernen sie die Begriffe des täglichen Lebens. Die Kursleitung hat Jeanette Salburg. Weitere Informationen gibt 557 9089 oder im Netz es unter unter: www.vkj.de

Das Kursangebot ist kostenlos.

WAZ, 17.10.2013 Leserbrief: Verweigerung

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WAZ / Essen, Rubrik Leserforum,Donnerstag, 17.10.2013

Leserbrief: Verweigerung


Klagemauer entfernt. Wer sich – wie Herr Röttges von der Bürgerinitiative Frintrop – von „Rechtsextremen, Linksextremen, Liberalen, etc.“ distanziert, sagt sich somit offensichtlich von jeglichen politischen Grundsätzen los. Stattdessen verfolgt er das St.-Florians-Prinzip als Grundlage seiner Forderung nach „einer „radikalen Abkehr von der Asylpolitik“. Statt trotziger Verweigerung empfehle ich der Bürgerinitiative konstruktives, vorbereitendes und begleitendes Engagement, damit die befürchteten Effekte gar nicht erst eintreten oder minimiert werden können. So könnte sich die Initiative als Ansprechpartner etablieren – sonst wird alles Weitere ohne sie stattfinden. Arno Lindner, Essen

WAZ, 15.10.2013 Stadt entfernt Klagemauer an der Asylunterkunft

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WAZ / Essen,Dienstag, 15.10.2013

Stadt entfernt Klagemauer an der Asylunterkunft

Frintroper Bürger hatten dort ihrem Unmut gegen die Umwandlung der früheren Schule Luft gemacht


Von Christina Wandt

Das Transparent war weithin sichtbar, die Aussage heftig: „Stadt Essen hintergeht Frintroper Bürger.“ Es war quer über die Straße Im Neerfeld gespannt – von den Häusern empörter Anwohner bis zur Walter-Pleitgen-Schule, die ab November als Behelfseinrichtung für Asylbewerber genutzt werden soll. Nun hat die Stadt das Banner entfernen lassen und damit den Unmut einiger Anwohner noch einmal vergrößert.

„Am Samstag um 4.15 Uhr haben die das abgenommen“, sagt Wolfgang Röttges von der Bürgerinitiative gegen die die Behelfsunterkunft. Nicht nur wegen der Uhrzeit spricht er von einer Nacht-und-Nebel-Aktion: „Es gilt das Recht auf freie Meinungsäußerung, darum haben wir Anzeige erstattet.“ Zudem sei nicht nur das Transparent verschwunden, sondern auch die Zettel, die die Bürgerinitiative an der Mauer der Pleitgen-Schule angebracht hatte. Röttges spricht von einer Klagemauer, auf der man den Schriftverkehr mit Behörden dokumentiert hatte. Aber nicht nur das: Da wird der Sozialdezernent aufgefordert, bei sich zu Hause eine Roma-Familie mit sieben Kindern aufzunehmen, da heißt es, jeder, der am Umbau der Schule beteiligt sei, mache sich „moralisch in höchstem Maße mitschuldig am Niedergang Frintrops“. Etwas Polemik sei gestattet, findet Röttges; doch die Stadt, die die Zettel lange geduldet hatte, sah das nun anders. „Es standen dort teils rechtsgerichtete Parolen, über die sich auch Bürger bei uns beschwert haben, da haben wir reagiert“, sagt Stadtsprecherin Nicole Mause. Entfernt habe man auch mit bunten Bändern umwickelte Ziegelsteine, die auf der Mauer lagen: „Das war gefährlich: Man stelle sich vor ein Kind zieht am Band und der Stein fällt hinab. . .“ Wie das Entfernen des Banners begründet sei, konnte Mause am Montag nicht sagen, weil der verantwortliche Mitarbeiter nicht erreichbar war.

Ralf Oyen vom Runden Tisch Frintrop, der im Stadtteil vermittelnd tätig ist, bedauert die Eilaktion. „Wir hatten mit der Stadt vereinbart, dass wir erst gemeinsam mit Anwohnern die umgebaute Schule ansehen. Danach hätte die Bürgerinitiative vielleicht Einsicht gezeigt und die Zettel selbst abgehängt.“ Nun hoffe er, dass die Zusage zu der Ortsbegehung eingehalten werde. Sonst dürften sich noch jene bestätigt fühlen, die glauben, die Stadt hintergehe die Bürger.
Bildunterschrift:
Die Stadt hat die Zettel an der Walter-Pleitgen-Schule jetzt entfernt.   FOTO: VAHLENSIECK

WAZ, 14.10.2013 Diskussion um Asyl

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WAZ / Essen,Montag, 14.10.2013

Diskussion um Asyl


Das Essener Friedensforum und die Volkshochschule laden am Mittwoch, 16. Oktober, um 19 Uhr in die VHS am Burgplatz zu einer Diskussion über das Thema Asyl ein. Der wissenschaftliche Mitarbeiter der Fachhochschule Düsseldorf, A. Häusler, berichtet über rassistisch motivierte Anfeindungen von Rechtsextremen, aber auch aus „der Mitte“ der Gesellschaft, gegen Asylbewerber und andere Hilfsbedürftige und beschreibt, was dies für das Klima in unserer Gesellschaft bedeutet. Die Veranstaltung wird von Pro Asyl und dem Anti-Rassismus-Telefon unterstützt. Eintritt frei.

NRZ, 12.10.2013 VHS-Vortrag zur Geschichte der Roma in Europa

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NRZ / Essen,Freitag, 12.10.2013

VHS-Vortrag zur Geschichte der Roma in Europa


Unter dem Titel „Europa erfindet die Zigeuner – eine Geschichte von Faszination und Verachtung“, spricht Klaus-Michael Bogdal am Sonntag, 13. Oktober, um 11 Uhr in der Volkshochschule am Burgplatz. Der Literaturwissenschaftler hat anhand von europäischen Quellen aus Literatur, Kunst und historischen Dokumenten untersucht, wie es möglich wur- de, dass jahrhundertealter Hass gegenüber Roma bis heute im Spannungsverhältnis fortbesteht. Der mit dem „Preis für Europäische Verständigung der Leipziger Buchmesse 2013“ ausgezeichnete Autor stellt seine Forschungsergebnisse, um sie mit der aktuellen Roma-Debatte zu verknüpfen. Der Eintritt ist frei.

WAZ/NRZ, 11.10.2013 Wie Bürger helfen können

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WAZ/NRZ / Essen,Freitag, 11.10.2013

Wie Bürger helfen können

Kicker oder Bauklötze, Winterjacken und Vorlese-Paten: In Asylbewerberheimen wird vieles gebraucht, was andere gerne geben möchten


Von Dominika Sagan

Viele Kleider sind im Asylbewerberheim in Kupferdreh abgegeben worden, die Hilfsbereitschaft ist groß, sagt Einrichtungsleiter Ridda Martini dankbar: „Sommersachen brauchen die Menschen jetzt nicht mehr“. Wer aber spenden möchte, kann das weiterhin. Benötigt werden etwa Schuhe für Erwachsene und Kinder, Jacken, Regen- und Schneekleidung, Schals, Mützen und Handschuhe. Gleichzeitig bittet Martini, die Spenden nicht vor die Tür zu legen und sie auch nicht direkt an die Bewohner abzugeben. Und auf Unterwäsche zu verzichten.

Feste Zeiten für die Abgabe

Um die Spenden zu koordinieren, hat das Heim mittwochs feste Abgabe-Zeiten eingerichtet (siehe Info-Kasten), dann nimmt ein Mitarbeiter Kleider und Spielsachen entgegen. Die Kinder wünschen sich sehr eine Tischtennisplatte, Billardtisch oder Kicker, nun da das Wetter schlechter wird und sie draußen keinen Federball mehr spielen können, sagt Martini. Dafür sind auch Geldspenden möglich. Viele Gesellschaftsspiele haben sie schon erhalten. „Über Bauklötze, Bastel- und Malsachen freuen sich die kleinen Kinder für ihr Spielzimmer“, sagt er und ergänzt: „Uns sind wenige Spenden lieber, die aber gut sind.“ Das heißt für Kleidung, dass sie gebrauchsfähig und in gutem Zustand sein sollte.


„Uns sind wenige
Spenden lieber,
die aber gut sind“
Ridda Martini, Leiter
des Asylbewerberheims
in Dilldorf

Natürlich erhalten die Asylbewerber auch Geld, um sich etwa

Kleider zu kaufen. „Dennoch sind die Kleiderspenden willkommen, vor allem, um die ersten Tage zu überbrücken“, weiß Hartmut Peltz, Büroleiter des Sozialdezernats. Die Schulverwaltung kümmert sich nun darum, dass die Kinder bald unterrichtet werden. Die aus Kupferdreh werden unter anderem die Hinsbeckschule besuchen. Für die Hausaufgabenhilfe werden noch Ehrenamtliche gesucht, sagt er.

Einige freiwillige Helfer sind in Dilldorf bereits im Einsatz, basteln oder malen mit den Kindern, helfen bei der Sprachförderung. Auch hier gilt: Weitere Kräfte sind gern gesehen. Martini: „Vielleicht findet sich jemand, der den Kindern auf Deutsch vorliest, denn sie lernen die Sprache ja rasend schnell.“

Wie viele Kinder Ende Oktober in die Asylbewerberunterkunft in Frintrop einziehen, ist noch ungewiss. Daher kann Ralf Oyen, der den Runden Tisch in Frintrop leitet, noch nicht genau sagen, welche Hilfen dort in der ehemaligen Walter-Pleitgen-Schule benötigt werden. Rund 100 Menschen sollen dort vorübergehend leben, das sind die derzeitigen Pläne der Stadt.

Auch darunter werden sicher viele Kinder sein, die sich über Spielzeug, Jacken und Hausaufgabenhilfe freuen, davon ist Oyen überzeugt und will bekannt machen, wie Bürger sich engagieren können, sobald sie die Lage nach dem Einzug einschätzen können.


Spenden-Koordination

  • In Kupferdreh leben derzeit 80 Asylbewerber, davon 40 Kinder. Die Hälfte der Menschen kommt aus Südosteuropa, 18 aus Syrien, weitere u.a. aus Tschetschenien und Ägypten.
  • Spendenabgabe in Kupferdreh: mittwochs, 15-16.30 Uhr, Oslenderstraße 36 b. Das Ehepaar Grimm koordiniert die Spenden: 48 07 59
    Bildunterschrift:
     
  • Im Behelfsheim in der Dilldorfschule in Kupferdreh spielen Kinder aus vielen unterschiedlichen Ländern miteinander. FOTO: ULRICH VON BORN
  • Über solche gefütterten Schuhe freuen sich die Kinder ebenso wie über warme Jacken, Mützen und Schals für den anstehenden Winter.

NRZ, 9.10.2013 Daheim verfolgt – hier unerwünscht?

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NRZ / Essen,Mittwoch, 09.10.2013

Daheim verfolgt – hier unerwünscht?

Bei der nächsten Runde von Essen kontrovers geht es um Asyl-Bewerber


Sie sind aus Syrien, Mazedonien, Tschetschenien und vielen anderen Ländern der Welt: 1200 Flüchtlinge werden nach vorsichtigen Schätzungen im nächsten Jahr nach Essen kommen. Nicht miteingerechnet sind dabei Einwanderer aus den EU-Beitrittsländern Osteuropas, da- runter viele Roma-Familien. Alle brauchen ein Dach über dem Kopf und werden hier leben. Manche nur für ein paar Wochen, andere für Jahre.

Was für die Einen ein Zugewinn an multikultureller Vielfalt ist, besorgt vor allem die Anwohner im Umfeld von Flüchtlingsunterkünften. Sie fürchten Dreck, Lärm und vor allem: Kriminalität.

Stimmen die Vorurteile? Gibt es „gute“ Bürgerkriegsflüchtlinge und „schlechte“ Armutsflüchtlinge? Wie sollte die Stadt mit den Menschen umgehen – sie willkommen heißen und sie in Wohnungen unterbringen? Oder in Schulen oder sonstigen Notunterkünften? Welche Anreize setzt man mit Geld- oder Sachleistungen? Welche Erfahrungen gibt es mit den Neuankömmlingen?


All diesen Fragen widmet sich die nächste Diskussionsrunde „Essen kontrovers“, einer gemeinsamen Veranstaltung von Volkshochschule und NRZ, am kommenden Dienstag, 15. Oktober, ab 19 Uhr in der Lernbar der VHS, Burgplatz 1.

Rainer Wittmann und Gitta Telöken, Mitglieder der Frintroper Bürgerinitiative, die sich in Sachen Walter-Pleitgen-Schule als Notunterkunft von der Stadt hintergangen fühlen, werden berichten und gemeinsam mit dem Publikum sowie folgenden Podiumsgästen diskutieren: Karla Brennecke-Roos, SPD-Ratsfrau und Vorsitzende des Sozialausschusses, Jutta Eckenbach, CDU-Bundestagsabgeordnete und Essener Ratsfrau, Kathrin Richter, Pro Asyl/Flüchtlingsrat Essen, Nizaqete Bislimi, Roma und Rechtsanwältin in Essen, sowie Peter Renzel, Sozialdezernent. Die Journalistin Stephanie Grimme moderiert die Runde.
Bildunterschrift:
Katrin Richter / Peter Renzel / Jutta Eckenbach / Karla Brennecke-Roos / Nizaquete Bislimi

WAZ/NRZ, 8.10.2013 Buchpreisträger Bogdal zu Gast in der VHS

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WAZ/NRZ / Essen,Dienstag, 08.10.2013

Buchpreisträger Bogdal zu Gast in der VHS

Studie über den Hass gegenüber Roma


In der Reihe „Reden von Morgen“ begrüßt die VHS Essen am 13. Oktober den Bielefelder Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Klaus-Michael Bogdal. In seiner vielgelobten Studie „Europa erfindet die ‘Zigeuner‘- eine Geschichte von Faszination und Verachtung“ geht der Autor der Frage nach, wie es möglich wurde, dass jahrhundertealter Hass gegenüber „Zigeunern“ im Spannungsverhältnis von Faszination und Verachtung bis heute fortbesteht. An seiner Studie arbeitete Klaus Michael Bogdal mehr als 20 Jahre, bis sein Buch im Jahr 2011 bei Suhrkamp erschien. Darin dokumentiert er sechs Jahrhunderte andauernder Verfolgung und Ausgrenzung von Sinti und Roma in Europa. Für sein Werk wurde Klaus-Michael Bogdal am 13. März 2013 mit der Verleihung des Leipziger Buchpreises zur Europäischen Verständigung ausgezeichnet. Aktualität gewinnt Bogdals Arbeit durch die kontroverse Diskussion über den Asyl-Zuzug osteuropäischer Roma. Der Vortrag beginnt in der VHS, Burgplatz 1, um 11 Uhr. Eintritt frei.
Steubenstr. 49, 45138 Essen
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