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Die "alte Essener Zeche Carl" gibt es nicht mehr

Das soziokulturelle Projekt Zeche Carl ist in Bedrängnis. Seit 01.10.2008 existiert der bisherige Betreiberverein nicht mehr, die angestellten Mitarbeiter wurden in eine Transfergesellschaft überführt. Die Stadt Essen hat eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die ein komplett neues Betreiberkonzept erarbeitete.

Zu befürchten ist, dass die "neue Zeche Carl" viele gesellschaftlich notwendige Tätigkeiten nie mehr aufnehmen wird.

In der Debatte um die neue Zielsetzung der Zeche erschien es uns wichtig, auf die besonderen Leistungen der Zeche im interkulturellem Bereich hinzuweisen.

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Stellungnahme zur Zeche Carl von

  • Anti-Rassismus-Telefon Essen
  • Pro Asyl / Flüchtlingsrat Essen
  • Runder Tisch für Menschenrechte
    – gegen Rassismus und Rechtsradikalismus -
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Essen, 23.09.2008

Die Zeche Carl war für uns immer schon eine Selbstverständlichkeit!

Selbstverständlich war es die Zeche Carl, die im Essener Norden mit der Flüchtlingsberatung und Flüchtlingshilfe vor Ort begann. Selbstverständlich waren es auch die vielen anderen Projekte, die bis heute das Zusammenleben im Stadtteil mit diesem hohen Zuwandereranteil verbessern.

Die Zeche Carl ist nicht nur Vor-Ort aktiv: Neben dem "lokal handeln" wurde auch immer "global" gedacht. Allein die Auswahl der qualifizierten Informations- und Kulturveranstaltungen, hat die Zeche Carl weit über das Ruhrgebiet hinaus bekannt gemacht.

Wer an die Zeche Carl denkt, dem fällt natürlich der 1. Mai ein. Die Tätigkeit an diesem Tag drückt deutlich die Eigenschaften der Zeche Carl aus: Der 1. Mai ist nicht kommerziell: Ärmere Menschen wurden nicht durch Eintritts- oder überhöhte Preise von der Teilnahme abgeschreckt. Auch die Gruppen, die ohne Gewinnabsicht für eine bessere Gesellschaft kämpfen, konnten sich dort ohne finanzielle Beschränkung einbringen. Denn mit dem interkulturellen Fest ging immer ein politisches und solidarisches Thema einher.

Zum guten Zusammenleben gehört auch, dass man sich gegen Nazis wehrt, also gegen Gruppen, die durch Ausländerhetze die Gesellschaft spalten wollen. Die Mitarbeiter von "Essen stellt sich quer" können nur den Hut ziehen vor dem aktiven Widerstand der Zeche Carl gegen rechtsextreme Strömungen. Von den Themen der Diskussions- und Informationsveranstaltungen, über die Musikauswahl bis zur Raumvergabe - Immer wurde, öffentlich sichtbar, die selbstverständliche Solidarität signalisiert, dass die Zeche Carl es niemals zulassen wird, dass NeoNazis unser Zusammenleben vergiften können.

Wir können uns kaum vorstellen, wie die Zukunft dieser Zeche Carl aussehen soll, ohne das bisher erfolgreiche Konzept und ohne die wichtigen Menschen, die dort arbeiten.

Wir fürchten, dass hier im Stadtteil eine tragende Säule weggestoßen wird, die immer sehr erfolgreich für ein besseres Verständnis mit Migranten kämpfte.

Wir befürchten, dass von Seiten der Politik und Stadtverwaltung eine neue Art von Zeche Carl aufgebaut wird. Von Leuten, die möglicherweise niemals begriffen haben, wie wichtig diese gemeinsame Solidaritätsarbeit ist.

Wir alle müssen miteinander auskommen und das schaffen wir nur gemeinsam. Und dazu brauchen wir auch eine Zeche Carl, die genau so erhalten bleibt.


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