Flüchtlingshilfe organisieren!
Juliane Pilz im Gespräch mit Gabi Velten
- Was ist für dich antirassistisch?
Sich mit Menschen solidarisieren, die aufgrund ihrer sozialen Lage, ihrer Herkunft oder kulturellen Zugehörigkeit diffamiert, marginalisiert und diskriminiert werden. Eigentlich greift das Wort „anti-rassistisch“ heutzutage nicht mehr richtig - genauso wenig, wie die überlieferte einfache Vorstellung von Rassismus aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Um zugespitzt zu verdeutlichen, was ich meine: Lässt man Tausende von Menschen an den Grenzen Europas absaufen, wirft sie brutal raus oder hält man sie mit zivil-militärischen Mitteln davon ab, nach Europa zu fliehen, weil sie als „rassistisch minderwertig“ gelten? Doch wohl kaum. Abgesehen von der praktischen Solidarität mit diskriminierten Menschen oder Bevölkerungsgruppen wäre für mich die Frage anzuregen, was „Rassismus“ unter den Bedingungen der neoliberalen und imperialen Globalisierung ist.
- Was war der Anlass für dein Engagement?
Der unmittelbare Anlass war 1990 die Gewalt neonazistischer Gruppen und Cliquen auf MigrantInnen. Aber ich war natürlich auch früher im antifaschistischen Sinne aktiv. Ich bin seit 1991 in der Flüchtlingsarbeit aktiv.
- Für wie wichtig erachtest du ProAsyl innerhalb der Flüchtlingsbewegung?
Initiativen wie ProAsyl/Flüchtlingsrat Essen sind wichtig für die Verteidigung der Integrität von Menschen, die hier suchen, was sie in ihren Heimatländern verloren haben oder nie hatten: Schutz, Sicherheit, soziale - und nicht nur verbale - Toleranz. Toleranz also verstanden als Recht und Möglichkeit zur Integration.
- Welchen Kommunalpolitischen Stellenwert gibst du der Arbeit von ProAsyl?
Die kritische Einmischung in kommunale Flüchtlingsarbeit könnte ein wichtiger Faktor positiver Integrationsarbeit sein. Stichwort „sozialer Frieden“. Aber die Kommunen sind nicht bereit, ehrenamtlich engagierte Menschen bei ihren Entscheidungen auch nur ein Mitspracherecht einzuräumen. Das so hochgelobte Ehrenamt ist nur willkommen als unbezahlte Dienstleistung für gestrichene Sozialarbeiterstellen. Wenn sich an dieser entwürdigenden Situation etwas ändern soll, braucht ProAsyl/Flüchtlingsrat Essen mehr Menschen, die sich in kommunalen Strukturen gut auskennen und gute Öffentlichkeitsarbeit machen.
- Was kann erreicht werden?
In diesem Fall würde ich antworten „der Weg ist das Ziel“. Ich würde mir wünschen, dass ProAsyl/Flüchtlingsrat sich in Richtung sozial-politische Instanz für Flüchtlingsfragen bewegt, die jeder kennt und niemand übergehen kann.
- Wie sieht die Arbeit mit anderen Gruppen aus?
Nicht gut - da teilen Flüchtlingsinitiativen das Schicksal mit anderen sozialen Bewegungen. Sie schmoren zu sehr im eigenen Saft.
Vielen Dank für das Gespräch!
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