Gegen das Vergessen!
Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten - Paul Schnittker für den Vorstand
Wir, die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bund der Antifaschisten, Kreis Essen, gratulieren allen, die sich gegen den wiedererstarkten Rassismus zur Wehr setzen. Sie zeigen die Zivilcourage, die immer wieder von verantwortlichen Politikern eingefordert wird, die von denen aber selbst nicht gelebt wird.
10 Jahre Anti-Rassismus-Telefon muss aber auch gleichzeitig nachdenklich machen. Wie ist es möglich, dass nach der bitteren Erfahrung mit dem Faschismus Bürgerinnen und Bürger Mut beweisen müssen, um gegen Rassismus, Antisemitismus und Ausländerfeindlichkeit aufzutreten?
Das hängt sicher auch damit zusammen das die Vergangenheit des Faschismus nicht bewältigt und aufgearbeitet wurde. Die alten Besitz- und Machtverhältnisse wurden nach 1945 in der Bundesrepublik wiederhergestellt. Die meisten Verbrechen wurden nicht gesühnt. Neofaschistische Gruppen und Parteien können in der Bundesrepublik nahezu ungehindert wirken.
Die Verfolgung und Verächtlichmachung von Menschengruppen, ja ganzer Nationen, diente immer auch der Kriegsvorbereitung und Ausbeutung ganzer Völker.
Die deutschen Faschisten hatten das perfektioniert. Deutschland wurde zum Mittelpunkt der Welt erklärt. Mit der rassistischen Vorstellung „am deutschen Wesen soll die Welt genesen“ und der Losung „Volk ohne Raum“ wurde der 2. Weltkrieg ausgelöst. Die aberwitzige Lehre von der Herrenrasse diente dazu, im eigenen Land und in Europa die jüdischen Menschen auszurotten.
Der Erbfeind Frankreich musste besiegt und im Osten sollte der Bolschewismus mit all seinen Wurzeln ausgerottet werden. Die Völker des Ostens wurden zu slawischen Untermenschen erklärt. Millionen von ihnen wurden nach Deutschland verschleppt und mussten unter unmenschlichen Bedingungen vor allem in der Industrie Zwangsarbeit verrichten.
Mancher sagt heute, wir leben in einer anderen Welt, man kann das nicht vergleichen. Wir wollen auch nicht vergleichen, aber mit unserer unseligen Geschichte daran erinnern, wohin Rassenwahn und Ausländerfeindlichkeit führen können. Denn damals glaubte die Mehrheit der Menschen auch nicht, zu was der Faschismus fähig ist. Und das geschah im 20. Jahrhundert.
Erinnern, wohin Rassenwahn und Ausländerfeindlichkeit führen können
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Und dass zur letzten Jahrhundertwende Kriege wieder zum Mittel der Durchsetzung politischer und ökonomischer Interessen werden, das haben viele auch nicht glauben können. Der Vorwand ist „Terrorismus und Verletzung der Menschenrechte“. Auch ethnische und religiöse Konflikte werden genutzt bzw. geschürt um zum Beispiel an das begehrte Öl zu kommen oder strategische Machtpositionen zu erhalten.
Noch beteiligt sich die Bundesregierung nicht an allen Kriegen und die Mehrheit der Deutschen wollen friedliche Lösungen. Aber die Gefahr politischer Veränderungen besteht.
Rassismus und Ausländerfeindlichkeit sind geradezu der Nährboden für derartige Veränderungen. Wir begrüßen sehr, dass das Anti-Rassismus-Telefon dem entgegen wirkt.
Eigentlich müsste es die Bürgerinnen und Bürger in der Bundesrepublik freuen, dass Menschen aus anderen Ländern bei uns Asyl suchen oder einfach nur hier leben wollen. Es könnte ja Ausdruck einer lebendigen Demokratie sein, wie es seinerzeit auch im Grundgesetz niedergeschrieben wurde: Jeder hat das Recht auf ein würdiges Leben. Die Würde des Menschen ist unantastbar. Die Väter des Grundgesetzes haben diese Rechte auch als Schlussfolgerung aus der Zeit des Faschismus so festgeschrieben. Sie hatten das Asylrecht zum Grundsatz gemacht. Leider wurde das Grundgesetz verschlechtert und das Asylrecht faktisch beseitigt. Das ermutigt aber geradezu diejenigen Kräfte, die Ausländer und Andersdenkende verfolgen.
Der Schwur der Befreiten von Buchenwald „Nie wieder Faschismus- Nie wieder Krieg“ wurde zum Leitsatz der VVN -BdA. Den Anfängen wehren heißt heute klar zu machen, dass Faschismus keine Meinung sondern ein Verbrechen ist.
Faschismus und Krieg gehören zusammen.
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Wir wollen daran erinnern, dass Faschismus und Krieg zusammengehören. Aber auch, dass Rassismus, Antisemitismus und Ausländerfeindlichkeit für jede bürgerliche Demokratie eine große Gefahr sind und zum Faschismus führen können.
Wir wünschen, dass das Anti-Rassismus-Telefon weiterhin konkrete Hilfe den Bedrängten geben kann und dass unsere Stadt im besten Sinne sich zu einer multikulturellen Gemeinschaft entwickelt.
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