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Deutsch-Ghanaisches

Rainer Sonntag nach einem Gespräch mit Ama

Ama kommt aus Ghana und lebt schon seit vielen Jahren in Deutschland. Zuletzt hat sie als Flüchtlingsberaterin bei ProAsyl gearbeitet. Nun steht ihr Entschluss fest: Sie wird wieder zurück nach Ghana gehen - in ihre Heimat.

Ich bin zwar selbst nie Opfer von direkten „rassistischen Übergriffen“ geworden, habe aber häufig genug erlebt, wie ich von Deutschen abgelehnt wurde.

In meinem Elternhaus haben wir Menschen immer Zuflucht gegeben, das war schon bei meinem Vater und Großvater so. Gastgeber kann man aber nur sein, wenn man „fremdartige“ am anderen Menschen auch zu schätzen weiß. Die Situation ist doch, dass der Gast viele Regeln noch nicht kennt und erst einmal lernen muss; er ist unsicher, denn er weiß noch nicht, wo genau er sich befindet und wie die Regeln hier sind. Der Gastgeber muss hier die Großzügigkeit haben, dem anderen die Zeit zu geben „anzukommen“, sich zu orientieren. Dann erst können beide richtig in Kommunikation treten, und der Gast kann die vielen neuen Dinge, die er mitbringt, weitergeben.

Hier in Deutschland kommst du an und sofort wird von dir verlangt, dass du alles verstehst, dass du dich anpasst. Viele Deutsche wollen dir auch bei diesem Anpassungsvorgang helfen. Aber irgendwie bekommt man das Gefühl, dass ganz wenige wirklich an einem interessiert sind.

Mich hat sehr erstaunt, dass die Leute hier oft mit dem „Anderen“ nichts zu tun haben wollen und manchmal sogar Angst davor haben. Ich erkläre mir das so: Jemand, der seine eigene Kultur liebt, sie schätzt und sich darin wohlfühlen kann, hat erst dann einen Standpunkt, aus dem er beruhigt andere Kulturen kennen lernen und schätzen kann.

Wenn jemand also Angst vor dem „Fremden“ hat und daher erwartet, dass er sich ihm so schnell wie möglich anpassen soll, dann kann ich mir das nur so erklären: So einer kann sich in seiner eigenen Kultur nicht wohlfühlen. Die vielen rassistischen Vorfälle und Grundtendenzen in Deutschland weisen für mich nur darauf hin, dass sich die Deutschen schon lange nicht mehr in ihrer eigenen Lebenskultur wohlfühlen.

In der Ablehnung des Anderen kommt doch nur eine Blockade im eigenen Denken zum Vorschein - kann einem das nicht Leid tun?


Ablehnung des
Anderen = Blockade im
Denken

In so einer Situation kann man sich als Ausländer mit seinem Wissen einer anderen Kultur gar nicht einbringen, denn die Rollen zwischen dem Ausländer und den Deutschen sind ja eindeutig verteilt. Das fängt schon damit an, dass es so lange dauert, bis man sich wirklich zufriedenstellend in Deutsch ausdrücken kann!

Dann haben viele Deutsche bestimmte Standards und Normen akzeptiert: Globalisierung, Gesetze, Sozialamt, Ausländeramt, Arbeitsstellen, ... - damit identifizieren sie sich gerne. Und auf der persönlichen Ebene haben viele ureigene Empfindungen, wie Schmerz, Trauer und Freude plötzlich keinen Platz mehr. Die Leute dürfen keine Gefühle mehr zeigen und lassen nichts mehr an sich herankommen.

Manche glauben, sie würden der anderen Kultur nahe kommen, wenn sie die richtigen Ausdrücke - sprich: political correctness - benutzen oder indem sie nach festen Regeln suchen, wie man sich in anderen Kulturen zu benehmen hat. Dabei muss man sich doch nur einfach offen die Frage stellen: „Wer ist dieser andere Mensch?“ - man muss sich nur öffnen.

Viele Deutsche meinen sicher sein zu müssen. Und in dieser angeblichen Sicherheit mauern sie sich zu gerne ein. Ich muss nicht Linker, Sozialdemokrat, Antirassist oder so sein - ich muss nur die Mauern selbst überwinden können um sich mit dem andern wirklich austauschen zu können.

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Ein Schulprojekt
in Ghana

In Ghana will ich ein kleines Schulprojekt starten. Bis jetzt wird dort vieles auf Englisch gelehrt. Als ich zur Schule ging, durften wir unsere eigene Sprache nicht sprechen und bekamen sogar Prügel dafür. Heute weiß ich, dass so etwas grundlegend falsch ist. Die eigene Sprache ist ein Zuhause. In dieser Sprache lebt, liebt und träumt man. Wenn du das nicht darfst, entsteht eine Blockade, in die man leicht hereinfallen kann: Zum Beispiel haben die Europäer ihre Philosophie so schön wissenschaftlich gebündelt, in Büchern und Bibliotheken. Ich habe viel davon gelesen, und irgendwann habe ich gemerkt: „Ach, interessant, die schreiben da über Sachen, wovon unsere alten Leute unter den Bäumen im Dorf reden!“ Hier stehen in einer fremden Sprache in beeindruckenden Bibliotheken Dinge, die sich unsere alten Herren beim Palmwein erzählen.

Ein einfaches Beispiel: In unserer Sprache sagt man zum Wort Geduld: „die Erde zum Ausatmen übergeben“. Das richtige Atmen ist fester Bestandteil von Entspannungstechniken. Der Ghanaer muss das nicht extra lernen - es kennt es automatisch als Bestandteil seiner Sprache.

Die westliche Welt präsentiert sich als gigantischer Apparat, der es schafft, dass wir in unseren Gesellschaften so viele eigene Dinge brach liegen lassen.

Ich stelle mir eine ganz normale Schule vor - nur, dass dort auch die eigene Kultur gelehrt wird. Mathematik kann man auch in unserer Landessprache Ashanti lernen.

Ich habe in Ghana Abitur gemacht und dort schon gelernt wie Köln und Bonn aussieht und wie der Rhein die beiden Städte teilt. Ich habe die englischen Klassiker von Dickens bis Shakespeare gelesen. Aber ich habe dabei viel zu wenig über mein eigenes Land erfahren. In so einer Schule sollen die Kulturen nicht einseitig oder gegeneinander ausgespielt werden.

Es müssen Brücken geschaffen werden.

Wir sind umgezogen: von der Maxstr. 11 zur Friedrich-Ebert-Str. 30, 45127 Essen
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