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-19.03.:(WAZ)Protestbericht
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-16.03.:(NRZ)Protestaufruf
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Geschichte des Deutsch-Ypsilonischen Kulturvereins

Der Autor (und sogar das Land) ist der Redaktion bekannt.

Es war einmal in Deutschland ein Deutsch - Ypsilonischer Kulturverein. Die Mitglieder waren Deutsche und Ypsilonier. Der Verein pflegte die Kultur und Tradition Ypsiloniens, präsentierte sie in Deutschland. Er bemühte sich um die gute kulturelle Zusammenarbeit mit Deutschland und die Integration seiner ausländischen (da Ypsilonier) Mitglieder. Der Verein schrieb in seiner Satzung: „Wir sind unpolitisch.“

Es gab regelmäßig Treffen in den Vereinsräumen. Es wurde ypsilonisch und auch deutsch gesprochen. Es wurde ypsilonisch und auch deutsch gegessen. Es wurden schöne Ausstellungen und Konzerte von ypsilonischen Künstlern organisiert und präsentiert. Es wurden ypsilonische Volkstänze getanzt. Es wurde viel gesungen und gelacht. Es wurden Witze erzählt, ypsilonische, deutsche und auch Türkenwitze. Es war ja nur Spaß. Die meisten Ypsilonier dachten: „Die Türken waren ja viel viel ausländischer in Deutschland als die Ypsilonier selbst.“

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Die Ypsilonier waren froh, daß sie so einen schönen Verein hatten. Es gab nämlich wenig Ypsilonier in Deutschland. Es gab nicht viele solche Vereine, wo man Landsleute treffen konnte. Ypsilonien lag nämlich östlich vom eisernen Vorhang. Das muß man wissen. Der Staat Ypsilonien entschied, wer nach Deutschland ausreisen durfte und wer nicht. Eigentlich durften die meisten Bürger nicht. Wer in Deutschland lebte, hatte eine lange Antrags- und Wartezeit für die Erlaubnis hinter sich und er war loyal in Deutschland. Die politischen Flüchtlinge aus Ypsilonien in Deutschland waren im Verein unerwünscht. Sie wurden nicht aufgenommen. Man fürchtete auch Unannehmlichkeiten mit zu Hause.

Der Staat kümmerte sich auch um seine Bürger in Deutschland, natürlich vorwiegend über die ypsilonische Botschaft. Das war gut so. Die Botschaft half dem Verein sehr beim Organisieren von Ausstellungen und Konzerten. Sie wählte auch die Künstler aus, die ausstellen oder singen wollten. Die Vereinsmitglieder wurden zu ypsilonischen Nationalfeiertagen in die Botschaft eingeladen. Sie wurden sehr gastfreundlich empfangen. Sie konnten heimatliche Spezialitäten kosten und trinken, so viel sie mochten. Es war schön. Alle waren dankbar. Einige waren sehr sehr dankbar. Sie wollten das nicht immer an die große Glocke hängen.


Kurze, fast heimliche
Gespräche

Es reichte meist ein kurzes, fast könnte man sagen heimliches Gespräch mit jemandem in der Botschaft, oder, wenn man in Ypsilonien war, mit jemandem vom Staat. Man muss wissen, alle Ypsilonier durften frei aus Deutschland ausreisen und wieder einreisen.

Doch manchmal klappte das mit der freien Ausreise aus Ypsilonien nicht. Der Staat behielt sich das Recht vor, vor der Ausreise einiges zu prüfen: Hat die Person gegen irgend ein Gesetz verstoßen? Gibt es familiäre Gründe, dass die Person dort bleibt? usw. Der deutsche Staat freute sich immer, wenn Ypsilonier für kurze Zeit Besuch von zu Hause empfangen durften. Er war dafür. Aber meistens war der Ypsilonier-Staat dagegen, deswegen gab es sehr sehr selten Besuch aus Ypsilonien. Aber meistens wurde alles in einem vertraulichen Gespräch geklärt, und beide Seiten waren dankbar. So ging das viele Jahre.


Plötzlich war der
eiserne Vorhang weg.

Eines Tages gab es diesen Wetterumschwung in Europa. Die Stürme und Orkane richteten viele Schäden an. Plötzlich war der Eiserne Vorhang auch weg.

Für den Verein ging das Leben weiter. Er bemühte sich weiter um die gute Zusammenarbeit mit Deutschland, pflegte die ypsilonische Kultur, die Integration. Die Treffen fanden weiterhin statt. Es wurde ypsilonisch und deutsch gesprochen. Mit den Ausstellungen, Konzerten und Tänzen klappte es auch, aber nicht so wie früher. Die Witze, auch die Türkenwitze, wurden weiter erzählt. Die Mitglieder haben selber alles organisiert. Aber es gab viel weniger Mitglieder. Die meisten hatten keine Zeit mehr. Sie waren viel mehr unterwegs nach Ypsilonien und zurück. Jetzt konnte und durfte man immer, immer ein- und ausreisen. Das war toll, war eine private, meist finanzielle Sache. Allerdings war der deutsche Staat nicht besonders erfreut, dass die Ypsilonier jetzt sooo viel Besuch aus der alten Heimat bekamen. Er hatte den Verdacht, der Besuch wollte für immer hier bleiben und sich schön integrieren lassen. Das wäre keine gute Idee gewesen. Deutschland führte strenge Einreisebestimmungen ein. Das hat geholfen. Für lange Jahre gelang es Deutschland, den Besucherstrom aus Ypsilonien zu drosseln.

Die ypsilonische Botschaft wurde etwas kleiner, das Geld in Ypsilonien war knapp. Aber Ypsilonien kümmerte sich tapfer weiter um die Mitglieder in ypsilonischen Kulturvereinen. Mitglied durfte, ja sollte, jetzt jeder werden; egal wie und warum er nach Deutschland gekommen war. Es war erwünscht, dass jeder Ypsilonier seinen Beitrag(!!) für die Kulturarbeit leisten konnte.

Der Verein kriegte alles schriftlich zugeschickt, was wichtig war: neue Regierung in Ypsilonien (ziemlich oft), neue Botschafter oder auch wieder die alten, Einladungen für Feierlichkeiten, Sommerfeste. Allerdings musste jetzt jedes Mitglied für die gute Gestaltung des Sommerfestes im Park der Botschaft seine Getränke und hauptsächlich die Würstchen selbst mitbringen.


Der Verein war
weiterhin streng
unpolitisch.

Das war aber kein Problem. Hauptsache, man war wieder zusammen, war höflich und konnte sich unterhalten, vielleicht auch mal nicht so ganz in der Öffentlichkeit. Aber es gab auch neue interessante Themen: Geschäfte, Handel, Privates. Alles war neu und aufregend. Der Verein war weiterhin streng unpolitisch.

Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie heute noch genauso.

Wir sind umgezogen: von der Maxstr. 11 zur Friedrich-Ebert-Str. 30, 45127 Essen
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