Aus Anti-Rassismus-Telefon
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15.04.2002, WAZ: Verein will von ,Zehn kleinen NegerIein' nichts hören
WAZ / Essen,Donnerstag, 15.04.2002
Verein will von ,Zehn kleinen NegerIein' nichts hören
Pro Multi Club und Anti-Rassismus-Telefon sehen Diskriminierung
"Das Wort Neger ist heute einfach nicht mehr zeitgemäß", erklärt Hannelore Schild. Ihr Mann, gebürtiger Nigerianer, fühlt sich verletzt, wenn er diesen Ausdruck auf Plakaten liest - auch wenn es sich um ein Theaterstück handelt, dem Agatha Christie vor 63 Jahren diesen Titel gegeben hat. Für ihn hat er die Bedeutung von "Untermensch" und erinnert ihn an die Sklaverei. "Mittlerweile hat das Werk in anderen Ländern unterschiedliche Titel bekommen", hat Rainer Sonntag vom "Anti-Rassismus-Telefon" recherchiert. Auch in Deutschland: Hier hieß es in den 60er Jahren "The weekend", der zugehörige Spielfilm lief unter dem Titel "Ein Unbekannter rechnet ab." Jetzt fragen sich Anti-Rassismus-Telefon und Pro-MultiClub, warum das Theaterstück nicht auch unter einem weniger verfänglichen Namen im Rathaus-Theater aufgeführt wird. "Wir sind an Urheberrechte gebunden", erklärt Oliver Golloch, stellvertretender Theaterleiter. "Wir hatten nicht die Wahl zwischen den Titeln, sondern nur, ob wir das Stück spielen oder nicht." Außerdem sieht Golloch nicht nur den Titel - für ihn ist der Inhalt bedeutend. "Und den haben wir nicht rassistisch inszeniert."
Die Frauen wissen, wovon sie sprechen. Gehen sie mit ihren dunkelhäutigen Männern durch die Stadt, sehen sie sich immer wieder Anfeindungen ausgesetzt. "Kraftausdrücke sind keine Seltenheit", sagt Elke Nnedu. Ob sie denn keinen deutschen Mann gefunden habe, musste sich Jutta Akwari fragen lassen. Werde nun ein diskriminierendes Wort wie "Negerlein" wie selbstverständlich gebraucht, helfe dies, gefährliche Sprachkonstrukte zu festigen, so Rainer Sonntag. Oliver Golloch vom Rathaus-Theater hält dagegen, dass es sich bei Agatha Christies Krimi um ein historisch gewachsenes Werk handle, das frei von jeder rassistisch oder politischen Intention entstanden sei. Trotzdem erklärt er sich bereit, für die verbleibende Spielzeit sowohl Plakate als auch Programmhefte mit erklärenden Aufklebern und Einheftern zu versehen. Zusammen mit dem Anti-RassismusTelefon und dem Pro-MultiClub wird ein Aufdruck entstehen, der erklärt, dass Agatha Christie "Negerlein" nicht rassistisch meinte. "Doch was ist mit den restlichen Theaterstücken", fragt sich Oliver Golloch. Dabei denkt er an Titel wie "Der Mohr von Venedig" und "Der Zigeunerbaron".Bildunterschrift: Den Titel des Theater-Stücks "Zehn kleine Negerlein" findet Tony Etchrivi (li.) vom Pro Multi Club unzeitgemäß. Oliver Golloch, stv. Theaterleiter, weist auf Urheberrechte hin. WAZ-Montage: Michels Vorankündigung Titelseite: |
16.04.2002: Korrekturtext auf der Plakatwerbung
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17.04.2002, NRZ: Ein Krimi mit Nachspiel
NRZ / Essen,Mittwoch, 17.04.2002
Ein Krimi mit Nachspiel
RATHAUS-THEATER / Christies "Zehn kleine Negerlein" sorgen für Protest - und Korrekturen
Nach 63 Jahren gehört es immer noch zum Bühnenrepertoire, auch im Rathaus-Theater, wo die Aufführung des Frankfurter Remond Theaters nun ein Nachspiel hat. Seit Anfang der Woche sind Plakate und Programme mit einem Zusatz versehen: "Schwarze Menschen fühlen sich durch den Begriff "Neger" zutiefst verletzt. Ab der nächsten Auflage des Romans und für zukünfige Neuinszenierungen des Theaterstücks wird der Verlag den Titel ändern. Das Theater im Rathaus hält es für wichtig, Sie schon jetzt darauf hinzuweisen." "Man geht damit dem Wunsch der Betroffenen nach", erklärt den kommisarische Theater-Leiter Oliver Golloch. Eine vorzeitige Abänderung des Christie-Titel stand für ihn aber nicht zur Diskussion: Das verstoße bislang gegen das Urheberrecht. Der Titel sei nun mal historisch gewachsen. Und unversehens ist man über den alten Abzählreim nun in die Schlagzeilen geraten. Was Golloch zunächst professionell kommentiert: "Wir finden es gut, dass ein Stück zum Nachdenken anregt." Direkte Publikumsproteste habe es nicht gegeben, anders als bei dem letzten Kishon-Stück "Der Vaterschaftsprozess", das ein halbes Dutzend Abonnenten ob ihrer offenbar verletzten religiösen Gefühle mit der Kündigung quittierten. Eklats, stellt Golloch klar, seien jedoch "weder vorgesehen, noch erwünscht". "Wir sind ein kommerzielles Theater und können uns keine Experimente leisten." (MaS)Bildunterschrift: unten: Oliver Golloch, kommissarischer Leiter im Rathbaus-Theater, hat die Plakate mit einem Aufkleber versehen lassen. (NRZ-Foto: UvB) |
17.04.2002, STD: Theaterdonner (Glosse)
Stadtspiegel / Essen,Mittwoch, 17.04.2002
Theaterdonner
Glosse
Es geht um ein Theaterstück, das vor 63 Jahren von Agatha Christie geschrieben wurde und seit drei Wochen auf dem Spielplan des Rathaus-Theaters steht. Der harmlose Krimi handelt von zehn Menschen, die von einem mysteriösen Gastgeber auf eine einsame Insel gelockt und wegen eines bisher ungesühnten Mordes bestraft werden. Es kommt, wie in dem berühmten Kinderlied von den "Zehn kleinen Negerlein". Am Ende waren 's nur noch zwei . . . Nun fordern Pro-Multi und Anti-Rassisten, den Tietel zu ändern oder durch Aufkleber auf den Plakaten klar zu machen, dass das Ganze nichts mit Rassismus zu tun habe. Wenn wir das erledigt haben, werden "Der Mohr on Venedig" und "DerZigeunerbaron" umgetitelt. Danach demonstrieren wir gegen Negerküsse und befreien den Sarotti-Mohr. Selbstverständlich müssen auch die Speisekarten durchforstet werden. Zumindest sollte sich der Koch in einem Beiblatt von Zigeunerschnitzeln und Bauernomeletts distanzieren. Und was ist mit der Würde der Jungfrau Maria, wenn der Barkeeper eine "Bloody Mary" mixt? Gut so. Der Mohr hat seine Schuidigkeit getan. Hai |
17.04.2002, WAZ: Leserbrief "grotesk"
WAZ / Essen,Mittwoch, 17.04.2002
Leserbrief
Der so genannte Anti-Rassismus treibt immer groteskere Blüten. In Hamburg mussten in den U- und S-Bahnen Plakate mit der Aufschrift "Schwarzfahren wird teuer" wegen angeblicher Diskriminierung entfernt werden. Wie sieht es eigentlich mit Worten wie "Schwarzwald" Und "Schwarzwälder Kirschtorte" aus? Von einem Multi-Kulti-Verein darf ich doch auch die Toleranz erwarten, die von der Gesellschaft, in der man leben möchte, so drastisch eingefordert wird. Dr. med. Ulrich Herbst, Gottfried-Herder-Str. 14, Kettwig |
18.04.2002, WAZ: Leserbrief "Doktorlein"
WAZ / Essen,Donnerstag, 18.04.2002
Leserbrief
Ein Dr. med. zeigte in seinem Leserbrief kein Verständnis dafür, dass Afrikaner an einem Titel wie "Zehn kleine Negerlein" Anstoss nehmen. Daher eine Übersetzung für einen wenig einfühlsamen Arzt. Sie sind Arzt und stolz auf Ihren Beruf. Doch zu jeder Gelegenheit werden Sie als Doktorlein angesprochen. Zu allem Überfluss gibt es im Rathaus-Theater auch noch ein Stück zu sehen, das "Zehn kleine Doktorlein" benannt ist, nach einem bekannten Abzählreim, bei dem ein Doktorlein nach dem anderen ums Leben kommt. Sicher hätten viele Afrikaner Verständnis dafür, wenn Sie das nicht gut fänden. Olaf Swillus, Kölner Str. 69 |
19.04.2002, WAZ: Leserbrief "Nicht zu pingelig sein"
WAZ / Essen,Freitag, 19.04.2002
Leserbrief
Ich kann guten Gewissen sagen, dass ich gegen Rassismus bin. Für mich gibt es nur einen Zusammenhang mit diesem Titel: Krimi von Agatha Christie. Dieser Krimi hat im Inhalt doch nichts mit unseren andersfarbigen Mitbürgern zu tun. Zu pingelig sollte man daher doch eher nicht sein, bei allem Respekt. Bärbel Dhein,Palmstr. 17 |
19.04.2002, WAZ: Leserbrief "sprachliche Ungenauigkeit"
WAZ / Essen,Freitag, 19.04.2002
Leserbrief
Berswortschanze 2 |
19.04.2002, an STD: Leserbrief "Was gibt es zu kritisieren?" (tw veröffentlicht)
Stadtspiegel (am 8.5. zum Teil veröffentlicht) / Essen,Freitag, 19.04.2002
Leserbrief
Der von Ihnen als "harmlos" bezeichnete Krimi heißt im Original von 1939 "Ten Little Niggers" und die Gäste befinden sich auf der "Nigger-Insel". Im Bühnenstück wird ebenfalls mit "Negerpüppchen" hantiert. Das ganze Stück - Mord für Mord - basiert auf den Strophen des Abzählreims der "Zehn kleinen Negerlein" - Auch in Agatha Christies Version kommen in "lustiger Form" schwarze Kinder ums Leben. Warum dürfen Menschen schwarzer Hautfarbe da nicht beleidigt sein? Was gibt es zu kritisieren, wenn das Rathaus-Theater mit einem Aufkleber darstellt, das Beleidigungen nicht beabsichtigt sind? Am 6. März kündigte der Scherz Verlag an, den Titel für kommende Buchauflagen zu ändern. Ebenso wird es nach dem Auslaufen dieser Theaterinszenierung den Theaterstücktitel "Zehn kleine Negerlein" nicht mehr geben. Jahrelang hat der Scherz Verlag das Buch in Deutschland auch unter dem Titel "letztes Weekend" vertrieben. Agatha Christie ging ebenfalls sehr pragmatisch mit dem Titel um: Schon für die Erstauflage in den USA wurde der Titel in "Ten Little Indians" umgeändert. Heute wird es dort vertrieben unter dem Titel "And then there where none". Das Ziel von Agatha Christie - und des Theaters im Rathaus Essen - ist offensichtlich: Man will ein spannendes Theaterstück präsentieren. Wenn der bisherige Titel zu Missverständnissen führt, dann ist es nur konsequent, auf die zukünftige Titeländerung hinzuweisen. Das hat mit "Forderungen von Pro-Multi und Anti-Rassisten", mit "Demonstrationen gegen Negerküsse" gar nichts zu tun. Ihre Berichterstattung stellt einen Konflikt dar, den es gar nicht gibt. Unsere Sprache ist lebendig und ändert sich. Wir werden zunehmend internationaler und haben auch einen zunehmend größeren Anteil von schwarzen Mitbürgern unter uns. Entgegen ihrer Aussage braucht man gegen "Negerküsse" gar nicht mehr zu demonstrieren: Die sind in der Industrie schon längst zu "Dickmännern" und "Schaumküssen" mutiert. Das Wort "Neger" hat inzwischen seine frühere neutrale Bedeutung verloren und mehr und mehr Leute sind sich der beleidigenden Wirkung bewusst. Selbst Nazi-Bands haben sich schon an menschenverachtenden Liedversionen der "zehn kleinen Negerlein" versucht. Viele Werke aus Kunst und Literatur sind den Weg des Zeitlichen gegangen, weil man sie nicht mehr unkommentiert verwenden darf. Ob, warum und wann Agatha Christies Theaterstück dazugehört, wird die Zukunft entscheiden. Angela Hartmann |
19.04.2002, an WAZ: Leserbrief "Soviel Aufregung um nichts!" (unveröffentlicht)
privat (unveröffentlicht) an WAZ / Essen,Freitag, 19.04.2002
Soviel Aufregung um nichts!
Leserbrief
Die WAZ macht einen netten Artikel dazu. Wo ist das Problem? Rassismusanklagen ? Von wem ? Der erste Leserbriefschreiber erwähnte Plakate in Hamburg zum Thema "Schwarzfahren". Da ich diese Plakate nicht kenne, kann ich dazu nichts sagen - der Schwarzwald ist eine schöne Gegend und Schwarzwälder Kirschtorte esse ich für mein Leben gern. Aber das ist wirklich nichts, was mit dem Thema zu tun hätte. Zum Thema: Agatha Christie ging es offenbar um spannende Krimis und nicht um Büchertitel. Schon für die Erstauflage in den USA wurde der ursprüngliche Titel "Ten Little Niggers" in "Ten Little Indians" umbenannt, - offenbar wegen eines grösseren Anteils der Schwarzen in der Bevölkerung, die ja auch spannende Kriminalgeschichten lesen sollten. Heute wird es dort als "And then there where none" verkauft, an dem sich jetzt auch der neue deutsche Titel anlehnt. Ich habe den Leserbriefschreiber Dr. Herbst mit Hilfe von "Zehn kleine Doktorlein" einmal in die Lage der schwarzen Bevölkerung versetzen wollen. Zwei Leserinnen riefen mich darauf zu Hause an und fanden diese Antwort respektlos. Sie versicherten mir glaubhaft, dass er ein guter Arzt und Mensch sei. Das wollte ich auch nicht in Zweifel ziehen. Ich hoffe nur, dass wir noch über uns selbst lachen können! Dass einem aber auch schon mal das Lachen vergehen kann, machten die Frauen vom Pro Multi Club klar: Wenn sie mit ihren dunkelhäutigen Männern durch die Stadt gehen, sehen sie sich immer wieder Anfeindungen ausgesetzt. Oft werde ein diskriminierendes Wort wie "Negerlein" wie selbstverständlich gebraucht. (WAZ / Lokalteil Essen, Montag, 15.04.2002) Da finde ich es verständlich, dass ein Titel, der überhaupt nicht rassistisch gemeint ist, dennoch Anstoss erregt, und für Missverständnisse sorgt. Ändern wir den Titel ! Diese Forderung ist erfüllt. Der Verlag hat bereits entschieden. Olaf Swillus |
23.04.2002, WAZ: Leserbrief "Rassismus hat mit Theater nichts zu tun"
WAZ / Essen,Dienstag, 23.04.2002
Rassismus hat mit Theater nichts zu tun
'Leserbrief: Zehn kleine Negerlein'
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23.04.2002, WAZ: Leserbrief "Es geht um mehr Rücksichtsnahme"
WAZ / Essen,Dienstag, 23.04.2002
Leserbrief: Es geht um mehr Rücksichtsnahme
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23.04.2002, WAZ: Leserbrief "Die Kunst ist frei und geschützt"
WAZ / Essen,Dienstag, 23.04.2002
Leserbrief: Die Kunst ist frei und geschützt
Zehn kleine Negerlein
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24.04.2002, STD: Leserbrief "zur Glosse 'Theaterdonner'"
Stadtspiegel / Essen,Mittwoch, 24.04.2002
Leserbrief zur Glosse "Theaterdonner"
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25.04.2002, ART: Viel Aufregung um nichts? (unser Rundbrief 2002/1)
Rundbrief des Anti-Rassismus-Telefons / Essen, 2002-1 (25.04.2002)
Viel Aufregung um nichts?
Wir wissen, dass der Ausdruck die Gefühle unserer Mitbürger schwarzer Hautfarbe empfindlich stört, und waren der Meinung, dass man heutzutage solche Empfindungen ernst nehmen muss. In unserem Büro bildete sich die "10-Negerlein"-Arbeitsgruppe aus Vertretern der Flüchtlingsorganisation Asyl Dialog, Frauen des Pro Multi-Club und Mitarbeitern des Anti-Rassismus-Telefons. Wir waren uns einig, dass wir 'nur' darauf hinweisen wollten, dass sich Schwarze beim Ausdruck 'Neger' - wie im Titel des Theaterstückes - beleidigt fühlen, und dass man da bitte Rücksicht nehmen solle. Rassismusanklagen, Boykottaufrufe oder Demonstrationen vor dem Theater erschien uns nicht sinnvoll. Lösungen gibt es bereit: Der Scherz-Verlag, der Agatha Christies Kriminalstück auf Deutsch verlegt, hatte schon früher angekündigt, das Werk künftig in "Und dann gab's keines mehr" umbenannt wird. Das Rathaus-Theater führt zwar das Stück noch unter dem alten Titel auf; durch Pro Multi Club und Anti-Rassismus-Telefon darauf angesprochen weist aber in seiner Werbung auf unsere Einwände hin. Die WAZ brachte unser Anliegen als Top-Story auf der ersten Lokalseite, die restliche Presse zog nach, teilweise in recht hämischen Ton. Einige Leserbriefe und Reaktionen waren derart harsch, dass wir den Eindruck bekommen mussten, wir würden die gesamte Sprachkultur und das Abendland in Gefahr bringen. Da wurde uns doch glatt vorgeworfen, wir würden Rassismusanklagen vorbringen. Wir würden ein kleines Theater, das sich keine Experimente leisten könne, zwingen, die Werbung mit Hinweisen zu verändern. Wir sind uns bei weitem nicht einig, warum einige Leute so überzogen reagierten. Wird beim Abzählreim "10 kleine Negerlein" Kindheitsromantik ausgelöst? Wird hier unter dem Grundsatz "Keinen Fußbreit den Ausländern" gearbeitet? Vielleicht nimmt man politisch-prinzipiell von Gruppen aus der Flüchtlingssolidarität keine Hinweise entgegen? Aus einem kleine "Nebenbei"-Projekt ist ein Thema geworden, was offenbar viele Essener Zeitungsleser erreicht hat. Wenn auch einige Menschen das als Anlass nahmen, sich als besonders hämisch und wenig einfühlsam zu outen - die Nachricht, dass man sensibel mit dem Ausdruck 'Neger' umgehen sollte, ist angekommen. Die Gesamte Dokumentation des Projektes findet sich im Internet unter www.antirassismus-telefon.de. |
08.05.2002, STD: Leserbrief "Unsere Sprache ändert sich"
Stadtspiegel/Westanzeiger / Essen,Dienstag, 08.05.2002
Unsere Sprache ändert sich
Zu der Rassismus-Diskussion um das Bühnenstück "Zehn kleine Negerlein" und einer Glosse im Stadtspiegel ("Theaterdonner") nimmt Stadtspiegel-Leserin Angela Hartmann, Corlißstraße 8, 45145 Essen, Stellung.
Das Ziel von Agatha Christie - und des Theaters im Rathaus ist offensichtlich: Man will ein spannendes Theaterstück präsentieren. Wenn der bisherige Titel zu Missverständnissen führt, dann ist es nur konsequent, auf die zukünftige Titeländerung hinzuweisen. Das hat mit "Forderungen von ProMulti und Anti-Rassisten", mit "Demonstrationen gegen Negerküsse" gar nichts zu tun . . . Unsere Sprache ist lebendig und ändert sich. Wir werden zunehmend internationaler und haben einen zunehmend größeren
Anteil von Schwarzen Mitbürgern unter uns. Entgegen ihrer Aussage braucht man gegen "Negerküsse" nicht mehr zu demonstrieren: Die sind in der Industrie längst schon zu "Dickmännern" und "Schaumküssen" mutiert. Das Wort "Neger" hat inzwischen seine frühere neutrale Bedeutung verloren, und mehr und mehr Leute sind sich der beleidigenden Wirkung bewusst. . . Viele Werke aus Kunst und Literatur sind den Weg des Zeitlichen gegangen, weil man sie nicht mehr unkommentiert verwenden darf. Ob, warum und wann Agatha Christies Theaterstück dazugehört, wird die Zukunft entscheiden. Angela Hartmann |
15.05.2002, an ART: Toleranz -- Zukunft gestalten (Web-Leserbrief)
von Dirk Merkel an das Anti-Rassismus-Telefons / Essen, Mai 2002
Toleranz - Vergangenheit verstehen - Gegenwart verändern - Zukunft gestalten!
ich habe Ihre Website bezüglich des Theaterstückes "zehn kleine Negerlein" gelesen und mit Interesse verfolgt. Ich selbst mit Mitglied in einer Theatergruppe und spiele selbst zur Zeit an dem oben genannten Stück mit. Ich habe Verständnis für die farbigen Mitbürger in unserem Land und auch dafür, daß sie sich durch den Begriff "Neger" befremdet und diskriminiert fühlen. Und sicher ist es, wie in der Vergangenheit auch, nicht leicht für farbige Menschen oder auch für Menschen, die sich auf Grund von Unterschieden zur Masse abheben sich darin wiederzufinden und zu etablieren. Aber ich glaube auch daran, daß man auch über gewisse Dinge stehen sollte und auch gegenüber anderen Menschen und deren Werken tolerant sein sollte. Wir leben in einer Zeit, die von uns politische Korrektheit erwartet. Wo beginnt diese und wo endet diese. Wollen wir wirklich die Vergangheit der Gegenwart anpassen und dadurch der Zukunft eine falsche Sichtweise hinterlassen. Wenn wir heute alle Werke und niedergeschriebenen Gedanken der politischen Korrektheit unserer Zeit anpassen verfälschen wir doch damit den Zusammenhang der Künstler in Bezug auf Ihre Zeit. Zur damaligen Zeit hat man von "Neger" gesprochen und nicht von "Farbigen". Ob dies heute in unsere moralische und politische Umwelt passt ist zwar zu hinterfragen, aber darf nicht dazu führen diese Werke weder im Titel noch im Text selbst zu verfälschen. Was ist mit dem Lied "Zehn kleine Negerlein..." Wollen wir dies auch ändern oder verbieten lassen. In dem Stück selbst werden ja zehn "Neger" (ich verwende hier dieses Wort bewußt, möchte aber auch klar herausstellen, daß ich kein Rassist oder Fremdenhasser bin)als Puppen dargestellt. Wenn wir also den Titel anpassen, müssen wir dann nicht auch diese Figuren anpassen... d.h. eine müßte eine gelbe, eine weise, eine rote, eine weibliche, ein behinderte,... Puppe sein. Dies wäre erforderlich um wirklich politisch Korrekt zu argumentieren. Wir sollten uns doch bewußt machen, daß auch bei der Namesänderung eine From der Diskriminierung stattfindet. Unterstellen wir damit nicht unterschwellig, daß A.C. eine Rassistin war - ich denke schon. Respekt kann nicht dadurch erlangt werden, in dem man alles verändert und der Umwelt so anpasst, daß es jedem gerecht wird. Respekt kann meiner Aufassung nur erlangt werden, wenn wir in der Lage sind zu unterscheiden, daß wichtige vom unwichtigen zu trennen. Naja.... ich hoffe, daß irgendwann solche Websiten nicht mehr erforderlich sind (nicht böse gemeint) und wir erkennen, was wir alle gemeinsam haben.... wir sind MENSCHEN!!! Dirk Merkel |
30.09.2008, WAZ: Zehn kleine Mörderlein . . .
WAZ / Essen,Dienstag, 30.09.2008
Zehn kleine Mörderlein . . .
Das Kleine Theater am Gänsemarkt setzt seine Krimi-Klassiker-Reihe mit Agatha Christies "Und dann gab's keines mehr" erfolgreich fort
Das "Kleine Theater" am Gänsemarkt setzt auch in der neuen Spielzeit seine Krimi-Tradition fort. Nach der erfolgreichen Inszenierung von Agatha Christies' "Mausefalle" steht nun der nächste Klassiker der Krimi-Königin auf dem Programm. Am Freitag feierte dort das Stück "Und dann gab's keines mehr" seine Premiere. Bekannt wurde das Stück von 1939 unter dem Titel "Zehn kleine Negerlein". Doch 2002 wurde es von der Antidiskriminierungsstelle umbenannt. Erzählt wird die Geschichte von zehn Personen mit dunkler Vergangenheit, die von einem ominösen Unbekannten eingeladen werden, ein Wochenende auf einer abgeschiedenen Insel zu verbringen. Sie halten Gericht über sich selbst, bis einer nach dem anderen nicht nur sein Gesicht, sondern auch sein Leben verliert. Sie wissen, der Mörder muss jemand aus der Gruppe sein. Wem können sie noch trauen? Können sie überleben, bis das rettende Boot am Montag die Insel erreicht? Unweigerlich fiebern die Zuschauer mit. Kein Detail möchten sie verpassen. Selber den Mörder entlarven. Regisseurin Monika Pischner gelingt die enorme Leistung, die komplexe Handlung derart zu verdichten, dass die Geschichte auf kleinstem Raum sehr gut funktioniert und die Spannung bis zur Lösung des Rätsels konstant gesteigert wird. Denn im Kleinen Theater ist der Name Programm. Die Garderobe bietet gerade fünf Schauspielern Platz. Schnell wird es gemütlich im Saal. Eine Klimaanlage gibt es in dem 1965 eröffneten Theater ebenso wenig, wie einen Fahrstuhl. Auch für aufwändige Spezialeffekte ist in diesem Haus verständlicherweise kein Platz. Doch die erwartet der Besucher auch gar nicht: Man kommt wegen der familiären Atmosphäre und der Qualität des Schauspiels. Und was der Zuschauer bei "Und dann gab's keines mehr" von den zehn ambitionierten Laienschauspielern geboten bekommt, ist wahrlich beeindruckend. Fazit: Spannende Unterhaltung zum Mitfiebern für junge und alte Krimi-Freunde.
Bildunterschrift: Wem ist noch zu trauen? Einer aus der Gruppe - hier ein Ensemblebild der Neuproduktion - ist der Mörder Foto:KTE |
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