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Seitenübersicht

Von der eigenen Nachbarschaft terrorisiert

Eine Familie kam aus Schwarzafrika, um bei uns Schutz zu finden. Aber die eigene Nachbarschaft terrorisiert sie.

Inhaltsverzeichnis

Eine Familie wird bedroht

11.08.2002, Polizei: Volksverhetzung (Pressemitteilung)

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Polizei / Essen,Sonntag, 11.08.2002

Volksverhetzung


Essen (ots) - Essen-Bergeborbeck: Am Samstag, den 10.08.2002, um 04:35 Uhr, sprachen mehrere Personen stundenlang dem Alkohol zu. Dabei wurde die Stimmung immer aggressiver und richtete sich gegen eine im Erdgeschoß wohnende Familie aus dem Kongo. Diese hielt sich in der Wohnung auf, als ein 27jähriger Mann die Wohnungstür aus den Angeln trat. Ein 41jähriger Mann schlug mit einer Bierflasche gegen ein Fenster, so dass die Scheibe zersprang. Während der Sachverhaltsklärung rief ein 42jähriger Alkoholisierter mehrfach "Ihr Nigger" und "Ihr Bimbos, was wollt ihr denn ?" Dabei versuchte er immer wieder, zu der am Fenster verweilenden Familie zu kommen. Daraufhin wurde er in Gewahrsam genommen. Eine Strafanzeige wurde gefertigt.

ots-Originaltext: Pressestelle Polizei Essen

12.08.2002, NRZ: Hetze gegen Familie

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NRZ / Essen,Montag, 12.08.2002

Hetze gegen Familie


Samstagmorgen, 4.35 Uhr in Bergeborbeck. Nach einem mehrstündigen Saufgelage versetzen drei Männer, 27, 41 und 42 Jahre alt, in in der Zinkstraße lebende und aus dem Kongo stammende dreiköpfige Familie, Mutter, Vater und Tochter (11), in Angst und Schrecken. Der 27-jährige trat die Tür der Erdgeschoss-Wohnung aus den Angeln, in der die Familie lebt. Nach Angaben der Polizei wohnt er im selben Haus und ist aus der rechten Szene bekannt. Der 41-jährige zerschlägt mit einer Bierflasche eine Fensterscheibe. Als die Polizei bereits am Tatort ist, schreit der 42-jährige "Ihr Nigger" und "ihr Bimbos, was wollt ihr denn?". Als der aggressive Mann erneut versucht, auf die in der Wohnung am Fenster stehende Familie loszugehen, nimmt ihn die Polizei in Gewahrsam. Die Beamten stellen Strafanzeige, die Drei müssen sich unter anderem wegen Volksverhetzung verantworten.

22.08.2002, BN: Bedrohte Familie sucht neues Zuhause

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Borbecker Nachrichten / Essen,Donnerstag, 22.08.2002

Bedrohte Familie sucht neues Zuhause

Vater in Sorge um heranwachsende Töchter

Eine Familie aus dem Kongo fühlt sich in ihrer Wohnung in Bergeborbeck nicht mehr sicher.


Die Familie war in der vergangenen Woche von Nachbarn bedroht worden. Dabei trat ein 27-Jähriger die Wohnungstür ein, ein 41-Jähriger zerschlug eine Scheibe in der Erdgeschosswohnung (die BN berichteten). Gegen die Täter wurde Strafanzeige gestellt, aber die Bedrohungen gehen weiter. Der alleinerziehende Vater (die Mutter starb kurz nach der Ankunft in Deutschland) ist in Sorge um seine beiden Töchter (zwölf und 18 Jahre alt), die hier eine Schule besuchen und perfekt deutsch sprechen.

Das Sozialamt hat - wie Rechtsanwalt Thomas Kutschaty mitteilt - bereits seine Zustimmung zum Umzug der Familie erteilt.

Gesucht wird eine etwa 60 Quadratmeter große Wohnung mit zwei Schlafzimmern.

Wer helfen kann, möge sich an Thomas Kutschaty, Tel: 68 51 840, oder die BN-Redaktion, Tel: 86700-11, wenden.

05.09.2002, BN: Wo bleibt die Menschlichkeit?

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Borbecker Nachrichten / Essen,Donnerstag, 05.09.2002

Wo bleibt die Menschlichkeit?

Zum Thema: Bedrohung einer Familie aus dem Kongo


Eine afrikanische Flüchtlingsfamilie in Borbeck. Die Mutter verstarb. Das Sozialamt hat dem Vater und den beiden minderjährigen Töchtern eine Wohnung in Borbeck vermittelt. In der Häuserzeile leben viele ausländische und auch deutsche Menschen, die es mit sich und den Umständen ihres Lebens nicht leicht haben. Gegenüber auf der anderen Straßenseite wohnen deutsche Familien in ihren neu gebauten Reihenhäuschen Wer wüsste nicht, dass das Zusammenleben in dieser Straße nicht leicht ist.

Einige Mitbewohner haben sich die afrikanische Familie, als Ziel ihrer Bosheit ausgewählt. Sie verschaffen sich durch ständige Bedrohungen eine Bestätigung ihres deutschen Überlegenheitsgefühls. Dabei sind die Afrikaner die Schwächsten und (als einzige Schwarze in dieser Straße) die Fremdesten. Ein Fenster wurde eingeworfen, die Wohnungstür wurde eingetreten. ein Pitbull-Aufkleber wurde an die Tür geklebt. Die Afrikaner müssen mit "Bimbo"-Rufen und der Angst vor Hunden leben.

Natürlich war die Polizei schon ab und zu da. Was geschieht, wenn sie wieder weggefahren ist, kann sich jeder vorstellen.

Aber das Schlimmste: Gegen die Akteure gibt es keinen Widerstand der Mitbewohner in der Straße. Weder die deutschen Familien sagen: "Hört doch auf!" noch die ausländischen Mitbewohner zeigen ihre Solidarität. Wo bleibt die Menschlichkeit? Wer versetzt sich in die Angst der afrikanischen Kinder, wenn sie von der Schule nach Hause kommen oder wenn sie nachts wegen des bedrohlichen Lärms draußen nicht schlafen können?

Die deutschen Anwohner möchte ich fragen: Was lernen Ihre Kinder für ihr Leben, wenn sie die klammheimliche Freude der Erwachsenen an dem Unrecht miterleben? Menschlichkeit zeigt sich in Zivilcourage. Die ausländischen Familien möchte ich fragen: Wer von Ihnen ist als nächster dran, wenn die schwarze Familie weggezogen ist? Menschlichkeit zeigt sich in Zivilcourage.

Die Polizei möchte ich bitten öfter dort vorbeizufahren, auf die Einhaltung der Hundeverordnungen zu bestehen und den Verängstigten in dieser Straße deutlichere Zeichen zu geben, dass auf die Einhaltung des Rechts gedrungen wird.

Dass die afrikanische Familie dank der Unterstützung einiger engagierter Mitmenschen jetzt wegziehen kann, ist eine Notwendigkeit, aber zugleich eine Niederlage der Menschlichkeit. Und diejenigen, die Steine geworfen oder "Bimbos raus" gerufen haben, sie sollten jetzt, wenn die Familie auszieht, hingehen und sagen "Entschuldigung, vielleicht habe ich zuviel Bier getrunken, soweit wollte ich eigentlich nicht gehen. Alle Gute."

Ich traue es allen in Borbeck wohnenden Menschen zu, dass sie ihre Fehler einsehen und ihre Menschlichkeit entdecken.

Heinrich Gehring

Legrandallee

07.09.2002, WAZ: Jeden Abend kommt die Angst vor neuem Terror

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waz / Essen,Samstag, 07.09.2002

Jeden Abend kommt die Angst vor neuem Terror

Flüchtlingsfamilie aus dem Kongo wurde in Borbeck von den Nachbarn terrorisiert - jetzt darf sie umziehen


Seine Frau starb in der Heimat. In der Hoffnung, der Gewalt zu entkommen, kam Venge D. 1997 mit seinen beiden Töchtern aus der Republik Kongo nach Deutschland. Doch auch hier wurde die Flüchtlingsfamilie von der Gewalt eingeholt. Nachbarn pöbeln und warfen Steine durch das Fenster.

Wenn es Abend wird, schieben Yenge D. (42) und seine beiden Töchter Ndaye (11) und Rifine (18) den Kühlschrank aus der Küche vor ihre Wohnungstür in einem Mietshaus in der Zinkstraße. "Unsere Nachbarn haben die massive Holztür eingetreten, sie läßt sich nicht mehr richtig schließen. Deshalb leben wir ständig in Angst, dass die Randalierer versuchen könnten, nachts in unsere Wohnung eindringen", berichtet Ndaye, die mit langen geflochtenen Zöpfen und ihrem T-Shirt mit Glitterdruck wie ein ganz normaler Teenager aussieht.

Sie besucht die Hauptschule in Stoppenberg und spricht fließend Deutsch. Nur eines unterscheidet sie von ihren deutschen Mitschülern: ihre dunkle Hautfarbe. Diese Hautfarbe war es, die Nachbarn aus dem gleichen Haus und aus den penibel gepflegten Reihenhäusern gegenüber ein Dorn im Auge waren.

Denn seit die Familie D. im vergangenen Dezember in diese Wohnung, die ihr vom Sozialamt zugeteilt worden war, einzog, beäugten die Nachbarn sie mit misstrauischen Blicken. Mitte August wurde aus den Blicken handfeste Gewalt. "In der Nacht zum 10. August begannen Randalierer, unser Wohnzimmerfenster mit Bierflaschen zu bewerfen, eine Scheibe ging dabei zu Bruch. Kurz darauf wurde die Wohnungstür eingetreten. Wir wussten gar nicht mehr, wo wir uns verstecken sollten", erinnert sich Rifine.


Mitmenschen

Flüchtlinge wurden wegen

ihrer Hautfarbe diskriminiert

Nachbarn aus den gegenüberliegenden Häusern applaudierten. Die verständigte Polizei konnte nur einen der rund elf stark alkoholisiserten Randalierer festnehmen. Die Gewalt ging weiter. "Wir wurden fast täglich auf offener Straße mit ausländerfeindlichen Parolen beschimpft", erzählen die Mädchen.

Die Familie wandte sich an Ntu Teka vom Ausländerbeirat, und so wurde die Not der Familie in der Sitzung des Beirates thematisiert. Auch die eingeschalteten Bürgerrechtler und Kirchengemeinden wurden tätig: Pfarrer Günter Kern-Kremp von der ev. Kirchengemeinde Borbeck-Vogelheim und Heinrich Gehring fanden eine neue Unterkunft für die Familie, die den D. endlich die ersehnte Ruhe bringen soll. boom
Bildunterschrift:
Steine und Flaschen zerstörten das Fenster der Wohnung, in der Familie D. bislang Unterschlupf suchte. Nun will die Familie der Gewalt entfliehen. WAZ-Bild:Alexandra Umbach
(Nachname für diese Veröffentlichung auf "D." anonymisiert)

02.05.2003, NRZ: Leserbrief: Rechte Hetze nimmt zu (Online www.nrz.de)

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NRZ / Essen,Freitag, 02.05.2003

www.NRZ.de Online-Kommentar

Rechte Hetze nimmt zu


Ein tragisches Beispiel von Fremdenfeindlichkeit und von der schleichenden Verbreitung von Rassismus und Neofaschismus war Anlass für eine Demonstration gegen rechte Gewalt Anfang Februar in Borbeck. Etwa 400 Linksgerichtete, vor allem Jugendliche, nahmen, begleitet von Dutzenden von Polizisten, an dem Marsch zwischen Borbeck und Bergeborbeck teil. Verschiedene Antifa-Gruppen hatten zu der Aktion aufgerufen. Was aber war der Hintergrund der Aktion? Am 11. August vergangenen Jahres kam es in der Zinkstraße zu heftigen Übergriffen auf eine aus dem Kongo stammende Familie. Einige Rechtsradikale attackierten die Wohnung der Familie, schlugen Fensterscheiben ein und wollten sich mit Gewalt Zutritt zur Wohnung verschaffen. Etwa einen Monat später versuchte die Familie auszuziehen - aufgrund dieser Vorfälle und der kaum auszuhaltenden Angst. Rechtsradikale attackierten und bedrohten sie erneut. Beide Male musste die Polizei anrücken. Leider sind Szenen wie diese mittlerweile an vielen Orten der traurige Alltag. Es ist nicht mehr nur die Bedrohung, die von fanatischen Glatzköpfen mit Bomberjacke und "Germany"-Tätowierung auf dem Hinterkopf ausgeht. Vielmehr ist es die Bedrohung durch die Verbreitung von rassistischen, faschistischen und nationalistischen Einstellungen, die sich kaum spürbar in allen sozialen Schichten und Altersgruppen festbeißen. Sei es beim arbeitslosen Jugendlichen, sei es beim vermögenden 55jährigen Biedermann. Ausländerfeindliche Sprache, bei der es anfängt, und Hetzparolen sind schon lange keine Seltenheit mehr. Denn auch in Essen ist eine Ausrichtung vieler Jugendlicher in Richtung rechte Szene unschwer zu erkennen. Einige Stadtteile, zum Beispiel Dellwig oder Frintrop, gelten mittlerweile als regelrechte Nazi-Hochburgen. Auch das Problem des Fußballvereins Rot-Weiß-Essen mit rechtsradikalen Hooligans ist bekannt. Einige Diskotheken bzw. Bars entwickelten sich - Mundpropaganda zufolge - zu Treffpunkten von rassistischen Gruppierungen. Das Wort "Zivilcourage" scheint wieder zum Fremdwort zu werden. Statt zu handeln, bringen viele Beobachter von Übergriffen auf Ausländer, Linke oder Behinderte mit Sprüchen, Beschimpfungen sogar selber das Fass zum Überlaufen. Ein Beispiel dafür lieferten uns die Nachbarn der kongolesischen Familie: anstatt Hilfe zu leisten, applaudierten sie. Um diesen Leuten zu zeigen, dass Fremdenhass nicht der richtige Weg sein kann und darf, gingen die Menschen in Borbeck auf die Straße. Denn rechte Gewalt ist keine Lösung! Auch sollte die Demonstration die Solidarität mit unseren Mitbürgern aus dem Ausland zum Ausdruck bringen.

Stefan Kroll, Jahrgang 10, Helmholtz-Gymnasium

Die Täter werden verurteilt

28.07.2003, ART: Pressemitteilung: Gewalt gegen Ausländer ist keine "Sachbeschädigung"!

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Interkulturelles Solidaritätszentrum e.V.

Anti-Rassismus-Telefon

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Maxstraße 11(*), 45127 Essen, Tel/Fax: 0201-232060

Essen, den 28.07.2003.
Presseerklärung

Gewalt gegen Ausländer ist keine "Sachbeschädigung"


Am 25.07.03 hat das Amtsgericht Essen drei Essener für schuldig befunden, eine afrikanische Familie drangsaliert zu haben.

Über die Ereignisse vom 10 August 2002 war in der Presse berichtet worden (WAZ vom 7.9.02 ): ein Vater und seine zwei Töchter wurden von Nachbarn, die sich vor ihrer Wohnung in der Zinkstrasse versammelt hatten, terrorisiert. Einer der Rowdys versuchte die Wohnungstür einzutreten. Andere warfen Bierflaschen gegen das Fenster. Die Familie musste Hals über Kopf eine neue Wohnung beziehen - gefunden durch Vermittlung von Bürgerrechtlern und Kirchengemeinden.

Die erste Anklage gegen drei pöbelnde Nachbarn lautete nur auf Sachbeschädigung bzw. Beleidigung. Aber sofort am Anfang der Verhandlung wurde durch die Aussage des Familienvaters und von anderen Zeugen klar, dass, wenn eine Familie vor Angst in ihrer Wohnung zittern muss, während Nachbarn der Gewalt applaudieren, es um wesentlich mehr geht.

So wurde die Verhandlung letztlich auf den 25.07.03 Amtsgericht Essen verschoben, und jetzt sind die drei Beschuldigten wegen Landfriedensbruch zu empfindlichen Strafen (halbes Jahr Freiheitsentzug ausgesetzt auf 4 Jahre Bewährung) verurteilt worden.

Wir hoffen, dass damit auch eine Lehre verbunden ist für die Menschen, die verabscheungswurdige Angriffe auf Ausländer ausüben oder dulden, und dass solche Ereignisse sich nicht mehr wiederholen.

Der Familie wünschen wir in Zukunft einen friedlichen Aufenthalt in unserer Stadt.

Mit freundlichen Grüßen

i.A. Gabriella Guidi

31.07.2003, NRZ: Empfindliche Strafen für rechte Randalierer

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NRZ / Essen,Donnerstag, 31.07.2003

Empfindliche Strafen für rechte Randalierer

PROZESS / Fast ein Jahr nach den Übergriffen auf eine kongolesische Familie in Bergeborbeck sind jetzt Urteile gegen drei Angeklagte ergangen: je sechs Monate Haft auf Bewährung.


Die rassistischen Übergriffe von Anwohnern der Zinkstraße in Bergeborbeck auf eine kongolesische Flüchtlings-Familie vor fast genau einem Jahr haben Bürgerrechtler, Vertreter von Kirchengemeinden und antifaschistische Gruppen auf den Plan gerufen, die gegen eine "steigende Ausländerfeindlichkeit" im Stadtteil demonstrierten. Jetzt hatte der Terror in der Nachbarschaft auch ein Nachspiel vor Gericht: Drei pöbelnde und zum Teil handgreiflich gewordene Anwohner im Alter von 28 bis 42 Jahren sind vom Amtsgericht empfindlich bestraft worden.

Je ein halbes Jahr Freiheitsentzug ausgesetzt auf vier Jahre Bewährung hießen die Urteile in dem Verfahren.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die drei Angeklagten die Familie, einen Vater (42) und seine beiden elf und 18 Jahre alten Töchter, in der Nacht zum 10. August aufs Ärgste ihrer Hautfarbe wegen drangsaliert und in Angst und Schrecken versetzt haben. Einer der nachweislich betrunkenen Randalierer versuchte, die Wohnungstür einzutreten, andere warfen Bierflaschen gegen das Fenster, während Umstehende der Gewalt applaudierten, statt Zivilcourage zu zeigen und einzuschreiten.

Die Furcht der Familie vor weiteren Übergriffen war so groß, dass sie allabendlich einen Kühlschrank vor die demolierte Eingangstür schob, um halbwegs geschützt zu sein. Ganz zu schweigen von den ausländerfeindlichen Parolen, mit denen die Schwarzafrikaner in der Folgezeit auf der Straße überzogen wurden, bis sich der Ausländerbeirat der Stadt, die evangelische Kirchengemeinde Borbeck-Vogelheim und der ehemalige Stadtsuperintendent Heinrich Gehring einschalteten.

Ihrem gemeinschaftlichen Engagement ist es zu verdanken, dass die Familie eine neue Unterkunft bekam, wo sie hoffentlich das gefunden hat, was sie in Deutschland suchte, nachdem ihre Ehefrau und Mutter im Kongo umgekommen war: ein Leben ohne Gewalt, das an der Zinkstraße offenbar nicht möglich war.

Ein spätes Einsehen stellte sich bei den Angeklagten vor Gericht ein: Es tue ihnen Leid, beteuerten sie nach der Verkündung des Urteils. Zuvor hatten sie noch beteuert, sich an die Randale-Nacht nicht mehr erinnern zu können. Sie plädierten auf Filmriss durch exzessiven Alkoholgenuss.

Die Mitglieder des Essener Vereins Interkulturelles Solidaritätszentrum hoffen, dass mit dem Urteil eine Lehre verbunden ist - nicht nur für Angeklagten, sondern "auch für die Menschen, die verabscheuungswürdige Angriffe auf Ausländer ausüben oder dulden".

(j.m.)

04.08.2003, BN: Demonstranten erinnern an Übergriffe

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Borbecker Nachrichten / Essen,Montag, 04.08.2003

Demonstranten erinnern an Übergriffe


Ein Jahr nach den rassistischen Attacken auf eine afrikanische Familie an der Zinkstraße (die BN berichteten) ist es dort beinahe wieder zu gewalttätigen Ausschreitungen gekommen. Wie die Polizei auf BN-Anfrage bestätigte, versammelten sich am frühen Montagabend rund 40 Vermummte auf der Germaniastraße, um an die Vorfälle vom 11. August des vergangenen Jahres zu erinnern. Anwohner riefen daraufhin die Polizei. Als die Beamten eintrafen, löste sich die Gruppe auf. Um die Stimmung nicht aufzuheizen, verzichtete die Polizei darauf, die Personalien der Demonstranten festzustellen. Nach den Worten einer Sprecherin der "Antifa Essen Z" sollen Anwohner die Gruppe mit Eisenstangen bedroht haben. Die Polizei teilte auf Anfrage der BN mit, von Bedrohungen sei "nichts bekannt".
Steubenstr. 49, 45138 Essen
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